Dielensound-Festival startet zur zweiten Runde

Dänischer Moped Rock und mehr!

Moderner Frauenpower in der Friedhofskapelle: Rebecca Lou

Eine verkorkste Jugend in Dänemark? Das entspricht nicht ganz dem Klischeebild des Urlaubsreisenden, gibt es aber natürlich doch. Und manchmal kommt später Musik dabei heraus und diese dann zu uns. Nach Wilhelmsburg.

Am 20. und 21. September 2019 steigt nach dem großartigen Erfolg letztes Jahr das 2. Dielensound-Festival in der Kapelle Mengestraße. Der ungewöhnlich wirkende Name geht vom Urheber-Bistro „Deichdiele“ in der unteren Veringstraße aus, die auch jährlich bei der SuedKultur Music-Night dabei sind. Da die Deichdiele aber zu klein ist, wird eben die einstige Friedhofskapelle gerockt und das haut rein!

Nachdem im letzten Jahr gleich acht Bands an einem Abend gespielt haben und das Publikum gegen ein Uhr Nachts leicht überfordert schien, sind dieses Mal zwei Tage für sieben Bands vorgesehen! Und zwar der Freitag (20.9.) und Samstag (21.9.)
Mit dabei sind am Freitag ICE CREAM FOR CROW (Elektronica). Das Ehepaar Nicole und Matthias Sperber spielt Hit für Hit neben ihren eigenen Songs aus verschiedenen Jahrzehnten. Die Coverversionen sind komplett von eigener Hand produziert und live umgesetzt, durch die tolle Pop und Soulsängerin, begleitet von E-Gitarre und Synthesizer.
icecreamforcrow.de
Auch TOM ENDE (Indie Rock) spielen erneut und eröffnen das Festival mit ihren Noise Pop Songs und werden mit ihrer ihnen möglichen Wall Of Sound schon mal anzeigen, dass es auch 2019 laut wird und der Name DielenSOUND wohlweislich gewählt wurde.

https://www.youtube.com/user/TheTomEnde
Ein Überraschungsact kommt dann mit REBECCA LOU. Die Band spielt Punk aus Dänemark und wird mit ihrer Powerpopband die Bühne, die Kapelle und hoffentlich auch das Publikum zum Kochen bringen. Falls es im Herbst schon kühler sein sollte, wird die flirrende Hitze der absolut gigantischen Powerfrau die Herzen erwärmen und die Körper erhitzen beim abhotten!

Auf ihrem Debütalbum „Bleed“ enthüllen Rebecca Lou eine neue, verletzliche Seite der rohen Rock’n’Roll-Power, die die Band auf ihrer im vergangenen Jahr veröffentlichten EP „Skeletons“, zum Leben erweckt hat.

„Bleed“ ist eine ehrliche Geschichte von fließender Geschlechtsidentität und des sich Wagens sich selbst sein zu wollen. „Bleed“ kam jüngst am 30. August heraus.

“Skeletons” mit seinen sechs Songs hat eine enorme Kraft und ist vor allem deshalb eine bemerkenswerte EP geworden, die es hoffentlich auch über die dänischen  Grenzen hinaus schafft, Beachtung zu finden. (Bleistiftrocker.de)

Die deutsche Website hat den Nagel auf den Kopf getroffen und das deutsche Publikum hat Rebecca Lou seitdem in ihre Herzen geschlossen. Im Frühjahr erst, ist die Band durch Deutschland getourt und im kommenden Herbst kommen sie schon wieder zurück. Zu Hause in Dänemark haben sie bereits an der Seite von Bands wie Le Butcherettes und Velvet Volume gespielt – und im Juli werden sie das diesjährige Roskilde Festival im Sturm erobern.  Die Songs auf dem neuen Album sind alle sehr persönlich für Leadsängerin Rebecca. „Chameleon“, „Crucify/Glorify“ und „Imagine Me“ erzählen darüber, wie ihre Familie und ihre Erziehung sie beeinflusst haben.

„Ich habe mehr als nur ein paar Schläge hinnehmen müssen, als ich aufgewachsen bin, und in diesen Songs geht es hauptsächlich darum, wie ich versuche, mit meinen Erfahrungen aus der Vergangenheit umzugehen. Ich bin nun an einem Punkt angelangt, an dem ich akzeptieren kann, dass die Erziehung, die ich hatte, nicht die Erziehung war, die ich mir gewünscht hätte und den Verlust verarbeiten kann, der mit der Akzeptanz dieser Dinge einhergeht“, sagt Rebecca Louise Armstrong.

Rebecca wuchs zu einer rastlosen Teenagerin heran, die oft ihre eigenen Grenzen austestete. Aber in ihrer Jugend ging es auch darum, ihre Geschlechtsidentität zu erforschen. Sie hatte kurze Haare und trug Hosen, als die meisten Mädchen Kleider trugen – was viele in der Kleinstadtgemeinde Falster, wo sie aufwuchs, seltsam fanden. Sie hörte Rockmusik, skatete und hatte es schwer, sich mit den klassischen Idealen zu identifizieren, an die sich Mädchen halten sollten.

Der Song „Lost Boy“, dessen Titel auch auf ihrem Arm tätowiert ist, thematisiert direkt das Problem, dass sie sich nicht mit dem binären Geschlechtersystem versöhnen kann.

„Ich verspüre oft den Drang, meine weibliche Seite zu unterdrücken, um platz zumachen für den Jungen, der auch in mir lebt. Das war schon immer so, aber ich habe erst in den letzten Jahren damit begonnen, offen darüber zu sprechen.“

Im Herzen eine Pop Queen

„Je besser ich mich fühle, desto mehr Rockmusik höre ich“, sagt Rebecca und zählt Japanese Breakfast, Big Star, Descendants und die Ramones zu ihren Favoriten. Viele Leute finden es aber überraschender zu erfahren, dass sie eine große Liebe zur Popmusik unter der schwarzen Lederjacke trägt – Whitney Houston („Ich liebe wirklich die Diven!“), Billie Eilish, Lizzo und St. Vincent werden genauso oft gestreamt.

Der Einfluss, den die Popmusik auf Rebecca Lou hat, wird deutlich, wenn man die Melodien und eingängigen Refrains der Band hört. Es gibt einen Konsens in der Band, dass jeder Song funktionieren sollte, wenn er akustisch gespielt wird, damit er sich als veröffentlichungswürdig erweist. Auf dem Weg dorthin, erhält der Song seinen rohen und kraftvollen Ausdruck, der durch Rebeccas Gesang deutlich hervorkommt.

Das ist auf der Lead-Single der Band „No Surrender“ zu hören, die Rebecca Lous Liebe zu starken weiblichen Pop-Stimmen deutlich zeigt.

„No Surrender ist für all die Unangepassten da draußen, die sich jemals außerhalb der Normen der Gesellschaft oder sich anders und allein gefühlt haben. Es ist ein Song darüber, dass man sich sicher ist, wer man ist, und sich selbst zu lieben, egal ob gut oder schlecht. Kapituliert nicht vor der Negativität von anderen Leuten, beschützt eure Energie und fuck the Haters. ‚ (Rebecca Louise Armstrong)

Rebecca wird von Paw Skovbye und Joachim Holmgaard unterstützt und zusammen bilden sie eine eng verbundene Band, die, wie Joachim es ausdrückt, auch „echte menschliche Freunde“ sind.

Auf ihrem Debütalbum „Bleed“ geht es sehr viel um Rebeccas Geschichten des Erwachsenwerdens – aber es wäre nicht so geworden, wenn nicht alle drei der Band Teile ihres Herzens hingeschüttet hätten.

Zur Band:

Rebecca Lou Armstrong war die Lead-Sängerin der Band Stella Blackrose.  Als Band Rebecca Lou wird die EP “Skeletons” 2018 veröffentlicht. Die Singles der EP – “Bitch You Look Good” und “I wanna Be Your Everything” – waren beide in der Rotation der nationalen dänischen Radio Station P6. Rebecca Lou waren nachfolgend in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Tour, darunter auch im Hamburger Molotow. 2019 spielt die Band dann auf dem Roskilde Festival und nun, Ende August 2019, wurde frisch das Debüt-Album „We are Suburban“ veröffentlicht und ab geht´s nach Wilhelmsburg zum „Dielensound Festival“ und tags darauf aufs Reeperbahn-Festival.

Das Album anhören: soundcloud.com; weitere Infos: rebeccalou.bandcamp.com

Und weitere Acts sind am Samstag (21.9.) zu erleben:

NEOPIT PILSKI (Indie Rock) eröffnen dabei. Die beiden Virtuosen drücken, psychedelisieren in sonicyouthter Weise mit Schlagzeug und E-Gitarre. Der Sänger behandelt und betrachtet sein Heimatland Bulgarien mit Texten in bulgarischer Sprache. Absolut hören und sehenswert! www.youtube.com
COME OUT FIGHTING (Hardcore Punk) besuchen das Festival aus den USA. Die fünf Männer aus Detroit City spielen kompromisslosen Skatepunk, extrem schnell und hart auf den Punk(t). Super Typen sorgen für super Stimmung! comeoutfightingdetroit.com
Dann holt uns Kristin Theresa Drechsler mit ihren ME AND MY TWO HORSES (Experimental Rock) zurück in die tiefen Abgründe unserer universellen Seele. Die bittersüßen Popsongs wandeln sich urplötzlich in Noise Rock Getöse um genau so plötzlich im Nichts des Universums zu verschwinden. Ihr grandioses Debutalbum No Man´s Land wurde dieses Jahr –live- in den größeren Clubs deutscher Städte wahrgenommen. meandmytwohorses
Eine der Dienstältesten und besten Punk Rock Bands Hamburgs SHEEP ON A TREE geben sich die Ehre und beenden das Dielensound Festival 2019. Rainer Schlüter Hake ist ihr begnadeter Sänger. Er war und ist der Frontmann von unglaublich vielen Punkbands der letzten vier Jahrzehnte. Ein “muß” für alle Musikliebhaber und Punks! www.youtube.com
Der Foodtruck von Meliki wird für hungrige Menschen sorgen und die Deichdiele hat alle wichtigen Getränke an der Bar. Mathias Lintl illuminiert erneut das Geschehen!
An beiden Abenden werden die wunderbaren Deichdielen DJs den Abend eröffnen, begleiten und beenden! Mit dabei sind am Freitag: Onkel Toms Hütte (IndiePop/Postpunk)), Rex Krämer (Dancefloor). Am Samstag: Orange Night (Classics,Indie,Postpunk), Der Mädchen und das Junge (Party).

Infos zum Dielensound-Festival: facebook.com/dielensound-festival-2019

Freitag und Samstag (20. / 21. Sept.) Kapelle Mengepark, Mengestraße 7, 21107 Hamburg; Einlass: 17:30 Uhr, Beginn: 19 Uhr, Eintritt gegen Spende

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