Wo finde ich was? – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 20 May 2026 16:43:24 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Das Universum hinter Tönen https://www.tiefgang.net/das-universum-hinter-toenen/ Sat, 23 May 2026 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13891 [...]]]> Das Berufsfeld Musik im Jahr 2026 ist ein riesiges, oft unsichtbares Universum, das weit über die Rampe der klassischen Konzertbühne hinausreicht. Ein Portal leitet nun gekonnt hindurch …

Wer an ein Musikstudium denkt, sieht meist dasselbe Bild vor sich: Ein einsames Genie am Flügel, das stundenlang Tonleitern übt, oder die virtuose Geigerin, die auf den großen Solist*innenplatz im Orchester hinarbeitet. Doch wer die Augen und Ohren öffnet, merkt schnell: Das Berufsfeld Musik im Jahr 2026 ist ein riesiges, oft unsichtbares Universum, das weit über die Rampe der klassischen Konzertbühne hinausreicht.

Hinter den glänzenden Fassaden der Kulturmetropolen wächst eine Generation von Musikschaffenden heran, deren Alltag ganz anders aussieht. Da ist der Musiktherapeut, der mit Klängen Brücken zu Demenzerkrankten baut; die Musikpädagogin, die in der Popkultur die digitale Zukunft des Unterrichts erprobt; oder der Musikjournalist, der komplexe Kulturpolitik verständlich macht. Musik ist heute interdisziplinär, digital und flexibel. Doch genau diese enorme Vielfalt machte es jungen Talenten bislang schwer, den richtigen Weg zu finden. Die Auswahl war schlicht zu unübersichtlich, die Profile der einzelnen Institutionen zu verstreut. Bis jetzt.

Hier kommt der neue „Kompass Musikstudium“ ins Spiel, den das Deutsche Musikinformationszentrum (miz) – eine Einrichtung des Deutschen Musikrats – im Mai 2026 an den Start gebracht hat. Man darf sich dieses Tool nicht als verstaubtes Vorlesungsverzeichnis vorstellen, sondern als modernen digitalen Lotsen durch die deutsche Bildungslandschaft. In enger Kooperation mit der Hochschulrektorenkonferenz ist hier eine Plattform entstanden, die zum ersten Mal Ordnung in das Dickicht der Ausbildungsmöglichkeiten bringt.

Die nackten Zahlen des Portals (unter miz.org/de/kompass-musikstudium) sind beeindruckend: Mehr als 1.700 Studiengänge an Musikhochschulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland sind hier zentral erfasst und zugänglich gemacht worden. Das Besondere daran ist die intuitive Handhabung. Nutzer*innen müssen sich nicht mühsam durch die Websites von Dutzenden Instituten klicken, sondern können die Datenbank ganz gezielt nach drei Kernkriterien filtern:

Fachrichtung: Von Instrumentalausbildung über Musiktherapie und Journalismus bis hin zu pädagogischen Studiengängen.

Abschluss: Egal ob Bachelor, Master, Staatsexamen oder künstlerische Promotion.

Studienort: Eine geografische Suche, die zeigt, wo in Deutschland welche Schwerpunkte gesetzt werden.

Der Kompass liefert zu jedem Treffer kompakte, verlässliche Informationen über die tatsächlichen Studieninhalte und verlinkt direkt zu den weiterführenden Bewerbungs- und Prüfungsordnungen der jeweiligen Häuser. Das erklärte Ziel des miz ist es, Orientierung zu schaffen und jungen Menschen den oft einschüchternden Weg in den Musikberuf zu ebnen.

Wo der Code die Karriere trifft

Als wir vor einiger Zeit unter dem Titel „Wo der Code die Kunst trifft“ (Tiefgang, 21.04.2026) über die Digitalisierung der Musiklandschaft berichteten, ging es vor allem um neue ästhetische Räume, um Algorithmen in der Produktion und die Frage, wie Bits und Bytes die Kreativität verändern. Doch die Digitalisierung macht nicht an den Studiotüren halt – sie hat längst die gesamte Ausbildungslandschaft erfasst und gründlich durchgeschüttelt. Wer heute Musik studiert, muss oft selbst den Spagat zwischen Code und Kunst beherrschen. Das Problem: Die Wege dorthin waren bisher so verzweigt, dass viele Talente kapitulierten, noch bevor sie die erste Bewerbung abgeschickt hatten.

Genau an dieser Schnittstelle setzt der neue digitale Lotse an. Ein Blick auf das Suchportal (unter miz.org/de/kompass-musikstudium/suche) offenbart die schiere Bandbreite der modernen Musikwelt. Hier wird sichtbar, wie flexibel und spezialisiert die Ausrichtungen im Jahr 2026 geworden sind. Ob Kirchenmusik, Film&Sounds oder Musik&Geisteswissenschaft – die Bandbreite ist riesig und dazu kommen weitere interdisziplinäre Studiengänge an den Schnittstellen von Medien und Technologie, hochspezifische pädagogische Konzepte oder Nischenfächer – das Portal schlüsselt das unsichtbare Universum präzise auf.

Und der Kompass löst noch ein ganz praktisches, oft unterschätztes Problem: die Geografie der Ausbildung. Nicht jede*r kann oder möchte für das Studium ans andere Ende der Republik ziehen. Für all jene, die nahe der Heimat bleiben und in ihrem gewohnten Umfeld Wurzeln schlagen wollen, bietet die regionale Filterfunktion einen unschätzbaren Mehrwert. Mit wenigen Klicks lässt sich herausfinden, welche ungeahnten akademischen Schätze direkt vor der eigenen Haustür liegen. So wird der Code im Netz zum ganz realen Wegweiser für die Karriere in der Region.

Die Nische als Orientierung und Schutzfaktor

In Zeiten, in denen heftig über GEMA-Reformen, Verteilungsschlüssel und den Erhalt von Kulturräumen gestritten wird, ist Transparenz der erste Schritt zur Selbstbehauptung für den Nachwuchs. Wenn die traditionelle Förderung wackelt, müssen angehende Künstler*innen umso genauer wissen, wo sie ihre Nische finden können. Orientierung wird so zu einem echten Schutzfaktor für die ästhetische Vielfalt. Der neue Kompass erweist sich hier als echte Schatzkarte, die zeigt, dass die Musiklandschaft viel bunter ist, als es die starren Kategorien der Vergangenheit vermuten lassen.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Selbstversuch auf der Plattform. Wer dort nach einem modernen Begriff wie „Computermusik“ sucht, wird nicht mit standardisierten Ergebnissen abgespeist, sondern stößt auf hochspezialisierte, innovative Studiengänge. Das Portal führt Interessierte beispielsweise direkt nach Essen an die Folkwang Universität der Künste. Dort verbirgt sich hinter der Suche weit mehr als nur technisches Handwerk: Studiengänge wie „Integrative Komposition“ oder „Professional Media Creation“ zeigen exemplarisch, wie die Ausbildung im Jahr 2026 auf die Anforderungen einer digitalisierten Kulturwelt reagiert.

Hier wird das visible Universum der Musik greifbar. Der Kompass bündelt diese oft versteckten Perlen und holt sie aus der Anonymität der akademischen Nische ins Rampenlicht. Er beweist, dass es sie gibt: die Orte, an denen Experiment, Technologie und Kunst fächerübergreifend verschmelzen. Für junge Menschen ist das die Chance, genau die Ausbildung zu finden, die zu ihrer Vision passt – abseits der ausgetretenen Pfade des Massenmarkts.

Ein Werkzeug mit und für die Zukunft

Mit dem „Kompass Musikstudium“ haben das miz und der Deutsche Musikrat einen Meilenstein gesetzt. In Zeiten, in denen sich die Koordinaten der Kulturwelt rasant verschieben, ist diese Plattform genau das richtige Werkzeug zur richtigen Zeit. Sie ist ein digitales Fundament, das Orientierung bietet, wo vorher oft nur Orientierungslosigkeit herrschte, und sie schützt die Vielfalt, indem sie die Nischen sichtbarer macht.

Doch so beeindruckend die jetzige Datenbank mit ihren über 1.700 Studiengängen bereits ist: Dieser Launch ist erst der Anfang. Das Portal ist als lebendiges System angelegt, und seine wahre Stärke wird sich in den kommenden Jahren entfalten. Wenn das Portal kontinuierlich mit neuen Fortentwicklungen, praxisnahen Inhalten und aktuellen Profilen gefüttert wird, wird seine Nützlichkeit für die Musiker*innen von morgen um ein Vielfaches steigen. Es ist ein erster, mutiger Schritt getan, um den digitalen Wandel in der Ausbildung nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten – damit das Musikland Deutschland auch in Zukunft so facettenreich bleibt, wie es dieser Kompass schon heute verspricht.

Hier zum Portal: https://miz.org/de/kompass-musikstudium


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Tipps, die wirklich helfen https://www.tiefgang.net/13583-2/ Thu, 09 Apr 2026 09:10:46 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13583 [...]]]> Ein neu erschienener Ratgeber „Wissenswertes für (gemeinnützige) Vereine“ des Verlags markt intern ist eine lohnenswerte Investition für alle, die in der Verantwortung eines Vereins stehen. Er dient als Frühwarnsystem für kostspielige Fehler.

Manchmal liegt das Glück einer ganzen Gemeinschaft in den Händen weniger Personen, die nach Feierabend noch die Welt ein Stück besser machen wollen. Ob es die Leitung eines kleinen Heimatmuseums ist oder das Management eines Sportclubs – das Herzblut ist groß, doch der bürokratische Dschungel, der im Hintergrund wartet, ist oft noch größer. Als ich den neuen Ratgeber „Wissenswertes für (gemeinnützige) Vereine“ vom Mittelstandsverlag markt intern durchgeblättert habe, wurde mir schnell klar: Hier geht es um weit mehr als nur trockene Paragrafen. Es geht um die Existenzsicherung dessen, was unser Vereinsleben ausmacht.

Schon beim ersten Aufschlagen springt einem ein Satz entgegen, der die Realität vieler Ehrenamtlichen perfekt trifft: „In Vereinen lastet die Arbeit häufig auf wenigen Schultern.“ Doch genau hier beginnt die Gefahr. Wer sich leidenschaftlich um den Museumsbetrieb oder das nächste Konzert kümmert, verliert leicht den Blick für das Kleingedruckte der Finanzverwaltung.

Besonders spannend fand ich die Ausführungen zur Haftung der Vorständ*innen. Es ist fast schon erschreckend, wie schnell aus einem gut gemeinten Engagement eine persönliche Haftungsfalle werden kann. Wenn beispielsweise Vergütungen gezahlt werden, ohne dass die Lohnsteuer korrekt abgeführt wird, steht man plötzlich als Arbeitgeber*in in der Pflicht. Der Ratgeber warnt hier zu Recht: „In diesem Bereich lauern nämlich die größten finanziellen Gefahren.“ Man denke nur an den Klassiker: Ein Mitglied hilft regelmäßig bei der IT oder der Gartenpflege aus und erhält dafür eine kleine Entschädigung. Handelt es sich hier noch um eine Aufwandsentschädigung oder schon um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung?

Ein echtes Aha-Erlebnis bietet das Kapitel zur Scheinselbständigkeit. Stellen Sie sich vor, Ihr Chor engagiert über Jahre hinweg dieselbe freiberufliche Begleitung am Klavier. Wenn das Finanzamt oder die Rentenversicherung hier eine abhängige Beschäftigung wittert, können Nachzahlungen den Verein binnen kürzester Zeit in den Ruin treiben. Der Ratgeber liefert hier nicht nur die Theorie, sondern konkrete Checklisten und Beispiele, wie man solche Situationen rechtssicher gestaltet.

Auch das Thema Spendenrecht wird lebendig aufbereitet. Wer weiß schon genau, wann eine Spendenbescheinigung zur „Gefälligkeit“ wird und welche Haftung daraus resultiert? „Schon kleine Unterschiede in Sachverhalten können zu einer völlig anderen steuerlichen Beurteilung führen“, mahnt der Autor, selbst ehemaliger Finanzbeamter und später Steuerberater. Es ist diese Mischung aus mahnendem Zeigefinger und helfender Hand, die das Heft so wertvoll macht.

Für wen lohnt sich die Lektüre also? Ganz klar für alle, die im Vorstand Verantwortung tragen, für Schatzmeister*innen, die nachts ruhig schlafen wollen, und für alle Rechnungsprüfer*innen, die ihren Job ernst nehmen. Es ist ein Kompass für alle, die das Ehrenamt lieben, aber die Bürokratie fürchten. Der Ratgeber ist eine Investition in die Sicherheit des eigenen Vereins und damit letztlich in die Freiheit, sich wieder ganz auf die eigentliche Sache konzentrieren zu können – sei es die Kunst, der Sport oder das Soziale.

Erhältlich ist dieses gebündelte Wissen direkt beim Verlag und für gerade mal 11 Euro. Wer seinen Verein und sich selbst schützen möchte, findet den Ratgeber unter folgendem Link: shop.markt-intern.de

Es ist die passende Lektüre und ein Nachschlagewerk für alle, die verstehen, dass gute Vereinsarbeit eine solide Basis braucht, damit am Ende nicht die Bürokratie den Takt vorgibt, sondern die Begeisterung der Mitglieder.

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Hamburgs steinernes Gedächtnis https://www.tiefgang.net/hamburgs-steinernes-gedaechtnis/ Sun, 05 Apr 2026 22:05:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13579 [...]]]> Wer durch Hamburg spaziert, sieht oft nur Fassaden, Fenster und Dächer. Doch für den Denkmalverein Hamburg sind diese Mauern lebendige Erzählungen.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur Steine zu bewahren, sondern die Geschichten und die Identität unserer Stadt zu schützen. In einer Zeit, in der Abrissbirnen oft schneller schwingen als der Denkmalschutz greifen kann, fungiert der Verein als wachsame Stimme und leidenschaftlicher Fürsprecher für das baukulturelle Erbe. Das Ziel ist klar: Hamburg soll seine Geschichte nicht unter Glasvitrinen verstecken, sondern sie als aktiven Teil der modernen Stadtentwicklung begreifen.

Denkmalschutz als Mitmach-Projekt

Das aktuelle Programm des Vereins zeigt eindrucksvoll, dass Denkmalschutz alles andere als staubig ist. Er ist eine Einladung zum Entdecken, Mitdiskutieren und sogar zum Mitradeln. Besonders im Rahmen des 11. Hamburger Architektur Sommers entfaltet der Verein ein Programm, das die Vielfalt der Hamburger Baukultur feiert – von der düsteren Geschichte ehemaliger Gefängnisse bis hin zum greifbaren Stolz auf unsere wissenschaftlichen Kathedralen.

Ein Highlight im Kalender ist die Auseinandersetzung mit der Hamburger Sternwarte in Bergedorf. Hier stellt sich die spannende Frage: Ist dieses Observatorium von 1912 eigentlich reif für das Weltkulturerbe? Es geht dabei nicht nur um Teleskope, sondern um die Frage, wie wir mit Orten umgehen, die seit über einem Jahrhundert unseren Blick in die Unendlichkeit prägen.

Zwischen Mahnung und Moderne

Dass Denkmalschutz auch harte gesellschaftliche Arbeit bedeutet, zeigt die Vorstellung des Bauhefts 50 über das Hüttengefängnis. Hier wird Architektur zum Mahnmal für die Brüche der NS-Zeit. Der Verein scheut sich nicht davor, auch die unbequemen Orte der Stadt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Gleichzeitig blickt er mutig nach vorn: Das Projekt Photovoltaik für die ehemalige Viktoria-Kaserne beweist, dass historische Bausubstanz und modernster Klimaschutz kein Widerspruch sein müssen. Es ist genau diese Neugier und Begeisterungsfähigkeit, die den Verein auszeichnet: Er bewahrt das Alte, um das Neue besser zu machen.

Für alle, die Denkmalschutz lieber in Bewegung erleben, bietet die DenkMalNacht-RadTour die perfekte Gelegenheit. Auf dem Sattel geht es zu kreativen Freiräumen wie dem Gängeviertel – Orte, die ohne den Einsatz engagierter Bürger*innen längst verschwunden wären. Und wenn es brenzlig wird, wie beim geplanten Abriss der Wohnhäuser an der Alster 65-67, wird der Verein politisch und unterstützt Petitionen, um bezahlbaren Wohnraum und historische Substanz gleichermaßen zu retten.

Der Denkmalverein Hamburg ist somit weit mehr als ein Zusammenschluss von Expert*innen. Er ist ein Netzwerk für alle, die Hamburg lieben und die Stadt als ein gewachsenes Kunstwerk verstehen, das wir für die kommenden Generationen behutsam weiterbauen müssen.

Termine und Hintergründe

  • Buchvorstellung & Vortrag: Bauheft 50 „Hüttengefängnis“; Donnerstag, 23. April 2026, 18 Uhr | Teehaus Große Wallanlagen: Herbert Diercks spricht über Kontinuitäten und Brüche in der Geschichte des ehemaligen Polizeigefängnisses.Anmeldung: Über die Website des Vereins erforderlich.
  • Führung: Hamburger Sternwarte – Weltkulturerbe?; Donnerstag, 23. April 2026, 18.30 Uhr | Sternwarte Bergedorf: Astrophysiker Prof. Dr. Liske führt über das Gelände und diskutiert das Potenzial zum Weltkulturerbe.Anmeldung: Per E-Mail an peter.keller@kiwanis-hh.de.
  • DenkMalNacht-RadTour; Samstag, 2. Mai 2026, 18 bis 21.30 Uhr: Radtour zu Räumen für Kreative (u.a. Gängeviertel) mit Infos per Telefonkonferenz (Smartphone & Kopfhörer nötig).Anmeldung: Bis 25. April unter denkmalnacht@baukunstbildung.de.
  • Tempelruine Poolstraße: Ausstellung & Führungen | Mai bis Juli 2026 (Vernissage am 27. April um 18.30 Uhr)Inhalt: Freilichtausstellung jeden Mittwoch (17-19 Uhr); geführte Begehungen am 18. Mai, 15. Juni und 20. Juli. Anmeldung: Für Begehungen unter tempel-poolstrasse@steg-hamburg.de.
  • Vernissage: Hamburger Flachbauten | Donnerstag, 7. Mai 2026, 19 Uhr |FREELENS Galerie, Alter Steinweg 15: Künstlerische Fotografien von Peter Bruns und Claas Möller über die oft unterschätzten eingeschossigen Bauten der Stadt.
  • Engagement & Info :Petition gegen Alster-Abriss: Infos unter nein-zum-alster-abriss.de. Audio-Vortrag „Retro“: Der spannende Vortrag von Valentin Groebner steht als Mitschnitt auf der Website des Vereins bereit.
  • Weitere Infos und Mitgliedschaft: denkmalverein.de

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Hilfe für Harburgs Kreative https://www.tiefgang.net/hilfe-fuer-harburgs-kreative/ Sat, 03 Jan 2026 15:10:55 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13079 [...]]]> Das Netzwerk SuedKultur schickt jetzt einen Rettungsanker in Form von Beratungsgutscheinen aus, damit aus kleinen Fehlern keine großen Krisen werden.

Denn: Kreativität braucht Freiheit, aber sie braucht auch ein Fundament. In Harburg wissen wir: Die besten Ideen entstehen oft in kleinen Vereinen oder bei engagierten Einzelpersonen. Doch wer sich zwischen Urheberrecht, Künstlersozialkasse und Steuerrecht verheddert, verliert schnell die Lust am Gestalten.

Es ist ein altbekanntes Problem: Jurist*innen und Steuerberater*innen kosten Geld, das in der freien Kulturszene oft an allen Ecken fehlt. Die Folge? Wichtige Entscheidungen werden auf Basis von Halbwissen getroffen. Das ist gefährlich. SuedKultur-Sprecher Jan Schröder bringt es auf den Punkt: Wer einmal schlecht beraten wurde, kommt nur schwer wieder auf die Beine.

Um genau diese finanzielle Barriere einzureißen, stellt das Netzwerk in Kooperation mit der Harburger Politik ein Budget von 5.000 Euro für das Jahr 2026 bereit. Das Ziel ist klar: Rechtssicherheit schaffen, damit die Kunst im Vordergrund stehen kann.

Ab sofort können Kulturschaffende aller Sparten im Bezirk Harburg – egal ob Solokünstler*innen, Gruppen oder Vereine – einen der rund 15 Beratungsgutscheine ergattern. Jeder Gutschein hat einen Wert von bis zu 300 Euro und sichert eine professionelle Erstberatung.

Das Verfahren ist erfreulich unbürokratisch:

  1. Konkretes Problem benennen.
  2. Vertraulich an kontakt@sued-kultur.de wenden.
  3. Gemeinsam passende Expert*innen finden.
  4. Beratung wahrnehmen und Rechnung zur Erstattung einreichen.

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Einziger Haken: Das Kontingent ist begrenzt. Da es nur 15 dieser Gutscheine gibt, heißt es jetzt: Schnell sein! Sobald das Budget ausgeschöpft ist, wird dies über das Netzwerk bekannt gegeben.

SuedKultur beweist mit dieser Aktion einmal mehr, dass es das Rückgrat der Harburger Kulturszene ist. Es geht nicht nur um glanzvolle Events wie die Music-Night, sondern um die harte Basisarbeit, die das kulturelle Überleben im Hamburger Süden erst möglich macht. Also: Sichert euch diese Unterstützung und lasst euch nicht von Paragrafen ausbremsen!

Kontakt und Infos: E-Mail: kontakt@sued-kultur.de Web: www.sued-kultur.de

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Das „Zukunftspakt Ehrenamt“ für Vereine https://www.tiefgang.net/das-zukunftspakt-ehrenamt-fuer-vereine/ Fri, 12 Sep 2025 22:01:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12430 [...]]]> Im September 2025 hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf beschlossen, der das Ehrenamt in Deutschland auf vielen Ebenen stärken soll. Dieser „Zukunftspakt Ehrenamt“ ist eine gute Nachricht für Vereine und freiwillig Engagierte.

Von steuerlichen Erleichterungen bis hin zu rechtlicher Absicherung – die geplanten Änderungen entlasten Ehrenamtliche und ihre Organisationen spürbar. Wir geben dir einen Überblick über die wichtigsten Punkte.

Weniger Bürokratie für Vereine

Die Bürokratie ist oft eine große Hürde für kleine Vereine. Das soll sich nun ändern. Mit den neuen Regelungen werden viele Abläufe einfacher:

  • Umsatzgrenze wird angehoben: Die Freigrenze für den steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb steigt auf 50.000 Euro. Das heißt, kleine Vereine müssen ihre Gewinne bis zu dieser Grenze nicht mehr mit Körperschafts- und Gewerbesteuer belasten. Das spart nicht nur Geld, sondern auch viel Aufwand.
  • Wegfall der zeitnahen Mittelverwendung: Die Pflicht, Einnahmen innerhalb von zwei Jahren auszugeben, entfällt für rund 90 Prozent der Vereine. Dies gilt für alle gemeinnützigen Organisationen, deren jährliche Einnahmen 100.000 Euro nicht überschreiten. Diese Regelung kommt vor allem ehrenamtlich geführten Vereinen zugute, die oft keine steuerliche Beratung haben.
  • Vereinfachte Einnahmenzuordnung: Wenn ein Verein jährlich weniger als 50.000 Euro einnimmt, muss er Einnahmen nicht mehr kompliziert dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb oder dem Zweckbetrieb zuordnen. Das vereinfacht die Buchführung enorm.

Höhere Pauschalen

Wer sich ehrenamtlich engagiert, soll für seine Zeit auch fair entlohnt werden können. Die Pauschalen für Übungsleiter*innen und Ehrenamtliche werden erhöht:

  • Die Übungsleiterpauschale steigt von 3.000 Euro auf 3.300 Euro im Jahr.
  • Die Ehrenamtspauschale steigt von 840 Euro auf 960 Euro im Jahr.

Diese Anpassung erkennt die wertvolle Arbeit an und entlastet Freiwillige finanziell.

Erweitertes Haftungsprivileg

Ein großes Hindernis für viele, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist die Angst vor Haftungsrisiken. Die Bundesregierung will dieses Problem nun angehen:

  • Haftungsgrenze wird angehoben: Bisher galt die Haftungserleichterung nur für Ehrenamtliche, die maximal 840 Euro im Jahr erhielten. Diese Grenze wird auf 3.300 Euro angehoben und orientiert sich damit an der Übungsleiterpauschale.
  • Schutz vor Haftung bei leichter Fahrlässigkeit: Wer sich im Verein engagiert und dabei einen Schaden durch einfache Fahrlässigkeit verursacht, muss dafür nicht haften. Das schafft mehr Rechtssicherheit für alle, die sich engagieren wollen.

Weitere wichtige Neuerungen

Der Gesetzentwurf enthält noch weitere Anpassungen, die das Ehrenamt modernisieren und stärken:

  • E-Sport wird als gemeinnützig anerkannt: Sportvereine können nun auch den E-Sport als gemeinnützigen Zweck verfolgen. Dabei soll auch die Suchtprävention eine wichtige Rolle spielen.
  • Photovoltaik-Anlagen: Die Installation und der Betrieb von Photovoltaik-Anlagen auf Vereinseigentum gefährdet in Zukunft nicht mehr den Status der Gemeinnützigkeit. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Energiewende.

Die beschlossenen Maßnahmen sind ein wichtiger erster Schritt zur Umsetzung des „Zukunftspakts Ehrenamt“ und eine pragamtische Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Engagement.

Quelle: www.bundesfinanzministerium.de

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Kunst als Ankommen: Ein Projekt für geflüchtete Menschen https://www.tiefgang.net/kunst-als-ankommen-ein-projekt-fuer-gefluechtete-menschen/ Fri, 08 Aug 2025 22:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12221 [...]]]> Seit Herbst 2024 ist in der Unterkunft Quellmoor in Neuwiedenthal ein besonderer Ort entstanden. Rund 200 Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten, leben dort. Sie sind entwurzelt, erschöpft, auf der Suche nach einem neuen Anfang.

von Ulrike Hinrichs

Inmitten dieses schwierigen Ankommens schafft das künstlerische Projekt „Künstlergruppe für Geflüchtete“ Raum für Stabilisierung, Begegnung und Ausdruck. Das von mir geleitete Projekt wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

Die Kunst wird in unserer Gruppe nicht als etwas verstanden, das perfekt sein muss. Sie ist Mittel des Ausdrucks, auch dort, wo Worte fehlen. Sie darf roh sein, leise, bunt, wütend, tastend oder kraftvoll. Sie darf da sein, so wie die Menschen selbst.

Das Angebot richtet sich an Geflüchtete aller Altersgruppen. Es soll dabei helfen, Ressourcen (wieder) zu entdecken, sich mit anderen zu verbinden und im kreativen Tun Momente des Innehaltens, aber auch der Teilhabe zu erleben. Die entstandene Kunst baut Brücken in die neue Heimat, leistet einen Beitrag zur Integration und fördert das Harburger Leitbild „Zusammenleben in Vielfalt“.   Besonders eindrücklich ist für mich der künstlerische Beitrag der 16-jährigen Neda Akbari aus Afghanistan, die sich in ihrer Kunst mit den wichtigen Themen Frauenrechte und Frauenunterdrückung auseinandersetzt. Neda hat schon in Afghanistan Gedichte geschrieben. Ihre Worte sind mutig, klar und erschütternd. Sie rütteln auf und sprechen über das Unfassbare. Neda nutzt ihre Gedichte als Quelle der Inspiration für ihre beeindruckenden Bilder.

Foto: Neda Akbari
Foto: Neda Akbari

 

Eines ihrer Gedichte (Persisch)

سنك بارانم كنيد آري زنم مجرم منم

تیت وپاشانم  كنيدآرى زنم مجرم منم

خسته ازنيرنگ  هر وولت كر وبيگانه ام

درج زندانم كنيد آرى زنم مجرم منم

گه براى عقد چهارم  من به قربان میشوم

زنجير و زولا نم  كنيد آرى زنم مجرم منم

ان ورين وولت بلى من ناقصم از عقل وهوش

خاك وحيرانم كنيد آرى زنم مجرم منم

سنگ، بزن تا جان وارى اوكه يك بيجاره هست

سنك بارانم كنيد آرى زنم مجرم منم

Und in deutscher Übersetzung (übersetzt mit ChatGPT). Neda kann zwar gut Deutsch sprechen, doch das Poetische ist schwierig in der Übersetzung.

Steinigt mich, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
Zerreißt mich in Stücke, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
Müde bin ich vom Trug jedes Staates, taub und fremd bin ich geworden.
Werft mich ins Gefängnis, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
Manchmal werde ich geopfert für eine vierte Ehe,
Fesselt und quält mich, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
In den Augen dieses Staates bin ich lückenhaft an Verstand und Geist,
Macht mich zu Staub und Verwirrung, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
Wirf den Stein, bis das Leben weicht aus einem wehrlosen Leib.
Steinigt mich, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.

Wir präsentieren die Werke und Gedichte auf dem Sommerfest im Camp am 22. August 2025. Kunst wie diese ist Ausdruck innerer Wahrheiten. Sie schafft Sichtbarkeit und Würde. In einem geschützten Rahmen kann sie wachsen und Teil einer neuen Geschichte werden, einer Geschichte, in der Selbstmitgefühl, Selbstwirksamkeit und Verbundenheit möglich sind.

Ulrike Hinrichs: Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

 Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Der digitale Weg zum Amtsgericht https://www.tiefgang.net/der-digitale-weg-zum-amtsgericht/ Fri, 25 Jul 2025 22:20:26 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12106 [...]]]>

Engagiert man sich im Vereinswesen, gehört neben der Leidenschaft für die gemeinsame Sache auch eine Prise Bürokratie zum Alltag. Doch manchmal wird es auch einfacher. 

Zur Arbeit eines Vereinsvorstands zählt nicht zuletzt der (manchmal etwas mühsame) Austausch mit dem Amtsgericht, genauer gesagt mit dem Vereinsregister. Bisher bedeutete dies oft den Gang zum Notar – ein aufwendiges, aber notwendiges Prozedere. Doch halt! Was viele Vereine vielleicht noch nicht wissen: Die Digitalisierung macht auch vor diesem Bereich nicht halt. Notarielle Termine können mittlerweile online wahrgenommen werden – eine echte Erleichterung für den Vereinsvorstand! Darauf weist das das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. in einem aktuellen Beitrag hin.

Was ist das Vereinsregister und warum ist es so wichtig?

Das Vereinsregister ist ein öffentliches Register, das bei jedem zuständigen Amtsgericht geführt wird. Es ist quasi die Visitenkarte des eingetragenen Vereins (e.V.), in der verbindliche und transparente Informationen über den Verein festgehalten werden. Der Hauptzweck ist es, die rechtlichen Verhältnisse eines Vereins für Mitglieder und Außenstehende klar darzustellen. Das schafft Rechtssicherheit im Geschäftsverkehr. Praktisch: Jeder kann das Vereinsregister über das Registerportal einsehen. (Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. hat hierzu übrigens auch einen Videobeitrag mit Grundlagenwissen erstellt!)

Was muss eigentlich eingetragen werden?

Eingetragene Vereine sind verpflichtet, bestimmte wichtige Tatsachen im Vereinsregister zu hinterlegen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Änderungen im Vorstand (§ 67 BGB)
  • Satzungsänderungen (§ 71 BGB)
  • Umwandlungen (wie Verschmelzungen, Spaltungen und Formwechsel)
  • Die Auflösung des Vereins
  • Die Namen von Liquidatoren und deren Vertretungsmacht bei Auflösung

Ganz wichtig: Oft hängt die Wirksamkeit von Beschlüssen von der Eintragung im Vereinsregister ab. Eine Satzungsänderung beispielsweise entfaltet keine rechtliche Wirkung, solange sie nicht eingetragen ist!

Wer ist für die Eintragung zuständig?

Die Anmeldung von Eintragungen zum Vereinsregister ist die Aufgabe des Vorstands (§ 77 BGB). Dabei müssen natürlich die jeweiligen Regelungen des Vereins zur Vertretungsberechtigung des Vorstands beachtet werden. Sollte der Verein sich in Auflösung befinden, geht diese Zuständigkeit auf die Liquidatoren über. Kommen Vorstand oder Liquidatoren dieser Pflicht nicht nach, kann das Registergericht die Eintragung sogar per Zwangsgeld durchsetzen (§ 78 BGB).

Formvorschriften: Der Notar kommt ins Spiel (oder in den Bildschirm)

Anmeldungen zum Vereinsregister müssen in öffentlich beglaubigter Form erfolgen (§ 77 BGB). Das bedeutet in der Regel, dass ein Notar die Unterschriften der Vorstandsmitglieder beglaubigen muss. Bislang war dafür das persönliche Erscheinen beim Notar unerlässlich.

Die gute Nachricht: Das notarielle Online-Verfahren

Die Digitalisierung macht es nun möglich, den Notartermin auch im Rahmen eines Online-Verfahrens abzuwickeln! Diese Lösung ist besonders flexibel, wenn Vorstandsmitglieder räumlich voneinander getrennt sind, aber dennoch gemeinsam handeln müssen.

So funktioniert’s:

  1. Start: Das Verfahren beginnt auf der entsprechenden Website der Bundesnotarkammer zum notariellen Online-Verfahren.
  2. Registrierung & Termin: Nach einer Registrierung kann ein Notartermin per Videokonferenz vereinbart werden.
  3. Digitale Signatur: Die erforderliche Unterschrift wird rechtssicher mit einer qualifizierten elektronischen Signatur geleistet. Dafür wird eine persönliche TAN generiert, die wie beim Online-Banking für jede neue Signatur per SMS zugesandt wird.
  4. Hardware: Für die Teilnahme reichen gängige Endgeräte aus: ein Smartphone, ein Computer oder Tablet, dazu Ausweisdokumente und eine stabile Internetverbindung.

Dieses Online-Verfahren deckt sämtliche Anmeldungen eines Vereins ab – von der Gründung über Satzungs- und Vorstandsänderungen bis hin zur Auflösung.

Diese digitale Neuerung vereinfacht die bürokratischen Abläufe für Vereine erheblich und bietet mehr Flexibilität im oft ehrenamtlichen Alltag. Das Vereins- und Stiftungszentrum e.V. begrüßt diese Entwicklung, die zur Entlastung der Vereinsvorstände beitragen kann.

 

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Ein Kompass für das Erbe https://www.tiefgang.net/ein-kompass-fuer-das-erbe/ Fri, 18 Jul 2025 22:52:46 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12071 [...]]]>

Ein Magazin als Aufruf zum Handeln für alle Denkmalbesitzer: Schluss mit dem Kopfzerbrechen, her mit den Lösungen!

Wer ein Denkmal besitzt, trägt nicht nur ein Stück Geschichte, sondern oft auch eine Last auf den Schultern. Die Sorge vor hohen Kosten, komplexen Genehmigungsverfahren und dem vermeintlichen Widerspruch zwischen Denkmalschutz und modernem Wohnkomfort sitzt tief. Doch was, wenn wir diese Last in eine Chance verwandeln könnten? Das brandneue Jahresmagazin „Denkmalsanierung 2025/2026“ ist genau das: ein leidenschaftlicher Mutmacher und ein praktischer Wegweiser für alle, die das Erbe bewahren und gleichzeitig zukunftsfähig gestalten wollen.

Es ist entgegen dem Klischee vom verstaubten Fachbuch: Der Allensbacher Herausgeber Johannes Laible hat mit diesem Jahresmagazin einen Sammelband geschaffen, der eher die Herzen von Denkmalbesitzer*innen, Kapitalanleger*innen und Fachleuten höherschlagen lässt. Es ist kein trockener Gesetzestext, sondern ein lebendiger Dialog über die Möglichkeiten, unsere Baudenkmale fit für die Herausforderungen von heute und morgen zu machen. Von der energetischen Sanierung über innovative Materiallösungen bis hin zur Frage, wie man Fenster oder Dächer denkmalgerecht modernisiert – hier wird nicht lamentiert, sondern konkret aufgezeigt, wie’s geht!

Die über 30 Fachbeiträge sind dabei keine theoretischen Abhandlungen, sondern fundierte Praxisberichte, die von ausgewiesenen Expert*innen verfasst wurden. Nehmen wir etwa Verena Lutz, eine Architektin der JaKo Baudenkmalpflege, die sich als Projektleiterin der Gesamtrestaurierung bereits intensiv mit Dachausbauten in denkmalgeschützten Gebäuden beschäftigt hat. Ihr Beitrag zum „Dachausbau im Denkmal“ ist ein Musterbeispiel dafür, wie man kreative Lösungen findet, um ungenutzte Räume in einzigartigen Wohnraum zu verwandeln, ohne die historische Substanz zu gefährden. Oder Tanja Feil, freischaffende Journalistin für Architektur und Bauwesen, die in „Fensterlösungen für das Baudenkmal“ mit Kompetenz und Leidenschaft die Balance zwischen Ästhetik, Bauphysik und Denkmalschutz beleuchtet. Auch weitere Autor*innen wie Jürgen Benitz-Wildenburg und Robert Krippahl, die sich dem Hochwasserschutz widmen, oder Miriam Melzer, die das Potenzial von Carbonbeton aufzeigt, tragen dazu bei, dass dieses Magazin zu einem unverzichtbaren Kompendium wird.

Der Stil des Buches ist erfrischend direkt und zugänglich, weit entfernt von steifer Fachsprache. Er ermutigt und inspiriert, anstatt abzuschrecken. Man spürt die Begeisterung der Autor*innen für ihr Thema und ihre Überzeugung, dass Denkmalschutz und Fortschritt Hand in Hand gehen können. Es ist eine Lektüre, die nicht nur informiert, sondern auch motiviert, die Ärmel hochzukrempeln und das eigene Denkmal mit neuem Elan anzupacken.

Dieses Magazin wendet sich an ein breites Publikum: den privaten Denkmalbesitzer*innen, die nach praktischen Ratschlägen suchen, den Bauingenieur*innen und Architekt*innen, die neue Techniken und Ansätze kennenlernen möchten, und den Kapitalanleger*innen, die das Potenzial von Denkmalimmobilien als Steuersparmodell entdecken wollen. Es ist ein Plädoyer für den Erhalt unseres kulturellen Erbes, das zeigt: Tradition und Innovation sind keine Gegensätze, sondern Partner auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft.

Johannes Laible (Hg.): Denkmalsanierung 2025/2026Laible Verlagsprojekte; ISBN: 978-3-944549-57-6, 160 Seiten, Preis: 9,40 EUR

Das Jahresmagazin ist im Buchhandel erhältlich und kann auch direkt über die Laible Verlagsprojekte Website und auch als eMagazin/PDF bezogen werden.

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Grüner Takt für die Kultur https://www.tiefgang.net/gruener-takt-fuer-die-kultur/ Fri, 18 Jul 2025 22:43:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12064 [...]]]> Die Welt ruft nach Veränderung, und die Kulturlandschaft nimmt diesen Ruf ernst. Der Bundesverband Soziokultur hat nun die „Ökologischen Standards für die Soziokultur“ veröffentlicht.

Damit hat er ein wegweisendes Instrument geschaffen, das den Kulturbetrieb nachhaltiger gestalten soll. Es ist eine Entwicklung, die nicht nur die Umwelt entlasten, sondern auch das Bewusstsein für die Dringlichkeit des Klimaschutzes in der Gesellschaft stärken kann.

Die Berichte über extreme Wetterereignisse sind unmissverständlich: Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind zu einer existenziellen Herausforderung geworden. Auch kulturelle Veranstaltungen verbrauchen Energie, Wasser und Materialien und verursachen Verkehrsemissionen. Hier kommt der doppelte Auftrag der Kultur ins Spiel: Sie kann einerseits Nachhaltigkeit und Klimaschutz thematisieren und vermitteln, Räume schaffen und Handlungsfähigkeit erzeugen. Andererseits können Kultureinrichtungen ihren eigenen ökologischen Fußabdruck erheblich senken. Genau hier setzt das neue Handbuch an.

Ein umfassender Leitfaden für ökologisches Handeln

Die „Ökologischen Standards“ sind ein Selbstevaluierungsinstrument, das Kultureinrichtungen dabei unterstützen soll, ihren aktuellen Stand der Nachhaltigkeitsaktivitäten einzuschätzen, Maßnahmen zu planen und nachhaltige Entwicklungen aktiv zu gestalten. Es ist ein niederschwelliges Angebot für den Einstieg, das gleichzeitig aber einen umfassenden Maßnahmenkatalog abbildet, der den aktuell diskutierten Maßstäben für den Kulturbereich entspricht. Der Vorteil dieses Tools liegt darin, dass es Standards, Checklisten und Maßnahmenkataloge aus verschiedenen Kultursparten wie Theater, Museum, Festivals, Clubs, Filmproduktion, Gastronomie und vielem mehr bündelt. Dadurch entfällt das mühsame Recherchieren in diversen Leitfäden.

Das Instrument ist flexibel aufgebaut und gliedert sich in fünf Module sowie Programmbereiche für Indoor- und Outdoor-Veranstaltungen. Das zentrale Modul „Organisation“ enthält die Standards, die für alle Einrichtungen relevant sind. Die weiteren Module – „Programm Indoor“, „Programm Outdoor“, „Gastronomie“ und „Catering“ – können je nach Profil der Einrichtung ausgewählt werden. Die Standards sind zudem in drei Anforderungsstufen unterteilt: „Basis“, „Fortgeschritten“ und „Expert“. Dies ermöglicht es jeder Einrichtung, unabhängig von Größe oder Ausstattung, einen realistischen Überblick über den eigenen Stand zu gewinnen und passende Maßnahmen zu planen.

Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil des Kulturbetriebs

Die Einführung betriebsökologischer Ansätze erfordert eine tiefgreifende Verankerung in den Strukturen und Prozessen der Kultureinrichtung. Nachhaltigkeit darf kein „On-top-Thema“ sein, sondern muss sich sowohl in der strategischen Ausrichtung als auch in den alltäglichen Entscheidungen der Mitarbeiter*innen niederschlagen. Daher liegt den Standards nicht nur ein fachlicher, sondern auch ein prozessbezogener Ansatz zugrunde.

Für einen erfolgreichen Start sind klare Entscheidungen auf höchster Ebene essentiell, die von der Leitungsebene mitgetragen und kommuniziert werden müssen. Zudem ist es wichtig, dass Personen oder Teams Verantwortung übernehmen und mit einem klaren Mandat, ausreichend Zeit und einem Budget ausgestattet sind. Die Einbeziehung und regelmäßige Information des gesamten Teams sind dabei unabdingbar.

Der Umsetzungsprozess gliedert sich in drei Phasen: die strategische Planung, die Umsetzungsplanung und Pilotphase sowie die Verstetigungsphase. Diese strukturierte Vorgehensweise ermöglicht es, Erfahrungen zu sammeln, Abläufe anzupassen und Nachhaltigkeit langfristig in der Einrichtung zu verankern.

Ein vielversprechendes Gemeinschaftswerk und eine wichtige Hilfestellung

Die „Ökologischen Standards“ sind das Ergebnis eines bundesweiten Modellprojekts, an dem zwölf soziokulturelle Einrichtungen mitgewirkt haben. Aus Hamburg etwa die Wilhelmsburger Honigfabrik. Die Erfahrungen aus der Praxis flossen direkt in die Entwicklung ein und zeigten, dass es verschiedene Wege gibt, sich dem Thema zu nähern. Der Bundesverband Soziokultur unterstützt die Umsetzung durch Beratungs-, Vernetzungs- und Weiterbildungsangebote.

Die Qualität dieser Standards und der damit verbundenen Hilfestellungen ist bemerkenswert. Sie bieten nicht nur einen umfassenden Überblick über die Anforderungen an ökologisches Handeln im Kulturbereich, sondern auch eine praktikable Anleitung für die Umsetzung. Besonders hervorzuheben ist die modulare Struktur und die Abstufung der Anforderungen, die es wirklich jeder soziokulturellen Einrichtung, ob klein oder groß, ermöglicht, den Einstieg zu finden und sich schrittweise zu verbessern. Die Betonung des Prozessgedankens und der Notwendigkeit, Nachhaltigkeit als Querschnittsaufgabe zu verstehen, ist ein kluges Vorgehen, da sie die Komplexität des Themas realistisch abbildet und gleichzeitig handhabbar macht. Zudem wird mit den ergänzenden Arbeitshilfen und den geplanten Fortbildungen für Nachhaltigkeitsmanager*innen ein umfassendes Ökosystem geschaffen, das die Kultureinrichtungen langfristig stärken kann. Diese Initiative stellt einen bedeutenden Schritt dar, um die Kultur in Deutschland zukunftsfähig und umweltbewusst aufzustellen.

Es bleibt spannend zu beobachten, wie diese Standards die vielfältige soziokulturelle Landschaft prägen und inspirieren werden.

Alle Informationen, das Handbuch als Download und weitere Tools (Tabellen etc.) finden sich hier: soziokultur.de/oekologische-standards-fuer-die-soziokultur/

 

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Die Narben der Geschichte – vererbte Traumata https://www.tiefgang.net/die-narben-der-geschichte-vererbte-traumata/ Fri, 04 Jul 2025 22:14:04 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12085 [...]]]> Wir haben von unseren Vorfahren nicht nur die Gene geerbt, sondern auch ihre Lebensgeschichten von Gewalt, Mangel und ewigen Kämpfen. Die Folgen traumatischer Erfahrungen werden weitergegeben, wenn sie nicht verarbeitet werden können.

von Ulrike Hinrichs

Wenn Eltern ihre eigenen traumatischen Erlebnisse nicht integrieren können, bleibt die Belastung nicht nur für sie selbst bestehen, sondern wirkt sich auch auf ihre Nachkommen aus. Diese Einflüsse zeigen sich beispielsweise in Träumen, Glaubenssätzen, dem Selbstbild, emotionalen Erleben und unbewussten Verhaltensweisen der nächsten Generation. Vor allem kollektive Krisen wie Kriege und Terror wirken auf ganze Gesellschaften ein. Viele dieser Ängste werden durch die aktuellen Krisen wiederbelebt.

Die Folgen der menschenverachtenden Nazi-Diktatur sind bis heute nicht überwunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte sich in Deutschland eine kollektive Erstarrung, Ausdruck von Ohnmacht, Schuld und Scham. Viele Kriegskinder und Kriegsenkel kennen die emotionale Taubheit und Sprachlosigkeit der Kriegsgeneration. Sie spürten diese undefinierbare Melange aus Abscheu, Scham und Angst in der Nachkriegsgesellschaft, die sich wie ein schleichendes Gift ausgebreitet hatte. In den Wohnzimmern herrschte eine emotionale Kälte, die alle Gefühle gefrieren ließ. Die Kinder wurden materiell versorgt, sind aber emotional verhungert.

Traumatisierten Eltern ist es unmöglich die Schwäche und auch die Stärke ihrer Kinder auszuhalten. Traumatisierte Familienmitglieder spüren ihre eigene Verletzlichkeit, wenn sie diese bei ihren Kindern wahrnehmen. Daher müssen sie dieses Gefühl unbedingt abblocken und bei ihren Kindern ablehnen und bekämpfen. Es herrscht in traumatisierten Familien daher oft ein permanent abwertender Grundton, nie ist etwas richtig oder gut genug. Die Kinder lernen, dass sie weder weinen noch sich feiern und loben dürfen.

Die Leerstellen, die Kinder der nachfolgenden Generationen traumatisierter Eltern erleben, haben Auswirkungen auf ihre Selbstverständnis und ihr Selbstbewusstsein. Es gibt zudem auch epigenetische Veränderungen, die durch Traumata entstehen und die sich weitervererben.

Mehr Hintergrundwissen zu den Folgen traumatischer Lebenserfahrungen findest du in meinem Beitrag auf Tiefgang Dein inneres Kind künstlerisch erwecken

Die Weitergabe von Traumata erfolgt auf verschiedenen Ebenen,

  • der Epigenetik (Vererbung der Stressregulation),
  • der Weitergabe von Stress von der Mutter (bzw. anderer Bezugspersonen im Umfeld) auf das Kind,
  • der fehlenden emotionalen Verfügbarkeit der Bezugsperson und
  • über Glaubenssätze und die Erziehung.

Die Auswirkungen der transgenerationalen Traumaweitergabe können sich auf vielschichtige Weise äußern. Neben Ängsten, depressiven Verstimmungen oder chronischer Anspannung kann es auch zu tief verankerten Überzeugungen und Verhaltensmustern kommen, die das eigene Leben unbewusst steuern. Bindungsmuster, Selbstwertgefühl und sogar körperliche Symptome können von übernommenen Traumata beeinflusst sein. Häufig zeigen sich Schwierigkeiten in der Abgrenzung oder das Gefühl, eine nicht greifbare Last zu tragen.

Da das Trauma nicht unmittelbar erlebt, sondern weitergegeben wurde, ist es oft viel schwerer zu greifen und zu begreifen als eine unmittelbar selbst erlebte Traumaerfahrung. Es ist eine kleinteilige Detektivarbeit, der Traumaweitergabe auf der Spur zu bleiben. Denn viele Themen sind hinter einem großen Schweigen verborgen. Familientabus und Sprachlosigkeit verhindern oder boykottieren die Aufklärung.

Die Kunst als Ausdrucksform kann helfen, dem Trauma näher zu kommen, um es zu integrieren. Denn mit der Kunst docken wir an unser unbewusstes Wissen und verborgene Gefühle an. In meinem Sachbuch Lebendig begraben beschreibe ich die Folgen transgenerationaler Erfahrungen anhand meiner eigenen Geschichte. Als Jugendliche erkrankte ich am Guillain-Barré-Syndrom. Innerhalb weniger Tage war ich vollständig gelähmt, ein körperlicher Shutdown als Rückzug aus einer emotional eiskalten Welt. Diese Erfahrung steht exemplarisch für das Erleben vieler, eingebettet in eine Atmosphäre kollektiver Kälte in der Nachkriegszeit. Ich verbinde biografische, psychologische und medizinische Perspektiven mit einem mythologischen Blick auf Krankheit und zeige, wie verborgene Weisheiten heilende Impulse setzen können.

„Es gibt keine größere Qual, als eine unerzählte Geschichte in Dir zu tragen.“

Maya Angelou

Indem wir unsere eigenen Geschichten erzählen, verwandeln wir Blut in Leben, Ohnmacht in Ausdruck und Schweigen in Stimme. Vielleicht fragst du dich, welche Geschichte in dir endlich erzählt werden möchte. Fange mit diesen Impulsfragen an, dem auf die Spur zu kommen.

Impulsfragen an dich:

  • Welche Stimme in dir wurde zu früh leise?
  • Gibt es ein Schweigen, das sich zwischen deine Worte gelegt hat?
  • Welche Gefühle trägst du, die vielleicht nicht dir gehören?
  • Was durfte in deiner Familie nicht gefühlt oder gezeigt werden?
  • Gibt es in deiner Familie Themen, über die nicht gesprochen wurde oder wird?
  • Welche Träume oder Lebenswünsche scheinst du unbewusst für jemand anderen zu tragen?
  • Welche wiederkehrenden Muster oder Überzeugungen prägen dein Leben?
  • Welche Erfahrungen deiner Eltern oder Großeltern könnten in deinem Leben noch nachwirken?
  • Was und wen schützt du, wenn du dich zurückhältst?
  • Spürst du manchmal Gefühle, deren Ursprung du dir nicht erklären kannst?
  • Hast du ein „fremdes“ Gefühl von Schuld, Angst oder Scham in dir, das nicht zu deinen eigenen Erfahrungen passt?
  • Wie zeigt sich in deinem Körper, was deine Seele vielleicht verschweigt?
  • Welche Ausdrucksform – Schreiben, Malen, Musik, – könnte dir helfen, Unaussprechliches sichtbar zu machen?

Ulrike Hinrichs – Lebendig begraben: Guillain Barré Syndrom

Krankheit, Trauma und die Narben der Geschichte

 ISBN Softcover: 978-3-99139-739-7

EUR 18,00 EUR

Überall im Buchhandel; auch als ebook erhältlich

 

 

 

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Traumatherapeutin, Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

 

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