Heiko Langanke – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Mon, 27 Oct 2025 09:05:23 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Harburg zum Entdecken und Verschenken https://www.tiefgang.net/harburg-zum-entdecken-und-verschenken/ Fri, 24 Oct 2025 22:08:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12746 [...]]]> Autorin Bärbel Wegner präsentierte diese Woche in der Harburger Bücherhalle ihr neuestes Werk: „Harburg. Das Buch.“ Kein trockenes Geschichtsbuch sondern Leidenschaft zum Leben südlich der Elbe.

Das Buch ist ein Muss für alle, die das Gefühl lieben, durch die eigene Stadt zu streifen und hinter jeder Ecke eine neue Geschichte zu entdecken. Die Autorin Bärbel „Bascha“ Wegner, die selbst im Landkreis Harburg lebt und tief in der lokalen Materie verwurzelt ist, schreibt unter anderem für die Harburger Eisenbahnbaugenossenschaft und hat nun zusammen mit dem gebürtigen Harburger Fotografen Steven Haberland ein echtes Entdeckerbuch geschaffen. Der Tenor ist dabei klar: „Vielfalt und Kontraste liegen in der Stadt und dem Bezirk südlich der Elbe eng beieinander.“

Und das spürt man auf jeder Seite! Das Buch ist kein pflichtschuldiges Abbild mit dem typischerweise gezeigten Rathaus oder der Alten Elbbrücke. Ausgerechnet die findet man hier nicht. Wohl aber eine energische Einladung zum Schlendern und Entdecken. Und mit absolut ästethischen Fotos von Steven Haberland. Es führt zu den Anfängen im Binnenhafen, zeigt uns, wie Harburg wohnt und speist, und wirft einen intimen Blick auf die Menschen und ihre Netzwerke, die diesen Ort bunt und lebenswert machen. Hier geht es um Kultur und Natur, um Orte für Kinder und Orte des Wissens, um die vielfältigen Projekte und Initiativen in der Region Süderelbe.

Und die Gliederungen sind gelungen: Wir tauchen ein in das „Engagierte Harburg“, sehen das pulsierende „Junge Harburg“ und genießen das „Gastliche Harburg“. Die Reise führt weiter zum „Kulturellen Harburg“, dem „Klugen Harburg“, dem „Grünen Harburg“ und endet beim „Gebauten Harburg“.

Der Satz „Adressiert ist dieses Buch an alle, die ebenfalls neugierig sind auf die Vielfalt Harburgs“ fasst es im Grunde zusammen. Es ist ein erzählerisches Zeitdokument, das nicht vollständig sein will, sondern ehrlich, ästhetisch hochwertig und menschlich.

Ein ideales Geschenk

Gerade jetzt, mit Blick auf die kommenden Feiertage, ist „Harburg. Das Buch“ ein guter Griff. Es ist das ideale Geschenk zur Weihnachtszeit für alle Harburg-Liebhaber*innen und vor allem für Neuzugezogene, die sich schnell und emotional in ihrer neuen Heimat verwurzeln wollen.

Bärbel Wegner: Harburg. Das Buch. Stadt, Kultur und Natur, Junius Verlag, ISBN 978-3-96060-594-2, Preis 24,90 €

Erhältlich ist dieses Schmuckstück unter anderem in der Buchhandlung am Sand oder in Neugraben – unterstützen Sie den lokalen Buchhandel!

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Ein Kühne(r) Plan https://www.tiefgang.net/ein-kuehner-plan/ Fri, 14 Feb 2025 23:36:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11494 [...]]]> Was erst wie eine absurde Idee klang (Sommer 2022) wurde erschreckend konkret. Kühne hat seine persönliche Idee einer neuen Hamburger Oper bis Anfang Februar 2025 bis zur Unterschriftsreife gebracht. Wir sollten reden …

In Hamburg ist eine öffentliche Debatte über den geplanten Neubau einer Staatsoper in der Hafencity entbrannt. Zu Recht.

Denn öffentlich ist ja erst jetzt, nicht dass eine Oper gedacht wird, sondern der Plan in fester Vertragsform steht. Die Vereinbarung besteht zwischen der Stadt Hamburg und der Michael Kühne Stiftung. Eine Beteiligung der Stadt-Bevölkerung gab es nicht. Diese Debatte ist vielschichtig und wirft eine Reihe von Fragen auf, die sowohl die kulturelle Bedeutung eines solchen Projekts als auch die Rolle und Geschichte des Unternehmens Kühne & Nagel betreffen. Wir fangen mal an, einen Überblick zu verschaffen.

Anfang Juni 2022 veröffentlichte das Hamburger Abendblatt einen Gastbeitrag des Vorstandsvorsitzenden der hiesigen Alfred-Toepfer-Stiftung, Anasgar Wimmer, und leitete diesen mit den Worten ein: „Braucht Hamburg einen Opern-Neubau? Und wenn ja – wie, wo und wer soll ihn bezahlen? Der Vorschlag des Logistik-Milliardärs Klaus-Michael Kühne – nach einer ursprünglichen Idee des Generalmusikdirektors Kent Nagano, aber erweitert um den Vorschlag des Abrisses des bestehenden Gebäudes – stieß in den vergangenen Tagen auf reichlich Kritik und wenig Zustimmung.“ (Abendblatt, 01. Juni 2022) 

Der Gastbeitrag der besonders im Kulturbereich hoch geschätzten Toepfer-Stiftung fasste gleich zu Beginn zusammen: „Klaus-Michael Kühnes Vorschlag, der Hamburgischen Staatsoper an der Dammtorstraße zu Leibe zu rücken, um nicht nur dem Operngesang in der HafenCity ein Denkmal zu setzen, ist originell – und sollte von der Politik dieser Stadt höflich, aber zügig zur Seite gelegt werden.“

Genau das aber passierte nicht. Es gab aber auch keine öffentlichen Diskussionen oder Beteiligungsformate. Immer wieder sickerte mal durch Recherche hartnäckiger Journalist*innen durch, dass Kultursenator Brosda und Klaus-Michael Kühne offenbar weiter planten. Und auf einmal sollte am Montag (3. Feb. 2025) gar die notarielle Beglaubigung der Opern-Idee erfolgen. Die aber – und das führte zum Eklat – sagte ausgerechnet Kühne ab mit der offiziellen Verkündung: „Bei der Endfassung des komplizierten Vertragswerks zwischen der Stadt Hamburg und meiner Kühne-Stiftung sind noch offene Fragen aufgetaucht, sodass weitere Gespräche folgen müssen“, sagte Klaus-Michael Kühne auf Abendblatt-Anfrage. „Die Kühne-Stiftung bekennt sich nach wie vor zu ihrem Projekt, allerdings muss die Aufteilung der wirtschaftlichen Belastungen und Risiken aus unserer Sicht überdacht werden. Dies wird mit der Stadt erörtert.““

Befürworter des Neubaus betonen nun die Notwendigkeit, Hamburg als Kulturstadt weiter zu stärken und ein architektonisch herausragendes Gebäude zu schaffen, das der Bedeutung der Hamburgischen Staatsoper gerecht wird. Sie argumentieren, dass der Neubau die Möglichkeit bietet, modernste technische und künstlerische Standards zu realisieren und die Oper für ein breiteres Publikum zu öffnen. Insbesondere Kultursenator Brosda führt ins Feld, dass der jetzige Standort in absehbarer Zeit saniert werden muss. Die Sanierung aber müsste unter den Bedingungen des bestehenden Denkmalschutzes erfolgen, so dass neue Ideen und Nutzbarkeiten kaum möglich seien.

Kritiker hingegen bemängeln vor allem die Kosten des Projekts und die Prioritätensetzung in einer Zeit, in der andere Bereiche der Kultur und sozialen Dienste unterfinanziert sind. Sie kritisieren außerdem die Rolle der Michael Kühne Stiftung und die damit verbundene Einflussnahme auf die Stadt. Aber auch der Standort stieß auf Kritik. Denn: Der Baakenhafen war in Deutschland die zentrale logistische Drehscheibe des Genozids, von dem 95% aller deutschen Soldaten in den Krieg fuhren.

Der Historiker und Kolonialismusforscher Prof. Dr. Jürgen Zimmerer hat sich immer wieder kritisch zum geplanten Neubau der Staatsoper in Hamburg geäußert. Seine Kritik zielt vor allem auf die Rolle der Michael Kühne Stiftung als Hauptsponsor und die damit verbundene Frage der „moralischen Patenschaft“ für ein solches Prestigeprojekt. Zusammengefasst lassen sich Zimmerers Kritikpunkte vielleicht wie folgt darstellen:

  1. Koloniale Verstrickungen der Familie Kühne: Zimmerer weist auf die Rolle der Familie Kühne während der Kolonialzeit hin, insbesondere auf die Verstrickungen von August Kühne, dem Mitbegründer des Unternehmens Kühne & Nagel, in den Kolonialhandel und die Ausbeutung kolonialer Ressourcen. Er argumentiert, dass die Stiftung, die den Namen der Familie trägt, sich ihrer historischen Verantwortung stellen und eine aktive Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit betreiben müsse.
  2. Mangelnde Transparenz und Aufarbeitung: Zimmerer kritisiert die mangelnde Transparenz in Bezug auf die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit der Familie Kühne und des Unternehmens Kühne & Nagel. Er fordert eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Rolle des Unternehmens im Kolonialismus sowie eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen.
  3. Symbolische Bedeutung des Opernhauses: Zimmerer betont die symbolische Bedeutung eines solchen Prestigeprojekts und die Frage, welche Werte und Repräsentationen durch die Wahl des Sponsors vermittelt werden. Er argumentiert, dass die Stadt Hamburg mit der Annahme der Spende der Kühne-Stiftung eine Mitverantwortung für die Vergangenheit des Unternehmens übernimmt und sich damit potenziell mit kolonialen Unrechtskontexten identifiziert.

Ein Interview mit Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, in dem er seine Kritik am Opernneubau und der Rolle der Kühne-Stiftung äußert, findet sich auf dem Blog „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“.

Die leitenden Forscher der Kolonialforschungsstelle Hamburg, Dr. Jürgen Zimmerer und Dr. Kim Todzi formulierten erneut am 4.2.2025 eindeutig eine Stellungnahme: „Die Kühne-Oper gerade auch an diesem Ort ist aus verschiedenen Gründen problematisch.

  1. Ein zentraler authentischer Ort der Erinnerung an koloniale Verbrechen in Deutschland wird versiegelt und – bildlich gesprochen – überschrieben, und zu einem Ort des Vergnügens.
  2. Der Ort, der wie kaum ein zweiter für das Verhältnis von Genozid und Logistik steht, wird zu einem Prestigeprojekt für einen Mann, an dessen Bereitschaft, die Rolle der eigenen Logistikfirma am Holocaust aufzuklären, immer wieder Zweifel geäußert wurden.“

Die Rolle und strittige Historie von Kühne & Nagel:

Kühne & Nagel ist ein weltweit agierendes Logistikunternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz. Das Unternehmen wurde 1890 in Hamburg gegründet und ist bis heute eng mit der Stadt verbunden. Die Michael Kühne Stiftung, die den Opernneubau finanziert, ist nach dem Ehrenvorsitzenden und Mehrheitsaktionär von Kühne & Nagel benannt.

Die Geschichte von Kühne & Nagel ist umstritten. Während des Nationalsozialismus profitierte das Unternehmen von der Arisierung jüdischer Unternehmen und war in die Enteignung und Deportation von Juden verstrickt. Man vollzog quasi die Zwangsumzüge jüdischer Deportierter. Diese Vergangenheit wirft Fragen nach der moralischen Verantwortung des Unternehmens und der Stiftung auf, insbesondere im Zusammenhang mit einem so prominenten Kulturprojekt.

Einige Medienberichte und öffentliche Debatte:

  • Hamburger Abendblatt: Berichtet über die Einigung zwischen der Stadt und der Kühne-Stiftung, betont die Chancen für die Stadtentwicklung und die Modernisierung des Opernbetriebs (Quelle: Hamburger Abendblatt).
  • NDR Kultur: Analysiert die Hintergründe der Entscheidung, die Rolle der Kühne-Stiftung und die möglichen Auswirkungen auf die bestehende Kulturszene (Quelle: NDR Kultur).
  • Die Zeit: Kommentiert die Pläne kritisch und wirft Fragen nach der Prioritätensetzung in der Kulturpolitik auf (Quelle: Die Zeit).
  • taz: Beleuchtet die Geschichte von Kühne & Nagel im Nationalsozialismus und die möglichen ethischen Implikationen der Spende (Quelle: taz).

Und dann ist da noch die dauerhafte Diskussion über das Prinzip der Oper an sich. Denn man schätzt den öffentlichen Zuschuss je Besucher*in auf weit mehr als 150,- €. Die Besuchszahlen sind rückgängig – wie bei vielen der angestammten Opernhäuser.

Und der Wohnsitz des Milliardärs Michael in der Schweiz tut sein Übriges: Kühne hat seinen Wohnsitz in der Schweiz, wo er vermutlich einen tieferen Steuersatz hat als in Deutschland. Dadurch entgehen dem deutschen Staat höchstwahrscheinlich hohe Steuereinnahmen. Es ist schwierig, die genaue Höhe der Steuerersparnis von Kühne zu schätzen, da seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht öffentlich bekannt sind. Schätzungen gehen jedoch aufgrund seines Wohnsitzes in der Schweiz jährlich von einem hohen Millionenbetrag an „Steuerersparnis“ aus.

Mehrere Medien haben über die möglichen Steuerersparnisse von Klaus-Michael Kühne aufgrund seines Wohnsitzes in der Schweiz berichtet. Hier sind einige Beispiele:

  • Der Spiegel: Ein Artikel mit dem Titel „Die Tricks der Superreichen und Konzerne“ befasst sich mit verschiedenen Methoden der Steuervermeidung, darunter auch die Verlagerung des Wohnsitzes ins Ausland. In diesem Zusammenhang wird auch Klaus-Michael Kühne erwähnt. (Quelle: Der Spiegel)
  • NDR: In einem Beitrag über das „Steuerparadies Luxemburg“ wird erläutert, wie Konzerne und Superreiche durch die Nutzung internationaler Strukturen ihre Steuerlast reduzieren können. Auch hier wird auf Klaus-Michael Kühne und seine Firma Kühne+Nagel eingegangen. (Quelle: NDR)
  • Süddeutsche Zeitung: In einem Artikel über „Steueroasen“ wird die Problematik der Steuervermeidung durch Superreiche und Konzerne thematisiert. Auch hier wird Klaus-Michael Kühne als Beispiel genannt. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

 

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Als der Kaiser nach Harburg kam … https://www.tiefgang.net/als-der-kaiser-nach-harburg-kam/ Fri, 15 Sep 2023 22:20:56 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10269 [...]]]> Auf dem Schwarzenberg-Platz findet sich ein Kaiser-Wilhelms-Aussichtspunkt. Und in der Tat: vor 150 Jahren, am 19. September 1873, stand hier Kaiser Wilhelm und konnte von Harburg an der Elbe auf Hamburg schauen.

Eine Inschrift zeugt noch davon, aber auch ein Großer Springbrunnen und Kanonen und gewissermaßen auch der Name der heutigen Gastronomie beim Schützengildevereinsheim am nord-östlichen Parkteil weisen auf die Besonderheit früherer Tage hin. Also haben wir uns mal aufgemacht und in den mittleweile digitalisierten Archiven geschaut.

Unsere seinerzeitig schon existente Zeitung „Harburger Anzeigen & Nachrichten“ – nur bedingt vergleichbar mit heutigen Zeitungsformaten – kündigte am 18. Sept. 1873 unter „Locales“ an:

„Ueber die Durchreise Se. Majestät des Kaisers erfahren wir, daß Höchstderselbe am Freitag Nachmittag 4 Uhr 35 Minuten per Bahn über Uelzen + Stendal hier eintrifft. Nach dem officiellen Empfang wird Se. Majestät, begleitet von den Spitzen der Behörden, vom neuen Bahnhofe über den Canalplatz, Schloßstraße, Mühlenstraße, Sand, Neuestraße und 1. Bergstraße fahren, daselbst am Ausgang zum Holtermannschen Etablissement aussteigen, den Schwarzenberg in Augenschein  nehmen und über den Garnisonkirchhof zurückgehend bei Kirchheim´s Garten wieder den Wagen besteigen, um von dort über die Wallstraße seine Reise nach Buxtehude fortzusetzen.

Wie wir hören, wird sich der Kampfgenossenverein jenseits der Drehbrücke über den westlichen Canal aufstellen und sich diesseits derselben Feuerwehr und Knabenschulen anreihen, während Schützengilde und Mädchenschulen auf dem Sande Aufstellung nehmen.

Während des Aufenthalts Sr. Majestät werden sämmtliche Schulen und Corporationen nochmals auf der Buxtehuder Chaussee Spalier bilden.“

Und am 20. Sept. 1873 berichtete sie dann ebenso:

„Locales. Seine Majestät der Kaiser Wilhelm traf gestern Nachmittag etwa um 4 ½ Uhr in Begleitung Sr. Kais. u. Kgl. Hoheit des Kronprinzen per Extrazug via Stendal-Uelzen hier ein und wurde in der reichgeschmückten Bahnhofshalle von den Spitzen der Behörden empfangen.

Bereits vor Eintreffen hatten sich Tausenden auf dem Bahnhofe und den Straßen, durch welche Se. Majestät fuhr, versammelt, um den allverehrten bewillkommnen zu können. Ebenso hatten Kampfgenossen, Schützengilde, Feuerwehr und Schulen unter Musikbegleitung Spalier gebildet und wurden die herzlichen Zurufe der Menge von Sr. Majestät in der bekannten freundlichen Weisen dankend aufgenommen. Die Straßen, durch welche der Kaiser fuhr, sowie die Schiffe im Hafen prangten im herrlichsten Flaggen- und Blumenschmuck. Auf dem Schwarzenberge, wo zu diesem Zwecke eine Tribüne errichtet war, zeigte sich Se. Majestät angenehm überrascht durch das sich darbietende Panorama und nahm eine kleine Erfrischung, welche Höchstdemselben durch junge Damen der Stadt gereicht wurde, in seiner leutseligen gewinnenden Weise entgegen. Nachdem die Offiziere vorgestellt, setzte Se. Majestät etwa um 5 ½ Uhr seine Reise nach Buxtehude fort.“

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Aus dem Dunst deutscher Kultur https://www.tiefgang.net/aus-dem-dunst-deutscher-kultur/ Fri, 24 Mar 2023 23:42:13 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9843 [...]]]> Es tut sich einiges im Kulturbetrieb der Republik und was wäre schöner, als wenn einer, der es wissen müsste, uns an die Hand nimmt.

„In meinem kleinen kulturpolitische Pflichtenheft will ich zeigen, welche Themen unter welchen Rahmenbedingun­gen die Arbeit auf der Kulturbaustelle heute bestimmen, oder be­stimmen sollten.“ So heißt es im nun erschienen Band „Mein kulturpolitisches Pflichtenheft“ von Olaf Zimmermann. Zimmermann ist Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, quasi dem Dachverband der kulturellen Dachverbände einzelner Genres.

Er ist also eine „Kapazität“, wie man diese Expertise gerne nennt und sicher hat sein Wort Gewicht im kulturpolitischen Diskurs.

Und im Band geht es denn auch um alle Sparten: Werte, Kunst, Medien, Handel, Bildung, Religion, Erinnerung, Digitales, Natur, Nachhaltigkeit und gar den Krieg. Aber um was genau geht es? Was ist der Anlass für diese Schrift? Wer hier Einblicke in Hintergründe, das „Handwerk“ eines Kulturlobbyisten erwartet, wer darauf hofft, zumindest Hinweise für Interessensarbeit ableiten zu können, der sei vor Ent-Täuschung gewarnt.

Also vielleicht eine Zwischenbilanz seines – also Zimmermanns Schaffens? Dafür, dass er seit 1997 Geschäftsführer des wohl höchstrangigen Kulturverbandes der Republik ist, wohl kaum. Und es findet sich keine Stelle, in dem er andeutet, dieses Amt bald nicht mehr bekleiden zu wollen. Konkrete Zäsuren aus der Politik, der Pandemie oder Kulturlandschaft selbst? Auch hier kejn Verweis. Und es muss ja auch keinen Anlass geben. Man kann ja mal auch so sein Statement kundtun. Dann aber stolpert man über den vielsagenden Titel „kulturpolitisches Pflichtenheft“. Ein aus der Zeit gekommener Begriff, der vielleicht auch nie wirklich IN der Zeit war. Da es zudem „sein“ Pflichtenheft heißt, wäre nun ja zu erwarten, dass Olaf Zimmermann uns über seine moralischen Pflichten und Tugend aufklärt. Aber auch hier liest sich leider wenig ab, ob die durchaus als „Soll“-Werte lesbaren Diskurshäppchen dem Diskurs mit dem Lesenden dienen oder die „Kulturpolitik“ als Adressaten haben mag. Da es unklar bliebt, wer welche Pflicht zu tragen hätte, wirkt der Begriff „Pflichtenheft“ hier unpassend, bieder, verstaubt und im Grunde irreführend.

Dennoch, trotz dieser unklaren Zielansprache –wer hat also für wen welche Pflichten und warum? – ist das gut 200 Seiten starke Heftchen eine Lesung wert. Denn es gibt natürlich auch eine Zustandsbeschreibung der aktuellen Kulturlandschaft in Deutschland wieder. Wie verhält sich Kunst und Kultur zur Digitalisierung, wie steht es ums Urheberrecht oder die Geschlechterrollen? Wie prekär ist Kultur heute und lohnt es noch die Hoch- und Subkultur zu differenzieren? Und doch: würde sich Zimmermann einzelnen Genres und Themenbereichen eingehender widmen, wäre es sicher im Umfang um ein 5faches gewachsen. Aber es hätte dann auch etwas Konkretes an die Hand zu geben. So wirkt es zeitweise moralisierend ohne es eigentlich zu sein. Es bleibt etwas oberflächlich ohne dass man nicht spürt, dass es auf einem Fundament baut. Dies zu ergründen, bliebe aber dem Lesenden selbst überlassen. Und so könnte man wieder zum Beginn dieser Besprechung kommen: an wen richtet sich denn dieses Buch?

Schade – hier hätte man gern gefragt: „darf´s etwa mehr sein?“

Das Buch:

Olaf Zimmermann – Mein kulturpolitisches Pflichtenheft, ISBN: 978-3-947308-38-5, 216 Seiten, Preis: 19,80 €

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Albert Schäfer – Ende der Legende https://www.tiefgang.net/albert-schaefer-ende-der-legende/ Fri, 17 Mar 2023 23:55:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9831 [...]]]> Ihm zu Ehren wurde das in Vergessenheit geratene Matthiae-Mahl wieder belebt, ein Film gedreht und in Harburg ein Weg benannt. Zu viel der Ehre …

„Sebastian Justke – ein ehrbarer Kaufmann? Albert Schäfer, sein Unternehmen und die Stadt Hamburg 1933-1956“ ist ein beeindruckendes Werk, das vom Autor Sebastian Justke sorgfältig recherchiert und detailliert präsentiert wird. Das Buch bietet einen tiefen Einblick in die Geschichte der Stadt Hamburg während der Zeit des Nationalsozialismus und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Vor allem wird gut dargestellt, wie auch eine Mittäterschaft entstehen kann, in dem Netzwerke, eigene Profitinteressen und vor allem die Eigendarstellung geschickt genutzt werden. Schäfer, der 1933 in die Harburger Phoenix Gummiwerke eintrat, konnte schnell das Geschäft der Kriegswirtschaft nutzen, später dann auch der „Ostgebiete“. Den Einsatz von Zwangsarbeiter*innen aber auch das geschickte Lenken eigener Führungskräfte in den Netzwerken des Nationalsozialismus legen gut aufgearbeitet dar, wie die Wirtschaft nicht als eine Wirtschaft im Nationalsozialismus agierte, sondern die Wirtschaft des Nationalsozialismus war.

Die Karriere des Unternehmers Albert Schäfer begann im deutschen Kaiserreich, setzte sich fort in der Weimarer Republik, erhielt einen neuen Schub in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und endete schließlich in der neuen Demokratie der jungen Bundesrepublik. Besonderes Augenmerk verdienen die Jahre von 1933, als Albert Schäfer die Leitung der Phoenix Gummiwerke AG in Harburg übernahm, bis 1956, als der Unternehmer nach zehn Jahren aus dem Amt des Präses der Hamburger Handelskammer schied.

Als Vorstandsvorsitzender war Schäfer verantwortlich für die Firmenpolitik der Phoenix AG, was während der nationalsozialistischen Herrschaft die Umstellung auf Kriegswirtschaft, die „Arisierung“ von Unternehmen, den Einsatz von Zwangsarbeiter*innen sowie die Beteiligung an der Ausbeutungspolitik in den besetzten Gebieten Europas einschloss. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs prägte Schäfer die öffentliche Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in Hamburg mit. Vielfache Ehrungen, die 1956 ihren Höhepunkt in der öffentlichen Inszenierung seines 75. Geburtstags und dem zu diesem Anlass wiederbegründeten Matthiae-Mahl fanden, ließen ihn auch selbst zum Gegenstand der städtischen Erinnerungskultur werden. Das Bild vom Ehrbahren Kaufmann hatte hierin einen zentralen Platz.

Der Nationalsozialismus selbst und seine „zweite Geschichte“ bilden damit den roten Faden des Buchs. Die Studie zur Unternehmerbiografie Albert Schäfers leistet einen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte des „Dritten Reichs“, der Hamburger Stadtgeschichte sowie zur Erforschung der Erinnerungskultur und Geschichtspolitiken in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das Buch beschäftigt sich mit dem Leben und der Karriere von Albert Schäfer, einem einflussreichen Hamburger Kaufmann, der in den turbulenten Jahren des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges eine wichtige Rolle spielte. Nach dem 2. Weltkrieg schaffte er es nicht nur sich mit dem sogenannten „Persilschein“ frei von nationalsozialistischem Verdacht zu machen, sondern wurde Präses der Hamburger Handelskammer, verschaffte dieser die Erzählung alter demokratischer Werte im Handeln der „ehrbaren Kaufmänner“ und hat es bis heute geschafft, einen Mythos hanseatischen Handelns aufrecht zu erhalten. Denn anlässlich seines 75. Geburtstages wurde ein schon 200 Jahre nicht mehr praktiziertes Matthiae-Mahl wieder aufgesetzt und gilt fälschlicherweise noch heute als „das älteste noch begangene Festmahl der Welt“. Es findet Anfang März 2023 auch dieses Jahr wieder im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses statt.

Dem Autor Justke ist es gelungen, ein facettenreiches Bild von Schäfer und seinem Unternehmen zu zeichnen, das sich kritisch mit den komplexen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen jener Zeit auseinandersetzt und viel Stoff bietet, weitere Forschungen zu betreiben.

Insgesamt ist „Sebastian Justke – ein ehrbarer Kaufmann? Albert Schäfer, sein Unternehmen und die Stadt Hamburg 1933-1956“ ein informatives und ergänzendes Werk, das nicht nur Historiker*innen, sondern alle Leser*innen, die an der Geschichte des Nationalsozialismus und ihren weitreichenden Verästelungen interessiert sind, anspricht. Das Buch ist sorgfältig recherchiert, gut geschrieben und seine Einblicke in die komplexe Geschichte des Dritten Reiches und der Nachkriegszeit sind von nachhaltigem Wert.

Sebastian Justke – ein ehrbarer Kaufmann? Albert Schäfer, sein Unternehmen und die Stadt Hamburg 1933-1956, Forum Zeitgeschichte, Metropol Verlag, 2023, ISBN 978-3-86331-687-7; Preis: 24,- €

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Die Sichtbarkeit des kolonialen Erbes https://www.tiefgang.net/die-sichtbarkeit-des-kolonialen-erbes/ Fri, 17 Mar 2023 23:27:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9841 [...]]]> Hamburg hat nicht nur den deutschen Koloniualismus ganz wesentlich vorangetrieben. Sie hat ihn auch mit sichtbaren Spuren hinterlassen. Ein Buch lädt bald zum Stadtspaziergang …

Die Historikerin Anna Prochotta hat nicht nur in Museen gearbeitet und geforscht, sie hat auch Freischaffende selbst Stadttouren organisiert. Nun veröffentlicht sie  einen Stadtführer, der das koloniale Erbe der Stadt Hamburg zum Thema hat. Sichtbar ist ja jede Menge – wenn man es denn sehen will.

Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die koloniale Globalisierung in Hamburg ihren Höhepunkt: Die Speicherstadt entstand, der Hafen wurde erweitert und auf Schiffen kamen immer mehr neue Massenprodukte wie Kaffee und Kakao in die Hansestadt, während sich für die Weiterverarbeitung von Rohstoffen wie Kautschuk und Palmöl eigene Industrien bildeten. Aber nicht nur für den Warenumschlag war der Hafen ein zentraler Schauplatz, auch die Menschen wurden immer mehr von der kolonialen Mobilität erfasst: Hier kamen u.a. Äthiopier, Singhalesen und Somalier an, die in Hagenbecks »Völkerschauen« vorgeführt wurden, und von hier wurden Tausende Soldaten für den Krieg in »Deutsch-Südwestafrika« und den Völkermord an den Herero und Nama verschifft. Die Geschichten der Menschen, die in ihren Heimatländern koloniale Gewalt, Enteignung und Vertreibung erleben mussten, blieben dagegen in Hamburg weitgehend unsichtbar. Dass sich ein erheblicher Teil des Reichtums der Hansestadt auf ihr Schicksal gründete, bleibt bis heute oft ungesehen. Im Stadtbild unübersehbar sind aber die baulichen Spuren dieser Vergangenheit als Kolonialmetropole, sei es in Gestalt des MARKK, des Hauptgebäudes der Universität oder von Denkmälern und Straßennamen, in denen der Kolonialismus ein umkämpftes Nachleben führt. Dieser Stadtführer stellt die Schauplätze der kolonialen Vergangenheit Hamburgs plastisch vor Augen und führt anhand von vier Stadtteilrundgängen und zwei Radtouren zu einem verdrängten Teil der Stadtgeschichte, dessen Aufarbeitung gerade erst begonnen hat.

Das Buch:

Anna Prochetta: Koloniales Hamburg – ein Stadtführer; 200 Seiten, mit zahlreichen s/w-Abbildungen, erscheint April 2023, ISBN 978-3-96060-553-9, 19,90 € 

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Hamburg – Tor zur kolonialen Welt https://www.tiefgang.net/hamburg-tor-zur-kolonialen-welt/ Fri, 17 Mar 2023 23:11:14 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9837 [...]]]> Der Buchtitel trifft es mehr als man denkt: Hamburg diente dem Deutschen Reich als Trittbrett in den deutschen Kolonialismus und damit auch einer lange aufzuarbeitenden Geschichte …

Das Buch „Hamburg: Tor zur kolonialen Welt“ ist eine umfassende Darstellung der kolonialen Geschichte Hamburgs und ihrer Auswirkungen auf die Stadt und ihre Einwohner. Herausgegeben von Jürgen Zimmerer und Kim Sebastian Todzi und veröffentlicht im Wallstein Verlag im Jahr 2021, ist das Buch ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands und Hamburgs.

Das Buch beleuchtet die verschiedenen Facetten des Hamburger Kolonialismus. Von der Handelskammer und dem Hafen als zentralen Institutionen der Kolonialwirtschaft und -politik bis hin zu Unternehmen wie dem Woermann-Konzern und Persönlichkeiten wie Karl Sieveking und Graf Waldersee, die sich für den Kolonialismus engagierten, werden zahlreiche Erinnerungsorte untersucht. Auch der Einfluss der Kolonialgeschichte auf Wissenschaft, Forschung, Medizin und Kunst wird behandelt.

Als wichtigster Hafen Deutschlands war Hamburg auch zentrale Kolonialmetropole. Das »Tor zur Welt« war über Jahrhunderte ein Tor zur kolonialen Welt. Man hatte Handelsbeziehungen zu Kolonialmächten und Kolonien, man handelte mit Kolonialwaren und auch mit Menschen. Diese Geschichte hat Spuren hinterlassen.
Hamburg ist voller (post-)kolonialer Erinnerungsorte, die nicht nur für die Stadtgeschichte interessant sind, sondern auch Aufschluss geben über die Geschichte der kolonialen Globalisierung.
Die untersuchten Erinnerungsorte reichen von Vorstellungswelten wie der Figur des »Hanseaten« über Institutionen der Kolonialwirtschaft und -politik wie dem Hafen oder der Handelskammer, einzelnen Unternehmen wie dem Woermann-Konzern bis zu Wissenschaft, Kultur und Kunst, etwa dem Museum für Völkerkunde (heute MARKK) oder dem Tierpark Hagenbeck und seinen »Völkerschauen«. Auch die Geschichte einzelner Denkmäler wie dem großen »Bismarck« am Hafen oder den »Askari-Reliefs« wird untersucht. Ergänzt um biographische Skizzen wird deutlich, was der Kolonialismus für Hamburg bedeutet, aber auch Hamburg für den Kolonialismus.

Besonders interessant sind die biographischen Skizzen, die dem Leser einen Einblick in das Leben und Denken einiger der wichtigsten Persönlichkeiten geben, die den Hamburger Kolonialismus geprägt haben. Die Autoren betonen jedoch auch die Kontinuität des Kolonialismus in der Nachkriegszeit und die Rolle der Stadt bei der Aufrechterhaltung kolonialer Strukturen und Stereotypen.

Insgesamt bietet das Buch eine detaillierte und umfassende Darstellung der kolonialen Geschichte Hamburgs und ihrer Auswirkungen auf die Stadt und ihre Einwohner. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands und Hamburgs und sollte von jedem gelesen werden, der sich für die Geschichte der Kolonialisierung und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart interessiert.

Die Herausgeber:

Jürgen Zimmerer, geb. 1965, Professor für Globalgeschichte (Schwerpunkt Afrika) an der Universität Hamburg. 2005 bis 2017 Gründungspräsident des »International Network of Genocide Scholars (INoGS)«.
Veröffentlichungen u. a.: Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte (als Hrsg, 2013); Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust (2011); Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg in Namibia (1904-1908) und die Folgen (Mithg., 2003).

Kim Sebastian Todzi, geb. 1981, Wissenschaftlicher Koordinator der Forschungsstelle »Hamburgs (post-)koloniales Erbe / Hamburg und die frühe Globalisierung«, Forschungsschwerpunkte: Verflechtungsgeschichte Westafrikas und Nordeuropas, Geschichte des globalen Kapitalismus, postkoloniale Erinnerungskulturen. Veröffentlichungen u.a.: Hamburg: Tor zur kolonialen Welt. Erinnerungsorte der (post-)kolonialen Globalisierung (hg. mit Jürgen Zimmerer, 2021).

Das Buch:

Jürgen Zimmerer und Kim Sebastian Todzi (Hg.): Hamburg: Tor zur kolonialen Welt – Erinnerungsorte der (post-)kolonialen Globalisierung
Reihe: Hamburger Beiträge zur Geschichte der kolonialen Globalisierung; Bd. 1; 591 Seiten, 99 Abb., gebunden, Schutzumschlag, erschienen November 2021

ISBN 978-3-8353-5018-2, Preis: € 32,00

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„Ich musste neu beginnen“ https://www.tiefgang.net/ich-musste-neu-beginnen/ Fri, 17 Jun 2022 22:55:51 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9050 [...]]]> Ein Mann, 10 Reichsmark, ein Boot und eine Idee – die Geschichte über Oskar Speck ist schon so absurd, dass das Schreiben über die Geschichte kaum anders sein kann. Ein Interview mit dem Autoren Tobias Friedrich …

Tobias Friedrich wurde 1969 in Göttingen geboren und schreibt seit den 90er-Jahren Musik für seine Bands Viktoriapark und ´Husten` (u.a. mit Gisbert zu Knyphausen) sowie für andere Künstler. Er war Herausgeber eines Berliner Mu­sikmagazins, arbeitet als Autor von Sachbüchern und ist Co-Veranstalter der Berliner Musik-und- Lese-Show »Ein Hit ist ein Hit«. »Der Flussregen­pfeifer« ist sein literarisches Debüt, über das er sagt: „Es war klar, dass ich, der ich noch nie einen Roman geschrieben hatte, mit dem Schreiben eines Romans über Oskar Speck rest­los überfordert sein würde. Also fing ich unver­züglich mit der Arbeit an.“

In der Bücherhalle wird er im Rahmen der SuedLese-Literaturtage nun daraus lesen aber auch im nachfolgenden Gespräch über die Überforderung sprechen. Wir wollten es natürlich schon vorher wissen …

Tiefgang (TG): Sie sagten selbst „Es war mir ein Rätsel, wieso es noch kein Buch über Oskar Speck gab“. Wie sind Sie auf ihn bzw. die Story gestoßen?

Tobias Friedrich: Ich habe Oskar Speck und seine Reise eher zufällig entdeckt, bei der Recherche zu einem Sachbuch, einer Auftragsarbeit, an der ich vor einigen Jahren saß. Zunächst habe ich nur online ein paar Bruchstücke und Zusammenfassungen gefunden, aber war sofort fasziniert. Später uferten meine Recherchen dann u.a. mit einer Reise nach Australien aus.

TG: Wie haben Sie recherchiert und was tat sich da auf?

Tobias Friedrich: Zunächst ausschließlich online. Mit dem, was ich fand, habe ich im ersten Jahr die erste Version des Romans geschrieben, war aber noch nicht zufrieden. Nach Australien musste ich nochmal komplett von vorne beginnen, da ich Specks Nachlass durchstöbern durfte, mit Zeitzeugen und Freunden gesprochen, seinen Gärtner getroffen und in seinem Haus übernachtet habe. Auch ein 30er-Jahre Faltboot habe ich mit einem Experten zusammengebaut und bin darin im Sydney Harbour gepaddelt. Zu den Funden über Speck kamen noch etliche Zeitungsberichte aus jener Zeit und den Orten, die im Buch vorkommen, Recherchen über die Donau oder auch die Mitford-Schwestern. Und so einiges mehr…

TG: Was hat Sie am meisten fasziniert an der Geschichte? Emotional, zeitlich, geschichtlich …

Tobias Friedrich: Ich wollte damals ohnehin einen Roman schreiben und war vor allem von dem Bild des mittellosen Speck fasziniert, der mit 10 Reichsmark in der Tasche sein Boot am Ufer der Donau aufbaut, um nach Zypern zu paddeln. Und natürlich, was sich daraus für eine irre Geschichte entsponnen hat. Ein Zeitzeuge meinte im Gespräch mit mir einmal, dass sich schon ein paar Autoren an der Story versucht hätten, aber sie hätten am Ende aufgegeben, weil die Geschichte immer größer und unübersichtlicher wird, je tiefer man einsteigt. Das kann ich bestätigen. Aber das macht sie auch interessant. 

Erzählerisch bzw. literarisch hatte ich zwar eigentlich freie Hand, habe aber gemerkt, dass nicht jeder Stil und nicht jede Perspektive (Ich-Erzähler zB) funktioniert. Wichtig war mir eine gewisse literarische Qualität, die ich nicht unterschreiten wollte und an der ich länger gefeilt habe.

TG: Wieso erst jetzt ein Debüt als Buchautor?

Tobias Friedrich: Das liegt zum einen daran, dass ich an diesem Buch (mit Pausen) sehr lange gearbeitet habe, zum anderen, dass ich vorher nicht in der Lage gewesen wäre, einen Roman zu schreiben. Zumindest nicht mit den Ansprüchen, die ich an einen Roman habe.

TG: Sie sind auch Mitakteur der Berliner Musik-und-Lese-Show »Ein Hit ist ein Hit«. Was hat es damit auf sich?

Tobias Friedrich: Die Show ist ebenfalls aus einem Buch-Projekt entstanden, jedoch aus einer Auftragsarbeit, dem Sachbuch „1000 ultimative Charthits“. Da der Verlag dafür wenig Werbung machte, haben mein Mitautor Lothar Berndorff und ich die Sache mit zwei Freunden (Adrian Kennedy und Nikko Weidemann) selber in die Hand genommen und zunächst eine Veröffentlichung-Show daraus gemacht, später eine regelmäßig stattfindende Reihe.

Jeder EHIEH-Abend hat ein dezidiertes Thema, es treten verschiedene Gast-Musiker*innen auf, wir haben eine Hausband, es gibt Lesungen zu bestimmten Songs, Videos, Interviews, und wir rufen Menschen von der Bühne aus an, die in fernen Ländern leben, aber zu einem Thema etwas sagen können. Das geht dann immer zwei bis drei Stunden, das Publikum und die handelnden Personen sind alle beseelt, das macht großen Spaß. Wir hatten schon eine 104-jährige Jazz-Musikerin aus LA zugeschaltet, haben mit Robbie Williams’ Band und seinem Vater gespielt, aber auch eine 14-jährige auf der Bühne, die Billie Eilish gesungen hat oder den Klassik-Pianisten Lars Vogt, der „Life on Mars“ in einer wahnsinnig schönen Version gespielt hat. Derzeit planen wir eine Benefiz-Show von EHIEH für die Ukraine. Es wäre auch die erste Show nach der Pandemie. Das Ganze findet im altehrwürdigen Ballhaus Berlin statt.

TG: Was erwartet uns am 30.6.?

Tobias Friedrich: Ich werde den Roman vorstellen, umreißen, was und wie ich recherchiert habe und ein paar Kapitel zu verschiedenen Charakteren vorlesen. Gerne beantworte ich auch Fragen, was mir fast am meisten Spaß macht.

TG: Was erwartet uns künftig vom Buchautoren Friedrich?

Tobias Friedrich: Kurzfristig Lesungen zum Flussregenpfeifer bis in den Winter 22 hinein, dazwischen werde ich mit meiner Band „Husten“ sehr viel auf der Bühne stehen. Derzeit sind über 30 Auftritte in Clubs und auf Festivals zu unserer neuen Platte „Aus allen Nähten“ geplant, die gerade am 13.5. erschien. Und hoffentlich finde ich in der zweiten Jahreshälfte Zeit, mit dem nächsten Roman anzufangen. Der auf jeden Fall weniger umfangreich werden soll.

TG: Vielen Dank und viel Erfolg bei der SuedLese aber auch zur neuen Platte!

Termin: Do., 30. Juni 2022, 19.30 Uhr, Eintritt 12 €

Tobias Friedrich – Der Flussregenpfeifer

Bücherhalle Harburg, Eddelbüttelstraße 47a, 21073 Hamburg-Harburg; www.buecherhallen.de/harburg

Eine Kooperation der Bücherhalle Harburg, Buchhandlung am Sand und Volkshochschule Harburg

suedlese.de

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Auf Reisen mit Kapitän Wehmeyer https://www.tiefgang.net/auf-reisen-mit-kapitaen-wehmeyer/ Fri, 10 Jun 2022 22:43:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9047 [...]]]> Das Seefahrerleben ist oft mit Romantik und Fernweh verbunden. Im Heimfelder HinZimmer bekommt man davon nun aus direkter Nähe und nicht nur idealisiertes …

Bei den SuedLese-Literaturtagen gibt es immer wieder Fundstücke, die sonst keinen Platz fänden. So bei der Lesung von Klaus Wehmeyer, der in seinem Debut sich mit den Seereisen seines Vaters befasste und dabei in hunderten von Briefen abtauchte. Wir haben mal nachgefragt …

Tiefgang (TG): Sie sind erstmals bei der SuedLese dabei. Wie kam es? 

Klaus Wehmeyer: Ich hatte das Mehr an Zeit im vergangenen Jahr der Coronapandemie genutzt, ein für mich schon lange anstehendes Projekt, nämlich für die Aufarbeitung des Lebens meines Vaters, des Kapitäns Ernst Wehmeyer. Als an Literatur interessierter Harburger sind mir die SuedLese-Literaturtage vertraut und ich habe vor der Pandemie mehrfach verschiedene Lesungen besucht, wenn auch bisher nur als Zuhörer. Nach der Veröffentlichung meines Buches baten mich Freunde aus Harburg, das Buch doch auch auf der „SuedLese“ vorzustellen.

TG: Es ist Ihr Erstlingswerk?

Klaus Wehmeyer: Es ist das erste Werk, das ich als Buch mit einer ISBN (Internationale Standardbuchnummer, die Bücher eindeutig kennzeichnet, Anm.d.Red.) veröffentlicht habe. Ich schreibe schon seit mehreren Jahrzehnten, vor allem über Erfahrungen in und mit anderen Kulturen, über Kindheitserinnerungen in Harburg und Gedanken zu bestimmten Themen.

TG: Wie kamen Sie auf das Thema?

Klaus Wehmeyer: Auf dem Dachboden unseres Elternhauses in der Triftstraße befand sich eine große Kiste mit ca. 1000 Briefen, die mein Vater meiner Mutter aus vielen Häfen dieser Welt geschrieben hatte, die ersten von 1937. Unsere Mutter hatte sie säuberlich nach Jahren sortiert und jeden Jahrgang mit einem Band versehen. Meine Schwester fragte mich zu Beginn der Pandemie, ob ich diesen Schatz noch einmal sichten wolle. Ich las mich fest, glich es mit eigenen Erinnerungen ab, holte auch noch einmal die schon in meinem Besitz befindlichen Seefahrtsbücher und Reedereischreiben heraus, und vor meinen geistigen Augen drängten sich die Bilder aus den 50er und 60er Jahren in den Vordergrund, und in meinen Ohren klangen die Erzählungen meines Vaters und die meiner Großeltern väterlicherseits.

TG: Was hat Sie am Thema am meisten bewegt und interessiert?

Klaus Wehmeyer: Mein Vater hatte für mich eine zentrale Bedeutung. Ich habe ihn als Kind und Jugendlicher sehr bewundert und ihn zu meinem Vorbild stilisiert. Die Erinnerung ist auch nach seinem Tod 1995 immer wach gewesen.

TG: Wie fanden Sie generell zum Schreiben?

Klaus Wehmeyer: Aus Lust und Freude. Ich habe schon in der Schule gerne Aufsätze geschrieben. Immer wieder, wenn ich etwas Bemerkens-Wertes erlebt habe, habe ich darüber geschrieben. Ich habe versucht, die Bilder in Worten festzuhalten, fotografieren war nicht ganz meine Sache. 

TG: Haben Sie weitere Werke vor?

Klaus Wehmeyer: Ich bin mit Hilfe einer mir befreundeten Webdesignerin dabei, eine eigene Website aufzubauen. Diese Seite ist zwar zurzeit noch eine „Baustelle“, aber die ersten Beiträge werden wohl ab Mitte Mai 2022 unter folgender Adresse veröffentlicht: www.klaus-wehmeyer.de. Hier finden sich Geschichten, Reiseberichte, Kocherlebnisse und „Gänsehautmomente“ genannte persönliche Erlebnisse, die an besonders geschichtsträchtige Erlebnisse erinnern.

TG: Wie haben Sie es veröffentlicht oder einen Verlag gefunden?

Klaus Wehmeyer: Die Suche nach einem Verlag gestaltete sich schwierig. Ich versuchte das Manuskript bei einigen bekannten Verlagen vorzustellen. Aber meist habe ich nicht einmal eine Antwort erhalten. Also hab´ ich das Buch vom Anfang bis Ende selbst gestaltet und dann im Self-Publishing über Books on Demand (BoD) veröffentlicht. Allerdings hat es mir sehr bei der Verbreitung des Buches geholfen, dass das Hamburger Hafenkonzert im NDR 90,3 am 27. Februar 2022 in einer zweistündigen Sendung über das Leben meines Vaters – und damit über das Buch –  berichtet hat. (Hier der Link zum Podcast der Sendung)

TG: Was erwartet die Besucher*innen?

Klaus Wehmeyer: Die „Lesung“ soll maximal 75 Minuten dauern. Es sollen allerdings tatsächlich nur wenige Buchauszüge vorgelesen werden. Aber in überbrückenden Erzählungen des Autors soll ein Abriss eines fast das ganze 20. Jahrhundert durchziehende Seemannsleben des Harburger Kapitäns Ernst Wehmeyer und seiner Familie gegeben werden. Zur Unterstützung nutzt der Autor eine Flipchart, auf der das Gelesene und Erzählte mit Bildern und Dokumenten visualisiert wird. Die Veranstaltung ist interaktiv angelegt, Beiträge und Fragen aus dem Publikum sind durchaus erwünscht.

TG: Vielen Dank, dass Sie Sie uns mit auf Ihre Reisen nehmen! 

Termin: Mi.,, 22. Juni 2022 um 18.30 Uhr: Klaus Wehmeyer –  Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise …

Ort: HinZimmer – Ein Raum für Geschichten, Hinzeweg 1, 21075 Hamburg-Heimfeld; www.buergerstiftung-hamburg.de, Eintritt frei

suedlese.de

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Mörderische Schwestern in Neugraben https://www.tiefgang.net/moerderische-schwestern-in-neugraben/ Fri, 10 Jun 2022 22:29:09 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9011 [...]]]> Ob Mordfantasien ein typisch weiblicher Charakterzug sind, sei dahingestellt. Doch auffällig viele Krimis stammen von Autorinnen. Im Rahmen der 7. SuedLese-Literaturtage kommen ins Kulturhaus Süderelbe gleich sieben davon.

Denn es wird erstmals die Ladies Crime Night am 18. Juni geben. Ein ungewöhnliches und kurzweiliges Literaturformat, das Mordslust in Schriftform macht. Wir haben mal hinter die Kulissen geschaut und mit der Autorin Yvonne Wüstel gesprochen.

Tiefgang (TG): Seit wann macht ihr – und wer ist eigentlich „ihr“ – die Ladies Crime Night (LCN)?

Yvonne Wüstel: Wir, das sind die Mörderischen Schwestern e.V., gegründet von Frauen für Frauen. Wir lieben Krimis und widmen uns deshalb der von Frauen in deutscher Sprache geschriebenen Spannungsliteratur – zum Beispiel mit unserem Arbeitsstipendium, das anders als viele Stipendien weder orts- noch altersgebunden ist, und somit auch von Frauen aller Altersstufen und Lebensumstände genutzt werden kann. Auch die Unterstützung von Erst-Autorinnen ist uns wichtig, weshalb wir als Herausgeberinnen der Anthologie „Tatort Nord“ darauf geachtet haben, dass nicht nur etablierte Autorinnen darin vertreten sind. Aber abgesehen von Autorinnen sind uns alle Frauen willkommen, die sich für Krimis und Thriller begeistern. Egal ob als Journalistin, Buchhändlerin, Bibliothekarin oder auch Leserin.

Und die Ladies Crime Night – unser eigenes, ganz besonderes Lesungsformat – entstand 2006 im Rahmen der Criminale.

TG: Wie kommt man/frau auf so eine Idee?

Yvonne Wüstel: Bei der Geburtsstunde der LCN war ich leider nicht dabei, deshalb kann ich nur vermuten, dass der Grundgedanke war: Wie bekommen wir mehrere Frauen mit ihren Kurzgeschichten oder Romanen in eine Lesung, die sowohl Zuhörer*innen als auch Lesenden gleichermaßen Spaß und Spannung verspricht? Ein Format, das es so noch nicht gibt?

TG: Wie darf man sich das vorstellen?

Yvonne Wüstel: Kurz gesagt: Sieben Frauen lesen exakt sieben Minuten. Nach Ablauf der Zeit ertönt ein Schuss (vom Band) und die Autorin bricht ihre Lesung genau an dieser Stelle ab – egal ob mitten im Satz oder Wort. Dann wird die nächste Autorin vorgestellt und kommt mit musikalischer Untermalung auf die Bühne. Das klingt erst einmal ungewohnt. Aber wer einmal bei einer LCN im Zuschauerraum gesessen hat, will meistens mehr davon.

TG: Ist das stressig als Lesende?

Yvonne Wüstel: Jain. Es kostet ein bisschen mehr Vorbereitung als andere Lesungen, weil man in der Regel in den sieben Minuten einen bestimmten Spannungspunkt erreichen möchte und die zur Verfügung stehende Zeit genau abgezählt ist – da gibt es keine Verlängerung. Und wenn dann der Schuss fällt, erschrickt man sich oft selbst. Vor allem aber macht es richtig viel Spaß, mit den Kolleginnen auf der Bühne zu stehen und zu erleben, wie das Publikum mitfiebert.

TG: Warum Krimis?

Yvonne Wüstel: Die Frage kann ich nur aus meiner persönlichen Sicht und für mich selbst beantworten, meine Mitschwestern mögen dazu eine andere Meinung haben: Ich schreibe unter mehreren Pseudonymen auch sogenannte „Frauenunterhaltung“, historische Romane und Fantasy. Doch der Krimi ist mir von allen Genres am liebsten, weil die Bandbreite der Themen, die ich unter diesem Dach bearbeiten kann, unendlich viel größer ist. Da geht alles – von der Liebe bis zum Klimawandel, von Minderheiten bis Eifersucht. Das lässt sich dann (hoffentlich) nicht nur spannend lesen, es ist auch für mich als Autorin spannend zu erzählen.

TG: Gibt es einen femininen Hang zu Mord und Totschlag? Denn es gibt so viele Krimiautorinnen …

Yvonne Wüstel: Ja, oder? Und so viele wirklich gute Krimi-Autorinnen! Allerdings glaube ich, dass Frauen auf dem Papier nicht mehr morden als ihre männlichen Kollegen. Vielleicht fällt den lesenden Männern die Schar der Autorinnen in diesem Genre nur deshalb auf, weil es ihnen leichter fällt, einen von einer Frau geschriebenen Krimi zur Hand zu nehmen als einen von einer Frau geschriebenen historischen Roman? Das wäre meine Theorie.

TG: Wo tourt ihr sonst?

Mörderische Schwester Yvonne Wüstel

Yvonne Wüstel: In diesem Jahr sind und waren wir an verschiedenen Orten in Hamburg unterwegs, außerdem in Norderstedt, Jesteburg, Gülzow, Rendsburg, Neustadt und Lübeck.

TG: Gibt es bei euch auch Heide-Krimis?

Yvonne Wüstel: Aber ja! Meine wunderbare Kollegin Kathrin Hanke zum Beispiel, die übrigens auch bei der LCN im Kulturhaus Süderelbe dabei sein wird, ist unter anderem bekannt für ihre Heide-Krimis.

TG: Was zeichnet die Protagonistinnen aus?

Yvonne Wüstel: Sie sind selbstbewusst, einfühlsam, störrisch, eigensinnig, provokant, schrullig, vergesslich, fürsorglich, zickig, liebevoll, alt, jung, mit Handicap und ohne, mit Familie oder Single, mit Hund, mit Katze – Frauen, die man auf der Straße treffen und lieben oder auch durchschütteln könnte. Und sie helfen der Gerechtigkeit auf ihre ganz persönliche Weise auf die Sprünge.

TG: Was sind die nächsten angedachten „tödlichen Schüsse“?

Yvonne Wüstel: Viele von uns sind Berufsautorinnen, die natürlich bereits die nächsten Romane planen und schreiben. In jedem Fall arbeiten wir alle an weiteren Krimis und noch mehr Kurzgeschichten. Und wer weiß, vielleicht entsteht dann ja auch bald die nächste Anthologie. An Ideen mangelt es uns jedenfalls nicht.

TG: Vielen Dank. Hat einen Mordsspaß gemacht, mit Dir zu plaudern …!

Termin: Sa., 18. Juni,19.30 Uhr: Ladies Crime Night

Ort: JoLa im Kulturhaus Süderelbe, Am Johannesland 2, 21147 Hamburg

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