Dresdener Symposium zum Thema »Damit Bilder bleiben!"

Verstaubte Schätze oder kollektives Vergessen?

Foto: Rudi Meisel / Freelens

Was bleibt eigentlich von einem Leben, das in Bildern gelebt wurde? In Zeiten, in denen tagtäglich Millionen Schnappschüsse ungefiltert in digitalen Clouds verschwinden, verliert das einzelne Bild oft an Wert.

Dabei erzäühlt die echte, dokumentarische Fotografie Geschichten, die unsere Gesellschaft prägen und verbinden. Sie transportiert Nuancen und bringt Tiefe in unser Verständnis für die Komplexität der Welt. Doch genau dieses visuelle Gedächtnis steht vor einem stillen Kollaps. Wenn Fotograf*innen sterben oder ihre Arbeit beenden, droht ihrem Lebenswerk nicht selten das Vergessen.

Fotografische Vor- und Nachlässe lagern oft unsachgemäß, sind weder systematisch geordnet noch mit ausreichenden Metadaten versehen. Das Problem betrifft nicht nur die Kunstwelt, sondern uns alle: Es betrifft historische Dokumente, soziale Reportagen und das visuelle Erbe ganzer Generationen. Erb*innen und Nachlassverwalter*innen stehen meist vor überbordenden Archiven – ohne das nötige Fachwissen, ohne finanzielle Mittel oder eine klare Orientierung. Aus dem Keller direkt in den Container? Das darf nicht passieren.

Wie lässt sich dieses kulturelle Desaster verhindern? Eine Antwort darauf sucht ein hochkarätig besetztes Symposium, das die drängenden Fragen rund um das fotografische Erbe ins Rampenlicht rückt. Unter dem Titel „Damit Bilder bleiben! Das fotografische Archiv als visuelles Gedächtnis“ diskutieren Fachleute praxisnah, wie nachhaltige Archivstrukturen entstehen können.

Es geht um einen interdisziplinären Austausch zwischen Fotograf*innen, Archivar*innen und Kurator*innen. Die Kernfragen sind so simpel wie monumental: Wie können Kunstschaffende schon zu Lebzeiten eine Struktur aufbauen, die ihr Werk überdauert? Welche Verantwortung tragen öffentliche Institutionen, und wie lässt sich die familiäre Nachlasspflege sinnvoll unterstützen?

Das Programm verspricht tiefbrennende Einblicke. Dr. Jens Bove und Dr. Agnes Matthias von der Deutschen Fotothek berichten plastisch vom Weg „Aus dem Umzugskarton auf die Website“. Wie emotional und herausfordernd die Arbeit im privaten Raum ist, zeigen Frieda und Lily von Wild anhand ihrer Erfahrungen mit dem Nachlass der legendären Sibylle Bergemann. Zudem stellen Reinhard Krause und Reimar Ott ihre konkrete Arbeit mit dem Archiv von Wolfgang Prüssner vor – ein echtes Best-Practice-Beispiel für das Sichten, Sichern und Sichtbarmachen.

Auch wenn die Veranstaltung in Dresden stattfindet, schlägt das Herz dieser Initiative im Norden, genauer gesagt in Hamburg. FREELENS, der heute größte Berufsverband professioneller Fotograf*innen und Fotojournalist*innen in Deutschland mit rund 2.100 Mitgliedern, hat seinen Sitz in der Elbmetropole. Seit drei Jahrzehnten kämpft der Verband für die Rechte, kreativen Freiräume und die Wertschätzung des Mediums Fotografie.

Gerade für die lebendige Kulturszene in Hamburg ist das Thema von brennender Relevanz. Auch im Hamburger Süden schlummert in Kellern, Ateliers und privaten Sammlungen ein immenser Schatz an dokumentarischer und künstlerischer Fotografie, der die Stadtgeschichte und den Strukturwandel der Region spiegelt. Das Symposium liefert die theoretischen und praktischen Werkzeuge, die auch für lokale Initiativen, Stadtteilarchive und Hamburger Künstler*innen überlebenswichtig sind, um das eigene Schaffen langfristig sichtbar zu halten.

Symposium: »Damit Bilder bleiben! Das fotografische Archiv als visuelles Gedächtnis«

Fr., , 19. Juni, 14 Uhr | Deutsche Fotothek – SLUB Dresden | Zellescher Weg 18 | 01069 Dresden

Der Eintritt ist frei. Veranstalter: FREELENS e.V. in Kooperation mit der Deutschen Fotothek

Weitere Informationen: www.freelens.com und www.deutschefotothek.de


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