Hamburgs öffentliche Räume werden bei Dunkelheit neu besetzt. ´Nightshift` ist ein Projekt, das dorthin geht, wo die Stadt eigentlich nie schläft.
Die Fähre 73 schneidet durch das dunkle Elbwasser, während die Lichter der Landungsbrücken im Rücken langsam verblassen. Das Ziel dieser Reise ist Wilhelmsburg, genauer gesagt der Reiherstiegdeich 55. Hier, auf dem weitläufigen Gelände der Containerfirma Unitainer, wird am 27. Feb. um 18 Uhr eine ganz besondere Schicht angetreten. Night Shifts nennt sich das ehrgeizige, achtteilige Jahresprogramm, das Hamburgs öffentliche Räume bei Dunkelheit neu besetzt. Es ist ein Projekt, das mutig dorthin geht, wo die Stadt eigentlich nie schläft, aber oft übersehen wird.
Das Kurator*innenteam um Rosanna Graf, Lisa Klosterkötter und Gesa Troch hat ein Konzept entworfen, das die Finsternis als produktive Chance begreift. Zum Auftakt begegnet uns die Malerei von Cecilie Norgaard. Ihre Arbeiten, die speziell für diesen industriellen Ort produziert wurden, bewegen sich virtuos zwischen der Banalität des Alltags und einer entrückten Realität. Norgaard greift die Symbole und Logiken der globalen Warenströme auf und übersetzt sie in einen künstlerischen Kosmos, der radikal mit unseren Sehgewohnheiten spielt. Wenn Alltagsgegenstände ihre Größe verändern und Realitäten sich verschieben, wirkt der funktionale Hafen plötzlich wie eine geheimnisvolle Bühne für das Unaussprechliche.
Drei Nachtwächterinnen führen das Publikum durch die Dämmerung und verwandeln bereits den Weg von der Ernst-August-Schleuse zum Werksgelände in eine performative Reise. Es ist dieser Mix aus Neugier und Begeisterungsfähigkeit, der das Programm so spannend macht. Night Shifts beleuchtet das komplexe Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Verborgensein. Während die Nacht in der Stadt oft mit Unsicherheit assoziiert wird, rücken die Künstler*innen hier die Schutz- und Spielräume für Selbstentfaltung, Visionen und sogar den Exzess in den Fokus.
Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, wird Teil einer Zirkulation, die weit über das rein Materielle hinausgeht. Es geht um die Rhythmen der Stadt, um das Spiel von Licht und Schatten und um die existenzielle Frage, wer wir im Dunkeln eigentlich sind. Gefördert durch den Elbkulturfonds der Behörde für Kultur und Medien sowie namhafte Stiftungen, verspricht dieses Projekt ein echtes Highlight des Hamburger Kulturjahres 2026 zu werden. Die Nacht ist jung, der Hafen wartet und bietet eine Perspektive auf die Stadt, die Besucher*innen so schnell nicht vergessen werden.
Ablauf und Anreise:
Der Abend beginnt um 18 Uhr direkt am Reiherstiegdeich. Für ein authentisches Erlebnis empfiehlt sich die Anreise mit der Fähre 73 ab Landungsbrücken (Abfahrt 17.30 Uhr). Von der Ernst-August-Schleuse führt eine der Nachtwächterinnen die Gruppe zum Ort des Geschehens. Da die Fähren im Hafen oft ihren eigenen Takt haben, lohnt sich ein frühzeitiges Erscheinen am Anleger für die Rückfahrt gegen 21.10 Uhr oder 21.50 Uhr. Weitere Informationen zu den kommenden sieben Stationen in Orten wie der City Nord oder St. Pauli finden Interessierte unter www.night-shifts.com.
