Petra Hagedorn – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 04 Aug 2022 10:45:48 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 SuedArt´22: die Kunst des Südens https://www.tiefgang.net/suedart22-die-kunst-des-suedens/ Fri, 05 Aug 2022 22:04:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9246 [...]]]> Am Wochenende vom 19. bis 21. August wird die Friedrich-Ebert-Halle in Hamburg-Heimfeld zur Kunstarena. Denn dann lädt die Kunstleihe Harburg zur großen SuedArt22,bei der weit mehr als nur Kunst zu sehen ist.

Weit über 30 Künstler*innen und Kunstgruppen insbesondere aus dem Süden Hamburgs zeigen dann in den großen Foyers der Friedrich-Ebert-Halle aktuelle Arbeiten und laden zur Betrachtung aber auch zum Gespräch ein. In den Vorräumen der Balkone gibt es zudem  Installationen etwa aus Draht und Videoanimation, die wie ein Hologramm und mit musikalischer Umrandung ein längeres Betrachten und Verweilen ermöglicht. Im Souterrain wiederum findet sich eine Neuauflage des Harburger Kunstsalons, in dem verschiedene Gespräche vor allem mit Vertreter*innen von Harburger Kunstorten unterhaltsam aber eben auch informativ Einblicke in die Ausstellungsarbeit, ihre Entstehungsgeschichten und Urheber geben. Und: am Samstag (21.8.) wird es zum Abend auch noch musikalisch!
Also alles ist bereitet, um Harburgs Kunstszene in all ihren Facetten kennen und schätzen zu lernen! Die Leiterin des Projekts SuedArt22, die Künstlerin Antje C. Gerdts aus Moorburg: „Nachdem es im letzten Jahr beim SuedKulturSommer 2021 auf dem Schwarzenberg ein erstes Harburger Kunstfest gab, war allen Beteiligten schnell klar: das wollen wir am liebsten jedes Jahr!“ Vergangenes Jahr wurde es im Rahmen des pandemiebedingten Open-Air-Sommers mit zehn Zelten und täglich wechselnden Künstler*innen aufgesetzt und präsentierte gleich mehr als 60 Künstler*innen und Kunstgruppen. In der Innenwirkung war es wie ein befreiendes ´Klassentreffen` und verdeutlichte zugleich nach Außen die Vielfalt, Größe und Stärke, die die Harburger Kunstszene mittlerweile hat. „Dank einer Unterstützung durch das Bundesförderprogramm „Neustart Kultur“ überlegten wir im Kunstleihe-Team, ein ähnliches Kunstspektakel dieses Jahr lieber als Indoor-Event umzusetzen. Dabei war es gar nicht so einfach, entsprechend große Räume in Harburg ausfindig zu machen, die der Kunstszene einen angemessenen Platz geben. Zum Glück fanden wir ein Zeitfenster in der Friedrich-Ebert-Halle.“

Die Friedrich-Ebert-Halle als eigens 1930 fertiggestellter Konzertsaal für über 1.200 bestuhlte Plätze verfügt eben auch über zwei große Foyers vor dem eigentlichen Konzertsaal, die zudem über einen recht breiten und angerundeten Zwischengang miteinander verbunden sind. „Da der Bau aus der architektonischen Glanzzeit der Bauhaus-Schule stammt, ist allein das eine Betrachtung wert“, so Antje Gerdts. „Alles ist hell und Licht durchflutet, weiträumig und einladend, so dass alle Künstler*innen ausreichend Platz finden, um ihre Arbeiten adäquat ausstellen zu können. Und im Souterrain, wo einst die Kantine und Gastronomie der Pausen unterkam, bietet ein eigener Raum Platz und auch Ruhe für Petra Hagedorns Kunstsalon-Gespräche.“ Dort wird es dann zu festen Zeiten um Hintergründe des Kunstvereins Harburger Bahnhof, seine aktuellen und kommenden Ausstellungen und Künstler*innen gehen, um die Falckenberg-Sammlung, den nun schon 19 Jahre zelebrierten Harburger Kulturtag und auch den Harburger Kunstpfad sowie auch den Verein „Künstler zu Gast in Harburg“ und seinen aktuellen Stipendiaten Peter Busch aus Leipzig. Und auch zum Konzept der Harburger Open-Air-Galerie „walls can dance“ und weiteren Ideen des initiierenden „urban art instituts“ können sich Interessierte informierten lassen.

Die Liste der Künstler*innen selbst ist beträchtlich und ihre Arbeiten in Breite, Vielfalt und Aspekten schier unermesslich. Zu den Künstlern gehören Namen wie Thomas „Behri“ Behrens, Annette v. Borstel, Sven Brauer, Sanna Duschek, Harald Finke, Jens Förster, Inge Förtsch, Antje Gerdts, Irmgard Gottschlich, Sigrid Gruber, Petra Hagedorn, Ulrike Heimers-Dahm, Angelika Keusch-Wannags, Yvonne Lautenschläger, Peter Leibrock, Karl-Heinz Maukel, Werner Jarmatz, Jan Ratschat, Thomas Timm, Barbara Kathrin Möbius, Ralf Schwinge, Peter Busch (Künstler zu Gast in Harburg), Matthias Engelmann, Waldemar Sulewski, Jürgen Weber oder Gabriele Wendland. Unter den Kunstgruppen mit vielen weiteren Künstler*innen Alles wird Schön, das Habibi Atelier, Künstler zu Gast in Harburg oder die Kunstgruppe des Studiengangs e.a.s.t. der Medical School Hamburg und die Kunstgruppe WattenbergART.

Auch von der ukrainischen Künstlerin Paula Lytovchenko sind Werke zu sehen …

Unter den Namen findet sich auch Paula Lytovchenko aus der Ukraine. Sie lebt und arbeitet in Kiew, studierte dort Kunst und Architektur und ist seit den 90er Jahren als freischaffende Künstlerin tätig. Sie verfolgt in ihren Monotypien den Stil des Impressionismus, mal realistisch, mal nostalgisch. Reisen führten sie in die USA, Schweden, Frankreich, Italien, die Niederlande und auch Deutschland, wo sie auch ausstellte. Ihre bevorzugten Materialien sind Öl, Papier, Stift und Glas. Durch die Fortführung des impressionistischen Stils wirken ihre Arbeit vertraut, überraschen aber zugleich durch Unerwartetes. Die SuedArt22 wird ihr Platz geben, auch trotz des Krieges als Künstlerin tätig zu sein und ausstellen zu können.

„Kunst ist alltäglich“, so Sabine Schnell vom Vorstand der Kunstleihe Harburg. „Und als wir als Projekt des Netzwerkes SuedKultur die Kunstleihe als Artothek der vor allem Harburger Kunst 2019 auf den Weg brachten, ging es uns ja vor allem darum, diese auch in den Alltag
zu integrieren und sichtbar zu machen. Und nun hängen eben permanent mehr als 100 Werke in diversen Wohnungen, Praxen, Büros oder gar in einem Kiosk!“ Und Antje Gerdts ergänzt: “Mit der SuedArt wollen wir als Jahresevent dies nun verfestigen und ausbauen. Das  Rahmenprogramm, zu dem auch vor und nach der SuedArt unsere Führungen „Kunst vor Ort“ in eben die Harburger Kunstorte zählen wie auch der Kunstsalon eignen sich ideal, um mehr über Harburgs starke Kunstszene zu erfahren, neugierig zu sein und zu bleiben und zu begreifen, dass Kunst nicht etwas für das vermögende Establishment ist. Der Zuspruch zeigt und belegt ja: Kunst geht viele an und Kunst bewegt, ohne sich vereinnahmen lassen zu müssen. Da ist ein Event wie die SuedArt im Grunde nur die logische Konsequenz!“
Ein weiteres Highlight findet sich darüber hinaus am Samstag, 20. Aug, ab 17 Uhr mit dem Heimfelder Konzert „klangfarben“. Da stößt die im Nebengebäude untergekommene akademie für musik und kultur zur SuedArt und lädt zum Wandelkonzert. Dabei werden verschiedene Musiker*innen inmitten der ausgestellten Kunst musizieren und Klänge produzieren. Klar, auch „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgsky wird zu hören sein. Anke und David Dieterle von der Akademie: „Wir freuen uns über das SuedArt22 Kunstfest. Da wir eh seit geraumer Zeit mit unseren ´Heimfeld Konzerten` auch unsererseits einen musikalischen Beitrag zum Kulturleben im Süden einbringen, bot es sich hier ja ganz besonders an mit ´klangfarben` noch einen musikalischen Kunstbeitrag einzubringen. Es wird für uns aber vor allem die Besuchenden am 20. August spannend werden, wie sehr Musik und Kunst ganz neuen Ausdrucksformen hervorbringen!“
Absolutes I-Tüpfchen des Ganzen: der Eintritt ist frei, ganz nach dem Motto „Spendet, was es euch wert ist“, so Antje Gerdts.

Das gesamte Programm vom SuedArt-Fest aber auch den Führungen rund herum sowie über die Künstler*innen findet sich auf www.sued-art.de, wo auch das Programmheft zum Download zu finden ist.

 

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Kunstvolle Weihnacht https://www.tiefgang.net/kunstvolle-weihnacht-2/ Fri, 19 Nov 2021 23:25:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8581 [...]]]> Ab dem 25. November hat die Kunstleihe Harburg in der Meyerstraße 26 in Heimfeld wieder ihre Schaufenster hergerichtet: weihnachtlich aber vor allem kunstvoll.

Denn oft fehlt es bei der Suche nach Weihnachtsgeschenken dem einen oder anderen an Inspiration oder nach einer ganz persönlichen Note. Zum anderen haben die lokalen Künstler*innen nun seit bald 20 Monaten eine harte Durststrecke ohne Ausstellungen oder sonderliche Präsenz hinter sich. Diese bekommen hier die Gelegenheit, zumindest kleine Kunstwerke zum kleinen Preis anbieten zu können.
„Das hat schon letztes Jahr erstaunlich gut gefruchtet“, so Sabine Schnell von der Harburger Kunstleihe. „In diesem Jahr stellen wir zudem zum 100. Geburtstag des Harburger Künstlers Carl Ihrke bis Jahreswechsel Linol-Drucke mit vielen Harburger Motiven aus und bieten auch einige zum Kauf an.“ Aber auch Aquarelle und Tuschezeichnungen von Anne Flad, Regal-Kunst von Yvonne Lautenschläger, Acrylwerke von Petra Hagedorn oder Drucke von Sabine Schnell sind im Angebot und an Vielfalt und Ideen reichlich gesät. Damit bietet die Kunstleihe Harburg Interessierten nicht nur eine stilvolle und vor allem individuelle Auswahl an Präsenten an, sondern unterstützt eben zugleich die lokalen Künstler*innen Harburgs unter dem Titel „support your local artist“. „Und wenn schon viele nur noch dem Online-Shopping verfallen: Kunst ist doch nochmal etwas ganz persönliches und macht einfach mehr her“, so Anne Flad vom Organisationsteam der Kunstleihe. Unter den feilgebotenen Arbeiten finden sich auch Gutescheine für die Kunstleihe, Kunstpuzzle oder die Monsterkarten der Harburger Künstlerin Ulrike Hinrichs als Powerpack für Intuitionen. Die meisten Stücke sind rund um die Uhr und dekorativ in den Schaufenstern der Kunstleihe in der Meyerstraße 26, Ecke Bansenstraße zu sehen und zu den regulären Öffnungszeiten (Do-Fr. 14-18h und Sa., 12-18h) ohnehin besuchbar. Einfach Klingeln und um Einlass begehren!

Da aber auch die Kunstleihe Harburg als erste nonkommerzielle Artothek Hamburgs stest Unterstützung Miete aber auch Material benötigt, läuft zum Jahresende auch wieder die Spenden-Kampagne „Kohle für die Kunst“. Und es gibt auch kleine Dankeschöns je nach Spendenbetrag. Zur
Spendenkampagne hier: Kohle für die Kunst!

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Die Kunstleihe ist wieder da! https://www.tiefgang.net/die-kunstleihe-ist-wieder-da/ Mon, 05 Jul 2021 15:12:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8182 [...]]]> Die Corona-Beschränkungen machten es auch dem Team der Harburger Kunstleihe schwer. Doch nun ist die Kunst wieder da! Donnerstag geht´s los!

Kaum hatte die Kunstleihe im Januar 2020 die neuen Räume in der Heimfelder Meyerstr. 26 bezogen, kam die Pandemie und ließ frisch anberaumte Angebote für Kunstkurse und Neugierige brach liegen. Einen Schutzschirm gab und gibt es für so kleine Kunstvereine nicht, also hieß es durchhalten.

In der Kunstleihe können gut 250 Werke lokaler zeitgenössischer Künstler*innen für 6,- € im Vierteljahr geliehen werden und ermöglichen so eine niedrigschwellige aber auch persönliche Auseinandersetzung mit Kunst.

Jetzt werden Kontakte wieder möglich und die Räume werden ab kommenden Donnerstag (8. Juli) wieder geöffnet. Das Team hat nämlich personell Zuwachs bekommen. Anabell Fuchs startete zum Juli ihren Bundesfreiwilligendienst in der Kunstleihe und wird die unentgeltlich Ehrenamtlichen unterstützen.

Geöffnet für Interessierte als auch die Kunstleihe-„Stammkunden“ ist nun wieder donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 12 bis 18h.

Interessierte, die künftig lokale, zeitgenössische Kunst für Zuhause, das homeoffice, das Büro, die Praxis oder Kanzlei leihen möchten, sollten zur Registrierung ihren Personalausweis sowie 12,- € Anmeldegebühr mitbringen.

Anabell Fuchs wird in den nächsten Monaten die Kunstleihe auch bei der Einbindung neuer Künstler*innen und ihrer Werke helfen sowie für mögliche neue Kursangebote. „Die sind gefragt aber auch nötig, um die Mietkosten reinzubekommen“, so Fuchs.

Und sie ist auch schon tatkräftig eingebunden in das kommende 1. Harburger Kunstfest. Das kommt im Rahmen des Harburger SuedKulturSommers und wird vom 3. bis 8. August auf dem Schwarzenbergplatz gegenüber der Technischen Universität eine Woche lang Kunstgruppen wie Alles wird schön, das Habibi Atelier, wattenbergART oder die Kunstkarawane ebenso vorstellen wie gut 50 Einzelkünstler*innen mit aktuellen Arbeiten. Darunter Petra Hagedorn, Waldemar Sulewski, Jürgen Weber, Andrea Rausch, Harald Finke oder Yvonne Lautenschläger. In der Woche bleibt die Kunstleihe in der Meyerstraße dann noch mal geschlossen.

Weitere Infos unter: www.kunstleihe-harburg.de

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Harburgs digitales Kunstgedächtnis https://www.tiefgang.net/harburgs-digitales-kunstgedaechtnis/ Fri, 24 Jul 2020 22:50:01 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7105 [...]]]> Die Kunstleihe Harburg e.V. hat in seinem gerade mal anderthalbjährigen Bestehen lokale Kunst für viele einfach zugänglich gemacht. Zu dem analogen Erlebnis kommt nun – ganz corona-like – das digitale hinzu: die eigene website ist nun online.

Die Kunstleihe Harburg, in der seit Anfang 2019 zeitgenössische lokale Kunst aus Harburg für 3 Monate und für nur 6 € für Zuhause, das Büro oder homeoffice leihbar ist, hat jetzt ihr neues Webportal online gestellt:  www.kunstleihe-harburg.de

War bisher nur ein Werksverzeichnis über die Initiativseite SuedKultur verfügbar, hat der mittlerweile eigenständige und als gemeinnützig anerkannte Verein Kunstleihe Hamburg e.V.  nun ein umfassendes digitales Portal ins Leben gerufen. Dort sind nicht nur die rund 200 Werke von Künstler*innen wie Petra Hagedorn, Anke de Vries, Yvonne Lautenschläger oder Harald Finke zu sehen. Sie können auch dort schon reserviert werden. Aber mehr noch: Maße, Techniken und Materialien finden sich und es sollen auch noch Angaben zu den biografischen Daten ergänzt werden. Dabei dient das Portal aber nicht nur dem Kunstinteressierten als Werksverzeichnis, sondern es ist über Schnittstellen mit dem Museumsportal der Museumsgenossenschaft digicult (www.museen-sh.de) verbunden. Digicult mit Sitz in Kiel wurde gegründet, um Museumsbestände nach und nach zu digitalisieren und so nicht nur hinsichtlich ihrer Herkunft verfügbar zu halten sondern auch für die Nachwelt zumindest in digitaler Form zu erhalten und sichtbar zu machen. „Das Prinzip hat uns von Beginn an gut gefallen, obwohl wir ja kein Museum sind. Aber durch diese technische Möglichkeit können auch wir auf lange Sicht die aktuelle Kunst Harburgs ins digitale Gedächtnis bringen und sichtbar machen. So sind Werke von verstorbenen Harburger Künstler*innen wie Margrit Rohmann, Theo Stenzel oder Klaus W. Mitransky erfasst und geben Einblick in ihr Schaffen. Dadurch, dass diese Kunst zudem durch die Ausleihe in viele private Haushalte kommt, bleibt die Kunst aktuell“, so Sabine Schnell vom Team der Kunstleihe.

Das wäre dem unentgeltlich ehrenamtlich arbeitenden Verein aus sich selbst heraus nicht möglich gewesen, wohl aber durch die Mitgliedschaft im Artothekenverband Schleswig-Holsteins, der sich nun auf Schleswig-Holstein/Hamburg erweitert hat.

„Die mittlerweile gut 70 Dauerleihenden, die je 2-3 Werke alle Vierteljahr wechseln und so gesamt über 100 Werke aktiv nutzen, beweisen uns, wie groß das Interesse an aktueller Kunst im Bezirk ist“, so Schnell. „Da unser Bestand nun schon binnen kurzer Zeit auf gut 200 Werke angewachsen ist, sind wir froh, diesen Schritt frühzeitig angedacht und umgesetzt zu haben. Denn ältere Artotheken (wie andernorts Kunstleihen seit den 80er Jahren meist bezeichnet werden) arbeiten noch mit Karteikarten und die riesigen Bestände später digital zu erfassen, wird zunehmend schwerer, zeitintensiver und so auch kostspieliger.“ Und auch das Harburger Kunstleihe-Team hatte dafür schon viel Zeit investieren müssen. Die Werke zu fotografieren, mit Inventarnummer, Werksname, Technik, Maßen oder Jahrgang zu versehen, wegen der Urheberrechte mit einem Wasserzeichen zu schützen, in der Datenbank der digicult-Genossenschaft einzupflegen und von dort wieder zur neuen Website zu importieren, kostete viel Zeit und auch Geld.

„Jetzt aber haben wir erst mal die aktuellen Werke erfasst und neu hinzukommende sind dann immer mal wieder einzufügen“, so Sabine Schnell, die als selbständige Grafikerin dies auch nur schaffen konnte, weil aufgrund der Corona-Pandemie derzeit Aufträge  im eigentlichen Broterwerb brach liegen. „Wir hatten für die Programmierung als auch Erfassung der Werke bei verschiedenen Stellen um Zuschüsse gebeten. Aber bei uns entstand der Eindruck, dass zwar alle von Digitalisierung reden, aber kaum wissen, was es wirklich damit auf sich hat“.

Neben dem Werksverzeichnis findet der Portalsbesucher aber auch Kursangebote aus dem Kunstbereich als auch kommende und aktuelle Ausstellungen lokaler Künstler*innen oder Ausstellungsorte wie dem Kunstverein Bahnhof Harburg. Und ein „Blog“ wird künftig nicht nur über die hintergründige Arbeit des Kunstleihe Teams informieren sondern etwa auch Erfahrungsberichte von Kunstleihenden abbilden. „Es ist nämlich schon interessant, wie unterschiedlich die Kunst auf die Menschen wirkt. Ist es bei dem einen passend zum Sofa, ist es für andere die intensive Faszination von Motiven, Techniken oder Farben. So unterschiedlich die künstlerischen Ansätze als auch Künstler*innen selbst sind, so divers ist es auch bei den Betrachtenden“, resümiert Sabine Schnell. Dies wird der Blog mit Erfahrungsberichten künftig auch dokumentieren.

Ebenso hat sich derweil eine künstlerische Gruppe aus der „Kunstklink Eppendorf“ (vormals „Kulturhaus Eppendorf“) gemeldet. Auch die will dem Beispiel Harburgs folgen und eine Kunstleihe mit den örtlichen Künstler*innen eben Eppendorfs noch dieses Jahr auf den Weg bringen. „Wir haben Ihnen nicht nur unsere gesammelten Erfahrungen zur Verfügung gestellt sondern auch über das Portal berichtet. So wie es aussieht, werden sie es auch für sich nutzen, so dass Hamburg dann eine Kunstleihe mit 2 Standorten und wohl mehr als 300 Werken lokaler Künstler*innen online findet. Damit gehen wir einen großen Schritt weiter, die lokale Kunst aus der 2. und 3. Reihe und im Schatten der Prominenz sichtbar und wahrnehmbar zu machen.“

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lovemymonster https://www.tiefgang.net/lovemymonster/ Fri, 24 Apr 2020 22:43:45 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6801 [...]]]> Monster haben ihren ganz besonderen Reiz. Dem einen flößen die Fantasiewesen Angst ein, dem anderen dienen sie als Abschreckung, um böse Geister zu vertreiben. Und es soll auch Menschen geben, die ein Kuschelmonster im Bett haben, das böse Träume frisst.

von Ulrike Hinrichs

Wir alle haben große oder kleine „innere Monster“, die sich gern zu den unpassendsten Momenten zeigen. Sie stehen für unsere Schattenseiten, wie Wut, Angst, Scham, innere Leere, Schuldgefühle. Üblicherweise wollen wir diese Anteile loswerden, aber das funktioniert nicht. Verdrängung ist Monsternahrung. Wenn man die unangenehmen inneren Zeitgenossen sichtbar macht, sehen sie oft ganz liebenswert aus. Es lohnt sich daher künstlerisch mit diesen Monstern zu arbeiten.

Das Thema haben wir, der Künstler und Leiter des Habibi Ateliers Sly und ich, in einem großen Monster-Projekt künstlerisch aufgenommen. 40 Menschen haben sich intensiv mit Monstern beschäftigt (siehe ´Tiefgang`: „Der Spaß am Monster“).

Mitmachen konnte jede/r, die/der Spaß daran hatte.

Unsere jüngste Monsterkünstlerin ist 10, die älteste 88 Jahre alt. Sogar die Berliner Mega-Monster-Künstler Johan Potma und Mateo Dineem haben zu meiner großen Freude jeweils ein Monster beigesteuert (Zozoville Gallery). Wer mal in Berlin ist, sollte sich unbedingt die Monster-Galerie in Friedrichshain anschauen, ich war sofort schockverliebt in all die freundlich guckenden Gruselwesen.

Mateo Dineen aus Berlin

Nun sind sie ab Mitte Mai erhältlich, die aus den Motiven entstandenen 52 Monsterkarten als Power-Pack für die Intuition (www.lovemymonster.de).

Unsere Monsterkarten sind ebenso in Therapie, Coaching, Beratung oder Supervision einsetzbar wie in Kreativgruppen und zum Spielen in der Schule und Freizeit.

Die Karten folgen keinen statischen Regeln, sie dienen als Impulsgeber für die Kreativität und Intuition. Wenn wir ein Kunstwerk betrachten, dann gehen wir unbewusst, spielerisch in Resonanz mit unterschiedlichen persönlichen – oft problembelasteten – Themen, die sich uns im Werk spiegeln. Es ist wie ein inneres Echo. Es entsteht eine Verbindung zwischen Kunstwerk, Künstler und Betrachter (siehe ´Tiefgang`: „Mit der Kunst die Intuition einfangen“ und „Kunst ist nicht, Kunst wird“)

Wir nehmen Kontakt zu unserem inneren Heiler auf, jener Instanz, die Selbstheilungskräfte weckt und uns intuitiv auf den richtigen Weg führt. Die Monsterkarten können im Beratungs- und Therapiekontext auch für unsere inneren Monster stehen, jene Anteile (wie Angst, Wut, Schuldgefühle, Eifersucht etc.)  in uns, die wir gern verleugnen. Dabei wollen die inneren Monster gesehen werden. Verdrängung ist Monsternahrung! Monster freuen sich auch, wenn man über sie schmunzelt oder sogar lacht. Lebensfreude und Spaß sind  – wie auch der Mediziner Ruediger Dahlke (in seinem Arbeitsbuch zur Mandala-Therapie) konstatiert – vielleicht die am meisten unterschätzen Themen im Bereich moderner Therapieformen.

Die Karten lassen sich ebenso in der Schule oder privat zum Geschichten erzählen verwenden. Wie geht Ihre Monster-Geschichte? Ziehen Sie einfach eine Karte und erzählen Sie mal.

Mitgemacht beim Monster-Projekt haben

Kreativgruppen der Kunsttherapeutin Ulrike Hinrichs und des Künstler Sly Kristicevic:

  • Menschen im letzten Lebensabschnitt (Seniorenresidenz Harburg)
  • Kinderatelier der – Luth. Kirchengemeinde Harburg-Mitte
  • Künstlergruppe für Flüchtlinge in Harburg, Unterkunft in Sinstorf und Rotbergfeld (gefördert durch den Hamburger Integrationsfond)
  • Habibi Atelier (gefördert durch das Bezirksamt Harburg), ein offenes Atelier für Bürger*innen des Stadtteils

sowie Künstler*innen aus Hamburg und Berlin

Beteiligte Künstler*innen:  

Amelie Grabbert, Beate Tiemann, Bigigul, Carlos Ther, Chidera Westhauser, Christiane Wussow, Dirk Wulsten, Gisela Lange, Haitham Hassan, Ilinca Höpfer, Ilse Schwarzrock, Johan Potma, Johnson Opoku, Kai-Hendrik Matthies, Mateo Dineen, Natascha Artworx, Niki Fiand, Nora Marie Poppensiecker, Petra Hagedorn, Petra Herz, Raed, Rayana Shaipova, Rayana Shovkhalova, Renas Afdi Ali, Rita Peters, Roland Prinsler, Rufta Grmay, Salama Salama, Samera Al Khafage, Seyed J. Ghaffari, Sly Kristicevic, Susanne Weis, Thomas Timm, Ulrike Bergemann, Ulrike Hinrichs, Ursula Sauerbaum, Waltraut Wittleben, Yvonne Lautenschläger, Zeinab Alipour.

Mit dem Verkauf der Karten verdienen wir kein Geld. Die kleinen Einnahmen gehen vom Verlag direkt als Spende an die Johann Daniel Lawaetz Stiftung, die sich in Hamburg für soziale Projekte einsetzt.

Monsterkarten Synergia Verlag, 2020, 52 Karten mit Anleitung, 9cm x 6cm, ISBN: 978390724619

Bestellen: synergia-auslieferung.de

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Kunst ist wildes Denken https://www.tiefgang.net/kunst-ist-wildes-denken/ Fri, 10 Jan 2020 23:55:26 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6208 [...]]]> Neue Impulse durch wildes Denken. So setzt die Kunsttherapeutin Hinrichs bewusst Kunst ein, um neue Assoziationen kraftvoll zu Leben zu erwecken.

Ein Gastbeitrag von Ulrike Hinrichs

Kunst ist eine Form des Denkens. „Wir wissen viel weniger über uns selbst, als wir zu wissen glauben“, konstatiert der Professor für Psychologie und Nobelpreisträger Daniel Kahnemann (S. 71), der zwei Grundformen des Denkens unterscheidet, das schnelle assoziative Denken und das langsame rationale Denken. Die Ethnologin Dr. Kessler nennt es synonym das nach innen gerichteten „wilde Denken“, welches eine fluide, kreative, luzide Intelligenz hervorbringe, und das rationale, nach außen gerichtete Denken.

Während das planmäßige und lineare Denken über Faktenchecks, Analysieren und Zerlegen von Bestandteilen in ihre Einzelteile langsame Schlüsse zieht, agiert das wilde Denken für den aktiven Geist blitzschnell und oft unbewusst in endlosen vernetzten Assoziationsketten. „Wie Kräuselwellen auf der Oberfläche eines Teiches breitet sich die Aktivierung durch einen kleinen Teil des riesigen Netzwerks assoziativer Vorstellungen aus“, schreibt Kahnemann (S. 72). Mit künstlerischen Prozessen aktivieren wir das schnelle intuitive Denken. Die Kunst ist wie eine Sprache (siehe auch „Mit der Kunst die Intuition einfangen“). Sie baut die Brücke in die unbekannte Welt des wilden Denkens. Assoziationen zu den Kunstwerken wecken Resonanzen und übersetzen die traumähnliche Bildsprache in rational nachvollziehbare Worte. „Eine Vorstellung, die aktiviert wurde, ruft nicht einfach nur eine andere Vorstellung wach. Sie aktiviert viele Vorstellungen, die ihrerseits weitere Vorstellungen evozieren“, so Kahnemann (S. 71). Neben den persönlich gefärbten Assoziationen gibt es auch mythisch kollektive Deutungen.

Die kulturelle sowie kollektive Bedeutung eines Bildes kann die persönliche Deutung unterstützen. Dabei geht es nicht um feststehende Zuschreibungen, sondern um Resonanzen. Die Urbilder, wie wir sie von C.G. Jung in seinen Archetypen finden, deuten auf diese universelle Ebene von Symbolen.

Wir nehmen das Beispiel der Katze im Header-Bild. Jeder hat seine individuellen Assoziationen zu diesem Tier, ohne lange danach suchen zu müssen. Assoziationen kommen ganz automatisch. Ich denke bei der Katze sofort an Morle, die mir meinen Umzug von Berlin zurück in die Heimat Harburg erleichtert hat, der nun schon einige Jahre zurückliegt. Plötzlich stand die Nachbarskatze vor meiner Terrassentür. Sie lag mit mir auf dem Sofa und tröstete mich, nachdem mein Vater völlig unerwartet und plötzlich verstorben war. Wann immer sie zu mir wollte, klopfte sie von draußen mit ihrer Pfote an die Fensterscheibe. Sie haben Ihre eigenen Katzenassoziationen. Die Katze ist ebenso ein starkes kollektives Symbol. Sie steht für Eigenwilligkeit, Selbstbestimmtheit sowie Freiheit und auch für Gefühl und Intuition. Jan Becker, einer der großen Magier unserer Zeit, nutzt die Katze für eine anschauliche Metapher wenn er konstatiert (S. 23): „die Intuition ist wie eine Katze, sie komme nicht auf Befehl. Sondern nur dann wenn sie sich sicher fühlt“.

Der Begriff, das Wort Katze, ist nur ein Motor für Assoziationsketten, die sich unwillkürlich in uns ausbreiten. Beim bildhaften Ausdruck kommen weitere Ebenen dazu, mit denen wir in Resonanz gehen. Das ist das spannende an der Kunst als Sprache, denn das wilde Denken braucht Bilder und Metaphern. Diese findet es im Kunstwerk. Die in der Collage abgebildete Katze, die von einer afghanischen Frau aus meiner Flüchtlingsgruppe stammt, hat ihren speziellen und einmaligen Ausdruck, der mehr als nur das Wort „Katze“ weitere assoziative Themen in uns anspielt. Wir können beim Betrachten eines Bildes mit unserer subjektiv gefärbten Brille im Inneren des Künstlers stöbern. Dabei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass jede Assoziation zunächst einmal etwas über den Betrachter selbst aussagt. Bestenfalls ergibt die Assoziation dann auch für den Erschaffer des Werkes einen Sinn. Besonders gut funktioniert diese Übersetzung der Kunst als Sprache des wilden Denkens in Gruppen.

Ich leite mehrere kunsttherapeutisch orientierte Gruppen, u.a. in der Frauenbratungsstelle Biff Harburg. Die Frauen kommen mit schwierigen Lebensthemen in die Gruppe. Durch freies Assoziieren zu den Bildwerken in der Gruppe bekommen die Frauen neue Impulse. Diese Art der Herangehensweise spricht mehr die fühlende Seite in uns an. Es gilt zu beobachten, welche Impulse und Assoziationen das erschaffene Werk bei der Gruppe hervorruft. Die Künstlerin wird ihrerseits ermutigt, sich die Assoziationen zu eigenen zu machen, zu denen sie eine Verbindung spürt. Die Assoziationen der Anderen sind immer subjektive Färbungen, keine Wahrheiten. Erstaunlich oft haben diese Assoziationen eine erhellende Bedeutung für die Klienten mit ihren Anliegen. Durch Einschwingen, Resonanz, können wir über das Kunstwerk in Verbindung treten. Die Kunst übersetzt Resonanzen in die materielle Welt, indem sie etwas im Außen manifestiert. Die intuitive Seite in uns denkt in bildhaft metaphorischen Assoziationsnetzen, die rationale Seite folgt einem kausal linearen Programm. Wir müssen diese unterschiedlichen Ansätze zusammenbringen.

Das wilde Denken braucht immer wieder auch eine „Übersetzung“, eine Reflexion. Assoziationen und innere Bilder sind eher wie Träume, die man erstmal verstehen muss. Die Kunst ist es, die völlig unterschiedlich agierenden Denkansätze in uns zu vereinen. Welche Assoziation hat mit mir zu tun, welche hat in ihrer kollektiven Bedeutung für mich eine Wichtigkeit und welche Rückmeldung aus einer Gruppe berührt mich, so dass ich zu der Erkenntnis gelange, all das betrifft tatsächlich auch mein Thema, mein Anliegen. Das sind Fragen, die die analytische Seite in uns zur Überprüfung stellen kann und soll. Wie das alles funktioniert, ist für mich immer wieder ein Wunder. Das wilde Denken erweitert Perspektiven und bringt sehr oft Überraschendes. „Kunst liefert einen Zugang. Sie lässt eintauchen in Urschichten, in die Leere, lässt erstmal alles verlieren, alle Konzepte, alle Bilder, alles. Sie geht in den Raum, in dem es möglich ist, sich mit allem, was war, was ist und was sein wird, mit allem, was sich im Bereich des Möglichen befindet, mit allen Samen und ihrem Potential in Verbindung zu setzen. Kunst ist die innewohnende Möglichkeit, Leben kreativ zu gestalten. Sie ist der schöpferische Akt des Gebärens“, beschreibt es Cambra Skadé (S. 9).

Termine

  • In der Kunstleihe Harburg starten wir in Kürze regelmäßig monatlich einen Kurs „Kunst und Hochsensibilität“.
  • Ab Februar 2020 gibt es mit mir als Kursleiterin im Kulturhaus Süderelbe einen Kurs „Kunst als Sprache der Intuition“ geben.
  • Gern können wir über das Thema auch im Rahmen des Harburger Kunstsalon am 9. Feb. 2020, 14.00 bis 16.00 Uhr in der Kunstleihe Harburg (ab Januar 2020 in der Meyerstraße 26 / Ecke Bansenstraße) sprechen. Ich freue mich über meine Einladung als Künstlerin, die Moderation führt Petra Hagedorn.

Literatur

  • Becker, Jan (2006). Das Geheimnis der Intuition. Man spürt, was man nicht wissen kann. Piper.
  • Hinrichs, Ulrike (2019). Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Veränderungsprozessen. Schweiz: Basel, Zürich, Roßdorf: Synergia.
  • Kahnemann, Daniel (2011). „Schnelles denken, langsames Denken“, Penguin Verlag
  • Rosa, Hartmut (2016). Resonanz. Suhrkamp Verlag.
  • Skadé, Cambra (2011). Schamanische Kunst. Heilkunst. Connetion, Schamanismus & Kunst, Schamanismus Nr. 5, 2011, S. 8 ff.

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Endlich sichtbar! https://www.tiefgang.net/endlich-sichtbar/ Fri, 10 Jan 2020 23:01:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6237 [...]]]> Letztes Wochenende gab es einen ersten Eindruck der noch nicht ganz bezogenen neuen Räume. Aber man merkt: die Kunstleihe ist in ihrem neuen Zuhause angekommen.

 „First Look“ nannte das Kunstleihe-Team den Umtrunk, zu dem sie am vergangenen Sonnabend vorwiegend intern eingeladen Künstler*innen und Kunstinteressierte hatte und doch: die Hütte war voll!

Die neuen Räume in der Meyerstraße 26 (Ecke Bansenstraße) befinden sich in einem früheren Ladengeschäft eines gründerzeitlichen Baus. Schon der Eingangsraum mit großen Fenstern und gut vier Meter hohen Decken bietet einen Einblick in die Vielfalt der aktuellen Harburger Kunstszene. In der Art der Petersburger Hängung finden sich dort und im nächsten, einige Stufen höher gelegenen Raum sowie im langen Flur mehr als hundert Werke unterschiedlichster Technik, Formate, Materialien und Künstler*innen. Der überwiegende Teil ist vor allem zeitgenössische Kunst aus dem Harburger Raum. Und: sie ist leihbar. Denn das ist die Grundidee der Kunstleihe, um der lokalen Kunst zu mehr Wahrnehmung  zu verhelfen aber auch allen Neugierigen einen simplen Zugang zur Kunst zu verschaffen.

„Ähnlich einer Bücherhalle kann man hier eben Kunst leihen“, so Sabine Schnell vom Kunstleihe-Team, das vor gut zwei Jahren aus dem Schmeltztiegel der Initiative SuedKultur entstand.

´Tiefgang“ berichtete:

Und nach dem sie nach längeren Recherchen in anderen der bundesweit gut 130 existierenden Artotheken (wie Kunstleihen oftmals genannt werden) ein eigenes Konzept für Hamburg erstellt hatten, startete ein Team von Kunstbeflissenen und vor allem Harburger Künstler*innen im Rahmen des Kulturprojekts „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ in der leerstehenden Dreifaltigkeitskirche Harburgs mit der Kunstleihe.

Sie wird von gut einem Duzend Ehrenamtlichen betrieben und ist daher bislang nur sonntags zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet. „Aber das wird sich bald ändern“, so Marion Göhring vom Team. „Denn theoretisch könnte man sie jetzt 24 Stunden an 7 Tagen die Woche öffnen, weil wir jetzt eigene Räume haben.“

Das war lange nicht so, da das kulturelle Erprobungsprojekt „3falt“ Ende Februar 2019 abgebrochen werden musste und so auch die Kunstleihe zugunsten eines bis heute andauernden Leerstands ausziehen musste.

Um überhaupt weitermachen zu können, erhielt die Kunstleihe vorübergehend Unterkunft im neuen Nachbarschaftstreff in der Eißendorfer Straße 124. Dort hatte just zum April 2019 der Eisenbahner Bauverein sowie die Finkenwärder Baugenossenschaft in einer ehemaligen Sparkasse-Filiale einen Treffpunkt eingerichtet. Dort aber konnte das Kunstleihe-Team auch nur sonntags agieren und mit viel Aufwand die Kunstwerke aus einem Keller holen, aufstellen und nachfolgend wieder im Keller verstauen. „Es war gut, um die gerade begonnene Arbeit erstmal überhaupt weiterführen zu können“, so Sabine Schnell, „aber weder waren wir nach außen hin sichtbar, noch konnten wir der zunehmenden Nachfrage nach Workshops oder dem im Oktober 2019 erfolgreich gestarteten ´Harburger Kunstsalon` gerecht werden.“

Siehe dazu auch den NDR-Fernsehbeitrag vom September 2019:

Und um so die ehrenamtliche Arbeit nicht in Auf- und Abbau ersticken zu lassen, wurde parallel weiter gesucht, geortet und nun endlich und pünktlich zum Jahreswechsel der Ort in der Meyerstraße gefunden und hergerichtet.

Und schon diesen Sonntag (12. Januar, 12 – 17Uhr) führt die Harburger Künstlerin Anne Flad ihre Workshopreihe zu Bildbetrachtungen fort und im Februar soll dann der komplette Umzug erfolgt sein und das Angebot erweitert werden. „Wir überlegen, ob wir auch samstags und vielleicht auch in der Woche weitere Öffnungszeiten anbieten“, so Schnell. „Denn bisher konnten viele sicher nicht an den Sonntagen und vielleicht eher mal nach Feierabend. Zudem können auch die Workshops oder Kunstsalons (der nächste ist für Sonntag, den 9. Februar anvisiert) dann auf andere Tage ausweichen, so dass für alle mehr Ruhe reinkommt.“

Beim „First Look“-Umtrunk jedenfalls schienen alle Besucher recht begeistert und spannen weitere Ideen rund um die Kunst und rund um Harburgs Kulturleben. Und auch am nachfolgenden Sonntag, dem ersten regulären Tag des Leihbetriebes herrschte reger Andrang und neuen Kunstleihende stießen hinzu.

Ort: Kunstleihe Harburg e.V., Meyerstraße 126, 21075 Hamburg-Heimfeld, Tel.: 040 – 300 969 48

Weiterführend: www.sued-kultur.de/kunstleihe

www.instagram.com/kunstleihe

www.facebook.com/KunstleiheHarburg

 

 

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Die Unvollkommenheit Hinrichs´ https://www.tiefgang.net/die-unvollkommenheit-hinrichs/ Fri, 03 Jan 2020 23:49:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6101 [...]]]> Im Oktober 2019 lud die Künstlerin Petra Hagedorn erstmals zu einem Harburger Kunstsalon ein. In Harburg?!? Ja, und es war ein voller Erfolg. Nun folgt der nächste Kunstklönschnack.

Nach einem erfolgreichen 1. Harburger Kunstsalon im Oktober 2019 ist nun die Kunsttherapeutin und Künstlerin Ulrike Hinrichs am Sonntag, 9. Februar 2020 zwischen 14 und 16 Uhr in die Kunstleihe Harburg (neue Adresse: Meyerstraße 26, 21075 Hamburg!!!) eingeladen. Die Moderation übernimmt wieder Petra Hagedorn.

Ulrike Hinrichs lebt in Harburg, ihr künstlerischer Schwerpunkt liegt im skulpturalen Arbeiten, mit Pappmaché, Holz und jüngst auch mit Bronze (siehe auch „Mehr über den Tod nachdenken“, ´Tiefgang`). Ihr Thema in der Kunst ist die Unvollkommenheit. Für ihre Pappmaché-Skulpturen und Köpfe verwendet sie leere Haushaltsflaschen und Kanister. Die vorgegebene Form der Flaschen schafft eine ungewöhnliche und gerade nicht perfekte Körperform der Wesen und Geschöpfe. Diese Verformungen machen die Figuren besonders.

Ulrike Hinrichs versteht die Kunst als eine Sprache der Intuition, die sich in allen Lebensbereichen – so auch im gesellschaftspolitischen Bereich – als Sprachroh einsetzen lässt. „Der künstlerische Ausdruck kann Unsagbares zeigen, Widersprüche vereinen und Themen verdichten“, sagt Hinrichs. In Harburg initiierte Ulrike Hinrichs in den letzten Jahren zahlreiche künstlerisch-kulturelle Integrationsprojekte, wie das Kunstprojekt „Gemalte Freiheit“ (Idee des gelebten Grundgesetzes „Idee des gelebten Grundgesetzes“, Tiefgang), oder das Projekt „Wohnst du noch oder lebst du schon auf der Straße“ (siehe „Wohnen als Kunst“, ´Tiefgang`).

Für 2020 möchte sie Menschen zum Thema „Kriegskinder – die Schatten der Vergangenheit“ zusammenbringen. „Noch immer sind Menschen weltweit auf der Flucht. Die Folgen von Krieg, Folter und Terror sind traumatisch, das erlebe ich immer wieder in meiner Flüchtlingsarbeit. Aber auch unser Land hat durch den zweiten Weltkrieg transgenerative traumatische Erfahrungen mitgenommen. Der Schatten der Vergangenheit liegt bis heute wie eine dunkle Wolke über unserer Gesellschaft. Viele Nachkriegskinder kennen das Phänomen, dass die Großeltern oder die Eltern nicht über den Krieg gesprochen haben. Kinder spüren die unausgesprochenen Ängste. Sie nehmen die Lähmung, die Sprachlosigkeit der Eltern wahr, die sie nicht einordnenden können. Kriegskinder kennen daraus resultierende unerklärliche Gefühle wie innere Leere, Ängste und Schuldgefühle“, erklärt sie.

Als Kunsttherapeutin arbeitet sie mit verschiedenen Gruppen, wie zum Beispiel Geflüchteten, Senioren, Kindern und Frauen in Krisensituationen. Der künstlerische Ausdruck diene dabei als eine integrative und allverständliche Sprache der Intuition, so Hinrichs. Jüngst erschienen ist zu diesem Thema auch ihr Fachbuch Kunst als Sprache der Intuition. Der Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanlogen Transformationsprozessen (siehe „Mit der Kunst die Intuition einfangen“, ´Tiefgang`).

Ulrike Hinrichs

Die intensive persönliche und berufliche Beschäftigung mit der Kunst als Ausdrucksform war aber nicht immer so. Eigentlich wollte Ulrike Hinrichs zwar nach dem Abitur Kunst studieren, aber ihr familiäres Umfeld machte ihr die „brotlosen Kunst“ madig und riet ihr, etwas „Vernünftiges“ zu lernen. Da sie schon immer eine Verfechterin für Gerechtigkeit gewesen war, startete Hinrichs in Hamburg ihr Studium der Rechtswissenschaften. Am Recht fasziniert sie auch noch heute die differenzierte Meinungsbildung und das übergeordnete Wertesystem. Nach einem langen Studium machte ihr die Praxis im Referendariat zunächst viel Spaß und sie ließ sich in Berlin als Rechtsanwältin nieder. Im Alltagsgeschäft spürte Hinrichs aber schnell eine innere Unzufriedenheit bei der Unterstützung von Menschen allein mit rechtlichen Mitteln, da die menschliche Seite des Konfliktes im Recht oft zu kurz kommt. Sie ließ sich daher zur Mediatorin ausbilden und absolvierte viele psycho-soziale Aus- und Weiterbildungen. Zu dieser Zeit wiedererwachten auch ihre künstlerischen Ambitionen und die Sehnsucht nach der Heimat. 2012 zog sie zurück nach Hamburg und machte an der Medical School Hamburg den Masterabschluss als Kunsttherapeutin. Ihren Beruf als Anwältin gab sie auf. Und so kam Ulrike Hinrichs nach einer langen inneren Reise endlich zurück zu ihrem Ursprung und ihrer Berufung, nämlich der Kunst. In ihre Projektarbeit im Bereich Gesellschaft, Kultur und Integration setzt sie den künstlerischkreativen Sprachausdruck für eine verbindende und sprachenübergreifende Ressource ein, um Menschen und Kulturen zusammenzubringen. Mit ihrer Kollegin Gabrielle Hennecke hat sie das weltumspannende Kunstprojekt unlimited hearts mit Sitz in Hamburg und Istanbul gegründet. Mit dem Projekt wollen die beiden ein Zeichen gegen Hass und Schwarz-weiß Parolen setzen und Menschen mit ihren Kunstwerken in einer Online Galerie über den Globus verbinden (www.unlimitedhearts).

Termin: So., 09. Februar, 14-16 Uhr, 2. Harburger Kunstsalon mit Petra Hagedorn, Gast: Ulrike Hinrichs; Ort: Kunstleihe Harburg, Meyerstraße 26, 21075 Hamburg; sued-kultur.de/kunstleihe; Tel.: 040 – 300 969-48; Eintritt frei

Weiterführend: Ulrike Hinrichs – www.lösungskunst.com

Eindrücke vom 1. Harburger Kunstsalon im Oktober 2019 mit Ulrich Lubda:

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Ende des Kellerdaseins https://www.tiefgang.net/ende-des-kellerdaseins/ Fri, 03 Jan 2020 23:43:02 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6218 [...]]]> Pünktlich zum Jahresbeginn hat die Kunstleihe Harburg neue und vor allem eigene Räume bezogen. Und schon am ersten Sonntag des neuen Jahres 2020 gehen wieder Kunstwerke über den Ladentisch.

Das Team der Harburger Kunstleihe hat in einem Kraftakt zwischen den Jahren neue Räume bezogen. Und schon am heutigen Sonnabend (4. Jan, 18h) lädt es Interessierte und Freunde zu einem kleinen Umtrunk und Einblick in die neuen Räume. Und am morgigen Sonntag (5. Jan., von 12-17h) nimmt der Betrieb der Kunst-Ausleihe dort wieder Fahrt auf.

Die neue Adresse ist die Meyerstaße 26 / Ecke Bansenstraße im gründerzeitlichen Meyerviertel unweit der S-Bahn-Station Heimfeld. Dort lädt ein ehemaliges Ladengeschäft im vorderen Bereich zur „Kunst auf Zeit“. Sabine Schnell vom mittlerweile auch als gemeinnützig anerkannten Verein Kunstleihe Hamburg e.V. freut sich: „So gut es war, dass wir nach unserem unfreiwilligen Auszug aus dem alten Gemeindehaus der Dreifaltigkeitskirche Neue Straße nachfolgend Exil im neuen Nachbarschaftstreff in der Eißendorfer Straße 124 fanden, so klar war auch, dass es einen eigenen Raum brauchen wird. Und nach etlichen Gesuchen und Versuchen denken wir, dass wir nun einen würdigen Raum für die Kunst aber auch andere Kulturevents gefunden haben.“

Denn im Nachbarschaftstreff wurde das Kunstleihe-Team auf die Sonntage reduziert und musste stets eine Stunde mit mindestens zwei Personen die Kunst aus dem Keller holen und aufbauen und nach fünf Stunden ebenso mindestens eine Stunde wieder im ehemaligen Saferaum verpacken und sichern. „Das hat weder uns noch der Kunst gut getan“, so Sonja Alphonso im Rückblick.

Aber auch an- und nachgefragte Formate wie Workshops zur Kunstbetrachtung von der Harburger Künstlerin Anne Flad als auch der gut angelaufene Harburger Kunstsalon von Petra Hagedorn waren in der Terminwahl als auch in der Nutzung der Räume  aufs Notwendigste reduziert.

Das kann und soll sich nun ändern. „Im Grunde sind die vorderen Räume nun für die Kunst und Kultur reserviert und können sieben Tage die Woche und 24 Stunden lang genutzt werden. Das schafft im wahrsten Sinne Frei-Räume für Kulturangebote, wird aber auch den Kunstleihenden das non-profit-Serviceangebot erweitern. Für die rund 40 Öffnungstage m letzten Jahr war die Nachfrage eh schon gut. Doch jetzt dürfte sich das Feedback erheblich ausbauen“, ist sich Sabine Schnell sicher.

Möglich wird dies aber vor allem, weil unter anderen die Grafikerin Sabine Schnell mit weiteren Kollegen aus ihren Büros im Harburger Hafen ins Heimfelder Meyerviertel wechselt. „So ist der Kostendruck auf die Kunstleihe nicht so hoch und wir werden die Arbeit mit dem Hobby gut verbinden können. Das Viertel selbst lädt ja auch regelrecht dazu ein!“ 

Also: wer neugierig ist, kann schon an diesem Wochenende (Sa., 4.1. ab 18h und So., 5.1. ab 12h) die neuen Räume und vor allem die zeitgenössische lokale Kunst bei einem Glas Sekt, Bier oder einem Becher Kaffee bestaunen. Zum Monatsende soll der Umzug dann gänzlich abgeschlossen werden und ein weiteres Event dann auch das einjährige Bestehen der ersten nichtkommerziellen Kunstleihe feiern.

Weitere Termine:

  • , 12. Jan., 12-17 Uhr: Raumillusion (Perspektive, Körperhaftigkeit, Kontraste) im Rahmen der Workshopreihe „Theoretische Bildbetrachtung und praktische Erprobung“ (Anmeldung erforderlich)
  • , 09. Feb., 14-16 Uhr: 2. Harburger Kunstsalon; Moderation Petra Hagedorn, Künstlerin Ulrike Hinrichs

Weiterführend: www.sued-kultur.de/kunstleihe;  instagram.com/kunstleihefacebook.com/KunstleiheHarburg

Ein Fernsehbeitrag zur Kunstleihe Harburg:

 

 

 

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Kunst, Natur und Gesundheit https://www.tiefgang.net/kunst-natur-und-gesundheit/ Fri, 20 Dec 2019 23:43:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6173 [...]]]> Faulenzen, Tagträumen und Nichtstun sind keine Tugenden. Dabei täten wir vermutlich gut daran. 

Ein Gastbeitrag von Ulrike Hinrichs

Was haben Kunst und Natur miteinander zu tun? Sie helfen uns gesund zu bleiben und unterstützen sogar Heilungsprozesse. Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation bestätigte jüngst „Kunst macht gesünder“.

Einige Länder beschäftigen sich sogar schon damit, Kunst auf Rezept zu verschreiben, bestätigen die Autoren der Studie. Und der österreichische Biologe Clemens Arvay konstatiert in einem Beitrag des NDR zum Thema Wissenswertes rund um die Heilkraft des Waldes (10.08.2018): „Der Wald hilft uns gegen Depressionen, gegen psychische Stressbelastungen und Burnout. Aber er stärkt auch unser Immunsystem, kann uns vor ernsthaften chronischen Krankheiten schützen und sogar vor Herzinfarkt.“ Auch in anderen Kultur wird die Kraft des Waldes zur Prävention betont, in Japan etwa gibt es das so genannte „Shinrin-yoku“ (Waldbaden) als Teil der Gesundheitsvorsorge.

In der Natur fühlen wir uns verbunden, haben das Gefühl, dass alles am richtigen Platz ist und einen Sinn ergibt. In der Natur können wir einfach nur sein, ohne etwas leisten zu müssen. Wir lassen uns treiben, beobachten die Umgebung, genießen den Moment. Das entspricht unserem ursprünglichen Daseinszustand. Wir kommen nicht auf die Welt, um dafür mit irgendeiner persönlichen Leistung zu bezahlen. Dennoch lernen wir in unserer Gesellschaft von Kindesbeinen auf, dass Leistung, Anerkennung und Status zählt, nicht das bloße Dasein. Von innen mag dann ein Hamsterrad wie eine Karriereleiter aussehen. Faulenzen, Tagträumen und Nichtstun sind jedenfalls keine Tugenden. Alles was wir tun wird bewertet und kategorisiert. Nun gibt es gegen Leistung nicht per se etwas einzuwenden. Aber es fehlt uns oft die Balance.

Hier kann die Natur ein Vorbild für uns sein. Während sie im Frühjahr und Sommer hoch aktiv ist, ruht Flora und Fauna im Herbst und Winter. Es ist ein immer wiederkehrendes Werden und Vergehen mit unterschiedlichen Rhythmen und Zyklen im Kreislauf der Welt. Nur unsere Hochleistungsgesellschaft setzt auf permanentes individuelles wie kollektives Wachstum.

Phasen der Ruhe und des Nichtstuns helfen uns, zu unserem inneren Rhythmus zu finden. Wir können eine Art inneren Kompass entdecken, der uns zeigt, was gerade ansteht im Leben, was es zu tun oder eben auch gerade nicht zu tun gibt. Erst in den Phasen der Ruhe kann sich etwas entfalten und Neues entstehen.

Der künstlerische Ausdruck kann diese intuitiven Prozesse unterstützen. Ich verstehe die Kunst als eine Sprache der Intuition (siehe dazu auch „Mit der Kunst die Intuition einfangen“). Die Kunst dient der Intuition als eine Sehhilfe. Sie bringt Inneres nach außen und manifestiert es in einem Kunstwerk.

Durch Resonanz gehen wir in Kontakt mit Anliegen, Wünschen und Themen, die gesehen werden wollen. Durch das absichtslose und bewertungsfreie künstlerische Schaffen nehmen wir auch Kontakt zum „inneren Heiler“ auf, jener Instanz, die Selbstheilungskräfte mobilisiert. Wir können dieses Leitsystem auch Intuition oder intuitive Führung nennen. Der Mediziner und Psychotherapeut Dr. Hans Hein, der das Vorwort zu meinem Buch „Kunst als Sprache der Intuition“ geschrieben hat, konstatiert, dass der innere Heiler so etwas wie ein eingebauter Resonanzdetektor sei, der sensibel auf die Wahrnehmung von körperlichen, emotionalen und seelischen Unstimmigkeiten ausgerichtet sei.

Die Intuition „spricht“ in Bildern, Mythen, Geschichten und Symbolen. Der intuitive Ausdruck ist daher für die Ratio nicht immer leicht zu verstehen. Denn die heute immer noch vorherrschende rationale (wissenschaftliche) Herangehensweise nutzt das Analysieren, Auswerten und das Zerlegen der Bestandteile in ihre Einzelteile, um Lösungen zu finden. Das intuitive, fühlende Denken dagegen folgt dem bildhaften Ausdruck, nutzt das Zusammenfügen, Vernetzen und überblickt das größere Ganze. Bestenfalls wirken beide menschlichen Fähigkeiten, die sich auch in unserer rechten und linken Hirnhälfte widerspiegeln, zusammen.

Hein konstatiert zum inneren Heiler in meinem Buch „Kunst als Sprache der Intuition“ (S. 74): „Der physiologische Hintergrund dieser Fähigkeit speist sich aus all den Anteilen in unserem Nervensystem, die mit dem evolutionären und archaischen Urwissen unserer Körperinformation verbunden sind. Die Kunst ist es genau das wahrnehmbar und zugänglich zu machen. Der Zugang gelingt über das Training der Intuition und die Übersetzung der inneren Wahrnehmungen in Bilder von Gestalten, die sehr oft mythischen Charakter haben, also eine Verbindung zum kollektiven Unbewussten herstellen. Mittlerweile gibt es eine wissenschaftliche Betrachtung von zwei Grundformen des Denkens, das schnelle und das langsame. Das schnelle entspricht der intuitiven holografischen instantanen Wahrnehmung, das langsame eher der dem logisch sequenziellen. Der innere Heiler ist eine Funktion der instantanen Wahrnehmung der individuellen Realitäten mit der Chance die verzerrenden und krankmachenden Schwingungsmuster zu identifizieren und zu verändern.“

Wir können die oft etwas verkümmerte, intuitive Seite in uns schulen. Dabei dürfen wir uns auch künstlerisch von der Natur inspirieren lassen und sie als Vorbild nehmen. Immer wieder höre ich in meinen Kreativgruppen mit Kindern, Senioren, Frauen, Geflüchteten „ich kann das nicht, ich kann nicht malen“. Die Kreise wollen zirkelrund gezeichnet werden, die Striche mit dem Lineal.

Immer wieder verweise ich dann auf die Natur, auf das Lebendige, dass wunderschöne fraktale Muster zeichnet, Blätter, Blüten, Bäume. Die Muster ähneln sich, sind aber nie identisch. Nichts in der Natur ist mit dem Zirkel oder Lineal gezogen. Die Schönheit entsteht durch die Unvollkommenheit. Perfektionismus behindert Kreativität und die Intuition (siehe dazu auch meinen Beitrag „Perfektionismus ist der Todfeind der Intuition“).

Ab Februar 2020 wird es mit mir als Kursleiterin im Kulturhaus Süderelbe auch einen Kurs „Kunst als Sprache der Intuition“ geben.

Gern können wir über das Thema auch im Rahmen des Kunstsalon am 19.1.2020, 14.00 bis 16.00 Uhr in der Kunstleihe Harburg sprechen. Ich freue mich über meine Einladung als Künstlerin, die Moderation führt Petra Hagedorn.

 Weiterführende Literatur:

  • Hinrichs, Ulrike (2019). Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824
  • Sheldrake, Rupert (2010). Das schöpferische Universum. Die Theorie der morphogenetischen Felder und der morphischen Resonanz.

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