Jutta Koether und Karimah Ashadu mit Lichtwark-Preis geehrt

„Richtungsweisend für die bildende Kunst“

Cowboy, 2022, Installationsansicht, „The Miraculous Arms“, kuratiert von Martha Kirszenbaum. François Ghebaly, Los Angeles (Foto: Paul Salveson)

Am 9. Dezember ehrte Hamburg mit dem Lichtwark-Preis zwei Künstlerinnen, deren Werk uns das Gestern radikal befragen und dem Heute neue, kraftvolle Bilder schenken lässt. Von feministischer Malereireflexion bis hin zu intimer, globaler Filmarbeit – dieses Ereignis in der Kunsthalle war ein energiereiches Signal für die Gegenwartskunst, die uns den Kopf verdreht.

Hamburg hat eine neue, kraftvolle kulturelle Wegmarke gesetzt. Am vergangenen Dienstag schlug das kulturelle Herz der Hansestadt höher, als Senator Dr. Carsten Brosda in der Hamburger Kunsthalle zur feierlichen Verleihung des Lichtwark-Preises lud. Die Atmosphäre im Werner-Otto-Saal war geprägt von der tiefen Wertschätzung für zwei Künstlerinnen, deren Werk die internationale Kunstszene prägt.

Mit Jutta Koether erhielt eine der einflussreichsten Stimmen der Gegenwartskunst die Hauptauszeichnung. Für ihr Lebenswerk, das die Szene seit den 1980ern in Aufruhr versetzt, ist der mit 10.000 Euro dotierte Preis eine längst überfällige nationale Anerkennung. Wie Anna Nowak, Künstlerische Leiterin des Kunsthauses Hamburg, in ihrer Laudatio betonte, hat Koether, die lange an der HFBK lehrte, das Verständnis von Malerei nicht nur erweitert, sondern quasi neu verhandelt.

Ihre Markenzeichen? Ein konzeptueller, oft symbolischer Einsatz der Farbe Rot, enorme Dynamik und eine schonungslose Befragung der Kunstgeschichte, um ihre „blinden Flecken“ aufzudecken. Wo Koether malt, wird Geschichte nicht nur erinnert, sondern im Lichte der Gegenwart neu interpretiert. Das ist radikal, das ist vielschichtig, und das war bei der Verleihung am Dienstagabend absolut spürbar und begeisternd!

Die Förderung der Zukunft ist dem Lichtwark-Preis, benannt nach dem visionären Gründungsdirektor der Kunsthalle, Alfred Lichtwark, ebenso wichtig. Und hier glänzte Karimah Ashadu. Die Londoner Künstlerin, die zwischen Hamburg und Lagos arbeitet, nahm den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis entgegen – eine Wahl, die auf eine singuläre, international gefeierte Position verweist.

Wie Milan Ther, Direktor des Kunstvereins Hamburg, ausführte, ist Ashadu eine Entdeckerin neuer, erzählerischer und visueller Räume. Mit ihren multimedialen Arbeiten, oft basierend auf eigens entwickelten Kameratechniken, gelingt ihr das Kunststück, dokumentarische Präzision mit poetischer Bildsprache zu verschmelzen. Sie taucht ein in die sozialen Topografien von Orten – insbesondere in Nigeria – und kreiert aus intimen Porträts von Männern komplexe soziale Strukturen. Ob es um die Performativität von Männlichkeit, das post-koloniale Erbe oder den Begriff der Selbstbestimmung geht: Ashadus Blick ist analytisch, prägnant und stets poetisch.

Die Auszeichnung, nur kurz nach ihrem Silbernen Löwen auf der Venedig-Biennale, ist eine Bestätigung: Ashadu bereichert Hamburgs kulturelles Leben maßgeblich und positioniert sich als eine der prägnantesten Stimmen einer neuen Künstler*innengeneration.

Die Verleihung am vergangenen Dienstag war ein starkes Bekenntnis des Senats zu jener Kunst, deren Werke sich durch besondere Innovationskraft auszeichnen. Wie Senator Dr. Carsten Brosda treffend zusammenfasste, würdigte Hamburg mit Koether und Ashadu zwei Künstlerinnen, die im besten Sinne des Preises „richtungsweisend für die bildende Kunst sind“.

Ob es nun Koethers radikale feministische Reflexion ist oder Ashadus tiefgründige Verbindung von individueller Lebensrealität und globalen gesellschaftlichen Strukturen: An diesem Abend wurde in Hamburg einmal mehr bewiesen, dass Kunst keine Dekoration, sondern ein dringender, notwendiger Dialog ist. Ein Dialog, der uns alle reicher macht und der in den Werken dieser beiden Preisträgerinnen seinen kraftvollen Ausdruck findet.

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