Siegfried Lenz zum 100. Geburtstag

Elfenbeinturm und Barrikade

Autorenfoto / Siegfried-Lenz-Stiftung

Wenn Hamburg im März zum vierten Mal das Buch aufschlägt, dann gilt die große Aufmerksamkeit einem Mann, der wie kaum ein anderer das literarische Gewissen dieser Stadt verkörpert: Siegfried Lenz.

Zum 100. Geburtstag des Ehrenbürgers heißt es einen Monat lang „Hamburg liest Lenz“ – und das Programm ist so vielseitig und lebendig, wie es sich der Altmeister wohl selbst gewünscht hätte.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda würdigt Lenz nicht nur als Geschichtenerzähler, sondern auch als jemanden, der tief in die deutsche Identität blickte. Es ist diese Mischung aus scharfem Blick und einladender Erzählweise, die uns heute noch packt. Dass dieses Festival in Kooperation mit der Siegfried Lenz Stiftung, dem Literaturhaus und den kreativen Köpfen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) entstanden ist, zeigt, wie tief verwurzelt sein Werk in der hiesigen Kulturlandschaft ist.

Den fulminanten Auftakt feiert Hamburg am 1. März im Rolf-Liebermann-Studio. NDR Kultur lädt zur Matinee, und die Besetzungsliste liest sich wie ein Who-is-Who der deutschen Schauspielriege: Bjarne Mädel, Catrin Striebeck und Stephan Kampwirth werden dort humorvolle Texte von Lenz zum Leben erwecken. Es geht um Töne, Bilder und Musik – eine Hommage, die weit über eine klassische Lesung hinausgeht.

Doch Lenz ist im März 2026 überall. In der Rathausdiele etwa wird am 11. März die Ausstellung „Siehst du es?“ eröffnet, in der Illustrationsstudierende der HAW ihre Graphic Novel zum Leben des Autors präsentieren. Wer es noch etwas politischer mag, sollte sich den 3. März vormerken: In der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) beleuchtet die Ausstellung „Elfenbeinturm und Barrikade“ das spannungsreiche Verhältnis zwischen Politik und Literatur, das Lenz gemeinsam mit seinem Freund Helmut Schmidt so intensiv ausfocht.

Dass Lenz’ Werk keineswegs in den Regalen verstaubt, beweisen Veranstaltungen wie „Lenz ist ein DJ“ am 20. März oder das „Flexible Schmøkern“ im Teehaus am 6. März. Auch literarische Schatzgräber*innen kommen auf ihre Kosten: Am 5. März präsentiert Burghart Klaußner bei Felix Jud Texte aus dem Nachlass unter dem wunderbaren Titel „Am Widerhaken hängt das Glück“.

Es ist diese Begeisterungsfähigkeit für das geschriebene Wort, die durch alle 35 Veranstaltungen weht – von den Stadtrundgängen bis hin zu den Filmvorführungen. Lenz fordert uns heraus, mitzudenken und mitzugestalten. In diesem März haben wir die beste Gelegenheit dazu. Das vollständige Programm ist online unter hamburgliest.de/programm/ zu finden.

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