Ulrike Hinrichs – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 13 Jan 2026 10:48:44 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Biografiearbeit: Manchmal sind es die kleinen Dinge https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-manchmal-sind-es-die-kleinen-dinge/ Tue, 13 Jan 2026 10:32:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13101 [...]]]> Biografiearbeit beginnt oft dort, wo Erinnerung unerwartet präzise wird. Bei Zahlen, Bildern, Gerüchen. Bei scheinbar nebensächlichen Details, die sich tief eingeprägt haben und plötzlich wieder auftauchen.

von Ulrike Hinrichs

Ich habe wenige Erinnerungen an meine Kindheit. Doch ich erinnere noch das Kennzeichen unseres ersten Familienautos. HH XD 22. Ein leuchtorangefarbener VW Käfer. Auch Telefonnummern sind geblieben. Die meiner Großmutter, die längst gestorben ist. Die meines Vaters, der getrennt von uns lebte. Die der Firma, in der meine Mutter arbeitete. Ich konnte sie alle auswendig. Ich war ein Schlüsselkind. Telefonnummern gaben Sicherheit.

Erinnerungen sind nicht linear. Oft sind sie vernebelt oder ganz verschluckt von der Vergangenheit. Gerade dann ist es hilfreich, sich solche kleinen Details vorzunehmen und mit ihnen künstlerisch zu arbeiten. Künstlerische Biografiearbeit würdigt diese vordergründig unbedeutenden Erinnerungen und kitzelt etwas wach, was hinter dem Vorhang der Vergangenheit verborgen ist. Kunst erlaubt, diesen Spuren zu folgen, ohne sie sofort erklären zu müssen. Sie macht sichtbar, was lange still war. Das scheinbar Unbedeutende wird bedeutsam. Und oft öffnet gerade das Kleine den Zugang zum Wesentlichen. 

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnung mit Pinsel und Farbe“ arbeiten wir mit der Kunst als Ausdrucksform, um die eigene Herkunft zu erforschen und besser zu verstehen.

In meinem Bild im Header taucht der Käfer meiner Kindheit wieder auf. Leuchtend. Rund. Fast schützend. Er steht auf der Straße und zugleich in einem inneren Raum. Umgeben von Farbe, Punkten, Bewegung. Das gemalte Auto wird zum Träger von Atmosphäre. Von Nähe auf engem Raum. Von Unterwegssein. Von Kindheit, die sich nicht in Szenen, sondern in Fragmenten erinnert. In der künstlerischen Biografiearbeit dürfen solche Bilder auftauchen, ohne bewertet zu werden. Sie müssen nichts beweisen. Sie dürfen einfach da sein.

Vielleicht ist es bei dir kein Auto. Vielleicht ist es etwas ganz anderes. Klein, unscheinbar und doch voller Geschichte. Greife danach und lass ein Bild entstehen. Anschließend kannst du einen kreativen Text daraus wachsen kann. Lass dich überraschen, welche Erinnerungen wach werden.

Mehr dazu auf Tiefgang

Bist du neugierig geworden, wie du eigene Erinnerungen künstlerisch erkunden kannst? Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen.

überall im Buchhandel

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Wenn Bilder sprechen – Das Tier unter der Haut https://www.tiefgang.net/wenn-bilder-sprechen-das-tier-unter-der-haut/ Mon, 29 Dec 2025 12:01:54 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13052 [...]]]> Was wäre, wenn wir Krankheit nicht nur als Symptom betrachten, sondern als eine Ausdrucksform mit einer ganz eigenen Sprache? Die Kunst kann uns dabei helfen, die Sprache der Symptome besser zu verstehen.

von Ulrike Hinrichs

Die Arbeit mit Symbolen öffnet neue Räume. Räume jenseits von Erklärung und Bewertung.

In der Symbolsprache darf Krankheit mehr sein als ein Symptom. Sie wird zu einer Gestalt.
Zu einem inneren Gegenüber. Bilder umgehen den rationalen Verstand. Sie sprechen direkt zum Körpergedächtnis. Dort, wo Worte oft nicht ausreichen. In der kunsttherapeutischen Praxis entstehen so neue Möglichkeiten. Für Beziehung statt Widerstand. Für Verstehen statt Bekämpfen.

Dazu möchte ich dir ein Praxisbeispiel aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Krankheit als Bild geben. In der Gruppe sind Menschen mit unterschiedlichen langanhaltenden Krankheiten beteiligt. Mit der Kunst als Ausdrucksform suchen wir neue Perspektiven im Umgang mit der Erkrankung.

Gruppe „Krankheit als Bild!“ – Maulwurf

Die Frage zum hier abgebildeten Kunstwerk lautete: „Wenn deine Krankheit ein Tier wäre, welches wäre es?“ Sie lädt zu einer symbolischen Annäherung an die Krankheit ein. Sie verschiebt den Blick von der Diagnose hin zur Beziehung. Von Kontrolle hin zu Wahrnehmung und Mitgefühl.

Zur Autoimmunerkrankung Rosacea entstand der abgebildete Maulwurf. Rosacea ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung. Sie zeigt sich vor allem im Gesicht durch Rötungen, Hitzegefühle und empfindliche Haut. Viele Betroffene erleben die Haut als schnell überreizt und schwer zu schützen. Auf dem Bild sehen wir ein grabendes Tier. Einen Maulwurf. Er lebt unter der Haut der Erde. Er meidet das grelle Licht. Er sucht Kühle, Feuchtigkeit und Schutz. Die Hände sind kräftig. Sie wollen Raum schaffen. Sie drücken und wühlen.

Rosacea als Maulwurf könnte bedeuten, so die Klientin: Ein Wesen, das zu viel Reiz erlebt. Licht, Hitze, Aufmerksamkeit. Es reagiert mit Rückzug. Mit Erröten als Alarm. Mit Entzündung als Grenze. Der Körper sagt: Es ist zu viel. Ich brauche Tiefe. Ich brauche Dunkelheit. Ich brauche Ruhe. Im Bild wirkt das Tier auf mich nicht feindlich. Im Gegenteil. Eher sensibel. Verletzlich. Beharrlich. Es erinnert mich an mein Schutzbedürfnis. An den Wunsch, mich einzugraben. An Selbstfürsorge statt Kampf.

Vielleicht fragt dieses Tier: Wo darf ich mich sicher fühlen? Wer achtet meine empfindliche Haut?

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Willst du es ausprobieren? Wenn deine Krankheit ein Tier wäre, wie würde es aussehen? Welches Tier taucht ganz spontan auf? Dann lege los und male. Du kannst eine Bleistiftskizze fertigen oder ein Ölgemälde malen. Das ist ganz egal. Es braucht nicht perfekt zu sein. Es geht um Ausdruck.

Betrachte das Bild. Hier sind einige Impulsfragen:

  • Was kommt dir dazu in den Sinn?
  • Wenn das Tier sprechen könnte, was würde es sagen?
  • Was ist die Botschaft des Tieres?
  • Was braucht dieses Wesen?
  • Was schützt es?
  • In welcher Umgebung fühlt es sich wohl?
  • Ist es lieber allein oder in Gesellschaft?
  • Welche Größe oder Form hat es?
  • Welche Bewegung macht es – still, flink, schwerfällig?
  • Welche Gefühle löst das Tier in dir aus?
  • Welche Kräfte oder Fähigkeiten besitzt es?
  • Welche Schwächen oder Verletzlichkeiten zeigt es?
  • Gibt es etwas, das das Tier sucht oder vermeiden möchte?

Mehr dazu in meinem Buch:

Ulrike HInrichs: Krankheit als Bild

Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

2. erweiterte Auflage

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00

Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

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Die Zaunreiterin – Kunst im Zwischenraum https://www.tiefgang.net/die-zaunreiterin-kunst-im-zwischenraum/ Fri, 05 Dec 2025 23:11:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12962 [...]]]> Die Figur der Zaunreiterin gehört zu den archetypischen Gestalten an den Übergängen. In vielen mythologischen Traditionen erscheinen Wesen, die zwischen den Welten leben. Sie bewegen sich an Schwellen und an Orten, an denen Grenzen durchlässig werden.

von Ulrike Hinrichs

Der Begriff der Zaunreiterin wird oft mit der Figur der weisen alten Frau verbunden. Sie lebt am Rand des Dorfes. Sie kennt die Schwellenräume und kann den Zaun (die Grenzen) zwischen den Welten überschreiten. In der Arbeit mit Ahnenbildern kann die mythische Figur der Zaunreiterin eine hilfreiche Metapher sein. Die Zaunreiterin erinnert daran, dass biografische und transgenerationale Themen oft an den Rändern auftauchen. An den Stellen, an denen etwas weder ganz sichtbar noch ganz verborgen ist. Sie steht für das Lauschen auf leise Impulse, für das Wahrnehmen von Emotionen, Erinnerungen und inneren Bildern, die sich erst allmählich zeigen.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Die Ahnenreise beschreibt in diesem Zusammenhang einen inneren Prozess. Menschen wenden sich bewusst den Geschichten ihrer Herkunft zu. Sie betrachten familiäre Muster und wiederkehrende Themen. Sie erkennen Belastungen und Ressourcen, die über Generationen weitergegeben wurden. Die Reise führt nicht in eine äußere Welt. Sie führt in die eigene innere Geschichte und in die Beziehung zu denjenigen, die vor einem lebten.

Die Zaunreiterin dient dabei als Symbol für eine achtsame Haltung. Sie lädt dazu ein, Fragen zu stellen. Welche Spuren meiner Ahnen trage ich in mir? Was davon stärk mich? Was belastet mich? Was darf ich neu gestalten? Was braucht Heilung?

Die Zaunreiterin hilft, diesen Prozess nicht wertend, sondern beobachtend zu begleiten. So verbindet sich die mythologische Bedeutung der Figur mit der psychologischen Perspektive der Ahnenarbeit.

Die Zaunreiterin als Collage

Die Zaunreiterin lädt dazu ein, die innere Schwelle zu überschreiten. Sie fordert dazu auf, bewusst hinzusehen. Die Kunst als Ausdrucksform hilft dabei.

Wenn du diesen Impuls künstlerisch aufgreifen möchtest, kannst du dazu eine Collage gestalten, wie wir es in meiner Gruppe Heimat und Biografie: Begegnungen mit Pinsel und Farbe gemacht haben. Als Beispiel ist ein Werk aus der Gruppe abgebildet. Die Collage „Die edle Rebellin“ verbindet eine fröhliche, farbintensive Figur mit einer ruhigeren, fast zeitlosen Person in Schwarzweiß. Es ist ein Foto der Großmutter, welches in die Collage eingearbeitet wurde. Dadurch entsteht ein Gefühl von zwei Zeitebenen, die gleichzeitig anwesend sind. Vergangenheit und Gegenwart. Die Motive aus Nahrung, Pflanzen und organischen Mustern vermitteln Erdung. Sie wirken wie Symbole für Versorgung, Fülle und das Wissen der Kräuterfrauen. Auch das kleine Stofftier mit Verband weckt Assoziationen an Fürsorge und Heilung. Die Collage erzählt von einer Figur, die beides vereint: Erdung und Wildheit. Humor und Ernst. Vergangenheit und Gegenwart. Sie wirkt wie eine Ahnin, die sich zeigt, um Kraft zu geben und gleichzeitig etwas zu hinterfragen.

Wie sieht deine Collage aus?

Mehr Impulse zur künstlerischen Biografiearbeit erhältst du im Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen. 60 Praxisimpulse helfen dir, dich mit deiner Biografie und Familiengeschichte auseinandersetzen.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs: Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

22 EUR

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Künstlerische Biografiearbeit: Das Geheimnis im biografischen Feld https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-das-geheimnis-im-biografischen-feld/ Fri, 28 Nov 2025 23:57:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12932 [...]]]> Künstlerische Biografiearbeit öffnet einen stillen Raum. In diesem Raum dürfen Erinnerungen und Gefühle zu Farbe werden. Innere Bilder treten hervor und erzählen von dir und deinem Weg. Auch das Unausgesprochene und Nichtsichtbare kann durch den künstlerischen Ausdruck im Bild erscheinen.

von Ulrike Hinrichs

Kreative Methoden helfen dir, Erfahrungen sichtbar zu machen, die sich sonst schwer in Worte fassen lassen. Sie bringen Bewegungen in starre Muster. Sie stärken das Gefühl für deine eigene Stimme. Und sie machen Ahnungen sichtbar.
Biografiearbeit mit Kunst verbindet Betrachtung und Ausdruck. Du forschst mit deinen Händen. Du spürst deinem inneren Kompass nach. Du ordnest dich neu.

Tabus und Geheimnisse sind Leerstelle in der Biografie

In vielen Biografien gibt es Tabus und Geheimnisse, die wir nur erahnen können. Sie werfen lange Schatten und wirken oft stärker, als wir glauben.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Geheimnisse sind ein stiller und gleichzeitig belastender Teil unseres Lebens. Sie leben in Andeutungen, in Leerräumen und im Schweigen. Manche wurden uns anvertraut. Andere tragen wir selbst, freiwillig oder unfreiwillig. Wieder andere wurden über Generationen weitergegeben, ohne je ausgesprochen zu werden. In Familien wirken sie wie ein unsichtbarer Strom. Sie beeinflussen unser Verhalten, unsere Beziehungen und unsere Gefühle. Oft kennen wir ihren Ursprung nicht.

Ein Geheimnis kann Schutz bedeuten. Schutz vor Überforderung, vor Scham, vor Angst oder Schmerz. Doch was schützen soll, kann auch isolieren. Geheimnisse, die lange verborgen bleiben, sprechen eine andere Sprache. Sie zeigen sich in körperlichen Symptomen, in inneren Spannungen oder in familiären Wiederholungen. Sie hinterlassen Spuren, auch wenn sie nie erzählt wurden.

In der Biografiearbeit geht es nicht darum, Geheimnisse zu entlarven oder offenzulegen, um irgendjemanden bloßzustellen. Es geht darum, ihnen achtsam zu begegnen. Zu spüren, dass da etwas ist, das gesehen werden will. Nicht von allen, aber vielleicht von dir.

Der kreative Ausdruck bietet einen sicheren Raum. Du musst nichts preisgeben. Doch du darfst dem, was verborgen liegt, eine Form schenken. Manchmal ist es genau dieser liebevolle Blick auf das Unsagbare, der Heilung möglich macht. Mit deiner Geschichte. Mit deinen Ahnen. Mit dir selbst.

Auch ich habe auf meiner biografischen Forschungsreise Geheimnisse entdeckt. Manche enthüllten sich im Licht des künstlerischen Prozesses. Anderen Geheimnissen bin ich noch immer auf der Spur.

Im Header ist eine Collage abgebildet, die ich zu einem meiner Familiengeschichten gefertigt habe. Ich bin auf der Suche nach der Geschichte meiner Ururgroßmutter, die 1865 „verschollen“ ist. Sie wurde nur 28 Jahre alt und hinterließ ihren Sohn, meine Urgroßvater. Sie ist Namensgeberin der Familie Hinrichs.

Die Kunst als Ausdruck ist wie ein Nachtsichtgerät in der inneren Dunkelheit.

Vielleicht spürst du ebenfalls den Ruf, dich auf deine Reise in das Ahnennetz zu begeben. Dränge nicht und erwarte nichts. Lass es geschehen. Die Kunst als Ausdrucksform kommuniziert intuitiv mit dir. Ein Geheimnis zeigt sich, wenn die Zeit gekommen ist.

Mehr Impulse zur künstlerischen Biografiearbeit erhältst du im Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen. 60 Praxisimpulse helfen dir, dich mit deiner Biografie und Familiengeschichte auseinandersetzen.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs: Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen, 22 EUR

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Antenne an, Herz auf, Pinsel raus! https://www.tiefgang.net/antenne-an-herz-auf-pinsel-raus/ Fri, 07 Nov 2025 23:58:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12814 [...]]]> Manchmal fällt es uns schwer, auf uns selbst zu achten, und zwar gerade, wenn wir eine langanhaltende Krankheit haben, die unser Leben dominiert, oder wenn wir in einer anderen schwierigen Lebenssituation stecken. Künstlerisch umzusetzen, was uns guttut, kann dabei helfen.

von Ulrike Hinrichs

In uns leben viele Stimmen. Manche sind laut und fordernd, andere leise und kaum hörbar. Selbstfürsorge ist häufig eine dieser leisen Stimmen. Selbstfürsorge zeigt sich im bewussten Umgang mit dem eigenen Leben: im Wahrnehmen der eigenen Grenzen, im Sich-Zuwenden und im Raumgeben für das, was wirklich guttut.

Selbstfürsorge erinnert uns daran, zu atmen, Pausen zu machen und freundlich mit uns zu sein. Sie zeigt uns, dass Fürsorge nicht nur eine Handlung, sondern ein innerer Zustand ist, den wir bewusst nähren können. Oft verlieren wir diesen Anteil aus den Augen. Kunst kann helfen, ihm Gestalt zu geben und damit ins Leben einzuladen. Durch die Brille der Kunst eröffnen sich neue Perspektiven im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Krankheit als Bild, die sich regelmäßig im Quartiershaus De Stuuv in Hamburg-Fischbek trifft, haben wir uns gefragt:

„Wenn du einen inneren Anteil für deine Selbstfürsorge hättest, wie würde der aussehen?“

Die Ergebnisse waren faszinierend. Eines der Werke ist das im Header abgebildete leuchtende Wesen mit großen Augen und einem sanften Lächeln. Eine Antenne ragt nach oben, mit der es aufmerksam empfangen kann. Eine Uhr ohne Zeiger nimmt den Stress aus dem Leben. Das Wesen wirkt fröhlich, wach und liebevoll zugleich. Fast so, als würde es sagen: „Ich bin hier. Ich passe auf dich auf. Du darfst dich ausruhen.“

Dieses Bild zeigt, wie wir innere Fürsorge spürbar machen können. Es erinnert daran, dass Selbstfürsorge kein abstraktes Konzept ist, sondern ein lebendiger, achtsamer Teil in uns, der gesehen, gehört und gepflegt werden möchte.

Gerade für Menschen mit chronischen oder anderen langanhaltenden Krankheiten sind innere Ressourcen überlebenswichtig.

Du kannst es auch ausprobieren: Male dein eigenes Wesen der Selbstfürsorge.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Weitere Praxisbeispiele in meinem Buch:

Ulrike Hinrichs: Krankheit als BildMit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

2. erweiterte Auflage; 263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00; Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

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Kunst als Weg zur Erinnerung https://www.tiefgang.net/kunst-als-weg-zur-erinnerung/ Fri, 31 Oct 2025 23:11:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12779 [...]]]> Jeder Mensch trägt sichtbare und unsichtbare Spuren seiner Herkunft in sich. Es ist, als trügen wir eine innere Landkarte in uns, auf der sich Erfahrungen, Geschichten und Erinnerungen eingeschrieben haben. Dieses unsichtbare Gewebe kannst du künstlerisch einfangen.

von Ulrike Hinrichs

Die künstlerische Biografiearbeit lädt dazu ein, den Spuren deiner Familiengeschichte mit schöpferischen Mitteln zu folgen. Sie verbindet Selbstreflexion und künstlerischen Ausdruck und macht sichtbar, was oft nur gefühlt oder geahnt wird. Beim Malen, Schreiben oder Gestalten entsteht ein Raum, in dem innere Bilder zu sprechen beginnen. Es geht nicht darum, ein perfektes Kunstwerk zu schaffen, sondern die eigene Geschichte in Farbe, Form und Symbol zu übersetzen.

Wenn wir unsere Herkunft auf künstlerische Weise erkunden, öffnen sich verborgene Türen. Erinnerungen, die im Alltag leise bleiben, treten hervor. Gefühle, die schwer in Worte zu fassen sind, finden ihren Ausdruck. Tabus und Geheimnisse werden sichtbar. So wird Biografiearbeit zu einer Art Landvermessung der Seele, zu einer poetischen Kartografie unseres Seins.

Mehr zur künstlerischen Biografiearbeit auf Tiefgang: Der eigenen Biografie kreativ begegnen

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe widmen wir uns biografischen Themen.

Die Werke aus der Gruppe werden am 2.11.2025 von 12.00 bis 18.00 Uhr auf dem Harburger Kulturtag in der Biff Frauenberatung (Neue Straße 59, 21073 Hamburg) präsentiert.

Ein Beispiel einer solchen biografischen Arbeit findest du im Beitrag. Es ist eine Landkarte der Herkunft. Das Werk, eine 1,20 m x 1 m große Collage, wird ebenfalls Teil der Gemeinschaftsausstellung sein.

Künstlerische Biografiearbeit kann helfen, sich selbst in einem größeren Zusammenhang zu sehen und zu verstehen. Sie schafft Verbindung zu den eigenen Wurzeln und öffnet den Blick dafür, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinanderfließen. Wer sich auf diese Reise einlässt, der erkennt: Wir sind nicht nur das, was uns widerfahren ist, sondern auch das, was wir daraus gestalten.

Mit den kollektiven Zusammenhängen in meiner Biografie habe ich mich im Buch Lebendig begraben: Guillain-Barré-Syndrom auseinandergesetzt. Emotionale Kälte, Härte und Disziplin waren Erziehungsmethoden einer traumatisierten Nachkriegsgeneration. Die transgenerationale Weitergabe von Traumata auf die nächste Generation ist ein Erbe, das viele nicht oder erst sehr spät erkennen. Der künstlerische Ausdruck kann helfen, undefinierbare Ängste und Gefühle zu verstehen.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Welche Geschichte hast du zu erzählen?

Lebendig begraben: Guillain-Barré-Syndrom

Krankheit, Trauma und die Narben der Geschichte

ISBN Softcover: 978-3-99139-739-7

 EUR 18,00 EUR

Überall im Buchhandel

Auch als ebook erhältlich

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Traumatherapeutin, Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Samhain und die Kraft der Dunkelheit https://www.tiefgang.net/samhain-und-die-kraft-der-dunkelheit/ Fri, 24 Oct 2025 22:01:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12728 [...]]]> Im Oktober beginnt die Winterzeit. Bei den Kelten galt Samhain als Schwelle zur dunklen Jahreszeit, als die Nacht, in der die Toten nah sind. Wenn das Licht sich zurückzieht, beginnt die Zeit des Rückzugs, des inneren Sehens und Fühlens. Mit der Kunst können wir Licht in die Schatten tragen.

von Ulrike Hinrichs

Samhain ist ein altes keltisches Fest. Ursprünglich wurde Samhain in der Nacht des elften Dunkelmondes gefeiert, jener Neumondnacht, die den Übergang vom hellen in den dunklen Teil des Jahres markiert. Mit der Ausbreitung des Christentums wurden viele dieser alten Feste in den kirchlichen Kalender aufgenommen. So verlagerte sich auch Samhain auf die Nacht vom 31. Oktober zum 1. November, eingebettet in die christlichen Feiertage Allerheiligen und Allerseelen.

Doch unter der christlichen Hülle blieb die alte Bedeutung spürbar: die Feier der Schwelle, das Gedenken an die Toten, das achtsame Willkommenheißen der Dunkelheit als Teil des Lebens und des Wachsens.

Auch in anderen Kulturen finden sich Feste für diese Übergangszeit. In Mexiko verwandelt sich das Gedenken in ein farbenprächtiges Totenfest, den Día de los Muertos, während in den USA aus alten Bräuchen das heutige Halloween entstand und sich bis zu uns ausbreitete.


Überall auf der Welt wird in diesen Tagen, offen oder verborgen, der gleiche Tanz zwischen Dunkel und Licht gefeiert: das Hinabsteigen ins Dunkel, das Erinnern, das Loslassen, das erneute Aufblühen des Lichts. Die Dunkelheit wird hier nicht als Bedrohung verstanden, sondern als Quelle von Intuition, innerer Tiefe und schöpferischer Kraft. In ihr ruht das Wissen, dass Leben immer wieder aus dem Dunkel geboren wird.

Die Kraft der Dunkelheit

Du kannst diese Zeit nicht nur für eine innere Einkehr nutzen, sondern dich auch mit deinen Vorfahren verbinden. Vielleicht trägst auch du die Spuren und Traumata deiner Vorfahren in dir. Gerade dann lohnt es sich, Licht in die Dunkelheit zu bringen, um die Geschichte besser zu verstehen.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Großmutters Erbe – transgenerationale Traumaweitergabe

Die Narben der Geschichte – vererbte Traumata

Künstlerischer Impuls:

Die Kunst als Ausdrucksform hilft dir dabei. Dazu habe ich einen künstlerischen Impuls für dich. Wenn du Lust hast, dann gestalte einen Ahnenaltar. Im Header siehst du die Umsetzung eines solchen Ahnenaltars in einem Schuhkarton, den ich für meine Großmutter gemacht habe. Es ist eine dreidimensionale Collage.

Dein Ahnenaltar kann zu einem Ort werden, an dem du der Verbindung behutsam Raum gibst. In ihm verschränken sich Geschichten mit den Masken der Erinnerung, das Schweigen der Vergangenheit mit dem Aufbegehren der Gegenwart.

Du öffnest dich mit dieser Art des Ausdrucks für Unterstützung und lässt Heilendes in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen, mit Herz, Händen und Intuition.

Ausstellung auf dem Harburger Kulturtag

Du kannst dir den Altar und andere Werke auch live anschauen.

Am So., 2. Nov. 2025, 12 bis 18 Uhr stellt meine Gruppe „Frauenbilder“ und „Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe“ ihre Werke auf dem Harburger Kulturtag aus.

Wo? Frauenberatungsstelle Biff Harburg, Neue Straße 59, 21073 Hamburg

Mehr zur Kraft der Dunkelheit findest du auch in meinem Buch.

Ulrike Hinrichs: Lebendig begraben: Guillain Barré Syndrom

Krankheit, Trauma und die Narben der Geschichte

ISBN Softcover: 978-3-99139-739-7

 EUR 18,00 EUR

Überall im Buchhandel

Auch als ebook erhältlich

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Traumatherapeutin, Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Selbstfürsorge: Die Farbe eines Augenblicks https://www.tiefgang.net/selbstfuersorge-die-farbe-eines-augenblicks/ Fri, 17 Oct 2025 22:57:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12673 [...]]]> Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl sind gerade in Zeiten, in denen es einem nicht gut geht, herausfordernd und zugleich von zentraler Bedeutung. Die Kunst als Ausdrucksform unterstützt dabei, kreativ Kraft zu tanken.

von Ulrike Hinrichs

Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl helfen, belastende Lebenssituationen zu meistern. Beide Begriffe sind eng miteinander verbunden. Selbstfürsorge beschreibt die Fähigkeit, gut für die eigenen Bedürfnisse zu sorgen. Selbstmitgefühl meint, sich selbst in schwierigen Momenten freundlich und verständnisvoll zu begegnen. Das klingt allerdings einfacher, als es oft ist.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Das künstlerische Schaffen kann dabei helfen, achtsam wahrzunehmen, was im Inneren geschieht, und diesem Empfinden mit Ausdruck zu begegnen. Farben, Formen und Symbole werden zu einer Sprache des Mitgefühls, die oft tiefer wirkt als Worte.

In meiner Gruppe „Kreativ Kraft tanken“ geht es genau um dieses Thema. Das Projekt öffnet einen kreativen Begegnungsraum für Frauen in psychisch belastenden Lebenssituationen. Ziel ist es, die Resilienz zu stärken und so die psychische Gesundheit nachhaltig zu fördern. Die Gruppe wird gefördert von der Techniker Krankenkasse und findet im Stadtteilhaus Neuwiedenthal in Hamburg statt.

Ich möchte dir ein Beispiel für kreative Selbstfürsorge zeigen, welches du auch für dich selbst umsetzen kannst. Die Aufgabe in einer unserer Gruppensitzungen lautete:

Erinnere dich an einen kleinen schönen Moment der letzten Zeit. Solche Momente wahrzunehmen, fällt gerade dann schwer, wenn es einem nicht gut geht, man vielleicht sogar in einer Depression steckt oder unter chronischem Stress leidet. Dennoch lassen sich auch in solchen Lebenssituationen kleine „Glücksmomente“ wachkitzeln.

Eine Teilnehmerin, die dicht am Wald wohnt, erzählte, wie sie frühmorgens aus dem Küchenfenster blickte und plötzlich einem Reh in die Augen sah. Ein stiller, fast magischer Augenblick mitten im Alltag. Diesen Moment setzte sie anschließend künstlerisch um. Entstanden ist ein intensives Bild (Header): ein Reh mit klarem, wachem Blick, sein Körper strahlt in Blau und ist umgeben von leuchtenden Farben in Rosa und Orange. In dieser Begegnung mit dem Tier spiegelt sich lebendige Verbundenheit, Ruhe und Vertrauen.

Wie sieht dein Moment aus? Du kannst genauso gut auf länger vergangene Momente im Leben zurückgreifen, wenn dir keine aktuelle Situation einfällt. Deinem Gehirn ist es egal, ob der Moment, den du wiederbelebst, lange vergangen ist oder erst gestern war.

Indem wir diese Momente künstlerisch einfangen, werden sie zu leuchtenden Ankern im Alltag. Ein Anker hält den eigenen kleinen Glücksmoment fest, die Freude, die Ruhe, die Verbundenheit, die wir erlebt haben. Das gemeinsame Teilen dieser Augenblicke in der Gruppe wirkt wie ein kreatives Kraftwerk, das die individuellen Erfahrungen miteinander verwebt. Die Bilder leuchten wie kleine Erinnerungslichter, die nicht nur das persönliche warme Gefühl zurückrufen, sondern auch die Kraft des geteilten Moments immer wieder spürbar machen.

Speicher dir dein Bild daher als Hintergrund auf dem Smartphone oder häng es dir zu Hause auf. So kommst du ganz automatisch wieder mit dem Gefühl in Kontakt, wenn du das Werk betrachtest.

Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl wachsen, wenn wir uns erlauben, diese Momente festzuhalten als Erinnerung daran, dass das Schöne auch im Kleinen und Alltäglichen wohnt, auch wenn es im Inneren oft sehr dunkel ist.

Für alle, die diesen Weg vertiefen möchten, bietet das Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl kreative Anregungen und künstlerische Übungen, die dazu einladen, einen liebevolleren Zugang zu sich selbst zu finden.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR,

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Kunst als Brücke zum Unsagbaren https://www.tiefgang.net/kunst-als-bruecke-zum-unsagbaren/ Fri, 19 Sep 2025 22:37:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12459 [...]]]> Es gibt Bilder, die wirken wie ein Blick in das Unsagbare. Die Kunst als Ausdrucksform kann helfen, dem Trauma näher zu kommen, um es zu integrieren. Denn mit der Kunst docken wir an unser unbewusstes Wissen und verborgene Gefühle an.

von Ulrike Hinrichs

 „Traumatische Grenzerfahrungen öffnen Erlebnis- und Bewusstseinsbereiche, die das alltägliche Tageswachbewusstsein sprengen und die Seele in eine ›Todeslandschaft‹ verwandeln können“, so die Psychoanalytikerin Ursula Wirtz in ihrem Buch Stirb und Werde. Die Wandlungskraft traumatischer Erfahrungen (2014, S. 25).

Trauma trägt die Erfahrung von Todesnähe in sich. Der Körper erstarrt, die Psyche zieht sich zurück, das Leben ist oder scheint in Gefahr. Wer traumatische Erfahrungen durchmacht, kennt dieses Gefühl: die eigene Existenz schwebt am Abgrund. Diese Todesnähe ist unsagbar bedrohlich, zugleich öffnet sie den Blick für die existenziellen Fragen des Lebens. Wer dem Tod begegnet, weiß um die Kostbarkeit des Lebens.

Kunst als Brücke zum Unsagbaren

Die Kunst eröffnet einen Weg, das Unaussprechliche zu berühren, ohne überwältigt zu werden. Sie spricht in Symbolen und Archetypen, in Farben und Formen. Sie geht in Resonanz mit unserem unbewussten Wissen, ruft Gefühle wach, die lange verborgen waren. Sie ermöglicht Ausdruck jenseits rationaler Sprache. So entsteht ein geschützter Raum, in dem wir uns dem Trauma nähern und es Schritt für Schritt integrieren können.

Um das an einem Beispiel festzumachen: Als Jugendliche erkrankte ich am Guillain-Barré-Syndrom. Die Autoimmunerkrankung brachte mich in diese Todesnähe. Damals hatte ich keinen Zugang zu meinen Gefühlen. Ich war völlig dissoziiert, wie von mir selbst und der Welt abgeschnitten. Immer wieder brachen und brechen bis heute Erinnerungen in Form von Flashbacks und Intrusionen auf, die ich jedoch lange Zeit nicht einordnen konnte.

Erst Jahrzehnte nach meiner Erkrankung begann ich, mich dem Schrecken zu stellen. Mehr dazu erfährst du auch in meinem Sachbuch Lebendig begraben: Guillain-Barré-Syndrom.

In dieser Zeit entstand das im Header abgebildete Werk „Der Tod und ich“, das dieses Unsagbare fühlbar macht. Das Bild wirkt, als ob der Tod selbst oder die Erfahrung des Todes sichtbar wird. Es zeigt, dass im Körper Erinnerungen an Tod, Verlust oder Schmerz gespeichert sind und im Ausdruck Gestalt annehmen.

Mehr Hintergründe zu Trauma und Kunst auch auf Tiefgang:

Vom Trauma zum Wachstum

So schrecklich Todesnähe und Trauma sind, in ihrem Schatten liegt auch ein Keim von Wandlung. In vielen Mythen ist der Tod nicht das Ende, sondern die Schwelle zu etwas Neuem. Der Phönix erhebt sich aus der Asche, Persephone steigt aus der Unterwelt zurück ans Licht, Initiationsriten führen durch Dunkelheit und Gefahr in eine neue Lebensphase. Auch in unserer persönlichen Geschichte kann ein solcher Wandel geschehen. Aus der Begegnung mit dem Schmerz entsteht eine tiefere Lebendigkeit, eine andere Form von Kraft.

Siehe auf Tiefgang:

Erzählen als Heilung

Indem wir unsere eigenen Geschichten erzählen, verwandeln wir Blut in Leben, Ohnmacht in Ausdruck und Schweigen in Stimme. Jedes Bild, jedes Wort, jedes Symbol kann zu einem Schritt auf diesem Weg werden. Es geht nicht darum, das Trauma ungeschehen zu machen, sondern es in unser Leben zu verweben. Denn in der Annäherung an das Unsagbare liegt die Chance, nicht nur die Schatten, sondern auch das Licht in uns neu zu entdecken.

Welche Geschichte in dir wartet darauf, erzählt zu werden?

Ulrike Hinrichs: Lebendig begraben: Guillain Barré Syndrom

Krankheit, Trauma und die Narben der Geschichte

ISBN Softcover: 978-3-99139-739-7

 EUR 18,00 EUR

Überall im Buchhandel

Auch als ebook erhältlich

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Traumatherapeutin, Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Krankheit als Bild oder wenn Buddha ein Elefant wäre https://www.tiefgang.net/krankheit-als-bild-oder-wenn-buddha-ein-elefant-waere/ Fri, 12 Sep 2025 22:19:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12397 [...]]]> Dein Körper spricht nicht in Sätzen, sondern in Empfindungen, Spannungen und Schmerzen. Um diese Sprache zu verstehen, braucht es manchmal eine Übersetzung. Kunst kann hier eine wertvolle Begleiterin sein. Farben, Formen und Symbole eröffnen Zugänge, die mit Logik kaum zu erreichen sind.

von Ulrike Hinrichs

Eine langanhaltende Krankheit wirft vieles aus der Bahn. Sie verändert unseren Alltag, unsere Beziehungen und unser Selbstbild. Oft empfinden wir sie als Störung oder Bedrohung. Doch die Krankheit kann auch ein Symbol senden, das uns etwas mitteilen möchte. Oft sind es Inspirationen dafür, was uns gerade fehlt und was wir brauchen.

Das möchte ich dir anhand eines Praxisbeispiels zeigen. Es stammt aus meiner Gruppe Krankheit als Bild, die sich regelmäßig im De Stuuv im Quartiershaus am Ohrnsweg in Hamburg-Neugraben trifft. Die Gruppe wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

Wir haben uns die Frage gestellt:

„Wenn deine Krankheit dir eine Postkarte aus dem Urlaub schicken würde, wie würde die aussehen?“

Dazu entstand die im Header dargestellte Postkarte. Die Szene wirkt humorvoll und zugleich liebevoll. Der Satz „Wenn Buddha ein Elefant wäre“ kam ganz intuitiv, erzählte die Teilnehmerin. Er eröffnet einen spielerischen, fast paradoxen Raum. Buddha steht für Stille, Weisheit und inneren Frieden. Der Elefant für Kraft, Erdung und manchmal auch für Schwere. Auf dem Bild wirkt der Elefant fast kindlich.

Zusammen könnte das eine Botschaft ergeben, so die Teilnehmerin: Weisheit braucht Erdverbundenheit, Liebe braucht Kraft und auch etwas scheinbar Schweres kann Sanftheit ausstrahlen. Für die Teilnehmerin waren auch die Themen kindliche Neugier und Humor besonders wichtig – in der Schwere, in der Not, im Leid immer wieder auch das Lachen zu finden.

An die symbolhafte Sprache müssen wir uns intuitiv herantasten. Man könnte die Postkarte auch als Einladung lesen:

  • die Krankheit nicht nur als Last, sondern auch als Hüterin von Weisheit zu betrachten,
  • die Schwere mit Sanftheit zu verbinden,
  • in die Stille und Innenschau zu gehen,
  • sich von einer übergroßen Kraft tragen zu lassen, statt gegen sie zu kämpfen und
  • ganz viel kindliche Neugier und Humor zulassen.

Durch solche kreativen Zugänge verschiebt sich der Blickwinkel. Krankheit wird nicht mehr als Gegnerin betrachtet, sondern als Botschafterin. Auf dieser symbolischen Ebene lassen sich Zusammenhänge erkennen, die zuvor verborgen waren.

In der Auseinandersetzung mit den Bildern können wir uns selbst neu begegnen und manchmal sogar eine versöhnliche Haltung zur Krankheit finden.

Krankheit als Bild zu verstehen, heißt: den inneren Dialog zuzulassen. Und oft steckt in diesem Dialog eine Weisheit, die uns auf unserem Lebensweg weiterführt.

Mehr dazu:

Offene Werkstatt: Krankheit als Bild – Kulturtage Süderelbe
Ein Tag zum Schauen, Fragen, Austauschen und Mitfühlen und einem Vortrag von mir. Dienstag, 11.11.2025, von 12.00 bis 16.00 Uhr

Auf Tiefgang:

In meinem Buch:

Krankheit als BildMit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

2. erweiterte Auflage

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00;

Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

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