500.000 Euro des Elbkulturfonds für sechs Projekte der Freien Szene

Frisches Geld für Visionen!

M.Bassy - KI-Bildmontage mit bearbeitetem Wikimedia-Commons-Material, Nationaal Archief CC BY-SA 3.0 NL)

Die Behörde für Kultur und Medien hat die Förderentscheidungen für den Elbkulturfonds 2027 bekanntgegeben. Insgesamt 500.000 Euro fließen in sechs herausragende Vorhaben der Freien Szene, die zeigen, wie lebendig, wandlungsfähig und mutig die Kunst in unserer Stadt pulsiert.

Der Elbkulturfonds wurde 2013 ins Leben gerufen, um freischaffenden Künstler*innen den nötigen Rückenwind für großformatige, spartenübergreifende Ideen zu geben.

Die Auswahl der Jury ist stark, gesellschaftlich am Puls der Zeit und voller energetischer Klang- und Erlebensräume:

  • „Unity in Diversity: A Pan-African Dialogue Across Time“ (M.Bassy e. V.): Mit 110.000 Euro gefördert. Ein gewaltiges Musiktheaterprojekt, das historische Reden panafrikanischer Vordenker*innen durch internationale Acts wie Dead Prez, Sammus und Somi in einen vibrierenden Dialog aus Konzert, Performance und Installation übersetzt.
  • „Educate The Scene“ (Gifty Lartey): Erhält 105.000 Euro. Ein achtmonatiges, barrierefreies Tanz- und Bildungsprogramm in der Villa Viva, das die politischen Wurzeln Schwarzer Tanzkulturen wie House, Voguing, Afrofusion und Dancehall feiert.
  • „Ecotron“ (Claudius Schulze): Erhält 90.000 Euro. Eine Hafenschute wird zum begehbaren, computergesteuerten Gewächshaus, das Starkregen und Hitzewellen simuliert – ein drängendes, kühnes Experiment an der Schnittstelle von Natur und Stadt.
  • „Der Hamburger Friedensgipfel – eine performative Friedensforschung“ (Fundus Theater): Gefördert mit 79.850 Euro. Kinder erarbeiten gemeinsam mit Wissenschaftler*innen ihre Visionen von Frieden und tragen diese in einer bunten Kinderfriedensparade durch Hamburg.
  • „Blumen für Otello“ (Ensemble Resonanz): Erhält 65.000 Euro. Auf Kampnagel verschmelzen traditionelle türkische Trauerlieder (Ağıt) mit zeitgenössischer Musik zu einem tief berührenden Konzertprojekt im Gedenken an das NSU-Opfer Süleyman Taşköprü.
  • „A WORLD OF VAST EMPTY SPACES“ (Daniel Dominguez Teruel): Mit 50.150 Euro gefördert. Eine klangstarke Performance-Installation im Kuppelsaal der Hamburger Kunsthalle, die das Publikum in eine vielstimmige Reflexion über Rituale und kollektive Identität einhüllt.

Ein Blick auf die Landkarte der Hamburger Kulturförderung regt jedoch auch zum Nachdenken an: Wer die Historie des Fonds durchgeht, entdeckt schnell, dass aus dem Bezirk Harburg es bisher erst ein einziges Projekt in die Elbkulturfonds-Förderung schaffte – 2015 ein avantgardistisches Kammermusikprojekt im Speicher am Kaufhauskanal. Das liegt aber offenbar weniger an den Jury-Entscheidungen als vielmehr an den Bewerbungen, die aus dem Süden gar nicht erst eingereicht werden. Kann Harburg Elbkultur nicht?

Dabei zeigt der Jahrgang 2027 eindrucksvoll, welch transformative Kraft im Zusammenspiel aus Musik, Performance und gesellschaftlichem Diskurs steckt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie diese sechs neuen Welten Hamburg verändern werden – und wie künftig noch mehr Impulse aus allen Ecken der Stadt ihren Weg in diese große Bühne finden können.


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