Wer hat welche Erfahrungen? – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 19 Feb 2026 10:42:00 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Biografiearbeit: Loslassen beginnt mit Hinschauen https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-loslassen-beginnt-mit-hinschauen/ Thu, 19 Feb 2026 23:33:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13355 [...]]]> Vergangenheit ist nichts Abgeschlossenes. Sie lebt im Körper, in Gefühlen und in inneren Bildern weiter, oft leise und unbemerkt. Manchmal meldet sie sich erst dann, wenn wir glauben, längst nach vorne zu gehen.

von Ulrike Hinrichs

„Sollte man nicht irgendwann die Vergangenheit ruhen lassen, endlich loslassen, nach vorne schauen?“ Meine Antwort lautet: „Es kommt darauf an.“

Wenn es dunkle Stellen, Nebel oder schwarze Löcher in der eigenen Biografie gibt, dann ist es hilfreich, sich mit deiner Herkunft und Lebensgeschichte zu beschäftigen. Denn du kannst leichter nach vorne gehen, wenn dein Rucksack nicht zu schwer ist. Unklare oder unbearbeitete biografische Erfahrungen und Leerstellen in der Herkunft sind wie große Wackersteine, die du mit dir trägst.

Loslassen kann sonst zu etwas ganz anderem werden: ein Verdrängen, ein Leugnen oder eine Form von Dissoziation. Nach außen wirkt alles geklärt, doch unter der Oberfläche arbeiten die Themen weiter. Unverarbeitete Traumata verschwinden nicht einfach. Sie zeigen sich im Körper, in Beziehungen oder in wiederkehrenden inneren Mustern. Wir wissen heute aus der Epigenetik, dass traumatische Erfahrungen sogar an die nächsten Generationen weitergegeben werden können.

Vertiefend dazu auf Tiefgang:

Sich mit der eigenen Biografie zu beschäftigen bedeutet Zusammenhänge zu erkennen, innerlich Ordnung zu schaffen und das eigene Leben besser zu verstehen. Erst dadurch entsteht echte Beweglichkeit nach vorne. So kannst du dich lösen, statt im freien Fall ohne sicheren Boden loszulassen.

Kunst ist dafür ein besonders hilfreicher Weg. Sie ermöglicht einen Zugang, der nicht über den Verstand funktioniert. Erinnerung ist keine Datei auf einem Computer, die sich einfach abspeichern und abrufen lässt. Sie ist eng mit Gefühlen verbunden. Oft zeigt sie sich indirekt, fragmentarisch und körperlich. Mit Farbe, Form und spielerischem Ausdruck können wir ihr auf eine intuitive Weise begegnen. Mit Humor und Tiefe zugleich.

Im Header siehst du ein Beispiel einer biografischen Collage-Arbeit mit Kinderfoto von mir. Gerade die Arbeit mit Collage hilft dir, Wortschnipsel und Bildfragmente zusammenzufügen und auf fühlende Weise zu verstehen. Sie unterstützt dich dabei, Bruchstücke deiner Geschichte behutsam neu anzuordnen und ihnen einen stimmigen Platz in deinem Leben zu geben.

Dazu vertiefend auf Tiefgang

Wenn du Lust hast, dich auf diese Weise mit deiner Biografie und Herkunft auseinanderzusetzen, lade ich dich in meinem Buch dazu ein. 60 künstlerische Praxisimpulse und 75 farbige Abbildungen begleiten dich dabei.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin

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Biografiearbeit: Kinderzeichnungen vergessen nichts https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-kinderzeichnungen-vergessen-nichts/ Thu, 12 Feb 2026 13:19:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13272 [...]]]> Unser Familiensystem ist ein lebendiges Geflecht aus Beziehungen, Erwartungen und unausgesprochenen Geschichten. In den frühen Jahren weben vor allem Eltern, Großeltern und Geschwister daran. Manchmal liebevoll. Manchmal widersprüchlich. Manchmal destruktiv.

von Ulrike Hinrichs

Die Kindheit prägt unser Selbstbild, unsere Bindungsmuster und unser Verhältnis zu Nähe und Distanz. Die Stimmen, Gesten und Geheimnisse wirken weiter. Sie bilden sich in unseren Träumen ab, beeinflussen unbewusst unsere Entscheidungen und zeigen sich in unserem Körpergedächtnis. Vieles aus der Vergangenheit liegt im Dunkeln oder ist vergessen. Oder es ist sogar abgespalten, wenn es sich um traumatische Erfahrungen handelt.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Über alte Kinderzeichnungen können wir Kontakt zu unserem jüngeren Selbst aufnehmen. Dank der Sammelleidenschaft meiner Großmutter habe ich einige davon bewahrt. Die Abbildung im Header zeigt ein Bild aus dem Jahr 1974. Ich war neun Jahre alt, als ich es malte.

Auf meinem Bild versammeln sich zahlreiche Tiere. Sie sind nebeneinander angeordnet, fast wie in einem inneren Register. Die Namen sind sorgfältig dazugeschrieben. Vielleicht ein Versuch, die Welt zu ordnen, vielleicht auch, sie festzuhalten oder ihr einen sicheren Platz zu geben.

Kinderzeichnungen sind Zeitfenster in die Vergangenheit.

Kinderzeichnungen sind seelische Landkarten. Sie zeigen, was wichtig war. Wer groß erschien. Wer fehlte. Wo Bedrohung lauerte oder Schutz spürbar war. Sie verraten etwas über Zugehörigkeit, über Sehnsucht und über das, was keinen Namen hatte.

Vielleicht hast auch du eine alte Kinderzeichnung. Schau sie an wie ein Zeitfenster. Ohne Bewertung. Ohne Analyse. Mit Neugier.

  • Was erzählt sie dir heute?
  • Welche Farben ziehen dich an?
  • Wo ist Bewegung, wo Stillstand?
  • Welche Figuren stehen nah beieinander, welche am Rand?
  • Welche Stimmung liegt zwischen den Linien?

Du kannst dieses Bild ins Heute übertragen. Male es neu. Vergrößere ein Detail. Ergänze eine Figur, die gefehlt hat. Gib dem Kind von damals etwas in die Hand. Oder setze dein heutiges Ich dazu. Vielleicht entsteht dabei etwas, das damals noch nicht möglich war. So entsteht ein Dialog zwischen damals und heute, zwischen dem Kind, das du warst, und dem Menschen, der du geworden bist.

Biografiearbeit bedeutet nicht, etwas richtig zu deuten, sondern Beziehung aufzunehmen mit dem eigenen Gewordensein. Sie lädt dich ein, mit deiner Geschichte in Kontakt zu treten. Sie öffnet einen Raum für das Kind, das dich bis heute begleitet. Und manchmal staunt man, wie klar dieses frühe Ich schon wusste, was wesentlich ist.

Siehe dazu auch auf Tiefgang: Dein inneres Kind künstlerisch erwecken

Mehr Praxisimpulse findest du im Atelier für Biografiearbeit. Die 60 kreativen Impulse sind so angelegt, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zur eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken. Es geht nicht um professionelle Kunst, sondern um Ausdruck.

Überall im Buchhandel

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Künstlerische Biografiearbeit: Die Mutter, die ich mir selbst werde https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-die-mutter-die-ich-mir-selbst-werde/ Sat, 07 Feb 2026 11:05:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13266 [...]]]> Wenn wir in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen sind und keine liebenden Eltern hatten, dann leiden wir oft Zeit unseres Lebens unter der emotionalen Kälte. Wie aber wäre es, wenn du dir eine liebende Mutter oder auch einen Vater erschaffen könntest?

von Ulrike Hinrichs

In vielen Kulturen erscheint Mutter Erde als heilige Gestalt, die Leben schenkt, nährt und schützt. Sie trägt viele Namen: Gaia, die uralte Erdmutter der Griechen, aus der alles Leben entstand. Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, die mit ihrer Trauer den Winter brachte und mit der Rückkehr ihrer Tochter den Frühling. In den Anden lebt Pachamama, die Mutter allen Seins, die Erde und Zeit zugleich ist. Sie wird verehrt mit Gaben und Dank. Diese mythischen Figuren sind Ausdruck einer universellen Sehnsucht nach Verbundenheit, nach einem mütterlichen Prinzip, das jenseits von Herkunft und Familie existiert. Sie erinnern uns daran: Wir sind Teil eines größeren Ganzen. Die Erde ist nicht nur Boden unter unseren Füßen, sie ist Ursprung, Heimat und Spiegel unserer inneren Welt.

Mutter Erde ist die älteste aller Mütter

Lass uns dieses Bild der Urmutter als künstlerischen Impuls nutzen. Mama Erde ist die älteste aller Mütter. Sie trägt uns seit Anbeginn, geduldig, schweigend, atmend. Unter unseren Füßen spüren wir ihr pulsierendes Herz, in ihren Wurzeln liegen die Erinnerung aller Zeiten. Sie ist das große Gedächtnis, das alles speichert und nichts verurteilt. In ihrem Schoß ruhen die Geschichten der Menschheit, der Steine, des Windes. Ihre Haut ist verletzlich, doch sie heilt immer wieder. Mutter Erde nährt uns mit allem, was wir zum Leben brauchen: Wärme, Wasser, Nahrung, Rhythmus, Schönheit. Sie gibt, ohne zu fragen, ohne etwas zurückzufordern. Und doch ruft sie – immer wieder – nach unserer Rückverbindung. Wer sich auf Mutter Erde niederlässt, spürt Halt. Wer ihr lauscht, findet Stille. Wer ihr vertraut, wird erinnert: Du bist Teil dieses lebendigen Organismus. Nicht getrennt, sondern durchwirkt von demselben Atem. In der Verbindung mit Mutter Erde finden wir Zugang zu urweiblicher Kraft: Fruchtbarkeit, Kreativität, Wandel. Sie lehrt uns das Wachsen und das Vergehen. Sie kennt keine Eile. Sie urteilt nicht. Sie sagt: „Du darfst sein. Mit allem, was du bist.“

Es gibt ganz verschiedenen Möglichkeiten, mit Mutter Erde kreativ zu arbeiten. Das haben wir auch in meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe ausprobiert. In meiner Collage im Header ist die Göttin Demeter als Mutter Erde symbolisiert. Eine Frau trägt Landschaft, Geschichte und Erinnerung in sich. In ihrem Körper wohnen Felder, Häuser, Pflanzen, Wege. Leben. Sie beugt sich sanft nach unten. Ihr Blick ist ruhig. Zugewandt. Ohne Forderung. Das Kind in ihren Armen ist aus einer Kopie eines Fotos ausgeschnitten. Es wirkt verletzlich. Nackt. Echt. Es braucht Schutz, Nähe und Wärme. Die Mutterfigur hält es nicht fest. Sie umschließt es. Sie bietet Raum.

In der künstlerischen Biografiearbeit geht es nicht darum, die reale Mutter zu ersetzen. Es geht darum, eine innere Instanz zu entwickeln, die heute verfügbar ist. Eine liebende Mutter im Inneren. Eine, die sieht. Die bleibt. Die nicht beschämt. Durch das Gestalten eines solchen Bildes entsteht Beziehung. Farbe wird Berührung. Form wird Halt. Das Bild wird zu einem inneren Ort, den wir aufsuchen können, wenn alte Verletzungen berührt werden.

So kann Kunst zu einem Akt der Selbstbemutterung werden. Still. Würdevoll. Heilsam.

Mehr Praxisimpulse findest du im Atelier für Biografiearbeit. Die 60 kreativen Impulse sind so angelegt, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zur eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken. Es geht nicht um professionelle Kunst, sondern um Ausdruck.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg

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Künstlerische Biografiearbeit: Ich mit meiner Mutter auf dem Schoß https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-ich-mit-meiner-mutter-auf-dem-schoss/ Tue, 03 Feb 2026 13:13:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13208 [...]]]> Biografiearbeit nährt, stärkt, erinnert und verbindet uns mit dem, was uns im Innersten ausmacht. Erinnerungen, Erfahrungen, Verluste und Wendepunkte werden nicht nur zu Geschichten, sondern zu innerem Wissen.

von Ulrike Hinrichs

„Wozu ein Blick in die Vergangenheit? Es ist doch besser nach vorne zu schauen und die Vergangenheit ruhen zu lassen.“ Solche oder ähnliche Sätze höre ich oft. Allerdings ist der Blick zurück kein Rückschritt, sondern ein Schritt in die Zukunft. Denn unverarbeitete Themen gären unter der Oberfläche weiter, wenn man sie aus dem Blick nimmt. Die Vergangenheit auszublenden ist kein gesundes Loslassen, sondern eine Form der Dissoziation.

Mehr dazu findest du auf Tiefgang:

Wenn wir unsere Vergangenheit erkunden, benennen und gestalten, verwandeln sich Erlebnisse in Erkenntnisse. Gerade in Phasen des Umbruchs, der Krise oder Sinnsuche kann die biografische Rückschau eine Orientierungshilfe sein. Sie schenkt uns Einsicht in unsere Lebensmuster, würdigt unsere Kraftquellen und macht uns bewusst, was wir bereits durchschritten haben.

Erinnerung ist eine launige Diva

Biografiearbeit ist kein kognitiver Prozess. Erinnerungen lassen sich nicht chronologisch zurückverfolgen. Kreative Zugänge eröffnen einen anderen Zugang zur eigenen Geschichte. Über Farbe, Form, Schreiben oder symbolisches Gestalten können auch jene Erfahrungen Ausdruck finden, für die es keine fertigen Worte gibt. So wird Biografiearbeit zu einem schöpferischen Akt der Selbstvergewisserung. Sie trägt, nährt und erinnert, gerade dann, wenn der Weg nach vorne noch unklar ist. Humor ist dabei eine große Hilfe, und zwar gerade dann, wenn du aus einem schwierigen Familienumfeld kommst. Humor bringt Leichtigkeit in die Schwere.

Ein humorvolles Praxisimpuls aus meinem Buch Atelier für Biografiearbeit lautet: Ich mit meiner Mutter auf dem Schoß. Zu diesem Impuls gestaltete die Künstlerin Yvonne Lautenschläger das Bild der beiden Frösche. Entstanden ist eine Szene, die auf eine berührende Weise mit vertrauten Rollenbildern spielt.

Humor macht Faxen mit dem Ernst

Was passiert, wenn sich das Bild dreht? Nicht das Kind sitzt auf dem Schoß der Mutter, sondern die Mutter sitzt auf dem Schoß des Kindes. Dieses Bild kann vieles auslösen: Mitleid, Überforderung, Verbundenheit, Abgrenzung. Es berührt eine neue Dimension biografischer Reflexion, denn es zeigt dich nicht mehr als Kind, sondern als die Person, die du heute bist. Du schaust nicht nur zurück, sondern nimmst deine Position neu ein. Vielleicht spürst du, wie die Rollen sich im Laufe des Lebens verschoben haben. Vielleicht wird dir bewusst, wie früh du Verantwortung übernehmen musstest. Oder wie sehr du dir gewünscht hättest, deine Mutter halten zu können oder gehalten zu werden.

Biografiearbeit bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu verharren. Sie hilft, innere Zusammenhänge zu verstehen und neue Handlungsspielräume zu öffnen. Besonders kreative Zugänge ermöglichen einen behutsamen Kontakt zu Erinnerungen, Gefühlen und inneren Bildern.

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich dazu ein, diesen Weg praktisch zu gehen. Die 60 kreativen Impulse ermöglichen dir einen behutsamen und tiefgehenden Zugang zu deiner Lebensgeschichte. Ziel ist nicht, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern dir selbst bewusster zu begegnen und deine Geschichte als Ressource zu entdecken.

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Die Kraft von Symbolen: Gespräch mit einem Stein https://www.tiefgang.net/die-kraft-von-symbolen-gespraech-mit-einem-stein/ Tue, 27 Jan 2026 15:14:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13188 [...]]]> Der Stein hat für uns viele Bedeutungen und weckt unterschiedliche Assoziationen. Wir können ihn in der kunsttherapeutischen Arbeit als Symbol nutzen, um tiefere Erkenntnisse zu gewinnen.

von Ulrike Hinrichs

Zahlreiche Redewendungen greifen das Symbol des Steins auf: „Er ist wie versteinert“, „Mir fiel ein Stein vom Herzen“, „Ein Herz aus Stein“, „Bei jemandem einen Stein im Brett haben“, „Etwas ist in Stein gemeißelt“. Der Stein steht für etwas Verhärtetes, scheinbar Lebloses und zugleich Ewiges. Gleichzeitig gibt er Rätsel auf.

Der geheimnisvolle „Stein der Weisen“ bezeichnet in der Alchemie einen Stein, der unedle Metalle in Gold und Silber verwandeln kann. Er steht für Transformation, Heilung und Läuterung. Der römische Gott Mithra, eine mythologische Personifizierung der Sonne, wurde der Überlieferung nach in einer Felsenhöhle geboren. In vielen Kulturen wird erzählt, dass Felsen Edelsteine gebären, ebenfalls ein Zeichen der Wandlung.

Wir können die Kraft von Symbolen in der kunsttherapeutischen Arbeit für uns nutzen. Symbole sind mehrdeutig und über Sprachgrenzen hinweg verständlich. Der symbolische Ausdruck besteht nach C. G. Jung darin, dass sich in Analogien etwas noch Unbekanntes und Werdendes zeigen kann. Symbole haben keine starre, festgeschriebene Bedeutung, sondern werden von kollektiven und individuellen Wahrnehmungen geprägt.

Du kannst die Symbolarbeit mit einem Stein ausprobieren.

Und so geht es:

  1. Suche dir ein Lebensthema, das dich beschäftigt, mit dem du arbeiten möchtest.

Gib deinem Thema eine Überschrift.

Hier ein Beispiel: Eine Klientin aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder wählte das Thema „Ich bin nicht genug“. Sie berichtete von einer permanenten Angst, nicht zu genügen.

2) Suche dir ganz intuitiv bei einem Spaziergang einen Stein. Lass dich von ihm finden. Welcher zieht dich magisch an? Es wird der richtige sein.

3) Wenn du magst, kannst du folgenden Malauftrag mit deinem Stein verbinden:
„Wie sieht es im Inneren deines Steines aus?“ Male ganz intuitiv.

4) Reflexion: Zu diesem Malimpuls entstand das im Header abgebildete Kunstwerk der Klientin. Assoziationen der Gruppenteilnehmerinnen lauteten: „Stummer Schrei“, „Mein inneres Weinen“, „Ich will geliebt werden“ oder auch „sanft und harmonisch“.

Die Klientin war von ihrem eigenen Bild und den Rückmeldungen sehr berührt. Im Zentrum stand für sie das Thema „Kind sein dürfen“ und „Kindheit“. Die Tüte mit Brausepulver hatte sie zufällig gefunden und spontan ins Bild eingearbeitet. Auch die Süßigkeit erinnerte sie an ihre Kindheit. Mehr Spielen statt Funktionieren, auch Nichtstun statt Leistung, waren wichtige Impulse für sie.

Mich beeindruckt immer wieder, welche Ideen, Assoziationen und Bilder bei der Arbeit mit Symbolen entstehen. Sie führen heraus aus dem Denkkarussell. Schon das Suchen des Steines selbst und die Beschäftigung mit einem belastenden Thema auf einer symbolischen, bildhaften Ebene können neue Kräfte und Ressourcen wecken.

Wie ist es dir ergangen?

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl (Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen) ISBN 978-3-99165-010-2

Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR;

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Frauenbilder“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Biografiearbeit: Manchmal sind es die kleinen Dinge https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-manchmal-sind-es-die-kleinen-dinge/ Tue, 13 Jan 2026 10:32:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13101 [...]]]> Biografiearbeit beginnt oft dort, wo Erinnerung unerwartet präzise wird. Bei Zahlen, Bildern, Gerüchen. Bei scheinbar nebensächlichen Details, die sich tief eingeprägt haben und plötzlich wieder auftauchen.

von Ulrike Hinrichs

Ich habe wenige Erinnerungen an meine Kindheit. Doch ich erinnere noch das Kennzeichen unseres ersten Familienautos. HH XD 22. Ein leuchtorangefarbener VW Käfer. Auch Telefonnummern sind geblieben. Die meiner Großmutter, die längst gestorben ist. Die meines Vaters, der getrennt von uns lebte. Die der Firma, in der meine Mutter arbeitete. Ich konnte sie alle auswendig. Ich war ein Schlüsselkind. Telefonnummern gaben Sicherheit.

Erinnerungen sind nicht linear. Oft sind sie vernebelt oder ganz verschluckt von der Vergangenheit. Gerade dann ist es hilfreich, sich solche kleinen Details vorzunehmen und mit ihnen künstlerisch zu arbeiten. Künstlerische Biografiearbeit würdigt diese vordergründig unbedeutenden Erinnerungen und kitzelt etwas wach, was hinter dem Vorhang der Vergangenheit verborgen ist. Kunst erlaubt, diesen Spuren zu folgen, ohne sie sofort erklären zu müssen. Sie macht sichtbar, was lange still war. Das scheinbar Unbedeutende wird bedeutsam. Und oft öffnet gerade das Kleine den Zugang zum Wesentlichen. 

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnung mit Pinsel und Farbe“ arbeiten wir mit der Kunst als Ausdrucksform, um die eigene Herkunft zu erforschen und besser zu verstehen.

In meinem Bild im Header taucht der Käfer meiner Kindheit wieder auf. Leuchtend. Rund. Fast schützend. Er steht auf der Straße und zugleich in einem inneren Raum. Umgeben von Farbe, Punkten, Bewegung. Das gemalte Auto wird zum Träger von Atmosphäre. Von Nähe auf engem Raum. Von Unterwegssein. Von Kindheit, die sich nicht in Szenen, sondern in Fragmenten erinnert. In der künstlerischen Biografiearbeit dürfen solche Bilder auftauchen, ohne bewertet zu werden. Sie müssen nichts beweisen. Sie dürfen einfach da sein.

Vielleicht ist es bei dir kein Auto. Vielleicht ist es etwas ganz anderes. Klein, unscheinbar und doch voller Geschichte. Greife danach und lass ein Bild entstehen. Anschließend kannst du einen kreativen Text daraus wachsen kann. Lass dich überraschen, welche Erinnerungen wach werden.

Mehr dazu auf Tiefgang

Bist du neugierig geworden, wie du eigene Erinnerungen künstlerisch erkunden kannst? Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen.

überall im Buchhandel

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

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22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Die Zaunreiterin – Kunst im Zwischenraum https://www.tiefgang.net/die-zaunreiterin-kunst-im-zwischenraum/ Fri, 05 Dec 2025 23:11:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12962 [...]]]> Die Figur der Zaunreiterin gehört zu den archetypischen Gestalten an den Übergängen. In vielen mythologischen Traditionen erscheinen Wesen, die zwischen den Welten leben. Sie bewegen sich an Schwellen und an Orten, an denen Grenzen durchlässig werden.

von Ulrike Hinrichs

Der Begriff der Zaunreiterin wird oft mit der Figur der weisen alten Frau verbunden. Sie lebt am Rand des Dorfes. Sie kennt die Schwellenräume und kann den Zaun (die Grenzen) zwischen den Welten überschreiten. In der Arbeit mit Ahnenbildern kann die mythische Figur der Zaunreiterin eine hilfreiche Metapher sein. Die Zaunreiterin erinnert daran, dass biografische und transgenerationale Themen oft an den Rändern auftauchen. An den Stellen, an denen etwas weder ganz sichtbar noch ganz verborgen ist. Sie steht für das Lauschen auf leise Impulse, für das Wahrnehmen von Emotionen, Erinnerungen und inneren Bildern, die sich erst allmählich zeigen.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Die Ahnenreise beschreibt in diesem Zusammenhang einen inneren Prozess. Menschen wenden sich bewusst den Geschichten ihrer Herkunft zu. Sie betrachten familiäre Muster und wiederkehrende Themen. Sie erkennen Belastungen und Ressourcen, die über Generationen weitergegeben wurden. Die Reise führt nicht in eine äußere Welt. Sie führt in die eigene innere Geschichte und in die Beziehung zu denjenigen, die vor einem lebten.

Die Zaunreiterin dient dabei als Symbol für eine achtsame Haltung. Sie lädt dazu ein, Fragen zu stellen. Welche Spuren meiner Ahnen trage ich in mir? Was davon stärk mich? Was belastet mich? Was darf ich neu gestalten? Was braucht Heilung?

Die Zaunreiterin hilft, diesen Prozess nicht wertend, sondern beobachtend zu begleiten. So verbindet sich die mythologische Bedeutung der Figur mit der psychologischen Perspektive der Ahnenarbeit.

Die Zaunreiterin als Collage

Die Zaunreiterin lädt dazu ein, die innere Schwelle zu überschreiten. Sie fordert dazu auf, bewusst hinzusehen. Die Kunst als Ausdrucksform hilft dabei.

Wenn du diesen Impuls künstlerisch aufgreifen möchtest, kannst du dazu eine Collage gestalten, wie wir es in meiner Gruppe Heimat und Biografie: Begegnungen mit Pinsel und Farbe gemacht haben. Als Beispiel ist ein Werk aus der Gruppe abgebildet. Die Collage „Die edle Rebellin“ verbindet eine fröhliche, farbintensive Figur mit einer ruhigeren, fast zeitlosen Person in Schwarzweiß. Es ist ein Foto der Großmutter, welches in die Collage eingearbeitet wurde. Dadurch entsteht ein Gefühl von zwei Zeitebenen, die gleichzeitig anwesend sind. Vergangenheit und Gegenwart. Die Motive aus Nahrung, Pflanzen und organischen Mustern vermitteln Erdung. Sie wirken wie Symbole für Versorgung, Fülle und das Wissen der Kräuterfrauen. Auch das kleine Stofftier mit Verband weckt Assoziationen an Fürsorge und Heilung. Die Collage erzählt von einer Figur, die beides vereint: Erdung und Wildheit. Humor und Ernst. Vergangenheit und Gegenwart. Sie wirkt wie eine Ahnin, die sich zeigt, um Kraft zu geben und gleichzeitig etwas zu hinterfragen.

Wie sieht deine Collage aus?

Mehr Impulse zur künstlerischen Biografiearbeit erhältst du im Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen. 60 Praxisimpulse helfen dir, dich mit deiner Biografie und Familiengeschichte auseinandersetzen.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs: Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

22 EUR

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Künstlerische Biografiearbeit: Das Geheimnis im biografischen Feld https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-das-geheimnis-im-biografischen-feld/ Fri, 28 Nov 2025 23:57:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12932 [...]]]> Künstlerische Biografiearbeit öffnet einen stillen Raum. In diesem Raum dürfen Erinnerungen und Gefühle zu Farbe werden. Innere Bilder treten hervor und erzählen von dir und deinem Weg. Auch das Unausgesprochene und Nichtsichtbare kann durch den künstlerischen Ausdruck im Bild erscheinen.

von Ulrike Hinrichs

Kreative Methoden helfen dir, Erfahrungen sichtbar zu machen, die sich sonst schwer in Worte fassen lassen. Sie bringen Bewegungen in starre Muster. Sie stärken das Gefühl für deine eigene Stimme. Und sie machen Ahnungen sichtbar.
Biografiearbeit mit Kunst verbindet Betrachtung und Ausdruck. Du forschst mit deinen Händen. Du spürst deinem inneren Kompass nach. Du ordnest dich neu.

Tabus und Geheimnisse sind Leerstelle in der Biografie

In vielen Biografien gibt es Tabus und Geheimnisse, die wir nur erahnen können. Sie werfen lange Schatten und wirken oft stärker, als wir glauben.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Geheimnisse sind ein stiller und gleichzeitig belastender Teil unseres Lebens. Sie leben in Andeutungen, in Leerräumen und im Schweigen. Manche wurden uns anvertraut. Andere tragen wir selbst, freiwillig oder unfreiwillig. Wieder andere wurden über Generationen weitergegeben, ohne je ausgesprochen zu werden. In Familien wirken sie wie ein unsichtbarer Strom. Sie beeinflussen unser Verhalten, unsere Beziehungen und unsere Gefühle. Oft kennen wir ihren Ursprung nicht.

Ein Geheimnis kann Schutz bedeuten. Schutz vor Überforderung, vor Scham, vor Angst oder Schmerz. Doch was schützen soll, kann auch isolieren. Geheimnisse, die lange verborgen bleiben, sprechen eine andere Sprache. Sie zeigen sich in körperlichen Symptomen, in inneren Spannungen oder in familiären Wiederholungen. Sie hinterlassen Spuren, auch wenn sie nie erzählt wurden.

In der Biografiearbeit geht es nicht darum, Geheimnisse zu entlarven oder offenzulegen, um irgendjemanden bloßzustellen. Es geht darum, ihnen achtsam zu begegnen. Zu spüren, dass da etwas ist, das gesehen werden will. Nicht von allen, aber vielleicht von dir.

Der kreative Ausdruck bietet einen sicheren Raum. Du musst nichts preisgeben. Doch du darfst dem, was verborgen liegt, eine Form schenken. Manchmal ist es genau dieser liebevolle Blick auf das Unsagbare, der Heilung möglich macht. Mit deiner Geschichte. Mit deinen Ahnen. Mit dir selbst.

Auch ich habe auf meiner biografischen Forschungsreise Geheimnisse entdeckt. Manche enthüllten sich im Licht des künstlerischen Prozesses. Anderen Geheimnissen bin ich noch immer auf der Spur.

Im Header ist eine Collage abgebildet, die ich zu einem meiner Familiengeschichten gefertigt habe. Ich bin auf der Suche nach der Geschichte meiner Ururgroßmutter, die 1865 „verschollen“ ist. Sie wurde nur 28 Jahre alt und hinterließ ihren Sohn, meine Urgroßvater. Sie ist Namensgeberin der Familie Hinrichs.

Die Kunst als Ausdruck ist wie ein Nachtsichtgerät in der inneren Dunkelheit.

Vielleicht spürst du ebenfalls den Ruf, dich auf deine Reise in das Ahnennetz zu begeben. Dränge nicht und erwarte nichts. Lass es geschehen. Die Kunst als Ausdrucksform kommuniziert intuitiv mit dir. Ein Geheimnis zeigt sich, wenn die Zeit gekommen ist.

Mehr Impulse zur künstlerischen Biografiearbeit erhältst du im Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen. 60 Praxisimpulse helfen dir, dich mit deiner Biografie und Familiengeschichte auseinandersetzen.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs: Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen, 22 EUR

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Antenne an, Herz auf, Pinsel raus! https://www.tiefgang.net/antenne-an-herz-auf-pinsel-raus/ Fri, 07 Nov 2025 23:58:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12814 [...]]]> Manchmal fällt es uns schwer, auf uns selbst zu achten, und zwar gerade, wenn wir eine langanhaltende Krankheit haben, die unser Leben dominiert, oder wenn wir in einer anderen schwierigen Lebenssituation stecken. Künstlerisch umzusetzen, was uns guttut, kann dabei helfen.

von Ulrike Hinrichs

In uns leben viele Stimmen. Manche sind laut und fordernd, andere leise und kaum hörbar. Selbstfürsorge ist häufig eine dieser leisen Stimmen. Selbstfürsorge zeigt sich im bewussten Umgang mit dem eigenen Leben: im Wahrnehmen der eigenen Grenzen, im Sich-Zuwenden und im Raumgeben für das, was wirklich guttut.

Selbstfürsorge erinnert uns daran, zu atmen, Pausen zu machen und freundlich mit uns zu sein. Sie zeigt uns, dass Fürsorge nicht nur eine Handlung, sondern ein innerer Zustand ist, den wir bewusst nähren können. Oft verlieren wir diesen Anteil aus den Augen. Kunst kann helfen, ihm Gestalt zu geben und damit ins Leben einzuladen. Durch die Brille der Kunst eröffnen sich neue Perspektiven im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Krankheit als Bild, die sich regelmäßig im Quartiershaus De Stuuv in Hamburg-Fischbek trifft, haben wir uns gefragt:

„Wenn du einen inneren Anteil für deine Selbstfürsorge hättest, wie würde der aussehen?“

Die Ergebnisse waren faszinierend. Eines der Werke ist das im Header abgebildete leuchtende Wesen mit großen Augen und einem sanften Lächeln. Eine Antenne ragt nach oben, mit der es aufmerksam empfangen kann. Eine Uhr ohne Zeiger nimmt den Stress aus dem Leben. Das Wesen wirkt fröhlich, wach und liebevoll zugleich. Fast so, als würde es sagen: „Ich bin hier. Ich passe auf dich auf. Du darfst dich ausruhen.“

Dieses Bild zeigt, wie wir innere Fürsorge spürbar machen können. Es erinnert daran, dass Selbstfürsorge kein abstraktes Konzept ist, sondern ein lebendiger, achtsamer Teil in uns, der gesehen, gehört und gepflegt werden möchte.

Gerade für Menschen mit chronischen oder anderen langanhaltenden Krankheiten sind innere Ressourcen überlebenswichtig.

Du kannst es auch ausprobieren: Male dein eigenes Wesen der Selbstfürsorge.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Weitere Praxisbeispiele in meinem Buch:

Ulrike Hinrichs: Krankheit als BildMit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

2. erweiterte Auflage; 263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00; Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

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Kunst als Weg zur Erinnerung https://www.tiefgang.net/kunst-als-weg-zur-erinnerung/ Fri, 31 Oct 2025 23:11:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12779 [...]]]> Jeder Mensch trägt sichtbare und unsichtbare Spuren seiner Herkunft in sich. Es ist, als trügen wir eine innere Landkarte in uns, auf der sich Erfahrungen, Geschichten und Erinnerungen eingeschrieben haben. Dieses unsichtbare Gewebe kannst du künstlerisch einfangen.

von Ulrike Hinrichs

Die künstlerische Biografiearbeit lädt dazu ein, den Spuren deiner Familiengeschichte mit schöpferischen Mitteln zu folgen. Sie verbindet Selbstreflexion und künstlerischen Ausdruck und macht sichtbar, was oft nur gefühlt oder geahnt wird. Beim Malen, Schreiben oder Gestalten entsteht ein Raum, in dem innere Bilder zu sprechen beginnen. Es geht nicht darum, ein perfektes Kunstwerk zu schaffen, sondern die eigene Geschichte in Farbe, Form und Symbol zu übersetzen.

Wenn wir unsere Herkunft auf künstlerische Weise erkunden, öffnen sich verborgene Türen. Erinnerungen, die im Alltag leise bleiben, treten hervor. Gefühle, die schwer in Worte zu fassen sind, finden ihren Ausdruck. Tabus und Geheimnisse werden sichtbar. So wird Biografiearbeit zu einer Art Landvermessung der Seele, zu einer poetischen Kartografie unseres Seins.

Mehr zur künstlerischen Biografiearbeit auf Tiefgang: Der eigenen Biografie kreativ begegnen

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe widmen wir uns biografischen Themen.

Die Werke aus der Gruppe werden am 2.11.2025 von 12.00 bis 18.00 Uhr auf dem Harburger Kulturtag in der Biff Frauenberatung (Neue Straße 59, 21073 Hamburg) präsentiert.

Ein Beispiel einer solchen biografischen Arbeit findest du im Beitrag. Es ist eine Landkarte der Herkunft. Das Werk, eine 1,20 m x 1 m große Collage, wird ebenfalls Teil der Gemeinschaftsausstellung sein.

Künstlerische Biografiearbeit kann helfen, sich selbst in einem größeren Zusammenhang zu sehen und zu verstehen. Sie schafft Verbindung zu den eigenen Wurzeln und öffnet den Blick dafür, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinanderfließen. Wer sich auf diese Reise einlässt, der erkennt: Wir sind nicht nur das, was uns widerfahren ist, sondern auch das, was wir daraus gestalten.

Mit den kollektiven Zusammenhängen in meiner Biografie habe ich mich im Buch Lebendig begraben: Guillain-Barré-Syndrom auseinandergesetzt. Emotionale Kälte, Härte und Disziplin waren Erziehungsmethoden einer traumatisierten Nachkriegsgeneration. Die transgenerationale Weitergabe von Traumata auf die nächste Generation ist ein Erbe, das viele nicht oder erst sehr spät erkennen. Der künstlerische Ausdruck kann helfen, undefinierbare Ängste und Gefühle zu verstehen.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Welche Geschichte hast du zu erzählen?

Lebendig begraben: Guillain-Barré-Syndrom

Krankheit, Trauma und die Narben der Geschichte

ISBN Softcover: 978-3-99139-739-7

 EUR 18,00 EUR

Überall im Buchhandel

Auch als ebook erhältlich

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Traumatherapeutin, Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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