Das Internet – Segen oder Fluch?

Von Zuhause in die weite Welt - nicht immer von Vorteil findet ´Tiefgang´- Autorin Ute Holst. (Foto: dlohner / Pixabay)

Ein Leben ohne Internet? Für viele nicht vorstellbar. Autorin Ute Holst aber rät, nicht selbst ins Netz zu gehen …

von Ute Holst

Viele Menschen können sich ein Leben ohne Internet gar nicht mehr vorstellen. Es gehört zu ihrem Alltag einfach dazu. Die Vielfalt der dort angebotenen Informationen ist unvorstellbar groß. So gibt es z. B. Rat und Hilfe bei medizinischen Fragen, zu Kunst und Kultur, zu Kontakt mit den Behörden und deren Öffnungszeiten. Auch Haushaltstipps, Koch- und Backrezepte oder Preisvergleiche für die unterschiedlichsten Produkte werden angeboten. Online-Banking ist selbstverständlich auch möglich.

Die Auswahl an Reisezielen ist unbegrenzt. Details zu Hotels oder anderen Unterkünften, Möglichkeiten der Anreise und die voraussichtlichen Klimabedingungen zum Zeitpunkt der Reise können im Voraus recherchiert werden. Auch Mietwagen oder Ausflüge können schon vor Reiseantritt gebucht werden. Ferienhäuser oder Ferienwohnungen sind ebenfalls im Angebot. Doch hier lauert Gefahr. Nicht selten sind die angebotenen Immobilien gar nicht im Besitz der Person, die das Inserat aufgegeben hat. Die vermeintlichen Vermieter können aber nicht ausfindig gemacht werden, weil die entsprechenden Internetseiten in der Zwischenzeit gelöscht worden sind. Auch bei Einkäufen, bei denen Vorkasse verlangt wird, ist Vorsicht geboten. In vielen Fällen warten die Käufer vergebens auf die Lieferung der bestellten Waren. Da die Angebotsseiten meistens sehr gut gefälscht sind, ist der Betrug für den Interessenten bei der Bestellung nicht erkennbar.

Große Online-Händler sichern die kostenlose Rücknahme der Produkte zu, die die Verbraucher aus den verschiedensten Gründen nicht behalten wollen. Gerne bestellen Kunden Produkte in unterschiedlichen Größen oder Farben, weil die Rücksendung ja so schön problemlos ist. Die zurückgeschickten Waren werden in der Regel vernichtet, trotzdem sie nie benutzt oder getragen wurden. Dieses Verhalten erfordert viel Verpackungsmaterial und oft lange Transportwege. Es schafft zwar Arbeitsplätze bei den Versandhändlern und den Zustellern, aber die Belastung für die Umwelt durch die Abgase der Lieferfahrzeuge ist nicht unerheblich. Außerdem gehen dadurch Arbeitsplätze in den Einzelhandels-geschäften verloren. Es hat sich auch herausgestellt, dass die angegebenen Bewertungen (Anzahl der Sterne) nicht den wahren Beurteilungen entsprechen, sondern gegen Bezahlung vergeben wurden.

Suchmaschinen stellen eine große Hilfe für Schüler, Lehrer und Studenten dar, die sie für ihre tägliche Arbeit nutzen. Aber mit Hilfe der Maschinen ist es auch gelungen Menschen zu überführen, die fremdes geistiges Eigentum als ihr eigenes ausgegeben haben. Das hat nicht selten zu Konsequenzen in deren Arbeitsleben geführt.

Die Medien bieten uns immer wieder an, im Internet auch weitere Informationen zu ihrer Berichterstattung zu nutzen. Mehrmals am Tag hören wir den Hinweis: „Weitere Details zu diesem Thema finden sie auf unserer Homepage. Klicken sie einfach mal rein.“ Diese Aufforderung mag gut gemeint sein, aber sie entpuppt sich häufig als „Zeiträuber“. So wird man ständig auf neue Seiten aufmerksam gemacht, die man dringend besuchen sollte. Folgt man dieser Einladung, vergeht die Zeit ohne etwas wirklich Wichtiges erfahren oder gemacht zu haben.

Ist es tatsächlich notwendig zu wissen welcher Promi frisch verliebt ist oder wer sich gerade von wem getrennt hat?

Ist es nicht sinnvoller sich um die Menschen im persönlichen Umfeld zu kümmern?

Kürzlich gab es zwei Reportagen im Fernsehen, die sich mit Partnersuche im Internet beschäftigt haben.

An Bahnhöfen oder Litfaßsäulen sehen wir häufig die Werbung mit dem Versprechen, dass sich alle paar Minuten ein Mensch auf einer dieser Online-Plattformen verliebt. Eine Reporterin hat als Mitarbeiterin in einer dieser Partnervermittlungen gearbeitet und darüber berichtet. Es war erschreckend zu erfahren, wie mit der Einsamkeit und den Sehnsüchten der Menschen Geschäfte gemacht werden. Zu Beginn der Zusammenarbeit wird für jeden Interessenten ein umfassendes Profil angelegt. Dieses wird mit jedem Kontakt weitergeführt. Damit ist sichergestellt, dass jeder Mitarbeiter, der zufällig mit dem erwartungsvollen Interessenten in Kontakt kommt, immer auf dem neuesten Stand ist. So werden z.B. Details zu früheren Chats nachgefragt und Schmeicheleien bis hin zu Liebeserklärungen verfasst. Persönliche Treffen werden in Aussicht gestellt und unter fadenscheinigen Gründen kurzfristig wieder abgesagt. Der Kunde wird immer wieder vertröstet und mit leeren Versprechungen bei der Stange gehalten. Droht er mit Kündigung schaltet sich der Vorgesetzte des Mitarbeiters ein und setzt diesen unter Druck, um die Beendigung des Vertragsverhältnisses abzuwenden. Und die Abonnenten zahlen weiterhin, ohne den ersehnten Partner jemals zu treffen. Der Bitte um eine Stellungnahme des Agenturinhabers zu diesem Bericht wurde nicht entsprochen. An seiner Stelle, erschien ein Rechtsanwalt und eine Polizeistreife stand in Sichtweite.

Dann gibt es auch noch die Dating-Portale, in denen sich vorwiegend Männer mit den Fotos und Daten fremder Menschen vorstellen. Oft geben sie vor, Akademiker zu sein und haben ihren Wohnsitz im Ausland, was die Überprüfung ihrer Angaben erschwert. Schnell sind sie mit Versprechungen und Liebeserklärungen zur Hand. Zugesagte Treffen werden unter fadenscheinigen Vorwänden immer wieder verschoben. Die Männer verstehen es sehr gut, die angeblich so heiß geliebten Frauen fortwährend zu vertrösten. Dann geben sie an, plötzlich unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten geraten zu sein und bitten die Auserwählte um Hilfe. Viele Frauen sind empfänglich für solche Geschichten. Aus Furcht den Mann zu verlieren, geben sie ihr anfängliches Misstrauen auf und erklären sich zur Zahlung bereit, um ihr Glück nicht aufs Spiel zu setzen. Der angebliche Partner ist jedoch nicht in der Lage das Geld selbst abzuholen und schickt einen Boten, oft einen angeblichen Diplomaten. Ist das Geld übergeben, wird der Kontakt von Seiten des Mannes sofort abgebrochen. Auf diese Weise haben schon viele Frauen größere Summen verloren. Die Enttäuschung und die Scham auf einen Betrüger herein gefallen zu sein ist groß. Die Polizei ist in der Regel machtlos, weil die Täter meistens im Ausland sitzen und ihre wahre Identität nicht zu ermitteln ist.

Es sollte aber auch erwähnt werden, dass das Internet auch große Vorteile hat. So können Kontakte auch über große Distanzen und sogar über Ländergrenzen hinweg gepflegt werden. Seeleute, die viele Monate auf den Weltmeeren unterwegs sind, haben so die Möglichkeit mit ihren Familien zu telefonieren. Partner oder Familienangehörige, die in entfernten Gegenden leben, können sich per Skype austauschen. Urlaubsfotos ersetzen heute die Ansichtskarten aus früheren Zeiten. Sogar die heimische Tageszeitung kann an jedem Ort der Welt gelesen werden. Es ist leicht soziale Kontakte zu pflegen, wenn persönliche Treffen nicht möglich sind.

So bietet das Internet gleichermaßen Chancen und Gefahren. Jeder Mensch sollte gründlich prüfen was für sie / für ihn gut und wichtig ist und welche persönlichen Daten auf keinen Fall ins Netz gehören.

 

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