Kultursenator Dr. Carsten Brosda verleiht Hamburger Literaturpreise 2024

„Fragen, die wir vielleicht nie gestellt hätten“

Die Verleihung der Literaturpreise 2024 im Literaturhaus (Foto: Thomas Panzau / BKM)

Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger der Hamburger Literaturpreise haben jetzt die Auszeichnungen im Literaturhaus von Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda erhalten.

Als Buch des Jahres kürte eine unabhängige Fachjury die Novelle „Ich kann dich noch sehen (an diesen Tagen)“ der Autorin Simoné Goldschmidt-Lechner, erschienen bei Matthes & Seitz. Der Sachbuchpreis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS ging an die Historikerin Ruth Hoffmann für ihr Werk „Das deutsche Alibi. Mythos ‚Stauffenberg Attentat‘ – wie der 20. Juli 1944 verklärt und politisch instrumentalisiert wird“, erschienen bei Goldmann. Neben den Auszeichnungen als Buch sowie Sachbuch des Jahres wurden Preise in den Kategorien Roman, Erzählung, Lyrik/Drama/Experimentelles, Kinder- und Jugendbuch, Comic sowie für literarische Übersetzungen an Hamburger Autorinnen und Autoren sowie Übersetzerinnen und Übersetzer vergeben. Die Hamburger Literaturpreise umfassen eine Gesamtsumme von 84.000 Euro. Die Preise für Literatur sind jeweils mit 8.000 Euro dotiert, die Übersetzungspreise mit 4.000 Euro. In diesem Jahr hatten sich 276 Schreibende am Wettbewerb beteiligt.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit den Hamburger Literaturpreisen feiern wir das vielfältige literarische Schaffen in unserer Stadt. Auch in diesem Jahr zeigen die ausgezeichneten Texte, was Literatur kann: So unterschiedlich sie sind, zeigen uns alle Arbeiten neue Perspektiven und geben uns Antworten auf Fragen, die wir vielleicht nie gestellt hätten. Simoné Goldschmidt-Lechners als ‚Buch des Jahres‘ ausgezeichnete Novelle reflektiert in Deutschland herrschende Machtstrukturen und erzählt dabei die Geschichte einer Selbstermächtigung, die Hoffnung macht. Dabei ist das Buch ebenso aktuell wie literarisch, weil es ihr gelingt, Politik in Poesie zu verwandeln. Ruth Hoffmann analysiert in ihrem ‚Sachbuch des Jahres‘ präzise, wie der 20. Juli 1944 die deutsche Nachkriegszeit bestimmt hat und bis in die 1970er Jahre das deutsche Selbstbild prägte. Sie hält bundesdeutscher Verklärung, politischer Instrumentalisierung und rechtsextremen Verdrehungen nüchtern die Fakten entgegen und leistet damit einen starken Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur. Die beiden Auszeichnungen und die Preise in allen anderen Kategorien sind hochverdient und ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich.“

Die mit je 8.000 Euro dotierten Hamburger Literaturpreise erhielten in der Kategorie:

  • Buch des Jahres: Simoné Goldschmidt-Lechner für „Ich kann dich noch sehen (an diesen Tagen)“ (Matthes & Seitz)
  • Sachbuchpreis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS: Ruth Hoffmann für „Das deutsche Alibi. Mythos ‚Stauffenberg Attentat‘ – wie der 20. Juli 1944 verklärt und politisch instrumentalisiert wird“ (Goldmann)
  • Roman: Magdalena Saiger für „Traudel“ und Markus Schneider für „Du & ich & Martinez/Scheffel“
  • Erzählung: Anna Bytom für „Einsamkeit“ und Lara M. Gahlow für „Vorwiegend festkochend“
  • Lyrik, Drama, Experimentelles: Carsten Brandau für „2 (theater)“ (Drama)
  • Kinder- und Jugendbuch: Silas Matthes für „Kein Netz“
  • Comic: Eva Müller für „Anna“

Die mit jeweils 4.000 Euro dotierten Preise für literarische Übersetzungen gingen an:

  • Cornelius Hartz: „Oben in den Wäldern“ / „North Woods“ von Daniel Mason aus dem amerikanischen Englisch (C. H. Beck)
  • Jonis Hartmann: „Haiku“ von Richard Wright aus dem amerikanischen Englisch (Matthes & Seitz)
  • Markus Lemke: „Aus dem Nichts kommt die Flut“ von Uri Jitzchak Katz aus dem Hebräischen (Hoffmann und Campe)

Die unabhängige Jury hat 235 anonymisierte Bewerbungen für Literatur, 28 Comic-Projekte sowie 13 literarische Übersetzungen geprüft. In diesem Jahr waren die Buchbloggerin Tuana Atay (tuanas.books), die Lektorin Jasmin Camenzind (Arche Verlag), der Autor Anselm Neft (Preisträger 2023), der Buchhändler Frank Menden (stories!) und die Literaturübersetzerin Henrike Schmidt (Preisträgerin des Jahres 2023) als Jury tätig.

 

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