Budget für die Soziokultur wird massiv gekürzt

Weimers Kahlschlag an der Basis

Aufwärts oder abwärts? Wie steht es um die Kultur? (Foto: DerSpecht.de)

Man muss die Logik des Wolfram Weimer erst einmal verstehen: Während der Bundesetat für Kultur und Medien um satte zehn Prozent nach oben schraubt und die großen Flaggschiffe der Nation im Goldregen stehen, wird dort der Stecker gezogen, wo Kultur tatsächlich stattfindet – fernab der roten Teppiche.

Der Fonds Soziokultur, jenes mühsame Rückgrat der kulturellen Teilhabe in der Fläche, muss im Jahr 2026 mit rund einer Million Euro weniger auskommen als noch im Vorjahr. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass ausgerechnet die Institutionen hungern müssen, die sich um die offene Gesellschaft in entlegenen Orten kümmern.

Es ist ein starkes Signal der Ignoranz. Während sich der Staatsminister gerne als Retter des ukrainischen Kulturerbes oder als Bewahrer preußischer Pracht inszeniert, schrumpft das Budget für die Soziokultur von 4,7 auf 3,6 Millionen Euro. Und das bei einem Bewerberansturm, der zeigt, wie groß der Hunger nach Teilhabe eigentlich ist: 685 Anträge mit einem Volumen von 12 Millionen Euro fluteten den Fonds – ein Plus von über 150 Anträgen im Vergleich zum Vorjahr. Die Antwort aus dem Hause Weimer? Ein zynisches Schulterzucken in Form einer Kürzung.

Die Folgen sind so konkret wie deprimierend. Das Programm „Profil: Soziokultur“, das eigentlich für die dringend benötigte Stabilisierung und langfristige Verlässlichkeit kleinerer Organisationen sorgen sollte, entfällt 2026 ersatzlos. Wer braucht schon Stabilität, wenn er auch im luftleeren Raum der „verantwortungsvollen Mittelverwendung“ schweben kann? Es ist die Demontage der mühsam aufgebauten Infrastruktur in jenen Winkeln Deutschlands, die vom etablierten Kulturbetrieb ohnehin nur auf der Landkarte wahrgenommen werden.

Ein Gnadenbrot für den Nachwuchs

Um die bittere Pille zu versüßen, streut Weimer eine Prise Beruhigungspulver unter das Volk: Einmalige 300.000 Euro Sondermittel werden für das Nachwuchsprogramm U25 bereitgestellt. Ein klassisches Manöver aus dem PR-Handbuch für Fortgeschrittene: Man nimmt der Szene eine Million Euro weg, gibt ihr einen Bruchteil davon unter dem Label „Nachwuchsförderung“ zurück und lässt sich dafür als visionärer Förderer feiern. Dass die jungen Initiativen ohne die stabilen Strukturen der erfahrenen Akteur*innen vor Ort im luftleeren Raum hängen, scheint in die glattgebügelte Weltanschauung des Staatsministers nicht hineinzupassen.

Dass der Fonds Soziokultur in seiner Mitteilung den Bundespolitiker*innen noch artig für die „grundsätzliche Unterstützung“ dankt, liest sich fast wie der verzweifelte Versuch, das letzte bisschen Wohlwollen nicht auch noch zu verspielen. Doch die Wahrheit ist unmusikalisch: Die Fördermittel erreichen tausende von Menschen jeden Alters, die sich für Mitwirkung und Demokratie engagieren. Wenn Weimer von der Ukraine als „Bollwerk gegen autoritäre Ideologie“ spricht, sollte er vielleicht öfter mal in die entlegenen Orte im eigenen Land schauen. Denn dort, wo die Soziokultur stirbt, bröckelt das Fundament, auf dem seine prachtvollen Leuchttürme eigentlich stehen sollten. Ein Trauerspiel, das keine Applaus verdient.

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