fördert den interkulturellen Austausch

Hamburgs Programm der Vielstimmigkeit

Das KRASS Festival auf Kampnagel (Foto: Nada Zgank)

Hamburg ist keine Monokultur, sondern vielmehr ein Remix, ein fortlaufendes Gespräch zwischen Kontinenten, Traditionen und mutigen Neuentwürfen. Dass dieses Gespräch nicht im privaten Raum verhallt, sondern auf die großen und kleinen Bühnen der Stadt drängt, ist auch eine Frage der politischen Prioritäten.

Für das Jahr 2026 setzt die Behörde für Kultur und Medien wieder ein deutliches Zeichen: Mit über 500.000 Euro wird der interkulturelle Austausch gefördert. Es geht um Sichtbarkeit, um das Aufbrechen von Stereotypen und um die Unterstützung von Teams, die mit unterschiedlichen Hintergründen das kulturelle Herz der Stadt zum Schlagen bringen.

Kultursenator Carsten Brosda bringt es auf den Punkt: In diesem Jahr werden künstlerisch Geschichten erzählt, die ansonsten im Verborgenen blieben. Dabei reicht das Spektrum von den Köch*innen in unseren Restaurants über queere Tänzer*innen aus dem Iran bis hin zu afghanischen Musiker*innen. Es ist ein Bekenntnis zu einer diversen Gesellschaft, die ihre Kraft aus der Vielfalt ihrer Perspektiven zieht.

Strukturell wird dieses Engagement durch das Interkulturelle Forum untermauert, das seit Beginn 2026 unter der Koordination der erfahrenen Kulturproduzentin Elena Leskova steht. Sie wird für mindestens zwei Jahre die Vernetzung der interkulturellen Szene vorantreiben und ein Mentoring Programm für Künstler*innen mit Migrationshintergrund etablieren. Hier wird Professionalisierung großgeschrieben, damit Kreativität nicht an bürokratischen Hürden scheitert.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Projektförderung, für die eine Fachjury, bestehend aus Melisa Bel Adasme, Sam Schulz und Adnan Softić, insgesamt 100.000 Euro an 13 wegweisende Projekte vergeben hat. Eines dieser Vorhaben ist der Animationsfilm Küchenklänge von Zeynep Sıla Demircioğlu, der mit 10.000 Euro unterstützt wird und den oft überhörten Rhythmus und die Biografien in den Gastronomiebetrieben der Stadt einfängt. Ebenfalls mit 10.000 Euro gefördert wird das Musikfestival Hastam – Just because I am! der Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg, ein kraftvolles Statement für Selbstbehauptung und musikalische Freiheit südlich der Elbe.

Für den Bezirk Harburg und die angrenzenden südlichen Stadtteile gibt es besonders spannende Nachrichten. Der Afrikanische Frühling 2026, organisiert von Terra Africa e.V., wird mit 6.000 Euro gefördert. Dieser Verein ist ein fester Anker in der Harburger Kulturlandschaft und schafft es immer wieder, globale Diskurse und afrikanische Kunst direkt in den Bezirk zu bringen, um dort neue Begegnungsräume zu öffnen. Auch der Black History Month Hamburg 2026, der mit der höchsten Einzelsumme von 15.000 Euro bedacht wird, weist traditionell starke Berührungen mit Harburg auf. Durch dezentrale Veranstaltungen und Kooperationen sorgt die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland dafür, dass afrodiasporische Geschichte und Gegenwart auch im Hamburger Süden eine Bühne finden, die weit über den Elbtunnel hinaus strahlt.

In der Hamburger Innenstadt und im Schanzenviertel setzt M.Bassy mit der Ausstellung A Brownie Hawkeye von Gwendolyn Phillips Akzente. Die mit 8.000 Euro geförderte Schau nutzt die Ästhetik alter Kameras, um neue Blicke auf die Community zu werfen. Yolanda Gutierrez wiederum erhält 9.000 Euro für ihren Soundwalk BISMARCK-DEKOLONIAL reloaded, eine performative Auseinandersetzung mit den kolonialen Spuren im Stadtbild. Weitere Förderungen fließen in Projekte wie die Tanzperformance Silence Movement von Parichehr Bijani (6.500 Euro), die Film-Workshops Archives of Identity von Razi Uddin (5.850 Euro) oder das Symposium Art meets Technik von fluxus2 (5.000 Euro). Auch das Theaterstück Le monde est fou! von Isabelle McEwen (6.000 Euro), das Kiosk Festival NOGOODS von Danja Burchard (7.000 Euro), das Nachbarschaftsprojekt Schutzmantel von Razan Al-Sabbagh in Kooperation mit dem Goldbekhaus (6.000 Euro) sowie das Tanzprojekt Sangam: India Beyond Stereotypes von Akshatha Ramesh (5.650 Euro) bereichern das Programm.

Ergänzt wird diese Projektvielfalt durch die Festivalförderung aus der Kultur- und Tourismustaxe, die insgesamt 455.000 Euro umfasst. Hier wurden die Mittel teilweise deutlich aufgestockt. Das Festival fluctoplasma – 96 Stunden Kunst. Diversität. Diskurs. erhält nun 100.000 Euro, was einer Steigerung um 40.000 Euro entspricht. Das MUT! Theater darf sich für sein deutsch-türkisches Theaterbrücken-Festival über eine Erhöhung auf 20.000 Euro freuen. Große Institutionen wie das KRASS Kultur Crash Festival (150.000 Euro), die Altonale/STAMP (115.000 Euro) und das Programm in:szene der W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik (70.000 Euro) bleiben unverzichtbare Säulen einer Stadt, die verstanden hat, dass Kulturpolitik immer auch Gesellschaftspolitik ist.

Hamburg zeigt sich also auch 2026 neugierig, beweglich und bereit, den Vorhang für all jene zu öffnen, die unsere Stadt so unverwechselbar machen.

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