Harald Finke https://www.tiefgang.net Thu, 04 Aug 2022 10:45:48 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 SuedArt´22: die Kunst des Südens https://www.tiefgang.net/suedart22-die-kunst-des-suedens/ Fri, 05 Aug 2022 22:04:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9246 [...]]]> Am Wochenende vom 19. bis 21. August wird die Friedrich-Ebert-Halle in Hamburg-Heimfeld zur Kunstarena. Denn dann lädt die Kunstleihe Harburg zur großen SuedArt22,bei der weit mehr als nur Kunst zu sehen ist.

Weit über 30 Künstler*innen und Kunstgruppen insbesondere aus dem Süden Hamburgs zeigen dann in den großen Foyers der Friedrich-Ebert-Halle aktuelle Arbeiten und laden zur Betrachtung aber auch zum Gespräch ein. In den Vorräumen der Balkone gibt es zudem  Installationen etwa aus Draht und Videoanimation, die wie ein Hologramm und mit musikalischer Umrandung ein längeres Betrachten und Verweilen ermöglicht. Im Souterrain wiederum findet sich eine Neuauflage des Harburger Kunstsalons, in dem verschiedene Gespräche vor allem mit Vertreter*innen von Harburger Kunstorten unterhaltsam aber eben auch informativ Einblicke in die Ausstellungsarbeit, ihre Entstehungsgeschichten und Urheber geben. Und: am Samstag (21.8.) wird es zum Abend auch noch musikalisch!
Also alles ist bereitet, um Harburgs Kunstszene in all ihren Facetten kennen und schätzen zu lernen! Die Leiterin des Projekts SuedArt22, die Künstlerin Antje C. Gerdts aus Moorburg: „Nachdem es im letzten Jahr beim SuedKulturSommer 2021 auf dem Schwarzenberg ein erstes Harburger Kunstfest gab, war allen Beteiligten schnell klar: das wollen wir am liebsten jedes Jahr!“ Vergangenes Jahr wurde es im Rahmen des pandemiebedingten Open-Air-Sommers mit zehn Zelten und täglich wechselnden Künstler*innen aufgesetzt und präsentierte gleich mehr als 60 Künstler*innen und Kunstgruppen. In der Innenwirkung war es wie ein befreiendes ´Klassentreffen` und verdeutlichte zugleich nach Außen die Vielfalt, Größe und Stärke, die die Harburger Kunstszene mittlerweile hat. „Dank einer Unterstützung durch das Bundesförderprogramm „Neustart Kultur“ überlegten wir im Kunstleihe-Team, ein ähnliches Kunstspektakel dieses Jahr lieber als Indoor-Event umzusetzen. Dabei war es gar nicht so einfach, entsprechend große Räume in Harburg ausfindig zu machen, die der Kunstszene einen angemessenen Platz geben. Zum Glück fanden wir ein Zeitfenster in der Friedrich-Ebert-Halle.“

Die Friedrich-Ebert-Halle als eigens 1930 fertiggestellter Konzertsaal für über 1.200 bestuhlte Plätze verfügt eben auch über zwei große Foyers vor dem eigentlichen Konzertsaal, die zudem über einen recht breiten und angerundeten Zwischengang miteinander verbunden sind. „Da der Bau aus der architektonischen Glanzzeit der Bauhaus-Schule stammt, ist allein das eine Betrachtung wert“, so Antje Gerdts. „Alles ist hell und Licht durchflutet, weiträumig und einladend, so dass alle Künstler*innen ausreichend Platz finden, um ihre Arbeiten adäquat ausstellen zu können. Und im Souterrain, wo einst die Kantine und Gastronomie der Pausen unterkam, bietet ein eigener Raum Platz und auch Ruhe für Petra Hagedorns Kunstsalon-Gespräche.“ Dort wird es dann zu festen Zeiten um Hintergründe des Kunstvereins Harburger Bahnhof, seine aktuellen und kommenden Ausstellungen und Künstler*innen gehen, um die Falckenberg-Sammlung, den nun schon 19 Jahre zelebrierten Harburger Kulturtag und auch den Harburger Kunstpfad sowie auch den Verein „Künstler zu Gast in Harburg“ und seinen aktuellen Stipendiaten Peter Busch aus Leipzig. Und auch zum Konzept der Harburger Open-Air-Galerie „walls can dance“ und weiteren Ideen des initiierenden „urban art instituts“ können sich Interessierte informierten lassen.

Die Liste der Künstler*innen selbst ist beträchtlich und ihre Arbeiten in Breite, Vielfalt und Aspekten schier unermesslich. Zu den Künstlern gehören Namen wie Thomas „Behri“ Behrens, Annette v. Borstel, Sven Brauer, Sanna Duschek, Harald Finke, Jens Förster, Inge Förtsch, Antje Gerdts, Irmgard Gottschlich, Sigrid Gruber, Petra Hagedorn, Ulrike Heimers-Dahm, Angelika Keusch-Wannags, Yvonne Lautenschläger, Peter Leibrock, Karl-Heinz Maukel, Werner Jarmatz, Jan Ratschat, Thomas Timm, Barbara Kathrin Möbius, Ralf Schwinge, Peter Busch (Künstler zu Gast in Harburg), Matthias Engelmann, Waldemar Sulewski, Jürgen Weber oder Gabriele Wendland. Unter den Kunstgruppen mit vielen weiteren Künstler*innen Alles wird Schön, das Habibi Atelier, Künstler zu Gast in Harburg oder die Kunstgruppe des Studiengangs e.a.s.t. der Medical School Hamburg und die Kunstgruppe WattenbergART.

Auch von der ukrainischen Künstlerin Paula Lytovchenko sind Werke zu sehen …

Unter den Namen findet sich auch Paula Lytovchenko aus der Ukraine. Sie lebt und arbeitet in Kiew, studierte dort Kunst und Architektur und ist seit den 90er Jahren als freischaffende Künstlerin tätig. Sie verfolgt in ihren Monotypien den Stil des Impressionismus, mal realistisch, mal nostalgisch. Reisen führten sie in die USA, Schweden, Frankreich, Italien, die Niederlande und auch Deutschland, wo sie auch ausstellte. Ihre bevorzugten Materialien sind Öl, Papier, Stift und Glas. Durch die Fortführung des impressionistischen Stils wirken ihre Arbeit vertraut, überraschen aber zugleich durch Unerwartetes. Die SuedArt22 wird ihr Platz geben, auch trotz des Krieges als Künstlerin tätig zu sein und ausstellen zu können.

„Kunst ist alltäglich“, so Sabine Schnell vom Vorstand der Kunstleihe Harburg. „Und als wir als Projekt des Netzwerkes SuedKultur die Kunstleihe als Artothek der vor allem Harburger Kunst 2019 auf den Weg brachten, ging es uns ja vor allem darum, diese auch in den Alltag
zu integrieren und sichtbar zu machen. Und nun hängen eben permanent mehr als 100 Werke in diversen Wohnungen, Praxen, Büros oder gar in einem Kiosk!“ Und Antje Gerdts ergänzt: “Mit der SuedArt wollen wir als Jahresevent dies nun verfestigen und ausbauen. Das  Rahmenprogramm, zu dem auch vor und nach der SuedArt unsere Führungen „Kunst vor Ort“ in eben die Harburger Kunstorte zählen wie auch der Kunstsalon eignen sich ideal, um mehr über Harburgs starke Kunstszene zu erfahren, neugierig zu sein und zu bleiben und zu begreifen, dass Kunst nicht etwas für das vermögende Establishment ist. Der Zuspruch zeigt und belegt ja: Kunst geht viele an und Kunst bewegt, ohne sich vereinnahmen lassen zu müssen. Da ist ein Event wie die SuedArt im Grunde nur die logische Konsequenz!“
Ein weiteres Highlight findet sich darüber hinaus am Samstag, 20. Aug, ab 17 Uhr mit dem Heimfelder Konzert „klangfarben“. Da stößt die im Nebengebäude untergekommene akademie für musik und kultur zur SuedArt und lädt zum Wandelkonzert. Dabei werden verschiedene Musiker*innen inmitten der ausgestellten Kunst musizieren und Klänge produzieren. Klar, auch „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky wird zu hören sein. Anke und David Dieterle von der Akademie: „Wir freuen uns über das SuedArt22 Kunstfest. Da wir eh seit geraumer Zeit mit unseren ´Heimfeld Konzerten` auch unsererseits einen musikalischen Beitrag zum Kulturleben im Süden einbringen, bot es sich hier ja ganz besonders an mit ´klangfarben` noch einen musikalischen Kunstbeitrag einzubringen. Es wird für uns aber vor allem die Besuchenden am 20. August spannend werden, wie sehr Musik und Kunst ganz neuen Ausdrucksformen hervorbringen!“
Absolutes I-Tüpfchen des Ganzen: der Eintritt ist frei, ganz nach dem Motto „Spendet, was es euch wert ist“, so Antje Gerdts.

Das gesamte Programm vom SuedArt-Fest aber auch den Führungen rund herum sowie über die Künstler*innen findet sich auf www.sued-art.de, wo auch das Programmheft zum Download zu finden ist.

 

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Die Kunstleihe ist wieder da! https://www.tiefgang.net/die-kunstleihe-ist-wieder-da/ Mon, 05 Jul 2021 15:12:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8182 [...]]]> Die Corona-Beschränkungen machten es auch dem Team der Harburger Kunstleihe schwer. Doch nun ist die Kunst wieder da! Donnerstag geht´s los!

Kaum hatte die Kunstleihe im Januar 2020 die neuen Räume in der Heimfelder Meyerstr. 26 bezogen, kam die Pandemie und ließ frisch anberaumte Angebote für Kunstkurse und Neugierige brach liegen. Einen Schutzschirm gab und gibt es für so kleine Kunstvereine nicht, also hieß es durchhalten.

In der Kunstleihe können gut 250 Werke lokaler zeitgenössischer Künstler*innen für 6,- € im Vierteljahr geliehen werden und ermöglichen so eine niedrigschwellige aber auch persönliche Auseinandersetzung mit Kunst.

Jetzt werden Kontakte wieder möglich und die Räume werden ab kommenden Donnerstag (8. Juli) wieder geöffnet. Das Team hat nämlich personell Zuwachs bekommen. Anabell Fuchs startete zum Juli ihren Bundesfreiwilligendienst in der Kunstleihe und wird die unentgeltlich Ehrenamtlichen unterstützen.

Geöffnet für Interessierte als auch die Kunstleihe-„Stammkunden“ ist nun wieder donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 12 bis 18h.

Interessierte, die künftig lokale, zeitgenössische Kunst für Zuhause, das homeoffice, das Büro, die Praxis oder Kanzlei leihen möchten, sollten zur Registrierung ihren Personalausweis sowie 12,- € Anmeldegebühr mitbringen.

Anabell Fuchs wird in den nächsten Monaten die Kunstleihe auch bei der Einbindung neuer Künstler*innen und ihrer Werke helfen sowie für mögliche neue Kursangebote. „Die sind gefragt aber auch nötig, um die Mietkosten reinzubekommen“, so Fuchs.

Und sie ist auch schon tatkräftig eingebunden in das kommende 1. Harburger Kunstfest. Das kommt im Rahmen des Harburger SuedKulturSommers und wird vom 3. bis 8. August auf dem Schwarzenbergplatz gegenüber der Technischen Universität eine Woche lang Kunstgruppen wie Alles wird schön, das Habibi Atelier, wattenbergART oder die Kunstkarawane ebenso vorstellen wie gut 50 Einzelkünstler*innen mit aktuellen Arbeiten. Darunter Petra Hagedorn, Waldemar Sulewski, Jürgen Weber, Andrea Rausch, Harald Finke oder Yvonne Lautenschläger. In der Woche bleibt die Kunstleihe in der Meyerstraße dann noch mal geschlossen.

Weitere Infos unter: www.kunstleihe-harburg.de

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Harburgs digitales Kunstgedächtnis https://www.tiefgang.net/harburgs-digitales-kunstgedaechtnis/ Fri, 24 Jul 2020 22:50:01 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7105 [...]]]> Die Kunstleihe Harburg e.V. hat in seinem gerade mal anderthalbjährigen Bestehen lokale Kunst für viele einfach zugänglich gemacht. Zu dem analogen Erlebnis kommt nun – ganz corona-like – das digitale hinzu: die eigene website ist nun online.

Die Kunstleihe Harburg, in der seit Anfang 2019 zeitgenössische lokale Kunst aus Harburg für 3 Monate und für nur 6 € für Zuhause, das Büro oder homeoffice leihbar ist, hat jetzt ihr neues Webportal online gestellt:  www.kunstleihe-harburg.de

War bisher nur ein Werksverzeichnis über die Initiativseite SuedKultur verfügbar, hat der mittlerweile eigenständige und als gemeinnützig anerkannte Verein Kunstleihe Hamburg e.V.  nun ein umfassendes digitales Portal ins Leben gerufen. Dort sind nicht nur die rund 200 Werke von Künstler*innen wie Petra Hagedorn, Anke de Vries, Yvonne Lautenschläger oder Harald Finke zu sehen. Sie können auch dort schon reserviert werden. Aber mehr noch: Maße, Techniken und Materialien finden sich und es sollen auch noch Angaben zu den biografischen Daten ergänzt werden. Dabei dient das Portal aber nicht nur dem Kunstinteressierten als Werksverzeichnis, sondern es ist über Schnittstellen mit dem Museumsportal der Museumsgenossenschaft digicult (www.museen-sh.de) verbunden. Digicult mit Sitz in Kiel wurde gegründet, um Museumsbestände nach und nach zu digitalisieren und so nicht nur hinsichtlich ihrer Herkunft verfügbar zu halten sondern auch für die Nachwelt zumindest in digitaler Form zu erhalten und sichtbar zu machen. „Das Prinzip hat uns von Beginn an gut gefallen, obwohl wir ja kein Museum sind. Aber durch diese technische Möglichkeit können auch wir auf lange Sicht die aktuelle Kunst Harburgs ins digitale Gedächtnis bringen und sichtbar machen. So sind Werke von verstorbenen Harburger Künstler*innen wie Margrit Rohmann, Theo Stenzel oder Klaus W. Mitransky erfasst und geben Einblick in ihr Schaffen. Dadurch, dass diese Kunst zudem durch die Ausleihe in viele private Haushalte kommt, bleibt die Kunst aktuell“, so Sabine Schnell vom Team der Kunstleihe.

Das wäre dem unentgeltlich ehrenamtlich arbeitenden Verein aus sich selbst heraus nicht möglich gewesen, wohl aber durch die Mitgliedschaft im Artothekenverband Schleswig-Holsteins, der sich nun auf Schleswig-Holstein/Hamburg erweitert hat.

„Die mittlerweile gut 70 Dauerleihenden, die je 2-3 Werke alle Vierteljahr wechseln und so gesamt über 100 Werke aktiv nutzen, beweisen uns, wie groß das Interesse an aktueller Kunst im Bezirk ist“, so Schnell. „Da unser Bestand nun schon binnen kurzer Zeit auf gut 200 Werke angewachsen ist, sind wir froh, diesen Schritt frühzeitig angedacht und umgesetzt zu haben. Denn ältere Artotheken (wie andernorts Kunstleihen seit den 80er Jahren meist bezeichnet werden) arbeiten noch mit Karteikarten und die riesigen Bestände später digital zu erfassen, wird zunehmend schwerer, zeitintensiver und so auch kostspieliger.“ Und auch das Harburger Kunstleihe-Team hatte dafür schon viel Zeit investieren müssen. Die Werke zu fotografieren, mit Inventarnummer, Werksname, Technik, Maßen oder Jahrgang zu versehen, wegen der Urheberrechte mit einem Wasserzeichen zu schützen, in der Datenbank der digicult-Genossenschaft einzupflegen und von dort wieder zur neuen Website zu importieren, kostete viel Zeit und auch Geld.

„Jetzt aber haben wir erst mal die aktuellen Werke erfasst und neu hinzukommende sind dann immer mal wieder einzufügen“, so Sabine Schnell, die als selbständige Grafikerin dies auch nur schaffen konnte, weil aufgrund der Corona-Pandemie derzeit Aufträge  im eigentlichen Broterwerb brach liegen. „Wir hatten für die Programmierung als auch Erfassung der Werke bei verschiedenen Stellen um Zuschüsse gebeten. Aber bei uns entstand der Eindruck, dass zwar alle von Digitalisierung reden, aber kaum wissen, was es wirklich damit auf sich hat“.

Neben dem Werksverzeichnis findet der Portalsbesucher aber auch Kursangebote aus dem Kunstbereich als auch kommende und aktuelle Ausstellungen lokaler Künstler*innen oder Ausstellungsorte wie dem Kunstverein Bahnhof Harburg. Und ein „Blog“ wird künftig nicht nur über die hintergründige Arbeit des Kunstleihe Teams informieren sondern etwa auch Erfahrungsberichte von Kunstleihenden abbilden. „Es ist nämlich schon interessant, wie unterschiedlich die Kunst auf die Menschen wirkt. Ist es bei dem einen passend zum Sofa, ist es für andere die intensive Faszination von Motiven, Techniken oder Farben. So unterschiedlich die künstlerischen Ansätze als auch Künstler*innen selbst sind, so divers ist es auch bei den Betrachtenden“, resümiert Sabine Schnell. Dies wird der Blog mit Erfahrungsberichten künftig auch dokumentieren.

Ebenso hat sich derweil eine künstlerische Gruppe aus der „Kunstklink Eppendorf“ (vormals „Kulturhaus Eppendorf“) gemeldet. Auch die will dem Beispiel Harburgs folgen und eine Kunstleihe mit den örtlichen Künstler*innen eben Eppendorfs noch dieses Jahr auf den Weg bringen. „Wir haben Ihnen nicht nur unsere gesammelten Erfahrungen zur Verfügung gestellt sondern auch über das Portal berichtet. So wie es aussieht, werden sie es auch für sich nutzen, so dass Hamburg dann eine Kunstleihe mit 2 Standorten und wohl mehr als 300 Werken lokaler Künstler*innen online findet. Damit gehen wir einen großen Schritt weiter, die lokale Kunst aus der 2. und 3. Reihe und im Schatten der Prominenz sichtbar und wahrnehmbar zu machen.“

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Kraftvolle Kunst-Präsenz https://www.tiefgang.net/kraftvolle-kunst-praesenz/ Fri, 06 Sep 2019 22:29:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5733 [...]]]> Die Kunstszene Harburgs ist vielfältig und breit. Dies zeigte sie nun einmal mehr – aber in Buxtehude.

Harburg Kunstleihe ist noch jung, da sie erst Anfang diesen Jahres als eine Artothek ins Leben gerufen wurde. Doch sie machte es nicht nur erstmals in Hamburg möglich, für wenig Geld zeitgenössische lokale Kunst für Zuhause, das Büro oder die Praxis leihen zu können, sondern vernetzte auch die Harburger Künstlerinnen und Künstler auf neue Art und Weise.

Bei 3. Buxtehuder Kunstfest präsentierte sich nun der Kunstzirkel erstmals an einem gemeinsamen Stand und offenbarte die Stärke ihrer Vielfalt. Direkt neben dem Alten Rathaus Buxtehudes, in dem die städtische Buxtehuder Artothek gerade ihr 35jähriges Bestehen feiert, zeigten 15 Künstlerinnen und Künstler aus Harburg ihre Positionen der Kunst. Zu sehen farbstarke Landschaftsbilder von Christine Waldbüßer oder Jan Ratschat, digitale Fotoarbeiten von Petra Hagedorn oder Philipp Meuser, Acrylarbeiten von Anne Flad, Yvonne Lautenschläger oder Gabriele Wendtland oder auch Zeichnungen von Irmgard Gottschlich oder Pflanzenarbeiten von Antje C. Gerdts oder Harald Finke und viele andere mehr. Beide Festtage waren  trotz der Hitze sehr gut besucht und viele Gäste waren überrascht von der beeindruckenden Vielfalt aus der Nachbarschaft.

Aufgebaut: der Stand der Harburger Kunstgruppe (Foto: Sonja Alphonso)

„Der Buxtehuder Artothek sind wir sehr verbunden  und es war uns eine Freude, in direkter Nachbarschaft mit einem Stand neben dem Alten Rathaus auch die Harburger Kunstszene zeigen zu können“, so Sabine Schnell vom Kunstzirkel der SuedKultur. „Manche Buxtehuder waren überrascht, dass Hamburg erst jetzt – 35 Jahre später – eine Kunstleihe etabliert. Auf der anderen Seite war es für viele Harburger Künstler beeindruckend, die Buxtehuder Artothek mit ihrer Vielfalt und doch jung gebliebenen Kunst erstmals zu besuchen. Und auch der Austausch mit anderen Kunstschaffenden auf dem Fest hat alle Seiten bereichert“, so Schnell weiter.

Sonja Alphonso, die ebenfalls  am Stand der Initiative SuedKultur beteiligt war: „Man merkt dem Buxtehuder Kunstfest an, dass der Cheforganisator Sven Brauer selbst Künstler ist. Das Fest ist mit viel Umsicht und Charme entwickelt und somit vorbildlich, wie man zeitgenössische Kunst einer breiten Öffentlichkeit nahe bringt.“ Als Zeichen der Verbundenheit kündigte der Leiter des Buxtehuder Kunstfestes, Sven Brauer, dem SuedKultur-Team an, in Kürze selbst der Harburger Kunstleihe einen Besuch abzustatten und auch ein eigenes Werk zur Ausliehe mitzubringen.

Nach dem künstlerischen „Ausflug“ will das Kunst-Team der SuedKultur sich nun aber wieder voll auf die Kunstleihe Harburgs konzentrieren. Dort sind derweil mehr als 40 Werke an diverse Haushalte und Büros verliehen und so wird es Zeit die Sammlung wieder „aufzufüllen“. Einige Drucke, die aus einer privaten Sammlung überlassen wurden, sind frisch gerahmt. Die Kunstinitiative der Technischen Uni Hamburg will einige ihrer Bestandswerke über die Kunstleihe einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen und auch das Fernsehen hat sich angekündigt, um in Kürze einen filmischen Bericht über die Tätigkeit der Harburger Kunstleihe zu machen. Es ist also viel zu tun.

Wer Interesse hat, kann die rund 150 Werke umfassende Ausstellung der Kunstleihe jeden Sonntag von 12-17h in der ehemaligen Filiale der Sparkasse Harburg-Buxtehude, Eißendorfer Straße 124 besuchen. Dort stehen dann auch meist Kaffee, Kuchen oder ein Glas Sekt bereit und laden zum Austausch.

Wer ein Werk leihen möchte, tut dies für 3 Monate und für 6,- € Leihgebühr. Ein Personalausweis sollte unbedingt mitgebracht werden.

Just Anfang dieser Woche besuchte das NDR-Fernsehen die Harburger Kunstleihe für das Hamburg Journal:

Weiterführende Links: www.sued-kultur.de/kunstleihe; facebook.com/KunstleiheHarburg; instagram.com/kunstleihe

 

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Harburger Kunst goes Buxtehude https://www.tiefgang.net/harburger-kunst-goes-buxtehude/ Fri, 09 Aug 2019 22:44:32 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5585 [...]]]> Am Wochenende (24./25. August) wird zum dritten Mal die Buxtehuder Innenstadt zur Kunstmeile. Und eine Gruppe Künstler*innen aus Harburg sind dabei.

Es war einfach mal eine Idee, die aber so gut einschlug, dass sie nun bereits zum dritten Mal in Folge umgesetzt wird. Am letzten August-Wochenende präsentieren sich wieder 30 Stände mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern beim Buxtehuder Kunstfest. Buxtehude wird an dem Wochenende zwischen dem Historischem Rathaus und dem Ostfleth zur einzigen Kunstmeile.

Wie erfolgreich so ein Konzept aufgeht, zeigt, dass es in diesem Jahr mehr Bewerbungen für die Pavillons gab, als Plätze zu vergeben waren. Eine vierköpfige Fachjury hat lokale wie europäische Künstlerinnen und Künstler ausgewählt und setzt dabei auf eine Mischung aus bekannten Ausstellenden und denjenigen, die sich an den zwei Tagen zum ersten Mal in Buxtehude präsentieren möchten. Ein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf Zeichnungen und Illustrationen. Auch digitale Kunst wird zu entdecken sein, erklärt Künstler und Mitorganisator Sven Brauer. Aus seiner Feder stammt erneut das Veranstaltungsplakat, das, wie im Urban Sketching üblich, mit Fineliner und Aquarell gezeichnet wurde.

„Wir wollen Kunst niedrigschwellig präsentieren und dabei für eine lauschige, familiäre Atmosphäre in der Stadt sorgen“, so Torsten Lange, Fachgruppenleiter Kultur, Tourismus und Marketing der Hansestadt Buxtehude. Deshalb habe man sich in diesem Jahr gegen die große Bühne und lieber für kleinere Podeste für das abwechslungsreiche Rahmenprogramm in der Fußgängerzone entschieden.

Und auch etliche Künstler*innen rund um die zu Jahresbeginn gegründete „Kunstleihe Harburg“ – derweil als Projekt in einen Verein überführt – nehmen erstmals kollektiv teil. Denn die Kunstleihe, die jeden Sonntag im Nachbarschaftstreff Eißendorfer Straße 124 von 12-17 Uhr nicht nur rund 150 Werke vorwiegend lokaler Künstler*innen ausstellt sondern bei Interesse auch für kleines Geld verleiht, ist zugleich ein eigenes Netzwerk der lokalen Kunst geworden. „Und dies ist erstmals die Idee, mal zusammen eine Ausstellung zu organisieren und solidarische Präsenz zu zeigen“, so Sabine Schnell von der Kunstleihe Harburg. „Es ist eine Menge Arbeit für ein*e einzelne*n Künstler*in, an solchen Kunstevents teilzunehmen: es braucht ein Vielzahl an Werken, Organisation, Eigenvermarktung, Transport und natürlich die Präsenz vor Ort. Das ist nicht jedem gegeben und nicht regelmäßig übers Jahr zu schaffen“, ergänzt sie. Da macht es Sinn, als Kollektiv aufzutreten und einen Stand für alle zu belegen.

„Und dem Buxtehuder Kunstfest merkt man an, dass es mit Liebe und Leidenschaft konzipiert ist. Da findet sich ebenso eine Gemeinsamkeit wie auch Buxtehude stolz auf seine jetzt 35jährige Artothek sein kann. Da sind wir die greenhorns und den Kunstverleihern. Und Frau Wiegel von der Buxtehuder Artothek hatte uns im Vorfeld gute Tipps gegeben und auch Mut gemacht. Auch das verbindet uns mit Buxtehude!“

Das Gute an der gemeinsamen Ausstellung der Harburger*innen in Buxtehude ist aber auch, dass die Betrachter eine recht gute Auswahl an verschiedenen Werken, Techniken und Ansätzen vorfinden. Und dort können sie eben mal nicht geliehen sondern auch gekauft werden. Unter den Künstler*innen finden sich unter anderen Anne Flad, Jürgen Havlik, Irmgard Gottschlich, Antje Gerdts, Harald Finke, Jan Ratschat, Christine Waldbüßer, Sabine Schnell oder auch Gabriele Wendland. Der Stand/Pavillon des Kunstteams Harburg wird an beiden Tagen direkt neben dem Alten Rathaus Buxtehude zu besuchen sein, in dem auch die Buxtehuder Artothek geöffnet  haben wird.

Also, für Kunstinteressierte mehr als ein Grund, sich mal nach Buxtehude aufzumachen. An dem Sonntag, 25. August, bleibt dann allerdings die Kunstleihe in Harburg geschlossen …

Beim Kunstfest ist auch die Buxtehuder Artothek im Historischen Rathaus geöffnet. Also eine Chance, sich anzuschauen, was eine gestandene Artothek an Kunst so im Bestand hat.

Ein weiteres Highlight des Buxtehuder Kunstfestes ist die Kinderkulturkarawane „Sosolya Undugu Dance Academy“. Sie tritt am Samstag 25. August, um 14.30 Uhr und am Sonntag, 25. August, um 11.30 Uhr auf dem Rathausmarkt auf. Das Projekt ist Teil der „Undugu -Bewegung“, die mittels Musik und Tanz für Respekt und Verständnis zwischen den verschiedenen Stammeskulturen in dem afrikanischen Land einsetzt. Im Brückenschlag zwischen Künsten, Traditionen und Bräuchen thematisiert die „Sosolya Undugu Dance Academy“ z.B. brisante Rituale wie die Genitalverstümmelung in Uganda und fordert zum gesellschaftlichen Umdenken auf.
Für die musikalische Unterhaltung sorgen außerdem die  Straßenmusikbank FREAKAZ und Max Kratz mit seiner Violine.
Musikalisch geht es auch nach dem Kunstgenuss weiter. Dann lädt das Stadtjugendorchester Buxtehude am Samstag, 24. August von 17 – 19 Uhr in den Buxtehuder Stadtpark zum Picknickkonzert. Mit selbstmitgebrachtem Picknickkorb oder mit einer von dem Stadtjugendorchester gefüllten Picknicktasche für 18 Euro, der Lunch-Bag für zwei für 13 Euro oder der Single-Bag für acht Euro, die vor Ort erhältlich sind, können Besucherinnen und Besucher den Nachmittag auf einer Decke bei moderner Blasmusik ausklingen lassen.

Für das leibliche Wohl der angereisten Künstlerinnen und Künstler ist Mitorganisator Olaf Iwersen von der Rösterei am Fleth an beiden Kunstfesttagen zwischen Fleth und Rathaus mit seinem Bollerwagen unterwegs. Seine Rösterei lädt an beiden Tagen zum Kaffeegenuss ein.

Im Marschtorzwinger werden Zeichnungen, Bilder, Objekte von Jürgen K.F. Rohde gezeigt. Die Ausstellung unter dem Titel „sowohl – als – auch“ ist vom 20. August bis zum 29. September zu sehen. Der Künstler, dem anlässlich seines 80. Geburtstag in diesem Jahr, diese Retrospektive gewidmet ist, wird während des Kunstfestes an beiden Tagen jeweils von 15 – 17 Uhr persönlich im Marschtorzwinger anwesend sein.

Das 3. Buxtehuder Kunstfest findet am Samstag, 24. August, von 11 – 18 Uhr und am Sonntag, 25. August, von 11 – 17 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

Weiterführende Links:

www.buxtehude-kunstfest.de; www.sued-kultur.de/kunstleihe; www.facebook.com/KunstleiheHarburg; www.instagram.com/kunstleihe

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Stroh zu Gold https://www.tiefgang.net/stroh-zu-gold/ Fri, 02 Aug 2019 22:06:56 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5578 [...]]]> Um Kunst zu verstehen, muss man sie zunächst einmal zulassen. Dann aber bietet sie einem neue Welten. So bald auch in einer Ausstellung der Künstlerin Irmgard Gottschlich in Heimfeld.

Für Irmgard Gottschlich  ist das Zeichnen von Beginn ihrer künstlerischen Tätigkeit an die Sprache, mit  der sie sich am unmittelbarsten ausdrücken kann. Anfangs klassisch auf Papier wurden später andere Materialien zu Trägern der Zeichnung wie etwa große Tücher und Matratzen. Die  Zeichnungen auf Papier, gerahmt und ungerahmt wurden Teile von größeren Rauminstallationen.

In der Heimfelder Galerie „Alles wird schön“ sind Farbstiftzeichnungen mit freien figurativen Formen zu sehen, die ganz klassisch gerahmt an die Wand gehängt werden. Thematisch geht es um das Verhältnis von Mensch zu Tier und Natur und oft im Zusammenhang mit Märchen und Mythen oder den sogenannten ´stummen Zeugen der Archäologie`. In der Nähe der ecriture automatique angesiedelt, ist für Irmgard Gottschlich das Zeichnen ein intuitives automatisches Hinschreiben. Erst im laufenden Prozess wird es langsam eine Art Erkennen, das dann ermöglicht, was vorher unbekannt war. Dazu bezieht sie sich gerne auf den Maler und Kunsttheoretiker Willi Baumeisters und sein Werk und seine Aussage in „das Unbekannte in der Kunst“: „Auch der tätige Künstler selbst erfährt neue Werte“. Umgekehrt kann sich aber für sie auch im Betrachtungsvorgang durch den Rezipienten eine derartige Erfahrung einstellen. So können die abgebildeten Figuren – für das allgemeine Bewusstsein oft nicht zusammengehörende Dinge –   durch ihre Interaktion mit anderen eine über sie hinausgehende Erweiterung anbieten.

Neben Arbeiten auf Papier sind in der Ausstellung in Heimfeld auch zwei große mit Farbstift bezeichnete Tücher zu sehen. Auch hier geht es um ein fast automatisches An- und Übereinander–Zeichnen von Pflanze,  Tier, Mensch und Formen.

Auf einer Art Labor-Tisch sind Skizzen, Überarbeitungen, Texte zu den verschiedensten thematischen Überlegungen und dem prozesshaften Suchen nach möglichen Lösungsansätzen zu sehen.

Der Titel der Ausstellung STROH ZU GOLD ist an das Märchen „Rumpelstilzchen“ angelehnt und weist auf Gottschlichs Grundkonzept des künstlerischen Handelns hin:  das Positive betonen und nicht das Negative illustrieren.

Irmgard Gottschlich  wohnt und arbeitet mit ihrem Mann und ebenfalls Künstler Harald Finke in Rehlingen, im Süden Hamburgs. Sie wurde 1939 in Hamburg geboren und studierte in den 70er Jahren Malerei und Grafik in Hamburg. Seither hat sie bundesweit ausgestellt und an Ausstellungen mitgewirkt in Hamburg, Mannheim, Lübeck, Magdeburg oder Essen und auch als Jurorin und Kuratorin gewirkt.

Über sich selbst und den künstlerischen Impuls sagte sie in einem Interview in ´Tiefgang` (Juni 2017): „Mein Leben ist eigentlich ganz normal verlaufen – Kindheit, Ehe, Kinder. Irgendwann habe ich gemerkt, dass unsere normalen gesellschaftlichen Bedingungen und Regeln nicht mit mir übereinstimmen.“

Zur Eröffnung am Freitag, 16.August um 19h wird die Ausstellung von Alles-wird-schön-Hausherr Jürgen Havlik eröffnet und zum künstlerischen Schaffen spricht niemand Geringeres als Kulturmanager und künstlerischer Leiter des Speichers am Kaufhauskanal, Henry C. Brinker.

Die Ausstellung selbst ist dann bis zum 30. August zu sehen. Dienstags bis freitags zwischen  14-18 Uhr und samstags von 16 bis 18 Uhr. Ort: Alles wird schön e.V., Friedrich-Naumann-Straße 27, 21075 Hamburg, www.alles-wird-schoen-e-v.de

Website: www.irmgardgottschlich.de

Publikationen: irmgardgottschlich.de/Kuenstlerbuecher

Zwei Werke Gottschlichs sind auch in der Kunstleihe Harburg zu sehen und verfügbar, jeweils sonntags 12-17h, im Nachbarschaftstreff Eißendorfer Straße 124, 21073 Hamburg, www.sued-kultur.de/kunstleihe.

 

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Interaktivitäten https://www.tiefgang.net/interaktivitaeten/ Fri, 06 Jul 2018 22:33:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3867 [...]]]> In den Räumen des Kulturvereins Alles wird schön e. V. wurden bei der Vernissage zur Ausstellung „Dialog… Zeichnungen“ die Resultate eines interaktiven Konzeptes besichtigt und besprochen. Harald Finke erläuterte den Prozess …

Ein Prozess, bei dem Künstler abwechselnd an einem Werk arbeiteten und worin die Herausforderung bei einem solchen Dialog mit anderen Mitteln als der Sprache besteht. Die Parallele zur verbalen Kommunikation: die Auseinandersetzung mit dem Ansatz des Gegenübers. Zuhören, sich einlassen auf die Sicht einer anderen Person, anknüpfen an neue Bedingungen. Das hat eine Konfrontation mit den eigenen Vorstellungen und dem Umgang mit fremden Einflüssen zur Folge. Ein spannender Prozess, an dessen Ende die Abbildungen vielschichtiger Kooperationen stehen. Aktiv beteiligt an dem Kunstprojekt waren Harald A. Finke, Irmgard Gottschlich, Jürgen Havlik, Peter N. Heikenwälder, Claudia Hoffmann, Carl-Walter Kottnik, Daniela Köster, Michael Schmidt und Antje Schönau.

Zwischen den Künstlern und Besuchern fand am Abend der Ausstellungseröffnung ein reger Austausch statt. Die Bilder hängen noch bis zum 20. Juli in der Friedrich-Naumann-Str. 27 in 21075 HH-Heimfeld.

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Hallo Harald,

gerade schreibe ich etwas über die Ausstellung und möchte das Thema Dialog direkt aufgreifen, um mit dir durch mehrtägigen Schriftwechsel ins Gespräch zu kommen.

Dieses Interview soll sich an den Ansatz des Konzeptes anlehnen.

Lass´ uns per Mail in einen Dialog treten, eigene Akzente setzen und Bezug zueinander nehmen. Ich bin neugierig sowohl auf streitbare Auseinandersetzung als auch Konsens.

Vielleicht können wir parallel dazu an einem digitalen Bild arbeiten… (du zuerst)

 

Meine Einleitung:

Wenn ich es richtig verstanden habe, bist du der Initiator des Projektes – oder täusche ich mich aufgrund deiner persönlichen Präsenz – oder liegt das an meiner Wahrnehmung?

Man spricht manchmal davon, dass jemand ein Macher ist. Wie siehst du dich selber in dieser Hinsicht?

Mir stellt sich am Rande die Frage, wo die Linie zwischen Selbstwirksamkeit und Dominanz verläuft?

 

Wenn du Interesse an diesem Dialog hast, lass´ uns diese Mail hin und her schicken.

Viele Grüße, Sonja

 

Liebe Sonja,
erst einmal Danke für das Interesse und Deinen Vorschlag so ein elektrisches Interview zu machen, um parallel dazu auch noch den Versuch der dialogischen Zeichnung zu unternehmen. Prima, finde ich sehr schön. Machen wir.
Liebe Grüße, Harald

(Anm.: Er hat seine Antworten direkt hinter meine Fragen gesetzt)

Wenn ich es richtig verstanden habe, bist du der Initiator des Projektes – oder täusche ich mich aufgrund deiner persönlichen Präsenz – oder liegt das an meiner Wahrnehmung?

Deine Annahme ist richtig. Ich bin der Initiator der Ausstellung „Dialog-Zeichnungen“. Da ich seit sehr langer Zeit am Dialogmotiv arbeite – 1976 fand eine erste Ausstellung in der Arbeitsgalerie vor Ort in Hamburg statt und hatte den Titel „Monologmotiv, Dialogmotiv“ als Gegenüberstellung. Dort wurden schon Dialogzeichnungen ausgestellt, die vor Ort während der Ausstellung entstanden.

Man spricht manchmal davon, dass jemand ein Macher ist. Wie siehst du dich selber in dieser Hinsicht?

Gegen den Begriff ist nichts einzuwenden, wenn vom Umsetzen einer Idee die Sprache ist. Ich würde sagen, eine Idee zu haben und sie dann auch möglichst vernünftig umzusetzen, ist schon eins meiner Prinzipien.

Mir stellt sich am Rande die Frage, wo die Linie zwischen Selbstwirksamkeit und Dominanz verläuft?

Das bekomme ich schwer zusammen. Den Begriff Selbstwirksamkeit habe ich noch nie bewusst gelesen oder benutzt. Stell mir darunter eine Art hermetisches Perpetuum mobile vor.
Andererseits ist das ja, wenn das hier kein Intelligenztest sein soll, eine Frage in Richtung – ist nicht Alles irgendwie letztendlich selbstwirksam? vom Elementarteilchen bis hin zum ganzen Universum? Keine Ahnung, muss ich länger drüber nachdenken. Dominanz ist dagegen einfach. Der Begriff war immer im Zusammenhang mit der Dialogmotivarbeit ein wichtiger Faktor, der mir sehr bewusst war und den ich zu umgehen versuchte. „Mit dialogischen Zeichenformen entwickle ich so etwas wie ein dialogisches Prinzip. Dem anderen wird nichts vorgemacht. Er kann gleichermaßen wie ich wirken und seine Phantasie, seine Erlebnisse und seine Fähigkeiten in die Zeichnung miteinbringen. Nur so kann das Motiv des Dialogs, nämlich sich dem anderen mitzuteilen, mit ihm zu teilen, auch wirklich zum Tragen kommen. Denn das macht den Hauptteil meines Kunstbegriffs aus, da für mich das Kunstwerk Zeichen für Verständigungswunsch ist – und dieses Zeichen kann ich nicht einseitig meinen… „ schrieb ich 1982 unter dem Titel „Dialogmotiv – Dialogversuch“ in einem ausführlicheren Artikel in den Züricher  Kunst Nachrichten.

Fein, gleich zu Anfang muss ich mich neu ausrichten, denn ich habe offenbar gleich drei Ansätze gehabt, auf die du eingegangen bist.

Ich werde mir vor allem deine letzte Antwort durch den Kopf gehen lassen und dann wieder schreiben.

Bildnerisch habe ich schon mal weiterentwickelt.

Mal sehen, wie sich das Interview später am besten abbilden lässt…

Du hörst/liest von mir.

Bis dann, Grüße Sonja

 

hallo sonja, hier der nächste schritt. lgh

(in den Anhängen findet der zeichnerische Dialog statt)

Damit das Gespräch beim Nachlesen flüssiger wird, werde ich bei der Fortsetzung auf die Ansprache verzichten und direkt in den Dialog gehen. Würde vorschlagen, du handhabst das genauso.

Den Begriff Selbstwirksamkeit habe ich im Sinne von Handlungsspielraum gemeint.

Gut, das verstehe ich. Handlungsspielraum ist natürlich leichter in der Anwendung.

Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass ich selber mitgestalten kann, wenn ich mich aktiv einbringe, als in Passivität verharre. Eigene Impulse setzen und sich Freiraum schaffen, führt zu mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Wenn man dabei die Grenzen anderer nicht respektiert, kann der gute Ansatz kippen.

Wenn wir jetzt wieder vom Dialogischen sprechen, dann kann eine gewisse Passivität jedoch auch zur Empathie führen, die bei einem wirklich funktionierenden dialogischen Austausch von großer Wichtigkeit ist. Denn Aktivität in Richtung Assoziation zu entwickeln während das Gegenüber spricht, ist nicht unbedingt zuträglich. Wichtig ist der tatsächliche Einfühlungsversuch in das, was das Gegenüber äußert. Erst wenn verstanden wird, was gegenüber geäußert wird, kann geantwortet werden mit dem, was verstanden wurde und daraus im Zuhörer sich entwickelt (hat) – vielleicht an neuen Grundsatzfragen oder auch Ideen. Die eigenständigen Impulse sind sicherlich Teil der Entfaltungsmöglichkeit. Ja.

Du erklärst, dass du dir des Dominanzfaktors bewusst bist und ihn mit dem Dialogprinzip zu umgehen versuchst. Dem anderen würde nichts vorgemacht… Diesen letzten Satz verstehe ich nicht. Alles andere ist klar – und es spricht mich an.

Genau, Respekt ist für mich in diesem Zusammenhang gesehen, der Dialogversuch – soll heißen, das Sichzurücknehmen und wirklich zuhören.
Also jemandem-nichts-vormachen ist natürlich ein wenig aus der Luft gegriffen. Steckt eine Menge an Frust und Bedenken dahinter. Damit sind die frühen Erfahrungen gemeint, die man so macht, wenn man Bilder, Skulpturen, Installationen hervorbringt und zu spüren bekommt, dass die Bildsprache doch etwas zu verquer aus dem Wirren des eigenen Inneren herauskommt und das Monologmotiv der Werke auf Dauer einem zu wenig zu sein scheint. Da kommt man auf die Idee, den passiven Dialog zwischen Rezipienten und dem Bild an der Wand, in einen aktiven zu verwandeln. Heißt, der Rezipient wird gefragt, ob er sich vorstellen kann, in einen direkten und aktiven Dialog zu treten beim Bildherstellen. Vielleicht gibt es da bei Dir ja schon erste Einsichten durch unser Tätigwerden im dialogischen Zeichnen?

Ich persönlich finde dieses Zusammenwirken ganz großartig. Vor allem das Bildnerische ist sehr anregend!

Den schriftsprachlichen Austausch finde ich auch interessant, aber es ist die größere Herausforderung. Ähnlich wie in einem Gespräch kommen Aspekte auf, auf die sich die jeweils andere Person beziehen möchte. Das hat oft zur Folge, dass man den anderen entweder unterbricht oder vergisst, was man beisteuern wollte.

Dadurch, dass du deine Bemerkungen in meinen Text einschiebst, bleibt für mich zwar der Bezug sichtbar, aber für einen potentiellen Leser gerät mein Text etwas aus den Fugen.

Denn es fehlt daraufhin der Bezug zu deiner Anmerkung. Verstehst du, was ich meine?

Zu dumm, jetzt bringe ich dich bestimmt erneut in Versuchung, auf das oben Geschriebene zu reagieren, dabei wollte ich eigentlich noch etwas anderes ansprechen… Aber weißt du was? Ich lasse das jetzt und versuche stattdessen, mir den Punkt zu merken (nochmal auf die Entwicklung hin zum Dialogischen zu sprechen zu kommen).

versteh nur ansatzweise was Du andeuten willst.

Phase zwei: Reduktion

Nach dem Motto „weniger ist mehr“ für mehr Wechselwirkung in Theorie und Praxis.

okay – was soll oder was kann ich jetzt tun? außer in Versuchung zu kommen zu antworten?

Sollst du.

Ich selber will nicht immer so viel vom Stapel lassen (nehme manchmal durchaus viel Raum ein).

Durch Reduktion ist mehr Dialog im Sinne von Hin und Her möglich.

Ich hänge in diese Mail mal ein paar Fragen rein, die du vielleicht für ein Interview mit TIEFGANG beantworten magst.

Wollen wir unser Bild so lassen oder kommt da noch was von dir?

Die Fragen

Worum ging es dir bei dem Kunstprojekt?

Übergeordnet  ist das Dialogische das Ziel. Heißt, mich interessiert was Menschen im bildnerischen Bereich hervorbringen, wenn sie  dazu angeregt werden, miteinander austauschend zu zeichnen oder zu malen.

Würdest du sagen, es ist eher ergebnis- oder prozessorientiert?

Das Ergebnis ist natürlich wichtig bei diesem Projekt, nur ist der Prozess, die jeweilige Phase der Zusammenarbeit, das Antworten auf das soeben Erhaltene, das Verschicken an die Partnerin, den Partner,  das alles scheint fast wichtiger, denn der Prozess lässt im Detail ja erst das Dialogische erleben.

Wie kam es konkret zu den Kooperationen, d. h. an welche Personen hast du dich gewendet und was waren Kriterien dabei?

Mir war es von Anfang an nicht spannend genug monologisch Bilder herzustellen und anschließend die Betrachter mit ihnen allein zu lassen, so dass sie sozusagen einen passiven Dialog mit dem Werk beginnen mussten, wenn sie sich darauf einließen.
Mich interessierte mehr ein aktiver Dialog des Rezipienten oder Besuchers und kam dann ganz einfach auf die Idee, in einem leeren Galerieraum doch die Ausstellung mit den Besuchern selbst herzustellen. Das heißt, ich überzeugte die Besucher, dass sie selbst Kunst machen können. Das geschah damals 1976 das erste Mal.

Ich erinnere mich an eine Aussage, die du während der Vernissage zitiertest, man müsse im Dialog sein Selbst töten… Kannst du das noch einmal erläutern?

Ja, das stammt von Dieter Brüll aus „Der Anthroposophische Sozialimpuls“. Dort beschreibt er unter anderem den idealen Dialog und skizziert dabei ein Bild, das den Zuhörer sich soweit zurücknehmen lässt und sein inneres Gerede und Assoziieren einfach auszusetzen, damit er wirklich und tatsächlich geöffnet ist für das, was sein Gesprächspartner momentan äußert. Er versucht eine größtmögliche Einfühlsamkeit zu entwickeln.

Menschen verspüren meiner Erfahrung nach oft den Drang, sich mitzuteilen und überfahren dabei durchaus andere mit dem eigenen Ego. Statt echtem Austausch wird das Gegenüber dann leider zum Stichwortgeber, damit jemand seine Vorstellung durchzusetzen versucht. Was denkst du, ist der Grund dafür, dass es uns scheinbar schwer fällt, wirklich aufeinander einzugehen?

Wie schon angedeutet, das Sichzurücknehmen ist schwierig. Doch wenn man es schafft seinen inneren Dauerdialog einmal abzutöten und dem Gegenüber einmal wirklich zuzuhören, dann merkt man schon was alles anderes passiert.

Als wir unser kleines Experiment machten und im Sinne des dialogischen Austauschs ein Bild hin und her schickten, fand ich das ausgesprochen anregend. Dabei reflektierte ich auch mein eigenes Verhalten in diesem Zusammenhang.

Ist es aus deiner Sicht eine Frage des Intro- bzw. Extrovertiertseins, ob Menschen sich profilieren wollen?

Das ist eine sehr weitreichende Frage. Es läuft eigentlich immer auf dieselben Themen hinaus: Verständigungsversuch, Dialogversuch. Um ursprüngliche Formen zu betrachten, die nicht so dekadent wie unsere gesellschaftlichen Strukturen daherkommen, muss man immer wieder zu den indigenen Völkern schauen, denn dort sieht man die reineren Formen. Da geht es vornehmlich um gemeinschaftliches Vorgehen und das keineswegs unbewusst oder dumpf vor sich hin vegetierend, sondern dort ist eine Kreativität zu entdecken, von der wir uns schöne Scheiben abschneiden könnten. Begriffe wie Intro- oder Extrovertiertsein haben die garnicht in ihrem Wortschatz und brauchen sie auch nicht.

Je mehr Raum ich einnehme, desto schwieriger wird es für andere, sich einzubringen. Ist es also eine Frage der Disziplin, sich nicht zu viel herauszunehmen? Oder ist jeder Mensch selbst dafür verantwortlich, sich Freiheit einzuräumen?

Kunst muss auch Sichzurücknehmen sein, damit der andere geben kann – irgendwie ein Ausspruch, den ich vor Jahrzehnten wichtig fand und auch heute noch.

Ich bin überzeugt, guter Austausch lebt von der Balance zwischen Aktion und Resonanz. Wenn ich es richtig erinnere, ging deinem „Dialog Zeichnungen“ etwas voraus, was du als Künstler als Monolog empfunden/ bezeichnet hast.

Nachdem ich dieses neue Konzept kennenlernen durfte, bin ich überzeugt davon, dass es großes Potential für intensive Begegnung hat, mit sich selbst und anderen. Ich bedanke mich für die Erfahrung und dieses Interview!

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Keep cool im Großstadtpfuhl https://www.tiefgang.net/keep-cool-im-grossstadtpfuhl/ Sat, 17 Jun 2017 06:00:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1327 [...]]]> Die Großstadt bietet alles was das Herz begehrt – nur Ruhe eher selten. Ausgerechnet ein „Refugium“ in Airbus-Nähe soll dies nun ändern …

Wer wünscht es sich nicht? Alle Vorteile einer Metropole mit Einkauf-, Kultur-, Freizeit- und Sport-Angeboten noch und nöcher und am Besten alles direkt vor der eigenen Haustür.  Dumm nur, wenn diese viele andere Menschen auch nutzen und es zu Staus, Gedrängel, Lärm und Hektik kommt. Aber passt das Idyll des ruhigen Dorfs mit der Metropole zusammen? Stadtplaner, Umwelt-, Kulturaktivist und SuedKulturler Mathias Lintl sagt ja.

Seine Planung: das „Refugium für urban gestresste Menschen“. Ort: leerstehende Häuser in der Hasselwerderstraße 146 & 147 in Neuenfelde. Plan: der Prototyp des urbanen Dorfes von Morgen.

Und er- und geforscht hat er auch schon. Dafür gibt es den Verein „Stadtkultur Hafen e.V.“.

Von März bis August 2016 hat dieser zusammen mit dem „Büro für Kunst Bauen Stadtentwicklung üNN“ (üNN steht für die maritime Abkürzung „ über NormalNull“) auf eigene Initiative die zwei Häuser in der Hasselwerder Straße in Neuenfelde ausgiebig erkundet. Es handelte sich um gut 120 Jahre alte Häuser, die seit einem Jahrzehnt aufgrund der Airbus Landebahnverlängerung leer standen. Und Leerstand interessierte Mathias Lintl schon immer. Insbesondere die Eigenarten der Häuser, die Baussubstanz und der hübsch verwilderte Garten galt es zu erkunden.

Gedacht, geforscht, gefeiert

Es wurde gedacht, geforscht, diskutiert, gefeiert und sich mit Menschen aus Neuenfelde und Hamburg Gedanken gemacht, ob dieser Ort das Zeug hat, Heimat für ein „Refugium für urban gestresste Menschen“ zu werden.  Die Forschungsthemen klangen verrückt, brachten aber Erstaunliches zutage: Der Musiker und Künstler Harald Finke zum Beispiel ließ im Sommer 2016 „Pflanzenmusik“ im Rahmen des jährlichen stadtweiten Musikfestivals „blurred edges“ erklingen. Musiker und Pflanzen jammten zusammen. Alte Tapeten wurden ebenso erforscht, wie die Brauchbarkeit alter Hammond-Orgeln oder eines Bäckerei-Ofens.

 

Klingt abstrus? Von wegen. Philip Gaedke, Designer und Inhaber von Gaedke Tapeten, wurde gleich neugierig: „Eine wahre Fundgrube sind diese leeren Häuser in Bezug auf Geschmack und Einrichtungs-Stile vergangener Zeiten. Von besonderem Interesse natürlich die alten Tapeten“, heißt es auf seiner website, auf der er auch Überreste diverser Tapetenmuster aus Neuenfelde zeigt und als neu gestaltet Tapeten auch zum Kauf anbietet.  „Unabhängig davon, ob die Muster gefallen oder nicht, wurde hier im ersten Schritt eine kleine Dokumentation des Bestands erstellt.  Als kleine Fingerübung werden einige Muster nachgebildet, variiert und dienen dann auch als Inspiration für Neues.“

Rarität: Tapete im Bauhausstil. (Foto: Gaedke)

Das Konzept fruchtet also und stößt auf Nährboden. Mathias Lintl: „Schnell wurde klar: Wir müssen weiter, komplexer und größer denken.“

Und so könnte es vor allem ein Rückzugsort für Kreative werden. Lintl: „Viele Hamburger schätzen die Stadt als Lebens- und Wohnort. Doch oft vermissen sie Rückzugs- und Erholungsorte, an denen sie frei von Konsumzwang sich entspannen und Kraft tanken können. Da geht es Künstler*innen und Kulturschaffenden nicht anders als allen Anderen.“

Neue Art Lebenskultur

Daraus entstanden ist nunmehr ein Konzept, das die beiden Häuser als Kern hat, aber auch das Ganze mitdenkt. Ob Nahversorgung & Mobilität, Fahrradtourismus & Hostel, Backkultur & lokale Ökonomie, Wasservitalisierung & Gemeinschaftsgärten, Abriss & Neubau….

Ziel soll es nun sein an die SAGA als Hauseigentümerin zu treten, um zu sehen, ob man den vorübergehend „evakuierten“ Zustand nicht neu beleben kann und ohne Neubau eine neue Art der Lebenskultur etabliert. Urban gestresste Menschen sollten zumindest zu diesem Aspekt hell wach bleiben.

Weitere Infos unter:

refugium-neuenfelde.de

(13. Jun. 2017, hl)

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Zu Tisch bei Irmgard Gottschlich https://www.tiefgang.net/zu-tisch-bei-irmgard-gottschlich/ Sat, 03 Jun 2017 06:00:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1219 [...]]]> Sonja Alphonso stellte kürzlich auf ´Tiefgang` Ideen und Köpfe der ´HeideKultour` vor und stieß dort auf ein besonderes künstlerisches Fundstück: den Tisch. Und Irmgard Gottschlich.

Irmgard Gottschlich begegnete ich das erste Mal im Heimfelder Kulturverein „alles wird schön“ anlässlich einer Finissage von ihrem Mann Harald Finke. Ich unterhielt mich angeregt mit beiden und besuchte das Künstlerehepaar auch einmal in ihrem Haus in Rehlingen.

Über sie erfuhr ich von der HeideKultour, ein temporäres Kunstevent in 3 Landkreisen und nahm daraufhin Kontakt zum Vorstandsmitglied von Heidekultour e.V. Florence Romberg auf, um auf diese Veranstaltungsreihe aufmerksam zu machen.

Irmgard Gottschlich hat sich in mehrfacher Hinsicht für die HeideKultour engagiert. Sie unterstützte beispielsweise die Öffentlichkeitsarbeit mit Pressemitteilungen und zum anderen initiierte sie „Kunst in Kulturstätten“ im Rahmen der HeideKultour.

 Der Tisch als Kulturgegenstand

Mit ihrer eigenen Installation „ErdbeerHochzeit“ hatte sie im Großen Saal der Villa Breiding ein besonderes Tischtuch aufgelegt und Gedecke aus Materialien zusammengestellt, die den Besuchern über die Schärfung des Bewusstseins für unsere Ernährung auch geistige Nahrung boten. Das Menü bestand aus gehaltvollen Mehrdeutigkeiten, die zum Nachdenken anregten.

Welches Verhältnis der Mensch zur Natur hat bzw. dieses verliert, ist das Grundthema der Künstlerin. Sie nähert sich einer Vereinigung von sinnlicher Wahrnehmung und geistiger Erkenntnis durch den Einsatz mythischer Bilderzählungen, zu denen der Betrachter einen assoziativen Zugang finden kann.

Die Installation sollte zudem an die Tradition der Besprechungen des Soltauer Unternehmens Röders erinnern und jenen Tisch ins Zentrum stellen, an dem der Rat der Familie Röders sich austauschte. Die „Erdbeerhochzeit“ bot nun Anlass zu ganz anderen Tischgesprächen. Über die Symbolik der Zeichnungen und Gegenstände, die Irmgard Gottschlich als Sinnbilder einsetzte, wurde der Tisch und seine vielfältige Nutzung als Kulturgegenstand aller Zeiten und Gesellschaftsstrukturen betont.

Weitere Werke gab es natürlich bei ihr zuhause zu sehen. Und im Austausch mit dieser klugen Frau vergeht die Zeit wie im Fluge.

 

Irmgard Gottschlich (Foto: H. Finke)

Tiefgang (TG): Irmgard, du hast künstlerische Themen, die sich viel mit den kulturellen Aspekten des Matriarchats beschäftigen und in starkem Kontrast zu den herrschenden patriarchalischen Strukturen stehen. Woher rührt dieses starke Interesse?

Irmgard Gottschlich: Mein Leben ist eigentlich ganz normal verlaufen – Kindheit, Ehe, Kinder. Irgendwann habe ich gemerkt, dass unsere normalen gesellschaftlichen Bedingungen und Regeln nicht mit mir übereinstimmen. Ich entdeckte Literatur über wissenschaftliche Frauenforschung und lernte die matriarchalen Kulturen kennen. Diese Gesellschaften lebten im Einklang mit der Natur hierarchielos mit allem, was ist und geschieht. Nichts war voneinander getrennt. Ich verstand mein Unbehagen und vor allen richtete ich es nicht mehr gegen mich selbst.

TG: Ich könnte mir vorstellen, dass du mit deinen radikalen – im Sinne von ursprünglich – Gedanken auch auf Widerstand oder Unverständnis stößt in einer Gesellschaft, die noch überwiegend von Männern dominiert wird. Wie gehst du mit Kritik um?

Irmgard Gottschlich: Ich verstehe Kritik nicht als Angriff, sondern als Chance, einerseits meine eigenen Überlegungen zu überprüfen, andererseits in diesem Fall als Unverständnis dessen, um was es geht. Unsere ganzen Probleme haben ihre Wurzeln im Patriarchat, das heisst in ausschließlich politischer und ökologischer Sicht auf unsere Wertesysteme. Es fehlt der Aspekt der Spiritualität.

TG: Würdest du dich als Frauenrechtlerin bezeichnen oder geht es dir vielmehr um ein tieferes Selbstverständnis?

Irmgard Gottschlich: Der Begriff Frauenrechtlerin gefällt mir nicht. Eher bin ich den verschiedensten Definitionen des Feminismus nah, am ehesten dem spirituellen Feminismus, der die alten mutterrechtlichen Kulturen nicht einfach weglässt aus unserer Geschichtsschreibung.

TG: Welche Emotionen kommen in deinen Werken zum Ausdruck? Verarbeitest du Trauer, Wut und Hoffnung in Bezug auf den IST-Zustand oder haben deine Bilder visionären Charakter?

Die ´Erdbeer-Hochzeit` in blau (Foto: H. Finke)

Irmgard Gottschlich: Der emotionale Antrieb meiner Arbeit ist Freude über das Erkannte und visionär Antrieb und berechtigte Hoffnung auf die Möglichkeit vieles umzusetzen, was gut ist für uns Menschen.

TG: Was würdest du als deine größte Stärke ansehen? Und gibt es auch etwas, womit du haderst und mit dir ins Gericht gehst?

Irmgard Gottschlich: Mittlerweile ist es mir möglich, wirkliche Probleme von den alltäglichen überflüssigen Scheinproblemen zu trennen.

Es fällt mit nicht immer leicht, Konflikte auszuhalten, ihnen nicht aus dem Wege zu gehen, ein Verhalten patriarchaischer Konditionierung besonders als weiblicher Mensch.

TG: Welcher Künstler hat dich in deinem Leben nachhaltig beeindruckt?

Irmgard Gottschlich: Joseph Beuys, der interdisziplinär arbeitete. Judy Chicago, die matriarchale Systeme und Arbeitsweisen einbezog.

TG: Liebe Irmgard, vielen Dank für dieses Interview.

Zur Website von Irmgard Gottschlich:irmgardgottschlich.de

(29. Mai 2017, das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso)

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