Neues Sternbrückenhaus wird Kulturstandort sichern

Von wegen „geht nicht!“

So könnte es aussehen: neuen Brücke, neues Clubhaus in der Sternschanze. (Ill.: TF Architekten)

In der Frage um die Zukunft der an der Sternbrücke ansässigen Clubs zeichnet sich eine Lösung ab. Nicht Brücke statt Clubs, sondern Brücke mit Clubs. Und während die Bezirksamtsleiterin noch denkt „geht nicht!“,  schaffen die Akteure längst Fakten.

Ein neu zu bauendes Clubhaus auf einem stadteigenen Grundstück könnte die zukünftige Heimat der Astra Stube, des Fundbureaus, des Waagenbaus und weiterer Kulturbetriebe werden. Das Grundstück selbst befindet sich direkt neben der Brücke an der Kreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße. Der Vorschlag für den dortigen Neubau wurde direkt aus der Clubszene in Zusammenarbeit mit einem Architekten aus dem Viertel entwickelt. . Das Konzept ist in enger Abstimmung mit der Deutschen Bahn entstanden. Auch die Stadt selbst begrüßt diesen Vorschlag.

Claudia Mohr, Inhaberin Waagenbau: „Die Sternbrückenclubs Astrastube, Fundbureau und Waagenbau sind seit einem Vierteljahrhundert fest an der Sternbrücke verwurzelt und ein lebendiger Teil ihrer langen Geschichte. Von Beginn an war klar, dass die Flächen unter der Brücke nur als Zwischennutzung zur Verfügung stehen, da die Sternbrücke bereits damals als dringend erneuerungsbedürfig galt. Aber bekanntlich hält nichts länger als ein Provisorium, besonders wenn es mit Gaffatape, Kabelbindern und so viel Liebe verschnürt ist! Im Zuge der anstehenden Bauarbeiten verlieren wir alle unser Zuhause, egal ob saniert oder neu gebaut wird. Unser Ziel ist es, den Kulturstandort zu erhalten. Und gemeinsam mit den Anwohnerinnen und Anwohnern die Zukunft der Sternbrücke und der Flächen rund herum zu gestalten.“

Axel Farnschläder, Inhaber TF Architekten: „Bei den vorliegenden Gestaltungsvorschlägen haben wir uns an der Materialkomposition des Bestandes orientiert. Neben den Nachhaltigkeitsgedanken und der Beachtung von umweltverträglichen, recyclebaren Baustoffen soll durch die Wiederverwendung der Ziegelsteine aus den bestehenden Bauwerken und Stahlträgern aus der bestehenden Sternbrücke eine versöhnliche Symbiose aus Alt und Neu geschaffen werden. Durch die Ausformulierung von Details im Bereich von Materialübergängen und Konstruktionselementen, erhalten die vorgeschlagenen Oberflächen eine robuste Plastizität mit einem Wechselspiel von Fein und Grob. Durch die gewählten Materialwelten, soll dem rauen, ehrlichen, diversen Charme der Schanze Rechnung getragen werden. Diese komplexe Aufgabenstellung hatte für mich als Planer die Besonderheit, da neben unserer fachlichen Expertise als Architekten und Stadtplaner auch der Blick als Anwohner des Viertels und letztendlich, durch die vielen Stunden, welche ich in den Clubs in den letzten 20 Jahren verbracht habe, auch der Blick des Nutzers, in die vorliegende Konzeption eingeflossen ist.“

Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende: „Es gibt kein Szenario, in dem die Clubs unter der Brücke erhalten worden wären, weil selbst bei einer Sanierung die entsprechenden Räume hätten verfüllt werden müssen. Die Sternbrückenclubs machen aber einen Großteil der mit dem Ort verbundenen Emotionen aus. Deswegen ist es sehr wichtig, eine echte Perspektive für die Sternbrückenclubs aufzuzeigen – und zwar an der Sternbrücke selbst. Daher begrüße ich den Vorstoß aus der Clubszene zusammen mit einem Architekten aus dem Viertel. Die neuen Illustrationen zeigen zudem das Potenzial zur weiteren Entwicklung der Brücke und ihres städtebaulichen Umfeldes. Auf dieser Basis wird die Bahn eine Gestaltungswerkstatt zur Weiterentwicklung des Brückendesigns gemeinsam mit der örtlichen Politik und den Menschen vor Ort durchführen.“

Andreas Dressel, Finanzsenator: „Die Sternbrücke ist für die Hamburger Clubszene ein ganz besonderer Ort. Das gilt es auch angesichts der aktuellen Brückenplanungen zu erhalten. Die Clubs haben in Zusammenarbeit mit der DB nun einen gleichermaßen kreativen wie konstruktiven Vorschlag vorgelegt, mit dem der Charme dieses Ortes und die Clubkultur erhalten bleiben können – auch zusammen mit der neuen, aber hierauf besser abgestimmten Brückenplanung. Wir unterstützen diese Club-Planung gerne mit unserem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) und werden jetzt zügig in die notwendigen Prüfungen einsteigen. Es wäre schön, wenn das zur Konsensbildung vor Ort rund um die neue Brücke einen Beitrag leisten könnte.“

Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Rund um die Sternbrücke hat sich über viele Jahre ein Epizentrum der Hamburger Clubszene entwickelt. So wie wir alles dafür tun, dass die derzeit Corona-bedingt geschlossenen Clubs erhalten bleiben, müssen wir auch im Zuge des Neubaus der Sternbrücke alles dafür tun, dass diese einzigartige Clubkultur erhalten bleibt. Es ist ein großartiges Zeichen für die Kulturstadt Hamburg, dass die langfristige Sicherung der Clubs zentraler Bestandteil der aktuellen Überlegungen für das unmittelbare Umfeld der Sternbrücke ist.“

Markus Warnken, Projektleiter Sternbrücke, Deutsche Bahn: „Mit den Musikclubs stehen wir seit längerer Zeit in einem vertrauensvollen Dialog. Die Sicherung der Existenz der Kulturbetriebe ist uns wichtig. Deshalb haben wir die konstruktiven Schritte der Clubbetreiber zur Suche eines neuen Standorts gern unterstützt. Auf unsere positive Begleitung dürfen sie sich weiterhin verlassen. Die Idee eines neuen Clubhauses an der neuen Sternbrücke ist überzeugend und korrespondiert mit unseren Planungen. Die Kreativ-Impulse zum Brückendesign werden wir in die geplante Gestaltungswerkstatt einfließen lassen.“

Und auch die Hamburgische Ingenieurkammer-Bau begrüßt, dass ihrer Empfehlung einer transparenten Entscheidungsfindung nun gefolgt würde. „Die Einrichtung einer Gestaltungswerkstatt wird ausdrücklich begrüßt. Für die Zukunft bleibt die Hamburgische Ingenieurkammer-Bau jedoch bei der Auffassung, dass bei derartigen Infrastruktur-Großprojekten ein Ingenieurwettbewerb stets vorzuschalten ist.

Bauingenieure stehen regelmäßig vor der Herausforderung, die Funktion eines Bauwerkes, seine Gestalt, seine städtebauliche Einbindung und ökonomische Aspekte auf den Ort bezogen kritisch zu analysieren und zu beurteilen. Teil eines jeden Planungsprozesses muss es daher sein, in einem offenen Dialog Wünsche und Zwänge von Bauherren wie von unmittelbar Betroffenen konstruktiv aufzunehmen und ergebnisoffen zu diskutieren. Hierzu kann ein Ingenieurwettbewerb zur Findung einer bestmöglichen Lösung maßgeblich beitragen, der bei der Sternbrücke bedauerlicherweise nicht stattgefunden hat.“

Der Erhalt der Clubs, so liest es sich im Statement des Hamburger Senats, sei an ihren jetzigen Standorten weder bei einem Neubau noch bei einer Sanierung der Brücke möglich. Deshalb führt die Deutsche Bahn bereits seit mehreren Jahren Gespräche mit den Clubs über eine einvernehmliche Lösung. Die heute im Verkehrsausschuss vorgestellte Lösung sei das Ergebnis dieser Abstimmung unter Mitwirkung und Vermittlung der Stadt Hamburg. Das zu bebauende Grundstück ist bereits im Besitz Hamburgs. Der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen Hamburg prüft nun die Optionen zur Grundstücksentwicklung.

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