Institutionen – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 14 Jan 2026 15:35:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Eine Hommage an den Mut https://www.tiefgang.net/eine-hommage-an-den-mut/ Sat, 17 Jan 2026 15:24:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13126 [...]]]> Es gibt Momente in der Geschichte einer Stadt, in denen ein Funke überspringt, der weit über die Jahrzehnte hinaus leuchtet. Für Hamburg war ein solcher Moment das Jahr 1926, als Ida Dehmel die GEDOK ins Leben rief.

Heute, 100 Jahre später, blicken wir auf ein Jahrhundert geballter weiblicher Kreativität und politischer Durchsetzungskraft zurück. Die „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“, kurz Gedok, ist nicht weniger als das europaweit älteste und größte Netzwerk für Künstlerinnen aller Sparten. Und wo ließe sich dieses Jubiläum besser feiern als an seinem Geburtsort?

Ida Dehmel war eine Visionärin mit einem untrüglichen Gespür für Synergien. In einer Zeit, in der Frauen in der Kunstwelt oft noch als schmückendes Beiwerk oder bestenfalls als talentierte Dilettantinnen belächelt wurden, schuf sie eine Struktur, die Professionalität und Solidarität verband. Ihr Hamburger Wohnhaus wurde zum Epizentrum eines interdisziplinären Austauschs, der Musik, Literatur und Bildende Kunst zusammenführte. Es ging nie nur um Ästhetik, es ging um Existenzsicherung und Sichtbarkeit.

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) widmet diesem Jahrhundertprojekt nun die große Schau Künste, Frauen, Netzwerk. 100 Jahre GEDOK. Wer durch die Räume geht, spürt sofort die Energie, die von diesem Aufbruch ausging. Die Ausstellung ist weit mehr als eine historische Rückschau; sie ist eine Analyse von Machtstrukturen und der Kraft der Gemeinschaft. Besonders faszinierend ist, wie hier die Gründungsjahre in Hamburg lebendig werden. Namen wie Anita Rée oder die Textilkünstlerin Maria Brinckmann tauchen auf – Frauen, die das Gesicht der Hamburger Moderne prägten und in der GEDOK eine Heimat fanden.

Was man sich bei diesem Jubiläumsprogramm unbedingt merken sollte, ist die Vielschichtigkeit der Exponate. Es sind nicht nur Gemälde oder Skulpturen zu sehen, sondern auch Dokumente, die den zähen Kampf um Anerkennung belegen. Ein absolutes Highlight im MKG ist die Aufarbeitung der spartenübergreifenden Zusammenarbeit. Die GEDOK verstand sich von Anfang an als Brücke: Komponistinnen trafen auf Schriftstellerinnen, Fotografinnen auf Kunstgewerblerinnen. Diese Offenheit ist bis heute der Kern der Organisation.

Ein weiterer Programmpunkt, der aus der Masse heraussticht, ist die Veröffentlichung des Jubiläumsbuchs. Es ist kein klassischer Wälzer, der nur im Regal verstaubt, sondern ein lebendiges Zeugnis einer Bewegung, die sich auch durch die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte nicht gänzlich unterkriegen ließ. Die Texte beleuchten kritisch die Rolle der GEDOK während der NS-Zeit, die Vertreibung jüdischer Mitglieder – darunter auch die Gründerin Ida Dehmel selbst – und den mühsamen Wiederaufbau nach 1945. Diese Ehrlichkeit in der Aufarbeitung macht das Jubiläum erst wirklich würdig.

Hamburg feiert in diesem Jahr also nicht nur einen Verein, sondern eine Idee, die heute so aktuell ist wie eh und je. In Zeiten, in denen über Gender-Pay-Gap in der Kultur und die Repräsentanz von Frauen in großen Museen gestritten wird, wirkt das Vermächtnis von Ida Dehmel wie ein Kompass. Die GEDOK ist kein museales Relikt, sondern ein pulsierendes Netzwerk, das heute über 20 Regionalgruppen umfasst.

Wer sich für die Kulturpolitik der Hansestadt und die Rolle der Frau in der Kunst interessiert, kommt an dieser Jubiläumsschau nicht vorbei. Sie fordert uns heraus, neugierig zu bleiben und den Blick für jene Strukturen zu schärfen, die Kunst erst möglich machen. Die Ausstellung im MKG läuft als zentraler Ankerpunkt und bietet neben den visuellen Genüssen auch Raum für Diskussionen und Konzerte, die den Geist der Gründerzeit in die Gegenwart holen.

Es ist eine Hommage an den Mut, sich zusammenzuschließen, und eine Einladung, die künstlerische Qualität zu entdecken, die oft erst durch ein starkes Netzwerk im Rücken zur vollen Entfaltung kommen kann. 100 Jahre GEDOK – das ist ein verdammt guter Grund, in die Hamburger Kunstgeschichte einzutauchen und gleichzeitig die Weichen für die nächsten 100 Jahre zu stellen.

Künste, Frauen, Netzwerk. 100 Jahre GEDOK bis zum 30. August 2026 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) Steintorplatz, 20099 Hamburg Telefon: 040 428134880 www.mkg-hamburg.de

]]>
Jenseits des Metronoms https://www.tiefgang.net/jenseits-des-metronoms/ Fri, 28 Nov 2025 23:40:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12927 [...]]]> Die Spitze des deutschen Jazz-Nachwuchses erhält neue Impulse: Mit der Berufung von Jörn Marcussen-Wulff zum Künstlerischen Leiter des Bundesjazzorchesters (BuJazzO) festigt sich eine bemerkenswerte Verbindung zur norddeutschen Musikszene.

Ab Januar 2026 wird Marcussen-Wulff, bekannt als Komponist, Arrangeur und Posaunist, das renommierte Ensemble in einer Doppelspitze gemeinsam mit Theresia Philipp leiten.

Was die Personalie besonders hervorhebt, ist die gemeinsame Schnittmenge in der Jugendförderung: Beide Künstlerpersönlichkeiten haben eine enge Bindung zum Landesjugendjazzorchester Hamburg (LJJO HH). Marcussen-Wulff steht dem LJJO HH derzeit als Künstlerischer Leiter vor, während Theresia Philipp, die bereits seit Anfang 2025 Teil des BuJazzO-Leitungsteams ist, ebenfalls eng mit der Hamburger Kaderschmiede verbunden war. Die Kontinuität an der Spitze des BuJazzO wird damit von Persönlichkeiten geprägt, die die Entwicklung von Talenten aus der anspruchsvollen Arbeit des Landesjugendjazzorchesters kennen.

Vom NDR bis zur Grammy-Nominierung

Jörn Marcussen-Wulff, der seinen Lebensmittelpunkt in Hannover hat, bringt eine außergewöhnliche Bandbreite an Erfahrung mit ins BuJazzO. Er ist Dozent für Komposition, Arrangement, Jazz-Theorie und Bigband an den Hochschulen in Weimar und Hannover. Darüber hinaus arbeitet er regelmäßig für führende Large Ensembles wie die NDR Bigband, das Metropole Orkest oder das Cologne Contemporary Jazz Orchestra.

Seine Musik steht für den neuen Zeitgeist europäischer Bigband-Arrangeure, die Konventionen aus dem Weg gehen und ihre eigene musikalische Sprache und ihren Ausdruck im Format Jazzorchester suchen und finden. Ein deutlicher Beleg für seine internationale Relevanz ist seine Beteiligung an erfolgreichen Veröffentlichungen, wie dem Album „If you really want“ von Raul Midón & dem Metropole Orkest, das sogar für einen Grammy nominiert wurde. Diese Vita, ergänzt durch Engagements wie die Teilnahme am renommierten Metropole Orkest Arrangers Workshop, belegt die kreative und professionelle Tiefe, die er nun in das BuJazzO einbringen wird.

Die Jury zeigte sich in ihrer Entscheidung überzeugt von den Konzepten Marcussen-Wulffs. Henning Vetter, Projektleiter des Bundesjazzorchesters, betonte, man freue sich sehr, mit Marcussen-Wulff eine „kreative, engagierte Persönlichkeit für die Künstlerische Leitung gewonnen“ zu haben, die zusammen mit Theresia Philipp „neue Impulse setzen [wird], die das BuJazzO für die Zukunft stärken.“

Dabei geht es dem neuen Leiter um mehr als nur um musikalische Exzellenz. Jörn Marcussen-Wulff legt Wert auf eine ganzheitliche Ausbildung der jungen Musiker*innen. Er äußerte sich dazu wie folgt: „Ich empfinde es als große Ehre, zusammen mit Theresia Philipp die Künstlerische Leitung des Bundesjazzorchesters zu übernehmen und die Entwicklung dieses Ausnahmeensembles in Zukunft mit prägen zu dürfen. Es ist eine große Bereicherung für mich, diese jungen Menschen ein Stück weit auf ihrem musikalischen Weg zu begleiten und mit ihnen gemeinsam in und an diesem besonderen Jazzorchester zu arbeiten.“

Besonders wichtig sei ihm dabei die Vermittlung erweiterter Kompetenzen: „Ich hoffe, dass ich den jungen Talenten mit meinen Erfahrungen und Ideen nicht nur künstlerisch weiterhelfen werde, sondern ihnen vermitteln kann, dass aus meiner Sicht noch viele weitere Themen wie zum Beispiel eine zeitgemäße Musikvermittlung oder ‚der Blick über den eigenen Tellerrand‘ zum Selbstverständnis eines/einer professionellen Musikschaffenden gehören“, führte Marcussen-Wulff aus. Dieses Engagement für die Jazz-Kultur zeigt sich auch in seinem ehrenamtlichen Wirken als 1. Vorsitzender der Jazzmusiker Initiative Hannover e.V. und als Preisträger des „Leinestern 2021“.

Mit Marcussen-Wulff und Philipp, zwei profilierten Köpfen, die die Herausforderungen der Jugendförderung und die Ansprüche der professionellen Szene aus erster Hand kennen, scheint das BuJazzO bestens gerüstet, um seine Rolle als wichtigste Nachwuchsschmiede des deutschen Jazz erfolgreich fortzusetzen.

]]>
Der Preis der „Inneren Größe“ https://www.tiefgang.net/der-preis-der-inneren-groesse/ Fri, 21 Nov 2025 23:17:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12870 [...]]]> Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat in den letzten Wochen ein vielschichtiges, wenn auch zynisch geschlossenes Weltbild der Kulturnation präsentiert. Er regiert mit der Wucht der Zahlen und der Perfektion der politischen Inszenierung.

Es waren gleich drei bemerkenswerte Meldungen, die zum Kulturstattsminister dieser Tage über den Ticker liefen. „Bund investiert 21,8 Millionen Euro in Dachau und Flossenbürg“ war die eine Pressemitteilung aus dem Amt der Bundesregierung, „Bundeskulturetat 2026 mit 2,57 Milliarden Euro beschlossen“, die andere. Und dann berichtete die Frankfurter Allgmeine (18.11.2025) noch über den jährlichen „von der Weimer Media Group ausgerichteten Ludwig-Erhard-Gipfel, bei dem Entscheidungsträger aus Politik, Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und Medien miteinander ins Gespräch kommen.“

Betrachtet man die Summe seiner Entscheidungen – von Rekord-Etats über symbolische Ein-Euro-Männer bis hin zu 80.000-Euro-Netzwerk-Partys (die Summe ist der Netto-Preis für die Teilnahme, nicht für die Ausrichtung des Treffens!) – wird klar: Weimer betreibt eine Zwei-Klassen-Kulturpolitik, die Prestige und politische Selbstversicherung über die unglamouröse Basis stellt.

Die eigentliche Frage lautet: Welche Art von Gesellschaft will man uns hier vermitteln?

Der Moralschild aus Millionen

An der Spitze seiner Agenda steht die Verkündung des Bundeskulturetats für 2026: 2,57 Milliarden Euro – eine Summe, die die „innere Größe unserer Kulturnation“ zementieren soll. Diese Grandezza wird sofort mit einem rhetorischen Schutzschild untermauert: Parallel sichert Weimer 21,8 Millionen Euro für die Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg und liefert den Slogan: „Erinnerung ist unsere stärkste Antwort auf Extremismus.“

Das ist kein Zufall, sondern politisches Kalkül. Man investiert in Projekte, deren moralischer Wert unantastbar ist. Die Geschichte wird zur idealen politischen Waffe instrumentalisiert; die Investition in das historisch Notwendige macht jede Kritik am Rest des Budgets beinahe unmöglich. Wer so großzügig die Erinnerung pflegt, kann sich moralische Immunität erkaufen.

Auch die vertiefte Kulturkooperation mit der Ukraine wird in diese geopolitische Geste eingebettet. Sie ist nicht nur militärischer oder politischer, sondern eben auch „kultureller Natur“ und erhebt das ganze Handeln auf eine Ebene, die keinen Zweifel zulässt: Weimer ist der Verteidiger der Freiheit und des „Bollwerks gegen autoritäre Ideologie“. Die Kultur wird so zur Folie für die Außenpolitik und zur glänzendsten PR-Fassade.

Der Ein-Euro-Mann und die Sparopfer

Die wahre politische Kultur zeigt sich jedoch in den Kontrasten. Auf der einen Seite steht Kanzler Merz, der den früheren Commerzbank-Chef Martin Blessing zum Persönlichen Beauftragten für Investitionen ernennt. Sein Gehalt: symbolisch ein „one dollar man“ oder „Ein-Euro-Mann“, der dem Land „ein bisschen zurückgeben“ will. Der Investment-Profi wird zum Ehrenamtler erklärt, während Millionen von Bürger*innen für 12,82 Euro die Stunde – den Mindestlohn – arbeiten. Die Botschaft: Die Eliten arbeiten aus reiner Verbundenheit, die Wichtigen sind unbezahlbar, die Basis muss ihre Existenz mit harter Arbeit verteidigen. Blessing soll nebenbei die Germany Trade and Invest (GTAI), die „ein Schattendasein führt“, auf Kurs bringen.

Auf der anderen Seite, in der unglamourösen Basis der Kulturnation, wird das Ehrenamt aktiv bestraft: Der Allgemeine Cäcilienverband (ACV) verliert 50.000 Euro an jährlicher Förderung, was 40 Prozent seiner Einnahmen ausmacht. Die Folge: Der Verband, der 274.000 Musiker*innen und Sänger*innen organisiert, steht vor dem Ende seiner hauptamtlichen Strukturen. Man ist bereit, das Fundament der historisch gewachsenen Musikkultur verhungern zu lassen, weil 50.000 Euro angeblich das Haushaltsdefizit der Bischofskonferenz retten müssen.

Der zynische Kern: Die „Leistungsträger“ der Wirtschaft arbeiten für einen Euro und erhalten dafür Macht und Prestige; die Leistungsträger der Kultur an der Basis verlieren ihre einzige professionelle Koordinationsstelle wegen einer Summe, die – pro Kopf der Engagierten – bei 0,18 Euro liegt.

Die Kultivierung der Exklusivität am Tegernsee

Die tatsächliche Weltordnung des Ministers kulminiert im Ludwig-Erhard-Gipfel, den Weimer und seine Frau mitorganisier(t)en. Bei diesem „Gipfel“ trifft sich das „Who’s who der deutschen Topentscheider“. Man ist gerne „unter sich“. Es ist kein Forum der Vielfalt, sondern ein Club der Eingeweihten.

Und dieser Club ist nicht kostenlos. Die Verkaufsunterlagen der Weimer Media Group versprechen „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“. Der Preis dafür ist stolz: Das Paket „Mont Blanc“ kostet eben 80.000 Euro netto für die Teilnahme an der „exklusiven Executive Night“.

Man darf vermuten: 80.000 Euro für Einfluss sind dem Minister offenbar wichtiger als 50.000 Euro für die Sicherung von 274.000 Laienchören.

Hinzu kommt die Staatsknete, die diese private Party mitfinanziert. Die staatliche Agentur Bayern Innovativ unterstützte den Gipfel mit 165.000 Euro. Obwohl Weimer die Geschäftsführung vor Amtsantritt niedergelegt hat, ist er weiterhin zu 50 Prozent beteiligt. Es ist eine juristische Finesse, bei der der Minister im Kabinett sitzt, während seine Veranstaltung mit staatlicher Förderung das Netzwerk der Mächtigen für teures Geld verkauft.

Die Wahrnehmung, die Weimer damit in der Gesellschaft verfestigt, ist die einer Kultur als Statussymbol und politischem Manövrierraum. Die „innere Größe“ wird zur Hülle eines Systems, in dem der politische Zugang monetarisiert wird und die Basis aus eigener Kraft singen oder eben verstummen soll. Das ist die eigentliche Botschaft, die hinter den Milliarden und den 80.000 Euro steckt.

Und natürlich muss man den Kontext größer fassen: Merz` Kabinett, zu dem auch Weimer zählt, ist ein Kabinett, das ganz unverhohlen Lobbyist*innen in Minister*innenämtern kleidet. Das macht die Rolle Weimers aber nicht besser. Eher anders herum.

Die Wahrnehmung von Kultur in Deutschland wird gerade nachhaltig verändert. Der AfD wird´s gefallen. Alle anderen werden sich wehren müssen.

]]>
Ein Neuanfang aus Leidenschaft https://www.tiefgang.net/ein-neuanfang-aus-leidenschaft/ Fri, 31 Oct 2025 23:56:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12772 [...]]]> Wenn der 22. Harburger Kulturtag am Sonntag (2.11.) seine Pforten öffnet, ist das nicht nur ein Termin im Kalender, sondern ein starkes Bekenntnis zu Harburg. Es ist die Geschichte eines Events, das sich aus purer Leidenschaft immer wieder neu erfindet, aber dabei seine Identität neu aushandeln muss.

Über 15 Jahre lang war der Kulturtag ein geliebter Samstagstermin, initiiert und getragen vom Team des Archäologischen Museums. Doch der Kulturbetrieb ist kein Zuckerschlecken: Wegen knapper Kassen und fehlender Ressourcen musste der Tag schlucken – und auf den verkaufsoffenen Sonntag im Herbst umziehen.

Jetzt tritt erstmals Harburg Marketing an die Spitze. Und diese Premiere ist ein Signal: Die Kultur im Hamburger Süden lässt sich nicht unterkriegen! Die Verlegung von 12 bis 20 Uhr macht den Tag zu einem Fest für alle, perfekt eingebettet in einen entspannten Familiensonntag. Harburgs Zentrum und der Binnenhafen werden zur Bühne für 28 Kultureinrichtungen, deren Eintritt an diesem Tag frei ist.

Superhelden, Street Art und Lindy Hop

Was diesen Tag so unwiderstehlich macht, ist die explosive Mischung aus Geschichte, Aktivismus und purer Lebensfreude. Hier wird nicht nur konsumiert, hier wird mitgemacht! Einige Highlights:

  • Der Mythos lebt: Im Archäologischen Museum 12-16 Uhr in die fantastische Welt der „Superhelden – Von Herakles bis Superman“. Wer will sich nicht einmal den griechischen Legenden gegenüberstellen?
  • Rhythmus der 20er: Bei Atticat Swing (13-18 Uhr) am Krummholzberg heißt es: Schuhe schnüren! Die Tanzschule bietet einen Tag der offenen Tür mit Lindy Hop Schnupperkursen – ein energiegeladener Tanz, der direkt aus Harlems Jazz-Kultur stammt.
  • Wandlungen der Stadt: Die Kunst findet auf der Straße statt: Bei Walls Can Dance entdecken Besucher*innen Norddeutschlands größte Freiraumgalerie für Urban Art bei kostenlosen Touren, startend am S-Bahnhof Harburg.
  • Das Harburger Herz: Bei der Biff Harburg Frauenberatung werden unter dem Titel „Frauenbilder Sichtbar werden“ kraftvolle Collagen gezeigt, die von Mut und gelebten Biografien erzählen. Im Gegensatz dazu präsentiert Stadtmaler Ralf Schwinge in der Sparkasse Harburg „Harburg in neuen Ansichten 2.0“ – und versorgt Neugierige mit Kaffeespezialitäten vom Coffeebike (12-16 Uhr).

Auch die Harburg Info öffnet in der Hölertwiete ihre Türen für eine Lesung: „Coloured Stories“ bietet Auszüge zu Stadtthemen und Umweltschutz – nahbare Geschichten aus der Nachbarschaft.

Kulturschock oder Demokratisierung? Die Gratwanderung des Harburger Tags

Doch gerade für jene, die den Kulturtag in seinen Anfangsjahren schätzten, muss dieser Wandel schmerzen. Der Tag war einst eine bewusste Antithese zum harschen Ruf Harburgs: Er pries die (Hoch-)Kultur mit der Sammlung Falckenberg an der Spitze und bot Ateliers als Rückzugsorte. Das Ziel war klar: Harburg hat eine ernstzunehmende, anspruchsvolle Szene.

Heute? Der Kulturtag findet am verkaufsoffenen Sonntag statt. Die Kunstaktion im Phoenix-Center wird mit den Lions Charitytagen verbunden. Am Abend gibt es einen Laternenumzug und ein Feuerwerk. Für Purist*innen stellt sich die Frage: Hat sich der Kulturtag selbst überlebt, indem er seine klare kulturelle Haltung zugunsten der größtmöglichen Reichweite aufgegeben hat? Wird die Kultur hier zur Dekoration für den Handel?

Die Antwort liegt vielleicht in der Demokratisierung. Harburg Marketing mag einen breiteren, zugänglicheren Ansatz verfolgen, der niedrigschwellige Angebote in den Vordergrund rückt. Wenn die Menschen über Street Art, Lindy Hop und eine Tasse Kaffee zu Ralf Schwinge in die Sparkasse gelockt werden, dann mag das Chaos sein – aber es ist ein Chaos der Begegnung. Es ist die klare Botschaft: Kultur gehört allen, nicht nur der Elite.

Nach Jahren, in denen die Inhalte auf den Flyern fast verschwanden, gibt es endlich wieder eine inhaltliche Fülle. Ob das neue, bunte Mischformat nun die „richtige“ Kultur abbildet oder lediglich ein Publikumsmagnet ist, muss jeder selbst entscheiden. Aber die Debatte – die ist kulturell wertvoll, und sie ist Harburg pur.

Ein Finale mit Feuerwerk

Der Kulturtag ist eine Hommage an die Harburger*innen selbst. Von buntem Laternen basteln in den Arcaden bis zur Kunstaktion im Pop Up Store im Phoenix-Center – an jeder Ecke pulsiert das Leben.

Den krönenden Abschluss des 22. Harburger Kulturtags bildet der Laternenlauf der Schützengilde mit einem spektakulären Feuerwerk über dem Rathausplatz. Und ja, auch die Geschäfte haben von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Harburg Marketing hat mit dieser ersten Umsetzung nicht nur eine Tradition fortgeführt, sondern sie neu aufgeladen. Es ist ein kultureller Anker, der beweist, dass Gemeinschaft und Kunst die stärksten Ressourcen sind. Gehen Sie hin – entdecken Sie, tanzen Sie, staunen Sie! Die Harburger Kultur hat ihren Platz mehr als verdient.

Das gesamte Programm zum download hier

]]>
Die Wahrheit ist kein Algorithmus https://www.tiefgang.net/die-wahrheit-ist-kein-algorithmus/ Fri, 31 Oct 2025 23:25:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12767 [...]]]> Hamburg ist nicht nur Tor zur Welt, es ist auch eine der großen Medienstädte Europas. Doch in den digitalen Gassen dieser Metropole wird die Währung, die uns alle am Leben hält, täglich entwertet: die Wahrheit. Fakt und Fake verschmelzen, Desinformation wird zur Waffe.

Daher ist die Hamburger Woche der Pressefreiheit vom 2. bis 8. November 2025 keine Kultur-Agenda, sondern eine notwendige, energische Intervention. Initiert von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und der Körber-Stiftung und getragen von über 40 Partner*innen, geht es in dieser Woche um eine glasklare Botschaft: Nachrichtenkompetenz ist die neue Schlüsselkompetenz, das Fundament unserer wehrhaften Demokratie.

Der offizielle Auftakt setzt ein bewusst aufsehenerregendes Zeichen. Am Montag, den 3. November, lädt der Senat unter dem Titel „Raise your Voice! Senatsempfang für junge Stimmen“ medieninteressierte Schüler*innen und Jugendliche ins ehrwürdige Rathaus.

Das ist klug gedacht, denn wer sonst kämpft täglich so sehr mit dem digitalen Chaos wie die junge Generation? Der Hamburger Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda macht klar: Die Freiheit lebt davon, unabhängige Entscheidungen treffen zu können. Und dafür braucht es ein „Gespür für guten Journalismus“. Deshalb stehen beim Empfang keine grauen Eminenzen, sondern Persönlichkeiten wie Influencer Fabian Grischkat oder Minusch Afonso (News-WG-Host) im Zentrum. Es geht darum, nahbar zu zeigen, wie ein kritischer und kreativer Umgang mit Informationen aussieht, wenn man tagtäglich von Content überflutet wird.

Wie Prof. Manuel Hartung von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS es prägnant formuliert: Es braucht Menschen, die Quellen hinterfragen und Bilder kritisch einordnen. Die Woche der Pressefreiheit ist ein „starkes Zeichen“, weil sie Medienkompetenz mit mehr als 60 niedrigschwelligen Angeboten in die Fläche trägt – von der Schule bis in die Haspa-Filiale in Harburg oder Ahrensburg.

Das Besondere an dieser Aktionswoche ist ihre enorme Bandbreite, die von lokalen Workshops bis zur globalen Kulturpolitik reicht. Die Woche der Pressefreiheit blickt entschlossen über Hamburg hinaus und wird zum Gastgeber des Kampfes gegen die Autokratien.

Ein zentraler Block widmet sich dem Exiljournalismus. Eva Nemela von der Körber-Stiftung betont, dass Pressefreiheit ein Fundament der Demokratie ist und warnt vor der „beunruhigenden Zunahme von Repressionen“ weltweit. Die Stiftung veranstaltet mit dem Exile Media Forum (4. November) und dem Exile Media Lab (5. November) Deutschlands größte Fachkonferenz für diesen unerlässlichen Bereich. Highlights wie die Keynote der sudanesischen Exiljournalistin Amal Habani machen hier sichtbar, welche wichtige Rolle Journalist*innen spielen, die aus der Diktatur heraus über Desinformation aufklären.

Als Krönung dieser Solidarität werden am 6. November bei den „Free Media Awards 2025“ im Rathaus herausragende Journalist*innen aus Osteuropa ausgezeichnet – teils Menschen, die aktuell wegen ihrer Arbeit im Gefängnis sitzen.

Blicke hinter die Kulissen

Die Woche der Pressefreiheit lockt zudem mit einer Fülle an Programmformaten, die Lust auf guten Journalismus machen:

  • Der Medien-Marathon: Los geht es am Sonntag, 2. November, mit einer Live-Sendung beim NDR (unter anderem mit Ingo Zamperoni, Fabian Grischkat und der US-Digital-Expertin Nina Jankowicz).
  • Nah am Newsroom: Zahlreiche Medienhäuser – darunter NDR Info, RTL Nord, das ZDF und DER SPIEGEL – laden zu Redaktionsbesuchen und spannenden Blicken hinter die Kulissen ein.
  • Hochkarätiger Austausch: Ob mit dem deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel, Fernsehmoderatorin Caren Miosga oder Schriftstellerin Thea Dorn – hochkarätige Panels, Keynotes und Fishbowl-Veranstaltungen laden zum kritischen Denken ein.
  • Zukunftswerkstatt: Die ARD veranstaltet in der Bucerius Law School eine zweitägige Konferenz mit 130 jungen Medienschaffenden zur Zukunft des Journalismus.

In einer Welt, in der die Wahrheit ständig zur Verhandlung steht, ist die Hamburger Woche der Pressefreiheit ein klares Statement: Die Zukunft der Demokratie hängt davon ab, dass wir alle lernen, Fakt von Fake zu unterscheiden. Ein intensives und wichtiges Programm für alle Altersgruppen.

Das gesamte Programm mit über 60 Veranstaltungen findet sich online unter: www.pressefreiheit.hamburg

]]>
Hamburger Rockförderung mit KI https://www.tiefgang.net/die-ki-wird-zur-hamburger-rock-und-popfoerderung/ Fri, 31 Oct 2025 23:11:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12789 [...]]]> Digitale Release-Prozesse gleichen für viele freie Musikschaffende einem unübersichtlichen Labyrinth, in dem das kreative Herz oft von administrativen Hürden erdrückt wird. Doch RockCity Hamburg e.V. hat dieser Überforderung nun ein technologisches Rettungsboot entgegengestellt. Mit Künstlicher Intelligenz.

Der neue Artist Navigator ist ein innovatives, kostenfreies KI-Tool, das seit dem 29. Oktober frei zugänglich ist beispielhaft demonstriert, wie technologische Transformation aktiv im Sinne der Künstler*innen gestaltet werden kann.

Die Veröffentlichung des Artist Navigator ist mehr als eine bloße Produktvorstellung; sie ist ein Meilenstein in der deutschen Popförderung. Während die Branche weiterhin über die Zukunft der KI debattiert, liefert Hamburg eine handfeste, künstler*innenzentrierte Antwort.

Das Herzstück des Navigators ist die strategische Verknüpfung von GPT-Technologie mit sorgfältig kuratiertem Fachwissen von RockCity und Branchenexpert*innen. Dieses „Rückgrat“, wie es Andrea Rothaug, Geschäftsführung RockCity Hamburg, nennt, soll Musikschaffende befähigen, ihren digitalen Release selbst zu organisieren. Sie betont: „Endlich können wir unseren Artists digital und kuratiert, zweisprachig und barrierefrei Hilfe bieten, ohne dass sie bei Anbieter*innen vierstellige Beträge für teure digitale Coachings ausgeben müssen oder an Öffnungszeiten gebunden sind.“

Der Einsatz der KI ersetzt die Kreativität nicht, sondern befreit sie. Senator Dr. Carsten Brosda sieht darin ein ideales Modell: „Der von RockCity vorgestellte Artist Navigator ist ein gutes Beispiel für einen sinnvollen Einsatz von KI, der Kreativität nicht ersetzt, sondern hilft, erfolgreich künstlerisch zu arbeiten.“

Der Live-Test: Was der Navigator wirklich kann

Um die wahre Tiefe des Artist Navigators zu verstehen, muss man ihn in Aktion erleben. Das Tool verspricht, Orientierung im komplexen Prozess von der Studioaufnahme über Social-Media-Bewerbung bis hin zu Vertrieb und psychischer Gesundheit zu bieten. Es ist diese ganzheitliche Perspektive, die den Navigator so wertvoll macht. Wir haben ihn getestet. Wir stellten dem Artist Navigator zwei typische Fragen, die vermutlich im Alltag vieler Musiker*innen auftauchen:

Eingabe: „Ich bin eine Newcomer*in aus Hamburg. Welche Förderungen passen zu mir, um mein erstes Musikvideo zu finanzieren?“

Antwort des Navigators „Basierend auf Deinen Angaben kommen die Film- und Musikförderung der Hamburger Kreativgesellschaft sowie die Projektförderung der BKM in Frage. Den nächsten Stichtag findest Du auf der webseite. Wir stellen Dir hier den direkten Link zum Antragsformular bereit und zeigen, welche Budgetposten Du realistisch ansetzen kannst.“

Eingabe 2: „Mein Song ist fertig gemastert. Was ist der nächste Schritt, um sicherzustellen, dass ich meine GEMA-Anmeldung und meinen Pre-Save-Link rechtzeitig aufsetze?

Antwort des Navigators: „Dein Master ist der Startpunkt für die 8-Wochen-Frist. Schritt 1 ist nun die Anmeldung Deiner Werke bei der GEMA – dies muss vor dem Release-Datum geschehen. Parallel dazu solltest Du bei Deinem Distributor den Pre-Save-Link mindestens 6 Wochen vor dem Release-Tag beantragen, damit die notwendigen Metadaten an Spotify und Apple Music übermittelt werden können. Hier ist eine Checkliste für die kommenden Wochen …“

Immerhin. Man bekommt eine Richtung und einen Austausch, der Schritt für Schritt für Orientierung sorgt.

Der große Unterschied zu allgemeinen KI-Plattformen wird durch Thomas Burhorn, Vorstand RockCity Hamburg und Mitglied der Band MEUTE, auf den Punkt gebracht: „Chat GPT weiß nicht unbedingt, welche Förderstellen in Hamburg zu Dir passen und wo Dir konkret weitergeholfen werden kann. Das Tool verbindet beide Welten und schlägt ganz konkrete Schritte für eine Releaseplanung vor.“

Die Essenz des Artist Navigators liegt genau in dieser Kuratierung: Er verbindet die immense Rechenleistung und Zugänglichkeit der KI mit dem echten Fachwissen der lokalen Szene. Er ist ein Instrument, das die komplexen Prozesse in „einfache, emphatische Nutzer*innenerlebnisse“ übersetzt, wie Dieter Pries von Hyperinteractive, die die App entwickelte, beschreibt. Damit ebnet Hamburg einmal mehr den Weg für eine menschlichere, modernere und vor allem künstler*innenzentrierte Zukunft der Popförderung. Das Hochgebirge bleibt eine Herausforderung, aber jetzt gibt es endlich einen sicheren Pfadweiser auf dem Weg zum Gipfel.

Man darf gespannt sein, ob das Arbeitern mit der KI dann auch zum gewünschten Erfolg führt.

]]>
Hamburg öffnet 51 Türen für Null Euro https://www.tiefgang.net/hamburg-oeffnet-51-tueren-fuer-null-euro/ Fri, 17 Oct 2025 22:54:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12718 [...]]]> Am 31. Oktober 2025 verwandelt sich Hamburg in eine einzige, riesige Kunst- und Geschichtsgalerie. Der Reformationstag wird zum ultimativen Museumstag!

Unter dem Hashtag #seeforfree öffnen 51 Museen und Ausstellungsorte – mehr als jemals zuvor – ihre Türen bei freiem Eintritt. Das ist kein gemütliches Kaffeekränzchen. Das ist ein kulturelles Überangebot der Superlative, das die Stadt mit purer Neugier flutet und gezielt Brücken schlagen will. Denn das Ziel ist politisch wie menschlich: Alle Hamburger*innen sind eingeladen, sich auf Unbekanntes einzulassen und die Welt aus anderen Perspektiven zu betrachten.

Vom Polizeimuseum bis zum Krümelmonster

Die Vielfalt ist atemberaubend und zeigt, wie breit Hamburgs kultureller Horizont ist. Neben den großen, international gefeierten Häusern wie den Deichtorhallen (mit der Sonderausstellung über Huguette Caland) und der Hamburger Kunsthalle (mit dem schwedischen Superstar Anders Zorn) sind es die Neuzugänge, die den Reiz ausmachen.

Wer hätte gedacht, dass man am Reformationstag die spannende Welt der Kriminaltechnik erkunden kann? Das Polizeimuseum Hamburg ist erstmals dabei! Ebenfalls neu im Bunde:

  • Das Deutsche Maler- und Lackierer-Museum, das im 400 Jahre alten Fachwerkhaus 800 Jahre Handwerksgeschichte präsentiert.
  • Das Urbaneo – Junge Architektur Zentrum, wo man Stadt mit allen Sinnen erleben und selbst gestalten kann.
  • Die Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe, der historische Ort, von dem Hamburg ab 1893 mit sauberem Trinkwasser versorgt wurde.

Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda fängt diese Haltung perfekt ein: „Museen sind Orte, an denen wir nicht nur Geschichte und Kunst erleben, sondern auch uns selbst begegnen.“ Die Aktion stehe für Offenheit, Neugier und die Freude am gemeinsamen Entdecken.

Das Beste am #seeforfree-Tag ist das umfangreiche Sonderprogramm, das die Häuser in wahre Abenteuerspielplätze verwandelt. Hier wird nicht nur geschaut, hier wird aktiv teilgenommen:

Wo sonst kann man gleichzeitig…

  • …bei der Stiftung Hamburg Maritim mit dem Dampfschiff SCHAARHÖRN und dem Frachter BLEICHEN beim OPEN SHIP auf Tuchfühlung gehen?
  • …gerappte Ausstellungsführungen im Universitätsmuseum erleben?
  • …im WasserForum kuriose Fundstücke aus Hamburgs Abwassersielen für Kinder und Familien entdecken?
  • …im MONTBLANC HAUS das Krümelmonster aus der „Sesamstraße“ treffen und Quizaktionen testen?

Für die Geschichtsfans gibt es im Hamburger Schulmuseum Unterricht wie zu Kaisers Zeiten, inklusive Sütterlinschrift auf Schiefertafeln. Und wer auf der Suche nach einem tieferen Denkanstoß ist: Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bietet Kurzführungen und Einblicke in das Haus des Lagerkommandanten an.

Die Action ist da, der Eintritt ist frei. Wer den Überblick behalten möchte, kann sich seine individuelle Museumstour unter www.seeforfree.de/meine-tour zusammenstellen.

31. Oktober 2025 (Reformationstag): Freier Eintritt in 51 Hamburger Museen und Ausstellungsorte

Es gibt Führungen und Aktionen in neun Sprachen, darunter Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch und sogar Plattdeutsch. Alle Infos und die Möglichkeit zur individuellen Tour-Erstellung finden Sie auf www.seeforfree.de.

]]>
Kunst kann mehr! https://www.tiefgang.net/kunst-kann-mehr/ Fri, 03 Oct 2025 22:00:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12598 [...]]]> Die Institution, der die Deutschen am meisten vertrauen, ist nicht die Polizei oder die Regierung. Es sind ihre Museen.

Und: Ihr Kapital liegt noch weitgehend verborgen in Millionen von Nicht-Besucher*innen.

Gerade in Hamburg wird gerne leidenschaftlich und emotional darüber gestritten, welche Rolle die Kultur in Zeiten wachsender politischer Polarisierung und globaler Krisen einnehmen soll. Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg nimmt diesen Diskurs auf und lädt in seiner neuen, aufregenden Diskussionsreihe Kunst kann mehr! genau dazu ein. Der Anlass: eine bahnbrechende Studie, die den gesamten Kultursektor mit einem riesigen Geschenk – einem bisher ungeahnten Vertrauensvorschuss – beschenkt.

Das verborgene Kapital: Vertrauen als Fundament

Die vom Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin vorgelegte, bevölkerungsrepräsentative Studie „Das verborgene Kapital: Vertrauen in Museen in Deutschland“ beweist energisch und mit klaren Zahlen: Museen genießen im institutionellen Vergleich das höchste Vertrauen in der Bevölkerung. Sie schlagen damit Gerichte, die Wissenschaft und erst recht die klassischen Medien. Sie sind ein Ankerplatz in stürmischen Zeiten, ein Ort, der für Wahrheit und Verlässlichkeit steht.

Die Analyse der Studien-Autorinnen ist in Aufbau und Argumentation mustergültig klar: Dieses Vertrauen existiert zweigleisig und ist höchst komplex. Einerseits gibt es ein abstraktes Vertrauen als Vorschuss, welches die Menschen den Häusern als Institutionen schenken. Andererseits wächst das Vertrauen noch einmal deutlich mit jedem tatsächlichen Besuchskontakt.

Die Macht der „Nie-Besucher*innen“

Die wahre Sensation liegt jedoch in einem scheinbar unsichtbaren Publikum: den „Nie-Besucher*innen“. Die Studie enthüllt, dass Museen über ein enormes, bislang unaktiviertes Publikum verfügen, das den Häusern bereits mit Wohlwollen begegnet. Dieses Vertrauenskapital existiert selbst in Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen oder geringerem Bildungsgrad, die traditionell im Museum nur selten anzutreffen sind. Das Museum besitzt also einen Vertrauensvorsprung, der über die tatsächliche Nutzung hinausgeht – ein „verborgenes Kapital“, das nur darauf wartet, endlich gehoben zu werden.

Die Kernbotschaft der Forschung ist deshalb ein überzeugender und energischer Appell an die Kulturlandschaft: Museen sind weit mehr als nur Hüter der Vergangenheit. Sie sind ein Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts in der Gegenwart. Die Kulturinstitutionen müssen dieses Vertrauen nun durch „gute Performanz in Form von ansprechenden Ausstellungen und weiteren Angeboten“ nutzen. Es geht darum, das passive Vertrauen in aktives Besuchsverhalten zu überführen und so die gesellschaftliche Relevanz kraftvoll zu stärken.

Die Autorinnen der Studie:

Hinter dieser fundierten Analyse stehen zwei Museums- und Forschungsexpertinnen. Prof. Dr. Patricia Rahemipour ist seit 2019 Direktorin des Instituts für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Museumsgeschichte, innovative Wissenskommunikation und die gesellschaftliche Rolle von Museen, insbesondere im Hinblick auf soziale Kohäsion und Diversität. Kathrin Grotz, M.A. ist stellvertretende Direktorin des Instituts und forscht intensiv zur gesellschaftlichen Wirksamkeit von Museen, Evaluierung und Besucher*innenforschung.

Diskussion im Bucerius Kunst Forum:

Das Bucerius Kunst Forum greift diesen Befund auf und eröffnet die Reihe „Kunst kann mehr!“ mit einer Debatte zur politischen Verantwortung der Kultur. Ein Muss für alle, die wissen wollen, wie dieses unschätzbare Kapital nun genutzt werden soll.

Donnerstag, 16. Oktober, 19 Uhr: Krisen überall – Hat Kunst noch Relevanz? (Diskussionsreihe Kunst kann mehr!)

Bucerius Kunst Forum | Alter Wall 12 | 20457 Hamburg

Im Gespräch: Prof. Monika Grütters (Kulturstaatsministerin a.D.) und Dr. Carsten Brosda (Hamburger Kultursenator)

Moderation: Stefan Koldehoff (Deutschlandfunk) und Mandy Frick (ahoy radio)

Die vollständige Studie „Das verborgene Kapital: Vertrauen in Museen in Deutschland“ kann übrigens kostenlos beim Institut für Museumsforschung heruntergeladen werden: Studie www.smb.museum

]]>
Kino satt am Feiertag! https://www.tiefgang.net/kino-satt-am-feiertag/ Fri, 26 Sep 2025 22:54:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12571 [...]]]> Das ist Freiheit auf der Leinwand: Das Filmfest Hamburg schenkt der Stadt einen besonderen Kinotag.

Der 3. Oktober in Hamburg hat eine neue, wundervolle Bedeutung bekommen. Seit letztem Jahr lädt das Filmfest Hamburg am Tag der Deutschen Einheit alle Kinofans zu einem ganz besonderen Kinomarathon ein. Denn es ist wieder Zeit für den „Tag des freien Eintritts“.

Die Idee dahinter ist so einfach wie genial: An diesem Tag sind alle Festivalfilme in den teilnehmenden Kinos kostenlos zu sehen. Was für eine Chance, über den Tellerrand zu blicken, sich auf unbekannte Erzählungen einzulassen und die Vielfalt des Kinos zu feiern.

Festivalleiterin Malika Rabahallah hat die Vision ins Leben gerufen, Menschen zusammenzubringen. Ihre Worte klingen dabei fast wie ein filmisches Versprechen: „Am Tag der Deutschen Einheit sitzen wir hier in Hamburg gemeinsam im Kino, um zusammen zu lachen und zu weinen und nach dem Film zu diskutieren. Und das Beste daran: Der Eintritt ist frei. Mehr Einheit geht nicht.“

Das Programm am 3. Oktober ist so vielfältig wie das Festival selbst. Es zeigt, wie Geschichten aus aller Welt unsere Sicht auf die Dinge verändern können. Es gibt fesselnde internationale Spielfilme, die tief in menschliche Geschichten eintauchen, wie „Jeunes mères – Junge Mütter“ aus Belgien und Frankreich. Oder das Drama „Aisha Can’t Fly Away“, eine internationale Koproduktion aus Ägypten und Deutschland, die an ferne Orte entführt.

Auch für Fans des amerikanischen Independent-Kinos gibt es etwas zu entdecken, wie „East of Wall – The New West“, ein Film, der von Nähe und Halt in Zeiten emotionaler Erschütterung erzählt. Wer es lyrischer mag, könnte sich in den chilenischen Film „Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“ verlieben.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda ist ein großer Befürworter dieser Aktion und betont, dass Kinos Orte der Begegnung, Empathie und des demokratischen Diskurses seien. Genau das ist die Magie dieses Tages: Er bringt die Menschen zusammen, um gemeinsam zu schauen, zu fühlen und zu diskutieren.

Das einzige, was für eine Teilnahme nötig ist, ist die Sicherung eines kostenlosen Tickets. Denn auch für diese Vorstellungen ist eine Karte notwendig, und sie sind heiß begehrt! Tickets gibt es online im Vorverkauf oder an den Abendkassen der Kinos, aber wie bei den besten Premieren gilt auch hier: Nur solange der Vorrat reicht.

Die Aktion findet in den fünf großen Festivalkinos statt: dem Abaton, dem CinemaxX Dammtor, dem Metropolis, dem Passage Kino und dem Studio Kino. Aber das ist noch nicht alles! Die „FILMFEST UMS ECK“-Kinos in den Stadtteilen wie das Savoy Filmtheater, das Magazin Filmkunsttheater und das 3001 Kino machen ebenfalls mit und bieten jeweils eine kostenlose Vorführung an.

Ein Tag, die Filmkunst mit der ganzen Stadt zu feiern.

]]>
Winsen feiert Brahms https://www.tiefgang.net/winsen-feiert-brahms/ Fri, 29 Aug 2025 22:16:10 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11813 [...]]]>

Die malerische Stadt Winsen (Luhe) wird im September 2025 erneut zum Mekka für Musikliebhaber. Die 8. Winsener Brahms-Woche steht ins Haus.

Und sie verspricht ein Festival der Extraklasse, das den großen Komponisten und seine besondere Verbindung zur Region feiert.

Der Brahms-Freundeskreis Winsen (Luhe) e.V., eine engagierte Gruppe von Bürgern, hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle zwei Jahre dieses einzigartige Festival zu veranstalten. Ihr Engagement ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie lokale Initiativen das kulturelle Leben einer Stadt bereichern können.

Ein Blick ins Programm: Kammermusik vom Feinsten

Die Brahms-Woche präsentiert eine exquisite Auswahl an Konzerten, die die Vielfalt von Brahms‘ Schaffen beleuchten. Besonders hervorzuheben sind die hochkarätigen Kammermusikabende im Marstall Winsen, einem Veranstaltungsort, der mit seiner intimen Atmosphäre bestens geeignet ist für diese musikalischen Kleinode.

Den Auftakt macht das Streichquartett der Hofkapelle Meiningen am 5. September. Mit Werken von Brahms und Mozart entführen die Musiker das Publikum in die Welt der Streichquartette, einer der Königsdisziplinen der Kammermusik.

Am 6. September folgt ein Klaviertrio-Abend mit Isabel Würdinger (Violine), Rahel Weymar (Violoncello) und Johanna Wiedenbach (Klavier). Auf dem Programm stehen Klaviertrios von Brahms und Beethoven, zwei Giganten der Musikgeschichte, die in einen spannenden Dialog treten.

Ein romantischer Duo-Abend für Violine und Klavier erwartet die Besucher am 12. September. Markus Menke (Violine) und Matthias Veit (Klavier) interpretieren Werke von Schubert, Busoni und Brahms und lassen die Leidenschaft dieser Kompositionen aufleben.

Am 13. September steht ein Liederabend unter dem Titel „Bedeckt mich mit Blumen…“ auf dem Programm. Juliane Sandberger (Mezzosopran), Martina Hamberg-Möbius (Sopran) und Dorothea Haarbeck (Klavier) präsentieren Lieder und Duette der Romantik von Brahms, Schumann, Mendelssohn und anderen.

Ein fulminantes Finale: Das „Deutsche Requiem“ in der St. Marien-Kirche

Den krönenden Abschluss der Brahms-Woche bildet am 14. September ein großes Konzert in der St. Marien-Kirche. Das Kammerorchester Winsen, die Kantorei St. Marien und Solisten unter der Leitung von Kreiskantor Reinhard Gräler führen die „Tragische Ouvertüre“ und das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms auf.

Besonders das „Deutsche Requiem“ ist ein Werk, das berührt und bewegt. Brahms sprengt hier die Konventionen des traditionellen Requiems und stellt mit selbst ausgewählten Bibeltexten den Trost für die Menschheit in den Mittelpunkt.

Brahms in Winsen: Eine besondere Beziehung

Die Winsener Brahms-Woche ist nicht nur ein Musikfestival, sondern auch eine Hommage an die besondere Verbindung des Komponisten zu Winsen. Brahms verbrachte hier auf Einladung des Papierfabrikanten Giesemann mehrere Sommeraufenthalte und erinnerte sich noch kurz vor seinem Tod gerne an diese Zeit zurück.

„Und ich habe es doch ganz gut vertragen, ja, ich möchte diese Zeit der Dürftigkeit um keinen Preis in meinem Leben missen, denn ich bin überzeugt, sie hat mir wohlgetan und war zu meiner Entwicklung nötig.“ Diese Worte von Brahms zeugen von seiner Dankbarkeit für die Gastfreundschaft der Familie Giesemann.

Ein kulturelles Highlight für die Region

Die Winsener Brahms-Woche ist längst zu einem festen Bestandteil des regionalen Kulturkalenders geworden. Sie zieht nicht nur Musikliebhaber aus der Umgebung an, sondern auch Besucher von weiter her, die die einzigartige Atmosphäre und die hochkarätigen Konzerte schätzen.

Termine und Karten:

    1. September: Streichquartett der Hofkapelle Meiningen, Marstall Winsen, 19:00 Uhr
    1. September: Klaviertrio, Marstall Winsen, 19:00 Uhr
    1. September: Romantischer Duo-Abend, Marstall Winsen, 19:00 Uhr
    1. September: „Bedeckt mich mit Blumen…“, Marstall Winsen, 19:00 Uhr
    1. September: Großes Abschlusskonzert, St. Marien-Kirche, 19:00 Uhr

Karten sind an den bekannten Vorverkaufsstellen und online unter www.winsenbrahms.de erhältlich.

Die Winsener Brahms-Woche 2025 verspricht ein unvergessliches musikalisches Erlebnis zu werden. Ein Festival, das die Schönheit der Musik feiert und gleichzeitig die Verbundenheit einer Stadt mit einem ihrer großen Komponisten ehrt.

Das gesamte Programm findet sich hier: www.winsenbrahms.de

 

]]>