Bischofskonferenz lädt zu Trauerspiel in drei Akten

Das letzte Hosanna für 50.000 Euro

Selbst für vermeintlich brave Knabenchöre sind es gerade schwere Zeiten. (Foto: David Mark / Pixabay)

Der Vorhang fällt, nicht auf einer Opernbühne, sondern in den stillen, geheiligten Korridoren der Bischofskonferenz. Das Stück heißt „Finanzielle Unumgänglichkeit“ und die Hauptrolle, die spielt die Sparschere.

Der Chor der Betroffenen? Der Allgemeine Cäcilienverband für Deutschland (ACV), 274.000 fleißige Sänger*innen und Musiker*innen, denen man nun mit dem Entzug von 50.000 Euro die Töne abdreht.

Akt I: Die heilige Bürokratie singt vom Defizit

Es ist eine Geschichte, wie sie nur das moderne Kirchentum schreiben kann: Man kürzt dort, wo das Herz schlägt, weil das Portemonnaie zwickt. Die Bischofskonferenz erklärt mit ernster Miene, dass ein „erhebliches Haushaltsdefizit“ vorliege. Ein Defizit, das offenbar nur durch die Streichung des jährlichen Zuschusses für den ACV – eine Summe, die, wie die Petition scharfsinnig bemerkt, 0,18 Euro pro Kopf beträgt – ausgeglichen werden kann.

Man stelle sich vor: Für das, was andere für einen halben Cappuccino ausgeben, streicht die Kirche die Lebensgrundlage für eine ganze Berufsgruppe. Es ist ein Zynismus, der seinesgleichen sucht. Der ACV ist keine prunkvolle Kathedrale, sondern die einzige professionelle Koordinationsstelle für die Kirchenmusik. Eine schlanke Organisation, eine einzige hauptamtliche Stelle, die das „Rückgrat der Kirchenmusik“ ist. Wer bei solch einem Betrag von „unumgänglichen Sparmaßnahmen“ spricht, der muss das Problem entweder woanders suchen oder ein sehr, sehr humorvolles Defizit haben.

Akt II: Fassungslosigkeit am Mikrofon

Die Petition liefert nicht nur Zahlen, sondern auch die moralische Empörung. Der Präsident des Deutschen Musikrats, Professor Krüger, fragt, was wäre die Kirche ohne Musik? Eine berechtigte Frage. Schließlich sind Kirchenkonzerte der beliebteste Bereich der Kirche. Man subventioniert also etwas, das hervorragend funktioniert, weil man sparen muss. So als würde die Lufthansa beschließen, nur noch mit halbem Tank zu fliegen, um die Treibstoffkosten zu senken.

In den Kommentaren der Petition auf change.org finden sich die Stimmen der Basis, die zeigen, wie absurd die Situation ist. Ein Nutzer schreibt, er singe seit 40 Jahren in Kirchenchören, aber das „Vorgehen ist die größte Enttäuschung meinerseits, da die Arbeit der Chöre und Musiker*innen so überhaupt nicht wertgeschätzt wird.Eine andere Person bemerkt trocken: „Man streicht das, was die Kirche am Leben erhält, die Laienchöre, die unendlich viel leisten.“ Es ist die bittere Erkenntnis, dass das Ehrenamt nicht nur auf leeren Mägen singen soll, sondern auch noch die Rechnung für die Kirchengemäuer begleichen muss.

Akt III: Das Schweigen nach dem Schlussakkord

Die Bischofskonferenz hat das Orchester der Hoffnung, das mit einem Transformationsprozess gerade einen Neuanfang probte, mit einem Paukenschlag zum Schweigen gebracht. Was bleibt, ist der Appell an eine Institution, die ihre Prioritäten scheinbar mit dem Taschenrechner statt mit dem Herzen setzt.

Das 50.000-Euro-Trauerspiel ist ein perfektes Sinnbild: Während das Bistum die Kirchensteuer an einem Tropf hält, der Milliarden abwirft, scheint man nicht bereit zu sein, auch nur einen Hauch von diesem Segen an die Basis zurückzugeben. Die Kirchenmusik, diese lebendige Auseinandersetzung mit geistlichen Inhalten, diese Begegnung von Menschen jeder Religion, soll auf dem Altar der Sparsamkeit geopfert werden. Man will die Gläubigen in die Kirchen locken, aber ohne Musik. Vielleicht mit einem Vortrag über das Haushaltsdefizit?!?

Das Schlusswort sei dem Präsidenten des ACV, Markus Bosbach, überlassen, der mit einem zynischen Unterton die Fassungslosigkeit in Worte fasst: Es muss bezweifelt werden, „dass es einen qualitativ fundierten und transparenten Entscheidungsprozess in der Bischofskonferenz gegeben hat.“ Nein, das glaubt man gerne. Denn in einem transparenten Prozess würde eine solche Summe, um 274.000 Engagierte zu unterstützen, nicht gestrichen, sondern vervielfacht. Doch wir sehen: Die Wahrheit ist oft nicht musikalisch.

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