Feature Ratgeber – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 06 Mar 2026 10:44:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Wenn deine Krankheit eine Pflanze wäre https://www.tiefgang.net/wenn-deine-krankheit-eine-pflanze-waere/ Sun, 08 Mar 2026 05:35:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13502 [...]]]> Eine Krankheit kommt selten leise. Vor allem chronische und autoimmune Erkrankungen bleiben. Sie mischen sich in unser Bild von uns selbst, in unseren Alltag und in unsere Beziehungen ein. Sie nehmen uns Tempo, Kraft und Lebensfreude.

von Ulrike Hinrichs

Wir erleben eine Krankheit als Störung, als etwas, das weg soll. Möglichst schnell. Und doch trägt jede Krankheit auch eine Erfahrung in sich. Eine Stimmung. Eine eigene Qualität. Etwas, das gespürt und gesehen werden will.

In der kunsttherapeutischen Arbeit öffnen wir dafür einen anderen Zugang. Wir sprechen nicht über Diagnosen und nicht über richtig oder falsch. Wir wandeln Symptome in Bilder.

Das möchte ich dir anhand eines Praxisbeispiels zeigen. Es stammt aus meiner Gruppe Krankheit als Bild, die sich regelmäßig im De Stuuv in Neugraben-Fischbek trifft. Die Gruppe wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

Wir haben uns gefragt:

Wenn deine Krankheit eine Pflanze wäre, welche wäre sie?

Vielleicht willst du dir die Frage auch stellen? Dann lass dich ganz intuitiv überraschen, was dir dazu in den Kopf kommt. Ist es ein Steinpilz im Wald, wie ihn eine Teilnehmerin aus meiner Gruppe gemalt hat? Oder sind es Gänseblümchen auf einer Wiese?

Das im Header dargestellte Kunstwerk wurde in der Gruppe Krankheit als Bild zum Bluthochdruck gemalt.

Auf den ersten Blick sehen wir Herzen. Rot, leuchtend, kraftvoll. Sie stehen auf grünen Stielen wie Blüten. Doch sie sind nicht still. Um sie herum sprüht Farbe. Gelb. Pink. Wie eine Explosion. Wie Energie, die keinen Halt findet.

Der Bluthochdruck zeigt sich weniger als Bedrohung, sondern mehr als Übermaß an Energie. Als ein Zuviel. Zu viel Hitze. Zu viel Bewegung. Zu viel nach außen.

Gleichzeitig stehen die Pflanzen fest im Boden. Der grüne Untergrund wirkt ruhig. Fast kühl. Als gäbe es neben all der Hitze auch eine Sehnsucht nach Erdung.

Im Gespräch wurde deutlich: Das Herz will nicht nur leisten. Es will sich zeigen. Es will Raum. Vielleicht auch Entlastung. Durch das Bild verschob sich bei der Klientin die Perspektive. Der Druck bekam eine Form. Eine Farbe. Eine Gestalt. Er war nicht mehr nur ein Messwert, sondern Ausdruck einer inneren Dynamik, die auch viel positive Energie in sich trägt. Herzklopfen ist nicht nur Angst, sondern auch Freude. Bluthochdruck als explodierende Herzblüte. Kraftvoll. Schön. Und vielleicht ein Ruf nach Balance zwischen Feuer und Boden.

Wenn du dich für ausführlich beschriebene Praxisbeispiele mit Klient:innen-Feedback interessierst, dann findest du viele Beispiele in meinem Buch Krankheit als Bild. Als Appetitmacher verweise ich auch gern auf weitere Artikel auf Tiefgang:

Ulrike Hinrichs – Krankheit als Bild

Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

2. erweiterte Auflage

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00;

Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin der Positiven Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe Krankheit als Bild wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Ich mit etwas auf dem Kopf https://www.tiefgang.net/ich-mit-etwas-auf-dem-kopf/ Mon, 02 Mar 2026 23:23:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13464 [...]]]> Was trägst du auf deinem Kopf? Vielleicht eine Krone? Einen Stein? Ein Nest? Einen ganzen Garten? Was kommt dir ganz spontan in den Sinn? Dieses „Etwas auf dem Kopf“ ist mehr als Schmuck oder Last. Es ist ein Symbol für die schöpferische Kraft, die in jedem von uns wohnt.

von Ulrike Hinrichs

Der Kopf ist sichtbar. Er trägt unseren Blick, unsere Mimik, unsere Präsenz. Sobald wir uns etwas auf den Kopf setzen, verändert sich die Haltung. Der Rücken richtet sich auf oder wird schwer. Der Blick hebt sich oder sinkt. Etwas auf dem Kopf wirkt unmittelbar. Es verändert nicht nur unser äußeres Bild, sondern auch unser inneres Erleben.

Im Kopf verorten wir unsere Gedanken, Glaubenssätze und Erinnerungen. Oft hängen wir gerade in problembelasteten Situationen in Denkschleifen fest. Die Gedanken kreisen um das Immergleiche. Ein künstlerisches Portrait mit etwas auf dem Kopf lädt dich ein, einen Raum für neue Perspektiven, überraschende Einsichten und kreative Freiheit zu erschaffen. Vielleicht wird aus einer Last eine Krone. Vielleicht aus innerem Chaos ein leuchtendes Feuer.

Das Etwas auf dem Kopf fordert dich heraus, dich aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, spielerisch, mutig, neugierig, und verbindet dich gleichzeitig mit deiner tiefen Schöpferkraft.

In der künstlerischen Arbeit wird dieses Motiv zu einer Projektionsfläche für das aktuelle Erleben. Es macht Unsichtbares sichtbar und gibt inneren Zuständen eine Form.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder, für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, sind ganz unterschiedliche Motive entstanden. Auf dem Kopf der Frauen waren beispielsweise ein Wollknäul, eine Krone, ein Himmel, ein rosa Elefant.

Was findest du auf deinem Kopf?

Reflexionsfragen

  • Was genau trage ich auf dem Kopf?
  • Wie fühlt es sich an?
  • Was verändert sich in mir, wenn ich es bewusst trage?
  • Wem zeige ich es und wem nicht?
  • Welche Seiten von mir werden dadurch sichtbar?
  • Was geschieht in mir, wenn ich es bewusst wahrnehme und trage?
  • Welche Beziehung habe ich zu diesem „Etwas“?
  • Welche Geschichte verbindet mich mit ihm?
  • Wie möchte ich damit in die Welt treten?

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

 Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Frauenbilder“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Biografiearbeit: Loslassen beginnt mit Hinschauen https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-loslassen-beginnt-mit-hinschauen/ Thu, 19 Feb 2026 23:33:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13355 [...]]]> Vergangenheit ist nichts Abgeschlossenes. Sie lebt im Körper, in Gefühlen und in inneren Bildern weiter, oft leise und unbemerkt. Manchmal meldet sie sich erst dann, wenn wir glauben, längst nach vorne zu gehen.

von Ulrike Hinrichs

„Sollte man nicht irgendwann die Vergangenheit ruhen lassen, endlich loslassen, nach vorne schauen?“ Meine Antwort lautet: „Es kommt darauf an.“

Wenn es dunkle Stellen, Nebel oder schwarze Löcher in der eigenen Biografie gibt, dann ist es hilfreich, sich mit deiner Herkunft und Lebensgeschichte zu beschäftigen. Denn du kannst leichter nach vorne gehen, wenn dein Rucksack nicht zu schwer ist. Unklare oder unbearbeitete biografische Erfahrungen und Leerstellen in der Herkunft sind wie große Wackersteine, die du mit dir trägst.

Loslassen kann sonst zu etwas ganz anderem werden: ein Verdrängen, ein Leugnen oder eine Form von Dissoziation. Nach außen wirkt alles geklärt, doch unter der Oberfläche arbeiten die Themen weiter. Unverarbeitete Traumata verschwinden nicht einfach. Sie zeigen sich im Körper, in Beziehungen oder in wiederkehrenden inneren Mustern. Wir wissen heute aus der Epigenetik, dass traumatische Erfahrungen sogar an die nächsten Generationen weitergegeben werden können.

Vertiefend dazu auf Tiefgang:

Sich mit der eigenen Biografie zu beschäftigen bedeutet Zusammenhänge zu erkennen, innerlich Ordnung zu schaffen und das eigene Leben besser zu verstehen. Erst dadurch entsteht echte Beweglichkeit nach vorne. So kannst du dich lösen, statt im freien Fall ohne sicheren Boden loszulassen.

Kunst ist dafür ein besonders hilfreicher Weg. Sie ermöglicht einen Zugang, der nicht über den Verstand funktioniert. Erinnerung ist keine Datei auf einem Computer, die sich einfach abspeichern und abrufen lässt. Sie ist eng mit Gefühlen verbunden. Oft zeigt sie sich indirekt, fragmentarisch und körperlich. Mit Farbe, Form und spielerischem Ausdruck können wir ihr auf eine intuitive Weise begegnen. Mit Humor und Tiefe zugleich.

Im Header siehst du ein Beispiel einer biografischen Collage-Arbeit mit Kinderfoto von mir. Gerade die Arbeit mit Collage hilft dir, Wortschnipsel und Bildfragmente zusammenzufügen und auf fühlende Weise zu verstehen. Sie unterstützt dich dabei, Bruchstücke deiner Geschichte behutsam neu anzuordnen und ihnen einen stimmigen Platz in deinem Leben zu geben.

Dazu vertiefend auf Tiefgang

Wenn du Lust hast, dich auf diese Weise mit deiner Biografie und Herkunft auseinanderzusetzen, lade ich dich in meinem Buch dazu ein. 60 künstlerische Praxisimpulse und 75 farbige Abbildungen begleiten dich dabei.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin

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Primus inter pares? https://www.tiefgang.net/primus-inter-pares/ Thu, 12 Feb 2026 23:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13236 [...]]]> In vielen Vereinen herrscht das Prinzip der Gleichheit: Jedes Mitglied hat eine Stimme, jede Person die gleichen Pflichten. Doch was passiert, wenn jemandem ein besonderes Denkmal gesetzt werden soll?

Ob Gründungsmitglieder, langjährige Vorstände oder die geschätzte Ehrenpräsidentin – die Rede ist von Sonderrechten. Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. hat dieses Thema unter die Lupe genommen und zeigt auf: Was gut gemeint ist, kann rechtlich schnell zur Sackgasse werden.

Was sind eigentlich Sonderrechte? Rechtlich gesehen handelt es sich nach Paragraph 35 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) um Vorrechte, die nur bestimmten Personen oder Gruppen zustehen. Das kann die Befreiung vom Mitgliedsbeitrag sein, ein lebenslanges Sitzrecht im Vorstand oder ein besonderes Stimmrecht. Es ist eine faszinierende Facette des Vereinsrechts, die Raum für individuelle Wertschätzung schafft. Doch wichtig ist: Damit diese Privilegien zählen, müssen sie ausdrücklich in der Satzung verankert sein. Ein bloßer Handschlag oder ein freundlicher Beschluss der Mitgliederversammlung reicht hier nicht aus.

Einmal gewährt, schwer zu nehmen

Die eigentliche Brisanz liegt in der Beständigkeit dieser Rechte. Sonderrechte gelten im Zweifel für die gesamte Dauer der Mitgliedschaft. Wer einmal zum Ehrenmitglied mit Sonderstatus ernannt wurde, dem kann dieses Recht nicht einfach per Mehrheitsbeschluss wieder entzogen werden. Selbst eine Satzungsänderung prallt hier oft ab: Ohne die Zustimmung der betroffenen Person bleibt das Privileg bestehen. Das Gesetz schützt hier das Vertrauen der Einzelnen massiv.

Ein Verein ist ein lebendiger Organismus, der sich wandelt. Er muss atmen, sich bewegen und auf neue Herausforderungen reagieren können. Was heute als angemessene Anerkennung erscheint, kann in zehn Jahren die Handlungsfähigkeit des Vereins lähmen – etwa wenn eine Ehrenvorstandsperson jede Sitzung blockiert oder massive Beitragsbefreiungen die Vereinskasse leeren. Deshalb raten die Expert*innen vom Vereins- und Stiftungszentrum e.V. zu einer restriktiven Vergabe. Es geht darum, die Balance zwischen der Ehre für das Individuum und dem Wohl der Gemeinschaft zu halten.

Praxistipps für die Satzung

Sollte Ihr Verein Sonderrechte gewähren wollen, ist Präzision gefragt. Legen Sie genau fest, was das Recht umfasst und vor allem: Definieren Sie Bedingungen für einen möglichen Entzug oder eine zeitliche Befristung. So bleibt der Verein handlungsfähig und die Ehre bleibt das, was sie sein soll – eine Auszeichnung, kein Hindernis für die nächste Generation an engagierten Mitarbeiter*innen.

Also: Ehre, wem Ehre gebührt – aber mit Augenmaß. Wer Sonderrechte klug und mit Weitblick in der Satzung verankert, schützt die Zukunft seines Vereins und bewahrt gleichzeitig die Wertschätzung für seine engagiertesten Köpfe.

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Biografiearbeit: Kinderzeichnungen vergessen nichts https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-kinderzeichnungen-vergessen-nichts/ Thu, 12 Feb 2026 13:19:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13272 [...]]]> Unser Familiensystem ist ein lebendiges Geflecht aus Beziehungen, Erwartungen und unausgesprochenen Geschichten. In den frühen Jahren weben vor allem Eltern, Großeltern und Geschwister daran. Manchmal liebevoll. Manchmal widersprüchlich. Manchmal destruktiv.

von Ulrike Hinrichs

Die Kindheit prägt unser Selbstbild, unsere Bindungsmuster und unser Verhältnis zu Nähe und Distanz. Die Stimmen, Gesten und Geheimnisse wirken weiter. Sie bilden sich in unseren Träumen ab, beeinflussen unbewusst unsere Entscheidungen und zeigen sich in unserem Körpergedächtnis. Vieles aus der Vergangenheit liegt im Dunkeln oder ist vergessen. Oder es ist sogar abgespalten, wenn es sich um traumatische Erfahrungen handelt.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Über alte Kinderzeichnungen können wir Kontakt zu unserem jüngeren Selbst aufnehmen. Dank der Sammelleidenschaft meiner Großmutter habe ich einige davon bewahrt. Die Abbildung im Header zeigt ein Bild aus dem Jahr 1974. Ich war neun Jahre alt, als ich es malte.

Auf meinem Bild versammeln sich zahlreiche Tiere. Sie sind nebeneinander angeordnet, fast wie in einem inneren Register. Die Namen sind sorgfältig dazugeschrieben. Vielleicht ein Versuch, die Welt zu ordnen, vielleicht auch, sie festzuhalten oder ihr einen sicheren Platz zu geben.

Kinderzeichnungen sind Zeitfenster in die Vergangenheit.

Kinderzeichnungen sind seelische Landkarten. Sie zeigen, was wichtig war. Wer groß erschien. Wer fehlte. Wo Bedrohung lauerte oder Schutz spürbar war. Sie verraten etwas über Zugehörigkeit, über Sehnsucht und über das, was keinen Namen hatte.

Vielleicht hast auch du eine alte Kinderzeichnung. Schau sie an wie ein Zeitfenster. Ohne Bewertung. Ohne Analyse. Mit Neugier.

  • Was erzählt sie dir heute?
  • Welche Farben ziehen dich an?
  • Wo ist Bewegung, wo Stillstand?
  • Welche Figuren stehen nah beieinander, welche am Rand?
  • Welche Stimmung liegt zwischen den Linien?

Du kannst dieses Bild ins Heute übertragen. Male es neu. Vergrößere ein Detail. Ergänze eine Figur, die gefehlt hat. Gib dem Kind von damals etwas in die Hand. Oder setze dein heutiges Ich dazu. Vielleicht entsteht dabei etwas, das damals noch nicht möglich war. So entsteht ein Dialog zwischen damals und heute, zwischen dem Kind, das du warst, und dem Menschen, der du geworden bist.

Biografiearbeit bedeutet nicht, etwas richtig zu deuten, sondern Beziehung aufzunehmen mit dem eigenen Gewordensein. Sie lädt dich ein, mit deiner Geschichte in Kontakt zu treten. Sie öffnet einen Raum für das Kind, das dich bis heute begleitet. Und manchmal staunt man, wie klar dieses frühe Ich schon wusste, was wesentlich ist.

Siehe dazu auch auf Tiefgang: Dein inneres Kind künstlerisch erwecken

Mehr Praxisimpulse findest du im Atelier für Biografiearbeit. Die 60 kreativen Impulse sind so angelegt, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zur eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken. Es geht nicht um professionelle Kunst, sondern um Ausdruck.

Überall im Buchhandel

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Der Streit um die Mitgliederliste https://www.tiefgang.net/der-streit-um-die-mitgliederliste/ Sun, 08 Feb 2026 23:49:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13233 [...]]]> In vielen Vereinen kommt es vor: Ein Mitglied möchte die anderen Mitglied*innen direkt kontaktieren – sei es für den Wahlkampf um einen Vorstandsposten oder um Unmut über die aktuelle Vereinsführung zu äußern. Doch darf der Vorstand einfach die Liste mit allen E-Mail-Adressen herausgeben?

Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. beleuchtet die rechtliche Lage zwischen Datenschutz und Informationsrecht.

Grundsätzlich gilt: Die Daten der Mitglieder sind geschützt. Der Vorstand ist durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verpflichtet, sorgsam mit diesen Informationen umzugehen. Einfach so hat kein Mitglied einen Anspruch darauf, die privaten Kontaktdaten der anderen zu erhalten. Der Schutz der Privatsphäre wiegt hier schwerer als die bloße Neugier oder der Wunsch nach Vernetzung einzelner Personen.

Ein Anspruch auf Herausgabe der Adressdaten kann jedoch bestehen, wenn ein Mitglied ein berechtigtes Interesse nachweist, das nicht anders erfüllt werden kann. Das ist oft dann der Fall, wenn:

  • Eine Mitgliederversammlung vorbereitet werden soll.
  • Ein Minderheitenbegehren initiiert wird (wenn also eine bestimmte Anzahl an Mitglieder eine Versammlung erzwingen will).
  • Ein Wahlkampf für Vereinsämter ansteht und man die Wähler*innen erreichen muss.

Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. weist darauf hin, dass dieses Informationsrecht tief im Mitgliedschaftsrecht verwurzelt ist. Dennoch bedeutet das nicht automatisch, dass die Liste sofort kopiert werden muss.

Weiterleitung statt Herausgabe

Um den Datenschutz zu wahren und dennoch das Informationsrecht des Mitglieds zu erfüllen, gibt es einen bewährten Mittelweg: Der Vorstand kann anbieten, die Nachricht des Mitglieds selbst an alle anderen Mitglieder weiterzuleiten.

In diesem Fall behält der Verein die Hoheit über die Daten, und die E-Mail-Adressen gelangen nicht in fremde Hände. Erst wenn der Vorstand diese Weiterleitung grundlos verweigert oder sie für das Mitglied unzumutbar ist (etwa wegen hoher Kosten oder Zeitverzögerung), kann ein rechtlicher Anspruch auf die tatsächliche Herausgabe der Liste entstehen.

Was bei der Herausgabe zu beachten ist

Sollte es tatsächlich zur Herausgabe der Daten kommen, müssen klare Regeln eingehalten werden:

  • Zweckbindung: Das Mitglied darf die Daten ausschließlich für den einen, konkret benannten Zweck verwenden. Eine Speicherung für die Zukunft oder die Nutzung für Werbung ist streng untersagt.
  • Datensparsamkeit: Es sollten nur die Daten herausgegeben werden, die wirklich nötig sind. Oft reichen Name und Postanschrift; E-Mail-Adressen sind aufgrund ihrer digitalen Reichweite noch sensibler zu behandeln.

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Künstlerische Biografiearbeit: Die Mutter, die ich mir selbst werde https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-die-mutter-die-ich-mir-selbst-werde/ Sat, 07 Feb 2026 11:05:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13266 [...]]]> Wenn wir in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen sind und keine liebenden Eltern hatten, dann leiden wir oft Zeit unseres Lebens unter der emotionalen Kälte. Wie aber wäre es, wenn du dir eine liebende Mutter oder auch einen Vater erschaffen könntest?

von Ulrike Hinrichs

In vielen Kulturen erscheint Mutter Erde als heilige Gestalt, die Leben schenkt, nährt und schützt. Sie trägt viele Namen: Gaia, die uralte Erdmutter der Griechen, aus der alles Leben entstand. Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, die mit ihrer Trauer den Winter brachte und mit der Rückkehr ihrer Tochter den Frühling. In den Anden lebt Pachamama, die Mutter allen Seins, die Erde und Zeit zugleich ist. Sie wird verehrt mit Gaben und Dank. Diese mythischen Figuren sind Ausdruck einer universellen Sehnsucht nach Verbundenheit, nach einem mütterlichen Prinzip, das jenseits von Herkunft und Familie existiert. Sie erinnern uns daran: Wir sind Teil eines größeren Ganzen. Die Erde ist nicht nur Boden unter unseren Füßen, sie ist Ursprung, Heimat und Spiegel unserer inneren Welt.

Mutter Erde ist die älteste aller Mütter

Lass uns dieses Bild der Urmutter als künstlerischen Impuls nutzen. Mama Erde ist die älteste aller Mütter. Sie trägt uns seit Anbeginn, geduldig, schweigend, atmend. Unter unseren Füßen spüren wir ihr pulsierendes Herz, in ihren Wurzeln liegen die Erinnerung aller Zeiten. Sie ist das große Gedächtnis, das alles speichert und nichts verurteilt. In ihrem Schoß ruhen die Geschichten der Menschheit, der Steine, des Windes. Ihre Haut ist verletzlich, doch sie heilt immer wieder. Mutter Erde nährt uns mit allem, was wir zum Leben brauchen: Wärme, Wasser, Nahrung, Rhythmus, Schönheit. Sie gibt, ohne zu fragen, ohne etwas zurückzufordern. Und doch ruft sie – immer wieder – nach unserer Rückverbindung. Wer sich auf Mutter Erde niederlässt, spürt Halt. Wer ihr lauscht, findet Stille. Wer ihr vertraut, wird erinnert: Du bist Teil dieses lebendigen Organismus. Nicht getrennt, sondern durchwirkt von demselben Atem. In der Verbindung mit Mutter Erde finden wir Zugang zu urweiblicher Kraft: Fruchtbarkeit, Kreativität, Wandel. Sie lehrt uns das Wachsen und das Vergehen. Sie kennt keine Eile. Sie urteilt nicht. Sie sagt: „Du darfst sein. Mit allem, was du bist.“

Es gibt ganz verschiedenen Möglichkeiten, mit Mutter Erde kreativ zu arbeiten. Das haben wir auch in meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe ausprobiert. In meiner Collage im Header ist die Göttin Demeter als Mutter Erde symbolisiert. Eine Frau trägt Landschaft, Geschichte und Erinnerung in sich. In ihrem Körper wohnen Felder, Häuser, Pflanzen, Wege. Leben. Sie beugt sich sanft nach unten. Ihr Blick ist ruhig. Zugewandt. Ohne Forderung. Das Kind in ihren Armen ist aus einer Kopie eines Fotos ausgeschnitten. Es wirkt verletzlich. Nackt. Echt. Es braucht Schutz, Nähe und Wärme. Die Mutterfigur hält es nicht fest. Sie umschließt es. Sie bietet Raum.

In der künstlerischen Biografiearbeit geht es nicht darum, die reale Mutter zu ersetzen. Es geht darum, eine innere Instanz zu entwickeln, die heute verfügbar ist. Eine liebende Mutter im Inneren. Eine, die sieht. Die bleibt. Die nicht beschämt. Durch das Gestalten eines solchen Bildes entsteht Beziehung. Farbe wird Berührung. Form wird Halt. Das Bild wird zu einem inneren Ort, den wir aufsuchen können, wenn alte Verletzungen berührt werden.

So kann Kunst zu einem Akt der Selbstbemutterung werden. Still. Würdevoll. Heilsam.

Mehr Praxisimpulse findest du im Atelier für Biografiearbeit. Die 60 kreativen Impulse sind so angelegt, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zur eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken. Es geht nicht um professionelle Kunst, sondern um Ausdruck.

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Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

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Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg

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Künstlerische Biografiearbeit: Ich mit meiner Mutter auf dem Schoß https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-ich-mit-meiner-mutter-auf-dem-schoss/ Tue, 03 Feb 2026 13:13:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13208 [...]]]> Biografiearbeit nährt, stärkt, erinnert und verbindet uns mit dem, was uns im Innersten ausmacht. Erinnerungen, Erfahrungen, Verluste und Wendepunkte werden nicht nur zu Geschichten, sondern zu innerem Wissen.

von Ulrike Hinrichs

„Wozu ein Blick in die Vergangenheit? Es ist doch besser nach vorne zu schauen und die Vergangenheit ruhen zu lassen.“ Solche oder ähnliche Sätze höre ich oft. Allerdings ist der Blick zurück kein Rückschritt, sondern ein Schritt in die Zukunft. Denn unverarbeitete Themen gären unter der Oberfläche weiter, wenn man sie aus dem Blick nimmt. Die Vergangenheit auszublenden ist kein gesundes Loslassen, sondern eine Form der Dissoziation.

Mehr dazu findest du auf Tiefgang:

Wenn wir unsere Vergangenheit erkunden, benennen und gestalten, verwandeln sich Erlebnisse in Erkenntnisse. Gerade in Phasen des Umbruchs, der Krise oder Sinnsuche kann die biografische Rückschau eine Orientierungshilfe sein. Sie schenkt uns Einsicht in unsere Lebensmuster, würdigt unsere Kraftquellen und macht uns bewusst, was wir bereits durchschritten haben.

Erinnerung ist eine launige Diva

Biografiearbeit ist kein kognitiver Prozess. Erinnerungen lassen sich nicht chronologisch zurückverfolgen. Kreative Zugänge eröffnen einen anderen Zugang zur eigenen Geschichte. Über Farbe, Form, Schreiben oder symbolisches Gestalten können auch jene Erfahrungen Ausdruck finden, für die es keine fertigen Worte gibt. So wird Biografiearbeit zu einem schöpferischen Akt der Selbstvergewisserung. Sie trägt, nährt und erinnert, gerade dann, wenn der Weg nach vorne noch unklar ist. Humor ist dabei eine große Hilfe, und zwar gerade dann, wenn du aus einem schwierigen Familienumfeld kommst. Humor bringt Leichtigkeit in die Schwere.

Ein humorvolles Praxisimpuls aus meinem Buch Atelier für Biografiearbeit lautet: Ich mit meiner Mutter auf dem Schoß. Zu diesem Impuls gestaltete die Künstlerin Yvonne Lautenschläger das Bild der beiden Frösche. Entstanden ist eine Szene, die auf eine berührende Weise mit vertrauten Rollenbildern spielt.

Humor macht Faxen mit dem Ernst

Was passiert, wenn sich das Bild dreht? Nicht das Kind sitzt auf dem Schoß der Mutter, sondern die Mutter sitzt auf dem Schoß des Kindes. Dieses Bild kann vieles auslösen: Mitleid, Überforderung, Verbundenheit, Abgrenzung. Es berührt eine neue Dimension biografischer Reflexion, denn es zeigt dich nicht mehr als Kind, sondern als die Person, die du heute bist. Du schaust nicht nur zurück, sondern nimmst deine Position neu ein. Vielleicht spürst du, wie die Rollen sich im Laufe des Lebens verschoben haben. Vielleicht wird dir bewusst, wie früh du Verantwortung übernehmen musstest. Oder wie sehr du dir gewünscht hättest, deine Mutter halten zu können oder gehalten zu werden.

Biografiearbeit bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu verharren. Sie hilft, innere Zusammenhänge zu verstehen und neue Handlungsspielräume zu öffnen. Besonders kreative Zugänge ermöglichen einen behutsamen Kontakt zu Erinnerungen, Gefühlen und inneren Bildern.

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich dazu ein, diesen Weg praktisch zu gehen. Die 60 kreativen Impulse ermöglichen dir einen behutsamen und tiefgehenden Zugang zu deiner Lebensgeschichte. Ziel ist nicht, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern dir selbst bewusster zu begegnen und deine Geschichte als Ressource zu entdecken.

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

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Die Kraft von Symbolen: Gespräch mit einem Stein https://www.tiefgang.net/die-kraft-von-symbolen-gespraech-mit-einem-stein/ Tue, 27 Jan 2026 15:14:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13188 [...]]]> Der Stein hat für uns viele Bedeutungen und weckt unterschiedliche Assoziationen. Wir können ihn in der kunsttherapeutischen Arbeit als Symbol nutzen, um tiefere Erkenntnisse zu gewinnen.

von Ulrike Hinrichs

Zahlreiche Redewendungen greifen das Symbol des Steins auf: „Er ist wie versteinert“, „Mir fiel ein Stein vom Herzen“, „Ein Herz aus Stein“, „Bei jemandem einen Stein im Brett haben“, „Etwas ist in Stein gemeißelt“. Der Stein steht für etwas Verhärtetes, scheinbar Lebloses und zugleich Ewiges. Gleichzeitig gibt er Rätsel auf.

Der geheimnisvolle „Stein der Weisen“ bezeichnet in der Alchemie einen Stein, der unedle Metalle in Gold und Silber verwandeln kann. Er steht für Transformation, Heilung und Läuterung. Der römische Gott Mithra, eine mythologische Personifizierung der Sonne, wurde der Überlieferung nach in einer Felsenhöhle geboren. In vielen Kulturen wird erzählt, dass Felsen Edelsteine gebären, ebenfalls ein Zeichen der Wandlung.

Wir können die Kraft von Symbolen in der kunsttherapeutischen Arbeit für uns nutzen. Symbole sind mehrdeutig und über Sprachgrenzen hinweg verständlich. Der symbolische Ausdruck besteht nach C. G. Jung darin, dass sich in Analogien etwas noch Unbekanntes und Werdendes zeigen kann. Symbole haben keine starre, festgeschriebene Bedeutung, sondern werden von kollektiven und individuellen Wahrnehmungen geprägt.

Du kannst die Symbolarbeit mit einem Stein ausprobieren.

Und so geht es:

  1. Suche dir ein Lebensthema, das dich beschäftigt, mit dem du arbeiten möchtest.

Gib deinem Thema eine Überschrift.

Hier ein Beispiel: Eine Klientin aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder wählte das Thema „Ich bin nicht genug“. Sie berichtete von einer permanenten Angst, nicht zu genügen.

2) Suche dir ganz intuitiv bei einem Spaziergang einen Stein. Lass dich von ihm finden. Welcher zieht dich magisch an? Es wird der richtige sein.

3) Wenn du magst, kannst du folgenden Malauftrag mit deinem Stein verbinden:
„Wie sieht es im Inneren deines Steines aus?“ Male ganz intuitiv.

4) Reflexion: Zu diesem Malimpuls entstand das im Header abgebildete Kunstwerk der Klientin. Assoziationen der Gruppenteilnehmerinnen lauteten: „Stummer Schrei“, „Mein inneres Weinen“, „Ich will geliebt werden“ oder auch „sanft und harmonisch“.

Die Klientin war von ihrem eigenen Bild und den Rückmeldungen sehr berührt. Im Zentrum stand für sie das Thema „Kind sein dürfen“ und „Kindheit“. Die Tüte mit Brausepulver hatte sie zufällig gefunden und spontan ins Bild eingearbeitet. Auch die Süßigkeit erinnerte sie an ihre Kindheit. Mehr Spielen statt Funktionieren, auch Nichtstun statt Leistung, waren wichtige Impulse für sie.

Mich beeindruckt immer wieder, welche Ideen, Assoziationen und Bilder bei der Arbeit mit Symbolen entstehen. Sie führen heraus aus dem Denkkarussell. Schon das Suchen des Steines selbst und die Beschäftigung mit einem belastenden Thema auf einer symbolischen, bildhaften Ebene können neue Kräfte und Ressourcen wecken.

Wie ist es dir ergangen?

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl (Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen) ISBN 978-3-99165-010-2

Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR;

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Frauenbilder“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Biografiearbeit: Manchmal sind es die kleinen Dinge https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-manchmal-sind-es-die-kleinen-dinge/ Tue, 13 Jan 2026 10:32:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13101 [...]]]> Biografiearbeit beginnt oft dort, wo Erinnerung unerwartet präzise wird. Bei Zahlen, Bildern, Gerüchen. Bei scheinbar nebensächlichen Details, die sich tief eingeprägt haben und plötzlich wieder auftauchen.

von Ulrike Hinrichs

Ich habe wenige Erinnerungen an meine Kindheit. Doch ich erinnere noch das Kennzeichen unseres ersten Familienautos. HH XD 22. Ein leuchtorangefarbener VW Käfer. Auch Telefonnummern sind geblieben. Die meiner Großmutter, die längst gestorben ist. Die meines Vaters, der getrennt von uns lebte. Die der Firma, in der meine Mutter arbeitete. Ich konnte sie alle auswendig. Ich war ein Schlüsselkind. Telefonnummern gaben Sicherheit.

Erinnerungen sind nicht linear. Oft sind sie vernebelt oder ganz verschluckt von der Vergangenheit. Gerade dann ist es hilfreich, sich solche kleinen Details vorzunehmen und mit ihnen künstlerisch zu arbeiten. Künstlerische Biografiearbeit würdigt diese vordergründig unbedeutenden Erinnerungen und kitzelt etwas wach, was hinter dem Vorhang der Vergangenheit verborgen ist. Kunst erlaubt, diesen Spuren zu folgen, ohne sie sofort erklären zu müssen. Sie macht sichtbar, was lange still war. Das scheinbar Unbedeutende wird bedeutsam. Und oft öffnet gerade das Kleine den Zugang zum Wesentlichen. 

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnung mit Pinsel und Farbe“ arbeiten wir mit der Kunst als Ausdrucksform, um die eigene Herkunft zu erforschen und besser zu verstehen.

In meinem Bild im Header taucht der Käfer meiner Kindheit wieder auf. Leuchtend. Rund. Fast schützend. Er steht auf der Straße und zugleich in einem inneren Raum. Umgeben von Farbe, Punkten, Bewegung. Das gemalte Auto wird zum Träger von Atmosphäre. Von Nähe auf engem Raum. Von Unterwegssein. Von Kindheit, die sich nicht in Szenen, sondern in Fragmenten erinnert. In der künstlerischen Biografiearbeit dürfen solche Bilder auftauchen, ohne bewertet zu werden. Sie müssen nichts beweisen. Sie dürfen einfach da sein.

Vielleicht ist es bei dir kein Auto. Vielleicht ist es etwas ganz anderes. Klein, unscheinbar und doch voller Geschichte. Greife danach und lass ein Bild entstehen. Anschließend kannst du einen kreativen Text daraus wachsen kann. Lass dich überraschen, welche Erinnerungen wach werden.

Mehr dazu auf Tiefgang

Bist du neugierig geworden, wie du eigene Erinnerungen künstlerisch erkunden kannst? Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen.

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Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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