Ulrike Hinrichs – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 09 Jan 2026 16:56:37 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Künstlerische Biografiearbeit: Das Geheimnis im biografischen Feld https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-das-geheimnis-im-biografischen-feld/ Fri, 28 Nov 2025 23:57:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12932 [...]]]> Künstlerische Biografiearbeit öffnet einen stillen Raum. In diesem Raum dürfen Erinnerungen und Gefühle zu Farbe werden. Innere Bilder treten hervor und erzählen von dir und deinem Weg. Auch das Unausgesprochene und Nichtsichtbare kann durch den künstlerischen Ausdruck im Bild erscheinen.

von Ulrike Hinrichs

Kreative Methoden helfen dir, Erfahrungen sichtbar zu machen, die sich sonst schwer in Worte fassen lassen. Sie bringen Bewegungen in starre Muster. Sie stärken das Gefühl für deine eigene Stimme. Und sie machen Ahnungen sichtbar.
Biografiearbeit mit Kunst verbindet Betrachtung und Ausdruck. Du forschst mit deinen Händen. Du spürst deinem inneren Kompass nach. Du ordnest dich neu.

Tabus und Geheimnisse sind Leerstelle in der Biografie

In vielen Biografien gibt es Tabus und Geheimnisse, die wir nur erahnen können. Sie werfen lange Schatten und wirken oft stärker, als wir glauben.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Geheimnisse sind ein stiller und gleichzeitig belastender Teil unseres Lebens. Sie leben in Andeutungen, in Leerräumen und im Schweigen. Manche wurden uns anvertraut. Andere tragen wir selbst, freiwillig oder unfreiwillig. Wieder andere wurden über Generationen weitergegeben, ohne je ausgesprochen zu werden. In Familien wirken sie wie ein unsichtbarer Strom. Sie beeinflussen unser Verhalten, unsere Beziehungen und unsere Gefühle. Oft kennen wir ihren Ursprung nicht.

Ein Geheimnis kann Schutz bedeuten. Schutz vor Überforderung, vor Scham, vor Angst oder Schmerz. Doch was schützen soll, kann auch isolieren. Geheimnisse, die lange verborgen bleiben, sprechen eine andere Sprache. Sie zeigen sich in körperlichen Symptomen, in inneren Spannungen oder in familiären Wiederholungen. Sie hinterlassen Spuren, auch wenn sie nie erzählt wurden.

In der Biografiearbeit geht es nicht darum, Geheimnisse zu entlarven oder offenzulegen, um irgendjemanden bloßzustellen. Es geht darum, ihnen achtsam zu begegnen. Zu spüren, dass da etwas ist, das gesehen werden will. Nicht von allen, aber vielleicht von dir.

Der kreative Ausdruck bietet einen sicheren Raum. Du musst nichts preisgeben. Doch du darfst dem, was verborgen liegt, eine Form schenken. Manchmal ist es genau dieser liebevolle Blick auf das Unsagbare, der Heilung möglich macht. Mit deiner Geschichte. Mit deinen Ahnen. Mit dir selbst.

Auch ich habe auf meiner biografischen Forschungsreise Geheimnisse entdeckt. Manche enthüllten sich im Licht des künstlerischen Prozesses. Anderen Geheimnissen bin ich noch immer auf der Spur.

Im Header ist eine Collage abgebildet, die ich zu einem meiner Familiengeschichten gefertigt habe. Ich bin auf der Suche nach der Geschichte meiner Ururgroßmutter, die 1865 „verschollen“ ist. Sie wurde nur 28 Jahre alt und hinterließ ihren Sohn, meine Urgroßvater. Sie ist Namensgeberin der Familie Hinrichs.

Die Kunst als Ausdruck ist wie ein Nachtsichtgerät in der inneren Dunkelheit.

Vielleicht spürst du ebenfalls den Ruf, dich auf deine Reise in das Ahnennetz zu begeben. Dränge nicht und erwarte nichts. Lass es geschehen. Die Kunst als Ausdrucksform kommuniziert intuitiv mit dir. Ein Geheimnis zeigt sich, wenn die Zeit gekommen ist.

Mehr Impulse zur künstlerischen Biografiearbeit erhältst du im Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen. 60 Praxisimpulse helfen dir, dich mit deiner Biografie und Familiengeschichte auseinandersetzen.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs: Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen, 22 EUR

]]>
Selbstfürsorge: Dein persönlicher Assistenzhund https://www.tiefgang.net/selbstfuersorge-dein-persoenlicher-assistenzhund/ Thu, 28 Mar 2024 23:14:01 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10708 [...]]]> Hast du schon einmal von Assistenzhunden für Menschen mit Epilepsie gehört?

Sie wittern einen bevorstehenden epileptischen Anfall. Wie wäre es, wenn du einen persönlichen Warnhund für dein seelisches Wohlbefinden hättest?

von Ulrike Hinrichs

Warnhunde für Epileptiker wittern nicht nur einen drohenden Anfall, sie lernen auch, dem Betroffenen zu helfen. Sie können den Menschen zudecken, gefährliche Gegenstände aus dem Weg räumen und sogar eine Alarmklingel aktivieren.

Du kannst dir einen Warnhund oder ein anderes Assistenzwesen für dein seelisches Wohlbefinden künstlerisch kreieren. Dein Assistenzhund warnt dich, wenn zum Beispiel eine psychische Notlage droht, andere deine Grenzen überschreiten oder du selbst deine Bedürfnisse und Ruhepausen nicht erkennst. Viele Menschen, die schlechten Zugang zu ihren Gefühlen haben, bemerken nicht, wenn sich die innere Gefühlslage dramatisch verschlechtert.

In meiner Gruppe „Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt“ für Frauen mit Gewalterfahrung haben wir uns gefragt:

Wenn du einen seelischen Assistenzhund hättest, wie würde der aussehen? Wovor würde er dich warnen? Wobei würde er dir helfen? Vielleicht ist es auch ein anderes Tier oder ein Fantasiewesen, das dir in den Sinn kommt. Lass dich von dir selbst überraschen.

Im Header ist ein Assistenzwesen aus der Gruppe abgebildet. Wir haben mit Collageelementen und Acrylfarben gearbeitet. Anschließend sind wir einzeln von Bild zu Bild gegangen und haben uns gefragt, was uns das jeweilige Wesen mit auf den Weg geben möchte. Hier die Impulse zum dargestellten Werk:

Wie kann ich noch mehr in meine Kraft kommen?

Es hilft mir, das liebevolle Kind in mir zu finden, das stark, mutig und schön ist.

Kuschelige Beweglichkeit vergoldet Alltagsstress.

Für bewegliche Gedankengänge.

Was bringen uns solche Erkenntnisse, die sich metaphorisch in Worten und Bildern ausdrücken? Das Ziel ist es, tiefer zu schauen, hinter unsere inneren Kulissen zu blicken, zu lauschen und bestenfalls eine neue Sichtweise zu bekommen. Die Kunst hilft uns als universelle Sprache. Wenn ich von Kunst spreche, dann meine ich den kreativen und authentischen Ausdruck jenseits einer Bewertung. Es ist die Sprache der Sinne, eine Wissenschaft der Stille. Es ist das assoziative, intuitive, wilde Denken, das der weiblichen Urkraft entspringt. Es folgt keinen linearen Strukturen, wie es unser Verstand verlangt. Das wilde Denken kann Widersprüche aushalten und das größere Ganze sehen. Es trennt nicht, sondern fügt zusammen. Die Kunst als Ausdrucksform ist daher eine wunderbare Übungsplattform, um zu dir selbst zu reisen.

Für die Klientin des Kunstwerks war die Erkenntnis wichtig, dass es in ihrem Bild um das Kindliche in ihr geht. Mehr spielen, statt denken. Der Gedanke an eine innere „kuschelige Beweglichkeit“ gefiel ihr besonders gut.

Mehr Praxisbeispiele für dein Wohlbefinden und Selbstmitgefühl findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

 

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschlägers

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.lösungskunst.com

 

]]>
Krankheit als Lehrmeisterin https://www.tiefgang.net/krankheit-als-lehrmeisterin/ Fri, 01 Sep 2023 22:38:01 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10232 [...]]]> Chronische Krankheiten, Autoimmunerkrankungen oder psychosomatische Störungen beeinträchtigen unser Leben. Die Krankheit kann auch eine Lehrmeisterin sein. Die Kunst als Ausdrucksform kann helfen, die Botschaft der Krankheit zu entschlüsseln.

von Ulrike Hinrichs

In meiner Gruppe Krankheit als Bild im Kulturhaus Süderelbe wandeln wir Krankheitssymptome in metaphorische Bilder, um einen erweiterten Blick auf die Krankheit zu bekommen. Die Teilnehmerinnen sind von ganz unterschiedlichen Erkrankungen betroffen, wie Fibromyalgie, Münzkopfschmerz, Multiple Sklerose, Bluthochdruck oder Knochenkrebs, um nur einige Beispiele zu nennen.

Siehe dazu auch: Krankheit als Narrativ, Pinsel statt Pille und Einhornmedizin.

Wenn wir uns vorstellen, die Krankheit wäre ein Zauberer, wie würde er aussehen? Was würde er uns zaubern? Wie würde er uns verzaubern? Diese Frage haben wir uns in unserer Gruppe gestellt. Zauberern und Magierinnen sprechen wir übernatürliche Kräfte zu. Sie machen etwas, das wie ein Wunder erscheint, weil es mit herkömmlichen Erklärungsmustern nicht zu begründen ist. Es bringt die Alltagsrealität durcheinander. Wenn wir zaubern, dann ist alles möglich. Überraschungen sind vorprogrammiert. Wir öffnen uns für die Magie des Lebens. Nicht nur Kinder lieben Zauberkünste. Auch Erwachsene begeistern sich für die großen Shows, in denen Magier das Publikum mit verblüffenden Effekten verzaubern. Wir wollen staunen, wie wir es einst als Kinder taten, als uns die alltäglichen Wunder um uns herum noch berührt haben.

Sei vernünftig, halte Wunder für möglich

Wenn deine Krankheit ein Zauberer oder eine Magierin wäre, wie würde er/sie aussehen? Im Header ist das Bild einer Klientin mit schweren Einschlafstörungen dargestellt. Die Klientin berichtete, sie sei oft so angespannt, dass sie wie ein Brett im Bett läge, die Spannung nicht lockern könne. Da helfe keine Atemtechnik und kein „Schäfchen zählen“. Oft läge sie viele Stunden wach, sei am nächsten Tag völlig gerädert. Als Magierin erschien ihr die schlafende Frau mit einem imposanten Hut.

Der Hut erinnere sie an eine Seeanemone, sagte eine der Gruppenteilnehmerinnen. Auch der Kopf, von dem man nur die obere Hälfte sehe, erwecke den Eindruck, als sei die Figur abgetaucht. Als Krafttier steht die Seeanemone, die keine Pflanze sondern ein Tier ist, für Gemeinschaft und Verbundenheit. „Öffne dich emotional und zeig deine Gefühle. Balanciere Geben und Nehmen aus. Grenze dich ab und lasse die Liebe in dein Leben fließen“, so die Botschaft des faszinierenden Seewesens. Für die Klientin war die Seeanemone ein schönes Bild, das sie sich beim Einschlafen zukünftig wachrufen wolle. Sie stelle sich vor, wie die Tentakel der Seeanemone vom Wasser sanft gestreichelt würden. Hin und her, hin und her. Genau diese hingebungsvolle Ruhe fehle ihr, wenn sie einschlafen wolle. Auch das Thema Beziehung und Verbundenheit brächte ihr derzeitiges Problem auf den Punkt.

Dieses Beispiel kann eine Idee für dich sein, wie du einen anderen Blick auf deine Erkrankung bekommen und das größere Ganze sehen kannst.

Die Praxisgruppe Krankheit als Bild trifft sich regelmäßig im Kulturhaus Süderelbe. Zurzeit gibt es eine Warteliste.

Ab September starten wir ein Weiterbildungsmodul am Campus Naturalis in Hamburg und online. Derzeit sind 4 Termine 2023/2024 geplant.

Gern weise ich auch auf mein Buch: Krankheit als Bild: Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A) und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.lösungskunst.com

]]>
Trauma und Kunst https://www.tiefgang.net/trauma-und-kunst/ Fri, 30 Jun 2023 22:38:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10094 [...]]]> Geflüchtete sind nach ihren Erlebnissen oft traumatisiert und entwurzelt. Sie sind sprachlos im doppelten Sinne des Wortes. Zum einen sprechen sie unsere Sprache nicht, zum anderen haben sie keine Worte für das Erlebte. Die Kunst hilft, um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.

von Ulrike Hinrichs

„Hirnscan-Studien mit Menschen, die sich traumatische Geschehnisse ins Gedächtnis rufen, belegen eindeutig, dass traumatische Erinnerungen ›sprachlosen Schrecken‹ und ›Erleben jenseits der Worte‹ evozieren, nicht aber ein klar umrissenes Narrativ, das verbalisiert werden kann“, so die US-amerikanische Psychologin Fisher (S. 73). Jeder, der selbst ein Trauma erlebt hat, weiß wie schwer es ist, die Geschehnisse in Worte zu fassen. Bei traumatischen Erlebnissen schalten wir automatisch auf unsern ältesten Gehirnteil um, der bei außergewöhnlichen Bedrohungen mit Flucht, Angriff oder Erstarrung reagiert. Die Erschütterung ist im Körpergedächtnis gespeichert. Traumatische Erlebnisse hinterlassen sogar Spuren im Erbgut, die auf die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden, wie die Epigenetik herausgefunden hat. „Mittlerweile kann die Genforschung detailliert belegen, dass sich stark biografische Eindrücke tatsächlich auf der genetischen Matrix einprägen und als Information in jeder Zelle vorhanden sind. Besonders Stress und schicksalshafte Erlebnisse verändern das Erbgut. Solch epigenetische Prozesse werden körperlich spürbar als funktionelle, dann als organische sowie psychische Funktionsstörungen“ (Baring, S. 70). Die „narrative Vergegenwärtigung“ führe zur Hemmung des kortikalen Bereich des Großhirns und damit auch des Sprachzentrums, was die Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes „sprachlos“ mache, so Fisher (S. 73).

Sprachloses sichtbar machen

Ich leite seit vielen Jahren eine Künstlergruppe für Geflüchtete, in der mir die Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit der Betroffenen immer wieder begegnet. Gleichzeitig erlebe ich, wie der künstlerische Ausdruck unterstützend und stabilisierend auf die Menschen wirkt. Mit der Kunst als Ausdrucksform können wir Sprachloses sichtbar machen, Stress abbauen und die Selbstwirksamkeit stärken. Die Kunst hilft, das auszudrücken, was wir jenseits der Wortsprache wahrnehmen können.

Kunst macht stark

Zu unserer Selbstwahrnehmung gehört, dass wir uns zutrauen, schwierige Situationen zu meistern und uns nicht ohnmächtig ausgeliefert fühlen. Selbstwirksamkeit bedeutet, dass man daran glaubt, gezielt Einfluss auf die Dinge und die Welt nehmen zu können. Man ist nicht Opfer der Umstände, sondern kann aktiv werden und handeln. Genau daran fehlt es den Geflüchteten, wenn sie in ein fremdes Land mit einer fremden Sprache, Kultur und Regeln kommen. Zudem sind sie im Überlebensmodus, nachdem sie oft eine monatelange Flucht hinter sich haben. Selbst wenn sie schon eine Weile im Land ansässig sind, hält dieser Schockzustand an. Traumata verschwinden nicht so einfach wieder.

Niedrigschwellige künstlerische Angebote helfen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Ich erlebe immer wieder in meiner Gruppe für Geflüchtete, dass Betroffene an den eigenen künstlerischen Fähigkeiten zunächst zweifeln. Wenn am Ende der Stunde ein wunderbares Kunstwerk entstanden ist, zeigen sie mit ihrem leisen Lächeln einen kleinen Moment des Glücks.

Kunst als Zeichen von Gesundheit

Donald Winnicott, ein Kinderarzt und Psychoanalytiker, konstatiert, dass Kunst als ein Zeichen von Gesundheit, im Sinne von Autonomie und Selbstbestimmung, verstanden werden kann. Nur durch ein gesundes Maß an Kreativität kann man eigene Entscheidungen treffen und Autonomie erlangen. Fehlende Kreativität führe zu einer gewissen Übergefügigkeit, die oftmals eine „krankhafte Basis für das Leben darstellt“, so Winnicott (S. 73). Jedes gemalte Bild schenkt Kraft. Auch die Gemeinschaft von Betroffenen, die das Schicksal von Flucht und Heimatverlust teilen, gibt ein Gefühl von Stabilität.

Siehe zum Thema auch: Kunst gibt mir Freiheit

 

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A und Autorin zahlreicher Sachbücher. Sie leitet die Künstlergruppe für Geflüchtete, die vom Bezirksamt Harburg unterstützt wird. www.lösungskunst.com

 

Literatur

Baring, Gabriele (2011). Die geheimen Ängste der Deutschen. Berlin, München: Scorpio.

Fisher, Janina (2019). Die Arbeit mit Selbstanteilen in der Traumatherapie. Paderborn: Junfermann.

Winnicott, Donald, Erdmann, Michael.  (2018). Vom Spiel zur Kreativität. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.

 

]]>
Ich lach mich gesund https://www.tiefgang.net/ich-lach-mich-gesund/ Fri, 03 Feb 2023 23:37:54 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9687 [...]]]> Lachen bis der Arzt kommt, heißt es in einer Redewendung, wenn man ein übertriebenes Verhalten an den Tag legt. Dabei ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Lachen der Gesundheit dient. Zu viel geht gar nicht.

von Ulrike Hinrichs

Lachen schafft Resilienz. Lachen baut Stress ab. Lachen stärkt das Immunsystem. Lachen ist ein Energie-Booster. Durch Lachen nehmen wir mehr Sauerstoff auf. Lachen erweitert die Blutgefäße und fördert den Blutfluss. Und Lachen senkt den Blutdruck (siehe dazu: „Lachen senkt den Blutdruck, entspannt und macht gute Laune“ im Ärzteblatt vom 1.4.2004).

In schweren Zeiten bleibt uns das Lachen allerdings im Halse stecken. Das kann eine Krankheit sein, eine Trennung oder ein Verlust. Auch die aktuellen Krisen – von Corona bis Krieg, von Energiekrise bis Inflation – sind alles andere als zum Lachen. Doch gerade in Krisenzeiten sollten wir lachen. Lebensfreude und Spaß sind vielleicht die am meisten unterschätzten Themen im Bereich moderner Therapieformen, so auch der Mediziner Ruediger Dahlke ((2010) Arbeitsbuch zur Mandala-Therapie). Kinder können in Momenten von schwerster Traurigkeit begleitet von heftigem Weinen innerhalb von Sekunden auf Lachen und Spielen umschalten können. Diese Schwingungsfähigkeit haben wir im Erwachsenenalter oft verlernt.

Smiling Depression

Ein aufgesetztes Lachen, hinter dem jemand dauerhaft seine wirklichen Gefühle verbirgt, kann dagegen sehr gefährlich sein. Zwar setzen wir alle gelegentlich mal ein unechtes Lachen auf. Das kann in einer bestimmten Situation sozialkonform und höflich sein. Aber ein Dauerzustand sollte das nicht werden. Als Smiling Depression werden umgangssprachlich seelische Verstimmungen bezeichnet, die Betroffene hinter aufgesetzter positiver Stimmung verstecken. Hier werden die wahren Gefühle unterdrückt und nach außen eine Fassade gezeigt. Diese atypische Depression wird daher vom Umfeld oft nicht erkannt.

Lachen ist Fühlen

Lachen ist Fühlen. Wenn wir von Herzen lachen, gibt es kein Gestern und kein Morgen, wir sind mit dem Moment verbunden. Die Kunst als Ausdrucksform kann uns dabei unterstützen, zu spielen und zu lachen.  Wir dürfen kleckern und kleksen. Wir können ausprobieren und Fehler machen. Wir brauchen weder perfekt sein noch Ergebnisse abliefern. Mit der Kunst als Ausdrucksform wird es leicht und fließend, alles läuft ohne Anstrengung ab. Wir treffen auf unsere Intuition, die uns ganz mühelos den Weg zeigt. Von der Froschperspektive schaltest du auf Panoramablick. Wie auf einer universellen Aussichtsplattform erkennst du durch die Kunst als Sprache Zusammenhänge, die du vorher nicht gesehen hast.

Mehr dazu in meinem Buch

Krankheit als Bild

Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

bestellen: hier entlang

 

 

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.lösungskunst.com

]]>
Die grüne Couch: Die Natur als Psychotherapeutin? https://www.tiefgang.net/die-gruene-couch-die-natur-als-psychotherapeutin/ Fri, 06 Jan 2023 23:46:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9611 [...]]]> Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Aufenthalt in der Natur positive Einflüsse auf unsere Psyche hat. Wie Kunst und Natur heilen helfen …

Von Ulrike Hinrichs

Unser Immunsystem sei die unsichtbare Antenne des Körpers, beschreibt es Clemens G. Arvay. Wenn wir uns den Wald begeben, steht sie auf Empfang. Bei einem regelmäßigen Aufenthalt in der Natur zeigen sich messbare Linderungen bei Angst- und Panik, Depression, Burnout oder auch Anpassungsstörungen. Wälder helfen auch gegen Diabetes, Stress und chronische Schmerzen. Waldluft sei ein Heiltrunk zum Einatmen, so Arvay. (Clemens G. Arvay (2016), Der Biophilia Effekt. Heilung aus dem Wald. Ullstein).

Die Natur ist ein Teil von uns und wir sind Teil der Natur. Die Erfahrung des Eingebundenseins ist ein Schlüssel, die Trennung zu überwinden. Durch die Erfahrung der Natur machen wir eine Erfahrung der Wirklichkeit. Aus unserer heutigen industrialisierten Perspektive unterscheiden wir urbane Lebensräume von der Natur. Mit der Natur verbinden wir den ursprünglichen gewachsenen Zustand mit seinen Wäldern und Wiesen, Seen und Bergen. In der Natur fühlen wir uns verbunden, haben das Gefühl, dass alles am richtigen Platz ist und einen Sinn ergibt. In der Natur können wir einfach nur sein, ohne etwas leisten zu müssen. Wir lassen uns treiben, beobachten die Umgebung, genießen den Moment. Das entspricht unserem ursprünglichen Daseinszustand. Faulenzen, Tagträumen und Nichtstun sind in unserer Gesellschaft keine Tugenden. Wir sind auf Leistung und Handeln trainiert. Achtgeben auf die eigenen Bedürfnisse und das Wahrnehmen der eigenen Gefühle haben viele von uns nicht gelernt. Verlernt haben wir dadurch auch das Wahrnehmen der eigenen und natürlichen Rhythmen im Leben.

Die Natur kann uns ein Vorbild sein

Die Natur kann uns ein Vorbild sein. Während sie im Frühjahr und Sommer hoch aktiv ist, ruht Flora und Fauna im Herbst und Winter. Auch Tag und Nacht zeigen diese wechselnden Pole an. Es ist ein immer wiederkehrendes Werden und Vergehen mit unterschiedlichen Rhythmen und Zyklen im Kreislauf der Welt. Phasen der Ruhe und des Nichtstuns helfen uns, zu unserem inneren Rhythmus zu finden. Wir können eine Art inneren Kompass entdecken, der uns zeigt, was gerade ansteht im Leben, was es zu tun oder eben auch gerade nicht zu tun gibt. Erst in den Phasen der Ruhe kann sich etwas entfalten und Neues entstehen. Im Schwingungsraum der Natur sind wir natürlich verbunden mit dem heiligen Raum, der über die Materie hinausgeht. Durch diese Einbettung kommen wir ganz natürlich wieder in Kontakt mit unserer Intuition, die im Körperwissen als Erfahrung gespeichert ist.

Kunst und Natur sind Schwestern

 Der künstlerische Ausdruck kann diese intuitiven Prozesse unterstützen. Durch das absichtslose und bewertungsfreie künstlerische Schaffen nehmen wir Kontakt zum „inneren Heiler“ auf, jener Instanz, die Selbstheilungskräfte mobilisiert. Wir können die intuitive Seite in uns schulen. Dabei dürfen wir uns auch künstlerisch von der Natur inspirieren lassen und sie als Vorbild nehmen. Wir können auch mit der Natur künstlerisch arbeiten. In vielen Traditionen indigener Völker rund um die Welt ist die Praxis von Sandbildern bis heute essentieller Bestandteil von Heilung.

Wie du Kunst und Natur für deine Selbstheilungskräfte verbinden und nutzen kannst, erfährst du in meinem Buch „Krankheit als Bild“. Anhand einfacher Beispiele lernst du die mythische Ausdrucksform deiner Körpersymptome kennen und verstehen. Die Übungsanleitungen unterstützen dich, die Kunst als Dolmetscherin für deine Symptome zu nutzen. www.krankheit-als-bild.de

Das Buch: Krankheit als Bild, Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

254 Seiten, 88 farbige Abbildungen; ISBN 9783756890156; Preis: EUR 26,90; ebook: 16,99; bestellen: hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.lösungskunst.com

]]>
Mit der Kunst die Selbstwirksamkeit stärken https://www.tiefgang.net/mit-der-kunst-die-selbstwirksamkeit-staerken/ Fri, 09 Sep 2022 22:32:08 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9312 [...]]]> Wenn wir in Krisen feststecken, schwierige Lebenssituationen durchlaufen, von Krankheit betroffen sind, dann fehlt uns oft das Vertrauen, die Lage bewältigen zu können. Wir verfallen in eine Opferrolle, fühlen uns hilflos. Der künstlerische Ausdruck kann uns helfen, in unsere Kraft zu kommen.

von Ulrike Hinrichs

Wir sind von globalen Krisen umzingelt. Corona, Krieg, Inflation, Energiekrise. Individuelle Probleme kommen hinzu. Ich arbeite mit Geflüchteten, die Flucht und Folter überlebt haben und mit Frauen, die Gewalt erleben mussten. Solche traumatische Extremsituationen wirken zerstörend. Trotzdem kommen Menschen unterschiedlich gut durch solche bedrohlichen Situationen (siehe dazu auch Posttraumatisches Wachstum entdecken)

In Krisen fallen wir auf die archaischen Grundmuster zurück, Flucht, Angriff oder Erstarrung. Wir fühlen uns hilflos, ohnmächtig, alleingelassen. Wir haben den Eindruck, die Kontrolle zu verlieren und nichts mehr tun zu können.

Wir kommen wir raus aus dem Muster der Ohnmacht?

Der erste Schritt ist ein Gefühl dafür zu entwickeln, wieder die Zügel in der Hand zu haben. Selbstwirksamkeit bedeutet, dass du daran glaubst, gezielt Einfluss auf die Dinge und die Welt nehmen zu können. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Menschen mit einem guten  Gefühl der Selbstwirksamkeit die niedrigste Auffälligkeit für Angststörung und Depression zeigen. Oft erlernen wir in unserer Kindheit eine Form der Hilflosigkeit, wenn von den Eltern, der Schule, der Umgebung nicht in unserer Fähigkeiten und unsere Autonomie investiert wird. Wir hören dann beispielsweise Botschaften wie „Das kannst du sowieso nicht“, „Eigenlob stinkt“, „nimm dich nicht so wichtig“. Wir müssen die alten Glaubenssätze abschütteln und in unsere Kraft investieren.

Was hilft uns, Selbstwirksamkeit zu stärken?

Bewältigung schwieriger Situationen

Wenn man in der Vergangenheit schwierige Situationen gemeistert hat, dann stärkt das den Glauben in die eigenen Fähigkeiten auch für die Zukunft. Dazu ist es wichtig, dass wir solche Krisenbewältigung nicht „dem Zufall“ zuschreiben oder auf „Glück“ verweisen, sondern Erfolge uns selbst attestieren. Eigenlob stinkt also ganz und gar nicht. Frage dich: welche Krisen hast du in deinem Leben bewältigt? Wie hast du das gemacht? Was hast du daraus gelernt? Wir können aber auch stellvertretende Erfahrungen sammeln, indem wir Menschen beobachten, die durch Krisen gestärkt durchkommen.

Niedrigschwellige künstlerische Angebote helfen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Wenn ich von Kunst spreche, dann meine ich den bewertungsfreien und authentischen Ausdruck. Ich erlebe immer wieder in meinen Gruppen, dass Betroffene an den eigenen künstlerischen Fähigkeiten zweifeln. Wenn am Ende der Stunde ein wunderbares Kunstwerk entstanden ist, strahlen sie über das ganze Gesicht. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe“, heißt es dann. Dazu ist wichtig, dass die künstlerischen Aufgaben leicht umzusetzen sind. Im Beitrag siehst du ein einfaches, aber ausdrucksstarkes Beispiel einer Giraffe einer Hochbetagten.

Verbale Ermutigung durch andere

Verbale Ermutigungen von anderen unterstützen den Prozess, soweit man der Person vertraut. Besteht eine positive, stabile und tragfähige Beziehung, dann wirkt Ermutigung verstärkend. Für mich gehört dazu eine Arbeit auf Augenhöhe. Das bedeutet, dass ich als Therapeutin die Menschen wie eine Reiseführerin begleite. Ein wertschätzender Umgang ist dafür unabdingbar. Leider beobachte ich gerade im Umgang mit alten Menschen oft das Gegenteil. Sie werden nicht als erwachsene Persönlichkeiten ernst genommen.

Vermeidung von Stress

Positive Emotionen steigern die Selbstwirksamkeit, Stress und Anspannung reduzieren sie. Das bewertungsfreie Malen führt uns automatisch zurück in den Moment. Nicht zu unterschätzen ist dabei das künstlerische Tun selbst, den Pinsel halten und in Wasser tauchen, die Farben auf dem Papier fließen lassen. Die Klientin aus meiner Seniorengruppe berichtete zu ihrem Giraffenbild, dass sie förmlich habe spüren können, wie mit jedem Farbstrich die Anspannung aus ihr weiche. Sie atmete tief durch, während sie erzählte. „Puhhhh“, sie könne wieder tief ein- und ausatmen.

All das fördert Entspannung und führt bestenfalls in Flow Zustände. Flow, ein Begriff den der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi geprägt hat, bezeichnet das Gefühl eines Zustandes der völligen Vertiefung gepaart mit einem Aufgehen in der Tätigkeit. Alles wird ganz leicht, fließend und läuft ohne Anstrengung ab. Mir gefällt der Begriff „Mikro-Flow“, der kurze Flow-Momente beschreibt. Diese Momente erleben wir beim Malen.

Giraffenbild einer Klientin aus dem Kreativen Begegnugnsraum für Hochbetagte

Imaginäre Erfahrung

Wenn wir uns in unserer Vorstellung in eine Situation hineinbegeben, in der wir die Krise bewältigt haben, dann fördern wir ein Gefühl der Selbstwirksamkeit. Wir gehen mit unserer Aufmerksamkeit in die krisenfreie Zukunft. Auch dafür biete die Kunst eine Möglichkeit. „Die Macht der Imagination ist ein evolutionärer Jackpot, unsere Wahrnehmung ist der Schlüssel zu ihrem Verständnis“, so Fred Mast in seinem Buch „Black Mamba oder die Macht der Imagination“ (S. 9). Mittels der Imagination können wir Zukünftiges antizipieren und Unbekanntes sichtbar machen. Kunst ist Imagination. Wir können kreativ einen Ausdruck für die gelöste Krise finden. Wie sieht deine Welt aus, wenn das Problem verschwunden ist?

Ulrike Hinrichs ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Anwenderin Positive Psychologie, Traumazentrierte Fachberaterin und Kunsttherapeutin (M.A). Sie ist auch Autorin des Fachbuchs „Kunst als Sprache der Intuition. Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen“ (Synergia Verlag).

www.lösungskunst.com

]]>
Posttraumatisches Wachstum entdecken https://www.tiefgang.net/posttraumatisches-wachstum-entdecken/ Fri, 22 Jul 2022 22:52:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9232 [...]]]> Traumatische Erlebnisse können zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen. Häufig wirken die schlimmen Erlebnisse ein Leben lang fort. Weniger bekannt ist, dass in der Forschung auch positive Traumafolgen beobachtet werden.

von Ulrike Hinrichs

Trauma beschreibt ein Erleben eines für den Betroffenen überwältigenden Ereignisses. Traumatische Ereignisse bedrohen die Unversehrtheit oder sogar das Leben des Menschen. Sie versetzen den Betroffenen in extreme Angst und Hilflosigkeit. Und sie sind so außergewöhnlich, dass normale Anpassungs- und Bewältigungsstrategien versagen. Bei den Traumafolgestörungen unterscheidet man einmalige bzw. einzelne Ereignisse wie Unfälle oder Naturkatastrophen (Typ I Trauma). Erleidet jemand andauernde oder sich wiederholende traumatische Erlebnisse, wie Folter, Missbrauch, Vernachlässigung und andere durch Menschenhand verursachte Traumata, ziehen sie oft tiefgreifende psychische Probleme nach sich (Typ II Traumata).

Die ganz neu gefasste ICD-11, die 11. Version der internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten definiert nunmehr diese zwei Trauma-Typen. Die Traumafolgestörungen sind vielfältig. Eine dauerhaft hohe Stressbelastung, Übererregbarkeit, innere Erstarrung, Depressionen, Schlafstörungen und Müdigkeit, Dissoziation, „Flash- Backs“ und Immobilität sind nur einige davon.

Kann man an einem Traumata auch wachsen? Damit haben sich die Professoren für Psychologie Richard G. Tedeschi und Lawrence G. Calhoun beschäftigt, die den Begriff des posttraumatischen Wachstum geprägt haben. Unter der Perspektive des posttraumatischen Wachstums wird nicht nur auf die Defizite fokussiert, sondern auch auf den durch die Erfahrung ausgelösten Reifungsprozess. Es zeigt sich, dass durch das Bewusstwerden der eigenen Verletzlichkeit auch das Gefühl der inneren Stärke wachsen kann. Viele Betroffene erleben nach traumatischen Erfahrungen eine Intensivierung der Wertschätzung für das Leben und Beziehungen. Die Prioritäten und Perspektiven ändern sich. Kleine, alltägliche Dinge gewinnen an Bedeutung. Materielle Dinge verlieren an Wert. Eine Reflexion über den Lebenssinn und eine spirituellen Verbundenheit mit dem größeren Ganzen führt zu mehr Tiefe und Zufriedenheit im Leben.

Je größer und anhaltender die traumatische Erfahrung war, desto schwierig kann es sein, ein Trauma auch anzunehmen und zu integrieren. Eine Aktivierung der inneren Ressourcen mit künstlerischen Mitteln kann diesen Prozess unterstützen. Betroffene können sich aus der Enge befreien, Schutzräume gestalten und Lebenskraft entwickeln. Der künstlerische Ausdruck, der ohne Worte Unaussprechliches zeigen kann, bildet eine Brücke zur Trauma-Bewältigung und zum posttraumatischen Wachstum. In meiner Arbeit mit Geflüchteten oder auch meiner Gruppe für Frauen mit Gewalterfahrungen kann ich diese Wachstumspotentiale immer wieder mitverfolgen. Es ist ein langer Prozess, der einen vielleicht auch lebenslang begleitet. Aber es lohnt sich. Ich weiß wovon ich spreche. Lies dazu gern auch meine Geschichte Wenn der Körper sich abschaltet, Guillain Barré Syndrom. Den Baum im Header habe ich im Jahre 1981 nach meinem Locked in Syndrom gemalt.

Ulrike Hinrichs ist Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und ausgebildet in Positiver Psychologie. Sie ist auch Autorin des Fachbuches Kunst als Sprache der Intuition

www.lösungskunst.com

 

 

]]>
Grundformen: Kreis, Quadrat, Dreieck, Kreuz https://www.tiefgang.net/grundformen-kreis-quadrat-dreieck-kreuz/ Fri, 24 Jun 2022 22:20:44 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9175 [...]]]> Aus den elementaren Grundformen Kreis, Quadrat, Dreieck, Kreuz lässt sich jede Form ableiten. Die Grundformen können in der kunsttherapeutischen und pädagogischen Arbeit mit Menschen genutzt werden, um Ängste und Unsicherheiten zu überwinden.

von Ulrike Hinrichs

Die klassischen Grundformen wie Kreis, Dreieck, Rechteck  kennt jedes Kind. Erste künstlerische Kritzeleien bei Kindern bestehen aus den Grundformen. Und auch die letzten Bilderwerke im hohen Alter sind von Motiven mit Grundformen geprägt. Ich erinnere eine Teilnehmerin meiner Gruppe „Kreativer Begegnungsraum für Hochbetagte“, die an Demenz erkrankt war und mittlerweile verstorben ist. Sie hat über die zwei Stunden unserer Begegnung in der Gruppe mit großer Euphorie nur Kreise gemalt.  Die wohl älteste Form der Kunst sind Sandzeichnungen und Höhlenmalereien, die ebenfalls sehr häufig die Grundformen zeigen. Zurück bis zu den Ursprüngen der Menschheit und bis in die entlegensten Ecken der Erde können wir solche Werke finden.

In meiner Arbeit als Kunsttherapeutin nehme ich oft eine große Unsicherheit und Angst bei den hochbetagten Menschen wahr, ob sie eine Aufgabe bewältigen können. Wichtig ist daher, mit ganz einfachen Themen zu arbeiten. Die Grundformen eigenen sich dazu besonders gut. Was man alles Wunderbares aus den Grundformen machen kann, zeigen die Abbildungen. Der Hintergrund besteht aus bemaltem Karton, den ich zu Karten zurechtgeschnitten habe. Die Bilder schneiden wir aus und kleben sie auf die Karten. Dadurch erfahren die Motive nochmal eine Aufwertung und jeder hat etwas in der Hand, das er/sie weiter nutzen kann als Postkarte.

Gruppe „Kreativer Begegnungsraum für Hochbetagte“: Löwe aus den Grundformen

Wer sich tiefergehend mit den Grundformen beschäftigen möchte, kann sich auch der symbolischen Bedeutung annähern.

Im Mittelpunkt des Kreises spiegeln sich Ganzheit, Vollkommenheit, das ganze Universum. In sprachgebräuchlichen Metaphern steht der Kreis für den Zusammen- oder Einschluss. Er definiert, wer dazu gehört. „Im Kreise meiner Familie“, „Sie gehört zum engeren Kreis“.  Der Kreis steht auch für Bewegung und die Wiederkehr. Er bevorzugt keine Richtung und ist frei in seiner Bewegung. „Meine Gedanken kreisen“, „Ich drehe mich im Kreis“.

Das Dreieck wirkt dynamisch, zeigt Polaritäten zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Aggressivität und  Defensivität, seine Aufgabe ist die eines Vermittlers. Als Symbol für Spannungen balanciert es auseinanderstrebende Kräfte. Im Straßenverkehr erregt es als Warnschild unsere Aufmerksamkeit. Das Dreieck folgt der Dynamik der Drei, sie bedeutet Überwindung der Entzweiung, steht für Vollkommenheit und die Dreifaltigkeit, für Systeme wie Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft, Körper-Seele-Geist, Mutter-Vater-Kind.

Ein Quadrat  ist ein Rechteck mit vier gleichlangen Seiten.  Es ist ein Symbol der Formgebung, gibt einen Rahmen und klare Strukturen. Es steht für die Lebensebene der materiellen Welt (Materie). Das Quadrat wirkt eingrenzend bzw. umgrenzend und stellt damit auch eine Art Fundament für ein Zuhause dar. Es gibt Sicherheit.

Ulrike Hinrichs ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Gesprächstherapeutin und Kunsttherapeutin (M.A). www.lösungskunst.com

]]>
Eigenlob als Booster für deine Psyche https://www.tiefgang.net/eigenlob-als-booster-fuer-deine-psyche/ Fri, 13 May 2022 22:42:54 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9055 [...]]]> „Eigenlob stinkt“, eines von vielen deutschen Sprichwörtern, die uns in unserer Entwicklung einschränken. Schmeiß die alten Glaubenssätze über Bord und klopf dir auf die Schulter.

von Ulrike Hinrichs

Zu einem gesunden Selbstvertrauen gehört, dass wir mit Fehlschlägen umgehen und unsere Leistungen wertschätzen können. Beide Eigenschaften sind bei vielen Menschen nicht gut ausgeprägt. Und das liegt unter anderem auch in unseren kollektiven Glaubenssätzen begründet, die uns bestimmte Konzepte in den Kopf setzen, mit denen wir uns und die Welt betrachten. Eigenlob stinkt, ist einer dieser Sätze. Diese kollektiven Felder, die auch durch die Weitergabe solcher Volksweisheiten über viele Generationen hinweg bestehen bleiben, engen uns ein. Es gibt unzählige behindernde Glaubenssätze. „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“, sagt der Volksmund und schrumpft damit deine Visionen und Träume in kleine Portionen. Und denk an die alte Geschichte (1845) von „Hans-guck-in-die-Luft“ aus dem Buch „Der Struwelpeter“, dem sein Tagträumen ins Wasser stürzen ließ.

„Wenn der Hanns zur Schule ging,
Stets sein Blick am Himmel hing.
Nach den Dächern, Wolken, Schwalben
Schaut er aufwärts, allenthalben:
Vor die eignen Füße dicht,
Ja, da sah der Bursche nicht,
Also daß ein jeder ruft:
„Seht den Hanns Guck-in-die-Luft!“

 „Wer hoch steigt, fällt tief“, ebenfalls ein Sprichwort, dass uns den Mut zu großen Visionen nimmt und suggeriert, dass Fallen (Fehler machen) unerwünscht ist. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, meint das Arbeit keinen Spaß macht und Vergnügen verpönt ist. Prüfe mal, welche behindernden Glaubenssätze du mit auf den Weg bekommen hast.

Unser größter innerer Schritt besteht darin, uns von diesen kollektiven und individuellen Dogmen der Einengung zu verabschieden. Eigenlob ist das beste Parfüm für dich. Oft nehmen wir unsere kleinen und großen Visionen und Erfolge gar nicht richtig wahr, sie scheinen selbstverständlich. Unsere auf Leistung gedrillte Gesellschaft suggeriert uns, dass Dauerleistung auf Hochtouren völlig normal ist. Daher ist es wichtig, dass wir ganz bewusst inne halten und hinschauen.

Übrigens belegen Studien sogar, dass ein leicht übertriebenes Selbstvertrauen wie eine positive selbsterfüllende Prophezeiung wirkt. Es fördert Kreativität, Zuversicht, Durchsetzungsvermögen und Leidensbereitschaft (siehe dazu: Steve Ayan in Spektrum der Wissenschaft, kompakt, Ausgabe 02.22, S. 21 ff „Sich zu überhöhen ist gesund“). Gesunde narzisstische Anteile lassen uns strahlen, machen uns selbstbewusst, ehrgeizig und führungsstark. Zu einer gesunden Eigenliebe gehört, dass wir unsere Erfolge und Leistungen nicht nur anerkennen, sondern am besten auch feiern. Voraussetzung dafür ist ein positives Selbstbild. Dazu gehört auch, dass wir unsere Grenzen kennen und wahren.

Wenn du in einem pathologisch narzisstischen Familiensystem ausgewachsen bist, mit Abwertung, Bewertung und Liebesentzug konfrontiert wurdest, dann fällt dir Selbstliebe und Eigenlob besonders schwer. Siehe dazu auch:

 

Ulrike Hinrichs ist Kunsttherapeutin (M.A.) und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie ist auch Autorin des Fachbuches Kunst als Sprache der Intuition

]]>