
Es gibt Orte, die aus der Zeit gefallen scheinen – leere Fabriken, verlassene Korridore und brachliegende Erinnerungen, in denen die Gegenwart für einen Moment den Atem anhält.
Die Faszination für solche „Lost Places“ bricht sich seit Jahren Bahn, und nachdem das Archäologische Museum in Harburg das Thema einst groß inszeniert hat, zieht nun der Kiez nach: Der umtriebige Verein „Alles wird schön“ in Hamburg-Heimfeld widmet sich ab dem 12. September 2026 genau dieser Ästhetik des Verlassenen. Unter dem Titel „Lost Places – Places Lost and Found“ laden Christian Baudy und Inge Förtsch zu einer Entdeckungsreise ein, die weit über den bloßen optischen Reiz des Morbiden hinausgeht.
Der Autor und experimentelle Maler Christian Baudy nähert sich den verlorenen Räumen auf ganz eigene, feinsinnige Weise. In seinen Arbeiten verschmelzen akribische Mini-Installationen mit Bildkompositionen, in denen Malerei und poetische Textfragmente – mal auf Deutsch, mal auf Englisch – eine spannungsreiche Symbiose eingehen. Baudy spielt visuell und intellektuell mit Schichten aus Mythologie, inneren Seelenlandschaften und aktuellen äußeren Szenarien. Seine Werke wirken wie poetische Chiffren für das, was einst war und im Verborgenen weiterwirkt.
Ganz haptisch und gesellschaftlich nähert sich hingegen die Künstlerin und Kunstpädagogin Inge Förtsch dem Phänomen. Sie erforscht die „Lost Places des Alltags“ und gießt das Thema in ein interaktives Gesellschaftsspiel. Im Zentrum steht dabei ein selbst gestaltbares „In-Character-Tagebuch“, das Besucherinnen und Besucher vor Ort nicht nur ausprobieren, sondern direkt erwerben können. Förtsch stellt Fragen nach dem Unerreichbaren, Unerfüllten und Unersetzbaren, die uns im Alltag unsichtbar begleiten.
Ein Raum für kollektive Erinnerung
Das Besondere an dieser Ausstellung im Herzen Heimfelds ist jedoch ihr offener, partizipativer Charakter: Die Galerie fungiert nicht als hermetischer White Cube, sondern lädt das Publikum ein, selbst Teil der Schau zu werden. Wer mag, steuert eigene, thematisch passende Werke bei – seien es frühere Comic-Zeichnungen, Malereien, Fotografien oder persönliche Texte. So entsteht ein kollektives Mosaik der verlorenen Orte.
Ein Besuch in der Friedrich-Naumann-Straße verspricht somit keine nostalgische Grabesruhe, sondern einen lebendigen Dialog über das, was bleibt, wenn das Leben weiterzieht.
Ausstellung: Lost Places – Places Lost and Found
Galerie Alles wird schön e.V. in Hamburg-Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 27, 21075 Hamburg
Vernissage am Samstag, 12. September 2026, ab 16 Uhr
Ausstellung vom 13. bis 16. September 2026, (Eintritt frei, bedingt barrierefrei)
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