Bulletin of the Atomic Scientists warnt vor dem endgültigen Kollaps

Das war´s! Oder?

Das Bulletin of the Atomic Scientists mahnt in seiner aktuellen Pressemitteilung : „Es sind 85 Sekunden bis Mitternacht“. Das war`s also, oder geht doch noch was …?

Es ist diese fast schon gespenstische Beständigkeit, mit der das Bulletin of the Atomic Scientists seit 1947 den Takt unserer möglichen Vernichtung vorgibt. Gegründet von jenen Köpfen, die im Manhattan-Projekt das atomare Feuer entfachten und danach über ihr eigenes Werk erschraken – darunter Kaliber wie Albert Einstein und J. Robert Oppenheimer –, ist das Bulletin weit mehr als ein bloßer Thinktank. Es ist das institutionalisierte schlechte Gewissen der Moderne. Die Wissenschaftler*innen rund um die heutige Präsidentin Alexandra Bell haben nun das getan, was sie seit Jahrzehnten als ihre Pflicht begreifen: Sie haben die Welt vermessen und festgestellt, dass wir so kurz vor dem Abgrund stehen wie nie zuvor. 85 Sekunden bis Mitternacht – eine Zeitspanne, in der man kaum einen Espresso trinkt, die aber nun über das Fortbestehen unserer Zivilisation entscheiden soll.

In ihrer aktuellen Pressemitteilung vom 27. Januar 2026 sprechen sie unumwunden von einem Führungsunfall. Es ist eine scharfe, fast schon verzweifelte Anklage gegen die globale politische Trägheit. Die Geschichte des Bulletins war immer eine der Mahnung, doch die aktuellen Bezüge, die in der Mitteilung angeführt werden, lesen sich wie ein Protokoll des multiplen Versagens. Da ist zum einen das nukleare Säbelrasseln, das an die dunkelsten Stunden des Kalten Krieges erinnert. Wenn am 5. Februar 2026 der New-START-Vertrag ausläuft, stehen die Großmächte ohne die letzten verbliebenen Leitplanken der Rüstungskontrolle da. Die Pressemitteilung zitiert hierzu besorgniserregende Entwicklungen: Die Arsenale in den USA, Russland und China werden modernisiert, statt abgebaut. Man befindet sich in einem rüstungspolitischen Blindflug, während Nordkorea und der Iran die Spannungen weiter verschärfen.

Doch das Bulletin blickt über die Raketensilos hinaus. Die Klimakrise wird als zweiter apokalyptischer Reiter benannt, dessen Hufeisen die Erde bereits tief zerfurchen. 38,1 Milliarden Tonnen CO2 – ein Rekordwert der Schande, der auch als Beleg für die mangelnde Umsetzung internationaler Abkommen dient. Dass die aktuelle US-Regierung der globalen Klimapolitik faktisch den Rücken gekehrt hat, markiert für die Forscher*innen einen fatalen Rückschritt, der die ohnehin knappe Zeit weiter verkürzt.

Besonders hellhörig macht eine neue Dimension der Bedrohung, die das Bulletin unter dem Begriff Informations-Armageddon zusammenfasst. Die Nobelpreisträgerin Maria Ressa wird in der Mitteilung eindringlich zitiert: Die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz zersetze unsere gemeinsame Faktenbasis. Wenn Desinformation zur universellen Währung wird, verlieren wir die Fähigkeit, globale Probleme überhaupt noch gemeinsam zu adressieren. In einer Welt, in der die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge durch Algorithmen aufgelöst wird, erlahmt der Widerstand gegen existenzielle Gefahren. Sogar vor den Risiken der synthetischen Biologie wird gewarnt – die Rede ist von der Erschaffung von Spiegelleben, einer Technologie, die unsere biologische Sicherheit vor völlig neue, ungelöste Herausforderungen stellt.

Wozu also dieser martialische Akt des Zeigerrückens? Die Pressemitteilung ist kein Abgesang, sondern ein dringlicher Handlungsaufruf, der klare Adressaten hat: Die Staatschefs der drei großen Atommächte – die USA, China und Russland – werden direkt in die Pflicht genommen. Sie müssen an den Verhandlungstisch zurückkehren, um neue Rüstungsabkommen zu schmieden, bevor die letzte Sicherung durchbrennt. Die Handlungsempfehlungen sind so konkret wie radikal: Eine Renaissance der Diplomatie, eine Rückkehr zu wissenschaftsbasierten Entscheidungen in der Klimapolitik und die Schaffung globaler Leitplanken für die KI.

Die 85 Sekunden sind ein gellender Weckruf an uns alle, die Schläfrigkeit abzulegen. Die Wissenschaftler*innen des Bulletins erinnern uns daran, dass wir die Schöpfer*innen dieser Krisen sind und somit auch die Einzigen, die sie bändigen können. Es ist Zeit, die Bequemlichkeit der Ignoranz gegen eine neue Wachheit einzutauschen.

Wir haben vielleicht viel Zeit vertan, aber die letzte Minute gehört uns! Wenn wir uns endlich auf die Socken machen, statt im Angesicht der Katastrophe einfach weiterzuschlummern …

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