Manchmal mag das Wort „Landschaft“ ein leicht angestaubtes Image haben, eine Reminiszenz an idyllische Postkartenmotive oder altmeisterliche Gemälde. Doch wer am 14. Mai um 17:30 Uhr den Weg in die Galerie1565 in der Harburger Schloßstraße findet, wird eines Besseren belehrt.
Unter dem ebenso schlichten wie aufrichtigen Titel „Wow, Landschaften!“ präsentiert die Galerie eine Begegnung mit sieben Künstlerinnen und Künstlern, die sich auf höchst individuelle Weise mit diesem vermeintlich klassischen Sujet auseinandergesetzt haben – und dabei überraschende, zeitgenössische Perspektiven eröffnen.
Die Ankündigung verspricht keine homogene Schau gefälliger Panoramen, sondern eine vielstimmige Auseinandersetzung mit dem, was Landschaft heute bedeuten kann. Schon die Titel einzelner Werke lassen aufhorchen, und ein Blick auf die beteiligten Künstlerinnen und Künstler verspricht einen spannenden Dialog unterschiedlicher Ansätze:
Birgit Klerch (Hamburg): Sie beobachtet die Lebensräume von Menschen und transformiert diese in eigenständige Bildwelten. In ihrer figurativen und abstrakten Bildsprache spürt sie den Kippmomenten von Schönheit und Schein nach, erzeugt Stimmungsbilder von Sehnsucht, Hoffnung, Einsamkeit und trügerischer Idylle. Ihre Arbeit „Kohlweißlinge“ (Öl auf Leinwand, 2022) mag auf den ersten Blick eine zarte Naturszene evozieren, birgt aber sicherlich tiefere Schichten der Beobachtung.
Gideon Pirx (Hamburg): Seine Malerei vereint expressive Tradition mit zeitgenössischer Bildsprache. Historische Einflüsse und Elemente der Popkultur verschmelzen in seinen Werken, die durch gestische Pinselführung, intensive Farben und oft groteske Figuren charakterisiert sind. Man spürt die Nähe zu expressiven Meistern wie Emil Nolde und Chaim Soutine, doch Pirx findet hier eine ganz eigene, kraftvolle Stimme. Sein Werk „Toter Baum“ (Öl auf Leinwand, 2024) zeugt von dieser expressiven Auseinandersetzung mit der Natur.
Mona Claudine (Lübeck): Ihre Bilder sind von einer poetischen Bildsprache durchzogen, die symbolische und mythologische Elemente integriert. Der „Orangenfuchs“ ist eine zentrale Figur in ihren Arbeiten und steht für Transformation und die Verbindung zwischen Menschen. Claudines Kunst lädt dazu ein, die Welt positiv wahrzunehmen und persönliche Mythen zu entdecken, wobei die Freude an Veränderung stets präsent ist. Ihr Acrylbild „Come to me!“ (2024) verspricht eine ebenso farbenfrohe wie tiefgründige Begegnung.
Peter Coleman (Hamburg): Seit 2015 im Atelier Freistil tätig, zeichnet sich Coleman durch seinen lebendigen Strich aus, mit dem er präzise Charaktere und eben auch Landschaften einfängt. Er reduziert seine Motive oft auf wesentliche Formen, Farben und Linien, wodurch die Landschaft beinahe in ein Design übergeht. Seine Aquarelle und Fineliner-Zeichnungen, wie „Ausflug“ (2023), strahlen zunächst Leichtigkeit aus, gewinnen aber zunehmend an Klarheit und Kraft.
André Kunz (Hamburg): Dieser Hamburger Künstler sammelt Erinnerungen in Form von Berichten, Dokumenten und Fotografien, die ihm als Inspiration für seine schichtweise Malerei mit Acryl und Öl dienen. Seine Werke reflektieren die Frage nach der Beständigkeit vergangener Augenblicke und den innewohnenden Strukturen und Kräften. Kunz betrachtet seine Arbeiten als „Erinnerungslandschaften“, wie sein Werk „Regenbogen“ (Öl auf Leinwand, 2021) andeutet.
Jutta Siebert (Lychen): Die Arbeiten von Jutta Siebert basieren auf Texten, die den Bezug zwischen Mensch und Landschaft thematisieren. Ihre Titel korrespondieren oft mit bekannten Musikstücken oder klassischer Lyrik. Aus der figürlichen Malerei kommend, betrachtet sie Landschaft aus der Perspektive des Menschen, der sie prägt und umgekehrt stark beeinflussen kann. Ihr „Himbeer-Eisberg“ (Acryl auf MDF, 2023) mag auf den ersten Blick überraschen und deutet die ungewohnten Blickwinkel ihrer Arbeit an.
Helmut Philipp (Hamburg): In den detailreichen Bildern des Ruheständlers gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Sein kindlicher Stil und die dennoch präzise Ausführung laden zum Verweilen ein. Philipp philosophiert mittels seiner Bilder über das Leben und experimentiert mit Farben, um neue Effekte zu erzielen. In seinem neuen Bild „Schlafwandler auf dem Eis“ erzeugt er durch die Grundierung mit Gold und Silber und den darüberliegenden Farbschichten eine faszinierende, glitzernde Nachtlandschaft.
So verspricht die kommende Ausstellung in der Galerie1565 mehr als nur eine Präsentation von Landschaftsbildern. Sie ist eine Einladung, das Genre neu zu denken, die vielfältigen künstlerischen Zugänge dieser sieben unterschiedlichen Positionen zu entdecken und vielleicht selbst wieder mit einem überraschten „Wow!“ auf die uns umgebende Welt zu blicken. Ein Besuch ab der Vernissage am 14. Mai könnte sich als eine inspirierende Begegnung mit der zeitgenössischen Auseinandersetzung eines klassischen Themas erweisen. Die Galerie, geöffnet von Dienstag bis Montag, lädt ein, in diese vielfältigen Bildwelten einzutauchen.
Galerie1565
Harburger Schloßstraße 13, 21079 Hamburg
office@galerie1565.de | +49 162 2626 720
Öffnungszeiten: Di – Mo 12:00 – 18:00 | Sa: 12:00 – 16:00
