Hochqualifiziert, leidenschaftlich und dennoch am Rande des Burnouts: Eine aktuelle Studie zeichnet ein düsteres Bild von den Arbeitsbedingungen der Musikvermittler*innen in Deutschland.
Trotz ihres unbestrittenen Engagements und ihrer wichtigen Rolle im kulturellen Leben sehen sich viele von ihnen mit finanzieller Unsicherheit, mangelnder Wertschätzung und sogar Gewalt konfrontiert.
Die Studie „Hochqualifiziert & auf dem Sprung zu neuen Aufgaben – Umfrageergebnisse „Arbeitsbedingungen Musikvermittlung 2025““ vom Netzwerk „Junge Ohren“ wirft ein grelles Licht auf eine Branche, die im Verborgenen oft Großes leistet. Musikvermittler*innen bringen Menschen jeden Alters und Hintergrunds die Freude an der Musik nahe, öffnen Türen zu neuen Welten und leisten einen unschätzbaren Beitrag zur kulturellen Bildung. Doch hinter den Kulissen sieht die Realität vielerorts anders aus.
Ein alarmierender Befund der Studie ist die hohe Zahl derer, die den Beruf am liebsten heute als morgen verlassen würden. 42 Prozent der Befragten spielen mit dem Gedanken, der Musikvermittlung den Rücken zu kehren. Hauptgründe dafür sind die unzureichende Bezahlung und die fehlende Jobsicherheit. Viele Musikvermittler*innen hangeln sich von Teilzeitstelle zu Honorarauftrag und befristetem Vertrag, was ein Leben in finanzieller Unsicherheit bedeutet.
Doch nicht nur das Geld ist ein Problem. Über die Hälfte der Befragten (51 Prozent) klagt über eine mangelnde Berücksichtigung ihres psychischen Wohlbefindens und einer fehlenden Work-Life-Balance. Der Druck ist hoch, die Arbeitszeiten oft unregelmäßig, und die Anerkennung bleibt vielerorts aus.
Besonders erschreckend sind die Zahlen zu Gewalt und Diskriminierung: 29 Prozent der Befragten haben am Arbeitsplatz strukturelle Gewalt, Diskriminierung oder sogar sexuelle Belästigung erlebt. Und das Schlimmste: Die Strukturen, die eigentlich zum Schutz der Betroffenen da sein sollten, versagen oft. Präventive Maßnahmen sind Mangelware.
Die Studie zeichnet auch ein besorgniserregendes demografisches Bild. Die Branche altert, und es mangelt an jungen Nachwuchskräften. Wer will sich auch für einen Beruf entscheiden, der so viele Hürden und Unsicherheiten mit sich bringt?
Die Ergebnisse der Studie sind ein Weckruf. Es braucht dringend ein Umdenken in der Musikvermittlung. Es reicht nicht, die Leidenschaft und das Engagement der Musikvermittler zu preisen. Es braucht faire Bezahlung, sichere Arbeitsbedingungen, eine bessere Work-Life-Balance und Strukturen, die vor Gewalt und Diskriminierung schützen. Denn nur so kann die Musikvermittlung auch in Zukunft ihre wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielen.
