Die Kunststätte Johann und Jutta Bossard feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass beleuchtet eine Sonderausstellung das Leben und Werk von Jutta Bossard, der Mitbegründerin der Kunststätte und treibenden Kraft hinter deren Erhalt.
Die Kunststätte Johann und Jutta Bossard feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass beleuchtet eine Sonderausstellung das Leben und Werk von Jutta Bossard, der Mitbegründerin der Kunststätte und treibenden Kraft hinter deren Erhalt.
Die Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard wurde in der Jahreswende 1995/96 gegründet. Jutta Bossard selbst brachte das Grundstück, die Gebäude und alle Kunstwerke aus ihrem Besitz in die Stiftung ein. Die Kreissparkasse Harburg (heute Sparkasse Harburg-Buxtehude) und der Landkreis Harburg sorgten für die finanzielle Absicherung. Seit 2015 beteiligt sich auch die Gemeinde Jesteburg an der Finanzierung.
Museumsleiterin Heike Duisberg-Schleier betont, dass die Bewahrung und Weiterentwicklung des Gesamtkunstwerks des Künstlerehepaares über die Jahrzehnte hinweg der Initiative von Jutta Bossard und den Stiftungsträgern zu verdanken ist.
Johann Michael Bossard hatte bereits 1923 die Idee, seinen Kunsttempel als Museum zu etablieren. In den späten 1930er Jahren, aus finanziellen Gründen, wurde die Kunststätte als museales Objekt festgeschrieben, was 1937 vom Finanzamt Harburg-Land bestätigt wurde.
Nach dem Tod von Johann Michael Bossard im Jahr 1950 und der Übertragung des Eigentums an Jutta Bossard, setzte diese die Idee der dauerhaften Sicherung der Kunststätte durch. Trotz anfänglicher Gespräche über eine Stiftung, verzögerte sich die Umsetzung. Konkrete Verhandlungen mit dem Landkreis Harburg und dem Land Niedersachsen begannen erst in den 1980er Jahren.
1988 unterzeichnete Jutta Bossard einen Vertrag mit dem Landkreis Harburg, der das Gelände und die Kunstgegenstände in eine nicht rechtsfähige Stiftung überführte. Seit 1995 ist die Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard für den Erhalt und die Pflege der Anlage verantwortlich. 1997 wurde die historische Anlage in den Museumsbetrieb überführt. Die Erweiterung der Trägerschaft durch die Gemeinde Jesteburg im Jahr 2015 stärkte die Sicherung der Kunststätte nachhaltig.
Die aktuelle Sonderausstellung im Neuen Atelier, „Jutta Bossard – Und dann war ich hier“, widmet sich dem Leben und Werk der Stiftungsgründerin und beleuchtet ihre Rolle bei der Stiftungsgründung.
Im Fokus der Ausstellung steht auch Jutta Bossards künstlerisches Schaffen. Besucher können unter anderem die Skulptur „Die Träumende“ in verschiedenen Varianten entdecken. Die Kuratorin Katharina Groth richtet den Blick auf Jutta Bossards künstlerische Netzwerke und eigenständige Arbeiten. Jutta Bossard wirkte seit ihrer Heirat mit Johann Michael Bossard im Jahr 1926 an dessen Gesamtkunstwerk in der Nordheide mit. Nach seinem Tod 1950 verwaltete sie das Werk ihres Mannes und sicherte dessen Erhalt. Ihre künstlerische Arbeit entstand fast ausschließlich in Zusammenarbeit mit Johann Michael Bossard.
Die enge künstlerische Partnerschaft des Ehepaares spiegelt sich in vielen Werken Jutta Bossards wider. Sie empfand die Zusammenarbeit mit Johann M. Bossard als Erfüllung. Ein Höhepunkt dieser Zusammenarbeit war der Eddasaal, in dem Jutta Bossard zahlreiche Holz- und Schnitzarbeiten sowie Bronze-Figurengruppen für das 1935 geschaffene Gudruntor schuf. Zwischen 1937 und 1942 schuf sie lebensgroße Holzfiguren nach Gipsvorlagen ihres Mannes, während er an der Hamburger Kunsthochschule lehrte. Die Werke Jutta Bossards zeigen auch ihre Auseinandersetzung mit dem Hauptthema ihres Mannes: Werden und Vergehen, der Kreislauf des Lebens und die Nähe zum völkisch-konservativen Denken. Charakteristisch für ihre Arbeit sind expressiv-skulpturale Leuchter aus Keramik, Marmor und Holz sowie naturalistische Porträtbüsten. Die Sonderausstellung präsentiert zudem eine Auswahl kunsthandwerklicher Objekte, bemalte Porzellanservice, Fotografien, Gedichte, private Briefe, Archivalien und einen Teil ihrer Mineraliensammlung, die Einblicke in ihr Privatleben geben.
Jutta Bossard setzte sich jahrzehntelang für die Anerkennung der Kunst ihres Mannes und des Gesamtkunstwerkes ein. Sie öffnete die Kunststätte für Gäste und Gruppen und organisierte Texte, Vorträge und Ausstellungen. Die Einnahmen aus Veranstaltungen und ihren Auftragsarbeiten nutzte sie für die Instandhaltung des Gesamtkunstwerkes – bis zur Gründung der Stiftung im Jahr 1995, ein Jahr vor ihrem Tod.
Sanierung des Wohn- und Atelierhauses abgeschlossen
Nach knapp zehn Monaten Bauzeit erstrahlt das Wohn- und Atelierhaus im Museum Kunststätte Bossard in neuem Glanz. Der erste Bauabschnitt der Generalsanierung des historischen Gebäudes ist nahezu abgeschlossen. Die Restauratorin des Museums, Stefanie Nagel, die die Sanierungsarbeiten betreute, bezeichnet dies als „Meilenstein zum Erhalt des einzigartigen künstlerischen Nachlasses des Ehepaares Bossard und der denkmalgeschützten Bausubstanz“.
Die Gesamtkosten des ersten Bauabschnittes belaufen sich auf rund 520.000 Euro. Die Maßnahmen umfassten die Überprüfung und Instandsetzung der Dachkonstruktion, den Austausch der Dämmung durch moderne, energieeffiziente Materialien, die Neueindeckung des Daches mit historischen Ziegeln und die Instandsetzung des Wintergartens. Eine besondere Herausforderung stellte die historische Fenstergestaltung dar. Die Fenster wurden in unterschiedlichen Bauarten ins Gebäude eingelassen und mussten restauriert werden. So erstreckt sich beispielsweise die Fensterfront des Eddasaals über zwei Geschosse und wurde im Zuge der Sanierung mit Vorsatzfenstern zum Schutz der gestalteten Gläser versehen. Die Generalsanierung des Wohn- und Atelierhauses, die in zwei Bauabschnitten erfolgt, fasst vorangegangene Maßnahmen der letzten 30 Jahre zusammen und ergänzt diese.
Der erste Bauabschnitt wurde über Fördermittel finanziert. Das Museum wurde dabei vom Bundesministerium für Kultur und Medien, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung sowie dem Freundeskreis Kunststätte Bossard e. V. unterstützt. Mit Abschluss der Sanierungsarbeiten werden die beliebten Führungen durch die Innenräume des Wohn- und Atelierhauses wieder angeboten. Die Teilnehmerzahl ist auf sechs Personen begrenzt. Anmeldungen sind unter 0 41 83 / 51 12 oder info@bossard.de möglich. Die Führungen finden mittwochs, freitags und sonntags statt.
Im Überblick:
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Die Ausstellung „Jutta Bossard – Und dann war ich hier“ ist bis zum 9. November 2025 dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
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Am 5. Juni 2025 findet ein Festakt zum 30-jährigen Bestehen der Stiftung statt, zu dem der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs, erwartet wird.
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Am 5. Juni 2025 gibt es um 13.30, 15.30 und 17.30 Uhr die einmalige Themenführung „Jutta Bossard und das Gesamtkunstwerk“. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Weitere Informationen und Anmeldung zur Führung unter 0 41 83 / 51 12 oder info@bossard.de und www.bossard.de
