Ratgeber – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Sat, 25 Apr 2026 15:39:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Ehrenamt oder Job? https://www.tiefgang.net/ehrenamt-oder-job/ Sun, 26 Apr 2026 22:32:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13698 [...]]]> Ein Vorstandsamt im Verein ist meist Ehrensache. Doch wer glaubt, dass die Bezeichnung als „ehrenamtlich“ in der Satzung automatisch vor Sozialabgaben schützt, könnte bei der nächsten Prüfung eine teure Überraschung erleben.

Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. hat sich jüngst mit einer wegweisenden Entscheidung des Bundessozialgerichts (BSG) befasst, die zeigt, wie schmal der Grat zwischen einer steuerfreien Aufwandsentschädigung und einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sein kann.

Der Kern des Konflikts: Etikettenschwindel schützt nicht. In dem verhandelten Fall ging es um Vorständ*innen eines Sportvereins, die für ihre Tätigkeit eine monatliche Pauschale von 500 Euro erhielten – zusätzlich zum Ersatz ihrer tatsächlichen Auslagen. In der Satzung war zwar verankert, dass der Vorstand ehrenamtlich tätig ist. Doch für die Renten- und Krankenversicherung zählt nicht das, was auf dem Papier steht, sondern die gelebte Realität.

Das Bundessozialgericht (BSG, Urteil vom 27.04.2021, Az. B 12 KR 25/19 R) stellte klar: Wenn eine Zahlung die Grenze einer bloßen Entschädigung für tatsächliche Kosten deutlich überschreitet, wird sie rechtlich als Entgelt gewertet. In diesem Moment verwandelt sich das Ehrenamt aus Sicht der Sozialversicherung in eine abhängige Beschäftigung. Die Folge sind Nachzahlungen für Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, die das Budget kleinerer Organisationen massiv belasten können.

Wann wird es gefährlich?

Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. betont, dass die Grenze dort gezogen wird, wo die Zahlung nicht mehr dazu dient, entstandene Kosten wie Fahrtwege oder Porto auszugleichen, sondern die Arbeitszeit und Mühe als solche entlohnt werden soll.

Besonders kritisch wird es, wenn:

  • Die Zahlungen die gesetzlichen Freibeträge (wie die Ehrenamtspauschale von derzeit 840 Euro pro Jahr) deutlich übersteigen.
  • Pauschale Beträge gezahlt werden, ohne dass ein Nachweis über die tatsächlich entstandenen Kosten verlangt wird.
  • Die Höhe der Zahlung eher an den Umfang der geleisteten Stunden als an die Auslagen gekoppelt ist.

Ein Beispiel aus dem Kulturalltag: Stellen wir uns einen kleinen Verein zur Förderung lokaler Kleinkunst vor. Die erste Person im Vorstand investiert viel Zeit in die Organisation von Auftritten, die Pflege der Website und die Buchführung. Um dieses Engagement zu würdigen, beschließt die Mitgliederversammlung, dieser Person eine monatliche „Aufwandsentschädigung“ von 400 Euro zu zahlen. Da die Person nur selten reist und kaum Materialkosten hat, ist offensichtlich, dass die 400 Euro eine Anerkennung für die Arbeitskraft sind.

In diesem Szenario sollte der Verein sensibilisiert sein. Da der Betrag auf das Jahr gerechnet weit über der Ehrenamtspauschale liegt und kein entsprechender Sachaufwand gegenübersteht, würde ein Gericht hier wahrscheinlich eine Sozialversicherungspflicht bejahen. Der Verein müsste Sozialversicherungsbeiträge abführen – tut er dies nicht, haftet er im Ernstfall für die Nachzahlungen.

Fazit für die Vereinspraxis

Ehrenamtliches Engagement braucht Anerkennung, auch finanzieller Art. Doch Vorständ*innen und Vereine sollten genau prüfen, ob die gewählte Form der Vergütung mit dem Sozialversicherungsrecht harmoniert. Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. rät dazu, Entschädigungen immer an den tatsächlichen Aufwand zu koppeln oder sich streng an den gesetzlichen Freibeträgen zu orientieren. Werden höhere Summen gezahlt, führt oft kein Weg an einer Anmeldung als Minijob oder einer regulären Beschäftigung vorbei.

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Mit Pinsel, Farbe und Kinderfoto die eigene Biografie berühren https://www.tiefgang.net/mit-pinsel-farbe-und-kinderfoto-die-eigene-biografie-beruehren/ Sat, 25 Apr 2026 22:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13712 [...]]]> Ein altes Foto in den Händen zu halten, kann mehr sein als ein Blick in die Vergangenheit. Es ist eine Begegnung zwischen dem gegenwärtigen Ich und dem Kind, das wir einmal waren.

von Ulrike Hinrichs

In der künstlerischen Biografiearbeit werden alte Fotos zu Türen. Sie öffnen Räume für Erinnerung, Gefühl und neue Deutung.

Wenn du mit Pinsel und Farbe auf ein Kinderfoto reagierst, entsteht kein klassisches Porträt. Es geht nicht um Ähnlichkeit oder Perfektion. Vielmehr entsteht ein Dialog, ein inneres Gespräch zwischen dir und dem Kind auf dem Bild. Farben, Linien und Formen werden zu einer Sprache, die oft direkter ist als Worte.

Das Foto dient dabei als Ausgangspunkt. Es lädt dich ein, in Resonanz zu gehen. Was berührt dich? Was zieht dich an? Was bleibt vielleicht ungesagt? Indem du dich vom Anspruch löst, realistisch zu zeichnen, entsteht Raum für Intuition und Ausdruck. Diese Form der künstlerischen Annäherung ermöglicht es, biografische Erfahrungen behutsam zu erkunden. Sie kann Erinnerungen wachrufen, Gefühle klären und verborgene Ressourcen sichtbar machen. Vor allem aber schafft sie eine Verbindung zu dir selbst, zu deiner Geschichte und zu dem Kind, das immer noch Teil von dir ist.

Und so geht´s

Greife zu deinem Fotoalbum, deiner Fotokiste oder schau in deine digitale Galerie. Welches Bild zieht dich magisch an? Lasse dich intuitiv führen. Wähle einfach das Foto, das dich am meisten fesselt. Vertraue darauf, dass dich das richtige Bild anspricht.

Bei der anschließenden künstlerischen Umsetzung geht es nicht darum, das Foto realistisch nachzuzeichnen. Wichtig ist, in Resonanz mit dem Kind zu treten, das auf dem Bild durchschimmert. Nimm dir deine Lieblingsfarben. Mein Bild im Header ist mit Aquarellfarben entstanden.

Abschluss und Impulsfragen zum Bild

Nimm dir Zeit, dein fertiges Bild zu betrachten. Vielleicht möchtest du es an einen besonderen Ort legen oder aufhängen. Vielleicht magst du auch ein paar Worte dazu schreiben. Was hat sich gezeigt? Was ist sichtbar geworden? Was hat dich berührt? Welche Gefühle steigen in dir auf? Welche Erinnerungen wurden geweckt?

Mehr dazu in meinem Buch:

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Wie du Kinderbilder für deine künstlerische Biografiearbeit nutzen kannst, das erfährst du in meinem Buch.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Wo der Code die Kunst trifft https://www.tiefgang.net/wo-der-code-die-kunst-trifft/ Tue, 21 Apr 2026 14:02:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13666 [...]]]> Wer macht eigentlich die Musik? Hinter jedem Song, der uns durch den Tag begleitet, und jedem Festival, das uns zum Tanzen bringt, steht ein komplexes Räderwerk.

Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) hat nun ein neues Online-Portal geschaffen, das Licht in das Dickicht aus Rechten, Verlagen und digitalen Transformationen bringt. Es ist eine Einladung an alle Musikfreund*innen, den Blick hinter die Bühne zu wagen.

Wenn wir heute von Musik sprechen, sprechen wir oft von Streaming-Zahlen oder Ticketpreisen. Doch wie diese Welten zusammenhängen, blieb für viele bisher ein gut gehütetes Geheimnis der Branche. Mit dem neuen Fokus-Portal zur Musikwirtschaft bricht das MIZ diese Mauern auf. Es ist kein trockenes Datenarchiv, sondern ein lebendiger Wegweiser durch ein Ökosystem, das sich im ständigen Wandel befindet.

Ein Kompass für die Ära der Digitalisierung

Das Portal gliedert das Wissen in mehrere zentrale Teilbereiche, die unser musikalisches Erleben prägen:

Kreative & Urheberrecht: Erfahren Sie, wie Komponist*innen und Textdichter*innen in einer Welt der Algorithmen überhaupt noch wirtschaftlich beteiligt werden.

Live Entertainment: Ein tiefer Einblick in den Konzertmarkt, der heute als wichtigster Motor der Branche gilt und enorme Strahlkraft auf Tourismus und Gastronomie ausstrahlt.

Recorded Music: Von der Vinyl-Renaissance bis zum alles beherrschenden Audio-Streaming – hier werden die technologischen Umbrüche greifbar.

Musikverlage & Verwertungsgesellschaften: Wer schützt die Rechte? Das Portal erklärt die oft unsichtbare Arbeit von Institutionen wie der GEMA oder der GVL.

Instrumentenbau & Fachhandel: Ein Blick auf das traditionelle Handwerk, das heute zwischen globalem Wettbewerb und digitalem Fortschritt steht.

Was das Portal so wertvoll macht, ist die Verbindung von harten Fakten und anschaulicher Aufbereitung. Ob es um die Frage geht, wie hoch die Frauenanteile in Berufsorchestern sind, oder wie viele Millionen Titel täglich auf Streaming-Plattformen hochgeladen werden – das MIZ liefert die Antworten. Es bietet Orientierung über Fördermöglichkeiten, Stipendien und Fachveranstaltungen. Damit wird es zur unverzichtbaren Ressource für alle, die nicht nur Musik hören, sondern das „System Musik“ verstehen wollen.

Um den eigentlichen Wert dieses Werkzeugs zu verstehen, lohnt sich ein vertiefter Blick in drei Bereiche, in denen die Musikwirtschaft gerade eine tektonische Verschiebung erlebt. Wo die Musik der Zukunft entsteht: Das Streaming-Dilemma. Denn wer profitiert vom Klick?

Die Musikwirtschaft meldet Rekordumsätze, doch bei den einzelnen Musiker*innen kommt davon oft nur ein Bruchteil an. Das MIZ-Portal bündelt hierzu das notwendige Faktenwissen, um die Debatte um „User-Centric Payment“ zu verstehen. Während das aktuelle „Pro-Rata-Modell“ die Einnahmen in einen großen Topf wirft und nach Marktanteilen verteilt, zeigt das Portal Alternativen auf, wie die monatliche Abo-Gebühr direkter bei den tatsächlich gehörten Künstler*innen landen könnte.

Oder das Thema der GEMA und ihre oft unverständlichen Strukturen: Hinter dem oft als trocken empfundenen Begriff der „Verwertungsgesellschaft“ verbirgt sich das Immunsystem der Kulturlandschaft. Das Portal macht transparent, wie Institutionen wie die GEMA oder die GVL sicherstellen, dass Urheber*innen auch in einer grenzenlosen digitalen Welt entlohnt werden. Es verfolgt den Weg eines Euros vom Ticketkauf bis zum Notenblatt und erklärt, warum diese kollektive Rechtewahrnehmung gerade für Nischengenres und den musikalischen Mittelstand die einzige Überlebensgarantie gegen die Übermacht globaler Tech-Giganten ist.

Ebenso findet sich einiges zum Thema Musik & KI, der nächsten industriellen Revolution: Wir stehen an der Schwelle, an der Künstliche Intelligenz nicht mehr nur Werkzeug, sondern Miturheberin wird. Das MIZ-Portal dient hier als Radar für die rechtlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen von morgen. Wem gehört ein Song, der auf Knopfdruck im Stil eines verstorbenen Weltstars generiert wurde? Wie schützen wir die menschliche Kreativität vor der algorithmischen Flut? Das Portal bündelt aktuelle Stellungnahmen und Expertisen zu Urheberrechtsschutz und Kennzeichnungspflichten und wird so zur unverzichtbaren Orientierungshilfe in einer Ära, in der die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt.

Die Musikwirtschaft ist einer der Treibstoffe unserer Kultur. Das neue Portal des MIZ zeigt uns, dass Innovation und Tradition keine Gegensätze sein müssen. Es lädt uns ein, die Musik nicht nur als flüchtiges Geräusch, sondern als wertvolles Kultur- und Wirtschaftsgut zu begreifen.

Wollten Sie schon immer wissen, wie das „Income Tracking“ bei einem Musikverlag funktioniert oder wie sich die Honorare von Berufsmusiker*innen zusammensetzen? Dieses Portal hat das Zeug dazu der neue digitale Lieblingsort zu werden.

Das Portal: miz.org/de/themen/musikwirtschaft

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Tipps, die wirklich helfen https://www.tiefgang.net/13583-2/ Thu, 09 Apr 2026 09:10:46 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13583 [...]]]> Ein neu erschienener Ratgeber „Wissenswertes für (gemeinnützige) Vereine“ des Verlags markt intern ist eine lohnenswerte Investition für alle, die in der Verantwortung eines Vereins stehen. Er dient als Frühwarnsystem für kostspielige Fehler.

Manchmal liegt das Glück einer ganzen Gemeinschaft in den Händen weniger Personen, die nach Feierabend noch die Welt ein Stück besser machen wollen. Ob es die Leitung eines kleinen Heimatmuseums ist oder das Management eines Sportclubs – das Herzblut ist groß, doch der bürokratische Dschungel, der im Hintergrund wartet, ist oft noch größer. Als ich den neuen Ratgeber „Wissenswertes für (gemeinnützige) Vereine“ vom Mittelstandsverlag markt intern durchgeblättert habe, wurde mir schnell klar: Hier geht es um weit mehr als nur trockene Paragrafen. Es geht um die Existenzsicherung dessen, was unser Vereinsleben ausmacht.

Schon beim ersten Aufschlagen springt einem ein Satz entgegen, der die Realität vieler Ehrenamtlichen perfekt trifft: „In Vereinen lastet die Arbeit häufig auf wenigen Schultern.“ Doch genau hier beginnt die Gefahr. Wer sich leidenschaftlich um den Museumsbetrieb oder das nächste Konzert kümmert, verliert leicht den Blick für das Kleingedruckte der Finanzverwaltung.

Besonders spannend fand ich die Ausführungen zur Haftung der Vorständ*innen. Es ist fast schon erschreckend, wie schnell aus einem gut gemeinten Engagement eine persönliche Haftungsfalle werden kann. Wenn beispielsweise Vergütungen gezahlt werden, ohne dass die Lohnsteuer korrekt abgeführt wird, steht man plötzlich als Arbeitgeber*in in der Pflicht. Der Ratgeber warnt hier zu Recht: „In diesem Bereich lauern nämlich die größten finanziellen Gefahren.“ Man denke nur an den Klassiker: Ein Mitglied hilft regelmäßig bei der IT oder der Gartenpflege aus und erhält dafür eine kleine Entschädigung. Handelt es sich hier noch um eine Aufwandsentschädigung oder schon um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung?

Ein echtes Aha-Erlebnis bietet das Kapitel zur Scheinselbständigkeit. Stellen Sie sich vor, Ihr Chor engagiert über Jahre hinweg dieselbe freiberufliche Begleitung am Klavier. Wenn das Finanzamt oder die Rentenversicherung hier eine abhängige Beschäftigung wittert, können Nachzahlungen den Verein binnen kürzester Zeit in den Ruin treiben. Der Ratgeber liefert hier nicht nur die Theorie, sondern konkrete Checklisten und Beispiele, wie man solche Situationen rechtssicher gestaltet.

Auch das Thema Spendenrecht wird lebendig aufbereitet. Wer weiß schon genau, wann eine Spendenbescheinigung zur „Gefälligkeit“ wird und welche Haftung daraus resultiert? „Schon kleine Unterschiede in Sachverhalten können zu einer völlig anderen steuerlichen Beurteilung führen“, mahnt der Autor, selbst ehemaliger Finanzbeamter und später Steuerberater. Es ist diese Mischung aus mahnendem Zeigefinger und helfender Hand, die das Heft so wertvoll macht.

Für wen lohnt sich die Lektüre also? Ganz klar für alle, die im Vorstand Verantwortung tragen, für Schatzmeister*innen, die nachts ruhig schlafen wollen, und für alle Rechnungsprüfer*innen, die ihren Job ernst nehmen. Es ist ein Kompass für alle, die das Ehrenamt lieben, aber die Bürokratie fürchten. Der Ratgeber ist eine Investition in die Sicherheit des eigenen Vereins und damit letztlich in die Freiheit, sich wieder ganz auf die eigentliche Sache konzentrieren zu können – sei es die Kunst, der Sport oder das Soziale.

Erhältlich ist dieses gebündelte Wissen direkt beim Verlag und für gerade mal 11 Euro. Wer seinen Verein und sich selbst schützen möchte, findet den Ratgeber unter folgendem Link: shop.markt-intern.de

Es ist die passende Lektüre und ein Nachschlagewerk für alle, die verstehen, dass gute Vereinsarbeit eine solide Basis braucht, damit am Ende nicht die Bürokratie den Takt vorgibt, sondern die Begeisterung der Mitglieder.

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Hamburgs steinernes Gedächtnis https://www.tiefgang.net/hamburgs-steinernes-gedaechtnis/ Sun, 05 Apr 2026 22:05:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13579 [...]]]> Wer durch Hamburg spaziert, sieht oft nur Fassaden, Fenster und Dächer. Doch für den Denkmalverein Hamburg sind diese Mauern lebendige Erzählungen.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur Steine zu bewahren, sondern die Geschichten und die Identität unserer Stadt zu schützen. In einer Zeit, in der Abrissbirnen oft schneller schwingen als der Denkmalschutz greifen kann, fungiert der Verein als wachsame Stimme und leidenschaftlicher Fürsprecher für das baukulturelle Erbe. Das Ziel ist klar: Hamburg soll seine Geschichte nicht unter Glasvitrinen verstecken, sondern sie als aktiven Teil der modernen Stadtentwicklung begreifen.

Denkmalschutz als Mitmach-Projekt

Das aktuelle Programm des Vereins zeigt eindrucksvoll, dass Denkmalschutz alles andere als staubig ist. Er ist eine Einladung zum Entdecken, Mitdiskutieren und sogar zum Mitradeln. Besonders im Rahmen des 11. Hamburger Architektur Sommers entfaltet der Verein ein Programm, das die Vielfalt der Hamburger Baukultur feiert – von der düsteren Geschichte ehemaliger Gefängnisse bis hin zum greifbaren Stolz auf unsere wissenschaftlichen Kathedralen.

Ein Highlight im Kalender ist die Auseinandersetzung mit der Hamburger Sternwarte in Bergedorf. Hier stellt sich die spannende Frage: Ist dieses Observatorium von 1912 eigentlich reif für das Weltkulturerbe? Es geht dabei nicht nur um Teleskope, sondern um die Frage, wie wir mit Orten umgehen, die seit über einem Jahrhundert unseren Blick in die Unendlichkeit prägen.

Zwischen Mahnung und Moderne

Dass Denkmalschutz auch harte gesellschaftliche Arbeit bedeutet, zeigt die Vorstellung des Bauhefts 50 über das Hüttengefängnis. Hier wird Architektur zum Mahnmal für die Brüche der NS-Zeit. Der Verein scheut sich nicht davor, auch die unbequemen Orte der Stadt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Gleichzeitig blickt er mutig nach vorn: Das Projekt Photovoltaik für die ehemalige Viktoria-Kaserne beweist, dass historische Bausubstanz und modernster Klimaschutz kein Widerspruch sein müssen. Es ist genau diese Neugier und Begeisterungsfähigkeit, die den Verein auszeichnet: Er bewahrt das Alte, um das Neue besser zu machen.

Für alle, die Denkmalschutz lieber in Bewegung erleben, bietet die DenkMalNacht-RadTour die perfekte Gelegenheit. Auf dem Sattel geht es zu kreativen Freiräumen wie dem Gängeviertel – Orte, die ohne den Einsatz engagierter Bürger*innen längst verschwunden wären. Und wenn es brenzlig wird, wie beim geplanten Abriss der Wohnhäuser an der Alster 65-67, wird der Verein politisch und unterstützt Petitionen, um bezahlbaren Wohnraum und historische Substanz gleichermaßen zu retten.

Der Denkmalverein Hamburg ist somit weit mehr als ein Zusammenschluss von Expert*innen. Er ist ein Netzwerk für alle, die Hamburg lieben und die Stadt als ein gewachsenes Kunstwerk verstehen, das wir für die kommenden Generationen behutsam weiterbauen müssen.

Termine und Hintergründe

  • Buchvorstellung & Vortrag: Bauheft 50 „Hüttengefängnis“; Donnerstag, 23. April 2026, 18 Uhr | Teehaus Große Wallanlagen: Herbert Diercks spricht über Kontinuitäten und Brüche in der Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses.Anmeldung: Über die Website des Vereins erforderlich.
  • Führung: Hamburger Sternwarte – Weltkulturerbe?; Donnerstag, 23. April 2026, 18.30 Uhr | Sternwarte Bergedorf: Astrophysiker Prof. Dr. Liske führt über das Gelände und diskutiert das Potenzial zum Weltkulturerbe.Anmeldung: Per E-Mail an peter.keller@kiwanis-hh.de.
  • DenkMalNacht-RadTour; Samstag, 2. Mai 2026, 18 bis 21.30 Uhr: Radtour zu Räumen für Kreative (u.a. Gängeviertel) mit Infos per Telefonkonferenz (Smartphone & Kopfhörer nötig).Anmeldung: Bis 25. April unter denkmalnacht@baukunstbildung.de.
  • Tempelruine Poolstraße: Ausstellung & Führungen | Mai bis Juli 2026 (Vernissage am 27. April um 18.30 Uhr)Inhalt: Freilichtausstellung jeden Mittwoch (17-19 Uhr); geführte Begehungen am 18. Mai, 15. Juni und 20. Juli. Anmeldung: Für Begehungen unter tempel-poolstrasse@steg-hamburg.de.
  • Vernissage: Hamburger Flachbauten | Donnerstag, 7. Mai 2026, 19 Uhr |FREELENS Galerie, Alter Steinweg 15: Künstlerische Fotografien von Peter Bruns und Claas Möller über die oft unterschätzten eingeschossigen Bauten der Stadt.
  • Engagement & Info :Petition gegen Alster-Abriss: Infos unter nein-zum-alster-abriss.de. Audio-Vortrag „Retro“: Der spannende Vortrag von Valentin Groebner steht als Mitschnitt auf der Website des Vereins bereit.
  • Weitere Infos und Mitgliedschaft: denkmalverein.de

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Das kreative Spiel mit dem Unheimlichen https://www.tiefgang.net/das-kreative-spiel-mit-dem-unheimlichen/ Thu, 26 Mar 2026 16:13:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13553 [...]]]> Hexen und Teufel gehören zu den ältesten Fantasiegestalten von Kindern. Sie tragen Wildheit, Verbotenes und Mächtiges in sich. Kinder malen sie nicht unbedingt aus Angst, sondern aus Neugier. Sie wollen spüren, wie Dunkelheit, Kraft und Magie sich anfühlen.

von Ulrike Hinrichs

Die authentische Kunst ist eine Sprache unserer Seele. Sie spricht in Symbolen und Bildern. Hexen und Teufel sind starke archetypische Motive. C. G. Jung prägte den Begriff der Archetypen. Das sind Urbilder des Menschen, universelle Symbole, die in allen Kulturen zu finden sind und bestimmte menschliche Erfahrungen spiegeln. Sie tauchen in Träumen, Mythen und Geschichten auf und spiegeln unsere Urängste, Sehnsüchte und verborgenen Kräfte.

In meinem Kinderbild im Header aus dem Jahr 1970 tanzen Hexen und Teufel um ein Feuer. Für Kinder sind Hexen Figuren, die etwas können, was sonst niemand kann. Sie fliegen. Sie zaubern. Sie kennen geheime Kräfte. Damit verkörpern sie Macht, Zauber und Geheimwissen. Viele Kinder sind von solchen Figuren fasziniert, weil sie selbst noch wenig Einfluss auf ihre Welt haben. In der Fantasie können sie sich dieser Macht annähern. Auch als Erwachsene können wir uns über die Kunst unsere Macht und Selbstwirksamkeit zurückerobern.

Neben den Hexen erscheinen im Bild auch blaue Teufel, die gemeinsam mit den Hexen um das Feuer springen. Die Teufel wirken auf mich verspielt und freundlich. In vielen Symbolwelten steht der Teufel für das Verbotene, das Wilde, für Triebkraft und Grenzüberschreitung. In diesem Kinderbild scheinen diese Kräfte verwandelt. Sie dürfen da sein, ohne Angst zu machen. Sie tanzen, sie spielen, sie gehören dazu. Vielleicht zeigt sich darin ein innerer Raum, in dem auch das Unangepasste, Wilde und Widersprüchliche erscheinen durfte, zumindest auf dem Papier. So werden die Teufel nicht zu Gegenspielern der Hexen, sondern zu ihren Gefährten in einer Welt, in der unterschiedliche Kräfte nebeneinander existieren können.

Auch im Heute können wir uns fragen, wie wir das „Verteufelte“ transformieren können. Was in dir will wild und unangepasst sein?

Wenn man das Bild insgesamt betrachtet, entsteht fast eine kleine mythische Szene. Wesen, Feuer, Flug. Das sind uralte Motive. Kinder greifen sie intuitiv auf. Das Bild baut aus Fantasie eine eigene Welt, einen Raum, in dem auch dunkle Figuren ihren Platz haben. Die Figuren im Bild wirken wie frühe innere Gestalten. Beschützerinnen, Beobachterinnen, Spielgefährtinnen.

Eine kleine Einladung an dich:

Vielleicht hast auch du als Kind Bilder gemalt, in denen Hexen, Monster, Tiere oder geheimnisvolle Wesen vorkamen. Lass dich von deinen Kinderbildern inspirieren. Wenn du dich erinnerst oder alte Zeichnungen wieder anschaust, frage dich:

  • Welche Figuren tauchten in meinen Kinderbildern auf?
  • Waren sie freundlich, wild, geheimnisvoll oder unheimlich?
  • Welche Rolle spielten sie in meiner Fantasiewelt?

Und vielleicht auch:

  • Welche dieser Gestalten begleiten mich innerlich noch heute?

Kinderbilder sind mehr als Kritzeleien. Sie öffnen Fenster in die innere Welt. Dort zeigen sich Kräfte, Ängste, Schutzfiguren und Fantasiegestalten, die uns auf leise Weise durchs Leben führen.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Und meinem Buch:

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Wie du Kinderbilder für deine künstlerische Biografiearbeit nutzen kannst, das erfährst ebenfalls du in meinem Buch.

Überall im Buchhandel

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Erst der Stempel, dann der Verein? https://www.tiefgang.net/erst-der-stempel-dann-der-verein/ Mon, 16 Mar 2026 23:48:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13481 [...]]]> Dein neuer Kulturverein ist startklar, die Vision steht – doch plötzlich hakt es beim Amtsgericht. Warum die Gemeinnützigkeit zur Hürde werden kann.

Du hast die Vision, die Instrumente sind gestimmt und die Satzung für dein neues Projekt liegt bereit. Aber Vorsicht: Bevor der Korken knallt, könnte das Registergericht die Bremse ziehen. Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. berichtet von einer rechtlichen Stolperfalle, die besonders engagierte Gründer*innen treffen kann: den fehlenden Nachweis der Gemeinnützigkeit bei der Eintragung.

Wer in seine Satzung schreibt, dass der Verein ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke verfolgt, gibt ein Versprechen ab. Das Oberst Landesgericht (OLG) Karlsruhe (Beschluss vom 18.12.2025, Az. 19 W 76/25) hat entschieden, dass das Registergericht in solchen Fällen einen Nachweis vom Finanzamt verlangen darf – und zwar bevor der Verein überhaupt eingetragen wird. Wenn die Gemeinnützigkeit als wesentliches Merkmal des Vereins definiert ist, möchte das Gericht sichergehen, dass dieser Anspruch auch steuerrechtlich hält.

Es ist ein klassisches Dilemma: Man braucht die Eintragung für die volle Handlungsfähigkeit, aber das Gericht fordert erst die Bestätigung vom Finanzamt. Ohne diesen Nachweis bleibt die Eintragung verwehrt. Das Argument der Justiz: Ein Verein darf nicht unter einer Flagge segeln, die ihm steuerlich vielleicht gar nicht zusteht. Das schützt die Klarheit im Vereinsregister, kann aber für lokale Initiativen und Kulturschaffende erst einmal Frust bedeuten.

Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. empfiehlt deshalb einen klugen Rhythmus bei der Gründung. Statt direkt zum Gericht zu rennen, solltest du die Satzung vorab mit dem Finanzamt abstimmen. Eine vorläufige Bescheinigung über die Einhaltung der Voraussetzungen ist der goldene Schlüssel, der die Tür zum Register öffnet.

Hier sind die wichtigsten Schritte:

  • Satzungsentwurf prüfen: wie zentral ist die Gemeinnützigkeit im Vereinszweck formuliert?
  • Vorab-Check beim Finanzamt: man kann die Satzung schriftlich bestätigen lassen, noch bevor man zum Notariat geht
  • Bescheinigung vorlegen: das Dokument vom Finanzamt am besten direkt mit dem Eintragungsantrag beim Gericht einreichen

Mit dieser Vorbereitung verhinderst du, dass dein Verein in der Warteschleife landet, bevor das erste Konzert oder die erste Ausstellung überhaupt geplant ist. Ein wenig Vorarbeit bei den Behörden spart am Ende wertvolle Zeit und Nerven.

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Wenn Bilder die Stimme erheben https://www.tiefgang.net/wenn-bilder-die-stimme-erheben/ Sat, 14 Mar 2026 23:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13520 [...]]]> Kunst kann ein Raum sein, in dem Erfahrungen sichtbar werden, für die Worte schwer zu finden sind. Bilder ermöglichen eine andere Form des Ausdrucks. Sie lassen Gefühle, Erinnerungen und innere Spannungen erscheinen, ohne erklären zu müssen.

von Ulrike Hinrichs

Mit der Kunst als Sprache können wir uns belastenden Themen intuitiv nähern. Die Collage ist dafür eine besonders inspirierende Form. Unterschiedliche Bildfragmente, Texte und Materialien werden zusammengefügt und treten in Beziehung zueinander. So entsteht eine eigene Bildsprache, in der Bruchstücke, Gegensätze und verborgene Themen sichtbar werden. Diese Art des Reflektierens folgt nicht dem bewussten Denken, sondern unbewussten, symbolischen Impulsen.

Mehr dazu auf Tiefgang

Im Header ist eine Collage aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt abgebildet. In dieser Gruppe teilen und reflektieren Frauen ihre Erlebnisse. Die Collage spiegelt ein belastendes Thema einer Klientin, die in einem schwer toxischen Familienumfeld aufwuchs. Psychische Gewalt, Manipulation, Vernachlässigung, Abwerten und Schweigen gehörten zum Alltag. All diese emotionale Kälte und Härte beeinträchtigt die Klientin bis heute.

  • Links im Bild ist eine sanft wirkende Frau in militärischer Ausrüstung zu sehen. Voll verteidigungsfähig. Die Rüstung steht für Schutz, Wachsamkeit und Abgrenzung.
  • In der Mitte erscheint ein geöffnetes anatomisches Modell eines Körpers. Organe werden sichtbar, das Innere, das normalerweise verborgen bleibt, wird nach außen getragen. Alles wird offengelegt.
  • Rechts im Bild steht eine Gruppe orangefarbener Figuren. Ihre Gesichter sind kaum erkennbar. Auf ihren Körpern stehen Worte: „Es ist nicht egal“, „Talk about it“. Die Körper werden zu Trägern von Botschaften und fordern dazu auf, hinzusehen und auszusprechen, was lange unausgesprochen blieb.
  • Im Hintergrund liegt eine weite, ruhige Landschaft. Vor dieser Kulisse entfaltet sich eine Szene, in der Schutz, Offenlegung und kollektive Stimmen aufeinandertreffen.

Der Titel „An der Grenze des Machbaren“ öffnet einen Raum für Fragen: Wie viel Wahrheit kann man aushalten? Wie viel kann ein Mensch offenlegen, bevor es zu viel wird?

Die Collage bewegt sich an der Schwelle zwischen Rüstung und Offenheit, zwischen innerem Erleben und öffentlicher Wahrnehmung. Sie erinnert daran, dass das Sichtbarmachen manchmal der erste Schritt ist, um das Schweigen zu durchbrechen. Die eigene Stimme zu erheben und die Wahrheit auszusprechen, das braucht Mut.

Hast du Lust es auch einmal auszuprobieren? Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge mit künstlerischen Mitteln findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Und in meinem Atelier für Biografiearbeit bekommst du 60 kreative Impulse für einen tiefgehenden Zugang zu deiner Lebensgeschichte. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken.

Überall im Buchhandel

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

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22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Wie löse ich einen Verein auf? https://www.tiefgang.net/wie-loese-ich-einen-verein-auf/ Mon, 09 Mar 2026 23:25:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13477 [...]]]> Irgendwann ist jedes Projekt einmal zu Ende – sei es das kleine Kammermusik-Ensemble, das keine neuen Leute findet, oder die Ateliergemeinschaft, die sich neuen Wegen zuwendet. Doch wer denkt, mit dem Beschluss zur Auflösung sei die Arbeit getan, der unterschätzt das rechtliche Nachspiel.

Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. weist darauf hin, dass erst mit der Liquidation und dem sogenannten Gläubigeraufruf der Vorhang wirklich fallen kann.

Nachdem die Mitglieder die Auflösung beschlossen haben, beginnt die Phase der Liquidation. Hierbei übernehmen meist die bisherigen Vorstände als Liquidator*innen die Aufgabe, das Vereinsvermögen zu ordnen, laufende Verträge zu beenden und Schulden zu begleichen. Das Ziel ist es, den Verein finanziell auf null zu setzen, bevor er endgültig aus dem Register gelöscht wird.

Der Gläubigeraufruf

Einer der wichtigsten Schritte in diesem Prozess ist der öffentliche Aufruf an alle potenziellen Gläubiger*innen. Der Verein muss offiziell bekannt geben, dass er aufgelöst wird und alle, die noch Forderungen gegen ihn haben, sich melden sollen. Das ist kein Geheimtipp, sondern eine gesetzliche Pflicht.

Dieser Aufruf muss in dem Medium veröffentlicht werden, das in der Satzung als Bekanntmachungsorgan festgelegt ist. Steht dort nichts Spezifisches, wurde früher oft die lokale Tageszeitung genutzt; heute ist die Bekanntmachung genau nach den Vorgaben der Satzung oder des Gesetzes umzusetzen. Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. betont jedoch: Ohne diesen Aufruf beginnt das sogenannte Sperrjahr nicht.

Sobald der Gläubigeraufruf erfolgt ist, startet eine zwölfmonatige Wartefrist. Während dieses Sperrjahrs darf das verbleibende Vereinsvermögen nicht verteilt werden. Es dient als Puffer, damit Gläubiger*innen Zeit haben, ihre Ansprüche geltend zu machen. Erst wenn dieses Jahr abgelaufen ist und alle Schulden bezahlt sind, darf das restliche Geld an die in der Satzung genannten Empfänger*innen fließen.

Was Kulturschaffende beachten sollten

Gerade in der Kulturpolitik und bei lokalen Musikprojekten hängen oft viele kleine Verträge an einem Verein – von der Miete für den Proberaum bis zur Versicherung für Instrumente. Der Verein sollte darauf achten, dass

  • die Liquidator*innen sofort ins Vereinsregister eingetragen werden
  • der Gläubigeraufruf zeitnah startet, damit das Sperrjahr so schnell wie möglich beginnt
  • alle Unterlagen sorgfältig aufbewahrt werden, denn die Liquidator*innen haften für eine ordnungsgemäße Abwicklung

Ein Verein, der über Jahre hinweg Kultur ermöglicht hat, verdient einen würdigen und rechtlich sauberen Abgang. Wer den Gläubigeraufruf ernst nimmt, schützt sich vor späteren Haftungsfallen und sorgt dafür, dass das restliche Vermögen dorthin kommt, wo es noch Gutes bewirken kann.

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Biografiearbeit: Loslassen beginnt mit Hinschauen https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-loslassen-beginnt-mit-hinschauen/ Thu, 19 Feb 2026 23:33:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13355 [...]]]> Vergangenheit ist nichts Abgeschlossenes. Sie lebt im Körper, in Gefühlen und in inneren Bildern weiter, oft leise und unbemerkt. Manchmal meldet sie sich erst dann, wenn wir glauben, längst nach vorne zu gehen.

von Ulrike Hinrichs

„Sollte man nicht irgendwann die Vergangenheit ruhen lassen, endlich loslassen, nach vorne schauen?“ Meine Antwort lautet: „Es kommt darauf an.“

Wenn es dunkle Stellen, Nebel oder schwarze Löcher in der eigenen Biografie gibt, dann ist es hilfreich, sich mit deiner Herkunft und Lebensgeschichte zu beschäftigen. Denn du kannst leichter nach vorne gehen, wenn dein Rucksack nicht zu schwer ist. Unklare oder unbearbeitete biografische Erfahrungen und Leerstellen in der Herkunft sind wie große Wackersteine, die du mit dir trägst.

Loslassen kann sonst zu etwas ganz anderem werden: ein Verdrängen, ein Leugnen oder eine Form von Dissoziation. Nach außen wirkt alles geklärt, doch unter der Oberfläche arbeiten die Themen weiter. Unverarbeitete Traumata verschwinden nicht einfach. Sie zeigen sich im Körper, in Beziehungen oder in wiederkehrenden inneren Mustern. Wir wissen heute aus der Epigenetik, dass traumatische Erfahrungen sogar an die nächsten Generationen weitergegeben werden können.

Vertiefend dazu auf Tiefgang:

Sich mit der eigenen Biografie zu beschäftigen bedeutet Zusammenhänge zu erkennen, innerlich Ordnung zu schaffen und das eigene Leben besser zu verstehen. Erst dadurch entsteht echte Beweglichkeit nach vorne. So kannst du dich lösen, statt im freien Fall ohne sicheren Boden loszulassen.

Kunst ist dafür ein besonders hilfreicher Weg. Sie ermöglicht einen Zugang, der nicht über den Verstand funktioniert. Erinnerung ist keine Datei auf einem Computer, die sich einfach abspeichern und abrufen lässt. Sie ist eng mit Gefühlen verbunden. Oft zeigt sie sich indirekt, fragmentarisch und körperlich. Mit Farbe, Form und spielerischem Ausdruck können wir ihr auf eine intuitive Weise begegnen. Mit Humor und Tiefe zugleich.

Im Header siehst du ein Beispiel einer biografischen Collage-Arbeit mit Kinderfoto von mir. Gerade die Arbeit mit Collage hilft dir, Wortschnipsel und Bildfragmente zusammenzufügen und auf fühlende Weise zu verstehen. Sie unterstützt dich dabei, Bruchstücke deiner Geschichte behutsam neu anzuordnen und ihnen einen stimmigen Platz in deinem Leben zu geben.

Dazu vertiefend auf Tiefgang

Wenn du Lust hast, dich auf diese Weise mit deiner Biografie und Herkunft auseinanderzusetzen, lade ich dich in meinem Buch dazu ein. 60 künstlerische Praxisimpulse und 75 farbige Abbildungen begleiten dich dabei.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin

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