Meine Lieben, haltet euch fest! Ich dachte ja eigentlich, im ehemaligen Karstadt passiert gar nichts mehr, außer dass die Spinnweben langsam Denkmalstatus bekommen. Aber Pustekuchen!
Diese Woche gab es dort Action, die selbst jeden Hollywood-Blockbuster alt aussehen lässt. Habt ihr das mitbekommen? Da rückt die Feuerwehr mit großem Besteck am Harburger Ring an, weil die Brandmeldeanlage Amok läuft. Und was finden die Einsatzkräfte? Keine staubigen Regale, sondern – man glaubt es kaum – eine illegale Goldschmelze! Ja, ihr habt richtig gehört. Während wir noch darüber diskutieren, ob man im Erdgeschoss einen „Vortragsraum“ mit Filmen betreiben darf, haben sich im stillen Kämmerlein ein paar ganz findige Geschäftsmacher*innen breitgemacht und den Schmelztiegel angeworfen.
Beim Friseur hieß es vorhin: „Mensch Clara, früher gab es bei Karstadt Goldschmuck in der Auslage, heute wird er direkt im Hinterzimmer selbst gebastelt!“ Man muss es positiv sehen: Endlich mal eine Nutzung des Gebäudes, die ordentlich Hitze erzeugt – wenn auch leider die Art von Hitze, die die Feuerwehr auf den Plan ruft.
Ist das nicht herrlich ironisch? Kulturschaffende und Vereine vom Netzwerk SuedKultur müssen jahrelang Formulare ausfüllen, Brandschutzkonzepte einreichen und Betriebskosten-Vorauszahlungen klären, bevor sie auch nur einen Pinselstrich im Gebäude machen dürfen. Aber eine nicht angemeldete Firma spaziert da einfach rein, baut eine Schmelzanlage auf und fängt an zu arbeiten. Da fragt man sich doch: Haben die den Schlüssel beim Pförtner einfach gegen einen Goldbarren getauscht?
Und während die Stadt noch über die „baurechtliche Nutzung“ philosophiert, zeigt uns diese mysteriöse Gold-Truppe, wie „flexibel“ man die 26.000 Quadratmeter eigentlich nutzen kann. Nur dumm, dass die Abgase der Goldschmelze wohl nicht so ganz mit dem Lüftungskonzept des Planeten Harburg harmonieren.
Meine Lieben, ich sage euch: Wenn das so weitergeht, finden wir nächste Woche im ersten Stock wahrscheinlich eine geheime Raketenbasis für die nächste Marsmission. Zeit genug hätten sie ja gehabt, dort ungestört einzuziehen.
Ich werde auf jeden Fall weiter meine Ohren offen halten. Wer weiß, was beim nächsten Haarschnitt herauskommt – vielleicht wird ja im Keller schon nach Öl gebohrt, während oben die Bücherhalle noch über die Farbe der Teppichböden nachdenkt.
Bussi, eure Clara!
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