Altonaer Museum – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 18 Oct 2024 08:02:07 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 #seeforfree 2024 https://www.tiefgang.net/see-for-free-2024/ Fri, 18 Oct 2024 22:45:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11263 [...]]]> Am diesjährigen Tag der Reformation öffnen 47 Museen und Ausstellungsorte ihre Türen bei freiem Eintritt – das sind mehr Häuser als in den Jahren zuvor.

Für den Aktionstag haben die Museen, Ausstellungshäuser, Lern- und Gedenkorte wieder ein umfangreiches Programm mit Führungen in verschiedenen Sprachen, Veranstaltungen für Kinder und Familien oder Mitmachaktionen zusammengestellt, um am Tag der Reformation alle Hamburgerinnen und Hamburger einzuladen und ihnen ein besonders vielfältiges Angebot zu machen. Die Bürgerschaft hatte den freien Zugang zu den Museen am Tag der Reformation beschlossen, um eine Brücke zwischen Religionen und Weltanschauungen zu schlagen und allen Menschen ein spannendes Kulturerlebnis zu ermöglichen. Das Achilles-Stiftung Glasmuseum, das FC St. Pauli Museum, das Film- und Fernsehmuseum Hamburg, das WasserForum in Rothenburgsort sowie das Woods Art Institute sind zum ersten Mal dabei.

Alle Informationen zu den teilnehmenden Häusern und dem Begleitprogramm gibt es unter www.seeforfree.de. Eine individuelle Museumstour für den Tag der Reformation kann man sich unter www.seeforfree.de/meine-tour zusammenstellen.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „seeforfree 2024 wird mit freiem Eintritt in 47 Museen, Ausstellungshäusern und Gedenkstätten der bisher umfangreichste Aktionstag seit seiner Einführung werden: Fast doppelt so viele Häuser wie zum Beginn im Jahr 2018 können in diesem Jahr am 31. Oktober bei freiem Eintritt besucht werden. Das zeigt, wie erfolgreich sich die Idee von seeforfree entwickelt hat. Die Hamburger Museen und Ausstellungsorte bieten am Tag der Reformation besonders vielfältige Anlässe zum Entdecken, zum Austausch und zur Auseinandersetzung mit verschiedensten Themen. Ob auf der ‚Peking‘ zurück in die Vergangenheit reisen, mit Pippi Langstrumpf die Kolonialgeschichte verstehen oder queere Blickwinkel auf die Kunstgeschichte entdecken – seeforfree bietet Inspiration und neue Perspektiven bei freiem Eintritt für alle.“

Neben den ständigen Sammlungen der Museen können auch aktuelle Sonderausstellungen wie zum Beispiel „Flowers Forever“ im Bucerius Kunst Forum, „Isa Mona Lisa“ in der Kunsthalle, „Pippis Papa“ im MARKK oder „Deutschland um 1980“ im Altonaer Museum besucht werden.

Neu dabei sind diese Häuser:

  • das Achilles-Stiftung Glasmuseum, das in Barmbek seit 2022 zeitgenössische Glaskunst präsentiert,
  • das FC St. Pauli Museum im Millerntor-Stadion, das sich mit Dauer- und Sonderausstellungen ganz der Geschichte und Gegenwart des Hamburger Fußballvereins widmet,
  • das Film- und Fernsehmuseum Hamburg, in dem spannende Ausstellungsstücke zur Geschichte des Films und des Fernsehens in Hamburg und Umgebung ausgestellt werden,
  • das WasserForum, das im ehemaligen Pumpenhaus in Rothenburgsort aus dem Jahr 1848 Norddeutschlands größte Ausstellung zur heutigen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zeigt, sowie
  • das Woods Art Institute, in dem Arbeiten aus der Sammlung Reinking zu entdecken sind, von klassischen Positionen der Gegenwartskunst bis hin zu Beiträgen der jüngsten Künstler- und Künstlerinnengeneration.

Einzigartig am Tag der Reformation ist das umfangreiche Sonderprogramm:

So bietet die Kunsthalle ein buntes Programm mit Führungen über queere Perspektiven in der Kunstgeschichte und mit verschiedenen Welcome-Führungen für Geflüchtete in verschiedenen Sprachen. In der KZ-Gedenkstätte Neuengamme gibt es eine Führung für Menschen mit Lernschwierigkeiten in einfacher Sprache und das WasserForum hat ein vielfältiges Programm für Kinder und Familien. Auch das Deutsche Hafenmuseum spricht insbesondere Familien mit einem Programm unter dem Motto „Genuss im Hafen“ an. Im Museum der Arbeit gibt es viele Vorführungen, Mitmachaktionen und Führungen durch die Sonderausstellung „Dein Paket ist da. Shoppen auf Bestellung“, das Universitätsmuseum bietet Formate wie „Fakt oder Fiktion?“, „Campus Schnipseljagd“ und „Beats, Rhymes & History“. Im Woods Art Institute gibt es Führungen, kreative Mitmachformate und Blicke hinter die Kulissen.

Neben Führungen auf Deutsch werden Führungen auf Englisch, Spanisch, Arabisch, Farsi, Ukrainisch, Russisch, Plattdeutsch und in Deutscher Gebärdensprache angeboten.

Seit dem Bürgerschaftsbeschluss aus dem Jahre 2018 bieten die staatlichen Museen in Hamburg am Tag der Reformation grundsätzlich kostenfreien Eintritt an. Der Feiertag soll somit dazu dienen, gesellschaftlichen Debatten nachzuspüren und in den gemeinsamen Austausch zu treten. In den letzten Jahren haben sich immer mehr private Museen der Initiative angeschlossen.

Der Museumsdienst Hamburg koordiniert im Auftrag der Behörde für Kultur und Medien diesen Aktionstag.

Folgende Museen bieten am Tag der Reformation freien Eintritt:

  • Altonaer Museum
  • Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg
  • Bargheer Museum
  • Bergedorf Museum
  • Bucerius Kunst Forum
  • Computer-Museum der Universität Hamburg
  • Deichtorhallen Hamburg
  • denk.mal Hannoverscher Bahnhof
  • Deutsches Hafenmuseum (im Aufbau) – Standort Schuppen 50A
  • Deutsches Zollmuseum
  • Deutsches Zusatzstoffmuseum
  • FC St. Pauli Museum
  • Film- und Fernsehmuseum Hamburg
  • Freilichtmuseum Rieck Haus
  • Gedenkstätte Bullenhuser Damm
  • Gedenkstätte Fuhlsbüttel
  • Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel
  • Gefängnismuseum Hamburg
  • Geschichtsort Stadthaus
  • Gipsabgusssammlung der Universität Hamburg
  • Hamburger Genossenschafts-Museum
  • Hamburger Kunsthalle
  • Hamburger Schulmuseum
  • Helmut-Schmidt-Forum
  • HSV-Museum
  • Informationszentrum Energieberg Georgswerder
  • Jenisch Haus
  • KomponistenQuartier Hamburg
  • Kunsthaus Hamburg
  • Kunstverein Harburger Bahnhof
  • Kunstverein in Hamburg
  • KZ-Gedenkstätte Neuengamme
  • Medizinhistorisches Museum Hamburg
  • MONTBLANC HAUS
  • Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK)
  • Museum der Arbeit
  • Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • Museum Mahnmal St. Nikolai
  • Retro Spiele Club
  • Sammlung Falckenberg
  • Stiftung Hamburg Maritim
  • Universitätsmuseum Hamburg
  • vor—gänge. museum für alternative stadt
  • WasserForum
  • Woods Art Institute
  • Zaubermuseum Bellachini

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8.422,66 Tonnen Fußabdruck https://www.tiefgang.net/8-42266-tonnen-fussabdruck/ Fri, 03 Feb 2023 23:22:04 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9690 [...]]]> Über 8.422 Tonnen CO2-Belastung – das ist die Zahl für 2019, mit der sich 11 Hamburger Institutionen nun herumschlagen müssen …

Unter dem Motto „Elf zu Null – Hamburger Museen handeln“ startete im Sommer 2022 die bundesweit einmalige Initiative von elf Hamburger Museen, Ausstellungshäusern und Gedenkstätten, um gemeinsam das Thema Nachhaltigkeit und Betriebsökologie anzugehen. Jetzt werden die ersten Ergebnisse vorgestellt: Die CO2-Bilanzierung der elf Häuser hat ergeben, dass der gemeinsame Fußabdruck sich auf 8.422,66 Tonnen jährlich beläuft (Referenzjahr 2019). Der mit 90,4 % überwiegende Anteil der Emissionen resultiert dabei aus den Strom- und Wärmeverbräuchen der Häuser. Dies entspricht etwa der Klimawirkung von neun vollbesetzten Großraumflugzeugen, die von Hamburg nach New York und zurück fliegen. In einer erweiterten Bilanz wurde auch die Gästemobilität berücksichtigt, wobei diese teilweise auf Schätzwerten beruht. Inklusive Gästemobilität steigt der CO2-Fußabdruck der elf Häuser auf knapp 40.000 Tonnen, also das Viereinhalbfache. Durch die Einbeziehung der Gästemobilität in den Bilanzierungsprozess nimmt Elf zu Null eine Vorreiterrolle im Kulturbereich ein. Die Bilanzen bilden nun eine belastbare Datengrundlage für ein strategisches Umweltmanagement.

Darüber hinaus erhalten 17 Transformationsmanagerinnen und Transformationsmanager ein Zertifikat über den erfolgreichen Abschluss ihrer Fortbildung. Sie verfügen nun über methodische und fachliche Kompetenzen für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien in ihren Häusern. Die Behörde für Kultur und Medien Hamburg wird die erfolgreiche Initiative auch in 2023 und 2024 unterstützen, um die praktische Umsetzung in den Häusern zu gewährleisten und die Vernetzung weiter zu fördern.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Elf zu Null ist ein hervorragendes Beispiel, wie Kultureinrichtungen die Herausforderungen der Zukunft annehmen. Erstmals liegt eine belastbare Klimabilanz vor, auf der die Häuser nun konkrete Einsparmaßnahmen aufbauen können. Dank der guten Zusammenarbeit können dabei alle von den besten Ideen lernen. Im Rahmen des Mieter-Vermieter-Modells sind wir bei der energetischen Sanierung der Einrichtungen schon einen großen Schritt voran gekommen. Mit den Ergebnissen von Elf zu Null können wir nun den Betrieb der Museen und Ausstellungshäuser nachhaltiger gestalten und beim Schutz des Klimas weiter vorankommen. Der Senat wird dies weiterhin unterstützen, indem er unter anderem Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs fördert.“

Alexander Stockinger, Kaufmännischer Geschäftsführer Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg: „Wir sind mit großem Tempo ins Handeln gekommen: Innerhalb von wenigen Monaten haben wir ein hochmotiviertes Team aus versierten Kolleginnen und Kollegen gebildet und mit den Klimabilanzen eine solide Datengrundlage geschaffen. Daran kann nun die langfristige Arbeit an der Transformation unserer Häuser anknüpfen. Ich danke der Behörde für Kultur und Medien, dass wir unseren Weg im Schulterschluss fortsetzen können und unsere Initiative für zwei weitere Jahre unterstützt wird. Bereits jetzt wird Elf zu Null bundesweit als Good Practice wahrgenommen – unser handlungsorientierter Ansatz und unser geschlossenes Vorgehen inspirieren andere. Das motiviert uns!“

Jacob Sylvester Bilabel, Geschäftsleiter des Aktionsnetzwerks Nachhaltigkeit in Kultur und Medien: „Für mich eine Sensation: Die elf Hamburger Museen legen den ersten deutschen Standard zur Klimabilanzierung der Häuser samt Publikumsverkehr vor und dokumentieren diesen transparent für alle. So etwas gab es bis jetzt noch nicht. Ich bin mir sicher, dass viele in Zukunft von der Vorarbeit des Projektes werden profitieren können. Denn: Der datenbasierte Blick der Hamburger Museen auf die eigenen CO2-Emissionen und die Ursachen dafür schafft Transparenz und ermöglicht so einen strategischen Umgang mit steigenden Energiekosten.“

 Ergebnisse CO2-Bilanzierung

Die CO2-Bilanzierung macht deutlich, an welchem Punkt die Museen ökologisch stehen und bilden den Handlungsrahmen für die künftige Einsparung von Emissionen. Dafür werden nun pro Haus passgenaue Strategien zur Verbesserung der Umweltwirkung entwickelt und in Nachhaltigkeitskonzepten zusammengefasst.

Bereits jetzt wurden zahlreiche Maßnahmen entwickelt oder umgesetzt, so zum Beispiel die Installation smarter Heizkörperthermostate, die Durchführung hydraulischer Abgleiche und die Umrüstung auf LED-Beleuchtung in fast allen Häusern; erweiterte Klimakorridore; großflächige Fenstertausche im MK&G, dem Archäologischen Museum und der Hamburger Kunsthalle; sowie die Nachrüstungen der Gebäudeleittechnik und Anlagensteuerung in mehreren beteiligten Häusern. Auch die Installation von Photovoltaik-Anlagen ist in Planung, so zum Beispiel auf dem Altonaer Museum. Weitgehend finden diese Arbeiten in Zusammenarbeit mit der Sprinkenhof GmbH als Vermieterin der städtischen Kulturimmobilien statt.

Die CO2-Bilanzen wurden einheitlich nach ISO 14064 erstellt und sind damit international vergleichbar. Für den Bereich der Gästemobilität wurde ein eigener Elf zu Null-Standard entwickelt. Dieser legt fest, zu welchem Anteil Emissionen aus der An- und Abreise des Publikums berücksichtigt werden.

Fortbildung erfolgreich abgeschlossen

17 Personen aus den beteiligten Häusern wurden im Rahmen einer Weiterbildung als „Transformationsmanagerinnen und Transformationsmanager für nachhaltige Kultur“ qualifiziert und unterstützen nun ihre Institutionen mit Fachwissen und Methodenkompetenz. Sie fungieren dabei als Übersetzerinnen und Übersetzer, Fürsprecherinnen und Fürsprecher, Ideengeberinnen und Ideengeber und Macherinnen und Macher, um Nachhaltigkeit in allen Prozessen zu verankern und den Veränderungsprozess in die Teams zu vermitteln.

 Wie geht es weiter?

Die Arbeit erfolgt in zwei Strängen: Zum einen werden die Häuser individuell Steuerungsmaßnahmen zur Reduktion von Emissionen entwickeln und umsetzen. Zum anderen wird die erfolgreiche Arbeit in der Elf zu Null-Community fortgesetzt. Dort liegt der Fokus auf Wissenstransfer, Kompetenzaufbau und Vernetzung. Geplant sind Weiterbildungs- und Informationsveranstaltungen, öffentliche Angebote und Publikationen, ein regelmäßiger Austausch und Exkursionen. Außerdem sollen zusätzliche Mittel für gemeinsame Projekte eingeworben werden. So wird die Transformation gestärkt und beschleunigt. Um die elf Häuser in den kommenden zwei Jahren bei diesem Programm zu unterstützen, wird mit Hilfe der Förderung der Behörde für Kultur und Medien eine Stelle als Netzwerkmanagerin bzw. Netzwerkmanager geschaffen.

 Allgemein „Elf zu Null“

Die Federführung der Initiative „Elf zu Null – Hamburger Museen handeln“ liegt beim Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G), die weiteren beteiligten Häuser sind das Altonaer Museum, das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg, das Bucerius Kunst Forum, die Deichtorhallen Hamburg, das Deutsche Hafenmuseum, die Hamburger Kunsthalle, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme, das Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK), das Museum der Arbeit und das Museum für Hamburgische Geschichte.

Elf zu Null kooperiert mit dem bundesweiten Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien und wird durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg gefördert.

 

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Ein Museum für ein Schiff https://www.tiefgang.net/ein-museum-fuer-ein-schiff/ Fri, 12 Jan 2018 23:16:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2855 [...]]]> Im Grunde ging es erst um ein altes Schiff. Jetzt steht ein ganzes Museum im diskutablen Raum. Hamburg überrascht wieder mit Ungeahntem.

Es waren wohl ein paar Leute, die beseelt und fasziniert von alten Segelschiffen, sich um die in New York stehende „Peking“ – einem uralten Segelfrachter der noch existierenden Hamburger Laeisz-Reederei bemühten. New York hatte den Viermaster vergessen, fahrtauglich war es auch nicht mehr. Es stand vor der Verschrottung.

Erbaut wird die „Peking“ bei der Hamburger Werft Blohm + Voss, wo sie am 25. Februar 1911 vom Stapel läuft. Mit 115 Metern Länge ist sie damals eines der größten Segelschiffe der Welt. Ab 1912 wird die stählerne Bark, die rund 5.300 Tonnen Ladung transportieren kann, im Salpeterhandel mit Chile eingesetzt, doch dort bereits kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 festgesetzt. Ganze 13 Mal soll sie bis dahin gefahren sein. Das Geschäft mit dem Salpeter-Handel – u.a. begehrt für Schiesspulver – war wohl einträchtig genug, um es dann stehen zu lassen.

2002 verhandeln Mitglieder des Vereins „Peking-Freunde“ erstmals mit dem Museum in New York über eine Rückführung der „Peking“ nach Hamburg. Doch das Museum fordert erst einen sehr hohen Kaufpreis, dann fehlen Geldgeber für die dringend notwendige Restaurierung. Im Frühjahr 2015 kündigt das Museum schließlich an, der Liegeplatz der „Peking“ werde geräumt – und will das Schiff verschenken. Daraufhin kommt Bewegung in die Sache. Und nun wird es spannend. Die sogenannte Hamburger K&K-Dynastie der Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU) wird aktiviert. Beide sitzen im Haushaltsausschuss.

Einer von Hamburgs Geldsegnern: MdB Johannes Kahrs (Foto: Deutschlandfunk)

Also direkt an der Quelle begehrten Geldes. Sobald zugewiesene Gelder nicht abgerufen, kann dort eine anderweitige Verwendung beschlossen werden, vereinfacht gesagt. Und beide Abgeordnete machten sich schnell einen Namen durch ihre recht eigene Große Koalition. Der Hamburger Funkturm kann so mit Millionen reaktiviert werden, Wuppertal bekam ein Pina-Bausch-Museum und Hamburg sollte eben auch die Peking für mehr als 20 Millionen Euro wieder bekommen. Da es aber schwer ist, die Rückführung eines einzelnen Hamburger Schiffs mit Bundesgeldern zu rechtfertigen, so die Legende, musste ein Deckmantel her. Also ein Hafenmuseum. Hat Hamburg schon? Dann wird es eben DAS Deutsche Hafenmuseum. Gesamtvolumen zur Investition: 120 Millionen. Und so lautet plötzlich die frohe Botschaft: „Der Bund erklärt sich schließlich bereit, rund 26 Millionen Euro für den Transport des Schiffes nach Deutschland, seine Restaurierung sowie die Einrichtung eines Liegeplatzes im Hamburger Hafen zur Verfügung zu stellen. Am 30. Juli 2017 wird die Viemastbark schließlich in einem Dockschiff nach Brunsbüttel gebracht.“

Ende Dezember 2017 nun stellte Kultursenator Dr. Brosda im Altonaer Museum die Ergebnisse der Standortuntersuchung zum künftigen Deutschen Hafenmuseum vor.

In der Pressemitteilung heißt es:

„Knapp sechzig Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Wirtschaft und Politik kamen auf Einladung des Senators für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda, am 19. Dezember im Altonaer Museum zusammen, um sich über den aktuellen Stand der Standortsuche für das künftige Deutsche Hafenmuseum zu informieren. 2015 hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages der Freien und Hansestadt Hamburg für die Errichtung eines Deutschen Hafenmuseums sowie für die Rückholung und Sanierung der Viermastbark PEKING einen Betrag von insgesamt 120 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit der Umsetzung dieses wichtigen Museumsprojekts ist die Stiftung Historische Museen Hamburg betraut.

Die Stiftung hatte das Planungsbüro Albert Speer + Partner (AS+P) mit einer umfassenden Potentialanalyse beauftragt, um einen geeigneten Standort für das Museum zu finden. In enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Historische Museen Hamburg und der Behörde für Kultur und Medien wurden neben den historischen 50er Schuppen, wo derzeit das Hamburger Hafenmuseum betrieben wird, drei weitere Standortoptionen analysiert, bewertet und gewichtet. Das Ergebnis zeigt, dass jeder Standort mit mehreren Konflikten behaftet ist, die die Standortentscheidung erschweren.

Ausgeschlossen wurden die Standorte westlich der Landungsbrücken sowie neben den Musical-Theatern am Fährkanal. Die Landungsbrücken haben in der Untersuchung trotz der günstigen Lage im Vergleich aller Flächen mit Abstand am schlechtesten abgeschnitten, da die begrenzte Fläche zu wenig Entwicklungspotential für ein nationales Hafenmuseum bietet. Der Standort „Musical-Theater“ fällt trotz seiner exponierten Lage direkt gegenüber den Landungsbrücken und einer insgesamt positiven Bewertung aufgrund seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu einem Störfallbetrieb als nicht genehmigungsfähig heraus.

Auch die 50er Schuppen sind auf Grund ihrer schlechten Erreichbarkeit und denkmalpflegerischen Auflagen nicht optimal und nach den vorliegenden Erkenntnissen störfallrechtlich voraussichtlich nicht genehmigungsfähig. Die Fläche liegt in Nachbarschaft zu gleich drei Störfallbetrieben, was einen Ausbau des bestehenden Museums zu einem Deutschen Hafenmuseum voraussichtlich verhindern würde. Eine abschließende Klärung der störfallrechtlichen Situation und der sich daraus ergebenden Möglichkeiten für eine Veränderung oder Erweiterung des Museumsbetriebs an diesem Standort wird derzeit im Rahmen eines förmlichen Vorbescheidsverfahrens herbeigeführt. Der Betrieb des bestehenden Hamburger Hafenmuseums genießt hingegen Bestandsschutz.

MdB Rüdiger Kruse wirbt auf seiner Website mit dem Slogan „Erfolg wählen!“ (Foto: Marcus Renner)

Nach den Kriterien der Standortpotenzialanalyse bietet das ehemalige Überseezentrum südwestlich der Elbbrücken die besten Bedingungen für einen Museumsstandort, insbesondere die jüngsten Pläne zur Entwicklung des Grasbrooks zu einem gemischten Wohn- und Gewerbegebiet eröffnen viele Vorteile. Das künftige Deutsche Hafenmuseum könnte an diesem Standort zum Symbol, Motor und kulturellen Zentrum der Quartiersentwicklung werden.

Eine endgültige Standortentscheidung ist mit den nun vorliegenden Ergebnissen noch nicht gefallen. Die Stiftung Historische Museen Hamburg wird nun neben dem Bauvorbescheidsantrag für die 50er Schuppen auch eine Vorstudie in Auftrag geben, in deren Rahmen ein Planungskonzept mit konkreten Kostenschätzungen für den Grasbrook erarbeitet wird. Zudem soll untersucht werden, wie die 50er Schuppen ins Gesamtkonzept des Deutschen Hafenmuseums eingebunden werden können, damit dieser bedeutende Ort Hamburger Hafengeschichte auch in Zukunft weiter erhalten und für Besucher erlebbar bleibt. Auf der Grundlage dieser nun zu erarbeitenden Konzepte wird die Standortentscheidung zu treffen sein.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Errichtung des Deutschen Hafenmuseums samt der Rückholung und Restaurierung der Viermastbark PEKING ist eines der herausragenden Museumsprojekte in Deutschland, das schon heute internationale Aufmerksamkeit erhält. Die Standortentscheidung für ein solches Millionenprojekt lässt sich nicht aus dem Bauch heraus treffen, sondern muss gerade in einem florierenden Hafen mit allen Beteiligten und mit Blick auf alle rechtlichen Gegebenheiten gut geplant werden. Wir sind jetzt bei der Standortsuche einen großen Schritt weiter und werden nun klären, was am Standort 50er Schuppen möglich ist und parallel vertiefend die Chancen auf dem Grasbrook anschauen. Wir brauchen die entsprechenden Bescheide und Vorstudien, um eine endgültige Standortentscheidung zu treffen. Ich kann mir auch eine intelligente Verknüpfung der beiden nahe beieinander liegenden Standorte gut vorstellen.“

Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Das Ergebnis der Standortuntersuchung gibt uns die Möglichkeit, auf dem Kleinen Grasbrook mit dem Deutschen Hafenmuseum einen modernen Stadtteil zu entwickeln und zeigt gleichzeitig einen Weg auf, mit den 50er Schuppen die Geschichte des Hafens lebendig zu halten. Es ist wichtig, dass wirtschaftliche und kulturelle Hafennutzungen nicht miteinander in Konflikt geraten. Am ehemaligen Überseezentrum können wir mit dem Deutschen Hafenmuseum ein spannendes Schaufenster der Geschichte und Gegenwart des Hafens eröffnen.“

Börries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg: „Das Areal auf dem Grasbrook bietet großartige Voraussetzungen, um ein innovatives Museum im 21. Jahrhundert zu verwirklichen und vollkommen neu zu konzipieren. Gleichwohl ist es notwendig, die 50er Schuppen als bedeutendes Denkmal für die Geschichte der deutschen Seehäfen in das Gesamtkonzept des Deutschen Hafenmuseums zu integrieren und auch das dort Geschaffene zu bewahren.“

Quelle: Behörde für Kultur und Medien

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Der Gipfel der Schul-Kultur https://www.tiefgang.net/der-gipfel-der-schul-kultur/ Fri, 01 Dec 2017 23:05:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2603 [...]]]> Das war ja wohl der Gipfel, mag mancher sich gedacht haben. Und in der Tat: unter dem Titel »jetzt!« tagten erstmals und gleich 400 Teilnehmer zum Thema Kultur und Schule.

Über 400 Teilnehmer tauschten sich auf dem eintägigen Kongress am 21. November 2017 auf Kampnagel über die Zusammenarbeit von Kultur und Schule aus. (zum Thema siehe auch „Tiefgang“ vom 25. Nov. 2017). ‎Und der Titel versprach und hielt viel: »jetzt!« – 1. Hamburger Kulturgipfel.

In der Nachlese der initiierenden „Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur e.V.“ (LAG) heißt es:

„Erfolgreich initiierte Programme und Projekte zwischen Schulen und Kulturbetrieben, Stiftungen sowie Künstlerinnen und Künstlern standen auf dem Kulturgipfel ebenso im Vordergrund wie die Frage nach neuen Ideen und Kooperationsmöglichkeiten. Hierzu gab es Vorträge, Präsentationen und Mitmachaktionen für Lehrkräfte, Schüler, Kulturschaffende, Behördenvertreter und Interessierte.

Von Kochperformances in der Grundschule bis zum Forschungstheater wurden bereits im Zuge der Eröffnung der Tagung unterschiedlichste Themenbereiche der Zusammenarbeit zwischen Kultur und Schule gestreift, die anschließend bei Kurzpräsentationen, Sofa-Talks, »Speed-Dating«, Filmstationen sowie offenen Diskussionen weiter vertieft werden konnten. Am Abschlusstalk zur zukünftigen Einbettung von kultureller Bildung an Hamburger Schulen nahmen Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, Schulstaatsrat Rainer Schulz, Ansgar Wimmer, Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., Prof. Dr. Anja Dauschek, Altonaer Museum, Liam Zergdjenah, SchülerInnenKammer Hamburg sowie die Kinderbuchautorin Dr. Kirsten Boie teil.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: »Projekte kultureller Bildung und Vermittlung sind für das Lernen so relevant, weil sie einen eigenen – eben künstlerischen – Resonanzraum zu Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts bieten. Das ist für Schülerinnen und Schüler wie auch für die Erwachsenen in gleichem Maße relevant.«

Bildungsstaatsrat Rainer Schulz: »Der Kulturgipfel war ein großer Erfolg und ich freue mich über das enorme Interesse von Seiten der Akteure aus Kultur und Schule. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass wir gemeinsam bei der Entwicklung Kultureller Bildung schon viel erreicht haben. Sie hat aber auch die Chancen und das Potential für die weitere Zusammenarbeit bei der Gestaltung dieses für Schülerinnen und Schüler wichtigen Bildungsbereichs gezeigt. Mein Dank gilt in besonderem Maße den Stiftungen, die den Gipfel gefördert und so engagiert gemeinsam mit uns vorbereitet haben.«

Ansgar Wimmer, Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.: »Der Kulturgipfel fand genau zum richtigen Zeitpunkt statt: Die ersten Erfahrungen des Ganztags weisen den Weg zu einer intensivierten Zusammenarbeit zwischen Schule und Kultur. Hamburger Stiftungen, aber auch Kultureinrichtungen und freie Träger stehen dafür als Kooperationspartner, Ermutigerinnen und zur Unterstützung bereit.«

Der Hamburger Kulturgipfel wurde initiiert von der Behörde für Kultur und Medien, der Behörde für Schule und Berufsbildung und der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur e.V. (LAG) in Kooperation mit der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., der Dürr-Stiftung Hamburg, der Gabriele Fink Stiftung, der BürgerStiftung Hamburg und der Stiftung Mercator. Ihm sollen weitere Veranstaltungen zum Thema folgen.“

Die Dokumentation zur Veranstaltung findet sich hier:

Dokumentation der Gespräche im Rahmen des Sofatalks

Dokumentation des Offenen Diskurses zum Thema »Künstlerische Freiräume in Schulen«

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Kunst nur gegen cash? https://www.tiefgang.net/kunst-nur-gegen-cash/ Sat, 07 Jan 2017 08:00:15 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=380 [...]]]> Seit das Essener Folkwang-Museum seine Pforten für die dauerhafte Ausstellung im Sommer 2015 gänzlich eintrittsfrei öffnete, entbrach nicht nur ein Publikumsansturm. Das hatten viele Museen im unterhaltungsgeschwängerten Multimediazeitalter gar nicht mehr für möglich gehalten: Ein Museum für zeitgenössische Kunst als Hotspot und Frequenzbringer? Quasi Mainstream? Geht das überhaupt? Oder besser noch: darf es das überhaupt?

Es entfachte aufs Neue eine Diskussion, der Kulturinteressierte sich durchaus stellen sollten. Vielleicht sogar müssen. Denn es geht um nichts anderes als eben genau die Wertbestimmung der Museumsinhalte – also um den „Wert der Kultur“ selbst.

Doch eins nach dem anderen. Nach dem Ansturm auf das Essener Museum wurde alsbald und eher rhetorisch gefragt, ob das Essener Folkwang Museum denn überhaupt ein Maßstab in der Museumslandschaft sei oder nicht doch ein spezieller Fall. Und wenn, welcher und für was? Und – klar woraus es letztlich hinauslief – wer solle das alles überhaupt bezahlen? Im Fall des Folkwang-Museum sei es ja die das Museum betreibende Krupp-Stiftung. Und die könne es sich eben leisten.

Ein detaillierter Blick zeigt: so einfach ist es nicht.

Doch bleiben wir zunächst beim Folkwang-Museum. Die Besucherzahlen des Folkwang-Museums hatten sich nach Wegfall des Eintrittspreises binnen einem Jahr verdoppelt. 200%! In Zahlen übrigens ging es offenbar um ziemlich genau 100.000 Menschen. Auch das muss man benennen, denn es ist in etwa die Zahl, die jährlich das Archäologische Museum Hamburg besuchen. Die Kunsthalle Hamburg zählte jährlich drei Mal so viele Menschen – und kostete (fast) immer Eintritt.

Das Wunder von Hamburg

Kostete. Denn dann wurde sie auf Kosten der privaten Geldgeberin Familie Otto von Grund auf saniert. Und es geschah etwas Außergewöhnliches, was aber ebenso zählenswert ist. Denn als Clou zur Wiedereröffnung hatte man sich 2016 entschlossen, einen Monat lang die Türen kostenfrei zu öffnen. Als „Appetizer“ quasi. Und siehe da: vom 30. April bis 31. Mai des Jahres 2016 kamen sage und schreibe 206.588 gezählte Personen. Offiziell eine Steigerung um 600%. (siehe Drucksache 21/6263 Hamburger Bürgerschaft)

Daraufhin fragte die Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Dora Heynn in einer „kleinen Anfrage“ an den Senat, ob dieser sich zwischenzeitlich mal mit der Frage beschäftigt habe, wie der Verzicht auf Eintrittsgelder zu bewerten sei. Und es folgte ein klares „nein“. Plus: „Dazu bestand bisher keine Veranlassung“.

Sollte aber. Denn das Phänomen ist nicht ohne.

In London, Paris und auch anderen europäischen Metropolen und Ländern gibt es das Phänomen schon lange: sowohl des freien Eintritts für Dauerausstellungen als auch des vermehrten Zustroms von Besuchenden.

Derweil werden ähnliche Tests in Frankfurt durchgeführt und der Effekt ist stets dergleiche: die Besucherzahlen schnellen nach oben. Presseberichten zufolge sind es vor allem Schulen und Familien mit Kindern, die sich freuen und davon profitieren. Kein Wunder, denn in vielen Hamburger Museen müssten erst Besuchende ab 18 Jahren Eintritt zahlen. Aber zum einen sind die Preisstrukturen je Museum ein intensiveres Studium wert und Kaffee, Kuchen und Eis sind gewohnheitsgemäß auch immer einzurechnen. Kein Eintritt wäre eine klare Botschaft. Und offenbar ein Schlüssel zur Senkung der Hemmschwelle.

Und die Museumsmacher aus Essen bringen ihre Erfahrungen im Grunde gut auf den Punkt: „Der freie Eintritt wirkt“, freut sich Direktor Tobia Bezzola. „Die kostenfreie Öffnung unserer Sammlung ist ein entscheidender Faktor, um Schwellen abzubauen und immer mehr Menschen für Kunst und Kultur zu begeistern.“

Ein Besucher sagte wohl treffend: „Die Kunst ist so großartig, dafür würden wir auch bezahlen“. (Der Westen, 16.06.2016). Andere nutzen das ruhige Flair offenbar, um mal abseits der Smartphone-Chats und Multimedia-Berieselung zur Ruhe zu kommen. Wieder andere kommen erst so recht auf den Geschmack und nutzen dann auch die kostenpflichtigen Sonderausstellungen. Wäre das dann also das Ende der vermeintlich bildungsfernen Schichten? Denn worum geht es eigentlich bei einem Museum?

Der Begriff Museum ist dem Lateinischen entlehnt und bedeutet im Grunde „Musensitz“ oder „Ort für Kunst und Gelehrsamkeit“. Das ist die wahre Bestimmung eines jeden Museums – eben ganz gleich, ob es das Archäologische, das Hamburgische, Altonaer, Maritime, Schul-, Polizei-, Medizinische, Kinder-Museum oder auch der Arbeit ist. Der Name bestimmt im Grunde den eigentlichen Wert. Eben die Auseinandersetzung mit unserem archäologischen, hamburgischen etc. Erbe, Brauchtum und so fort. Nur gemessen wird dieser Wert daran nicht.

Bemessen wird vielmehr, woher die Besucher stammen (sie kennen das mit der Frage nach der Postleitzahl, die ja immerhin der Musiker „Der Weiherer“ zu einem Song verführte mit der Postleitzahl von Brunsbüttel … ? Seither sind Brunsbütteler vermeintlich allerorts vertreten.) Und wer hätte es gedacht? Ein  Großteil all unserer Museumsbesucher in Hamburg stammt aus Hamburg. Aber gut, dass man das besser nochmal prüft.

Mehr Besucher – weniger Zuschuss

Und es wird ebenso genau gelistet und inventarisiert, wieviele Zuschüsse geflossen sind (2015 z.B. 15 Mio Euro für die Hamburger Kunsthalle, kein Euro aber für das Schul-, Polizei- oder medizinische Museum). Und weil es vermutlich so schön ist, öffentliche Zuschüsse (für öffentliche Aufgaben – siehe Begriffsbestimmung „Ort für Kunst und Gelehrsamkeit“) als milde Gabe regierender Politik feiern zu lassen, wird natürlich auch nachgehalten, wieviel Zuschuss dann je Besucher geflossen ist: im Jahr 2015 für die Kunsthalle Hamburg 34,49 € je Besucher, Museum für Kunst und Gewerbe 31,79€, Völkerkun-demuseum 45,74€. Klingt viel, nicht wahr?

Aber drehen wir es mal um: je mehr Besucher, je geringer der Zuschuss. Gingen also letztlich 600% mehr Besucher in dem Monat freien Eintritts in die Kunsthalle, wäre der Zuschuss durchschnittlich auf ein Sechstel reduziert – als etwa bei 5,75 €. Das wäre doch ein Jubel wert. Mehr Bildung für mehr Leute bei geringeren Pro-Kopf-Kosten.

Und noch viel wichtiger: die Kosten reduzieren sich um ein Vielschichtiges: Mehrwertsteuer entgeht dem Fiskus eh nicht, denn – auch mal wissenswert! – sie wird für Museen eben wegen ihres Bildungsauftrages explizit gar nicht erst erhoben – auch nicht vermindert. Hier also ein Nullsummenspiel. Der Gesetzgeber für Steuern scheint hier also weiter zu sein und weiß um den Bildungsauftrag.

Es müssten aber auch keine Eintrittskarten gedruckt, verteilt und gezählt werden. Keine Kasse, keine Buchhaltung für Bargeld (außer im Accessoireshop, der übrigens auch schon von der Mehrwertsteuer befreit ist), keine komplizierte und teils entwürdigende Differenzierung nach Erwachsen, Kind, Behindert, Sozialleistungen empfangend etc. Kein Bildungsgutschein, Schulklassenanmeldung. Eintritt eben einfach frei.

Nun gut, bliebe noch manche Befürchtung, das ein oder andere Museum sei dem Ansturm räumlich nicht gewachsen. Dem könnte man nachgehen. Aber auch ein Parkhaus – ohne Personal geführt – soll das ja bereits meistern können.

Aber auch all das beschreibt den „Wert“ dieser Kultur nicht wirklich umfänglich. Es wäre wieder nur ein Abheben auf Besucherzahlen. Fast wie eine Rechtfertigung für die Existenz eines Museums.

Aber WAS ist denn dort in den Museen zu erleben? Und siehe da! Natürlich gibt es auch hier Zahlen: nämlich über das Vermögen an „Sammlungsgegenständen“ im jeweiligen Museum – in Euro bemessen. Ganz wie man es in einem bilanzierenden Unternehmen zu erwarten hätte. Und siehe da, was wir an Werten haben! Und diese werden nur wenigen Eintrittszahlenden vorhalten. Die Kunsthalle Hamburg alleine zählt ein Sammlungsvermögen in Höhe von über 2o Mio. Euro! Das Museum für Kunst und Gewerbe sogar über 21.Mio. Euro!

Und nun mal zusammengerechnet: im Jahr 2015 waren in der Kunsthalle, im Museum für Kunst und Gewerbe, im Völkerkundemuseum, dem Hamburger und Altoaner wie dem Museum der Arbeit insgesamt und exakt 1.031.846 Besucher, die sich gegen Eintritt ein Sammlungsvermögen im Wert von insgesamt und exakt 46.406.631 Euro ansahen. 1 Mio Besucher sehen sich also 46 Mio Wert an Kunst und Kultur an. Lassen wir da nicht vielen vieles entgehen? Oder anders herum gefragt: können und wollen wir uns leisten, solche Schätze dem breiten Volk vorzuenthalten? Man sollte zumindest auch darüber reden.

 

(06. Jan 2017, HL)

 

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