Ausschreibungen – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 09 Jan 2026 16:26:55 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Kontinuität und Aufbruch https://www.tiefgang.net/kontinuitaet-und-aufbruch/ Sat, 10 Jan 2026 23:17:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13095 [...]]]> Das Arbeitsstipendium für bildende Kunst der Freien und Hansestadt Hamburg gilt seit seiner Einführung im Jahr 1981 als eines der beständigsten Instrumente der lokalen Kulturpolitik.

Mit der Bekanntgabe der zehn Stipendiat*innen für das Jahr 2026 setzt die Behörde für Kultur und Medien ein deutliches Zeichen für die Förderung künstlerischer Exzellenz. Aus insgesamt 223 Bewerbungen wählte eine Fachjury Positionen aus, die das breite Spektrum und die Innovationskraft der Hamburger Kunstszene repräsentieren.

Die Förderung ist mit monatlich 1.500 Euro dotiert und auf eine Laufzeit von einem Jahr angelegt. In einer Zeit, in der prekäre Arbeitsbedingungen oft den künstlerischen Alltag bestimmen, schafft dieses Stipendium die notwendige Basis für eine konzentrierte Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk. Die Liste der geförderten Künstler*innen für 2026 liest sich wie ein Querschnitt durch die aktuelle künstlerische Produktion der Stadt: Eda Aslan, Asma Ben Slama, Vedad Divović, Catalina González González, Maik Gräf, Nizan Kasper, Simone Kessler, Kenneth Lin, Lulu MacDonald und Jagrut Raval werden durch die Stadt unterstützt.

Die Auswahl der Jury unterstreicht dabei die mediale Vielfalt, die von klassischer Malerei und Skulptur über Performance und Video bis hin zu komplexen multimedialen Arbeiten reicht. Die inhaltlichen Schwerpunkte bewegen sich zwischen rein ästhetischen Diskursen, gesellschaftlichen Fragestellungen und wissenschaftlichen Grenzgängen. Kultursenator Dr. Carsten Brosda sieht in dieser Förderung eine wesentliche Investition in die Freiheit der Kunst, die als Grundlage einer offenen Gesellschaft fungiert.

Ein Blick auf die Gegenwart: Future Continuous im Kunsthaus

Welche Früchte diese Form der Unterstützung trägt, lässt sich derzeit im Kunsthaus Hamburg beobachten. Unter dem Titel Future Continuous präsentiert dort der aktuelle Stipendienjahrgang 2025 seine Ergebnisse. Die Ausstellung fungiert als wichtiges Bindeglied zwischen der individuellen Atelierarbeit und der öffentlichen Sichtbarkeit. Sie macht deutlich, wie nachhaltig das Programm über die Jahrzehnte gewirkt hat – immerhin wurden seit dem Bestehen des Programms bereits über 450 Künstler*innen auf ihrem Weg begleitet.

Die gezeigten Arbeiten im Kunsthaus zeugen von einer hohen konzeptionellen Dichte. Die Verbindung von finanzieller Absicherung und der abschließenden musealen Präsentation inklusive Katalog bietet den Stipendiat*innen eine Plattform, die weit über die Grenzen Hamburgs hinausstrahlt. Die aktuelle Präsentation des Jahrgangs 2025 ist noch bis zum 25. Januar 2026 zu sehen und markiert den Übergang zu der nun neu ausgewählten Generation an Kunstschaffenden.

Profile der Stipendiat*innen 2026

Eda Aslan setzt sich in ihrer künstlerischen Praxis intensiv mit der Geschichte und dem Gedächtnis von Orten auseinander. Sie nutzt oft architektonische Spuren und Archivmaterialien, um Installationen zu schaffen, die verborgene Narrative und räumliche Erinnerungskultur thematisieren.

Asma Ben Slama nutzt die Medien Video und Fotografie, um soziale Gefüge und Identitätsfragen zu untersuchen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine präzise Beobachtung der Wechselwirkungen zwischen individuellen Lebensentwürfen und gesellschaftlichen Strukturen aus.

Vedad Divović arbeitet primär im Bereich der Skulptur und Installation. Er transformiert alltägliche Materialien und Objekte in neue formale Zusammenhänge, wobei er Fragen nach der Dauerhaftigkeit und der materiellen Beschaffenheit von Kunst stellt.

Catalina González González verfolgt einen multimedialen Ansatz, der Video, Fotografie und Installation verbindet. Ein zentrales Motiv ihrer Forschung sind politische Geografien sowie die ökologischen Veränderungen von Landschaften unter menschlichem Einfluss.

Maik Gräf bewegt sich im Spannungsfeld von Fotografie, Video und Performance. Durch Inszenierungen und den Einsatz des eigenen Körpers untersucht Gräf kritisch Konstruktionen von Identität, Männlichkeit und gesellschaftlichen Rollenbildern.

Nizan Kasper arbeitet an der Schnittstelle von Film, Video und Performance. Die künstlerische Arbeit konzentriert sich auf die Erforschung von Zeitlichkeit, Rhythmus und der physischen Präsenz von Körpern innerhalb medialer und technischer Räume.

Simone Kessler entwickelt raumgreifende und oft ortsspezifische Installationen. Ihre Werke nutzen häufig Licht, Luft oder vergängliche Materialien, um Naturphänomene zu abstrahieren und die sinnliche Wahrnehmung der Besucher*innen herauszufordern.

Kenneth Lin verfolgt konzeptuelle Ansätze, die er vorwiegend in der Malerei und Grafik realisiert. Dabei untersucht er die materiellen Grenzen der jeweiligen Medien sowie das Verhältnis zwischen abstrakter Form und symbolischer Bedeutung.

Lulu MacDonald schafft skulpturale Werke, die durch eine eigenwillige Materialästhetik und organische Formensprache bestechen. Sie experimentiert mit Wachstumsprozessen und Materialien aus der Natur, um Themen wie Transformation und Vergänglichkeit zu visualisieren.

Jagrut Raval ist ein interdisziplinär arbeitender Künstler, dessen Portfolio Fotografie, Video und großformatige Installationen umfasst. Seine Werke beschäftigen sich häufig mit der Relativität von Zeit, historischen Wahrheiten und der menschlichen Wahrnehmung.

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Hamburger Rockförderung mit KI https://www.tiefgang.net/die-ki-wird-zur-hamburger-rock-und-popfoerderung/ Fri, 31 Oct 2025 23:11:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12789 [...]]]> Digitale Release-Prozesse gleichen für viele freie Musikschaffende einem unübersichtlichen Labyrinth, in dem das kreative Herz oft von administrativen Hürden erdrückt wird. Doch RockCity Hamburg e.V. hat dieser Überforderung nun ein technologisches Rettungsboot entgegengestellt. Mit Künstlicher Intelligenz.

Der neue Artist Navigator ist ein innovatives, kostenfreies KI-Tool, das seit dem 29. Oktober frei zugänglich ist beispielhaft demonstriert, wie technologische Transformation aktiv im Sinne der Künstler*innen gestaltet werden kann.

Die Veröffentlichung des Artist Navigator ist mehr als eine bloße Produktvorstellung; sie ist ein Meilenstein in der deutschen Popförderung. Während die Branche weiterhin über die Zukunft der KI debattiert, liefert Hamburg eine handfeste, künstler*innenzentrierte Antwort.

Das Herzstück des Navigators ist die strategische Verknüpfung von GPT-Technologie mit sorgfältig kuratiertem Fachwissen von RockCity und Branchenexpert*innen. Dieses „Rückgrat“, wie es Andrea Rothaug, Geschäftsführung RockCity Hamburg, nennt, soll Musikschaffende befähigen, ihren digitalen Release selbst zu organisieren. Sie betont: „Endlich können wir unseren Artists digital und kuratiert, zweisprachig und barrierefrei Hilfe bieten, ohne dass sie bei Anbieter*innen vierstellige Beträge für teure digitale Coachings ausgeben müssen oder an Öffnungszeiten gebunden sind.“

Der Einsatz der KI ersetzt die Kreativität nicht, sondern befreit sie. Senator Dr. Carsten Brosda sieht darin ein ideales Modell: „Der von RockCity vorgestellte Artist Navigator ist ein gutes Beispiel für einen sinnvollen Einsatz von KI, der Kreativität nicht ersetzt, sondern hilft, erfolgreich künstlerisch zu arbeiten.“

Der Live-Test: Was der Navigator wirklich kann

Um die wahre Tiefe des Artist Navigators zu verstehen, muss man ihn in Aktion erleben. Das Tool verspricht, Orientierung im komplexen Prozess von der Studioaufnahme über Social-Media-Bewerbung bis hin zu Vertrieb und psychischer Gesundheit zu bieten. Es ist diese ganzheitliche Perspektive, die den Navigator so wertvoll macht. Wir haben ihn getestet. Wir stellten dem Artist Navigator zwei typische Fragen, die vermutlich im Alltag vieler Musiker*innen auftauchen:

Eingabe: „Ich bin eine Newcomer*in aus Hamburg. Welche Förderungen passen zu mir, um mein erstes Musikvideo zu finanzieren?“

Antwort des Navigators „Basierend auf Deinen Angaben kommen die Film- und Musikförderung der Hamburger Kreativgesellschaft sowie die Projektförderung der BKM in Frage. Den nächsten Stichtag findest Du auf der webseite. Wir stellen Dir hier den direkten Link zum Antragsformular bereit und zeigen, welche Budgetposten Du realistisch ansetzen kannst.“

Eingabe 2: „Mein Song ist fertig gemastert. Was ist der nächste Schritt, um sicherzustellen, dass ich meine GEMA-Anmeldung und meinen Pre-Save-Link rechtzeitig aufsetze?

Antwort des Navigators: „Dein Master ist der Startpunkt für die 8-Wochen-Frist. Schritt 1 ist nun die Anmeldung Deiner Werke bei der GEMA – dies muss vor dem Release-Datum geschehen. Parallel dazu solltest Du bei Deinem Distributor den Pre-Save-Link mindestens 6 Wochen vor dem Release-Tag beantragen, damit die notwendigen Metadaten an Spotify und Apple Music übermittelt werden können. Hier ist eine Checkliste für die kommenden Wochen …“

Immerhin. Man bekommt eine Richtung und einen Austausch, der Schritt für Schritt für Orientierung sorgt.

Der große Unterschied zu allgemeinen KI-Plattformen wird durch Thomas Burhorn, Vorstand RockCity Hamburg und Mitglied der Band MEUTE, auf den Punkt gebracht: „Chat GPT weiß nicht unbedingt, welche Förderstellen in Hamburg zu Dir passen und wo Dir konkret weitergeholfen werden kann. Das Tool verbindet beide Welten und schlägt ganz konkrete Schritte für eine Releaseplanung vor.“

Die Essenz des Artist Navigators liegt genau in dieser Kuratierung: Er verbindet die immense Rechenleistung und Zugänglichkeit der KI mit dem echten Fachwissen der lokalen Szene. Er ist ein Instrument, das die komplexen Prozesse in „einfache, emphatische Nutzer*innenerlebnisse“ übersetzt, wie Dieter Pries von Hyperinteractive, die die App entwickelte, beschreibt. Damit ebnet Hamburg einmal mehr den Weg für eine menschlichere, modernere und vor allem künstler*innenzentrierte Zukunft der Popförderung. Das Hochgebirge bleibt eine Herausforderung, aber jetzt gibt es endlich einen sicheren Pfadweiser auf dem Weg zum Gipfel.

Man darf gespannt sein, ob das Arbeitern mit der KI dann auch zum gewünschten Erfolg führt.

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Support für die Bildende Kunst https://www.tiefgang.net/support-fuer-die-bildende-kunst/ Fri, 03 Oct 2025 22:35:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12594 [...]]]> Die Behörde für Kultur und Medien schreibt wieder zehn Arbeitsstipendien für bildende Kunst 2026 aus.

Die Behörde für Kultur und Medien hat die Ausschreibung für die Arbeitsstipendien für bildende Kunst 2026 gestartet. Ab sofort können sich bildende Künstler*innen für eines der insgesamt zehn Arbeitsstipendien bewerben. Voraussetzungen sind ein Hauptwohnsitz in Hamburg und ein abgeschlossenes Studium.

Die Hamburger Arbeitsstipendien für bildende Kunst gelten seit ihrer Einführung 1981 als eines der nachhaltigsten Instrumente im Bereich der Förderung des künstlerischen Nachwuchses in Hamburg und dienten inzwischen verschiedenen Bundesländern als Vorbild für ähnliche Programme. Mit den Stipendien werden Künstler*innen mit herausragenden eigenständigen künstlerischen Positionen ausgezeichnet, damit sie ihre Arbeiten weiter entwickeln können.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Arbeitsstipendien sind seit Jahrzehnten ein starkes Signal der Stadt an ihre Künstler*innen. Sie geben die Freiheit, für ein Jahr neue künstlerische Wege zu beschreiten, Ideen zu vertiefen und Netzwerke auszubauen. So entstehen nicht nur beeindruckende künstlerische Arbeiten, sondern auch wichtige Impulse für die Vielfalt und Lebendigkeit der Hamburger Kunstszene.“

Die Stipendien werden für die Dauer eines Jahres vergeben, sind mit monatlich 1.500 Euro dotiert und ermöglichen es den Künstler*innen, sich auf die Weiterentwicklung ihrer Arbeit zu konzentrieren, neue Projekte zu realisieren und Netzwerke auszubauen.

Mehr als 400 Hamburger Künstler:innen wurden in den vergangenen Jahrzehnten durch dieses Förderprogramm auf ihrem Weg in eine künstlerische Existenz unterstützt. Am Ende des Stipendienjahres findet zudem eine gemeinsame Ausstellung der Stipendiat*innen im Kunsthaus Hamburg statt, ergänzt durch eine begleitende Publikation.

Die Ausschreibung startet ab sofort, Bewerbungsschluss ist der 29. Oktober 2025. Eine unabhängige Jury wird Anfang Dezember tagen, die Entscheidung über die Vergabe soll Anfang Januar 2026 bekanntgegeben werden.

Die Bewerbung ist ab sofort online möglich: Stipendien Kultur (hamburg.de)

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Der Preis, den die Stadt wirklich zahlt https://www.tiefgang.net/der-preis-den-die-stadt-wirklich-zahlt/ Fri, 05 Sep 2025 22:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12376 [...]]]> Während der Hamburger Senat den Neubau einer Oper auf dem Baakenhöft als Schenkung feiert, enthüllt die Debatte um die Finanzierung, dass die Stadt weit mehr als angenommen für das „Geschenk“ zahlt. Wecken die verschleierten Kosten Erinnerungen an ein altes Drama?

Im Februar klang die Nachricht aus dem Rathaus wie ein musikalischer Paukenschlag: Klaus-Michael Kühne schenkt seiner Heimatstadt eine neue Oper. Das ausgewählte Grundstück, ein attraktives Fleckchen Erde am Wasser, stellt die Stadt. Dazu kommen 147,5 Millionen Euro, und dann ist Schluss. So lautet die frohe Botschaft, verbreitet durch Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher: „Auf dem Baakenhöft in der HafenCity soll ein neues Opernhaus von Weltrang entstehen. Der Senat hat dazu einen Vertrag mit der Kühne-Stiftung geschlossen… Mit der Zustimmung der Bürgerschaft werden seitens der Stadt alle wesentlichen Voraussetzungen für die Realisierung dieses besonderen Projekts erfüllt.“

Doch zwei unscheinbare Worte in der ursprünglichen Pressemitteilung sind bemerkenswert: „zusätzlich“ und „außerdem“. Worte, die nun, wo der Senat konkret werden muss, das gesamte finanzielle Bild verändert. Denn die 147,5 Millionen Euro sind „nur“ für die Oper selbst, nicht für vorbereitende Arbeiten vorgesehen – genauer gesagt, für die „standortspezifischen Mehrkosten“ wie den nötigen Flutschutz.

Hinzu kommen nämlich, so die neue, unmissverständliche Rechnung, mindestens weitere 104 Millionen Euro für die Erschließungsarbeiten, die Freiflächen um das Gebäude und die Promenade. Aus einem „Geschenk“, das nur ein wenig finanzielle Unterstützung verlangt, wird plötzlich ein Deal, bei dem die Stadt vermutlich mit einer Viertelmilliarde Euro mitbaut.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda, der das Projekt als Chance für Hamburg preist, sieht dennoch in der Oper einen Ort für alle: „Sie kann das Baakenhöft zu einem lebendigen Ort für alle machen.“ Oper und alle?!? Auch Finanzsenator Dr. Andreas Dressel betont, dass die Kooperation ein „finanziell verantwortungsvolles und zukunftsfähiges Arrangement“ sei.

Aber man kann die verschleierte Rhetorik auch anders lesen. Die schrittweise Veröffentlichung der Kosten ist keine unbekannte Taktik, die bei den Abgeordneten der Bürgerschaft Alarmglocken schrillen lassen sollte. Man darf durchaus fragen, ob und was Politik aus der Elbphilharmonie-Katastrophe gelernt hat. Projekte dieser Größenordnung können ohne volle Transparenz und Bürgerbeteiligung am Ende nicht nur finanziell explodieren, sondern auch das Vertrauen in die Verwaltung nachhaltig beschädigen.

Während renommierte Architekturbüros wie gmp international und Snøhetta nun ihre Entwürfe für das neue Opernhaus vorlegen und mit visuellen Entwürfen beeiundrucken, bleibt dennoch die zentrale Frage bestehen: Ist es wirklich ein Geschenk, wenn es so teuer ist? Oder ist es ein Deal, der in Hinterzimmern ausgehandelt wurde? Ein Deal, bei dem Klaus-Michael Kühne sein Denkmal und der Hamburger Senat finanzielle Hilfe bekommt. Am Ende ist das Projekt ein komplexes Mosaik aus Kultur, Politik und Finanzen. Ein Drama in vier Akten?

Übrigens: Der Senat hat sich mit der Kühne-Stiftung auf den Vertrag zum Bau eines neuen Opernhauses in der HafenCity geeinigt. Es wird beklagt, in der Stadt gäbe es keine öffentliche Debatte über die Pläne. Dem will die Patriotische Gesellschaft abhelfen.

Am 1. Oktober 2025 um 19 Uhr findet im Reimarus-Saal der Patriotischen Gesellschaft von 1765 ein Gespräch zwischen dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Opernstiftung Hamburg Berthold Brinkmann, Kultursenator Carsten Brosda, dem Sprecher des Arbeitskreises Denkmalschutz der Patriotischen Gesellschaft Christian Kottmeier und der Präsidentin der Architektenkammer Karin Loosen zu diesem Thema statt. Matthias Iken vom Hamburger Abendblatt wird die Diskussion moderieren. Aus dem Publikum wird es Gelegenheit geben, mitzudiskutieren.

Mi., 1. Oktober 2025, 19 Uhr | Reimarus-Saal im Haus der Patriotischen Gesellschaft, Trostbrücke 6, 20457 Hamburg, Eintritt frei. Bitte melden Sie sich hier an.

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Wieder nichts gelernt? https://www.tiefgang.net/wieder-nichts-gelernt/ Fri, 27 Jun 2025 22:24:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12028 [...]]]>

Die neue Oper: Hamburgs Kulturlandschaft ist einmal mehr im Umbruch begriffen, und das mit einem Paukenschlag, der weitaus mehr erhält erzeugt als nur Applaus.

Die Kühne-Stiftung als treibende Kraft hinter dem Vorhaben eines neuen Opernhauses für die Hamburgische Staatsoper verkündete bereits auf ihrem eigenen Nachrichtenportal (kuehne-stiftung.org) den Startschuss für das architektonische Qualifizierungsverfahren. Nun bestätigt auch die Kulturbehörde Hamburgs in ihrem Newsletter diese Weichenstellung, was dem Vorhaben einen weiteren Stempel der amtlichen Legitimation verleiht.

Fünf „international renommierte Architekturbüros“ – darunter Bjarke Ingels Group (BIG) aus Kopenhagen, Snøhetta aus Oslo und Sou Fujimoto aus Tokio/Paris – wurden eingeladen, Entwürfe für das Opernhaus am Baakenhöft zu entwickeln. Eine Entscheidung über den Siegerentwurf wird Ende 2025 erwartet. Kultursenator Carsten Brosda betont auch hier die Vision eines „einladenden und öffentlichen Ortes für alle mit einer Architektur von Weltrang“, der der Hamburgischen Staatsoper „optimale Bedingungen“ bieten und einen „herausragenden Platz an der Elbe“ schaffen soll. Er dankt allen Beteiligten dafür, dass diese „Chance für die Kulturstadt Hamburg mit großer Leidenschaft gemeinsam“ angegangen wird. Bestätigt wird auch, dass das Projekt gemeinsam von der Kühne-Stiftung und der Stadt Hamburg realisiert wird, aber die Stiftung nach Abschluss der Planungen und einer Kostenschätzung die endgültige Entscheidung über die Umsetzung trifft. Der Senat redet zwar mit, entschieden tut aber Kühne. Dafür bereitet der Hamburger Senat eine Drucksache vor, um die Zustimmung der Bürgerschaft zum Vertrag einzuholen. Ist das Partizipation?

Ein solch euphorisches Bild, wie es von den Akteur*innen selbst gezeichnet und nun auch von offizieller Seite der Stadt bestätigt wird, klingt verlockend und verspricht eine glänzende Zukunft für die Kulturstadt Hamburg. Doch gerade die Einseitigkeit dieser Darstellung, die auf dem Newsroom der Kühne-Stiftung und in den Verlautbarungen der Kulturbehörde präsentiert wird, lässt die Skepsis wachsen. Denn was in diesen frohen Botschaften gänzlich unerwähnt bleibt, sind die Schattenseiten einer Diskussion, die Hamburg seit Monaten bewegt – detailreich beleuchtet unter anderem vom kritischen Portal Ballett-Journal.de.

„Offene Bühne“ für die Debatte?

Das vorherrschende Narrativ der Kühne-Stiftung und der Kulturbehörde umschifft geschickt jede Klippe der Kontroverse, die sich um dieses ambitionierte Projekt rankt. Die Kritik, die sich vielerorts formierte und die das Ballett-Journal.de präzise aufgreift, wird ausgeblendet: Die fehlende öffentliche Debatte über die Notwendigkeit und den Standort eines Neubaus, die historischen Bedenken bezüglich des Baakenhöfts – einst ein Ort des kolonialen Erbes –, oder die nicht unerheblichen Kosten, die trotz Mäzenatentum auf die Stadt zukommen könnten. Die Bestätigung der „Abstimmung mit der Freien und Hansestadt Hamburg“ und des gemeinsamen Vorgehens der Stiftung und der Stadt durch die Kulturbehörde vermag zwar eine Einigkeit zu suggerieren, doch die Stimmen der Hamburger Bürger*innen, die sich eine solche „Abstimmung“ auch im Vorfeld und in breiterer Form gewünscht hätten, finden hier keine Erwähnung.

Gisela Sonnenburg vom Ballett-Journal.de hebt hervor, dass die altehrwürdige Hamburgische Staatsoper, seit 1678 ein Herzstück der Stadtkultur, durch ihre zentrale Lage, ihre Zugänglichkeit zwischen Binnenalster, Dammtor-Bahnhof und Gänsemarkt, und ihre über Jahre gewachsene Seele, besticht. Sie sei ein Ort, der für viele Hamburger*innen mehr ist als nur eine Spielstätte – sie ist ein Stück Identität. Die Sorge, dass ein Neubau in der HafenCity primär touristischen Interessen dienen und das besondere Flair sowie die etablierte Anbindung an das städtische Leben verlieren könnte, wird von den Befürworter*innen bewusst ignoriert. Stattdessen wird die Vision eines „spektakulären Ortes“ in den Vordergrund gerückt, dessen „einmalige Aufgabe“ von „prominenten Planer*innen“ gelöst werden soll.

Sonnenburg äußert zurecht Bedenken hinsichtlich einer möglichen Einflussnahme, die mit solch großzügigem Mäzenatentum einhergehen könnten – etwa die Befürchtung, dass eine Neuausrichtung hin zu „populistischeren und massentauglicheren Produktionen“ stattfinde. Auch die internen Unruhen beim Hamburg Ballett unter dem nun geschassten Intendanten Demis Volpi, finden in den offiziellen Verlautbarungen der Stiftung und der Kulturbehörde keinerlei Erwähnung, sind aber ein wichtiger Aspekt, der von kritischen Stimmen aufgegriffen wird.

Ob auf diesen Grundlagen ein nachhaltiges und später erfolgreiches Fundament eines neuen Opernhauses zu bauen ist?

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„Übermorgen“ – Kulturinstitutionen im Aufbruch https://www.tiefgang.net/uebermorgen-kulturinstitutionen-im-aufbruch/ Fri, 06 Jun 2025 22:47:21 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11893 [...]]]>

Wie können Theater, Museen und Bibliotheken nicht nur überleben, sondern zu aktiven Gestalter*innen einer sich wandelnden Gesellschaft werden?

Von Anna Herbst

Die deutsche Kulturlandschaft befindet sich im Wandel. Nicht erst seit gestern, doch die Dringlichkeit, sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen, wächst stetig. Das von der Kulturstiftung des Bundes initiierte Programm „Übermorgen – Neue Modelle für Kulturinstitutionen“ nimmt sich dieser Frage nach der Zukunft beherzt an. 50 Kulturinstitutionen bundesweit wurden ausgewählt, um zwischen Mai 2025 und Dezember 2026 innovative Konzepte zu entwickeln. Ziel ist es, diese Einrichtungen zu lebendigen Orten künstlerischen Schaffens und gesellschaftlicher Verständigung zu transformieren.

Katarzyna Wielga-Skolimowska, die Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, betont den Mut und die Offenheit der Institutionen: „In ihren Anträgen zeigen die Kulturinstitutionen und die Kommunen bundesweit großen Mut und große Offenheit. Theater, Bibliotheken und Museen, oft gemeinsam mit Kulturpolitik oder -verwaltung, beschäftigen sich trotz der angespannten Haushaltslage vieler Kommunen damit, wie sie in der Zukunft als relevante und offene, gemeinwohlorientierte Einrichtungen funktionieren können. Sie arbeiten dafür mit anderen Institutionen zusammen und nehmen auch die eigenen Strukturen unter die Lupe.“

Vielfalt als Stärke: Ein Spiegel der Kulturellen Landschaft

Die ausgewählten Institutionen könnten unterschiedlicher kaum sein – und genau das ist Programm. Von international renommierten Häusern bis zu tief in der Region verwurzelten Initiativen, von freien Trägern bis zu kommunalen Verbünden spiegelt sich die gesamte Bandbreite der deutschen Kulturlandschaft wider. Und auch die Lösungsansätze sind vielfältig:

  • Theater experimentieren mit neuen Weiterbildungsformaten, um dem allgegenwärtigen Fachkräftemangel zu begegnen, oder denken über die gemeinsame Nutzung von Werkstätten nach, um Ressourcen zu bündeln. Hier meldet sich beispielsweise Pınar Karabulut, designierte Co-Intendantin am Schauspielhaus Zürich und Jurymitglied des Programms, zu Wort: „Wir müssen uns von alten Hierarchien verabschieden und neue Formen der Zusammenarbeit finden. Theater kann ein Labor für gesellschaftlichen Wandel sein, wenn wir es zulassen.“
  • Museen stellen ihre oft festgefahrene Ausstellungspraxis auf den Prüfstand und suchen den Schulterschluss über Landesgrenzen hinweg. „Wer sagt denn, dass ein Museum immer nur ein Ort der Bewahrung sein muss?“, provokant gefragt von Kurator Jan Boelen, ebenfalls Jurymitglied. „Museen können auch Orte der Auseinandersetzung, der Kontroverse, des Experiments sein.“
  • Orchester wagen sich an neue Formen der Öffnung, verbinden internationale Vernetzung mit lokaler Verankerung, etwa durch Community-Music-Projekte. „Musik gehört allen!“, so die klare Ansage von Marie Østergård, Bibliotheksdirektorin der öffentlichen Bibliotheken von Aarhus/DOKK1 und Jurymitglied. „Wir müssen die Konzertsäle verlassen und die Menschen dort abholen, wo sie sind.“

Hamburg im Aufbruch: Lokale Antworten auf Globale Fragen

Auch Hamburg ist im „Übermorgen“-Programm vertreten. Gleich mehrere Institutionen der Hansestadt wurden für ihre zukunftsweisenden Ideen ausgezeichnet:

  • Das Ensemble Resinanz
  • Die Symphonker Hamburg 
  • Das Fundus Theater / Forschungstheater

Mehr als nur ein Förderprogramm

„Übermorgen“ ist mehr als nur ein finanzieller Zuschuss. Neben den 50.000 Euro Fördermitteln pro Institution bietet das Programm den Teilnehmenden eine Plattform für den Austausch untereinander, die Expertise von Fachleuten in den „Zukunftsforen“ und Inspirationsreisen in europäische Städte. Hier werden Best-Practice-Beispiele präsentiert, Modelle kritisch hinterfragt und Mut zur Veränderung gestärkt.

Mit einem Gesamtbudget von 4,6 Millionen Euro für die erste Phase ist „Übermorgen“ ein deutliches Signal: Die Kulturstiftung des Bundes nimmt die Zukunftsfragen des Kulturbetriebs ernst. Und wenn es nach den Verantwortlichen geht, soll es nicht bei dieser ersten Phase bleiben. Eine Fortsetzung des Programms ab 2027 ist durchaus denkbar, um ausgewählte Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die 50 geförderten Institutionen entwickeln werden. Eines ist jedoch sicher: Der Aufbruch hat begonnen. Die Kultur von „übermorgen“ wird anders sein als die von heute – vielfältiger, partizipativer, mutiger.

weiterführende Informationen: https://uebermorgen-programm.de/

 

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Hamburgs Literaturszene im Aufbruch https://www.tiefgang.net/hamburgs-literaturszene-im-aufbruch/ Fri, 23 May 2025 22:13:27 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11839 [...]]]>

Die literarische Landschaft Hamburgs pulsiert, und die Hamburger Literaturpreise spielen dabei eine wichtige Rolle.

Die Behörde für Kultur und Medien hat die Ausschreibung für die Literaturpreise 2025 veröffentlicht und lädt Autor*innen, Übersetzer*innen sowie Comic-Zeichner*innen zur Teilnahme ein. Mit insgesamt 84.000 Euro an Fördergeldern unterstreicht die Stadt ihr Engagement für die Literatur. Die Preise werden in acht Kategorien verliehen, was die Vielfalt der Hamburger Literaturszene widerspiegelt:

  • Buch des Jahres

  • Sachbuchpreis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS

  • Roman

  • Erzählung

  • Lyrik/Drama/Experimentelles

  • Kinder- und Jugendbuch

  • Comic

  • Literarische Übersetzungen

Während die drei Preise für literarische Übersetzungen mit jeweils 4.000 Euro dotiert sind, erhalten die Auszeichnungen in den anderen Kategorien jeweils 8.000 Euro. Besonders hervorzuheben ist die erneute Unterstützung der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die bereits zum dritten Mal in Folge das Preisgeld für den Sachbuchpreis bereitstellt.

„Bereits zum 36. Mal lädt die Behörde für Kultur und Medien Schreibende und Übersetzende ein, sich am Wettbewerb um die Hamburger Literaturpreise zu beteiligen“, betont Kultursenator Dr. Carsten Brosda. „Die Preise würdigen nicht nur herausragende Texte und leisten einen Beitrag zur finanziellen Unterstützung der Literaturszene, sondern sollen auch zum Weiterschreiben anregen und Verlage auf das kreative Potenzial der in Hamburg Schreibenden aufmerksam machen.“

Die Hamburger Literaturpreise richten sich an Autor*innen, Übersetzer*innen sowie Zeichner*innen, die ihren ersten Wohnsitz im Gebiet des Hamburger Verkehrsverbundes (Ringe ABCD) haben. Vielleicht etwas ungewöhnlich, aber ein Kriterium musste wohl her. Die Vergabe der Auszeichnungen erfolgt auf Empfehlung einer unabhängigen Jury, die sich jährlich neu zusammensetzt und aus fünf Mitgliedern besteht.

Eine Besonderheit gibt es bei den Kategorien „Buch des Jahres“ und „Sachbuchpreis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS“: Hier sind keine Eigenbewerbungen möglich. Die Jury wählt die Preisträger in diesen Kategorien eigenständig aus den aktuellen Neuerscheinungen aus.

Die Attraktivität der Hamburger Literaturpreise zeigt sich auch in der hohen Zahl der Bewerbungen. Im vergangenen Jahr gingen rund 290 Einsendungen für den Wettbewerb ein. Die Preisverleihung findet am 8. Dezember 2025 im Literaturhaus Hamburg statt, wo Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda die Auszeichnungen überreichen wird.

„Das literarische Leben in Hamburg entwickelt sich auch dank der Hamburger Literaturpreise stetig weiter und präsentiert sich heute so facettenreich wie nie zuvor“, so Senator Brosda. „Dem tragen wir mit den unterschiedlichen Kategorien Rechnung. Mein besonderer Dank gilt der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die mit ihrem Engagement im Bereich Sachbuch einen wichtigen Beitrag zu den Hamburger Literaturpreisen leistet.“

Die vollständige Ausschreibung ist online einsehbar, und die Bewerbung erfolgt über den Online-Dienst der Behörde für Kultur und Medien. Der Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 30. Juni 2025.

Mit den Hamburger Literaturpreisen wird nicht nur die literarische Qualität der Stadt gewürdigt, sondern auch ein Anreiz für zukünftige Werke geschaffen. Hamburg bleibt somit ein wichtiger Ort für Autoren, Übersetzer und Illustratoren.

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Hoffnungsschimmer für Hamburgs Jazzklänge https://www.tiefgang.net/hoffnungsschimmer-fuer-hamburgs-jazzklaenge/ Fri, 02 May 2025 22:57:04 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11721 [...]]]>

Endlich scheint ein Weg gefunden, die oft prekäre finanzielle Situation von Jazzmusiker*innen zu verbessern.Es heißt GAGEPLUS_Hamburg.

Die Nachricht von GAGEPLUS_Hamburg, dem Förderprogramm zur Aufstockung von Jazzgagen in Hamburg, wurde in der Szene mit verständlicher Erleichterung aufgenommen. Doch inmitten der Euphorie drängt sich eine kritische Frage auf: Dient dieser Zuschuss tatsächlich der Stärkung einer lebendigen Jazzszene, oder subventioniert er möglicherweise auch schlecht besuchte Konzerte und verdeckt tieferliegende Probleme?

Doch um was geht es? Die Hamburgische Bürgerschaft hat im Dezember letzten Jahres ein deutliches Zeichen für die Kultur gesetzt und den Etat um über elf Prozent aufgestockt. Ein direkter Profiteur dieser Entscheidung ist die lebendige, aber oft unterbezahlte Jazzszene der Hansestadt. Mit einer neuen Strukturförderung von 100.000 Euro soll nun ein Projekt namens GAGEPLUS_Hamburg initiiert werden, das darauf abzielt, die teils prekären Gagen der Hamburger Jazzmusiker*innen spürbar zu verbessern.

„Mit GAGEPLUS_Hamburg wollen wir den Jazz-Standort Hamburg stärken und die Aufstockung von Gagen über einen selbstverwalteten Fonds testen,“ betont Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien. „Fairere Bezahlungen sind eine Grundlage für eine langfristig lebendige Jazzszene. Auch die zahlreichen Jazz-Locations in der Stadt und Nachwuchskünstler*innen können davon profitieren, wenn es gelingt, dem Jazz eine nachhaltige Zukunftsperspektive in Hamburg zu eröffnen.“

Hamburg, neben Berlin und Köln eine der Hochburgen des deutschen Jazz, kämpft mit einem Paradoxon: Eine vitale Szene mit zahlreichen Spielstätten und engagierten Musiker*innen steht oft niedrigen Durchschnittsgagen von lediglich 50 bis 200 Euro pro Konzert gegenüber. Dies liegt weit unter den Empfehlungen des Deutschen Musikrats und der Deutschen Jazzunion, die aktuell eine Untergrenze von 300 Euro ansetzen.

Hier setzt GAGEPLUS_Hamburg an, koordiniert vom Jazzbüro Hamburg e.V., dem Dachverband der lokalen Jazzszene. Seit dem 1. Mai startet die Testphase des Projekts, für die sich professionelle, in Hamburg ansässige Jazzmusiker*innen ab sofort registrieren können. Konzerte, die ab dem 1. März 2025 im Hamburger Stadtgebiet stattgefunden haben und mit maximal 200 Euro vergütet wurden, können rückwirkend zur Förderung angemeldet werden. Zukünftig sollen monatliche Antragszyklen folgen.

Die Fördermaßnahme sieht vor, einzelne Konzertgagen von bis zu 200 Euro um jeweils 150 Euro aufzustocken – und das für maximal vier Konzerte pro Monat, sofern die Teilnahmebedingungen erfüllt sind. Ziel ist es, die empfohlene Honoraruntergrenze von 300 Euro pro Konzert häufiger zu erreichen und somit die beruflichen Rahmenbedingungen für die Jazzschaffenden in Hamburg nachhaltig zu verbessern.

Réka Csorba, die Geschäftsführerin des Jazzbüro Hamburg e.V., zeigt sich erfreut über den Start des Programms: „Wir freuen uns mit dem Förderprogramm GAGEPLUS_Hamburg professionelle Jazzmusiker*innen darin zu unterstützen, dass sie von ihrem Beruf in Hamburg besser leben können. Das Förderprogramm GAGEPLUS_Hamburg zielt darauf ab, die oftmals prekäre Entlohnung von Jazzmusiker*innen spürbar zu verbessern. Außerdem soll dem Brain-Drain durch Wegzug von exzellent ausgebildeten Künstler*innen in andere Städte bzw. dem Verlust von musikalischer Kreativkraft in ganz andere Berufsfelder oder der gänzlichen Abkehr von der Musik effektiv und nachhaltig entgegengewirkt werden. Damit stärkt Hamburg auch seine Strahlkraft als lebenswerte Musikstadt.“

Das Jazzbüro Hamburg, seit 1996 die Stimme der lokalen Jazzszene, hat in enger Zusammenarbeit mit einem Beirat, dem Vorstand und verschiedenen Arbeitsgruppen dieses Förderinstrument entwickelt. Um den Musiker*innen den Einstieg in das Programm zu erleichtern, bietet das Jazzbüro Online-Workshops an, in denen die Antragsmodalitäten erläutert und Fragen beantwortet werden. Die ersten Termine sind bereits für den 7. und 20. Mai angesetzt.

Die Botschaft an die Hamburger Jazzgemeinschaft ist klar: Registrieren, Gigs nachweisen und von der Aufstockung profitieren. GAGEPLUS_Hamburg könnte sich als ein wichtiger Schritt erweisen, um die Wertschätzung für die künstlerische Arbeit der Jazzmusiker*innen in Hamburg zu erhöhen und die Strahlkraft der Stadt als bedeutender Jazzstandort weiter zu festigen. Die Hoffnung ist groß, dass diese Initiative nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein bleibt, sondern eine nachhaltige Verbesserung der Einkommenssituation und damit der Zukunftsfähigkeit der Hamburger Jazzszene bewirkt.

Alle notwendigen Informationen und Formulare zum GAGEPLUS_Hamburg Programm finden sich unter: https://www.jazzbuero-hamburg.de/gageplus.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, betont zwar die Stärkung des Jazz-Standorts und die Ermöglichung fairer Bezahlungen. Réka Csorba vom Jazzbüro Hamburg e.V. hebt die Notwendigkeit hervor, dem „Brain-Drain“ entgegenzuwirken und die Attraktivität Hamburgs als Musikstadt zu steigern. Unbestreitbar ist, dass eine faire Bezahlung eine Grundvoraussetzung für professionelles Arbeiten und künstlerische Weiterentwicklung ist.

Allerdings birgt die pauschale Aufstockung von Gagen auch potenzielle Schattenseiten. Wenn ein Konzert kaum Publikum anzieht, die Musiker*innen aber durch GAGEPLUS_Hamburg dennoch ein aufgebessertes Honorar erhalten, stellt sich die Frage nach der langfristigen Nachhaltigkeit. Werden dadurch möglicherweise Strukturen konserviert, die sich am Markt kaum behaupten können? Fehlt ein Anreiz für Veranstalter, innovative Konzertformate zu entwickeln oder intensiver um Publikum zu werben, wenn ein Teil der Kosten ohnehin durch öffentliche Mittel gedeckt wird?

Es liegt auf der Hand, dass niedrige Besucherzahlen vielfältige Ursachen haben können: mangelnde Bekanntheit der Künstler*innen, unattraktive Spielorte, ungeschickte Programmgestaltung oder auch ein generelles Desinteresse eines bestimmten Publikumssegments. Eine reine Gagenaufstockung adressiert diese potenziellen Probleme nicht direkt. Sie könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass Mittel in Konzerte fließen, die kaum einen kulturellen Mehrwert für ein breites Publikum generieren und die strukturellen Herausforderungen der Szene ungelöst lassen.

Ein differenzierterer Ansatz könnte darin bestehen, die Förderung stärker an Kriterien wie Publikumsresonanz, innovative Programmkonzepte oder die Erschließung neuer Zuhörerkreise zu knüpfen. Dies würde Veranstalter und Künstler gleichermaßen incentivieren, sich aktiv um ein zahlreiches Publikum zu bemühen und die Attraktivität von Jazzkonzerten in Hamburg insgesamt zu steigern.

Die Testphase von GAGEPLUS_Hamburg bietet nun die Chance, diese Aspekte genau zu beobachten und zu evaluieren. Es wird entscheidend sein, nicht nur die unmittelbare finanzielle Entlastung der Musiker*innen zu betrachten, sondern auch die langfristigen Auswirkungen auf die Vitalität und Innovationskraft der Hamburger Jazzszene. Eine transparente Analyse der Konzertbesucherzahlen und der künstlerischen Konzepte der geförderten Projekte könnte wertvolle Erkenntnisse liefern, ob die Gagenaufstockung tatsächlich das effektivste Mittel ist, um Hamburg als lebendigen und zukunftsfähigen Jazzstandort zu etablieren – oder ob es ergänzender oder alternativer Förderinstrumente bedarf.

Die Gretchenfrage bleibt: Subventionieren wir damit wirklich die Kunst, oder lediglich schlecht besuchte Veranstaltungen? Die Antwort wird die Zukunft des Hamburger Jazz maßgeblich beeinflussen.

 

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Ein warmer Geldregen für Hamburgs Klangvielfalt https://www.tiefgang.net/ein-warmer-geldregen-fuer-hamburgs-klangvielfalt/ Fri, 02 May 2025 22:52:34 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11728 [...]]]> Hamburg, die Stadt, die mit der Elbphilharmonie ein architektonisches und akustisches Wahrzeichen der Musikwelt geschaffen hat, beweist einmal mehr, dass ihr musikalisches Herz weit über die Mauern des Konzerthauses hinaus schlägt.

Seit 2016 existiert der Musikstadtfonds, eine Initiative, die ins Leben gerufen wurde, um die vitale und vielfältige Freie Musikszene der Stadt zu unterstützen. Was in den Zeiten der Corona-Pandemie bereits auf 600.000 Euro aufgestockt wurde, erfährt nun eine weitere, bemerkenswerte Steigerung: Für das Jahr 2026 stellen Senat und Bürgerschaft stolze 990.000 Euro bereit.

Diese deutliche Erhöhung ist mehr als nur eine finanzielle Spritze. Sie ist ein klares Bekenntnis zur Bedeutung der Freien Szene für das musikalische Ökosystem Hamburgs. Es geht darum, die genreübergreifende Kreativität zu fördern, innovative Projekte zu ermöglichen und – ein besonders erfreulicher Aspekt – faire Gagen für die geförderten Künstlerinnen und Künstler zu gewährleisten.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, betont die positive Bilanz und die ambitionierten Ziele: „In der Vergangenheit konnten durch den Musikstadtfonds viele spannende Projekte der Freien Musikszene ermöglicht werden. Die Aufstockung ist ein wichtiges Signal der Wertschätzung und legt gleichzeitig eine wichtige Grundlage für fairere Arbeitsbedingungen in der Freien Szene. So wollen wir die Freie Szene und ihre innovativen Projekte in der Musikstadt Hamburg weiter stärken.“

Die Kriterien für eine Förderung sind dabei bewusst offen und zukunftsorientiert formuliert. Gesucht werden Vorhaben, die das Hamburger Musikleben durch kreative Impulse bereichern, neue Kooperationen initiieren oder einen Beitrag zur kulturellen Teilhabe leisten. Die Fördersumme kann zwischen 5.000 und 150.000 Euro liegen. Antragsberechtigt sind Ensembles, Bands und Musikerinnen und Musiker aller Genres, die professionelle Projekte realisieren möchten und keine institutionelle Förderung der Freien und Hansestadt Hamburg erhalten.

Die Vergabe der Mittel liegt in den Händen einer fünfköpfigen Fachjury, die von der Behörde für Kultur und Medien berufen wird. Die Zusammensetzung dieser Jury aus Expertinnen und Experten unterschiedlicher musikalischer Bereiche soll eine qualifizierte und genreübergreifende Bewertung der eingereichten Projekte sicherstellen.

Für all jene, die nun mit kreativen Ideen in den Startlöchern stehen, gilt es, die Bewerbungsfrist im Auge zu behalten: Bis zum 15. Juni 2025 können Anträge online eingereicht werden. Um den Bewerbungsprozess zu erleichtern, bietet das Musikreferat zudem zwei digitale Informationsveranstaltungen an (Montag, 5. Mai 2025, 13:00 Uhr und Mittwoch, 28. Mai 2025, 18:00 Uhr). Anmeldungen hierfür sind per E-Mail an musikstadtfonds-antrag@bkm.hamburg.de möglich.

Die Aufstockung des Musikstadtfonds auf nahezu eine Million Euro ist ein kraftvolles Signal an die Freie Musikszene Hamburgs. Es ist eine Einladung, mutige Projekte zu wagen, innovative Wege zu beschreiten und die musikalische Vielfalt der Stadt weiter zu entfalten. Dieser Geldregen könnte sich als ein fruchtbarer Nährboden für neue Klänge, ungewöhnliche Kooperationen und unvergessliche musikalische Erlebnisse erweisen – und gleichzeitig dazu beitragen, dass die Künstlerinnen und Künstler für ihre wertvolle Arbeit angemessener entlohnt werden. Nun liegt es an der Szene, diese Chance zu ergreifen und Hamburg im Jahr 2026 noch facettenreicher erklingen zu lassen.

Alle weiteren Informationen und das Online-Antragsformular finden sich unter: kulturfoerderung/musikstadtfonds-626088.

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Sprungbrett in die Jazzwelt https://www.tiefgang.net/sprungbrett-in-die-jazzwelt/ Fri, 02 May 2025 22:47:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11718 [...]]]>

Für junge Jazzenthusiasten in Hamburg und Umgebung tut sich eine aufregende neue Möglichkeit auf.

Das renommierte Landesjugendjazzorchester (LJJO) Hamburg erweitert sein Angebot und startet eine Workshopband, die ambitionierten Schüler*innen im Alter von 14 bis 20 Jahren den Einstieg in die Welt der professionellen Bigband-Musik ermöglicht.

„Wir haben gemerkt, dass es eine große Nachfrage von jungen Talenten gibt, die ihre Erfahrungen aus Schul-Bigbands erweitern und in einem professionelleren Umfeld spielen möchten,“ erklärt Heiko Hentschel, der engagierte Projektleiter hinter dieser Initiative. „Die Workshopband schließt genau diese Lücke.“

Gesucht werden aktuell Instrumentalisten an Saxofon (Alt, Tenor, Bariton), Trompete, Posaune, Bassposaune, Gitarre, Bass, Klavier und Schlagzeug sowie talentierte Sängerinnen und Sänger, die bereits erste Schritte im Jazz gemacht haben und ihr Instrument souverän beherrschen.

Die Workshopband versteht sich als ein echtes Jazz-Nachwuchs-Förderprojekt. Hier haben junge Musiker*innen die Chance, Teil einer professionell geführten Bigband zu werden, wertvolle Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen und unter der Anleitung von erfahrenen Jazzprofis aus der Hamburger Szene zu arbeiten. Und das Beste daran: Die Ergebnisse dieser intensiven Probenarbeit werden regelmäßig bei Konzerten an renommierten Orten wie der JazzHall und dem Miralles-Saal präsentiert.

Das Repertoire der Workshopband ist dabei bewusst breit gefächert und umfasst verschiedene Stilrichtungen des Bigbandjazz, immer angepasst an die Fähigkeiten und das künstlerische Niveau der jungen Talente. Einmal jährlich, traditionell zu Beginn der Hamburger Herbstferien, kommen die Musikerinnen und Musiker zu einer viertägigen Arbeitsphase zusammen, um ein neues, spannendes Programm zu erarbeiten. In diesem Jahr findet diese intensive Phase vom 17. bis 21. Oktober in den Räumlichkeiten der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) Hamburg statt.

„Es geht uns aber um mehr als nur das reine Ensemblespiel,“ betont Heiko Hentschel. „Wir legen großen Wert auf die individuelle Förderung der Jugendlichen. Dazu gehören die Entwicklung der Improvisationsfähigkeiten, das Verfeinern des Satzspiels in Bezug auf Phrasierung, Artikulation, Tonerzeugung und natürlich die Intonation.“

Ein besonderes Novum im Bewerbungsprozess ist der gemeinsame Auftaktworkshop, der am Sonntag, den 22. Juni 2025, von 11 bis 15 Uhr in der Aula der Jugendmusikschule Hamburg stattfindet. Dieser Workshop ersetzt das traditionelle Vorspiel und bietet den Bewerber*innen die Möglichkeit, in lockerer Atmosphäre bei Satz- und Tuttiproben mit der künstlerischen Leitung des LJJO Hamburg und weiteren Profis zu jazzen und sich kennenzulernen.

Das Landesjugendjazzorchester (LJJO) Hamburg etabliert sich somit immer mehr als eine zentrale Anlaufstelle für den Jazz-Nachwuchs der Stadt. Neben der Hauptband, die bereits fortgeschrittenen jungen Jazzern ein anspruchsvolles Betätigungsfeld bietet, schafft die neue Workshopband nun eine ideale Brücke für all jene, die den nächsten Schritt in die faszinierende Welt der Bigband-Musik wagen wollen. Wer also Lust hat, mit Gleichgesinnten zu grooven und von Profis zu lernen, sollte sich diesen Auftaktworkshop keinesfalls entgehen lassen. Die Chance, Teil dieser dynamischen Formation zu werden und auf bedeutenden Bühnen zu stehen, ist mehr als verlockend.

weitere Informationen und Unterlagen zr Ausschreibung finden sich hier: www.lmr-hh.de/jazz-nachwuchs-gesucht/

 

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