Maja Nielsen und der Mut unter der Mauer

Ein Bulle für die Freiheit

Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt (links) überreicht der Preisträgerin Maja Nielsen den Buxtehuder Bullen. (Foto: Jan Iso Jürgens)

Der 54. Buxtehuder Bulle, einer der wichtigsten deutschen Jugendliteraturpreise, geht an Maja Nielsen für ihren Roman „Der Tunnelbauer“. Die Auszeichnung würdigt eine Geschichte, die den Einsatz für Freiheit und Demokratie in den Mittelpunkt stellt.

Die diesjährige Verleihung des Buxtehuder Bullen an Maja Nielsen für ihren Roman „Der Tunnelbauer“ (Gerstenberg Verlag) ist ein Statement für die politische Dimension der Jugendliteratur. Die Autorin nahm die zwölf Kilogramm schwere Stahlplastik am Donnerstagabend, 13. November, auf der Halepaghen-Bühne entgegen. Die Besonderheit: Mit dabei war der Zeitzeuge und Protagonist des Buches, der Tunnelbauer Joachim Neumann.

Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt hob in ihrer Rede die Haltung der Autorin hervor. Sie bezeichnete Maja Nielsen als Vorbild, deren thematischer Fokus auf Freiheit und Demokratie eine notwendige Aufforderung in der Gegenwart darstelle. Stefanie Ericke-Keidtel, Leiterin des Berliner Jungen Literaturhauses, ergänzte in ihrer Laudatio, das Buch sei eine „hochinformative und anschauliche Geschichtsstunde, die spannender nicht sein könnte.“ Sie betonte zudem das Engagement Nielsens, die die Themen ihrer Werke nicht nur literarisch bearbeitet, sondern auch in die Tat umsetzt.

Die Preisträgerin fasste die zentrale Botschaft ihres Werkes prägnant zusammen: „Es gibt immer etwas, das man tun kann, um Bedingungen zum Besseren zu wenden.“

Die Jury, die sich traditionell aus elf Jugendlichen und elf Erwachsenen zusammensetzt, sprach sich generationsübergreifend und eindeutig für die Darstellung der deutsch-deutschen Geschichte aus.

Der prämierte Roman versetzt die Lesenden in das Berlin der 1960er Jahre, kurz nach dem Bau der Mauer. Er verarbeitet die Erlebnisse von Joachim Neumann und seinem Freundeskreis. Durch Mut, Beharrlichkeit und kräftezehrenden körperlichen Einsatz verhalf die Gruppe zwischen 1961 und 1964 zahlreichen Menschen durch die berühmten Tunnel 29 und Tunnel 57 zur Flucht in den Westen. Der Text vermittelt damit nicht nur historische Fakten, sondern die konkrete Erfahrung von Widerstand und Solidarität.

Gewürdigt wurde das Buch in einem rund 90-minütigen Programm, das von David Friedrich moderiert wurde. Die musikalische Gestaltung übernahmen Julian Lebender und Vincent van der Klugt als „Jules Atlas“. Student*innen der Freien Schauspielschule aus Hamburg inszenierten neun Szenen aus den prämierten Werken.

Die traditionelle Erweiterung des BULLevards folgte am Freitagnachmittag: Eine bronzene Plakette mit dem Siegertitel und dem Namen der Autorin wurde am Westfleth 37, vor der Kleinen Fleth-Philharmonie, enthüllt. Die Autorin Maja Nielsen blieb noch für die BullenKULTurtage, die Schullesungen und eine öffentliche Lesung umfassen, bis Sonntag in Buxtehude.

Weitere Informationen: www.buxtehuder-bulle.de

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