Simone Karl https://www.tiefgang.net Tue, 21 Jul 2026 15:56:28 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Sicherung künstlerischer Freiheiten https://www.tiefgang.net/sicherung-kuenstlerischer-freiheiten/ https://www.tiefgang.net/sicherung-kuenstlerischer-freiheiten/#respond Mon, 20 Jul 2026 13:24:13 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14207 [...]]]> Wenn der schnelle Rhythmus des globalen Kunstmarkts nach einer ständigen Taktung von Messen, Biennalen und digitaler Sichtbarkeit verlangt, droht kreatives Schaffen allzu leicht zur bloßen Ware zu verkommen, bevor es überhaupt reifen konnte. Umso wichtiger sind jene geschützten Anker im Gefüge der Hansestadt, die genau diesen Verwertungsdruck aushebeln.

Die Kunststipendien der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die in fortwährender Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien Hamburg vergeben werden, bilden einen solchen dringend benötigten Freiraum. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und Unsicherheiten ist es essenziell, Räume für künstlerische Reflexion und kreative Freiheit zu schaffen, wie auch Jana Schiedek, Staatsrätin für Kultur und Medien, betont. Es geht darum, den Kunstschaffenden durch Zeit, Mittel und Vertrauen die Handlungsfähigkeit zu sichern, damit neue Arbeiten jenseits kurzfristiger Zwänge entstehen können, ergänzt Christine Neuhaus von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.

Dass dieses Vertrauen auf ein hochkarätiges Fundament trifft, beweist die Auswahl des Jahrgangs 2026. Eine unabhängige Fachjury, bestehend aus Mela Dávila Freire, Janneke de Vries, Stefanie Jaschke-Lohse, Lene Markusen und Christoph Platz-Gallus, sichtete über 100 Bewerbungen und wählte ein aus sieben Positionen bestehendes Septett aus, dessen Arbeiten durch eine tiefe Reflexion politischer und gesellschaftlicher Realitäten bestechen. Zu den ausgezeichneten Stimmen gehört etwa Simone Karl, deren raumgreifende Skulpturen und feingespinnte Collagen Fragen von Körperlichkeit und Intimität verhandeln – Arbeiten, die Interessierte im Hamburger Raum teils sogar über die Kunstleihe Harburg entdecken und entleihen können. Ebenfalls vertreten ist Barbara Lüdde, die in ihren bildnerischen Welten tief in subkulturellen Kontexten verwurzelt ist und gesellschaftliche Rollenbilder seziert. Das Stipendium teilen sie sich mit Noémi Barbaglia, deren filigrane Objektserien aus Glasfaser und Epoxidharz zwischen Präsenz und visueller Auflösung oszillieren, sowie mit Mitko Mitkov, der in seiner visuellen Kraft die Bruchstellen von Biografie und Migration befragt. Komplettiert wird das Septett durch Franziska Nast, die mit konzeptuellen und partizipativen Anordnungen die bürokratischen Mechanismen des Kunstsystems unterwandert, Cristina Rüesch (Young Valley Soil) mit ihren ökologisch-geologischen Verknüpfungen von Mensch und Mitwelt sowie Krystsina Savutsina, die mit einem unerbittlichen und intimen Blick gesellschaftspolitische Machtstrukturen in filmischen Arbeiten festhält.

Mit jeweils 10.000 Euro dotiert, entziehen sich diese Mittel der direkten Marktorientierung und geben den Künstler*innen die nötige Luft zum Atmen. Wer diesen Positionen nacheifern möchte, muss den Blick bereits auf das kommende Jahr richten, denn die Bewerbungsphase für die Kunststipendien 2027 hat begonnen und läuft noch bis zum 9. September 2026. Für professionell arbeitende Bildende Künstler*innen und Kollektive aus Hamburg öffnet sich damit über die Bewerbungswebseite der Stadt Hamburg erneut das Tor zu jener Autonomie, die das Fundament einer lebendigen Kulturstadt bildet.


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Vier Kreative in einer Villa https://www.tiefgang.net/vier-kreative-in-einer-villa/ Fri, 05 Jul 2024 22:22:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10981 [...]]]> Die Behörde für Kultur und Medien hat vier Residenzstipendien für diesen Sommer vergeben.

Die Comiczeichnerin Wiebke Bolduan und der Literaturübersetzer Nicolai von Schweder-Schreiner sowie die bildende Künstlerin Simone Karl beziehen im August die Hamburger Sommerresidenz im mare-Künstlerhaus, dem ehemaligen Wohnhaus von Roger Willemsen in Wentorf. Die Autorin Dagrun Hintze reist ins Brecht-Hus nach Svendborg. Die Behörde für Kultur und Medien zahlt die Mieten für die Residenzen sowie zusätzlich 1.000 Euro Aufwandspauschale an die Stipendiatinnen und Stipendiaten.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Es gibt Häuser von wichtigen Persönlichkeiten, die man nur mit Überschuhen und Audioguide betreten darf. Ganz anders das mare-Künstlerhaus und das Brecht-Hus: Hier wohnen, arbeiten und leben Künstlerinnen und Künstler ganz im Sinne ihrer Vorbewohner. Vier Kreative können sich in diesem Sommer in diesem inspirierenden Umfeld ganz ihren aktuellen Vorhaben widmen. Ich freue mich auf die Projekte, die die vier Kreativen während ihrer Residenzaufenthalte entwickeln oder vollenden werden.“

Nikolaus Gelpke, Kuratorium der Roger Willemsen Stiftung: „Es ist ein großes Glück, dass die Bestrebungen des mare Verlages, Künstlerinnen und Künstlern mittels der Stiftung und des mare Künstlerhauses die Möglichkeit zur kreativen Entfaltung zu bieten mit dem Engagement der Kulturbehörde so nachhaltig unterstützt wird. Was für eine erfolgreiche Zusammenarbeit!“

Das Künstlerhaus des mareverlags in Wentorf bei Hamburg war das letzte Wohnhaus des Autors und Publizisten Roger Willemsen, der 2016 verstarb. Dank seines engen Freundes Nikolaus Gelpke, Verleger des mareverlags, wurde die Villa als Künstlerhaus erhalten und schließlich der Roger Willemsen Stiftung als Künstlerresidenz zur Verfügung gestellt. Seit 2018 leben und arbeiten hier Stipendiaten und Stipendiatinnen aus verschiedenen künstlerischen Bereichen, die von der Stiftung betreut werden. 2019 haben die Behörde für Kultur und Medien und die Stiftung ein gemeinsames Residenzprogramm konzipiert.

Das Brecht-Hus liegt auf der Insel Fünen in der dänischen Hafenstadt Svendborg und diente Bertolt Brecht, Helene Weigel und ihren Kindern zwischen 1933 und 1939 als Wohnhaus während des Exils.

Zu den Stipendiatinnen und Stipendiaten:

Wiebke Bolduan, geboren 1994 in der Nähe von Eisenach, hat Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg studiert. Für ihre Abschlussarbeit „Warnebi“ wurde sie 2022 mit einem GINCO Award (German Inclusive / Independent Comic) geehrt. Im gleichen Jahr erschien in der Reihe Shorts im MamiVerlag „Gedanken über Gedanken“. Sie gehört zum Organisationsteam des Hamburger Comicfestivals. 2024 erschien bei Reprodukt ihr Comic „Viktoria Aal“.

Simone Karl, geboren 1989, studierte Design an der TH Nürnberg und an der HAW Hamburg und schloss das Studium 2017 mit dem Master of Arts ab. In ihren Arbeiten bewegt sie sich interdisziplinär zwischen den Grenzen von Design und Kunst und arbeitet für jedes Projekt mit einer individuellen Bildsprache aus unterschiedlichsten Materialien und Arbeitsweisen. Seit 2013 hat sie unter anderem in Mailand, Berlin, Hamburg und Nürnberg ausgestellt, erhielt Artist Residencies in Slowenien, Italien, Portugal und zuletzt in Spanien (Grotta AiR, Aracena). Simone Karl wurde mit dem Collagenpreis des Willi Münzenberg Forums Berlin und dem Anfachen Award ausgezeichnet. Die Künstlerin ist übrigens auch mit einem Werk in der Kunstleihe Harburg vertreten.

Nicolai von Schweder-Schreiner, geboren 1967 in Lissabon, übersetzt Belletristik aus dem Englischen und Portugiesischen. 2009 und 2018 wurde er für seine Übersetzungen der Romane „Ten storey love song“ von Richard Milward sowie „So enden wir“ von Daniel Galera mit dem Hamburger Förderpreis literarische Übersetzungen ausgezeichnet. 2022 erhielt er für die Übersetzung „Der letzte weiße Mann“ von Moshin Hamid einen Hamburger Literaturpreis. Er ist Gitarrist und Sänger der Band Veranda Music.

Dagrun Hintze, geboren 1971 in Lübeck, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Würzburg und Antwerpen. Sie schreibt Theaterstücke, Lyrik, Prosa und Essays und publiziert außerdem über zeitgenössische Kunst und Dokumentartheater. Seit 2011 arbeitet Dagrun Hintze als Autorin und Dramaturgin für partizipative Theaterprojekte mit gesellschaftspolitischen Themen. So erzählen im Stück „So glücklich, dass du Angst bekommst“ (Theater Chemnitz, Regie: Miriam Tscholl) drei ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiterinnen gemeinsam mit drei Puppenspielerinnen und drei Puppen ihre Lebensgeschichten. Die Produktion und eine dazu entwickelte Comic-App wurden 2023 mit dem ersten Preis des Sächsischen Preises für Kulturelle Bildung ausgezeichnet. Seit 2017 ist Dagrun Hintze Fußball-Kolumnistin der RBB-Radiosendung Arena.

 

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Kooperationen der Kunst https://www.tiefgang.net/kooperationen-der-kunst/ Fri, 07 Jun 2019 22:54:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5382 [...]]]> Vor einem Jahr trafen sich Künstler*innen Harburgs in den leeren Räumen der Dreifaltigkeitskirche. Gestest wurde, ob man dort eine Artothek (Kunstleihe) aufbauen könnte. Seither ist viel passiert. Und es kommt noch besser …

In der Mitteilung der Kunstleihe heißt es:

„Die Kunstleihe Harburg – Hamburgs erste Artothek, in der man seit Anfang 2019 für wenig Geld lokale Kunst leihen kann – ist seit Mai am neuen Standort, im Nachbarschaftstreff  Eißendorfer Straße 124 angekommen und startet nun mit zahlreichen weiteren Angeboten und Kooperationen durch.

Nachdem das Team der Kunstleihe Harburg sich in den neuen und nur zeitweise nutzbaren Räumen einer ehemaligen Sparkassen-Filiale in der Eißendorfer Straße 124 in Harburg zunächst etwas umgewöhnen und einiges Mobiliar anpassen musste, ist nun wieder etwas Zeit für die inhaltliche Arbeit.

„Aus der Idee, einfach mal lokale Kunst für das private Zuhause zu verleihen, ist mittlerweile ein umfassenderes Projekt der Kunstvermittlung geworden“, so Heiko Langanke vom Team der Kunstleihe.

Der NDR hatte sowohl im Fernsehen (Hamburg Journal) als auch im Radio (90,3) noch zu Zeiten ihrer Testphase im Rahmen des Kulturprojekts „3falt“ in der leerstehende Dreifaltigkeitskirche, sich dem Thema Artothek/Kunstleihe gewidmet. Nun fasste der Radio-Sender nach und interviewte einige Kunstleihende. Und die Faszination der etwas anderen Begegnung mit Kunst war deutlich herauszuhören. „Die Begeisterung, sich in den eigenen Räumen und viel intensiver mit Kunst zu befassen, erleben wir fast jeden Sonntag in der Kunstleihe vor Ort“, so Sabine Schnell vom Kunstleihe-Team. „Es wurde dringend Zeit, dass Hamburg diese Lücke in der Kunstvermittlung schließt.“ Denn anderswo in der Republik sind sogenannte Artotheken bereits seit den 80er Jahren üblich.

Mittlerweile sind binnen weniger Monate gut 40 Werke in private und vornehmlich Harburger Haushalte gewechselt. Und das Kunstleihe-Team kooperiert mittlerweile mit dem Artothekenverband Schleswig-Holstein und auch dem Bundesverband der Artotheken. Sobald eine geeignete Organisationsform gefunden ist, steht auch die Mitgliedschaft an.

„Zur Zeit ist uns auch wichtig, auf die jahrzehnetlangen Erfahrungen der Altvorderen zurückgreifen zu können“, so Langanke. „Beim Aufbau eines umfassenderen Webportals können wir vermutlich die Software der Profis mitnutzen. Das wird uns erlauben, schon zukünftige Aspekte der Digitalisierung und Sicherung des kulturellen Erbes mitzudenken.“ Denn, so prognostizieren etliche Artotheken-Macher: das Thema der Nachlässe an Kunstsammlungen wird in naher Zukunft auch eines der Kunstleihen werden. „Es wäre dumm, wenn die Leidenschaft von Kunstsammler*innen später in Kellern vergammelt ohne gesehen zu werden. Und es ist auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diese Kultur zu bewahren. Dabei wird die Ausleihe eine Möglichkeit sein. Sich ihrer aber erst einmal gewahr zu werden, ist viel vordringlicher“, so Langanke.

Vorab aber glänzt die Harburger Kunstleihe bereits mit einer eigenen Facebook-Seite facebook.com/KunstleiheHarburg mit tagesaktuellen Tipps und Hinweisen zum Kunstleben in Harburg und Hamburg aber auch einem Instagram-Auftritt instagram.com/kunstleihe, auf dem etliche Kunstwerke der Leihe anzuschauen sind.

Erste Kontakte mit Kunstinitiativen anderer Bezirke bestehen bereits ebenso. „Auch das ist ein gutes Zeichen, denn überall in Hamburg sollte Kunst als alltägliche Begleiterin verstanden werden“, so Langanke.

In Kürze ist zudem und während der sonntäglichen Öffnungszeiten ein weiteres Angebot angedacht. Die Harburger Künstlerin Petra Hagedorn bereitet gerade einen „Kunstsalon“ vor. Hier können Kunstinteressierte mit Künstler*innen direkt in der Kunstleihe zusammen kommen. Dann tauscht man sich über Ziele und Inhalte von Künstler*innen oder gar Kunstgruppen aus, aktuelle Ausstellungen, Hintergründe zu Techniken, Motiven oder Arbeitsweisen. „Ebenso kommen auch Leute auf uns zu und fragen nach professioneller Hilfe beim Rahmen von Kunstwerken zum Beispiel.“

Auch die Kunstabteilung „arts & change“ der Medical School Hamburg, die im Harburger Hafen ansässig ist, war nun schon mit rund 15 Studierenden zu Gast in der Kunstleihe. Sie wollen die Kunsterfahrungen weiter erforschen. Was ändert sich bei den Leihenden in der Wahrnehmung? Könnte temporäre Kunst in Kliniken, Seniorenheimen oder Behörden wirken und wenn wie? „Es ist auch für uns eine besondere Erfahrung geworden, wie unterschiedlich das Interesse an Kunst ist“, so Sabine Schnell. „Es ist nicht unbedingt das, was man denkt, was gut ankommt. Und es sind bei uns nicht vordringlich die Namen, die beachtet werden, sondern wirklich die Kunst selbst. Das ist im Grunde das größte Kompliment an die Kunst!“

Zu den Sommerferien will auch die Künstlerin und Stipendiatin der Claussen-Simon-Stiftung Simone Karl einen Kunstworkshop für Kids und Teens anbieten.

„Die Kunstleihe hat sich aber auch zum Netzwerk für Künstler*innen selbst entwickelt“, freut sich Heiko Langanke. So sei angedacht, eine gemeinsame Ausstellung im Rahmen des 3. Buxtehuder Kunstfestes zu organisieren. Und auch beim 16. Harburger Kulturtag will das Kunstleihe-Team Präsenz zeigen – mit einer besonderen Themen-Ausstellung. Und auch wenn der derzeitige Standort gut als „Exil“ dient: „Ein frei verfügbarer Raum in zentraler Lage, der auch in der Woche für Kunstkurse und mehr nutzbar ist, wird unser mittelfristiges Ziel bleiben!“

Es bleibt also viel zu entdecken und zu tun auch für die Leute des gut 10köpfigen Kunstleihe-Teams aus Harburg.

Wer Interesse bekommen hat, kann die rund 150 Werke umfassende Ausstellung der Kunstleihe jeden Sonntag von 12-17h in der ehemaligen Filiale der Sparkasse Harburg-Buxtehude, Eißendorfer Straße 124 besuchen. Dort stehen dann auch meist Kaffee, Kuchen oder ein Glas Sekt bereit und laden zum Austausch.

Wer ein Werk leihen möchte, tut dies für 3 Monate und für 6,- € Leihgebühr. Ein Personalausweis sollte unbedingt mitgebracht werden.“

Weiterführende Links: www.sued-kultur.de/kunstleihe; www.facebook.com/KunstleiheHarburg; www.instagram.com/kunstleihe

NDR-Berichte siehe/höre: youtube/suedkultur

Die Kunstleihe Harburg wird unterstützt durch die Alfred Toepfer Stiftung FVS, die Claussen-Simon-Stiftung, die ZEIT-Stiftung, die Stiftung Erlebnis Kunst sowie private Personen.

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