11. SuedLese Literaturtage vom 01. -31. März:

Hamburgs Süden wird wieder Hotspot der Literatur!

Das diesjährige Plakatmotiv der SuedLese Literaturtage (Grafik reflexblue.de / Sabine Schnell)

Es ist eine bemerkenswerte Beständigkeit, die sich im Hamburger Süden manifestiert, wenn am ersten März der Startschuss für die elfte Ausgabe der SuedLese Literaturtage fällt. Was einst aus einer schlichten Beobachtung über die mangelnde Wahrnehmung literarischer Orte in Harburg erwuchs, hat sich über ein Jahrzehnt hinweg zu einem etablierten Fest mit jährlich über vierzig Veranstaltungen entwickelt.

Der aufmerksame Leser und Leserin erkennen hier ein Prinzip, das man als Dezentralität bezeichnen könnte, will heißen: die bewusste Verteilung kultureller Ereignisse auf viele kleine, oft private Orte, statt sich in großen, anonymen Hallen zu verlieren.

Der Reiz dieses Festivals liegt in seiner organischen Entstehung. Der Begründer Heiko Langanke betont, dass die SuedLese nicht künstlich aufgesetzt wird, sondern dass sich die Autoren und Autorinnen sowie die jeweiligen Orte selbst suchen und finden müssen. Es entsteht eine Symbiose, will heißen: ein tiefes, wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem geschriebenen Wort und dem Raum, in dem es erklingt, sodass beide am Abend der Lesung eine untrennbare Einheit bilden. Rund einhundert engagierte Menschen wirken im Hintergrund oft ehrenamtlich mit, um diese Verbindung zwischen Institutionen wie dem Club Stellwerk oder der Fischhalle oder lokalen Buchhandlungen und der Literatur zu ermöglichen.

In diesem Jahr liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den Stimmen von morgen in Form von Debüts, unterstützt durch eine dreijährige Förderung der ZEIT Stiftung Bucerius. Langanke bezeichnet das Festival treffend als „Kinderzimmer“ der kommenden Autoren und Autorinnen. Es ist eine Form der literarischen Inkubation, will heißen: ein geschützter Raum, in dem junge Talente wie Kea von Garnier mit ihrem Roman Restsommer oder Rina Schmeller mit ihrem Debüt Co ihre ersten Schritte vor einem breiten Publikum wagen können. Diese Bühne bietet eine weitaus stärkere Motivation als eine bloße Lesung im privaten Kreis, da sie den Mut zum öffentlichen Präsentieren fördert.

Dabei scheut das Festival auch nicht vor dem zurück, was Langanke den „Punk“ in der Literatur nennt. Es geht um eine geerdete Szene, die sich mit harten gesellschaftlichen Themen, Subkultur oder gar Trash beschäftigt, bevor diese Strömungen irgendwann in der etablierten Hochkultur gewürdigt werden. Ob die bewegenden Schilderungen von Dominik Bloh über die Obdachlosigkeit oder die provokante Kritik eines Kristjan Knall – die SuedLese bietet jenen Themen Raum, die oft wie ein Stachel im Fleisch der Gegenwart wirken. Von der Ladies Crime Night in Buxtehude bis zu Workshops des szenisch-kreativen Schreibens zeigt sich so ein Panorama, das weit über die Grenzen des herkömmlichen Literaturbetriebs hinausreicht. So wird der März wieder zum Monat, an dem es sich lohnt hinauszugehen und die Kultur zu genießen!

SuedLese – Literaturtage im Hamburger Süden

Über 40 Veranstaltungen an 26 Orten, Eintritt: Teilweise frei / variierend. Veranstaltungsorte von Harburg, Neugraben, Wilhelmsburg, Buxtehude u.a., 01. – 31. März 2026

Programm: www.suedlese.de Hintergründe: www.tiefgang.net

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