Schreibwerkstatt Harburg https://www.tiefgang.net Fri, 02 Oct 2020 08:36:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Waldbaden https://www.tiefgang.net/waldbaden/ Fri, 02 Oct 2020 22:28:46 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7292 [...]]]> Nach dem Artikel in der Wochenendausgabe ihrer Tageszeitung war Erika neugierig geworden.

Von Ute Holst

Waldbaden, das musste sie unbedingt mal ausprobieren. Mit dem Auto fuhr sie in einen nahegelegenen Wald und lief solange, bis sie auf eine schöne Lichtung kam.

Mit dem Rücken lehnte sie sich an eine mächtige Buche und schloss die Augen. Sie spürte die wärmende Sonne auf ihrem Gesicht und wie der angenehm frische Wind mit ihren Haaren spielte. Erika atmete tief ein und aus und genoss den Geruch des feuchten Waldbodens. Etwas raschelte neben ihr im trockenen Laub, aber sie ließ die Augen geschlossen. „Wahrscheinlich ist das nur ein kleines Mäuslein“, dachte sie sich und fühlte wie sie innerlich zur Ruhe kam. Außer dem leisen Rauschen der Blätter, die sich im leichten Wind bewegten, hörte sie in der Ferne einen Hirsch röhren. Wenig später ertönte der Ruf eines Kuckucks und Erika erinnerte sich, dass ihre Großmutter immer gesagt hatte: „Wenn der Kuckuck ruft musst du deine Geldbörse schütteln, dann geht dir nie das Geld aus.“ Bei dieser Erinnerung musste Erika lächeln, sie hatte ihre Oma sehr gern gehabt.

Plötzlich knackten in der Nähe Zweige und trockenes Laub raschelte, Erika hatte den Eindruck als würden sich menschliche Schritte nähern. Gespannt lauschte sie diesem Geräusch und überlegte, ob sie ihre Augen öffnen sollte. Dann vernahm sie das Hecheln eines Hundes und die freundliche Stimme eines Mannes.

Erika schlug die Augen auf und sah einen jungen Förster mit seinem Hund vor sich stehen. Der Mann lächelte sie freundlich an und fragte: „Ist alles in Ordnung?“ Verwundert zwinkerte Erika mit den Augen, war sie eingeschlafen und träumte sie noch? Der Mitarbeiter des Forstamts beugte sich zu ihr hinunter und sah sie fragend an. „Brauchen sie Hilfe, junge Frau?“ Erika räusperte sich verlegen und hielt sich zum Schutz vor der Sonne die rechte Hand über die Augen: „Vielen Dank“, stotterte sie verlegen, „es ist alles okay.“ Als sie aufstehen wollte reichte der Mann ihr die Hand und zog sie behutsam in die Höhe. „Was für ein Händedruck“, schoss es Erika durch den Kopf, „kraftvoll und trotzdem sanft.“

Verwirrt sah sie ihrem Gegenüber ins Gesicht, graublaue Augen sahen sie interessiert an und der Mund wurde durch einen graumelierten Vollbart nahezu verdeckt. Soweit sie erkennen konnte war das Gesicht sonnengebräunt und der Hut saß ein bisschen schief auf dem Kopf, was dem Mann ein keckes Aussehen verlieh. „Was für ein toller Mann“, dachte Erika und senkte verlegen den Blick. „Ich wollte sie auf keinen Fall stören“, hörte sie den Revierförster sagen, „mein Hund und ich sind jeden Tag hier im Wald unterwegs. Wir müssen nach dem rechten sehen und genießen die Ruhe und die gute Luft.“ Bei diesen Worten schaute er liebevoll auf den Hund, der sich entspannt neben seinem Herrchen niedergelassen hatte. „Das kann ich gut verstehen“, gab Erika zur Antwort: „ich habe in der Zeitung vom Waldbaden gelesen und da wollte ich es auch einfach mal ausprobieren.“ Fragend sah sie den Förster an: „Das ist doch erlaubt, oder“. „Das dürfen sie sehr gerne“, der Mann lächelte sie aufmunternd an: „hat es ihnen denn gefallen?“ Erika holte tief Luft und schaute in die schönen Augen ihres Gegenübers: „Ja, es war ein wunderbares Erlebnis und ich könnte mir vorstellen es öfter zu machen“, schwärmte sie. „Nur zu“, ermunterte sie der junge Mann, „Gäste wie sie sind immer willkommen. Was wir nicht mögen ist, wenn Sportler mit ihren Mountainbikes oder ihren Geländemaschinen durch den Wald rasen und viel Schaden anrichten. Auch Reiter, die sich nicht an die für sie markierten Wege halten, sind uns ein Ärgernis.“ Forschend sah er Erika an: „Wenn es sie interessiert würde ich ihnen mit Vergnügen unseren wunderschönen Wald zeigen.“ „Ja, gerne, aber“, stotterte Erika verlegen, „ich weiß gar nicht ob ich ihre Einladung annehmen kann. Sie müssen doch arbeiten.“ „Machen Sie sich darum keine Sorgen, es gehört auch zu meinen Aufgaben interessierten Menschen den Wald und unsere Arbeit näher zu bringen.“ Er sah sich um und zeigte mit der rechten Hand auf die umstehenden Bäume: „Nur was die Menschen kennen und lieben sind sie auch bereit zu schützen.“ Erika spürte wie ihre Wangen sich röteten und nach einer kurzen Pause flüsterte sie: „das ist wirklich sehr nett von ihnen.“ Nach einem kurzen Blick auf ihre Armbanduhr sagte sie entschuldigend: „Aber jetzt muss ich dringend los, ich habe mich hier schon zu lange aufgehalten.“ Der Förster nickte verständnisvoll: „Ist das ihr roter Kleinwagen mit Hamburger Kennzeichen auf dem Parkplatz?“ Als Erika bejahte wandte er sich seinem Hund zu: „Na, Edgar, was meinst du, wollen wir die junge Dame zu ihrem Auto begleiten?“ Der Dackel erhob sich und wedelte aufgeregt mit dem Schwanz.

Langsam und fröhlich plaudernd gingen Erika und der Förster Richtung Parkplatz, der Hund lief entspannt nebenher. Am Auto angekommen verabschiedeten sie sich voneinander, wobei sie die Telefonnummern austauschten und sich verabredeten bald gemeinsam einen langen Spaziergang zu machen. Entspannt und glücklich trat Erika ihren Rückweg an, das Waldbaden hatte sich wirklich gelohnt.

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Ort ohne Hoffnung https://www.tiefgang.net/ort-ohne-hoffnung/ Fri, 13 Mar 2020 23:03:10 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6464 [...]]]> Von Birgit Riemann-Chudy

 

da buchen Menschen Reisen in luxuriöse Hotels

mit Voll oder Halbpension

und müssen sich über eventuelle Hungergefühle

nicht die geringsten Gedanken machen

im Gegenteil

sie werden nach Strich und Faden verwöhnt

und erlaben sich an den köstlichsten Speisen

die meisten von ihnen

kehren sogar mit ein paar Pfund mehr auf der Waage

wieder nach Hause zurück

denn

am Pool oder am Strand zu liegen

verbrennt keine Kalorien

da haben es die sehr sportlichen Urlauber

schon ein wenig schwerer

die müssen gut darauf achten

dass sie nicht an Gewicht verlieren und genügend essen

um ihr körperliches Wohl nicht zu gefährden

ein wenig Alkohol am Abend schadet auch nicht

um dem drohenden Kalorienverlust vorzubeugen

 

all diese Menschen

kehren nach ihrem Urlaub

sich mehr oder weniger freuend

in ihr sicheres Heim zurück

und umgeben sich wieder mit ihrem

ebenso mehr oder weniger geordneten Alltag

den sie verlassen haben

um ihrem Heim und ihrer Arbeit für eine Weile zu entfliehen

um einen Tapetenwechsel zu haben

und es sich woanders so richtig gut gehen zu lassen

welch ein Luxus

 

dann gibt es Menschen

die angsterfüllt

ihr mehr oder dann eben weniger sicheres Heim verlassen mussten

und durch die Gefährdung ihres eigenen

und des Lebens ihrer Angehörigen

gezwungen waren ihr Land zu verlassen

um woanders Schutz zu suchen

voller Hoffnung

auf ein ganz normales sicheres Leben

für sich und ihre Kinder

unter Aufgabe aller Dinge

die ihnen bekannt und vertraut waren

irgendwo anders

sie haben gar keinen Alltag mehr

und ihr Tapetenwechsel ist nicht freiwillig

eigentlich wollten sie ihr Heim gar nicht verlassen

aber sie sahen keinen anderen Ausweg aus ihrer Situation

sie zahlen oft sehr viel Geld für ihre Reise

um dann an einem Ort zu enden

an dem kein Mensch

allein oder mit seiner Familie

enden möchte

weil niemand sie in ihrer Not aufnehmen

und ihnen helfen möchte

 

ihre neue Behausung besteht aus Europaletten

und einer Plastikplane

dicht aneinander gestellten Zelten

oder prall gefüllten Containern

unter tief hängenden Stromkabeln

die nicht immer funktionieren

die Kinder spielen neben Müllbergen

und wärmen sich an brennendem Plastik

von fließend Wasser

einer eigenen Toilette

oder einer Heizung für ihren Container

träumen diese Menschen vergebens

sie streiten sich um das wenige Essen das da ist

es kommt sogar zu Messerstechereien mit Todesfolge

von diesem Ort gibt es so gut wie kein Entrinnen

die Menschen sitzen dort viel zu lange fest

und können an ihrer Lage nichts ändern

sie sind den komplett überforderten Behörden hilflos ausgeliefert

und erleben Unfälle, Brände und Tränengaseinsätze der Polizei

sogar die Kinder sind Opfer dieser Ereignisse

es fehlt den Menschen dort an den nötigsten Dingen

wie sauberem Wasser, Toiletten, Nahrungsmitteln,

einem warmen Schlafplatz

einem Ort der Ruhe

einem sicheren Ort zum Spielen für die Kinder

die ein Drittel der Campbevölkerung ausmachen

von medizinischer und psychologischer Versorgung ganz zu schweigen

 

unter diesen Kindern

macht sich nun ein Gefühl der Ohnmacht

und der Hoffnungslosigkeit breit

manche von ihnen reagieren mit einem totalen Rückzug in sich selbst

sie halten die Ungewissheit

und die Grausamkeiten der Erwachsenwelt

mit der sie willkürlich

immer wieder konfrontiert werden

der sie nicht entfliehen können

nicht mehr aus

sie verstehen diese Welt nicht mehr

die sie vergessen zu haben scheint

und die nicht bereit ist ihnen zu helfen

sie verzweifeln und resignieren

erst hören sie auf zu reden

dann hören sie auf zu essen

irgendwann liegen sie nur noch apathisch auf der Erde

ihre Eltern versuchen sie sauber zu halten

und ihnen irgendwie

ein wenig Essen einzuflößen

manche sterben

im Angesicht absoluter Hoffnungslosigkeit

geben sie auf

in solch einer Welt wollen sie nicht mehr leben

 

wie grausam muss diesen Kindern der Satz vorkommen

„Planungen…….zur Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge

liegen zur Zeit nicht vor“

wie soll man ihnen diesen Satz erklären

wie soll man ihnen verständlich machen

dass es tatsächlich

verhältnismäßig reiche Menschen gibt

die ihnen einfach nicht helfen wollen

denn egal wie wir es drehen und wenden

erklären oder es vor uns selbst mit der Weigerung anderer rechtfertigen

Tatsache ist

dass die Länder Europas sich weigern

gemeinsam oder im Alleingang

Menschen

und vor allem

Kindern in Not

zu helfen

egal woher diese kommen

egal wo diese sich befinden

 

hat jedoch nicht jeder Mensch in Not

Anspruch auf Hilfe

und machen sich diejenigen

die ihm dieselbe verweigern

nicht unterlassener Hilfeleistung schuldig

wo bleibt der Aufschrei der Justiz

sowie der Bevölkerung mit Herz

diesen Menschen

und besonders den Kindern

in ihrer Not zu helfen

damit diese ihren Glauben an das Gute im Menschen nicht verlieren

und sich nicht selbst aufgeben

um in absoluter Hoffnungslosigkeit zu sterben

Birgit Riemann-Chudy ist Mitglied der Schreibwerkstatt Harburg, die sich regelmäßig und unter Leitung von Kerstin Biederstedt im Kulturverein „Alles wird schön e.V.“ Heimfeld trifft.

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„Hamburg 4.0” – der Krimitod der Zukunft https://www.tiefgang.net/hamburg-4-0-der-krimitod-der-zukunft/ Fri, 17 Aug 2018 22:00:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4048 [...]]]> Mit dem “Club der Sturmvögel“ debütierte er, nun stellt Nerger seinen neuen Krimi vor. Er spielt in ferner Zukunft.

Jan Christoph Nerger ist vielen Harburgern bekannt: er lebt mit seinen 45 Jahren zwar nördlich der Elbe, im Hamburger Westen. Aber seine Arbeit führt ihn im Nebenjob fast täglich an die Technische Universität und arbietet zudem auch ehrenamtlich beim Verlagsprojekt ´awsLiteratur` des Heimfelder Vereins ´Alles wird schön e.V.`. Und so kenne ihn viele von der Schreibwerkstatt wie auch von den Literaturtagen SuedLese.

Der gelernte Erzieher und Bürokaufmann ist nämlich nebenbei selbst Autor. Sein 2017 veröffentlichter Roman „Club der Sturmvögel“ war das erste Buch des jungen Verlagsprojektes ´awsLiteratur` mit seinen „Romanen aus der Nachbarschaft“.

Es war jedoch keineswegs Nergers erstes Manuskript. Verlagen waren seine Romane oft genug nicht ausreichend genreorientiert, was ihm selbst hingegen gerade gefällt. 2012 konnte er dann aber einen Vertrag für einen Jugendroman unterschreiben. Das Buch wurde aufgrund von Umstrukturierungen im Verlag aber trotzdem nicht veröffentlicht.

„Schreiben ist meine Leidenschaft“, sagt Nerger zu all dem,„und ich leide.“ Anders als viele moderne Schreibkollegen*innen, gibt Nerger sich nicht mit zwei, drei schnell dahingeschriebenen Büchern pro Jahr zufrieden. Mit seinem Anspruch, nicht nur trivial zu unterhalten, investiert er in jedes Buch viel langanhaltende Arbeit. Das bringt manche Nachteile mit sich, vor allem wenn es um Aufmerksamkeit geht, doch wichtiger ist ihm, sich treu zu bleiben.

Nun legt Jan Christoph Nerger mit dem Science-Fiction-Krimi „Hamburg 4.0 – Prantschaks Stadt“ nach. Und hier hat er nicht nur geschrieben, sondern auch viel gezeichnet. Das Buch mit seinen zahlreichen Illustrationen erscheint am heutigen Samstag (18. August 2018) bei awsLiteratur und das mit Pauken und Trompeten, denn der Autor wird heute sowohl aus seinem Buch lesen, als auch seine Bilder in einer Vernissage ausstellen.

Und worum geht es? Kommissar Peter Yilmaz muss im Jahr 2039 mit einer Soko in unserer Hansestadt den Tod des Architekten Jens-Christian-Nielsen aufklären. Ein Weltstar, dessen besondere Hochhäuser das Stadtbild mit seinen Kirchen erstaunlich angenehm ergänzen. Oder nicht? Davon können sich die Gäste bei Snacks, Getränken und Musik selbst ein Bild machen. Korruption, Verbrechen und mafiöse Strukturen im Zusammenhang mit modernster Spähtechnik setzen dem alternden Kommissar ebenso zu, wie die zugespitzte politische Lage in einem zerrissenen Europa (allein Deutschland ist dreigeteilt) und einer von Bürgerkrieg gespaltenen Türkei, aus der seine depressive Frau Melek einst flüchtete. Es ist also einiges los in diesem besonderen Krimi, der Auftakt zu einer Reihe werden soll. Man darf gespannt sein.

Wer das Buch einfach in Ruhe geniessen will: hier kann man´s künftig bestellen: aws-literatur.de

Termin: Sa.,  18. August 2018, Beginn 20 Uhr, Kulturverein „Alles wird schön e.V.“, Friedrich-Naumann-Str. 27, 21075 Hamburg

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3. SuedLese überzeugt mit Vielfalt https://www.tiefgang.net/3-suedlese-ueberzeugt-mit-vielfalt/ Fri, 09 Mar 2018 23:04:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3256 [...]]]> Zum dritten Mal bereits finden im Hamburger Süden Literaturtage ´SuedLese` statt. Im ´Tiefgang` stellen wir Ihnen ab heute vorab etliche Bücher und Autor*innen vor.

Die Initiative SuedKultur mit über 40 Kulturinstitutionen des Süderelbe-Bereichs würdigt seit drei Jahren die literarische Arbeit südlich der Elbe und nennt sie konsequent ´SuedLese`. Dieses Jahr bestimmt sie den ganzen Monat April vor.

Das Programm ist regelrecht ein Spiegel der Zeit: Der Auftakt zum 1. April wird scherzhaft mit einer Lesung von Texten von Hans Scheibner im Literaturcafé Striepensaal in Neuwiedenthal gemacht. Passend zur Osterzeit stellt der Schauspieler Hartmut Lange in der St. Johannis-Kirche in der Bremer Straße die Frage, ob Jesus oder Judas für uns starb. Grundlage dafür ist das Monodrama „Judas“ der flämischen Autorin Lot Vekeman (6. Apr., 20h).

In Harburgs Irish Pub „The Old Dubliner“ liest der Harburger Autor Christoph Rommel über Sex, Drogen und andere Abgründe, will aber beim Bier vor allem Hoffnung geben (10. Apr.).

Unter den Stars der SuedLese findet sich der durch die TV-Sendung „Extra 3“ bekannte Auslandsreporter Dennis Gastmann (12. Apr., Bücherhalle Harburg), aber auch der zur Zeit viel gelobte Johann Scheerer, der als Sohn von Philipp Reemtsma dessen Entführung 1996 aus Teenager-Sicht bravourös schildert (24. Apr., Buchhandlg. am Sand). Und auch die gehbehinderte Laura Gehlhaar ist bundesweit als Inklusionsverfechterin bekannt und liest am 20. April aus ihrem neuesten Buch „Kann man da noch was machen?“ (Treffpunkt Hölertwiete).

Aber auch aktuelle Themen wie Migration und Flucht sind vertreten – passenderweise im Café Refugio. Dort liest am 19.4. der einst aus Sri Lanka geflohene und mittlerweile erfolgreiche deutsche Klinikarzt Umes Arunagirinathan aus seinem Buch „Der fremde Deutsche“ und ebendort lesen am 27.4. die Brüder Thaer und Thamer Imad aus ihren Erinnerungen „Von Tod zu Tod“.

Die SuedLese ist aber vor allem eine Würdigung der lokalen Literaturarbeit. „Es ist faszinierend, wie viele publizierende Schreiberlinge weitestgehend  unentdeckt hier leben und arbeiten“, so Mit-Organisator Heiko Langanke. Denn viele der Schreibenden und Lesenden entstammen direkt der Nachbarschaft. So die Agitatoren der Harburger Schreibwerkstatt wie Heide-Marie Preuß oder Kerstin Brockmann, die auch einen Schreibwettbewerb für den Nachwuchs ausschrieb und am 22. April im Kulturverein „Alles wird schön“ unter den mehr als 40 Einsendungen verleihen wird. Oder die Macher des Harburger Szene-Magazins „heigh“, die sich und den „Poetomaten“ im neuen Kreativort „Kulturwohnzimmer“ im Gloria-Tunnel vorstellen werden (13. / 14. Apr.). Die türkischstämmige Harburgerin Kadriye Bakşi wird aus ihren Kinderbüchern auf Deutsch aber auch türkisch vorlesen (13. Apr.) und die erfolgreiche Harburger Buchautorin Birgit Storm stellt ihren druckfrisch erschienen 3. Krimi „ „Alte Schuld und neues Leid“ erstmals im Rahmen der SuedLese vor.

All das und noch viel mehr an mehr als 20 verschiedenen Orten der Literatur im Süden der Stadt. Ob in Neugraben, Neuwiedenthal, Moorburg, Heimfeld, Harburg-City oder –Hafen, Rönneburg oder Wilhelmsburg – ob in der klassischen  Buchhandlung, an der Universität, in der Kneipe oder Restaurant, im Museum oder Tunnel – es wird gelesen, was das Zeug hält!

Weit über 40 lesende Akteure sind zugange und machen den Hamburger Süden einen ganzen Monat lang zum Literaturfest.

Möglich wird all das vor allem durch Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien, der Alfred Toepfer-Stiftung FVS und auch der Stadtentwicklungsgesellschaft Steg.

Das komplette Programmheft steht auch hier zum download bereit.

Die Initiative SuedKultur ist ein lockerer und ungeförderter Zusammenschluss von über 40 verschiedenen Kulturinstitutionen des Hamburger Südens. Sie besteht seit nunmehr 10 Jahren, stärkt die Wahrnehmung der Süderelbe-Kultur durch das Terminportal www.sued-kultur.de, seit acht Jahren mit einer jährlichen SuedKultur Music-Night (dieses Jahr am 20. Okt.) und eben den nunmehr dritten Literaturtagen SuedLese.

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Schreibwettbewerb für Harburgs Schulen https://www.tiefgang.net/schreibwettbewerb-fuer-harburgs-schulen/ Fri, 26 Jan 2018 23:32:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2894 [...]]]> Auf den Füller, fertig, los! Anlässlich der Suedlesetage veranstaltet die Schreibwerkstatt des Kulturvereins ´Alles wird schön` einen Literaturwettbewerb für Harburger Schülerinnen und Schüler.

Die besten Geschichten werden von einer fachkundigen Jury ausgewählt und im Rahmen einer festlichen Preisverleihung mit tollen Schmökern belohnt, die von der Buchhandlung am Sand gespendet werden.

Das Thema des Wettbewerbs lautet „Kunterbunt“. „Dieses Motto regt Sechsjährige genauso an wie junge Erwachsene“, sagt Redakteurin und Autorin Kerstin Brockmann, die seit 2004 die Schreibwerkstatt leitet und den Wettbewerb initiiert hat. „Die Kids können Einhörner, auf denen sie ins Regenbogenland reiten, ebenso assoziieren wie die verführerische Gummibärchentüte des Tischnachbarn, die Multikultibevölkerung Harburgs oder Schwulen- und Lesben-Ehen. Ich bin sehr gespannt, was den Mädchen und Jungen zu diesem Begriff so alles einfällt.“ Bewertet werden die Beiträge nicht nur von Kerstin Brockmann, sondern auch von drei weiteren erfolgreichen Autoren der Schreibwerkstatt, zu denen unter anderem die ehemalige Schulleiterin Heide-Marie Preuß gehört, die selbst gerade unter den Top Ten eines bundesweiten Literaturwettbewerbs der katholischen Kirche gelandet ist. Die Preise werden in drei Altersgruppen vergeben: an Grundschüler, Kinder bis zur 10. Klasse und Oberstufenschüler.

Der Text sollte maximal fünf DIN A4-Seiten lang sein. Bitte unbedingt Name, Anschrift, Klassenstufe und Telefonnummer darauf vermerken! Die Siegerehrung findet am Sonntag, den 22. April, im Kulturverein Alles wird schön e. V. statt. Bewerbungsschluss ist am Mittwoch, den 28. Februar 2018. Einsendungen bitte bevorzugt an schreibwerkstattswettbewerb@web.de oder per Post an Alles wird schön, Kennwort: Kunterbunt, Friedrich-Naumann-Str. 27 in 21075 Hamburg.

 

 

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JUBILÄUMsJAHResRÜCKBLICK https://www.tiefgang.net/jubilaeumsjahresrueckblick/ Fri, 12 Jan 2018 23:16:32 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2852 [...]]]> Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Ich habe mal nachgerechnet und komme auf etwa ein Jahr, das ich jetzt auf dem Buckel habe. Als Kolumnistin. In Wahrheit bin ich natürlich etwas älter, aber nicht unbedingt weiser.

Philo-Sophie ist mein Alter Ego, meine bessere Hälfte. Sie besitzt die Fähigkeit zur Reflexion und hat Humor. Diese beiden Eigenschaften machen gut und gerne gemeinsame Sache.

Es ist allerdings nicht nur mein eigener Verdienst, das ich hier stehe und zu lesen bin. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, denjenigen zu danken, die mir eines meiner Lebenswerke ermöglichten.

Mein erster Dank gilt Klaus von Hollen. Er kommentierte mehrmals meine Texte, die ich in der Schreibwerkstatt vorlas, in der ihm eigenen, unverblümten Art mit den knappen Worten: Schreib´ Kolumnen.

Dann danke ich der ehrenamtlichen Leiterin der Schreibwerkstatt Kerstin Brockmann, die mir eines Tages den entscheidenden Tipp gab, indem sie mich auf das Online Feuilleton TIEFGANG aufmerksam machte.

An dieser Stelle muss ich mir selbst dazu gratulieren, dass ich Kontakt aufnahm und mich als Kolumnistin bewarb. Der Tag, an dem ich dort meine geistige Heimat fand, zählt zu den Highlights meines Lebens. Es verhalf meinem Denken und weiteren Wirken zum Durchbruch.

Und last not least bin ich natürlich Heiko Langanke und der Suedkultur sehr verbunden, weil mir hier der Raum geboten wird, in dem ich mich ausbreiten kann. Ein selbstgemachtes Plätzchen ganz nach meinem Geschmack. Mit Tiefgang und interessanten Themen.

Schließlich bin ich dankbar für potentielle Leser, auch wenn es keinen Beweis für deren Existenz gibt. Fanpost habe ich jedenfalls noch keine bekommen, aber vielleicht liegt das an dem Umstand, dass ich undercover schreibe.

Auf jeden Fall hege ich die Hoffnung, man möge mich mögen. Ob es mir gelingt, andere Menschen anzusprechen und anzuregen, bleibt am Ende offen. Eine Kolumne mit open end.

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Ein Standpunkt, der bewegt https://www.tiefgang.net/ein-standpunkt-der-bewegt/ Fri, 15 Dec 2017 23:57:23 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2711 [...]]]> Sie hat immer schon von ihrer Tochter und sich erzählt. Nun hat sie es auch aufgeschrieben und fiel gleich einem literarischen Projekt auf. Ein Interview.

Autorin Heide-Marie Preuß nennt sich Mary, weil dies auf etlichen Auslandsreisen der einfachere Weg war, sich vorzustellen. Sie ist pensionierte Schulleiterin und besucht regelmäßig die Schreibwerkstatt unter der Leitung von Kerstin Brockmann. Von ihr erfuhr Mary von einer Ausschreibung, die ihr Interesse weckte.

Die Katholische Kirche Wiesbaden hatte dieses Jahr ein Projekt angestoßen: „Hier stehe ich!“ – Standpunkte, die bewegen – Aus Sprache – Aus Tausch – Aus Bilden“. Es ging bei dem Projekt um aktuelle Kunst und Literatur. Das vorgegebene Thema WORTE AUS DER ZUMUTUNG GOTTES sollte zum 500. Jahrestag des Beginns der Reformation eine lebendige Debatte mit den Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache eröffnen. Ihre Geschichte mit dem Titel „In diesem Jahr werden wir hundert“ wurde unter mehr als 220 Einsendungen von der Jury ausgewählt, um in einer Anthologie veröffentlicht zu werden, die im Eigenverlag der katholischen Erwachsenenbildung Wiesbaden erschien.

Ich kenne und schätze Marys Schreibstil und möchte die Gelegenheit nutzen, um sie dem Umfeld von SuedKultur vorzustellen und ihre Werke zu empfehlen. Sie verknüpft persönliches Erleben mit den großen Themen des Lebens. Ihre Erzählungen sind besinnlich, nachdenklich und berührend.

Tiefgang (TG): Liebe Mary, erst einmal gratuliere ich dir zu deinem Erfolg! Man sieht dir an, wie stolz du bist, dass deine Geschichte es schaffte, die Jury zu überzeugen. Warst du sehr überrascht?

Mary: Zwischen dem Abgabetermin und der Nachricht, dass meine Geschichte zur Veröffentlichung ausgewählt wurde, lagen Wochen – gefühlt sogar Monate; Ich hatte schon gar nicht mehr daran gedacht und plötzlich kam die Mail und meine Freude war riesengroß.

TG: Was war dein Beweggrund, an der Ausschreibung der Katholischen Kirche teilzunehmen? Bist du sehr religiös? Oder war es der Titel, der dich ansprach?

Mary: Ich bin getauft, konfirmiert und meine Kinder sind es auch. Mit zunehmendem Alter denke ich über so vieles anders, auch über den Glauben. Bin ich „religiös“? Da müsste ich wohl noch einige Schritte gehen. Es war der Titel „Worte aus der Zumutung Gottes“, der mir nachgegangen ist und mit dem ich zunächst, als Kerstin ihn vorgelesen hat, überhaupt nichts anfangen konnte. Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb von der Katholischen Erwachsenen Bildung Wiesbaden zum Reformationsjahr 2017 „Hier stehe ich!…- Standpunkte, die bewegen“, aktuelle Kunst und Literatur.

TG: Warst du dir gleich sicher, welche Geschichte du erzählen willst?

Mary: Ja, meine,  das heißt: unsere!

TG: Die Geschichte „In diesem Jahr werden wir hundert“ ist nicht frei erfunden, sondern autobiografisch. Du schreibst sehr offen und authentisch über dein Kind, das anders ist als andere und dich vor manche Herausforderung stellte.

Mary: Wenn ich wildfremden Menschen auf Reisen oder wo auch immer, von mir und meiner Tochter erzählt habe, bekam ich als Antwort: Das müssen Sie unbedingt einmal aufschreiben! Meine Tochter war und ist ein sehr hübsches Mädchen. Wir haben in den ersten drei Jahren ihre Behinderung nicht gesehen oder nicht sehen wollen. Als sich ihre Sprache nicht wie bei anderen Kindern entwickelte, war ich noch jahrelang der Meinung, ich würde es hinkriegen mit ihr, mit dem Sprechen. Ich hatte ja Erfahrung, wie man auf Kinder eingeht, die sich nicht altersgemäß entwickeln, und Nichtvorhandenes hervor kitzeln kann. Außerdem war ich zu der Zeit Lehrerin in einer Integrationsklasse und kannte mich mit speziellen Therapien gut aus.

TG: Wie erging es dir beim Schreiben? Welche Erinnerungen, Gedanken und Gefühle wurden dabei ausgelöst?

„Mary“ Preuß (Foto: S. Alphonso)

Mary: Es geht mir glaube ich nicht viel anders, als anderen Müttern auch, die Bilder sind im Kopf gespeichert. Ich habe zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, meine Tochter ist behindert, Ich wollte eigentlich sagen, wenn man sich die Zeit nimmt, ist alles sehr präsent und ein Film spult sich ab, über meinen Sohn könnte ich auch schreiben, das war aber nicht das Thema.

TG: Gab es neue Aspekte, die du dir erst durch den Schreibprozess erschlossen hast?

Mary: Das Schönste war das Gefühl, dass wir beide, meine Tochter und ich, es so gut miteinander hingekriegt haben und ich am Ende sehr viel von ihr gelernt habe.

TG: Könntest du dir vorstellen, ein ganzes Buch zu verfassen und darin eure Geschichte aufzuschreiben?

Mary: Ich war durch die Nachricht so in Schwung, dass ich tatsächlich ein Buch über uns geschrieben habe. Ich habe es auch bereits einem Verlag angeboten und eine Absage erhalten: „Wir haben schon ein Buch über eine Behinderte.“ Die Antwort spiegelt für mich den Umgang mit Inklusion, letztendlich will keiner so gerne etwas damit zu tun haben, schade!

TG: Dies war schon dein zweiter Erfolg. Eine Geschichte von dir wurde zuvor schon in eine Anthologie aufgenommen. Was war das für ein Thema?

Mary: Das waren die Wilhelmsburger Geschichten, herausgegeben von der Edmund Siemens Stiftung. Ganz liebevoll gestaltet, mein Schreibanfang und eine wunderbare Erfahrung.

TG: Soviel zu Schreibwettbewerben, Ruhm und Ehre und. Doch was bedeutet dir persönlich das Schreiben? Was ist dein Hauptbeweggrund?

Mary: Ich habe meine Berufsjahre jetzt hinter mir, gestalte mein Leben neu, bin vor allem im Winter mit dem Rucksack in Asien unterwegs, flaniere und schreibe, das ist jetzt mein Leben, das macht mir Spaß.

TG: Und mich bewegen deine Geschichten. Vor allem, wenn du sie selber liest. Ich freue mich auf weitere Werke! Vielen Dank für dieses Interview!

Epilog: Ich kann nur empfehlen, Augen und Ohren offen zu halten, wo und wann die Autorin zu hören sein wird. Mit etwas Glück wird man sie im Programmheft der SuedLese 2018 finden.

(Das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso.)

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Romane aus der Nachbarschaft https://www.tiefgang.net/romane-aus-der-nachbarschaft/ Fri, 24 Nov 2017 23:05:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2578 [...]]]> In  Heimfeld tagt wöchentlich eine Werkstatt des Schreibens. Und ihr Team bringt seine Ideen und Worte nicht nur zu Papier. Jetzt verlegt es auch – in Eigenregie.

„AWS-Literatur“ nennt sich das neue kreative „Start up“ in Hamburgs Süden und ihre Gründer sind schon reich. Vielleicht nicht an Geld, aber an Ideen und Werken mangelt es wahrlich nicht. Und es ist faszinierend, zu wissen, dass es gute Bücher aus der Nachbarschaft sind.

Die Idee entstand 2016 bei Wilfried Abels und Jan Christoph Nerger, Klaus von Hollen, Sonja Alphonso, Susan Dettmann und Maren Osten wurden seine Mitstreiter. Auf der website vom Verlag AWS-Literatur liest sich:

„Wir sind eine Gruppe von schreibbegeisterten, ehrenamtlich arbeitenden Menschen, die sich das Ziel gesetzt haben, Autoren und Künstlern aus dem Umfeld des Kulturvereins alles-wird-schön e.V. eine einfache Möglichkeit zu bieten, um in einem professionellen Rahmen zu veröffentlichen.“ Da kommt also noch was auf uns zu.

Und zwei Werke sind auch schon erhältlich und das zu Preisen, die es nahelegen, es hier und da unter einen Weihnachtsbaum zu legen. So etwa „Club der Sturmvögel“ – ein Roman von Jan Christoph Nerger. Zur Geschichte: Im Jahr 2012 fällt der vierzigjährige Popstar Alex in eine Sinn­krise. Er verspürt den Wunsch, aus seinem oberflächlichen Leben auszubrechen und erinnert sich an seine ungewöhnli­che Blankeneser Jugend in den 80ern, vor allem an seine Freundschaft und Liebe zur HIV-infizierten Mitschülerin Anja und deren junger Mutter Britta, aber auch an seine aufsässi­gen Klassenkameraden Mirko und Stefan. Später lernte er die junge Rockerin Marla kennen und lieben. Er sang in ihrer Rockband, bis es zum Zerwürfnis kam, weil er „ent­deckt“ wurde.

Alex beginnt nach den Menschen aus seiner Vergangenheit zu suchen und gerät wie damals in einen Strudel aus Ver­zweiflung, Leidenschaft und Liebe. Für ihn beginnt ein auf­regender Weg zurück zu sich selbst.

Der Autor Jan Christoph Nerger, geboren 1973 in Hamburg, lebt bis heute in der Elbmetropole. Der gelernte Erzieher und Bürokauf­mann schreibt als leidenschaftlicher Romanautor über seine Generation sowie über ökologische und futuristische The­men.

Club der Sturmvögel, Jan Christoph Nerger,
1. Auflage, 252 Seiten, ISBN 978-3-947051-00-7,  Preis: 9,- €
Leseprobe

E-Book bei Amazon: Club der Sturmvögel

Bestellen Sie das Buch ohne zuzügliche  Versandkosten  vom Autor direkt per E-Mail für ein handsigniertes Exemplar!

 

Und ein Roman von Klaus von Hollen findet sich auch. Klaus von Hollen wurde 1963 in Bremen geboren und lebt seit 1989 in Hamburg. Der gelernte Krankenpfleger und Groß­handels­kauf­mann arbeitet seit 1999 als Taxifahrer. 2004 veröffentlichte er gemeinsam mit vier anderen Autoren den Kurz­geschichten­band: „METRO.pole: Untergrundgeschichten“. Nun sein Debüt als Solist.

Seine Geschichte „Zeugnis eines Außenseiters“ handelt von Paul Lohmann, einem 38 Jahre alten Computerexperten in einem Elektrofachmarkt. Peter traut seinen Augen nicht, als er eines Tages Frank Woytek, dem Kerl, der ihm während der Schulzeit das Leben zur Hölle gemacht hat, gegenüber steht. Paul hofft, dass Frank ihn nicht erkennt, aber sein Stottern, das ihn schon sein ganzes Leben beeinträchtigt, bringt Woytek auf die richtige Spur. Aufs Neue verhöhnt, kehren Pauls Erinnerungen an die bitteren Erlebnisse aus seiner Jugendzeit zurück. Der Alptraum, so scheint es, will einfach kein Ende nehmen. Doch Paul ist nicht bereit, sich ein weiteres Mal terrorisieren zu lassen.

Zeugnis eines Außenseiters, Klaus von Hollen,
1. Auflage, 236 Seiten, ISBN 978-3-947051-01-4, Preis: 9,- EUR

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Weiterführender Link zum AWS-Literatur-Verlag: http://www.aws-literatur.de

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„An Traumata muss man nicht scheitern“ https://www.tiefgang.net/an-traumata-muss-man-nicht-scheitern/ Sat, 04 Mar 2017 08:00:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=698 [...]]]> Während für viele Lyrik Ausdruck von Schönem und Geborgenheit ist, denkt Gisela Baudy an Isolation und Trauma. Das wirft Fragen auf, die wir ihr stellen …

 

Tiefgang (TG): Gisela, Ende 2016 ist dein literarisches Erstlingswerk mit dem klangvollen Titel „Tonspuren – Lyrisches Tagebuch“ erschienen. Worum geht es darin?

Gisela Baudy: Im Mittelpunkt steht eine junge Frau namens Clarissa, die schreibend einen Weg aus der inneren Isolation hin zu einem lebendigen Du sucht. Aber der Weg ist nicht geradlinig. Er führt nach schmerzhaften Kindheitserinnerungen über eine scheiternde Liebesbeziehung zunächst in ein noch tieferes seelisches Aus. Doch am Ende des Tunnels öffnen sich für Clarissa Wege zu einem geerdeten Leben, zum Du und zu einer nie gekannten seelischen Weite aus Horizont und Vogelflug.

TG: Warum dieser Titel?

Baudy: Zunächst meint „Tonspuren“ als Begriff ganz profan die Spuren auf einem Tonträger. In der übertragenen Form erinnert er aber an Töne, die von weither im eigenen Innern angeschlagen werden. Ich benutze den Begriff Tonspur ebenfalls doppelt: als Grundton, der in der eigenen Seele in einem bestimmten Lebensabschnitt angeschlagen wird, und als Buchkapitel, das jeweils diese leisen bis schrillen Seelentöne einfangen und beherbergen möchte.

TG: Auf dem Buchcover sind aber Tonscherben zu sehen …

Baudy: Richtig. Ich benutze den Begriff „Tonspuren“ bewusst mehrdeutig. Denn aus Ton kann auch zum Beispiel eine Schale bestehen. Tonschalen können, mit Wasser gefüllt, einen heilsamen Ton erzeugen, sie können aber auch beim Hinfallen brechen. Und noch mehr: Tonsplitter sind immer auch Fugen, durch die hindurch sich Keimlinge ein Weg ins Licht bahnen können. Die Protagonistin Clarissa ist alles: eine Zerbrochene und eine Aufbrechende.

TG: In „Tonspuren“ vermischen sich also verschiedene Wahrnehmungsarten wie Bild, Ton und Wort. Sind diese Synästhesien typisch für dein ganzes lyrisches Werk? Ich denke da zum Beispiel an das gleichsam hingekratzte, scharfkantige Gedicht „Wortspitzen“: „Worte / scharf umrandet / glatt / Münzen / auf der Zunge. // Der Fährmann kassiert / und fährt dich heim.“

Baudy: Es gibt gewisse Stimmen, die so reden. Aber jeder hat seine eigene Wahrnehmung, und das ist gut so.

TG: Deine Texte sind für Gedichte und Tagebuchnotizen ungewöhnlich kurz. Wie kommt das?

Baudy: Tonsplitter oder Wortstoppeln wäre für meine Texte der treffendere Ausdruck. Denn Clarissas Seele stottert. Das zeigt sich natürlich auch in ihrer Sprache, die innere Töne nur bruchstückartig festhalten kann.

TG: Hast du literarische Vorbilder?

Baudy: Ich lese gerne Autorinnen und Autoren wie Rainer Maria Rilke, Rose Ausländer, Gottfried Benn, Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Karl Krolow, Reiner Kunze, Erich Fried oder Hans Magnus Enzensberger, aber auch relativ unbekannte zeitgenössische Lyriker wie den Schweizer Autor Fred Stäheli, mit dem ich in Zürich Germanistik studierte, oder die Dichter Angelica Seithe und Nobert Mieck, die ich erst kürzlich für mich entdeckt habe.

TG: Wie lange hast du an deinem Gedichtband gearbeitet?

Baudy: Mit Unterbrechungen an die vier Jahre. Aber ich habe schon früher meine Tagebuchaufzeichnungen nach Textstellen und Gedichten durchforstet und immer wieder zu neuen Themen zusammengestellt. Die Texte selbst gehen bis in meine Studienjahre in Zürich zurück. Inzwischen haben aber viele davon einige Bearbeitungsstufen hinter sich.

Lebensreise des lyrischen Ichs in zehn „Tonspuren“

TG: Und wann entstand der Buchtitel? Es gibt ja inzwischen so einige Bücher mit diesem Titel auf dem Markt.

Baudy: Ja leider – wie so vieles, das plötzlich eine Inflation erlebt. Dabei kam mir der Titel „Tonspuren“ schon viele Jahre früher beim Wiederlesen und Neubearbeiten meiner Texte in den Sinn. Als ich ihn dann später im Internet fand, wollte ich ihn wegen seiner spezifischen Symbolik für mein Buch dennoch beibehalten und erweiterte ihn zu „Tonspuren – Lyrisches Tagebuch“.

TG: Lyrikbände sind oftmals Sammlungen von Gedichten, die in scheinbar beliebiger Reihenfolge abgedruckt oder − seltener − thematisch angeordnet sind. Wie sieht es mit deinen Tonspuren aus?

Baudy: Meine Tagebuchaufzeichnungen und Gedichte zeichnen chronologisch die Lebensreise des lyrischen Ichs in zehn „Tonspuren“, sprich Kapiteln nach. Die Ordnung der Kapitel und der einzelnen Textsplitter innerhalb eines Kapitels ergeben sich aus der Geschichte selbst.

TG: Was möchtest du deiner Leserschaft mit „Tonspuren“ auf den Weg geben?

Baudy: Lass es mich mit meinem Gedicht „Lebensreise“ sagen: „Werden / der du warst / bevor die Flügel brachen. // Werden / der du bist / trotz Flügelbruch.“

Mit anderen Worten: Traumata gehören zum Leben. Aber: Du musst an ihnen nicht scheitern. Du kannst mit ihnen auch leben lernen.

TG: Karl Valentin hat mal gesagt: „Kunst ist schön. Macht aber viel Arbeit. „. Warum schreibst du?

Baudy: Darf ich wieder mit meinem Gedicht „Wenn es gelingt“ antworten?

 „In jedem gelungenen Gedicht / klopft ein Herz / für die Gesundung eines Herzens. // Arbeit Erde / für das Gelingen / einer bewohnbaren Erde.“

Meine Gedichte wollen Gegenwart (er-) lebbar machen. Sie wollen da und dabei sein. Und sie sind auf der Suche nach Weggenossen, die die Erde etwas wohnlicher machen.

Schade nur, dass sie viel Arbeit machen, aber keine auskömmlichen Erträge einbringen. Ich zitiere hier nur Walter Moers, wenn er schreibt: „Schreiben ist der verzweifelte Versuch, der Einsamkeit etwas Würde abzugewinnen – und etwas Geld!“ (Aus: „Die Stadt der Träumenden“)

TG: Womit verdienst du denn dein Brot?

Baudy: Ich arbeite als freie Journalistin und Online-Redakteurin für einen kleinen gemeinnützigen Verein zu den verschiedenen Themen Umwelt- und Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Bildung und verwandte Themen. Aber: Das (nicht freiwillige) Leben als Freie ist nicht gerade einfach.

TG: Gibt es noch andere literarische Publikationen von dir?

Baudy: Im Bereich Lyrik veröffentliche ich noch nicht lange. Seit 2014 sind in literarischen Anthologien und Zeitschriften einige meiner Gedichte erschienen. Ansonsten habe ich noch Glossen für Zeitungen geschrieben.

TG: Du bist bei der Schreibwerkstatt Harburg. Warum?

Baudy: In der Schreibwerkstatt suche ich einen inneren Freiraum und die Motivation für kreatives Schaffen, das sich im Alltag nur allzu leicht verschüttet. Auch fasziniert es mich immer wieder, wie die Leiterin Kerstin Brockmann vorgelesene Texte professionell analysiert, besonders Gelungenes hervorhebt und mögliche Schwachstellen schnell erkennt. Und es tut gut zu sehen, dass sie bei aller Analyse und konstruktiver Kritik die Autoren immer aufzubauen versteht.

TG: Du liest am 21. März 2017 in der Gemeinschaftslesung „Begegnungen“ aus deinem Gedichtband zum Thema „Vogelschrift“. Was hat es damit auf sich?

Baudy: Das Bild des Vogelflugs durchzieht alle meine Kapitel und scheint mir das Thema „Begegnung“ symbolisch am besten aufzunehmen. Denn Vögel fliegen nicht einfach, sie beschriften mit ihrem Flug den Himmel und bringen etwas Lyrik und Gegenwart in den tristen Alltag. Lass dich überraschen.

TG: Zuletzt noch ein Spruch: Die Katze lässt das Mausen nicht. Wie sieht’s bei dir aus: Planst du schon dein nächstes literarisches Werk?

Baudy: In Zukunft würde ich mich gerne weiteren Themen zuwenden. Ich denke neben allgemein Menschlichem auch an Umwelt- und soziale Themen. Vielleicht probiere ich auch mal andere literarische Formen aus. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Denn der (Berufs-) Alltag ist gefräßig. Er lässt der Kreativität wenig Spielraum.

TG: Wenn ich das mal in meine eigenen Worten fassen darf: Kunst kommt nach Brot.

Baudy: Ja, ganz genau.

TG: Ich danke dir für das Gespräch.

 

Gisela Baudy ist Mitglied der Schreibwerkstatt Harburg, die mit der Gemeinschaftslesung „Begegnungen“ am 21. März 2017 ab 19:30 Uhr bei „Alles wird schön“, Friedrich-Naumann-Straße 27 die SuedLese-Literaturtage eröffnen wird. Die Autorin stellt einige Kostproben aus ihrem Buch vor.

Gisela Baudy – Tonspuren – Lyrisches Tagebuch, Verlag Stimme fürs Leben e.U., Wien 2016. Printausgabe: ISBN 978-3-903032-08-8 (188 Seiten). Mit Fotos von Gisela und Chris Baudy. Preis: 19,90 Euro (E-Book 9,90 Euro). Zu bestellen u. a. im Online-Shop des Verlages, bei www.buchhandel.de oder über die kostenlose Hotline der Buchhandlung Osiander 0800 9201 300.

Siehe auch die Besprechung hier bei ´Tiefgang`.

(28. Feb. 2917, das Gespräch führte Christian Baudy, freier Autor, Online-Redakteur und Mitglied der Schreibwerkstatt Harburg)

 

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Hommage an die Schreibwerkstatt https://www.tiefgang.net/hommage-an-die-schreibwerkstatt/ Wed, 11 Jan 2017 07:34:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=359 [...]]]> Im Meckern und Nörgeln sollen die Deutschen Weltmeister sein. Unsere Kolumnistin ändert das ab sofort mit einer Hommage …

„Ich heiße Sophie und bin Denkerin. Heute möchte ich unserer Kerstin ein Denkmal setzen. Sie ist die erfahrene Kraft und Leiterin der Schreibwerkstatt, welche sie schon seit mehr als einem Jahrzehnt ehrenamtlich betreut. Ihr gebührt eine Ehrenrunde. Deshalb widme ich ihr diese Hommage:
Sie ist der Kern mit weichem Herz, um den wir uns versammeln. Alle an einem Tisch und gleichberechtigt. Jeder kann kommen und gehen, wie es ihr oder ihm passt, regelmäßig oder sporadisch. Die Vielfalt der Texte ist bemerkenswert, es sind so gut wie alle Genres vertreten. Mit Kerstin laufen wir zur (Hoch)Form auf. Wir schreiben vorab, bringen Auszüge aus unseren Werken mit und besprechen diese. Wir werden ermutigt, uns sichtbar zu machen und auch auszudrücken, was uns nicht gefällt.
Kerstin trägt maßgeblich dazu bei, dass wir uns in einer wohlwollenden Atmosphäre ehrlich austauschen. Wir vertrauen darauf, dass wir voneinander lernen können. Wir gehen sensibel miteinander um, denn wir wissen um unsere eigene Empfindlichkeit. Weil wir sicher sein können, dass uns niemand niedermachen oder aus Eigennutz kritisieren will, lassen wir uns etwas sagen und hören hin. Anmerkungen und Ratschläge werden erwogen, aber jeder ist ganz frei in seiner Entscheidung, sie zu verwerfen oder umzusetzen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur verschiedene Meinungen und Geschmäcker.
In unserer gelebten Diversität ergänzen und bereichern wir uns gegenseitig. Und wem haben wir das zu verdanken? Uns natürlich. Aber vor allen Dingen unserer lieben Kerstin, die mit ihrer zugewandten und wertschätzenden Art den umgangssprachlichen Stil geprägt hat. Sie erkennt den Wert ungeschliffener Rohdiamanten und fördert unseren Sprachschatz, gibt glänzende Beispiele und animiert zu mehr sinnlichen Sprachbildern. Kurz: Kerstin gebührt die Krone, denn sie ist die Königin des gewählten Wortes.“

(29. Dez.2016, SZ)

Anm. d. Red.: Die Schreibwerkstatt Harburg tagt alle zwei Wochen im Kulturverein „Alles wird schön e.V.“ in Heimfeld und lädt Freunde des Schreibens zur gegenseitigen Inspiration ein.

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