Museum am Rothenbaum (MARKK) seziert in seiner neuen Schau „KATZEN!

Die Katze als radikalstes Tier der Kulturgeschichte

Maneki-neko; Puppenmanufaktur Baigetsu Tomimoto-Ningyoen Tokoname, Präfektur Aichi, Japan, 2025; Keramik (Ton), 16 x 11 x 10 cm (Schwarz :1); 23 x 16 x 15 cm (Weiß :2); 13 x 9 x 8 cm (Gelb :3)MARKK Inv Nrn. 2025.15:1-3, Ankauf, 2025

Von der ägyptischen Göttin zur feministischen Waffe: Die Katze ist zurück! Und sie ist nicht nur cute. Das Museum am Rothenbaum (MARKK) seziert in seiner neuen Schau „KATZEN!“ das wohl widersprüchlichste Tier der Menschheit.

Ein Muss für alle, die dachten, Cat Content sei nur Realitätsflucht – hier wird er zur politischen Ästhetik erklärt! Wir können nicht ohne sie, und das wissen wir seit Jahrtausenden: Die Katze. Sie überflutet unsere Feeds, sie regiert das Internet und sie ist – Überraschung! – das Subjekt einer der aufregendsten Ausstellungen des Jahres in Hamburg. Das Museum am Rothenbaum (MARKK) taucht mit „KATZEN!“ tief ein in die jahrtausendealte, irrsinnig spannende Faszination für das Tier, das so viele Rollen spielt wie kein zweites.

Vergessen Sie das niedliche Kätzchen auf der Couch. Diese Ausstellung zeigt: Die Katze ist göttlich, dämonisch, und brandaktuell politisch!

Göttin, Hexe, Aktivist*in: Weiblichkeit und Macht

Die Schau beginnt mit einem Paukenschlag, der quer durch die Kulturgeschichte hallt: Das Beziehungsfeld zwischen Katze, Weiblichkeit und Macht. Im Alten Ägypten wurde die Göttin Bastet als Beschützerin verehrt, in Indien reitet die Fruchtbarkeitsgöttin Sashthi auf einer Schwarzen Katze. Doch derselbe mystische Zauber führte im frühneuzeitlichen Europa zur blutigen Kehrseite: Die Schwarze Katze wurde zum dämonischen Begleiter verfolgter Hexen stilisiert.

Und heute? Die ambivalenten Zuschreibungen wirken bis in den US-Wahlkampf 2024 nach! Die Abwertung der „childless cat lady“ wurde umgehend gekontert: Frauen eigneten sich die Katze kurzerhand als ihr feministisches Symbol an. Eine Selbstermächtigung, die beweist, wie flexibel und politisch aufgeladen dieses Tier ist. Die Katze, so sehen wir im MARKK, ist seit jeher der Spiegel für unser Verhältnis zu Unabhängigkeit und weiblicher Autorität.

Die Ausstellung zieht eine wirklich globale und energische Linie durch die Weltkulturen. In Afrika verkörpern Löwe und Tiger Macht und kriegerische Stärke. In Lateinamerika thront der Jaguar – ein heiliges, schamanisches Wesen, das zwischen den Welten wandelt. Es ist diese unheimliche, geheimnisvolle Fähigkeit, Grenzen zu überbrücken, die die Katze so faszinierend macht.

Doch die Katze war nicht nur spirituell, sie war auch medientechnologisch immer an vorderster Front: Vom ersten Katzen-Kurzfilm des 19. Jahrhunderts über Schrödingers berühmtes Gedankenexperiment bis hin zu KI-generierten Katzendarstellungen ist sie die ultimative Ikone der Moderne.

Apropos Moderne: Das MARKK stellt die wirklich brisante Frage: Warum überflutete ausgerechnet die Katze das Internet? Sind Katzenvideos einfach eine Form von Realitätsflucht, oder steckt dahinter eine neue, ästhetische Praxis mit politischem Potenzial?

Die Antwort: Letzteres! Die Ausstellung zeigt, wie Aktivist*innen Katzeninhalte strategisch nutzen, um in digitalen Räumen Präsenz zu zeigen. Niedlichkeit, die japanische kawaii-Ästhetik, wird hier zur Waffe für Aufmerksamkeit und zur Tarnung für ernste Botschaften. Senator Dr. Carsten Brosda bringt es auf den Punkt: Die Schau erinnert uns daran, dass Kultur beides kann – uns unterhalten und uns herausfordern!

Mit Werken von Carolee Schneemann, Makineko-neko-Figuren und sogar eingesandtem Cat Content aus Hamburger Haushalten ist „KATZEN!“ eine facettenreiche Entdeckungsreise, die die globalen Sammlungen des MARKK mit zeitgenössischer Kunst verbindet.

Wer wissen will, wie ein scheinbar vertrautes Tier über Jahrtausende zu einem Symbol für Mut, Macht und Rebellion werden konnte, muss diese Ausstellung sehen.

KATZEN! Dezember 2025 – 29. November 2026

Museum am Rothenbaum | Kulturen und Künste der Welt
Rothenbaumchaussee 64 | 20148 Hamburg | fon +49 40 42 88 79 – 0
| Die – So: 10-18 Uhr

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