Die Freie Szene Hamburgs lebt von Experimentierfreude und unermüdlichem Engagement. Doch oft hängen große Ideen kurzweiliger Projektförderung, die Planungssicherheit Mangelware bleiben lässt. Nun ein Neustart.
Denn damit ist nun Schluss – zumindest für ausgewählte Kollektive: Die Behörde für Kultur und Medien schafft mit dem Doppelhaushalt 2025/26 eine wegweisende mehrjährige Kontinuitätsförderung und eröffnet damit neue Horizonte für die Freien Darstellenden Künste in Hamburg.
Das Ziel dieser neuen Fördersäule ist klar umrissen und ambitioniert: Etablierten Künstler*innen und Gruppen soll die notwendige Planungssicherheit geboten werden, um kontinuierliche und künstlerisch anspruchsvolle Arbeitsprozesse zu realisieren. Aber nicht nur das: Es geht auch darum, diesen Gruppen eine bessere Präsentation vor einem nationalen und internationalen Publikum zu ermöglichen. Die bestehenden Arbeitsstrukturen in der Freien Szene sollen gestärkt und ausgebaut werden, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, bringt die Bedeutung dieser Neuerung auf den Punkt: „Mit der Kontinuitätsförderung haben wir ein neues Förderinstrument geschaffen, das etablierten Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit gibt, ihre Projekte und Ideen auch langfristig zu planen und zu realisieren.“ Er betont weiter, dass dies „notwendige Freiräume für die kreative Arbeit“ schaffe und „auch die Umsetzung von größeren Projekten mit überregionaler Strahlkraft“ ermögliche. Ein wichtiger Schritt weg vom reinen Projekt-Denken hin zu einer strategischen Stärkung der Szene. Die Förderung, mit 100.000 Euro pro Spielzeit über drei Spielzeiten (insgesamt 300.000 Euro pro Kollektiv), wird alle drei Jahre neu ausgeschrieben – ein verlässlicher Rhythmus für Planung und Entwicklung.
Ein unabhängiges, spartenübergreifendes Fachgremium hat nun die ersten drei Kollektive ausgewählt, die von dieser wegweisenden Förderung profitieren werden. Und die Auswahl spiegelt die Vielfalt und den Innovationsgeist der Hamburger Freien Szene wider:
- MEINE DAMEN UND HERREN: MORE THAN A FEELING (Arbeitstitel), PerformanceDas Kollektiv „Meine Damen und Herren“ ist bekannt für seine mutige und reflektierte Arbeitsweise als inklusives Ensemble. Sie hinterfragen kontinuierlich ihre eigenen Strukturen und entwickeln kollektive Arbeitsformen auf Augenhöhe. In ihrem neuen dreijährigen Projekt „More than a feeling“ werden sie gemeinsam mit Expert*innen Emotionen als gesellschaftlich relevante Erfahrungen erforschen und dabei die Frage stellen, wie Gefühle Zugänge zu politischen Fragen eröffnen können – künstlerisch, zwischenmenschlich und vor allem barrierearm. Ein Projekt, das nicht nur Kunst schafft, sondern auch gesellschaftliche Debatten anstößt.
- REGINA ROSSI: OUT OF THE BOX, Tanz für junges PublikumDie Choreographin Regina Rossi geht mit ihrem Projekt „OUT OF THE BOX“ direkt in die Quartiere. Mit einem mobilen Dance-Container startet sie ein dreijähriges Community-Dance-Projekt, das Kinder und Jugendliche in Hamburger Schulen, Stadtteilen und sogar in ländlichen Räumen mit professionellen Künstler*innen unterschiedlicher Generationen über die Kunstform Tanz zusammenbringt. Eine wunderbare Initiative, die Tanz als Brücke nutzt, um junge Menschen zu erreichen und ihnen neue Ausdrucksformen zu ermöglichen.
- BENJAMIN VAN BEBBER: [in]operabilities – Viele Werden, MusiktheaterBenjamin van Bebber und sein Team haben sich im deutschsprachigen Musiktheater eine herausragende Position im Bereich Inklusion erarbeitet. Mit „[in]operabilities – Viele Werden“ werden sie in den kommenden drei Jahren ihr breites Netzwerk nutzen, um insbesondere die Bereiche Publikum, Orchester und Chor in den Fokus zu nehmen. Ziel ist es, die vielsinnlichen Wahrnehmungszugänge im Musiktheater weiter zu erforschen und zu erweitern. Ein Projekt, das zeigt, wie Musiktheater für alle erlebbar und zugänglich gemacht werden kann.
Die Einführung der Kontinuitätsförderung ist ein klares Bekenntnis der Stadt Hamburg zu ihrer Freien Darstellenden Szene. Senator Brosda betont: „Gleichzeitig profitiert die gesamte Szene durch die damit verbundene Festigung von Arbeitsstrukturen und den Ausbau von Netzwerken.“ Die drei geförderten Projekte sind gute Beispiele dafür, wie Kunst aus unterschiedlichen Blickwinkeln wirkt und für ein vielfältiges Publikum erlebbar gemacht wird. Ein echter Meilenstein, der Hamburgs Ruf als lebendige und zukunftsweisende Kulturmetropole weiter festigt und Künstler*innen die Freiheit gibt, ihre Visionen mit der nötigen Ruhe und Sicherheit zu entwickeln.
