Meine Lieben, schnallt euch an! Wer diese Woche morgens am Harburger Bahnhof oder am Sand aus dem Bus gestiegen ist, brauchte keine Superkräfte, sondern vor allem eines: Gummistiefel und eine unerschütterliche Geduld.
Während wir in der Zeitung von den großen Plänen für den Zukunftsbahnhof lesen, fühlt sich der Weg zur Arbeit eher wie ein Hindernislauf durch die norddeutsche Tiefebene an.
Es ist schon eine faszinierende Mischung, die wir hier in Harburg erleben. Auf der einen Seite haben wir die Architekten und Stadtplaner, die uns einen Bahnhof und neuerdings eine goldige Lüneburger Straße versprechen, die so modern und klimaresilient sein sollen, dass man dort fast schon Urlaub machen möchte. Auf der anderen Seite steht man im Januar-Regen und fragt sich, ob die digitale Anzeige der S-Bahn eigentlich ein Kunstprojekt ist oder doch irgendwann mal die Wahrheit sagt.
Aber genau das ist Harburg, oder? Wir lassen uns von den grauen Wolken und den ewigen Baustellen am ZOB nicht die Laune verderben. Wenn der Wind von der Elbe so richtig durch die Seevepassage pfeift, dann zeigt sich der wahre Charakter unseres Bezirks. Wir meckern zwar gern – und das auch mit Leidenschaft –, aber wir wissen auch, wo wir uns aufwärmen können.
Mein Lichtblick in diesem grauen Januar ist die lokale Kulturszene. Habt ihr mal gesehen, was in den kleinen Locations wie dem Stellwerk oder in der Fischhalle los ist? Während draußen die Welt im Matsch versinkt, wird drinnen mit so viel Herzblut Musik gemacht und diskutiert, dass man den Schietwetter-Blues sofort vergisst. Das ist die echte Energie von Harburg, die kein Planungsbüro der Welt am Reißbrett entwerfen kann.
Ich finde, wir sollten die Verantwortlichen beim Wort nehmen. Ein Zukunftsbahnhof ist eine tolle Sache, aber die Zukunft beginnt nicht erst in fünf Jahren mit einem roten Band und Sekt. Die Zukunft beginnt jetzt, indem wir dafür sorgen, dass der Weg zum Zug nicht zur Schlammschlacht wird und dass die Kulturorte, die unseren Bezirk so lebendig machen, auch im Budget der Stadt ihren festen Platz haben.
Vielleicht ist das mein Vorsatz für den Rest des Monats: Weniger auf die Pfützen schauen und mehr auf die Menschen, die Harburg trotz allem zum Leuchten bringen. Ob beim schnellen Kaffee am Stand oder beim Konzert am Wochenende – wir machen uns die Welt so bunt, wie wir sie brauchen.
Also, meine Lieben: Kopf hoch, Kapuze auf und durch! Wir sehen uns spätestens an der nächsten S-Bahn-Anzeige – ich bin diejenige, die neugierig schaut, ob die S5 heute mal Lust auf Pünktlichkeit hat.
Eure Clara
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