Museum im Marstall – drinnen und draußen

Zu bestaunen: Medienstationen zu Johannes Brahms, Schäfer Ast und Hugo Haase (Foto: Museum im Marstall)

Die Besucher des Winsener Museums im Marstall dürfen sich doppelt freuen. Nach mehreren Monaten Pause und Umbau eröffnet am 13. Juni auch die neue Dauerausstellung.

Das 1. Obergeschoss des Museums widmet sich den regionalen Besonderheiten, die Winsen und die Elbmarsch zu bieten haben. Die Ausstellung wurde von Grund auf erneuert und bietet nun eine ansprechende und moderne Gestaltung mit digitalen Medienstationen. Ein weiteres Projekt des Museums kann am 13. Juni endlich eröffnet werden: Die „Kinderbauhütte am Winsener Schloss“.

Die nach über 20 Jahren neu gestaltete Dauerausstellung im 1. Obergeschoss des Museums im Marstall widmet sich den regionalen Besonderheiten, die die Bereiche Elbmarschkultur mit den berühmten Stickereien und Intarsienmöbeln sowie den Künstler Hugo Friedrich Hartmann umfassen. Neu gestaltet und erweitert wurde auch die Abteilung Johann Peter Eckermann, die auf die neuen Erkenntnisse der Eckermann-Forschung zurückgreift.

Die umfangreiche museale Sammlung zur Elbmarschkultur wurde digital erfasst und wird in drei Medienstationen in Form einer virtuellen Ausstellung präsentiert. Durch die Digitalisierung der Objekte ist es dem Besucher nun möglich, den gesamten Bestand, der sonst aus konservatorischen Gründen im Magazin lagert, zu sehen. Außerdem sind in den Medienstationen zusätzliche Anschauungs- und Informationsebenen zum jeweiligen Thema nutzbar. Neben der digitalen Präsentation werden Original-Objekte in Vitrinen gezeigt. Da das Museum räumlich sehr eingeschränkt ist, sind diese zum Teil auch in den Medienstationen selbst in Schubladen untergebracht, die bei Bedarf vom Besucher herausgezogen werden können. An den Medienstationen ist überdies noch eine zusätzliche Arbeitsfläche angebracht, die auch im Zusammenhang mit Schüleraktionen und -führungen genutzt werden kann.

Die Medienstation im Bereich Intarsien bietet neben der Vorstellung des Objektbestands auch die Einordnung in die Kunstgeschichte sowie Informationsebenen zu den bekannten Tischlern der Region, zur Herstellungsweise der intarsierten Objekte, den verwendeten Holzarten und den typischen Motiven. Ein historischer Film aus den 1930er Jahren ergänzt die Inhalte. Ähnlich verhält es sich bei der Medienstation zu den bekannten Stickereien der Winsener Marsch, die nur hier schon im 18. Jahrhundert in farbigem Plattstich ausgeführt wurden. Auch hier werden die Herstellungsweise, die Materialkunde, die Einordnung in die Geschichte der Mode und die typischen Motive und Farben abgebildet. Hinzu kommt ein kleiner neuer Film über die Kunst, die richtigen Stiche dieser Region zu fertigen. Natürlich ergänzen Originale die Digitalschau.

Sehr umfassend ist das Werk des Malers und Grafikers Hugo Friedrich Hartmann, der viele Bilder aus der Marschenregion hinterließ. Besonders bekannt für seine Pferdebilder, wird hier jedoch ein Querschnitt durch sein beeindruckendes Gesamtwerk gezeigt. Herausragend sind die von ihm gefertigten Fensterbierscheiben, die eine Besonderheit in seinem Werk darstellen, und hier im Original gezeigt werden. Ergänzend werden die Entwürfe hierzu in der Medienstation dargestellt. Zur virtuellen Galerie gesellen sich auch Originalgrafiken und -gemälde.

An speziellen Hörstationen kommen bedeutende Persönlichkeiten der Winsener Geschichte zu Wort.

Für die kleinen Besucherinnen und Besucher wurde ein separater Kinderspielbereich eingerichtet, in dem auch Motive aus der Winsener Geschichte aufgegriffen wurden.

Unter dem Motto „Vom Lehrling zum kleinen Baumeister“ bietet das Museum im Marstall in Winsen (Luhe) ein einzigartiges, kostenloses Mitmachprogramm an. Kinder lernen, wie die Gebäude ihrer Umgebung früher errichtet wurden, und können dies selber ausprobieren. Eingebunden in die historischen Bauten der Winsener Altstadt und des Schlosses lernen Kinder von fünf bis 13 Jahren altes Handwerk kennen: Lehmflechtwände, Fachwerkverbindungen oder Ziegelmauerwerk werden in kindgerechter Größe nachgebaut.

Die Kinderbauhütte, ein mit dem Förderpreis Museumspädagogik der VGH-Stiftung 2020 ausgezeichnetes Projekt, findet bis Ende Oktober an mehreren Wochenenden und in einzelnen Ferienwochen statt. Das Mitmachprogramm wird vor dem Marstall im Winsener Schlosspark errichtet und kann dort an den Wochenenden als offenes Angebot besucht werden. Die Angebote sind dank der großzügigen Unterstützung der VGH-Stiftung, der Stiftung für Stifter der Sparkasse Harburg-Buxtehude und der Stiftung Hof Schlüter kostenlos. Lediglich das Ferienprogramm erfordert eine Anmeldung und einen kleinen Kostenbeitrag.

Natürlich kann die Kinderbauhütte auch als gebuchtes Programm gegen Kostenerstattung durchgeführt werden: für Schulen, Kindergeburtstage oder für Erwachsene in sozialen Einrichtungen.

Das Museum im Marstall kooperiert bei der Kinderbauhütte mit regionalen Handwerkern, die ihr Fachwissen vor Ort teilen. Die Zimmereibetriebe Emil von Elling & Sohn aus Winsen und Bardowicks.Haus und Holzbau aus Stöckte unterstützen die Kinder unter anderem beim Erstellen von Zapfenverbindungen im Fachwerkbau, das Bauunternehmen Ruschmeyer stellt sein Fachwissen im Ziegelbau zur Verfügung, ebenso wie der Metallbaubetrieb Jan Jürgens im Schmiedehandwerk und die Dachdeckerei Jan Henning mit verschiedensten Dacheindeckungen ihre Kenntnisse bei den einzelnen Terminen einbringen. Das Klinkerwerk Rusch aus Drochtersen stellte extra kleine, kindgerechte Ziegelsteine und Klinker für die Bauhütte her.

So verschieden wie die Baumaterialien in den letzten Jahrhunderten, so vielseitig ist auch das Angebot der Kinderbauhütte. Mal wird es um Lehmflechtwerk und Lehmziegel gehen, mal um Holzverbindungen im Fachwerkbau oder um das Mauern mit Ziegeln. Ein eigens angefertigtes Miniatur-Fachwerkhaus steht für die Kinder bereit, das fachgerecht errichtet und mit Miniatur-Ziegeln ausgefacht werden kann. Mit ebenfalls speziellen kleinen Lehmziegelformen können Lehmziegel hergestellt werden oder es kann an einer Lehmflechtwand ausprobiert werden, wie man früher solche Wände abdichtete.

Das Museum im Marstall möchte den Kindern die Baugeschichte Norddeutschlands näherbringen und damit praktische Denkmalpädagogik betreiben. Durch fachliche Anleitung und praktische Übungen erhalten die Kinder ein Gefühl für ihre historische Umgebung. „Kinder sollen spielerisch an die Themen Denkmalschutz und Handwerk herangeführt und für den Wert der Baudenkmäler in ihrer unmittelbaren Umgebung sensibilisiert werden“, so das Anliegen des 1. Vorsitzenden Prof. Dr. Rolf Wiese. Sowohl in der Stadt Winsen als auch in den Orten der Heide und der Elbmarsch finden sich viele historische Gebäude, die sich aufgrund ihrer Geschichte und ihrer baulichen Besonderheiten als Anschauungsobjekte für historisches Bauen in der Region eignen. Das Schloss, vermutlicher Baubeginn 1190, wurde auf Rammpfählen errichtet, da sich die Anlage als Wasserburg in feuchtem Gebiet befindet. Der Marstall, der 1599 errichtet wurde und eins der größten Fachwerkgebäude in Nordniedersachsen ist, weist in seinem Inneren bedeutende Fachwerkverbindungen auf, die von den Fähigkeiten früherer Zimmerleute zeugen. Und in der Winsener Altstadt reicht die Vielfalt der Gebäude vom reich verzierten Holz- und Mauerwerk des Blaufärberhauses bis hin zu Beispielen kleinbürgerlichen Wohnens, wie in der Luhestraße 19, wo das Gebäude Lehmwände aufweist.

Bauhütten entstanden traditionell beim Bau größerer Gebäude, beginnend im mittelalterlichen Kathedralen-Bau. Handwerker aus der weiteren Umgebung errichteten vor Ort Hütten zum Leben und Arbeiten. Dieses wird durch die Kinderbauhütte des Museums im Marstall nachgestellt. Es ist denkbar, dass auch beim Bau des Winsener Schlosses eine solche Bauhütte existierte, die bisher aber nicht nachweisbar ist.

Museum im Marstall, Schloßplatz 11, 21423 Winsen (Luhe), www.museum-im-marstall.de

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