Monika Grütters – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Sun, 07 Feb 2021 14:06:51 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Kultur als Integrationsfaktor https://www.tiefgang.net/kultur-als-integrationsfaktor/ Sun, 07 Feb 2021 14:06:51 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7630 [...]]]> Kultur ist keine Unterhaltung, auch wenn sie dies sein kann. Sie kann aber auch integrierend sein. Dieser Aspekt ist nun insbesondere der Kulturstiftung des Bundes wichtig. Also wird gefördert.

Wie Kultur integrieren kann, macht zum Beispiel „360° – Der Fonds für Kulturen der Stadtgesellschaft“ deutlich. Die Kulturstiftung des Bundes hat ihn aufgelegt, um Kultureinrichtungen darin zu unterstützen, die Gesellschaft in ihrer gesamten Vielfalt in den Blick zu nehmen und dabei verstärkt auch Menschen mit Migrationsgeschichte einzubeziehen. Das gilt für Theater ebenso wie für Bibliotheken oder Musikschulen. Der Fonds hilft ihnen dabei, Programm, Personal und Publikum so zu entwickeln, dass auch bisher nicht erreichte gesellschaftliche Gruppen einen Zugang zu den Angeboten finden können.

Das Programm „360°“ ist Teil eines von insgesamt fünf Kernvorhaben des Bundes, die von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, zusammen mit mehr als 200 Akteurinnen und Akteuren aus Kultureinrichtungen und -organisationen sowie Migrantenverbänden in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet wurden.

Unter dem Titel „Zusammenwachsen: Vielfalt gestalten – Einheit sichern“ wurde das „Kulturkapitel“ in Phase IV des Nationalen Aktionsplans Integration aufgenommen. Das Bundeskabinett hat heute den Teilen Phase IV und V des Aktionsplans zugestimmt.

Grütters: Kulturelle Teilhabe stärkt gesellschaftlichen Zusammenhalt

Kulturstaatsministerin Monika Grütters unterstrich aus diesem Anlass die Bedeutung der Kultur als „Integrationsmotor“. Gerade in Zeiten wachsender Ressentiments könnten Kunst und Kultur enorme Kräfte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt entfalten, so die Kulturstaatsministerin.

Kulturelle Teilhabe und Diversität sollten deshalb in den vom Bund geförderten kulturellen Einrichtungen als Kern- und Querschnittsaufgabe verankert werden, um ein Zusammenwachsen in Vielfalt aktiv zu fördern, forderte Grütters. „So tragen wir auch der größeren gesellschaftlichen Vielfalt in Deutschland Rechnung.“

Die Förderung und Weiterentwicklung von Diversitätskonzepten steht im Mittelpunkt der im Kulturkapitel genannten Kernvorhaben.

Kultureinrichtungen, die vom Bund gefördert werden, sollen deshalb noch mehr als bisher die Teilhabe aller Menschen an ihren Angeboten als zentrale Aufgabe betrachten. Um das zu erreichen, soll die Diversität bei Personal, Publikum, Programm und Partnern weiter ausgebaut werden.

Verstärkt wird auch die Zusammenarbeit bundesgeförderter Einrichtungen. Im Rahmen des neuen Netzwerks kulturelle Bildung und Integration 2.0.wird der operative Erfahrungsaustausch bundesgeförderter Kultureinrichtungen verbessert. Das Netzwerk wird vom Haus Bastian, Zentrum für kulturelle Bildung der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz, organisiert.

Migrationsgeschichte – Thema in Museen

Ganz gezielt soll auch die Migrationsgeschichte stärkere Beachtung im musealen Kontext finden. Die Bundesregierung will daher Migrationsgeschichte und -gegenwart in Museen abbilden und hierzu eine Reihe von Museen umfangreich fördern.

Um eine breitere Wissensbasis zu erhalten, wird der Deutsche Kulturrat im Rahmen der Initiative Kulturelle Integration in diesem Jahr einen Bericht zur Diversität in bundesgeförderten Einrichtungen erarbeiten. Die im Kulturkapitel aufgeführten Vorhaben werden am 9. März auf dem 13. Integrationsgipfel vorgestellt.

Der Nationale Aktionsplan Integration wird koordiniert von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Staatsministerin Widmann-Mauz. Den Auftakt zur Fort- und Weiterentwicklung des NAP-I bildete der 10. Integrationsgipfel im Juni 2018 im Bundeskanzleramt. Seitdem wurden in verschiedenen Themenforen Vorhaben des Bundes ausgearbeitet, die nun im Nationalen Aktionsplan Integration beschlossen werden. Dieser ist seiner Struktur nach an den Phasen des Integrationsprozesses angelehnt.

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung 

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„Eigenes Dasein begreifen“ https://www.tiefgang.net/eigenes-dasein-begreifen/ Fri, 20 Sep 2019 22:50:54 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5867 [...]]]> Jedes Jahr wird aus einer Vielzahl erschienener Bücher eine Shortlist erwählt, die preisverdächtig ist. Die Buch-Themen sind stets aktuell …

In der Mitteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels heißt es:

„Jörg Magenau (freier Literaturkritiker), Sprecher der Jury des Deutschen Buchpreises 2019, zur Auswahl: „Die Shortlist bietet sechs herausragende Fundstücke, sechs Romane, die formal und stilistisch und in ihrer Klangfarbe unterschiedlicher nicht sein könnten, und die doch ein großes Thema eint: In allen geht es um familiäre Zusammenhänge, um den Ort in der globalen Welt, von dem aus das eigene Dasein zu begreifen ist. Dass dabei vor allem die Identität des Mannes problematisch geworden ist, beschreiben sie mal aus weiblicher, mal aus männlicher Perspektive. Vielleicht hat der Generationenwechsel, der sich mit drei Debüts im Finale andeutet, damit zu tun, dass die Jüngeren bei diesen Themen schärfer hinschauen. Die Jury war geeint in Leselust und konstruktivem Streit. Wir hoffen, dass es auch allen anderen Leserinnen und Lesern so gehen wird.“

Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 203 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2018 und dem 17. September 2019 erschienen sind.

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2019 gehören neben Jörg Magenau an: Petra Hartlieb (Hartliebs Bücher, Wien), Hauke Hückstädt (Literaturhaus Frankfurt am Main), Björn Lauer (Hugendubel Frankfurt), Alf Mentzer (Hessischer Rundfunk), Daniela Strigl (Literaturwissenschaftlerin) und Margarete von Schwarzkopf (Autorin und Literaturkritikerin).
Mit dem Deutschen Buchpreis 2019 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der Preisträger oder die Preisträgerin erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalistinnen und Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 14. Oktober 2019 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.
Die Jury hat die sechs Romane für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019 ausgewählt:

  • Raphaela Edelbauer, Das flüssige Land (Klett-Cotta, August 2019)
  • Miku Sophie Kühmel, Kintsugi (S. Fischer, August 2019)
  • Tonio Schachinger, Nicht wie ihr (Kremayr & Scheriau, August 2019)
  • Norbert Scheuer, Winterbienen (C.H.Beck, Juli 2019)
  • Saša Stanišić, Herkunft (Luchterhand, März 2019)
  • Jackie Thomae, Brüder (Hanser Berlin, August 2019)

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, hat zudem die Preisträgerinnen und Preisträger des ersten Deutschen Verlagspreises bekanntgegeben. Als Partner der Auszeichnung beglückwünscht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die ausgezeichneten Verlage und weist auf die Bedeutung starker Rahmenbedingungen für die Zukunft der Verlagslandschaft in Deutschland hin. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins: „Die 66 Preisträgerinnen und Preisträger des ersten Deutschen Verlagspreises sind hervorragende Beispiele für die wichtige Rolle der Verlage als Garanten kultureller Vielfalt und unserer Demokratie. Mit großem persönlichem Engagement erbringen Verlegerinnen und Verleger mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen wesentlichen Beitrag zu unserer Kulturlandschaft, regen mit ihren Büchern Debatten an und leisten einen Beitrag zum Meinungsbildungsprozess. Wir bedanken uns bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters, dass sie sich mit dieser Auszeichnung zur Bedeutung der unabhängigen Verlage für unsere Gesellschaft bekennt und damit die Leistung und Bandbreite der rund 3.000 Verlage in unserem Land sichtbar macht. Der Deutsche Verlagspreis ist ein wichtiger Baustein in der Förderung der Buchbranche.“

Essenziell für eine lebendige und unabhängige Verlagslandschaft seien, so Skipis, tragfähige Rahmenbedingungen wie die Buchpreisbindung, ein starkes Urheberrecht und der reduzierte Mehrwertsteuersatz für gedruckte wie elektronische Bücher: „Es ist dringend erforderlich, dass die Bundesregierung noch in diesem Jahr die Weichen dafür stellt, dass Verlage wieder an den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften beteiligt werden können. Aufgrund eines Urteils des Bundesgerichtshofs erhalten Verlage seit 2015 keinen gerechten Ausgleich mehr, wenn ihre Werke privat kopiert oder in sonstiger gesetzlich erlaubter Weise genutzt werden. Gerade die kleinen, unabhängigen Verlage benötigen diese Einnahmen aber dringend, um auch künftig in qualitativ hochwertige und vielfältige Inhalte investieren zu können.“

Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

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„Quell der literarischen Vielfalt“ https://www.tiefgang.net/quell-der-literarischen-vielfalt/ Fri, 26 Jul 2019 22:09:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5592 [...]]]> Viele glaubten das gedruckte Buch schon tot, doch es erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Auch weil es engagierte Buchhandlungen gibt. 3 aus Hamburgs Süden wurden nun nominiert.

Das Staatsministerium für Kultur und Medien teilte nun zur Nominierung für den Deutschen Buchhandlungspreis mit:

„Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, wird in diesem Jahr zum fünften Mal den Deutschen Buchhandlungspreis an ausgewählte Buchhandlungen verleihen. Die Preisverleihung findet am 2. Oktober in Rostock statt.

Mit der Auszeichnung würdigt die Kulturstaatsministerin unabhängige und inhabergeführten Buchhandlungen, die sich um das Kulturgut Buch und seine große gesellschaftliche Bedeutung, für ein vielfältiges Verlagswesen oder das kulturelle Leben durch die „Buchhandlung vor Ort“ verdient gemacht haben.

Eine unabhängige Jury mit Experten der Branche hat in diesem Jahr aus 467 Bewerbungen 118 Buchhandlungen für den Preis ausgewählt. Dies entspricht einem Zuwachs von ca. 8 % im Vergleich zum Vorjahr (434 Bewerbungen). 82 Buchhandlungen bewarben sich in diesem Jahr zum ersten Mal um den Deutschen Buchhandlungspreis.

Monika Grütters: „Die Erfolgsgeschichte Deutscher Buchhandlungspreis wird fortgeschrieben. Er ist Symbol und Anerkennung zugleich: Buchhandlungen sind ein Quell für die literarische und kulturelle Vielfalt in Deutschland. Mit ihrem unternehmerischen Mut und ihrer Individualität tragen die Buchhänderinnen und Buchhändler damit ganz wesentlich zur Lebensqualität ihrer Region bei. Es freut mich, dass dieses Jahr besonders viele Buchhandlungen aus dem ländlichen Raum erfolgreich waren. 41 von 118 möglichen Preisträgern kommen aus Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern.“

62 der insgesamt 118 Preisträger sind „Neulinge“, die zum ersten Mal den Deutschen Buchhandlungspreis erhalten. „Das zeigt, dass nicht nur die altbekannten Buchhandlungen Preise erhalten können“, so Grütters. „Jede Buchhandlung mit einem vielfältigen Kulturangebot oder einem innovativen Geschäftsmodell kann gewinnen.“

Die ausgezeichneten Buchhandlungen erhalten ein dotiertes Gütesiegel verbunden mit einem Preisgeld in drei Preiskategorien:

– 7.000 Euro für bis zu hundert hervorragende Buchhandlungen.

– 15.000 Euro für bis zu fünf Buchhandlungen, die aus den nominierten Buchhandlungen besonders herausragen.

– 25.000 Euro für die drei besten der nominierten Buchhandlungen.

In welcher dieser drei Kategorien die Buchhandlungen ausgezeichnet werden, wird die Kulturstaatsministerin erst bei der feierlichen Preisverleihung am 2. Oktober in Rostock bekannt geben. Im Einzelnen sind folgende Buchhandlungen in den drei Preiskategorien nominiert:

Aus Hamburg die Buchhandlung Lüdemann aus Wilhelsmburg, die Buchhandlung Lüders, Buchhandlung Seitenweise und Felix Jud Buchhandlung. Aus dem nördlichen Niedersachsen die Buchhandlung Slawski aus Buchholz und Schaumburg aus Stade.

Mit dem Deutschen Buchhandlungspreis zeichnet die Kulturstaatsministerin unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen mit Sitz in Deutschland aus, die ein anspruchsvolles und vielseitiges literarisches Sortiment haben, ein besonderes kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren.

Der unabhängigen Jury unter Vorsitz von Sandra Kegel (Literaturkritikerin FAZ) gehören an: Regina Vogel (Verlagsvertreterin), Jo Lendle (Carl Hanser Verlag), Stefan Weidle (Kurt-Wolff-Stiftung), und Gabriele Schink (Börsenverein des Deutschen Buchhandels).

Außerdem nahmen Reinhilde Rösch (Geschäftsführerin Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Baden-Württemberg e.V.) und Manfred Metzner (Verlag das Wunderhorn) an der Jurysitzung teil.

Partner des von der Kulturstaatsministerin vergebenen Deutschen Buchhandlungspreises sind die Kurt-Wolff-Stiftung und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

Weitere Informationen: www.deutscher-buchhandlungspreis.de

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Mehr als nur Worte https://www.tiefgang.net/mehr-als-nur-worte/ Fri, 15 Mar 2019 23:09:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5024 [...]]]> Vertreter*innen vom Bund, den Ländern und der Kommunen trafen diese Woche zusammen und zwar zum Thema Kultur. Vereinbart wurde viel Grundsätzliches. Aber hat es auch Substanz?

Die neu gegründete Kulturministerkonferenz (Kultur-MK) kam am vergangenen Mittwoch in Berlin zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Und es war viel vorbereitet worden, denn es dauerte nicht lang, da wurde schon ein Grundlagenpapier zu künftigen Zusammenarbeit veröffentlicht. Das ist meist ein Zeichen von Aktionismus und Symbolpolitik, wenn gleich es in der Pressemitteilung hieß, es sei „ein deutliches Bekenntnis zur kulturellen und künstlerischen Freiheit“. Der Zusammenschluss der für Kultur zuständigen Landesministerinnen und -minister und Senatorinnen und Senatoren ist im vergangenen Jahr gegründet worden, um kulturpolitischen Belangen der Länder auch auf Bundesebene mehr Sichtbarkeit zu geben, die Kulturpolitik und Förderprogramme von Bund und Ländern enger abzustimmen und die gesellschaftliche Bedeutung der Kultur zu stärken. Eines ihrer Probleme aber könnte sein, dass viele Köche auch den Kulturbrei verderben könnten. Denn wer hat für was eigentlich welche Kompetenz?

Ein Blick auf die führenden Vertreter*innen verdeutlicht dies: da ist als Vertreter der Kommunen Markus Lewe, CDU-Mann und aktueller Präsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister der Stadt Münster. Dann Michelle Müntefering, SPD-Frau, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, als eine der Bundesvertreterinnen, da im Bund man sich auf eine Position eines Bundeskulturministeriums noch nicht durchringen konnte. Dann CDU-Frau und Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters. Klingt nach Kultusministerin, ist es aber nicht ganz. Und letztlich Carsten Brosda, SPD-Mann, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg und eben Vorsitzender der neuen Kulturministerkonferenz (Kultur-MK). Eine Verteilung also ganz wie eine Große Koalition von CDU und SPD. Und Brosda ließ auch gleich symbolträchtig verlauten: „Eine freie und offene Gesellschaft braucht eine freie und starke Kultur. Es ist ein gutes und wichtiges Zeichen, dass die Länder als gemeinsame Grundlage ihrer künftigen engeren Zusammenarbeit ein deutliches Bekenntnis zur Freiheit der Kunst voranstellen. Wir sehen es als unsere gemeinsame Aufgabe an, diese Freiheit zu schützen und zu einem Maßstab unserer Kulturpolitik zu machen. Tendenzen der Einschränkung der Kunstfreiheit müssen wir entschieden entgegentreten und der Kultur weiterhin die Möglichkeit geben, sich frei zu entfalten und auch zu gesellschaftspolitischen Fragen deutlich Stellung zu beziehen.“

Immerhin: im Grundlagenpapier finden sich Bekenntnisse wie: „Kultureinrichtungen ist die Möglichkeit zu sichern, sich zu gesellschaftlichen oder politischen Problemlagen zu äußern und auch kritisch Stellung zu beziehen. Dies ist durch Artikel 5 des Grundgesetzes gedeckt.“ Darauf können sich nun insbesondere öffentlich geförderte Kultureinrichtungen berufen, wenn ihnen bei politisch unliebsamem Programm wohlmöglich mit  Kürzungen gedroht wird. Aber rechtsverbindlicher als eben der Grundgesetzparagraf eh ist, ist die Erklärung auch nicht. Wie ernst zu nehmen solche Grundsätze sind, wird die Praxis zeigen.

Rückführungen von menschlichen Überresten

Da stimmt allerdings die wenig später veröffentlichte Erklärung der Kulturministerkonferenz positiver. Dort nämlich ging es um das Thema „zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“. Und hier finden sich Aussagen, die das künftige Handeln etlicher Museen und Sammlungen künftig durchaus bestimmen dürften. Denn in der Erklärung heißt es: Wir wollen dabei die Voraussetzungen für Rückführungen von menschlichen Überresten schaffen und für Rückführungen von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten, deren Aneignung in rechtlich und/oder ethisch heute nicht mehr vertretbarer Weise erfolgte. Wir werden gemeinsam mit den betroffenen Einrichtungen Rückführungsverfahren mit der erforderlichen Dringlichkeit und Sensibilität behandeln.

Das Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten stammt nicht nur aus ehemaligen deutschen Kolonialgebieten, sondern auch aus anderen Teilen der Welt. Durch gewaltsame Aneignung von Kulturgütern im Zuge des europäischen Kolonialismus wurde vielen betroffenen Gesellschaften Kulturgüter geraubt, die für ihre Geschichte und ihre kulturelle Identität prägend sind. Kulturgüter vergegenwärtigen Zusammenhänge, die für das kulturelle Selbstverständnis der Gesellschaft, aus der sie stammen, von fundamentaler Bedeutung sind.“

Es geht also um Rückgabe und das Zugeständnis, dass etliche Teile musealer Bestände Raubgut sind.

proaktiv Sammlungsgut identifizieren

Und auch die aktive Aufforderung des Mitwirkens liest sich anders als manches Lippenbekenntnis: Wir fordern alle öffentlichen Träger von Einrichtungen und Organisationen, in deren Beständen sich Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten befinden, aber auch  nichtstaatliche Museen, Sammlerinnen und Sammler sowie den Kunsthandel dazu auf, im Sinne dieser Eckpunkte an der Aufarbeitung der Herkunftsgeschichte von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten aktiv mitzuwirken und die jeweils erforderlichen Maßnahmen hierfür zu ergreifen.“

Und in dem folgenden 13-Punkte-Forderungskatalog wird auch durchaus aktives Handeln der betroffenen Kultureinrichtungen eingefordert. Etwa: Rückführungsersuchen von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten sind zeitnah zu bearbeiten. Gleichzeitig sind die kulturgutbewahrenden Einrichtungen aufgerufen, selbstständig und proaktiv Sammlungsgut zu identifizieren, für das eine Rückführung in Frage kommt, auch ohne dass ein vorheriges Rückführungsersuchen vorliegt.“

Es wird nun eine Welle von Aufarbeitungen der Museumsbestände in Gang kommen, die manche düstere Geschichte unseres Landes an die Oberfläche spülen wird. Und Hamburg als Handelsstadt wie auch selbst Harburg als einstige Kautschuk-Fabrik mit Bezugsländern einstiger Kolonien werden da nicht verschont bleiben. Klar sein muß aber auch: man mag Geschichte eine zeitlang verdrängen. Es obliegt aber ihrem inneren Charakter, dass sie uns eh immer wieder einholt. Besser, wir stellen uns ihrer.

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„Orte der Debatte“ https://www.tiefgang.net/orte-der-debatte/ Fri, 25 Jan 2019 23:47:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4785 [...]]]> Beim Theater kennt sich berufsbedingt Kulturstaatsministerin Grütters aus. Nun lobt sie den Theaterpreis des Bundes für 2019 aus.

In der Ausschreibung heißt es:

„Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, hat zum dritten Mal den Theaterpreis des Bundes ausgelobt. Mit dem Preis werden herausragende Leistungen kleiner und mittlerer Theater – insbesondere auch jenseits der Metropolen – gewürdigt.

Die Kulturstaatsministerin erklärte: „Unsere Theater sind die Säulen unserer Kultur in Deutschland. Von Kommunen und gelegentlich von den Ländern gefördert, sind sie wichtige Orte der kulturellen Bildung und des gesellschaftlichen Lebens. Sie sind Orte kontroverser Debatten, die die Gesellschaft nie nur abbilden, sondern immer auch mitformen. Gerade die kleinen und mittleren Theater jenseits der großen Städte sorgen mit viel Leidenschaft und Engagement dafür, dass es in ganz Deutschland ein dichtes Netz an Theaterangeboten auf hohem professionellem Niveau gibt. Mit dem Theaterpreis des Bundes möchte ich nicht nur bemerkenswerte künstlerische Leistungen würdigen, sondern den Theatern insgesamt die ihnen gebührende Aufmerksamkeit und Wertschätzung verschaffen und die Künstlerinnen, Künstler und Ensembles ermutigen, ihren Weg unbeirrt weiter zu gehen.“

Der Theaterpreis des Bundes würdigt besondere Leistungen sowohl im künstlerischen Programm als auch im kulturellen Gesamtangebot der Theater und Spielstätten. Bewerben können sich kleine und mittlere Theater und Häuser der Freien Darstellenden Künste. Erstmals richtet sich die Ausschreibung auch an Häuser, die über kein festes Ensemble verfügen.

Die Durchführung des Bewerbungs- und Juryverfahrens, der Preisverleihung und eines begleitenden Symposiums liegt beim Deutschen Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI).

Hier finden Sie die offizielle Ausschreibung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien:

Ausschreibung Theaterpreis des Bundes 2019

Das Bewerbungsformular finden Sie hier:

Bewerbungsformular Theaterpreis des Bundes 2019

Wichtige Fragen und Antworten können Sie hier einsehen:

  Fragen und Antworten Theaterpreis des Bundes 2019

Die Bewerbungsfrist endet voraussichtlich am 15. Februar, die Jurysitzung ist für Ende März geplant.

Die Jury besteht aus:

Jörg Albrecht (Leitung Burg Hülshoff – Center for Literature), Sophie Diesselhorst (Redaktion nachtkritik.de ), Dorte Lena Eilers (Redaktion Theater der Zeit), Bettina Jahnke (Intendanz Hans Otto Theater Potsdam), Ulrike Kolter (Redaktion Die Deutsche Bühne), Matthias Schulze-Kraft (Künstlerische Leitung Lichthof Theater Hamburg)

Die Preisverleihung soll im Juni 2019 stattfinden.“

Quelle: iti-germany.de

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Kultur und die Identitätsfrage https://www.tiefgang.net/kultur-und-die-identitaetsfrage/ Fri, 14 Sep 2018 22:39:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4134 [...]]]> Die Bundeskulturbeauftragte und der Bundesinnenminister stärken die Stadtteilkultur als identitätsstiftenden Faktor und sprechen  von „Utopolis“ …

Dass unser neues Bundesinnenministerium auch den Titel „Heimat“ trägt, hat manche befremdet. Nun aber bekommt unsere „Heimat“ überraschend noch den Impuls der Utopie dazu. In der Pressemitteilung der Bundesregierung heißt es:

„Der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat (BMI), Horst Seehofer, und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Monika Grütters, haben mit der Unterzeichnung einer Ressortvereinbarung für das Modellvorhaben „UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier“ ein gemeinsames Vorgehen für die kommenden vier Jahre zur Umsetzung der ressortübergreifenden Strategie „Soziale Stadt“ vereinbart. Die Modellstandorte werden von der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. ausgewählt.

Es ist in diesem Bereich das erste ressortübergreifende Vorhaben der beiden Resorts. Ziel der Strategie ist es, bauliche Investitionen der Städtebauförderung in einem fachübergreifenden Schulterschluss mit Maßnahmen und Programmen anderer Ressorts zu verbinden.

Mit „UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier“ werden zwölf Modellprojekte gefördert, die nachhaltige Strukturen im Kulturbereich unter Einbeziehung kultur- und medienferner Gruppen schaffen wollen, so dass alle lokalen Akteure ihr Potenzial zur Mitgestaltung an der Stadt- und Ortsteilentwicklung wirksam entfalten können.

Gesellschaft mitgestalten

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Teilhabe am Kulturleben ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, unser gesellschaftliches Leben mitzugestalten. Daher muss der Zugang zu Kunst und Kultur jedem einzelnen möglich sein, unabhängig von sozialer Lage und Herkunft. Das Projekt ‚UTOPOLIS – Soziokultur im Quartier‘ stellt kulturelle Vermittlung und Stadtteilarbeit in den Mittelpunkt und ist ein Schwerpunkt zukunftsgerichteter Kulturpolitik. Es wird eine wichtige Rolle dafür spielen können, dass wir als heterogene, vielfältige Gesellschaft zusammenwachsen.“

Bundesminister Seehofer: „Hiermit unterstützen wir bundesweit Nachbarschaften mit großen sozialen Integrationsanforderungen noch besser. Die von uns getätigten baulichen Investitionen zur Städtebauförderung sind wichtig, mit ihnen alleine ist es aber nicht getan. Deshalb setzen wir den Koalitionsvertrag um und führen die ressortübergreifende Strategie Soziale Stadt fort. Kunst und Kultur prägen unsere kulturelle Identität, leisten einen entscheidenden Beitrag zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und zur Integration. Ich bin froh, dass wir so kurz nach dem Inkrafttreten des Bundeshaushalts 2018 dieses Modellvorhaben für die Quartiere und die dort lebenden Menschen starten können.“

Partizipation an Kunst und Kultur

Insbesondere in Quartieren mit besonderen sozialen Anforderungen hat ein erheblicher Teil der Bevölkerung bisher wenige oder keine Berührungspunkte zu den Angeboten der Kunst- und Kultureinrichtungen. Ein wesentliches Ziel der Aktivitäten von BKM und BMI besteht deshalb darin, auch solche Menschen zu erreichen, deren Partizipation an Kunst und Kultur bislang gering ist. Jeder soll die Chance bekommen, sich Kultur und kulturelle Angebote zu erschließen – unabhängig von individuellen Fähigkeiten, von ethnischer oder sozialer Herkunft sowie von Geschlecht oder Alter.

Die Modellstandorte werden von der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. ausgewählt. Im Rahmen der Modellprojekte sollen strukturelle Veränderungsprozesse angestoßen sowie Zugangsbarrieren zu kulturellen Angeboten abgebaut werden. Ein wesentliches Ziel ist es, mit verschiedenen künstlerischen und medialen sowie soziokulturellen Angeboten, Aktionen und Aktivitäten Menschen aus vor allem benachteiligten Stadt- und Ortsteilen zusammenzuführen.

Das Modellvorhaben wird von Oktober 2018 bis Dezember 2022 durch BMI und BKM gefördert. Es ist Teil des BMI-Programms „Modellvorhaben Miteinander im Quartier – Förderung ressortübergreifender Maßnahmen in der Sozialen Stadt“, mit dem in den kommenden Jahren jährlich 10 Mio. Euro zur Verfügung stehen.

Mit „Verbraucher stärken im Quartier“ (gemeinsames Programm mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) und „Jugendmigrationsdienste im Quartier“ (gemeinsames Programm mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) befinden sich zwei Modellvorhaben bereits in der Umsetzung. Weitere ressortübergreifende Förderungen in Städtebaufördergebieten der Sozialen Stadt sind vorgesehen.“

Quelle: www.bundesregierung.de

 

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Nach dem Brexit kommt das große Sparen https://www.tiefgang.net/nach-dem-brexit-kommt-das-grosse-sparen/ Fri, 02 Mar 2018 23:59:56 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3200 [...]]]> Mit dem Brexit wird ein Beitragszahler in der EU fehlen. Und es ist zu erwarten, dass nicht umgeschichtet, sondern eingespart wird. Und wo? Kultur. Geht ja immer. Noch kann gegengehalten werden …

Die Beauftrage der Bundesregierung für Medien und Kultur, Monika Grütters (CDU), ließ nun einen Aufruf versenden. Nicht zum Protest. Das wäre wohl nicht zunftgemäß. Aber man möge sich doch an einer Umfrage beteiligen. Ob das was bringt …?

In dem Aufruf heißt es:

„Das EU-Förderprogramm „Kreatives Europa“, in dem seit 2014 die Programme Kultur, MEDIA und MEDIA Mundus zusammengefasst und um das Instrument des Garantiefonds für die Kultur- und Kreativbranche ergänzt sind, läuft Ende 2020 aus. Die Europäische Kommission arbeitet derzeit am Entwurf für ein Folgeprogramm. Voraussetzung für eine Fortführung des Programmes ist, dass in den Verhandlungen zum mehrjährigen Finanzrahmen ab 2021 Mittel für „Kreatives Europa“ bereitgestellt wer- den.

Vor dem Hintergrund der mit dem Brexit zu erwartenden empfindlichen Einschnitte im EU-Haushalt werden auf europäischer Ebene sämtliche Förderprogramme auf den Prüfstand gestellt. Ziel der Europäischen Kommission ist es, sich zukünftig auf diejenigen Programme zu konzentrieren, die die vorrangigen politischen Herausforderungen effektiv und zukunftsgerichtet adressieren.

Die EU-Kommission führt dazu bis zum 8. März 2018 eine öffentliche Konsultation zur Zukunft der Förderinstrumente im Bereich Mobilität und Werte und damit auch zur Zukunft des Programms „Kreatives Europa“ ab 2021 durch. Die Umfrage richtet sich sowohl an Einzelpersonen, als auch an Unternehmen und Institutionen und ist unter folgendem Link abrufbar: ec.europa.eu/info

Mithilfe des im Link enthaltenen kurzen Fragebogens (15-20 Min.) soll die Bedeutung der Programme für spezifische politische Herausforderungen, ihre Effektivität und ihr europäischen Mehrwert bewertet werden. Es können außerdem Änderungs-vorschläge gemacht und eigene Stellungnahmen (max. 1 MB) hochgeladen werden.

Aus Sicht der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ist das Programm „Kreatives Europa“ von großer Bedeutung für den Kultur- und Kreativsektor. Sein Schwerpunkt liegt in der Förderung der kulturellen Vielfalt und des kulturellen Erbes in Europa und der Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Kultur- und Kreativbranche. Es trägt aber auch zur Förderung einer europäischen Identi-tät und zur Bildung gemeinsamer Werte bei. Ebenso werden neben Mobilität und Kompetenzbildung auch Innovation und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gefördert.

Wir rufen daher alle Akteure dazu auf, sich in möglichst großer Zahl an dieser wichtigen Umfrage zu beteiligen. Sie ist ein wesentlicher Baustein für die Überlegungen zur Zukunft des Programms „Kreatives Europa“. Bitte leiten Sie die Informationen über die Umfrage auch an andere geeignete Akteure weiter, um eine möglichst breite Teilnahme der Bereiche Kultur, Film und Kreativwirtschaft zu erreichen.

Berlin, den 22.02.2018“

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„Von Gleichberechtigung keine Rede!“ https://www.tiefgang.net/von-gleichberechtigung-keine-rede/ Fri, 17 Nov 2017 23:31:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2440 [...]]]> Wie steht es um die Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbereich? Eine Langzeit-Studie hat nichts Gutes zu vermelden.

Da meldet dieser Tage erst das Weltwirtschaftsforum, dass mit einer Gleichberechtigung von Frauen in der Wirtschaft wohl erst in hundert Jahren zu rechnen sei (F.A.Z. vom 2. Nov. 2017) und merkt an, es sei im Grunde in jüngster Zeit eher wieder schlechter geworden. Aber ist denn nicht wenigst in den Bereichen von Kunst, Kultur und Kreativität die Welt in Ordnung?

Nein, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann und legt eine Langzeit-Studie seiner Kollegin Gabriele Schulz vor. Sie hat über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren untersucht, wie es um die Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbereich bestellt ist. Dabei wurden sowohl die Ausbildungssituation, die Präsenz von Frauen in Führungsetagen von Kultureinrichtungen, die Partizipation von Frauen an der individuellen Künstlerinnen- und Künstlerförderung und anderes mehr in den Blick genommen. Wie viele Frauen studieren und arbeiten in künstlerischen Fächern, und was verdienen sie? Sind sie in führender Position oder in Beratungs- und Entscheidungsgremien in der Kultur- und Medienbranche tätig, und welche Stolpersteine, aber auch Ermutigungen und Förderungen, gibt es? Wie ist Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbetrieb erreichbar? Herausgekommen ist ein sehr detailliertes Werk von rund 500 Seiten. Und das Fazit? „Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass trotz stärkerer Präsenz von Frauen in einigen Bereichen von Geschlechtergerechtigkeit nicht die Rede sein kann. Das gilt gleichermaßen für Kulturverbände.“

Keine guten Nachrichten. Und Zimmermann macht auch gar keinen Hehl daraus: „Ich selbst habe mir so gravierende Unterschiede beispielsweise mit Blick auf das Einkommen freiberuflicher Künstlerinnen und Künstler nicht vorstellen können. Der »Gender Pay Gap« beträgt im Kulturbereich bei den frei­beruflich arbeitenden Künstlerinnen erschreckende 24 Prozent.“

Nun ist ein Dossier „Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft: Wie weiblich ist die Kulturwirtschaft“ erschienen, das hier einige Einblicke in die vertrackte Situation gibt. Denn der plumpe Blick auf das Pendant ´Mann` als Ursache allen Übels hilft nicht weiter. Denn das Thema ist vielschichtig und komplex.

Im Dossier nun werden Frauen und Männer aus der Kultur- und Kreativwirtschaft in Form von Texten, Interviews und Fotografien porträtiert. Es findet sich auch ein Statement von Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien bei der Bundeskanzlerin: „Von völliger Gleichberechtigung zwi­schen Frauen und Männern, wie sie in Artikel 3 unse­res Grundgesetzes festgeschrieben ist, kann leider auch in Kultur, Medien und Kreativwirtschaft noch keine Rede sein. Und: Vermutlich können nicht nur Künstlerinnen ein Lied davon singen. Deshalb habe ich noch 2016 den Runden Tisch »Frauen in Kultur und Medien« mit hochrangigen Ver­treterinnen und Vertretern der Kultur- und Medien­branche ins Leben gerufen. In verschiedenen Arbeits­gruppen wurden Best-Practice-Beispiele erörtert und Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet, sodass wir im Juli dieses Jahres unter dem Motto »Weil es 2017 ist« in aller (weiblichen) Bescheidenheit den erfolgrei­chen Abschluss der gemeinsamen Arbeit feiern konn­ten. Wenn die vorgeschlagenen Ideen alle umgesetzt werden, sind wir in puncto Gleichberechtigung zwei­fellos ein gutes Stück weiter.“

Die Verfasserin der Studie, Gabriele Schulz merkt an: „In sehr vielen Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft gibt es wenige Aufstiegschancen, da die erste Führungsebe­ne oft aus der Inhaberin besteht und die zweite Ebene dann unmittelbar die Angestellten bilden. Überdies be­steht in vielen Unternehmen nur eine geringe Fluktua­tion, was auf der einen Seite bestehende Teams stärkt und den Beschäftigten Sicherheit gibt; auf der anderen Seite Frauen, die neu- oder wiedereinsteigen, weniger Chancen eröffnet, da feste Stellen besetzt sind.“

300 Mitarbeiter, davon sind 30 Prozent Frauen

Und so zeichnet das Dossier eben auch ein Bild von Arbeitswirklichkeiten, derer man sich erst einmal bewusst sein muß. Wie etwa Anett Graf. Sie ist „Head of Human Resources“ bei dem Unternehmen Gameforge, weltweiter Marktführer im Bereich der Free-to-Play-Spiele. Wir haben ca. 300 Mitarbeiter, davon sind 30 Prozent Frauen. Das ist im Vergleich zu anderen Unternehmen im Games- und IT-Umfeld überdurchschnittlich. Wir als Firma können sehr stolz darauf sein, dass wir eine sehr hohe Frauenquote im IT-Umfeld haben.“ 30 Prozent.

Auf die Frage, wie viele Frauen im Unternehmen zudem in Führungspositionen seien: „Wir haben ungefähr 50 Führungskräfte, davon sind sie­ben Frauen, sowohl in der ersten Ebene direkt unter der Geschäftsleitung als auch in den Ebenen darunter.“

Man kann nach dem Lesen des Dossiers also nur Mut machen, dran zu bleiben. Und es ist wohl ebenso gemeint, wenn am Ende Simone de Beauvoir zitiert wird mit: „„Frauen die nichts fordern, werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts!“

Die Studie „Frauen in Kultur und Medien“ kann hier kostenfrei als PDF geladen werden: Frauen-in-Kultur-und-Medien.pdf

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Quelle: kulturrat.de

 

 

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„Kultur – hör´ die Signale!“ https://www.tiefgang.net/kultur-hoer-die-signale/ Sat, 01 Jul 2017 06:52:13 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1515 [...]]]> Wer sich über Geschenke freut, für den könnte jedes Jahr Bundestagswahlkampf sein. Diesmal trifft es sogar die Kultur. Und das nicht zu knapp.

In der Pressemitteilung des Ministeriums vom 28. Jun. 2017 heißt es:

„Der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, ist es in den Verhandlungen zum Bundeshaushalt 2018 gelungen, für ihr Budget eine Steigerung in Höhe von 312 Millionen Euro für kulturelle Institutionen und Projekte zu erreichen. Der Regierungsentwurf für den Haushalt 2018, der heute vom Kabinett verabschiedet wurde, sieht damit insgesamt rund 1,67 Milliarden Euro für den Kulturetat vor. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Regierungsentwurf des Vorjahres um 23 Prozent. Seit dem Amtsantritt von Kulturstaatsministerin Grütters im Jahr 2013 hat sich der Haushalt damit um rund 460 Millionen Euro erhöht. Das entspricht einer Steigerung in dieser Legislaturperiode um gut 38 Prozent. Seit dem Amtsantritt von Bundeskanzlerin Merkel im Jahr 2005 stieg der Kulturetat um fast 60 Prozent.

Monika Grütters erklärte: „Die erneute Etatsteigerung ist ein großartiges Signal: Sie unterstreicht den gesamtgesellschaftlichen Wert der Kultur, denn Kunst und Kultur sind heute als Brückenbauer mehr denn je gefragt. Wir stärken damit die für Deutschland typische kulturelle Vielfalt und setzen abermals ein deutliches Zeichen für diesen wichtigen Aspekt unserer nationalen Identität. Künstler und Kreative werden davon ebenso profitieren wie etablierte Kultureinrichtungen.

„Zeichen für nationale Identität

So werden wir mit 75 Millionen Euro einen zusätzlichen Anreiz für große internationale und nationale Filmproduktionen setzen und den Filmstandort Deutschland noch attraktiver machen. Die Gesamtsumme für den Deutschen Filmförderfonds wird sich danach im Jahr 2018 voraussichtlich auf insgesamt 125 Millionen Euro belaufen. Auch die bereits ab dem Haushaltsjahr 2016 erfolgte Erhöhung der kulturellen Filmförderung in meinem Haushalt um 15 Millionen Euro soll 2018 fortgesetzt werden.

Zur weiteren Stärkung des Kulturgutschutzes in Deutschland, den wir mit dem neuen Kulturgutschutzgesetz 2016 auf eine zeitgemäße Grundlage gestellt haben, sind 7,5 Millionen Euro für den Ankauf national wertvollen Kulturguts vorgesehen; insgesamt stehen dann 10 Millionen Euro hierfür zur Verfügung.“

25 Mio. für die Deutsche Welle

Mehr Geld gibt es auch für die Deutsche Welle. Der Auslandssender wird 25,7 Millionen Euro zusätzlich erhalten. Damit können unter anderem die Stärkung des Angebots für Russland und die Ukraine, des arabisch- und türkischsprachigen Angebots sowie die aktuellen Programme für Flüchtlinge fortgesetzt werden.

Träumt schon: Monika Grütters (Foto: M. Wächter)

Ein strukturelles Zeichen setzt der Bund auch mit der Aufnahme der Zuschüsse, die im neuen Hauptstadtfinanzierungsvertrag vereinbart wurden – diesmal mit einem starken Akzent in der Musik. So wird der Bund die Berliner Philharmoniker mit 7,5 Millionen Euro fördern, aber auch einen Beitrag von 10 Millionen Euro zur erstrangigen musikalisch-künstlerischen Arbeit an den Berliner Opern leisten. Die mehr als fünfzigprozentige Aufstockung des Hauptstadtkulturfonds auf 15 Millionen Euro schafft die Grundlage, eine Vielzahl an innovativen Einzelprojekten und Veranstaltungen fördern zu können, insbesondere Projekte der freien Szene.

Im Rahmen der Umsetzung des Hauptstadtfinanzierungsvertrags wird zudem der Bund das Land Berlin von Betriebs- und Programmkosten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Humboldt Forum entlasten; hierfür sieht der Regierungsentwurf 2,3 Millionen Euro vor.

Entwurf unter Vorbehalt

Mit dem neuen „Nationalen Präventionsprogramms gegen islamistischen Extremismus“ werden gerade auch Kultur und Medien ihren eigenen und unabdingbaren Beitrag leisten. Hierfür werden im Kulturhaushalt 6,5 Millionen Euro neu zur Verfügung stehen. Daraus sollen Initiativen zur kulturellen Integration sowie zur Prävention im Netz durch Stärkung der Medienkompetenz gefördert werden.

Im Filmbereich werden die Mittel zur schrittweisen Digitalisierung des deutschen Filmerbes im kommenden Jahr um 2,3 auf nun 3,3 Millionen Euro erhöht. Die Länder sind hier aufgefordert, sich ebenfalls in gleicher Höhe zu beteiligen.

Für notwendige Sanierungsmaßnahmen beim von der Deutschen Schillergesellschaft getragenen Deutschen Literaturarchiv Marbach konnten 850.000 Euro bereitgestellt werden. Für die Barenboim-Said-Akademie in Berlin, die 2016 in die dauerhafte Förderung aufgenommen wurde, ist eine Erhöhung um knapp 1,4 auf nun 6,9 Millionen Euro vorgesehen.

Der erste Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2018 steht unter dem Vorbehalt der weiteren Haushaltsaufstellung, insbesondere des parlamentarischen Haushaltsverfahrens, das erst nach der Bundestagswahl im Herbst stattfinden wird.“

Quelle: kulturstaatsministerin.de

(29. Jun 2017, TG)

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