Hamburg hat gefeiert – und zwar dort, wo die Kultur ihre tiefsten Wurzeln schlägt: in den Stadtteilen. In der Halle 424 im Oberhafen wurde am 27. April der Hamburger Stadtteilkulturpreis 2026 verliehen.
Es war ein Abend voller Emotionen, moderiert von der Slampoetin Mona Harry, bei dem eines klar wurde: Stadtteilkultur ist kein nettes Beiwerk, sondern das Rückgrat unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis ging in diesem Jahr nach Jenfeld an das Projekt „Wie wollen wir erinnern?“ vom Salon International. Das Team rund um den sogenannten Tansania-Park hat etwas geschafft, das oft schwierig ist: Sie haben die schwere Kost der Kolonialgeschichte direkt in die Nachbarschaft geholt.
Das Projekt ist ein offener Dialograum. Hier treffen Künstler*innen auf Expert*innen und Anwohner*innen, um gemeinsam zu verhandeln, wie wir heute mit Denkmälern und Geschichte umgehen. Die Jury war begeistert von der „vieltenstimmigen“ Herangehensweise, die auch die Schwarze Community aktiv einbindet. Erinnerung wird hier nicht von oben verordnet, sondern im Alltag erfahrbar gemacht. Kultursenator Dr. Carsten Brosda brachte es auf den Punkt: Solche Projekte öffnen Räume für Dialog, die wir in Zeiten sich verhärtender Debatten dringender denn je brauchen.
Auch das Publikum durfte mitmischen. Über 57 Projekte waren eingereicht worden, zehn schafften es ins Finale. Der mit 2.000 Euro dotierte Publikumspreis ging schließlich an die „Voices of Bahrenfeld“.
Rund 500 Schüler*innen der Esther-Bejarano-Schule haben ihren Stadtteil in einem Audio-Walk neu erzählt. Es ist ein Projekt der Kulturagent:innen Hamburg, das zeigt, wie viel Kraft darin liegt, wenn die junge Generation ihre eigene Perspektive auf die Stadtgeschichte hörbar macht. Wer diesen Audio-Walk hört, begreift Bahrenfeld durch die Augen derer, die dort aufwachsen – authentisch, innovativ und absolut preiswürdig.
Dass der Preis von Schwergewichten wie der Hamburgischen Kulturstiftung, der Gabriele Fink Stiftung und der Patriotischen Gesellschaft getragen wird, unterstreicht die Relevanz. Stadtteilkultur bringt die Kunst dorthin, wo die Menschen leben. Sie ist nahbar, sie ist relevant und sie ist der Ausdruck einer vielfältigen Stadtgesellschaft.
Herzlichen Glückwunsch an Jenfeld und Bahrenfeld – und an alle zehn Finalist*innen, die Hamburg ein Stück weit bunter und reflektierter machen.
Tiefgang statt Bezahlschranke: Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert? Mit einer Spende via PayPal hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten.

