Corona-Virus zeigt Labilität von Harburgs Kulturszene

200 Absagen und gut 300.000,- € Schaden!

In Harburgs Clubs gehen die Lichter aus. (Foto: Tina Buchweitz)

Harburgs Kulturszene ist seit Jahren unterfinanziert und basiert auf viel privatem Engagement. Die Krise rund um die Corona-Pandemie trifft sie nun mitten  ins Herz.  

Die Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus treffen viele, die Harburger Kulturszene aber besonders hart.  Museen, Theater,  Volkshochschule und Bücherhallen haben bis auf weiteres geschlossen. Viele sind fest gefördert oder gar in kommunaler Hand, manche zumindest mit öffentlichen Geldern unterstützt. Aber der Großteil der Harburger Clubs und Kulturorte bieten Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Theater oder Vorträge aus privatem Engagement und  Risiko.

Sie trifft es jetzt ungewöhnlich hart, denn dass der Bezirk Harburg Hilfe geben kann, bezweifeln sie. Als Zusammenschluss in der Initiative SuedKultur  sind gut 50 Kulturinstitutionen im Bezirk Harburg vereint, die seit 12 Jahren sich gegenseitig unterstützen und für eine bessere Wahrnehmung der Kultur im Süden der Stadt sorgen. Aber sie kritisiert auch seit Jahren, dass z.B. in der Verteilung der Stadtteilkulturmittel des Senats an den Bezirk Harburg eine schwere Unterfinanzierung besteht. Rund 300.000,- € weniger als der Durchschnitt aller Hamburger Bezirke fehlen jährlich. Nun da Hilfe dringend geboten wäre, um abgesagte Auftritte und Einnahmen  sowie die Bedienung von Verbindlichkeiten in der größten Härte abzufedern, belegt sich dieser Missstand.

In einer Blitzumfrage vom vergangen Freitag (13. März 2020) zeigt sich schon jetzt: rund 200 Veranstaltungen sind alleine im März betroffen, mit rund 20.000 erwarteten Besuchern und einem direkten finanziellen Ausfall von konservativ geschätzten 300.000 €! Und noch haben nicht alle Kulturorte Rückmeldung gegeben. Hinzu kommt das private Vermietungsgeschäft, das die Kulturangebote aber eben auch Miete, Personal und Gastronomie mit finanzieren.

Heimo Rademaker, Sprecher der Initiative SuedKultur und selbst privater Betreiber des Marias Ballrooms: „Es stehen Existenzen auf dem Spiel! Es braucht dringend und vor Ort Hilfestellung für die Clubs und Kulturschaffenden. Die Kulturbehörde hat großzügige Unterstützung angesagt. Aber was kommt davon und für wen in Harburg an? Unsere Erfahrungen waren schon guten Zeiten nicht gut. Jetzt könnte es bedeuten, dass mancher Laden nicht nur vorübergehend schließt.“

Und sie machen einen Großteil des Harburger Kulturangebots aus: sei es Marias Ballroom, das Stellwerk, das Kulturcafé Komm du, die Fischhalle, das Old Dubliner, die Stumpfe Ecke, der Verein ContraZt e.V., die Inselklause aber auch der Speicher am Kaufhauskanal oder die Musikgemeinde Harburg, die gerade Konzerte mit den Hamburger Symphonikern absagen musste.

„Und wir wollen keine Extra-Wurst in Harburg. Denn bei vielen Kulturschaffenden in Hamburg geht es gerade ans Eingemachte. Aber Harburg ist besonders hart getroffen und hat seit Jahren sich zu wenig um Sicherungsmechanismen gekümmert und kümmern können. Von was auch?“, so Heimo Rademaker.

 

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