Hamburg feiert 10 Jahre UNESCO-Welterbe Speicherstadt und Kontorhausviertel

Der Backstein tanzt in der Nacht

Lange Nacht des Welterbes rückt die Speicherstadt wieder in ein anderes Licht. (Foto: BKM)

Zum 10. Geburtstag der Speicherstadt und des Kontorhausviertels verwandelt sich am 20. September wieder in eine leuchtende Bühne.

Es gibt Orte, die sind mehr als nur eine Ansammlung von Steinen und Mörtel. Sie sind das steinerne Gedächtnis einer Stadt, ein Spiegel ihrer Geschichte und ihrer Seele. In Hamburg sind das ohne Zweifel die Speicherstadt und das Kontorhausviertel. Am 20. September feiert die Hansestadt ein besonderes Jubiläum: Zehn Jahre, nachdem dieses einzigartige Ensemble aus Backstein in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde, verwandelt sich das Viertel in eine Bühne, die seine Geschichte in einem neuen, strahlenden Licht erzählt.

Die Entscheidung der UNESCO im Juli 2015 war mehr als eine bloße Auszeichnung. Sie war die Anerkennung eines gewaltigen urbanen Transformationsprozesses. Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der Speicherstadt ein Wandel eingeleitet, der Hamburg von einem durchmischten Hafenviertel zu einer modernen Handelsmetropole formte. Das Welterbekomitee würdigte das Ensemble als „hervorragendes Beispiel“ für die Entwicklung von Hafenstädten. Wo einst Waren aus aller Welt lagerten, spürt man noch heute den Geist des globalen Handels.

Dieses Erbe ist jedoch kein starres Denkmal, sondern eine pulsierende Adresse. Und genau das wird bei der „Langen Nacht des Welterbes“ spürbar. Abends, wenn das Tageslicht schwindet, erwachen die historischen Fassaden zu neuem Leben. Die ikonische Backsteinarchitektur wird zur Leinwand, wenn das „Festival of Light“ den Speicherblock P mit künstlerischen Videoprojektionen beleuchtet. Es ist eine faszinierende Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart, aus analoger und digitaler Kunst. Wie schon Senator Dr. Carsten Brosda sagte: „Der Welterbe-Status stellt Hamburgs Speicherstadt und Kontorhausviertel in eine Liga mit weltberühmten Bauwerken wie dem Eiffelturm oder der Alhambra.“

Das Programm lädt dazu ein, dieses Erbe mit allen Sinnen zu erleben. Hier geht es nicht nur um Architekturtheorie, sondern um das Gefühl, das diese Orte hervorrufen. Interessierte können bei abendlichen Führungen die Geschichte hinter den Mauern entdecken. Für die kreative Seele gibt es einen Poetry Slam in der Speicherstadt Kaffeerösterei, der zeigt, wie moderne Kultur in altehrwürdigen Gemäuern einen Platz findet.

Aber das Viertel wäre nichts ohne die Menschen, die es mit Leben füllen. Michael Fußner von HHLA Immobilien beschreibt es treffend: „Sie ist weit mehr als ein Denkmal: ein lebendiges Viertel voller Geschichten, Ideen und Begegnungen.“ Genau diese Lebendigkeit ist es, die die Speicherstadt so besonders macht. Das OPOLUM Escape Game ermöglicht es Besucher*innen, die Geheimnisse des Viertels auf spielerische Weise zu lüften, während die Sprachschule Institute 4 Language Führungen auf Englisch anbietet und die Internationalität des Ortes unterstreicht.

Die „Lange Nacht des Welterbes“ ist nicht nur ein Jubiläum, sondern eine Einladung. Sie fordert uns auf, unsere gebaute Umwelt bewusster wahrzunehmen und zu verstehen, dass Architektur niemals nur ein technischer Akt ist, sondern eine soziale und kulturelle Ausdrucksform. Sie ist ein lebendiges Buch, dessen Kapitel wir täglich weiter schreiben – und an diesem einen besonderen Abend im Jahr feiern wir gemeinsam. Ein Besuch, der lohnt.

Lange Nacht des Welterbes | Samstag, 20. September 2025

Speicherstadt und Kontorhausviertel, Hamburg: Abendliche Führungen, Lichtinstallationen, Musik, Poetry Slam, Escape Game und offene Türen bei verschiedenen Unternehmen und Museen.

Festival of Lights: Vom 18. bis 20. September, jeweils ab 20 Uhr, am Speicherblock P (Neuer Wandrahm 1–4). Das aktuelle Programm wird unter www.welterbenacht.hamburg laufend aktualisiert.

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