Ratgeber – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 19 Feb 2026 10:42:00 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Biografiearbeit: Loslassen beginnt mit Hinschauen https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-loslassen-beginnt-mit-hinschauen/ Thu, 19 Feb 2026 23:33:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13355 [...]]]> Vergangenheit ist nichts Abgeschlossenes. Sie lebt im Körper, in Gefühlen und in inneren Bildern weiter, oft leise und unbemerkt. Manchmal meldet sie sich erst dann, wenn wir glauben, längst nach vorne zu gehen.

von Ulrike Hinrichs

„Sollte man nicht irgendwann die Vergangenheit ruhen lassen, endlich loslassen, nach vorne schauen?“ Meine Antwort lautet: „Es kommt darauf an.“

Wenn es dunkle Stellen, Nebel oder schwarze Löcher in der eigenen Biografie gibt, dann ist es hilfreich, sich mit deiner Herkunft und Lebensgeschichte zu beschäftigen. Denn du kannst leichter nach vorne gehen, wenn dein Rucksack nicht zu schwer ist. Unklare oder unbearbeitete biografische Erfahrungen und Leerstellen in der Herkunft sind wie große Wackersteine, die du mit dir trägst.

Loslassen kann sonst zu etwas ganz anderem werden: ein Verdrängen, ein Leugnen oder eine Form von Dissoziation. Nach außen wirkt alles geklärt, doch unter der Oberfläche arbeiten die Themen weiter. Unverarbeitete Traumata verschwinden nicht einfach. Sie zeigen sich im Körper, in Beziehungen oder in wiederkehrenden inneren Mustern. Wir wissen heute aus der Epigenetik, dass traumatische Erfahrungen sogar an die nächsten Generationen weitergegeben werden können.

Vertiefend dazu auf Tiefgang:

Sich mit der eigenen Biografie zu beschäftigen bedeutet Zusammenhänge zu erkennen, innerlich Ordnung zu schaffen und das eigene Leben besser zu verstehen. Erst dadurch entsteht echte Beweglichkeit nach vorne. So kannst du dich lösen, statt im freien Fall ohne sicheren Boden loszulassen.

Kunst ist dafür ein besonders hilfreicher Weg. Sie ermöglicht einen Zugang, der nicht über den Verstand funktioniert. Erinnerung ist keine Datei auf einem Computer, die sich einfach abspeichern und abrufen lässt. Sie ist eng mit Gefühlen verbunden. Oft zeigt sie sich indirekt, fragmentarisch und körperlich. Mit Farbe, Form und spielerischem Ausdruck können wir ihr auf eine intuitive Weise begegnen. Mit Humor und Tiefe zugleich.

Im Header siehst du ein Beispiel einer biografischen Collage-Arbeit mit Kinderfoto von mir. Gerade die Arbeit mit Collage hilft dir, Wortschnipsel und Bildfragmente zusammenzufügen und auf fühlende Weise zu verstehen. Sie unterstützt dich dabei, Bruchstücke deiner Geschichte behutsam neu anzuordnen und ihnen einen stimmigen Platz in deinem Leben zu geben.

Dazu vertiefend auf Tiefgang

Wenn du Lust hast, dich auf diese Weise mit deiner Biografie und Herkunft auseinanderzusetzen, lade ich dich in meinem Buch dazu ein. 60 künstlerische Praxisimpulse und 75 farbige Abbildungen begleiten dich dabei.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin

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Primus inter pares? https://www.tiefgang.net/primus-inter-pares/ Thu, 12 Feb 2026 23:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13236 [...]]]> In vielen Vereinen herrscht das Prinzip der Gleichheit: Jedes Mitglied hat eine Stimme, jede Person die gleichen Pflichten. Doch was passiert, wenn jemandem ein besonderes Denkmal gesetzt werden soll?

Ob Gründungsmitglieder, langjährige Vorstände oder die geschätzte Ehrenpräsidentin – die Rede ist von Sonderrechten. Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. hat dieses Thema unter die Lupe genommen und zeigt auf: Was gut gemeint ist, kann rechtlich schnell zur Sackgasse werden.

Was sind eigentlich Sonderrechte? Rechtlich gesehen handelt es sich nach Paragraph 35 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) um Vorrechte, die nur bestimmten Personen oder Gruppen zustehen. Das kann die Befreiung vom Mitgliedsbeitrag sein, ein lebenslanges Sitzrecht im Vorstand oder ein besonderes Stimmrecht. Es ist eine faszinierende Facette des Vereinsrechts, die Raum für individuelle Wertschätzung schafft. Doch wichtig ist: Damit diese Privilegien zählen, müssen sie ausdrücklich in der Satzung verankert sein. Ein bloßer Handschlag oder ein freundlicher Beschluss der Mitgliederversammlung reicht hier nicht aus.

Einmal gewährt, schwer zu nehmen

Die eigentliche Brisanz liegt in der Beständigkeit dieser Rechte. Sonderrechte gelten im Zweifel für die gesamte Dauer der Mitgliedschaft. Wer einmal zum Ehrenmitglied mit Sonderstatus ernannt wurde, dem kann dieses Recht nicht einfach per Mehrheitsbeschluss wieder entzogen werden. Selbst eine Satzungsänderung prallt hier oft ab: Ohne die Zustimmung der betroffenen Person bleibt das Privileg bestehen. Das Gesetz schützt hier das Vertrauen der Einzelnen massiv.

Ein Verein ist ein lebendiger Organismus, der sich wandelt. Er muss atmen, sich bewegen und auf neue Herausforderungen reagieren können. Was heute als angemessene Anerkennung erscheint, kann in zehn Jahren die Handlungsfähigkeit des Vereins lähmen – etwa wenn eine Ehrenvorstandsperson jede Sitzung blockiert oder massive Beitragsbefreiungen die Vereinskasse leeren. Deshalb raten die Expert*innen vom Vereins- und Stiftungszentrum e.V. zu einer restriktiven Vergabe. Es geht darum, die Balance zwischen der Ehre für das Individuum und dem Wohl der Gemeinschaft zu halten.

Praxistipps für die Satzung

Sollte Ihr Verein Sonderrechte gewähren wollen, ist Präzision gefragt. Legen Sie genau fest, was das Recht umfasst und vor allem: Definieren Sie Bedingungen für einen möglichen Entzug oder eine zeitliche Befristung. So bleibt der Verein handlungsfähig und die Ehre bleibt das, was sie sein soll – eine Auszeichnung, kein Hindernis für die nächste Generation an engagierten Mitarbeiter*innen.

Also: Ehre, wem Ehre gebührt – aber mit Augenmaß. Wer Sonderrechte klug und mit Weitblick in der Satzung verankert, schützt die Zukunft seines Vereins und bewahrt gleichzeitig die Wertschätzung für seine engagiertesten Köpfe.

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Biografiearbeit: Kinderzeichnungen vergessen nichts https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-kinderzeichnungen-vergessen-nichts/ Thu, 12 Feb 2026 13:19:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13272 [...]]]> Unser Familiensystem ist ein lebendiges Geflecht aus Beziehungen, Erwartungen und unausgesprochenen Geschichten. In den frühen Jahren weben vor allem Eltern, Großeltern und Geschwister daran. Manchmal liebevoll. Manchmal widersprüchlich. Manchmal destruktiv.

von Ulrike Hinrichs

Die Kindheit prägt unser Selbstbild, unsere Bindungsmuster und unser Verhältnis zu Nähe und Distanz. Die Stimmen, Gesten und Geheimnisse wirken weiter. Sie bilden sich in unseren Träumen ab, beeinflussen unbewusst unsere Entscheidungen und zeigen sich in unserem Körpergedächtnis. Vieles aus der Vergangenheit liegt im Dunkeln oder ist vergessen. Oder es ist sogar abgespalten, wenn es sich um traumatische Erfahrungen handelt.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Über alte Kinderzeichnungen können wir Kontakt zu unserem jüngeren Selbst aufnehmen. Dank der Sammelleidenschaft meiner Großmutter habe ich einige davon bewahrt. Die Abbildung im Header zeigt ein Bild aus dem Jahr 1974. Ich war neun Jahre alt, als ich es malte.

Auf meinem Bild versammeln sich zahlreiche Tiere. Sie sind nebeneinander angeordnet, fast wie in einem inneren Register. Die Namen sind sorgfältig dazugeschrieben. Vielleicht ein Versuch, die Welt zu ordnen, vielleicht auch, sie festzuhalten oder ihr einen sicheren Platz zu geben.

Kinderzeichnungen sind Zeitfenster in die Vergangenheit.

Kinderzeichnungen sind seelische Landkarten. Sie zeigen, was wichtig war. Wer groß erschien. Wer fehlte. Wo Bedrohung lauerte oder Schutz spürbar war. Sie verraten etwas über Zugehörigkeit, über Sehnsucht und über das, was keinen Namen hatte.

Vielleicht hast auch du eine alte Kinderzeichnung. Schau sie an wie ein Zeitfenster. Ohne Bewertung. Ohne Analyse. Mit Neugier.

  • Was erzählt sie dir heute?
  • Welche Farben ziehen dich an?
  • Wo ist Bewegung, wo Stillstand?
  • Welche Figuren stehen nah beieinander, welche am Rand?
  • Welche Stimmung liegt zwischen den Linien?

Du kannst dieses Bild ins Heute übertragen. Male es neu. Vergrößere ein Detail. Ergänze eine Figur, die gefehlt hat. Gib dem Kind von damals etwas in die Hand. Oder setze dein heutiges Ich dazu. Vielleicht entsteht dabei etwas, das damals noch nicht möglich war. So entsteht ein Dialog zwischen damals und heute, zwischen dem Kind, das du warst, und dem Menschen, der du geworden bist.

Biografiearbeit bedeutet nicht, etwas richtig zu deuten, sondern Beziehung aufzunehmen mit dem eigenen Gewordensein. Sie lädt dich ein, mit deiner Geschichte in Kontakt zu treten. Sie öffnet einen Raum für das Kind, das dich bis heute begleitet. Und manchmal staunt man, wie klar dieses frühe Ich schon wusste, was wesentlich ist.

Siehe dazu auch auf Tiefgang: Dein inneres Kind künstlerisch erwecken

Mehr Praxisimpulse findest du im Atelier für Biografiearbeit. Die 60 kreativen Impulse sind so angelegt, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zur eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken. Es geht nicht um professionelle Kunst, sondern um Ausdruck.

Überall im Buchhandel

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Der Streit um die Mitgliederliste https://www.tiefgang.net/der-streit-um-die-mitgliederliste/ Sun, 08 Feb 2026 23:49:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13233 [...]]]> In vielen Vereinen kommt es vor: Ein Mitglied möchte die anderen Mitglied*innen direkt kontaktieren – sei es für den Wahlkampf um einen Vorstandsposten oder um Unmut über die aktuelle Vereinsführung zu äußern. Doch darf der Vorstand einfach die Liste mit allen E-Mail-Adressen herausgeben?

Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. beleuchtet die rechtliche Lage zwischen Datenschutz und Informationsrecht.

Grundsätzlich gilt: Die Daten der Mitglieder sind geschützt. Der Vorstand ist durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verpflichtet, sorgsam mit diesen Informationen umzugehen. Einfach so hat kein Mitglied einen Anspruch darauf, die privaten Kontaktdaten der anderen zu erhalten. Der Schutz der Privatsphäre wiegt hier schwerer als die bloße Neugier oder der Wunsch nach Vernetzung einzelner Personen.

Ein Anspruch auf Herausgabe der Adressdaten kann jedoch bestehen, wenn ein Mitglied ein berechtigtes Interesse nachweist, das nicht anders erfüllt werden kann. Das ist oft dann der Fall, wenn:

  • Eine Mitgliederversammlung vorbereitet werden soll.
  • Ein Minderheitenbegehren initiiert wird (wenn also eine bestimmte Anzahl an Mitglieder eine Versammlung erzwingen will).
  • Ein Wahlkampf für Vereinsämter ansteht und man die Wähler*innen erreichen muss.

Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. weist darauf hin, dass dieses Informationsrecht tief im Mitgliedschaftsrecht verwurzelt ist. Dennoch bedeutet das nicht automatisch, dass die Liste sofort kopiert werden muss.

Weiterleitung statt Herausgabe

Um den Datenschutz zu wahren und dennoch das Informationsrecht des Mitglieds zu erfüllen, gibt es einen bewährten Mittelweg: Der Vorstand kann anbieten, die Nachricht des Mitglieds selbst an alle anderen Mitglieder weiterzuleiten.

In diesem Fall behält der Verein die Hoheit über die Daten, und die E-Mail-Adressen gelangen nicht in fremde Hände. Erst wenn der Vorstand diese Weiterleitung grundlos verweigert oder sie für das Mitglied unzumutbar ist (etwa wegen hoher Kosten oder Zeitverzögerung), kann ein rechtlicher Anspruch auf die tatsächliche Herausgabe der Liste entstehen.

Was bei der Herausgabe zu beachten ist

Sollte es tatsächlich zur Herausgabe der Daten kommen, müssen klare Regeln eingehalten werden:

  • Zweckbindung: Das Mitglied darf die Daten ausschließlich für den einen, konkret benannten Zweck verwenden. Eine Speicherung für die Zukunft oder die Nutzung für Werbung ist streng untersagt.
  • Datensparsamkeit: Es sollten nur die Daten herausgegeben werden, die wirklich nötig sind. Oft reichen Name und Postanschrift; E-Mail-Adressen sind aufgrund ihrer digitalen Reichweite noch sensibler zu behandeln.

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Künstlerische Biografiearbeit: Die Mutter, die ich mir selbst werde https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-die-mutter-die-ich-mir-selbst-werde/ Sat, 07 Feb 2026 11:05:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13266 [...]]]> Wenn wir in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen sind und keine liebenden Eltern hatten, dann leiden wir oft Zeit unseres Lebens unter der emotionalen Kälte. Wie aber wäre es, wenn du dir eine liebende Mutter oder auch einen Vater erschaffen könntest?

von Ulrike Hinrichs

In vielen Kulturen erscheint Mutter Erde als heilige Gestalt, die Leben schenkt, nährt und schützt. Sie trägt viele Namen: Gaia, die uralte Erdmutter der Griechen, aus der alles Leben entstand. Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, die mit ihrer Trauer den Winter brachte und mit der Rückkehr ihrer Tochter den Frühling. In den Anden lebt Pachamama, die Mutter allen Seins, die Erde und Zeit zugleich ist. Sie wird verehrt mit Gaben und Dank. Diese mythischen Figuren sind Ausdruck einer universellen Sehnsucht nach Verbundenheit, nach einem mütterlichen Prinzip, das jenseits von Herkunft und Familie existiert. Sie erinnern uns daran: Wir sind Teil eines größeren Ganzen. Die Erde ist nicht nur Boden unter unseren Füßen, sie ist Ursprung, Heimat und Spiegel unserer inneren Welt.

Mutter Erde ist die älteste aller Mütter

Lass uns dieses Bild der Urmutter als künstlerischen Impuls nutzen. Mama Erde ist die älteste aller Mütter. Sie trägt uns seit Anbeginn, geduldig, schweigend, atmend. Unter unseren Füßen spüren wir ihr pulsierendes Herz, in ihren Wurzeln liegen die Erinnerung aller Zeiten. Sie ist das große Gedächtnis, das alles speichert und nichts verurteilt. In ihrem Schoß ruhen die Geschichten der Menschheit, der Steine, des Windes. Ihre Haut ist verletzlich, doch sie heilt immer wieder. Mutter Erde nährt uns mit allem, was wir zum Leben brauchen: Wärme, Wasser, Nahrung, Rhythmus, Schönheit. Sie gibt, ohne zu fragen, ohne etwas zurückzufordern. Und doch ruft sie – immer wieder – nach unserer Rückverbindung. Wer sich auf Mutter Erde niederlässt, spürt Halt. Wer ihr lauscht, findet Stille. Wer ihr vertraut, wird erinnert: Du bist Teil dieses lebendigen Organismus. Nicht getrennt, sondern durchwirkt von demselben Atem. In der Verbindung mit Mutter Erde finden wir Zugang zu urweiblicher Kraft: Fruchtbarkeit, Kreativität, Wandel. Sie lehrt uns das Wachsen und das Vergehen. Sie kennt keine Eile. Sie urteilt nicht. Sie sagt: „Du darfst sein. Mit allem, was du bist.“

Es gibt ganz verschiedenen Möglichkeiten, mit Mutter Erde kreativ zu arbeiten. Das haben wir auch in meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe ausprobiert. In meiner Collage im Header ist die Göttin Demeter als Mutter Erde symbolisiert. Eine Frau trägt Landschaft, Geschichte und Erinnerung in sich. In ihrem Körper wohnen Felder, Häuser, Pflanzen, Wege. Leben. Sie beugt sich sanft nach unten. Ihr Blick ist ruhig. Zugewandt. Ohne Forderung. Das Kind in ihren Armen ist aus einer Kopie eines Fotos ausgeschnitten. Es wirkt verletzlich. Nackt. Echt. Es braucht Schutz, Nähe und Wärme. Die Mutterfigur hält es nicht fest. Sie umschließt es. Sie bietet Raum.

In der künstlerischen Biografiearbeit geht es nicht darum, die reale Mutter zu ersetzen. Es geht darum, eine innere Instanz zu entwickeln, die heute verfügbar ist. Eine liebende Mutter im Inneren. Eine, die sieht. Die bleibt. Die nicht beschämt. Durch das Gestalten eines solchen Bildes entsteht Beziehung. Farbe wird Berührung. Form wird Halt. Das Bild wird zu einem inneren Ort, den wir aufsuchen können, wenn alte Verletzungen berührt werden.

So kann Kunst zu einem Akt der Selbstbemutterung werden. Still. Würdevoll. Heilsam.

Mehr Praxisimpulse findest du im Atelier für Biografiearbeit. Die 60 kreativen Impulse sind so angelegt, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zur eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken. Es geht nicht um professionelle Kunst, sondern um Ausdruck.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

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22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg

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Künstlerische Biografiearbeit: Ich mit meiner Mutter auf dem Schoß https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-ich-mit-meiner-mutter-auf-dem-schoss/ Tue, 03 Feb 2026 13:13:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13208 [...]]]> Biografiearbeit nährt, stärkt, erinnert und verbindet uns mit dem, was uns im Innersten ausmacht. Erinnerungen, Erfahrungen, Verluste und Wendepunkte werden nicht nur zu Geschichten, sondern zu innerem Wissen.

von Ulrike Hinrichs

„Wozu ein Blick in die Vergangenheit? Es ist doch besser nach vorne zu schauen und die Vergangenheit ruhen zu lassen.“ Solche oder ähnliche Sätze höre ich oft. Allerdings ist der Blick zurück kein Rückschritt, sondern ein Schritt in die Zukunft. Denn unverarbeitete Themen gären unter der Oberfläche weiter, wenn man sie aus dem Blick nimmt. Die Vergangenheit auszublenden ist kein gesundes Loslassen, sondern eine Form der Dissoziation.

Mehr dazu findest du auf Tiefgang:

Wenn wir unsere Vergangenheit erkunden, benennen und gestalten, verwandeln sich Erlebnisse in Erkenntnisse. Gerade in Phasen des Umbruchs, der Krise oder Sinnsuche kann die biografische Rückschau eine Orientierungshilfe sein. Sie schenkt uns Einsicht in unsere Lebensmuster, würdigt unsere Kraftquellen und macht uns bewusst, was wir bereits durchschritten haben.

Erinnerung ist eine launige Diva

Biografiearbeit ist kein kognitiver Prozess. Erinnerungen lassen sich nicht chronologisch zurückverfolgen. Kreative Zugänge eröffnen einen anderen Zugang zur eigenen Geschichte. Über Farbe, Form, Schreiben oder symbolisches Gestalten können auch jene Erfahrungen Ausdruck finden, für die es keine fertigen Worte gibt. So wird Biografiearbeit zu einem schöpferischen Akt der Selbstvergewisserung. Sie trägt, nährt und erinnert, gerade dann, wenn der Weg nach vorne noch unklar ist. Humor ist dabei eine große Hilfe, und zwar gerade dann, wenn du aus einem schwierigen Familienumfeld kommst. Humor bringt Leichtigkeit in die Schwere.

Ein humorvolles Praxisimpuls aus meinem Buch Atelier für Biografiearbeit lautet: Ich mit meiner Mutter auf dem Schoß. Zu diesem Impuls gestaltete die Künstlerin Yvonne Lautenschläger das Bild der beiden Frösche. Entstanden ist eine Szene, die auf eine berührende Weise mit vertrauten Rollenbildern spielt.

Humor macht Faxen mit dem Ernst

Was passiert, wenn sich das Bild dreht? Nicht das Kind sitzt auf dem Schoß der Mutter, sondern die Mutter sitzt auf dem Schoß des Kindes. Dieses Bild kann vieles auslösen: Mitleid, Überforderung, Verbundenheit, Abgrenzung. Es berührt eine neue Dimension biografischer Reflexion, denn es zeigt dich nicht mehr als Kind, sondern als die Person, die du heute bist. Du schaust nicht nur zurück, sondern nimmst deine Position neu ein. Vielleicht spürst du, wie die Rollen sich im Laufe des Lebens verschoben haben. Vielleicht wird dir bewusst, wie früh du Verantwortung übernehmen musstest. Oder wie sehr du dir gewünscht hättest, deine Mutter halten zu können oder gehalten zu werden.

Biografiearbeit bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu verharren. Sie hilft, innere Zusammenhänge zu verstehen und neue Handlungsspielräume zu öffnen. Besonders kreative Zugänge ermöglichen einen behutsamen Kontakt zu Erinnerungen, Gefühlen und inneren Bildern.

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich dazu ein, diesen Weg praktisch zu gehen. Die 60 kreativen Impulse ermöglichen dir einen behutsamen und tiefgehenden Zugang zu deiner Lebensgeschichte. Ziel ist nicht, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern dir selbst bewusster zu begegnen und deine Geschichte als Ressource zu entdecken.

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Die Kraft von Symbolen: Gespräch mit einem Stein https://www.tiefgang.net/die-kraft-von-symbolen-gespraech-mit-einem-stein/ Tue, 27 Jan 2026 15:14:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13188 [...]]]> Der Stein hat für uns viele Bedeutungen und weckt unterschiedliche Assoziationen. Wir können ihn in der kunsttherapeutischen Arbeit als Symbol nutzen, um tiefere Erkenntnisse zu gewinnen.

von Ulrike Hinrichs

Zahlreiche Redewendungen greifen das Symbol des Steins auf: „Er ist wie versteinert“, „Mir fiel ein Stein vom Herzen“, „Ein Herz aus Stein“, „Bei jemandem einen Stein im Brett haben“, „Etwas ist in Stein gemeißelt“. Der Stein steht für etwas Verhärtetes, scheinbar Lebloses und zugleich Ewiges. Gleichzeitig gibt er Rätsel auf.

Der geheimnisvolle „Stein der Weisen“ bezeichnet in der Alchemie einen Stein, der unedle Metalle in Gold und Silber verwandeln kann. Er steht für Transformation, Heilung und Läuterung. Der römische Gott Mithra, eine mythologische Personifizierung der Sonne, wurde der Überlieferung nach in einer Felsenhöhle geboren. In vielen Kulturen wird erzählt, dass Felsen Edelsteine gebären, ebenfalls ein Zeichen der Wandlung.

Wir können die Kraft von Symbolen in der kunsttherapeutischen Arbeit für uns nutzen. Symbole sind mehrdeutig und über Sprachgrenzen hinweg verständlich. Der symbolische Ausdruck besteht nach C. G. Jung darin, dass sich in Analogien etwas noch Unbekanntes und Werdendes zeigen kann. Symbole haben keine starre, festgeschriebene Bedeutung, sondern werden von kollektiven und individuellen Wahrnehmungen geprägt.

Du kannst die Symbolarbeit mit einem Stein ausprobieren.

Und so geht es:

  1. Suche dir ein Lebensthema, das dich beschäftigt, mit dem du arbeiten möchtest.

Gib deinem Thema eine Überschrift.

Hier ein Beispiel: Eine Klientin aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder wählte das Thema „Ich bin nicht genug“. Sie berichtete von einer permanenten Angst, nicht zu genügen.

2) Suche dir ganz intuitiv bei einem Spaziergang einen Stein. Lass dich von ihm finden. Welcher zieht dich magisch an? Es wird der richtige sein.

3) Wenn du magst, kannst du folgenden Malauftrag mit deinem Stein verbinden:
„Wie sieht es im Inneren deines Steines aus?“ Male ganz intuitiv.

4) Reflexion: Zu diesem Malimpuls entstand das im Header abgebildete Kunstwerk der Klientin. Assoziationen der Gruppenteilnehmerinnen lauteten: „Stummer Schrei“, „Mein inneres Weinen“, „Ich will geliebt werden“ oder auch „sanft und harmonisch“.

Die Klientin war von ihrem eigenen Bild und den Rückmeldungen sehr berührt. Im Zentrum stand für sie das Thema „Kind sein dürfen“ und „Kindheit“. Die Tüte mit Brausepulver hatte sie zufällig gefunden und spontan ins Bild eingearbeitet. Auch die Süßigkeit erinnerte sie an ihre Kindheit. Mehr Spielen statt Funktionieren, auch Nichtstun statt Leistung, waren wichtige Impulse für sie.

Mich beeindruckt immer wieder, welche Ideen, Assoziationen und Bilder bei der Arbeit mit Symbolen entstehen. Sie führen heraus aus dem Denkkarussell. Schon das Suchen des Steines selbst und die Beschäftigung mit einem belastenden Thema auf einer symbolischen, bildhaften Ebene können neue Kräfte und Ressourcen wecken.

Wie ist es dir ergangen?

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl (Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen) ISBN 978-3-99165-010-2

Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR;

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Frauenbilder“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Biografiearbeit: Manchmal sind es die kleinen Dinge https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-manchmal-sind-es-die-kleinen-dinge/ Tue, 13 Jan 2026 10:32:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13101 [...]]]> Biografiearbeit beginnt oft dort, wo Erinnerung unerwartet präzise wird. Bei Zahlen, Bildern, Gerüchen. Bei scheinbar nebensächlichen Details, die sich tief eingeprägt haben und plötzlich wieder auftauchen.

von Ulrike Hinrichs

Ich habe wenige Erinnerungen an meine Kindheit. Doch ich erinnere noch das Kennzeichen unseres ersten Familienautos. HH XD 22. Ein leuchtorangefarbener VW Käfer. Auch Telefonnummern sind geblieben. Die meiner Großmutter, die längst gestorben ist. Die meines Vaters, der getrennt von uns lebte. Die der Firma, in der meine Mutter arbeitete. Ich konnte sie alle auswendig. Ich war ein Schlüsselkind. Telefonnummern gaben Sicherheit.

Erinnerungen sind nicht linear. Oft sind sie vernebelt oder ganz verschluckt von der Vergangenheit. Gerade dann ist es hilfreich, sich solche kleinen Details vorzunehmen und mit ihnen künstlerisch zu arbeiten. Künstlerische Biografiearbeit würdigt diese vordergründig unbedeutenden Erinnerungen und kitzelt etwas wach, was hinter dem Vorhang der Vergangenheit verborgen ist. Kunst erlaubt, diesen Spuren zu folgen, ohne sie sofort erklären zu müssen. Sie macht sichtbar, was lange still war. Das scheinbar Unbedeutende wird bedeutsam. Und oft öffnet gerade das Kleine den Zugang zum Wesentlichen. 

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnung mit Pinsel und Farbe“ arbeiten wir mit der Kunst als Ausdrucksform, um die eigene Herkunft zu erforschen und besser zu verstehen.

In meinem Bild im Header taucht der Käfer meiner Kindheit wieder auf. Leuchtend. Rund. Fast schützend. Er steht auf der Straße und zugleich in einem inneren Raum. Umgeben von Farbe, Punkten, Bewegung. Das gemalte Auto wird zum Träger von Atmosphäre. Von Nähe auf engem Raum. Von Unterwegssein. Von Kindheit, die sich nicht in Szenen, sondern in Fragmenten erinnert. In der künstlerischen Biografiearbeit dürfen solche Bilder auftauchen, ohne bewertet zu werden. Sie müssen nichts beweisen. Sie dürfen einfach da sein.

Vielleicht ist es bei dir kein Auto. Vielleicht ist es etwas ganz anderes. Klein, unscheinbar und doch voller Geschichte. Greife danach und lass ein Bild entstehen. Anschließend kannst du einen kreativen Text daraus wachsen kann. Lass dich überraschen, welche Erinnerungen wach werden.

Mehr dazu auf Tiefgang

Bist du neugierig geworden, wie du eigene Erinnerungen künstlerisch erkunden kannst? Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen.

überall im Buchhandel

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Wie viele sind ein Verein? https://www.tiefgang.net/wie-viele-sind-ein-verein/ Tue, 06 Jan 2026 23:36:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13074 [...]]]> Braucht ein Verein Massen für den Erfolg? Das Gesetz sagt: Drei sind bereits eine Welt.

Wer einen Verein gründet, hat meist große Visionen und möchte viele Menschen für eine gemeinsame Sache begeistern. Doch jenseits der Begeisterung stellt das Gesetz ganz konkrete Anforderungen an die Anzahl der Köpfe, die hinter einem eingetragenen Verein stehen müssen. Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. gibt hierzu wichtige Einblicke, damit dein Projekt nicht schon an den formalen Hürden scheitert.

Der magische Startschuss: Die Sieben bei der Gründung

Der Weg zum eingetragenen Verein (e. V.) führt über das Vereinsregister beim zuständigen Amtsgericht. Hier gilt eine klare Grenze: Damit ein Verein überhaupt eingetragen werden kann, müssen mindestens sieben Gründungsmitglieder die Satzung unterschreiben. Diese Zahl soll sicherstellen, dass das Vorhaben auf einem stabilen Fundament steht und nicht nur das Projekt einer einzelnen Person ist.

Es ist also ratsam, sich schon frühzeitig nach Mitstreiter*innen umzusehen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Sobald der Verein im Register steht, ändert sich die rechtliche Lage jedoch ein wenig.

Das Überleben sichern: Die kritische Grenze von drei Personen

Nach der erfolgreichen Eintragung muss die Zahl der Mitglieder nicht zwingend bei sieben bleiben. Ein Verein kann schrumpfen, ohne sofort seine Rechtsfähigkeit zu verlieren. Das Gesetz zieht hier jedoch eine rote Linie bei der Zahl drei. Sinkt die Mitgliederzahl unter drei, kann das Amtsgericht dem Verein die Rechtsfähigkeit entziehen.

In der Praxis bedeutet das: Wenn nur noch zwei Mitglieder übrig sind, ist der Verein rechtlich gesehen in akuter Gefahr. Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. betont, dass ein solcher Mitgliederschwund dem Gericht gemeldet werden muss. Wer hier nachlässig ist, riskiert, dass der Verein von Amts wegen aufgelöst wird.

Die Anzahl der Mitglieder hat nicht nur rechtliche, sondern auch ganz praktische Auswirkungen auf den Vereinsalltag:

  • Demokratische Prozesse: In einem sehr kleinen Verein lastet die gesamte Arbeit auf wenigen Schultern. Wenn nur drei Personen den gesamten Verein bilden, müssen diese meist auch gleichzeitig den Vorstand stellen und die Mitgliederversammlung abhalten. Das kann zu Interessenkonflikten führen.
  • Stabilität und Nachfolge: Größere Vereine haben es meist leichter, neue Vorständ*innen aus den eigenen Reihen zu gewinnen. Bei einem Kleinstverein kann der Austritt einer einzigen Person das gesamte Konstrukt zum Einsturz bringen.
  • Finanzielle Basis: Viele Vereine finanzieren sich über Mitgliedsbeiträge. Je mehr Mitglieder, desto breiter ist die finanzielle Basis für Projekte und Fixkosten.

Es gibt keine Obergrenze für die Anzahl der Mitglieder, aber eine sehr wohl definierte Untergrenze. Ein Verein lebt von der Gemeinschaft und der Vielfalt seiner Akteur*innen. Wer dauerhaft an der Grenze von drei Mitglieder operiert, begibt sich auf dünnes Eis.

Es lohnt sich daher, regelmäßig aktiv um neue Mitglieder zu werben – nicht nur, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, sondern um den Verein lebendig und zukunftsfähig zu halten. Eine gesunde Mischung aus erfahrenen Engagierten und neuen Impulsgeber*innen ist oft das beste Rezept für einen erfolgreichen Verein.

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Hilfe für Harburgs Kreative https://www.tiefgang.net/hilfe-fuer-harburgs-kreative/ Sat, 03 Jan 2026 15:10:55 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13079 [...]]]> Das Netzwerk SuedKultur schickt jetzt einen Rettungsanker in Form von Beratungsgutscheinen aus, damit aus kleinen Fehlern keine großen Krisen werden.

Denn: Kreativität braucht Freiheit, aber sie braucht auch ein Fundament. In Harburg wissen wir: Die besten Ideen entstehen oft in kleinen Vereinen oder bei engagierten Einzelpersonen. Doch wer sich zwischen Urheberrecht, Künstlersozialkasse und Steuerrecht verheddert, verliert schnell die Lust am Gestalten.

Es ist ein altbekanntes Problem: Jurist*innen und Steuerberater*innen kosten Geld, das in der freien Kulturszene oft an allen Ecken fehlt. Die Folge? Wichtige Entscheidungen werden auf Basis von Halbwissen getroffen. Das ist gefährlich. SuedKultur-Sprecher Jan Schröder bringt es auf den Punkt: Wer einmal schlecht beraten wurde, kommt nur schwer wieder auf die Beine.

Um genau diese finanzielle Barriere einzureißen, stellt das Netzwerk in Kooperation mit der Harburger Politik ein Budget von 5.000 Euro für das Jahr 2026 bereit. Das Ziel ist klar: Rechtssicherheit schaffen, damit die Kunst im Vordergrund stehen kann.

Ab sofort können Kulturschaffende aller Sparten im Bezirk Harburg – egal ob Solokünstler*innen, Gruppen oder Vereine – einen der rund 15 Beratungsgutscheine ergattern. Jeder Gutschein hat einen Wert von bis zu 300 Euro und sichert eine professionelle Erstberatung.

Das Verfahren ist erfreulich unbürokratisch:

  1. Konkretes Problem benennen.
  2. Vertraulich an kontakt@sued-kultur.de wenden.
  3. Gemeinsam passende Expert*innen finden.
  4. Beratung wahrnehmen und Rechnung zur Erstattung einreichen.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Einziger Haken: Das Kontingent ist begrenzt. Da es nur 15 dieser Gutscheine gibt, heißt es jetzt: Schnell sein! Sobald das Budget ausgeschöpft ist, wird dies über das Netzwerk bekannt gegeben.

SuedKultur beweist mit dieser Aktion einmal mehr, dass es das Rückgrat der Harburger Kulturszene ist. Es geht nicht nur um glanzvolle Events wie die Music-Night, sondern um die harte Basisarbeit, die das kulturelle Überleben im Hamburger Süden erst möglich macht. Also: Sichert euch diese Unterstützung und lasst euch nicht von Paragrafen ausbremsen!

Kontakt und Infos: E-Mail: kontakt@sued-kultur.de Web: www.sued-kultur.de

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