Hans-Joachim Meyer https://www.tiefgang.net Wed, 26 Mar 2025 14:46:42 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Vom Wohnzimmer zur Rosentreppe https://www.tiefgang.net/vom-wohnzimmer-zur-rosentreppe/ Fri, 28 Mar 2025 23:40:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11627 [...]]]> Bei den SuedLese Literaturtage 2025 gibt es immer wieder neue „Orte der Worte“ und Literarisches zu entdecken. In der dritten Woche geht´s in ein Wohnzimmer und zur Rosentreppe.

Das Programm der dritten Woche:

So., 30. Mrz, 15 Uhr: Wohnzimmerlesung: Claus-Peter Rathjen liest Hans-Joachim Meyer (platt), Eintritt /Spende erbeten

Claus-Peter Rathjen, Hastedtstraße 34, 21073 Hamburg

Hans-Joachim Meyer schrieb ungewöhnliche Kurzgeschichten auf niederdeutsch oder „platt“. Er lebte in Harburg und nun in einem Pflegeheim in Farmsen. Durch eine Sprachbehinderung konnte er sein schriftstellerisches Werk nie selber vortragen, konzentrierte sich aber – was in der plattdeutschen Literatur einmalig ist – auf Kurzgeschichten in Harburg-Wilhelmsburg und Themen Deutschlands dunkelster Geschichte: dem Leben von Zwangsarbeitern oder Widerständlern oder die ein schwules Comingout von jungen oder älteren Menschen als Inhalt haben. Hier werden „einfache“ Menschen gewürdigt, die sogenannten kleinen Leute, die Dinge taten und Widerstand leisteten, mit denen sie mit dem Tode hätten bestraft werden können.

Rathjen würdigt mit dieser Lesung das Meyersche Werk und die Art, wie mit plattdeutscher Sprache durchaus ernsthafte Themen geschildert werden können.

Nach der etwa einstündigen Lesung, haben die Besucher bei Kaffee, Tee und Kuchen Gelegenheit zu Gesprächen. Um eine angemessene Spende in den Hut wird gebeten.

Die Besucherzahl ist auf 20 Personen begrenzt. Eine Anmeldung per Email info@claus-peter-rathjen.de oder 040 302 34 861 (AB) ist unbedingt erforderlich.

So., 30. Mrz., 12 Uhr: Anke Wistinghausen – Kreative Figurenentwicklung: Divers, vielfältig und bunt

VHS-Zentrum Harburg Carrée, Eddelbüttelstraße 47a, 212073 Hamburg-Harburg

Kurs im Rahmen der SuedLese

Das Herzstück von Geschichten sind die Figuren. Je bunter, vielfältiger und diverser diese Figuren gestaltet und geschrieben werden, desto lebendiger, zeitgemäßer und interessanter sind die Geschichten.  Egal, ob es sich um die Entwicklung eines Drehbuchs, eines Romanprojekts oder einer Kurzgeschichte handelt.  Je weniger Stereotyp, je weniger Klischee, umso spannender für die Lesenden. Wir stellen uns Fragen wie: Welche Merkmale, Charaktereigenschaften und Handlungsweisen hat meine Hauptfigur? Wie spricht sie und sieht sie aus? Können sich Lesende mit der Figur identifizieren? An diesem Kurstag konzentrieren wir uns auf die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen unsere Figuren zum Leben zu erwecken und die Leser:innen zu fesseln.

Bitte Schreibutensilien (Papier und Stift oder Laptop) mitbringen.

Kurskosten: 32€.  Auf der Website der VHS finden sie Informationen zu unseren Ermäßigungen. Anmeldung erforderlich mit Kursnummer: P10550SHH08 unter www. vhs-hamburg.de oder Hotline: 040 60929-5555

 

Do., 03. Apr., 10.15 Uhr: Martin Verg – Typisch deutsch … was soll das denn bitteschön sein? Eintritt frei

Bücherhalle Harburg Eddelbüttelstraße 47a 21073 Hamburg-Harburg, www.buecherhallen.de/harburg; für Schulklassen 5–10

Typisch deutsch – was soll das denn bitteschön sein? Und wie erklärt man es Kindern. Nicht ernst und trocken, sondern bunt und überraschend. Der Journalist und Autor Martin Verg und der Foto-Künstler Jan von Holleben haben sich auf den Weg durch Deutschland gemacht und haben für ihr neues Buch 100 Dinge zusammengesammelt. Von Adventskranz und Autobahn, über Brot oder Buchdruck, Dauerwelle, Döner, Einbauküche, Fahrrad und Fußball bis zu Wolf und Wurst, Zahlen und Zugspitze ist ein ebenso erstaunlicher wie lehrreicher Reigen entstanden. Den präsentiert Martin Verg in seiner interaktiven Lesung – und lädt dabei sein junges Publikum zur eigenen Reflexion ein: Und jetzt ihr, was ist für euch typisch deutsch?

Martin Verg ist Autor, Journalist und Moderator und richtet sich vorwiegend an ein junges Publikum.

Do., 03. Apr., 19 Uhr: Frank Littek – Sechs Tage im Juli, Eintritt: 10,- €

Buchhandlung am Sand, Hölertwiete 5, 21073 Hamburg-Harburg

Hamburg im Juli 1943. Trotz des Krieges ist die Elbmetropole bisher von großen Bombenangriffen verschont geblieben. Seit Wochen lastet drückende Sommerhitze über der Stadt. Die junge Paula genießt die ungewöhnlich heißen Tage und blüht auf, als sie Johannes kennenlernt, einen Arbeiter aus Hammerbrook. Er stellt ihr Leben auf den Kopf. Sie spazieren bei heimlichen Treffen an der Elbe, machen Spritztouren ins Umland … und verlieben sich. Doch dann endet die Unbeschwertheit der Jugend abrupt. In einer nie dagewesenen Angriffswelle wird die Stadt mit der harten Kriegsrealität konfrontiert und schon bald ist klar: Hamburg soll ausgelöscht werden. Die Operation Gomorrha hat begonnen – und nicht nur Paula und Johannes müssen um ihr Leben kämpfen.

„Sechs Tage im Juli“ erzählt die dramatischen Ereignisse aus der Perspektive von sieben jungen Frauen und Männern, die im Angesicht des Grauens über sich hinauswachsen, ihr bisheriges Denken in Frage stellen und von denen einige trotz allem ihr Glück finden.

Frank Littek, geboren in Bremen, ist freier Journalist und Buchautor. Der Wirtschaftswissenschaftler hat rund 40 Bücher veröffentlicht, darunter neben zwei Romanen zahlreiche Kinder-, Jugend- und Sachbücher. Er lebt und arbeitet in der Nähe von Hamburg.

Fr., 04. Apr., 19 Uhr: Ulrich Lubda: ausgewählte Lyrik und Prosa, Eintritt frei / Spende erbeten
Alles wird schön, Friedrich-Naumannstraße 27, 21075 HH- Heimfeld

Ulrich Lubda präsentiert eine Auswahl an teils sehr persönlichen, vor allem aber lokal verankerten Texten aus Lyrik und Prosa.

So zu seiner Tante Gertrud „Dudu“ Bloch, 1905-42, die Euthanasieopfer der Nazis war und zu der es eine Stolpersteinverlegung im Jahr 2024 gab. Zu Frank „Lenny“ Böhnke, 1961-ca.1986, Conterganopfer, Schauspieler und Szenekünstler in Harburg. Zu Hans-Werner Krunke (alias Frank Dohl), 1941-1992, schwuler Lehrer und Schriftsteller in Harburg und Hamburg sowie dem 2020 verstorbenen Poeten Volker Maaßen, 1943-2020. Er war Frauen- und Krebsarzt in Harburg, Dichter in Harburg und Hamburg und dafür weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Sa., 05. Apr., 19 Uhr: Burbach, Baudy & Baudy: Poetry in Motion – Dichte Komposition aus Lyrik und Tanz, Eintritt frei / Spende erwünscht

ContraZt e.V  / Treffpunkhaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9-11, 21075 Hamburg

Poesie ist Emotion, Melodie, Bewegung, Rhythmus und Tanz. In lyrischen Zwiegesprächen, widerstreitend oder harmonisch geeint, durchstreifen die Autor:innen mit ihren kurzen lyrischen Sequenzen die Höhen und Tiefen menschlicher Existenz. Bewegtes und Bewegendes fließen rhythmisch in Zeit und Raum. Es geht um Gleichgewicht und Gegnerschaft, Kollaps und Krisen, Verlust und Verletzung, Heilung und Höhenflüge, Selbstbehauptung und Sonnengesang.

Die einzelnen Lese-Blöcke setzt Ulrike Burbach mit ihren musikalisch unterlegten, expressiven Tanzminiaturen kunstvoll in Szene. Ausgewählte Malereien von Christian Baudy stimmen die Zuhörerschaft auf die lyrischen Texte und Tanzeinlagen ein.

Sa, 5. April, 12 – 18 Uhr: Schreibworkshop & Lesung am Bücherschrank Rosentreppe

Tagsüber kreativ schreiben, am Abend präsentieren

Los geht’s am gefüllten Bücherschrank. Zufällig von dir ausgewählte Bücher bieten überraschende Anregungen. Bei dieser einzigartigen Schreibwerkstatt wirken zusammen: die Kraft des Zufalls, die Energie der Gleichgesinnten und die fachkundige und humorvolle Leitung mit vielerlei Übungen.

Dieser Schreibworkshop nimmt Schreiberfahrene ebenso wie Neugierige mit auf die Reise der Worte.

Start ist am Bücherschrank Rosentreppe, dann geht es ins benachbarte Stadtteilbüro „Wir in Wilstorf“ (Winsener Str. 19). Am Ende bereiten wir unsere Texte vor für die anschließende Lesung.  Lesen ist kein Muss, bringt aber viel Spaß!

Leitung: Bärbel (Bascha) Wegner, Autorin, und Jörn Waßmund, Theaterregisseur und Autor.

Infos und Anmeldung hier: post@kulturundmehr.org

Sa, 5. April, 19 Uhr: Öffentliche Lesung am Bücherschrank 

Ort: Bücherschrank Rosentreppe / Rosentreppe 1 / 21079 Hamburg-Wilstorf

Beste Texte des Schreibworkshops Rosentreppe

Wer Lust auf spontane Straßenliteratur hat, ist hier richtig, Dargeboten werden die an diesem Tag im Workshop entstandenen unterschiedlichen Werke. Faszinierend, wozu zufällige Fundstücke aus dem Bücherschrank inspirieren können: So gab beim letzten Mal ein mit geschlossenen Augen gewähltes Physikbuch den Impuls für einen fantastischen Text. Lasst euch mitnehmen und überraschen von der Vielfalt der besten Texte der Schreibwerkstatt!

Der Besuch der Lesung ist kostenlos, bitte ein Sitzkissen mitbringen.

Die Lesung findet direkt unten an der Treppe am Bücherschrank statt. Dazu einfach in die Straße Rosentreppe 100 Meter hineingehen, über die Toreinfahrt von der Winsener Straße in Richtung EBV.

Bei Regen im Stadtteilbüro, Winsener Str. 19, 21077 Hamburg

 

Sa., 05.04. und So., 06.04.25, 10-17 Uhr, 2 Termine

Schreibwerkstatt: Kurzkrimi

Online-Kurs im Rahmen der SuedLese

Ein Wald oder ein Park, ein Bahnhof oder eine Bushaltestelle – was für Verbrechen könnten sich hier abspielen, welche Figuren mit hinreichend krimineller Energie fühlen sich wohl angezogen von solchen Orten? In dieser Schreibwerkstatt sondieren wir mögliche Täter und Opfer, gewinnen verschiedenen Szenerien spannende und überraschende Wendungen ab.

Mit Hilfe der Techniken des „Creative Writing“ entwerfen wir lebendige Figuren und dramaturgisch stimmige Plots, und so nähern wir uns Schritt für Schritt einem packenden Kurzkrimi.

Voraussetzung: PC- und Internetgrundkenntnisse, E-Mail-Adresse. Sie benötigen einen Computer mit Internet-Zugang sowie Kamera und Mikro, alternativ ein Tablet. Die Teilnahme mit einem Smartphone ist möglich, aber in den Funktionen eingeschränkt.

Kurskosten: 103 €.  Auf der Website der VHS finden sie Informationen zu unseren Ermäßigungen.

Anmeldung erforderlich mit Kursnummer: P10550MMW08 unter www.vhs-hamburg.de oder

Tel. 60929-5555

Veranstaltungsort: online über Zoom

Ein Angebot der Hamburger Volkshochschule in Wilhelmsburg,

 

Über die SuedLese:

Die SuedLese Literaturtage sind ein jährlich stattfindendes Festival, das die Literaturszene im Süden Hamburgs feiert. Mit einem vielfältigen Programm aus Lesungen, Gesprächen und Veranstaltungen bietet die SuedLese ein einzigartiges Erlebnis für Literaturbegeisterte jeden Alters.

Weitere Informationen

Das gesamte Programm der 10. SuedLese Literaturtage finden Sie online unter www.suedlese.de.

Die SuedLese Literaturtage werden gefördert von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, den Bezirken HH-Mitte und HH-Harburg sowie zahlreichen Anzeigenkunden.

 

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Im Arbeitslager erschlagen https://www.tiefgang.net/im-arbeitslager-erschlagen/ Fri, 24 Nov 2017 23:20:14 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2545 [...]]]> Beruflich selbständig, charakterlich lieb. Auch das konnten die Nationalsozialisten nicht ändern: Wilhelm Buchholz.

Der Tischlermeister Wilhelm Buchholz wurde am 16. Sept. 1888 in Hasselwerder (Kreis Jork) geboren, und zwar im Haus mit der heutigen Adresse Tiefenstraße 10 im Stadtteil Neuenfelde, wo er bis zu seiner Festnahme im Winter 1944/45 lebte. Die Gemeinden Hasselwerder und Nincop wurden 1929 zu Neuenfelde vereinigt. 1935 wurde Neuenfelde an den Landkreis Harburg abgetreten, und nach dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 wurde es hamburgisch.

Tier- und kinderlieb

Aus alten Fotoalben ist ersichtlich, dass Wilhelm Buchholz ein sehr kinder- und tierlieber Mensch gewesen sein muss. Er musizierte gern, gehörte einer Neuenfelder Musikkapelle an und spielte auf Schützenfesten und anderen Feiern. Seine Tochter schildert ihn als humorvoll und zu Streichen aufgelegt.

Hobbyfotograf

Wilhelm Buchholz besaß als einer der ersten in Neuenfelde einen Fotoapparat. Es existieren viele Passfotos, die er von Neuenfeldern gemacht hat. Fotografie war sein Hobby, er entwickelte die Filme selbst. Er war aber auch ein politischer Mensch und Gegner der Nationalsozialisten. Deswegen stritt er oft mit seinem Sohn, der Hitler-Anhänger war. Außerdem wird erzählt, dass er bei Festumzügen und anderen feierlichen Anlässen nicht die Hakenkreuzfahne herausgehängt hatte.

„Bummelant“

Im Winter 1944/45 nahm die Gestapo ihn fest und lieferte ihn ins „Arbeitserziehungslager“ (AEL) der Gestapo in Wilhelmsburg am Langen Morgen ein. Die Gestapo unterhielt etwa 200 solcher Lager. Das Wilhelmsburger AEL war das einzige auf hamburgischem Gebiet. Die Insassen waren dort wegen angeblichen „Bummelantentums“ (besonders in Betrieben, die als kriegswichtig erklärt waren), aber auch wegen unliebsamer politischer Äußerungen, Abhörens von „Feindsendern“ oder nach Verbüßung von Strafhaft eingeliefert worden. Im Unterschied zum KZ war die Haft auf 56 Tage befristet, sie konnte aber verlängert worden. Besonders betroffen waren Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter. Das Lager am Langen Morgen war für 800 Gefangene eingerichtet, aber ständig überbelegt. Eine Frauenbaracke sollte 250 Frauen aufnehmen, zeitweise mussten hier bis zu 600 zusammengepfercht leben. Die Straße Langer Morgen war eine Parallelstraße des Eversween. Reste sind heute noch zwischen Bahngleisen sichtbar.

Selbständiger Tischler

Warum Wilhelm Buchholz in dieses Lager kam, wissen wir nicht mit Sicherheit. Entweder hat ihn ein Nachbar bei der Gestapo angeschwärzt oder er hatte sich geweigert, in der Kriegsproduktion zu arbeiten. Nachdem Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943 den „totalen Krieg“ ausgerufen hatte, sollte nur noch das produziert werden, was nach Meinung der Nationalsozialisten kriegswichtig war. Wilhelm Buchholz betrieb als selbstständiger Tischler eine eigene Werkstatt. Es wird erzählt, dass er es ablehnte, diese zu schließen und in der Kriegsproduktion auf der Deutschen Werft zu arbeiten.

Die Häftlinge vom Lager Langer Morgen wurden nach dem Morgenappell nach Wilhelmsburg oder in das Hafengebiet geführt, wo sie unter steter Gefahr durch Luftangriffe arbeiten mussten. Wie in allen Lagern wurden sie völlig unzureichend ernährt. Die hygienischen Verhältnisse spotteten jeder Beschreibung. Es gab nicht einmal Seife zum Waschen, der „Gestank des Lagers Langer Morgen“ ist sprichwörtlich geworden.

Von Wachleuten erschlagen

Am 12. Februar 1945 kam Wilhelm Buchholz im Lager ums Leben. Es heißt, er wurde von den Wachmannschaften erschlagen. Er wurde 58 Jahre alt. Der Leichnam wurde nach Neuenfelde überführt. Seine Tochter, die den Sarg in Augenschein nehmen wollte, fand jedoch eine Frauenleiche vor. Dennoch hoffen seine Angehörigen, dass Wilhelm Buchholz auf dem Neuenfelder Friedhof bestattet wurde.
© Hans-Joachim Meyer

(leichte Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

Quellen: Lotfi, Gabriele: KZ der Gestapo. Arbeitserziehungslager im Dritten Reich, Stuttgart/München 2000; VVN-BdA Harburg (Hrsg.), Die anderen, S. 271ff.; Literatur über die Arbeitserziehungslager; alle Angaben zu Wilhelm Buchholz verdanken wir der Kirchengemeinde Neuenfelde, Verwandten oder Nachbarn, besonders seinen Enkelinnen Anna Köster und Gunda Neumann-Henneberg.

Weiterführende Links: stolpersteine-hamburg.de, www.gedenken-in-harburg.de

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Gefallen gegen Franco https://www.tiefgang.net/gefallen-gegen-franco/ Fri, 01 Sep 2017 22:01:26 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1950 [...]]]> Er war Kommunist und Kämpfer. Zum Opfer fiel er letztlich Francos Truppen im spanischen Bürgerkrieg: der Harburger Max Neubacher.

Der Arbeiter Max Neubacher wurde am 19. April 1895 in Harburg geboren, war Kommunist und leitete die „Rote Marine“ in Harburg. Das war eine Abteilung des „Roten Frontkämpferbundes“, der in Preußen (also auch in Harburg) nach dem blutigen 1. Mai in Berlin 1929 verboten wurde. Neubacher wohnte 1923 in der Neuen Straße 14. Als Beruf wiesen die Adressbücher „Händler“ und „Bote“ aus. Weitere Adressen lauteten Bremer Straße 127 (im Jahr 1928) und Friedrich-Naumann-Straße 8 (im Jahr 1930). Er heiratete die 1894 geborene Luise Attermüller aus Magdeburg. Einen acht Jahre jüngeren Bruder namens August hatte er auch noch.
Nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 wurde Max Neubacher wie viele Kommunisten und Sozialdemokraten in „Schutzhaft“ genommen, die er vom 6. März bis zum 1. Juni 1933 im Harburger Gerichtsgefängnis in der Buxtehuder Straße verbrachte. Von dort wurde er ins Gerichtsgefängnis Altona verlegt. Über einen Prozess oder eine Verurteilung ist nichts be­kannt.

Gerichtsgefängnis Harburg

1934 hatte er zusammen mit seinem Bruder August Kontakt zu Karl Nieter, der später nach Dänemark emigrierte und als Kurier des kommunistischen Widerstandes wiederholt nach Harburg kam. August Neubacher beherbergte Karl Nieter öfter in seiner Wohnung an der Langen Straße 14 (heute: Goldtschmidtstraße). 1937 wurde August Neubacher verhaftet, kam ins Kola-Fu, dann in Untersuchungshaft in Hamburg und Berlin und wurde wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ (im Prozess Günther) verurteilt. August Neubacher überlebte die NS-Zeit und wohnte nach dem Krieg in Fischbek (Haus Nr. 175).

Schon früher geriet auch Max Neubacher wieder ins Visier der Gestapo. Er ahnte das wohl und entkam auf einem Schiff nach Dänemark. Seine letzte Wohnadresse in Harburg war die Feldstraße 3a, neben dem heutigen Haus Kalischerstraße 3. Ab 15. August 1935 galt er als „unbekannt verzogen“. Luise Neubacher blieb zunächst in der Wohnung Feldstraße 3a, im Juni 1938 zog sie um in die Gerade Straße 8.

Francos Putsch 1936

Am 18. Juli 1936 putschten in Spanien Generale unter Francisco Franco gegen die nach demokratischen Wahlen entstandene Volks-frontregierung der Spanischen Republik. Militärisch unterstützt wurden die Putschisten vom nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien. Deutsche Transportflugzeuge brachten Francos Söldnerheer von Spanisch-Marokko aufs spanische Festland, später schickten Deutschland und Italien auch Truppen, z. B. die deutsche „Legion Condor“.

Aus ganz Europa und den USA kamen Freiwillige, um den Kampf der Spanischen Republik gegen den Faschismus zu unterstützen. Sie wur­den in den „Internationalen Brigaden“ zusammengefasst. Die Exilleitungen der SPD und KPD hatten zur Unterstützung der legalen Regierung aufgerufen. Als Journalist oder auch in politischer Funktion waren z. B. die späteren SPD-Vorsitzenden Willy Brandt und Erich Ollenhauer in Spanien.

Politik der Nichteinmischung

Viele Emigranten wollten in den „Internationalen Brigaden“ kämpfen und gelangten zum Teil auf abenteuerlichen Wegen nach Spanien, denn Frankreich verfolgte die Politik der „Nichteinmischung“ in den Bürgerkrieg, und die ging so weit, dass Antifaschisten die Grenze nach Spanien nicht legal überschreiten durften.

Max Neubacher  gehörte zu den Harburgern, die in Spanien auf der Seite der Republik kämpften. Er war im Tschapajew-Bataillon, und zwar als Zugführer der 1. Kompanie. Dieses Bataillon, benannt nach einem Heerführer der Sowjets im russischen Bürgerkrieg gegen die „Weißen“ (die Bürgerlichen und Monarchisten), bestand hauptsächlich aus Deutschen und Österreichern. Es gehörte zur XIII. Internationalen Brigade. Sie wurde nach der verlustreichen Schlacht bei Brunete (Juli 1937) aufgelöst und der XI. Brigade angegliedert.

Leutnant Neubacher

Das Tschapajew-Bataillon kämpfte im April 1937 an der Grenze von Andalusien und Estremadura beim Sturmangriff auf den Bahnhof Valsequillo. Hier wurde Max Neubacher später wegen besonderer Tapferkeit ausgezeichnet und zum Teniente (Leutnant) befördert. Aus seiner Feder gibt es über diese Schlacht einen ausführlichen Bericht in der Schrift „Tschapajew – das Bataillon der 21 Nationen“, die 1938 auf Deutsch in Madrid erschien.

Vom Dezember 1937 bis zum Februar 1938 gab es heftige Kämpfe um die Stadt Teruel im Süden der Provinz Aragón. Die Stadt lag nur 140 km vom Mittelmeer entfernt, Francos Truppen wollten hier, von Norden kommend, das republikanische Gebiet in zwei Teile aufspalten (was ihnen später auch gelang). Die Stadt wechselte zweimal ihren Besitzer, bis im Februar Franco endgültig siegte. Bei diesen Kämpfen fiel Max Neubacher am 10. Januar 1938 vor Concud an der Straße Teruel–Zaragoza.

© Hans Joachim Meyer

Quellen: VVN-BdA Harburg (Hrsg.), Die anderen, S. 55, 169ff.; Hochmuth/Meyer, Streiflichter, S. 176, 201; StaH, 332-8 Meldewesen, A44, A46; StaH, 430-64 Amtsgericht Harburg II B 25; StaH, Adressbücher Harburg-Wilhelmsburg; VVN, Komitee-Akten; Heyl/Maronde-Heyl, Abschlussbericht; Totenliste VAN.

(leichte Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

Standort:  google/maps

Weiterführende Links: stolpersteine-hamburg.de und gedenken-in-harburg.de

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Seinen Widerstand brach nur er selbst https://www.tiefgang.net/seinen-widerstand-brach-nur-er-selbst/ Sat, 22 Jul 2017 06:03:40 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1398 [...]]]> 10 Jahre Schutz- und Untersuchungshaft, Verhöre und Repressalien. Irgendwann reichte wohl die Kraft nicht mehr.

Berthold Bormann wurde am 25. Nov. 1904 in Straßfurt geboren und trat 1931 der KPD bei, 1932 wurde er Hauptkassierer der Partei in Harburg. Er war wegen Landfriedensbruchs und Widerstandes gegen die Staatsgewalt vorbestraft. Seit 1932 wohnte er am Reeseberg 90.

Die Adresse davor lautete Friedrich-List-Straße 18. Laut Adressbuch von 1942 lebte er später noch in der Bonusstraße 24a. Vermutlich war seine Wohnung am Reeseberg ausgebombt. Verheiratet war er mit Anna Reuter, geb. am 02. Jun. 1905 in Harburg.

Hintergrund:
Als Hitler am 30. Januar 1933 Reichskanzler wurde, bereitete sich alsbald die KPD auf die Illegalität vor. Aus den Wohnzellen wurden Dreier- und Fünfergruppen gebildet. Am 27. Februar brannte in Berlin der Reichstag. Als Brandstifter wurde Marinus van der Lubbe festgenommen. Ob er Hintermänner hatte, wird wohl nie mehr festgestellt werden können. Die Reichsregierung belastete die Kommunisten mit dem Brandanschlag. Am 28. Februar wurden mit der Verordnung des Reichspräsidenten zum „Schutz von Volk und Staat“ die meisten Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt. Massenverhaftungen gegen Kommu­nisten und auch Sozialdemokraten setzten ein. Selbst Abgeordnete blieben ungeachtet ihrer Immunität nicht verschont. Die sozialdemokratische und kommunistische Presse wurde verboten, die KPD faktisch zerschlagen, jedoch anders als die SPD nie offiziell verboten.

Kontakte im ganzen Süderelbe-Raum

Berthold Bormann beteiligte sich von Anfang an am kommunistischen Widerstand. Zum KPD-Unterbezirk Harburg-Wilhelmsburg gehörten damals auch Teile Nordniedersachsens von Buxtehude über Lüneburg und Uelzen bis Bleckede und Neuhaus. Bormann knüpfte Kontakte zur illegalen Organisation in Winsen, Lüneburg und dem rechtselbischen Neuhaus, brachte Zeitungen (die in Harburg hergestellte „Norddeutsche Zeitung“) und Schriften dorthin und nahm Geld für die Partei und die „Rote Hilfe“ in Empfang.

Auch per Post wurden Materialien über Deckadressen an bei der Polizei unbekannte Kommunisten verschickt, die diese dann weiterzugeben hatten. Für schriftliche Mitteilungen entwickelte Bormann einen eigenen Code, den er seinen Kontaktleuten in Winsen und Lüneburg erläuterte.

Gefängnis an der Buxtehuder Straße

Am 24. Juli 1933 wurde er festgenommen, vom 1. August bis 19. September befand er sich in „Schutzhaft“ im Gefängnis an der Buxtehuder Straße. Am 18. Oktober kam er nach einer erneuten Verhaftung ins gleiche Gefängnis, am 22. Januar 1934 ins Gerichtsgefängnis Lüneburg. Im so genannten Lüneburger Hochverratsprozess beim Kammergericht Berlin wurde er am 24. Januar 1934 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Am 24. Februar 1936 wurde er aus dem Emslandlager Börgermoor mit 28,80 RM „Arbeitslohn“ entlassen. Börgermoor war damals offiziell kein KZ mehr, sondern als Strafgefangenenlager der Justizverwaltung unterstellt. An der Behandlung der Gefangenen hatte sich aber dadurch nichts geändert.

Widerstand bei der Phoenix

Trotz seiner Erlebnisse in der Haft und im Lager beteiligte sich Berthold Bormann erneut am Widerstand. Während des Kriegs gehörte er zur Organisation um Bästlein, Jacob und Abshagen (siehe unter Karl Kock).

Sie hatte Zellen in mehreren Hamburger Betrieben gebildet, auch auf den Werften. Bormann war der Verbindungsmann der Leitung der Widerstandsgruppe (über Oskar Reincke) zu den Harburger Betriebszellen. Anfang Mai 1942 nahm er Kontakt zu Karl Kock mit dem Ziel auf, auf der Phoenix, wo dieser arbeitete, eine Zelle der Widerstandsgruppe aufzubauen. Er half zusammen mit der Leitung der Widerstandsgruppe mit, den mit dem Fallschirm über Ostpreußen abgesprungenen und von der Gestapo gesuchten Wilhelm Fellendorf zu verstecken und außer Landes zu bringen (siehe unter Herbert Bittcher).

In der Verhaftungswelle ab 15. Oktober 1942 wurden Fellendorf und viele Mitstreiter der Bästlein-Organisation aufgespürt und festgenommen, darunter auch Berthold Bormann. Karl Kock konnte sich der Verhaftung zunächst entziehen und tauchte bei verschiedenen Freun­den und Verwandten unter.

Berthold Bormann war in „Schutzhaft“ im Gestapogefängnis Fuhlsbüttel vom 21. Oktober 1942 bis zum 14. März 1943. Er wurde von der Gestapo auf freien Fuß gesetzt mit der Auflage, Karl Kock ausfindig zu machen. Er ging wohl zum Schein darauf ein, besuchte Karl Kocks Ehefrau Elfriede in Wilstorf (Am Mühlenfeld 107) und zeigte ihr seine von der Folter zerquetschten Finger. Er verriet aber nichts, vermutlich kannte nicht einmal Elfriede Kock das Versteck ihres Mannes. Am 25. März 1943 kam er in Untersuchungshaft am Holstenglacis, wurde aber schon einen Tag später wieder entlassen, weil man ihm nichts nachweisen konnte und seine Mitstreiter den unmittelbaren Kontakt Bormanns zur Leitung der Widerstandsorganisation nicht preisgegeben hatten. Am 22. November 1943 erhielt er erneut eine Vorladung zur Gestapo. Am Tag darauf erhängte er sich in seiner Wohnung.

© Hans-Joachim Meyer

(Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

stolpersteine-hamburg.de

Quellen: Hochmuth/Meyer, Streiflichter; VVN-BdA Harburg (Hrsg.), Die anderen; VVN-BdA Harburg (Hrsg.), Stumme Zeugen; Geschichtswerkstatt Lüneburg (Hrsg.): Heimat, S. 194ff.; StaH, 242-1-II, Gefängnisverwaltung II, Abl. 1998/1; StaH, 331-1-II, Polizeibehörde II; StaH, 332-8 Meldewesen, A46; StaH, 430-64 Amtsgericht Harburg II B 25; StaH,, Adressbücher Harburg-Wilhelmsburg und Hamburg; Mitteilung Männergefängnis Hamburg-Harburg vom 21.4.1949; Prozessakten Berthold Bormann und Karl Kock, Privatbesitz; Heyl/Maronde-Heyl, Abschlussbericht; Totenliste VAN.

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Olinka. Eine Freundschaft, die im Krieg begann https://www.tiefgang.net/olinka-eine-freundschaft-die-im-krieg-begann/ Sat, 08 Jul 2017 06:52:14 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1442 [...]]]> Olga – oder auch Olinka, wie sie von ihren Freundinnen liebevoll genannt wurde – Minichová gehörte zu den 500 tschechischen Jüdinnen, die im Winter 1944/45 im KZ-Außenlager am Falkenbergsweg in Hamburg-Neugraben als Arbeitssklavinnen der deutschen Kriegswirtschaft ein trostloses Dasein fristeten. Ein Lichtblick in dieser schweren Zeit war für sie die Freundschaft, die sie mit dem Niederländer Bram de Knegt aus dem angrenzenden Arbeitslager verband. Er half ihr, dieses Grauen zu überleben, während seine Frau zu Hause allein mit ihren Kindern durch den Hungerwinter zu kommen versuchte.

Im Sommer 1945 kehrten Olinka und Bram in ihre Heimatländer zurück, in denen sie bald ihre eigenen Kreise zogen. Trotz dieser räumlichen Trennung blieben sie einander bis an ihr Lebensende freundschaftlich verbunden. Das Geheimnis dieser wunderbaren Freundschaft blieb jedoch allen, die ihnen nahe standen, jahrzehntelang verborgen.

Erst nach dem Tod seines Vaters und dem Tod ihrer Mutter begaben sich Peter de Knegt und Hana Kralová auf eine spannende Spurensuche, die ihnen schließlich einen tiefen Einblick in das Geheimnis dieser einzigartigen Freundschaft ermöglichte und eine neue Freundschaft begründete.

Deutsche Übersetzung von Hans-Joachim Meyer mit einem ergänzenden Beitrag von Karl-Heinz Schultz über „Die Barackenlager am Falkenbergsweg in Neugraben”, Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-Ost (Hrsg.), Hamburg 2010.

Taschenbuch: 134 Seiten, ISBN-10: 300031881X, ISBN-13: 978-3000318818, Preis: 9,– €

Erhältlich auch über www.gedenken-in-harburg.de

 (21. Jun. 2017, TG)

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Betonwürfel gegen das Vergessen https://www.tiefgang.net/betonwuerfel-gegen-das-vergessen/ Sat, 01 Jul 2017 06:57:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1530 [...]]]> Es war wohl ein `Kuss der Muse´, der den Künstler Gunter Demnig vor 22 Jahren dazu animierte, in aller Stille in Köln den ersten STOLPERSTEIN für ein Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen. Dass diese unspektakuläre Einzelaktion inzwischen zu einer Volksbewegung geworden ist, ahnte damals wohl niemand.

Ein Beitrag von Klaus Möller

Europaweit erinnern inzwischen über 61.000 Stolpersteine – darunter 207 in Harburg – an Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die 10cm x 10cm x 10cm großen Betonwürfel tragen Inschriften mit den Namen, den Lebensdaten und den Todesorten der Ermordeten und liegen vor den Gebäuden, in denen sie einst wohnten oder arbeiteten.

An dem Bau dieses weltweit größten dezentralen Denkmals für die Opfer des Nationalsozialismus sind inzwischen ganze Heerscharen von Förderern und Freunden des Projekts aktiv – und weitgehend ehrenamtlich – beteiligt. Während die einen in endloser Reihenfolge – auch im Bezirk Harburg – mit ihren Spenden die Herstellung und Verlegung dieser Bausteine finanzieren, erforschen die anderen auf unterschiedlichen Wegen in unzähligen Groß- oder Kleingruppen – wie die Mitglieder der `Initiative Gedenken in Harburg´ – in engem Kontakt mit dem Kölner Künstler die Namen, die einstigen Wohn-adressen und das jeweilige Schicksal der Menschen, denen die Nationalsozialisten ihr Leben nahmen.

Auf diese Weise trägt die `Initiative Gedenken in Harburg´ tatkräftig zur Verankerung dieses speziellen Erinnerungsprojekts vor Ort bei. [Ein Großteil ihrer Forschungsergebnisse ist nachlesbar in dem Buch `Barbara Günther, Margret Markert, Hans-Joachim Meyer, Klaus Möller, Stolpersteine in Hamburg-Harburg und Hamburg-Wilhelmsburg – Biographische Spurensuche, Landeszentrale für politische Bildung, Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Hrsg.), Hamburg 2012]

Die ersten Stolpersteine: 1995 in der Kölner Bobstraße 1 (Foto: Demnig)

Darüber hinaus lädt die `Initiative Gedenken in Harburg´ in regelmäßigen Abständen zu öffentlichen Rundgängen zu Gedenkorten mit Stolpersteinen für Opfer des Nationalsozialismus im Bezirk Harburg und zu öffentlichen Gedenk- und Informationsveranstaltungen anlässlich der Einweihung neuer Stolpersteine – mitunter auch im Beisein von Angehörigen – im Hamburger Süden ein, auf denen weitere Einzelheiten des Projekts zur Sprache kommen.

Auch das Online-Feuilleton Tiefgang von SuedKultur möchte jetzt nicht länger abseits stehen und mit der Veröffentlichung einer Serie von Biographien Harburger Opfer des Nationalsozialismus dazu beitragen, dass diese Toten nicht in Vergessenheit geraten und ihre Mahnung zur Wachsamkeit gerade auch in Zeiten immer stärkerer fremdenfeindlicher Hetze und zunehmender gesellschaftlicher Isolierung Andersdenkender nicht ungehört verhallt.

Darüber hinaus wird es auch nicht an Hinweisen auf die anderen Veranstaltungen der  `Initiative Gedenken in Harburg´ fehlen, mit denen sie versucht, die NS-Vergangenheit vor Ort aufzuarbeiten, – ob im Rahmen der jährlichen HARBURGER GEDENKTAGE oder im Zuge ihrer weiteren Erforschung der Geschichte der Lager am Falkenbergsweg in HH-Neugraben in der NS-Zeit oder im Verlaufe ihrer nach wie vor intensiven Suche nach immer noch unentdeckten Spuren des Widerstands der `Weißen Rose´ gegen das NS-Regime auch im Hamburger Süden.

30. Jun. 2017, Klaus Möller

Initiative Gedenken in Harburg, Ev.-Luth.Kirchenkreis Hamburg-Ost,

Hölertwiete 5, 21073 Hamburg, gedenken-in-harburg.de

 

 

 

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Vater dreier Kinder und Kommunist https://www.tiefgang.net/vater-dreier-kinder-und-kommunist/ Sat, 27 May 2017 07:00:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1198 [...]]]> Er war Harburger und er war Kommunist. Sein Widerstand ging lange und war letztlich doch erfolglos.

Otto Gromball wurde am 27. Feb. 1891 im ostpreußischen Wogram, Kreis Pillau, geboren. Er heiratete, den Namen seiner Ehefrau kennen wir nicht. Aus der Ehe, die später wieder geschieden wurde, gingen drei Kinder hervor: Christa, geb. 29.1.1921, Gerd, geb. am 19.10.1922, und Elli, geb. am 19.6. 1925, alle geboren in Harburg. Die Familie wohnte ab 1936 in der Grumbrechtstraße 32 in Heimfeld, vorher lebte sie in der Langen Straße 10, die heute Goldschmidtstraße heißt. Nach der Scheidung wohnte Otto Gromball vorübergehend bei der Familie Löll im Hohlweg 8, der heutigen Nobleestraße.

Otto Gromball war Kommunist und Mitglied der kommunistischen Gewerkschaft RGO („Revolutionäre Gewerkschaftsorganisation). 1933 ging er in den Widerstand. Er ermunterte mehrere RGO-Kollegen, in die SA einzutreten, um Informationen über die „Hilfspolizei“ herauszubekommen. Die Polizei war damals durch „Hilfspolizisten“ aus SA und SS verstärkt worden.

Im August 1933 durchsuchte die Polizei Otto Gromballs Wohnung. Sie fand bei ihm ein Exemplar der illegal hergestellten RGO-Zeitung „Der Industriearbeiter“. Er wurde aber, soweit wir wissen, nicht festgenommen. Noch bis Mitte 1934 wurden illegale RGO-Materialien vertrieben. 1934, als in Hamburg und Umgebung rund 800 RGO-Mitglieder festgenommen wurden, war Otto Gromball jedenfalls nicht unter den Verhafteten.

Er muss aber weiter im Widerstand aktiv gewesen sein, vermutlich außerhalb Harburgs. Irgendwann kam er in Haft und wurde wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, über den Prozess ist uns nichts bekannt. Er kam ins Zuchthaus Rendsburg. Dort ist er am 30. April 1944 im Alter von 53 Jahren unter ungeklärten Umständen umgekommen.

© Hans-Joachim Meyer www.gedenken-in-harburg.de

(Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

Quellen: VVN-BdA Harburg (Hrsg.), Die anderen, s. Personenverzeichnis; StaH, 351-11, AfW, Otto Gromball; VVN, Komitee-Akten.

stolpersteine-hamburg.de

 

 

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Aus der Vergangenheit für die Zukunft https://www.tiefgang.net/aus-der-vergangenheit-fuer-die-zukunft/ Sat, 06 May 2017 06:00:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1033 [...]]]> Erinnerungen sind nicht immer schön. Aber sie sind nötig, um das Morgen zu gestalten. Erst recht wie bei der Initiative „Gedenken in Harburg“. Auch 2017 ist noch viel geplant …

Vor gut 15 Jahren startete das Projekt „Stolpersteine“ in Hamburg. An den Wohnorten ehemaliger Opfer werden seither goldene Steine mit Namen, Geburtsdatum und oft Zeitpunkt der Deportation sowie Ort desselbigen in den Boden eingelassen und so „stolpert“ man beim Gang durch die Straßen regelmäßig überNamen und Biographien unserer Geschichte. Diese Initiative gründete 1995  der Kölner Künstler Gunter Demnig. Mit seinem Projekt erinnert er so durch die Gedenksteine europaweit an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vor deren früheren Wohnorten – seit 2002 auch in Hamburg. Die Anzahl der Stolpersteine in Hamburg beläuft sich bereits auf mehr als : 5200!

Bei der Recherche nach Opferdaten wurde überwiegend auf im Staatsarchiv Hamburg vorhandene Kopien von Deportationslisten zurückgegriffen. Hierin fanden sich jedoch grundsätzlich nur die letzten Wohnadressen – also Wohnungen, die zumal den jüdischen Opfern sehr häufig zwangsweise zugewiesen wurden. Dies hat zunächst dazu geführt, dass vor den ehemaligen so genannten ‚Judenhäusern’ eine Häufung von Stolpersteinen anzufinden war, während dort, wo die Opfer ihren eigentlichen Lebensmittelpunkt hatten, kein Stolperstein auf ihre Verfolgung und Ermordung hinwies.

Foto: Initiative Gedenken in Harburg

Ab etwa 2004 griff man dann auch auf Anschriften aus der Kultussteuerkartei der früheren jüdischen Gemeinden in Hamburg und ergänzend auf alte Adressbücher zurück. Dies machte es möglich, Adressen ausfindig zu machen, an denen diese Opfer ohne Drangsalierung bis Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts gelebt haben. Nach Mitte der 30er Jahre wurden in diesen Unterlagen häufig Anschriften vorgefunden, an denen die Verfolgten nur noch zur Untermiete gelebt haben oder es waren Häuser von jüdischen Wohnstiften sowie Gebäude der jüdischen Gemeinde in Hamburg, in die sie aufgrund behördlicher Anordnung einquartiert wurden.

Eine der heutigen selbst gestellten Aufgaben der Initiative Gedenken in Harburg ist es, die jährlichen Harburger Gedenktage zu organisieren. Sie finden jedes Jahr um den 9. November, den Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938, statt und werden mit vielfältigen Veranstaltungen begangen. Neben Ausstellungen werden Vortrags- und Filmabende, Lesungen, öffentliche Zeitzeugengespräche oder Exkursionen angeboten. Auch Publikationen bringt die Initiative heraus. So wurden mehr als 180 Stolpersteine in Hamburg-Harburg und Hamburg-Wilhelmsburg an Männer, Frauen und Kinder, die in der NS-Zeit von den Nationalsozialisten aus der `Volksgemeinschaft´ausgeschlossen und ermordet worden, dokumentiert und die Geschichte hinter diesen `Mini-Denkmalen´ in mühevoller Kleinarbeit erforscht und als Buch herausgegeben.

Günther, Markert, Meyer u. Möller: Stolpersteine in Hamburg-Harburg und Hamburg-Wilhelmsburg, Hamburg 2012. Preis: 3,– €

 

Aber die Gedenkarbeit ist noch viel umfangreicher. Die Initiative, die sich überkonfessionell und unabhängig versteht, über sich selbst: „Wir, die Initiative Gedenken in Harburg, stellen uns der Aufgabe, die Geschichte des Nationalsozialismus im Stadtteil zu beleuchten. Wir wollen nicht nur das geschehene Unrecht vorbehaltlos aufzeigen, sondern auch der Harburger Opfer des NS-Regimes gedenken. Dabei gilt es, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen.

Lebendige Erinnerungskultur

Mit unserer ehrenamtlichen Arbeit möchten wir in Harburg eine lebendige Erinnerungskultur verankern und so das Bewusstsein für die Demokratie stärken. Unsere Initiative ist dem Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-Ost angegliedert. Sie wird vom Bezirksamt Harburg und der Harburger Bezirksversammlung unterstützt.

Gespräche mit Zeitzeugen sind aus naheliegenden Gründen immer seltener geworden. Daher war es uns eine besondere Ehre und Freude, gleich zwei von ihnen begrüßen und zu verschiedenen Veranstaltungen begleiten zu dürfen: Hana Weingarten und Eva Smolková-Keulemansová.“

Noch 2017 plant die Initiative eine größere Zahl von Harburger Kulturträgern an der Gestaltung der Gedenktage zu beteiligen. Die Koordinatorin dieser Neugestaltung der Gedenktage obliegt Katja Hertz-Eichenrode:

„Im November 2017 werden die Harburger Gedenktage in einer neuen Form stattfinden.

Alle Harburger Schulen, Religionsgemeinschaften, Kultureinrichtungen, politischen, gesellschaftlichen und sozialen Organisationen und Vereine sind eingeladen, sich mit Beiträgen und Veranstaltungen an den Harburger Gedenktagen zu beteiligen, sie zu gestalten und zu bereichern. Die Harburger Gedenktageerinnern an die Opfer und die Verfolgten des Nationalsozialismus  – mit dem Fokus auf Akteure und Ereignisse im Bezirk Harburg. Dabei ist das Gedenken an die Pogromnacht in Harburg, bei der am 10. November

1938 der jüdische Friedhof am Schwarzenberg geschändet und die Harburger Synagoge verwüstet wurden, ein fester Bestandteil der Harburger Gedenktage. Das Motto Erinnern für die Zukunft zeigt, dass die Harburger Gedenktage sowohl in die Vergangenheit wie auch auf die Gegenwart und in die Zukunft schauen. Extremismus, Diskriminierung und Verfolgung, Flucht und Vertreibung, Krieg, Selbstbehauptung und Widerstand sind auch aktuelle Themen. Mit dem Wissen um und aus der Verantwortung für die deutsche Vergangenheit beziehen die Harburger Gedenktage Stellung in der heutigen Zeit. Die Harburger Gedenktage stellen sich der Herausforderung, neue Formen des Erinnerns und des Gedenkens zu entwerfen und zu erproben. Die Harburger Gedenktage sind eine Veranstaltung aller Generationen!

Schulklassen und Jugendgruppen sind besonders aufgerufen, sich an den Harburger Gedenktagen zu beteiligen und Ergebnisse von Projekten oder AGs vorzustellen!

Viele Veranstaltungsformate sind denkbar:

  •  Vorträge und (Podiums-) Diskussionen
  • Filmvorführungen, Theateraufführungen
  • Stadtrundgänge und -rundfahrten
  • Ausstellungen (Fotos, Bilder, Objekte, von Laien und Profis…)
  • Konzerte (Chor, Klassik, Liedermacher, Rock, Jazz….)
  • Gottesdienste, Andachten, Meditationen
  • Zeitzeugengespräche
  • Sportveranstaltungen
  • Lesungen, Buchvorstellungen (Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher, Romane,…)
  • interkulturelle Begegnungen Ideen und Fragen gerne an gedenktage(at)gedenken-in-harburg.de

Auch wir wollen das Gedenken künftig unterstützen und werden hier regelmäßig Biografien ehemaliger Harburger*innen vorstellen und Sie über diese Geschichte an die Orte dieser Menschen und die „Stolpersteine führen. Denn es waren Menschen unter uns. Sie sind nicht einfach verschwunden. Sie sind deportiert und häufig umgebracht worden. Zur Zeit sind allein für Harburg 217 Namen (!) in der Datenbank erfasst – und die Suche geht weiter!

Zur Website der Initiative mit Terminen, weiteren Informationen und Buchtiteln: gedenken-in-harburg.de

Zum Stolperstein-Künstler Gunter Demnig finden sich Informationen auf seiner website: www.gunterdemnig.de 

Die Aktion „Stolpersteine“ selbst finden Sie unter der website: www.stolpersteine-hamburg.de.

(05. Mai 2017, hl)

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