Blinden- und sehbehindertenverein Hamburg weitet Kulturangebot aus

Bei Anruf Kultur!

Grafik: Büro grauwert

„Bei Anruf Kultur“ war ein Projekt, das Anfang des Jahres startete und Menschen Kultur am Hörer nahebrachte, die sie sonst nicht erleben könnten. Jetzt wird das Angebot bald auf 20 Museen ausgeweitet …  Der Blinden- und sehbehindertenverein Hamburg (BSVH), das Büro grauwert und zahlreiche Kultureinrichtungen in Hamburg entwickelten im Frühjahr ein innovatives Vermittlungskonzept, um Kultur auch im Corona-Lockdown zugänglich zu machen. „Bei Anruf Kultur“ erreicht Menschen, die diese nicht live erleben können – per Telefon. Nun veröffentlichte die Initiative das Programm für das dritte Quartal. Rund 20 Museen, Sammlungen und Gedenkstätten bieten Führungen im Rahmen von „Bei Anruf Kultur“ an. Gefördert wird das Projekt bis Ende des Jahres von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg.

Es gibt Menschen, die Ausstellungen, Aufführungen oder andere kulturelle Angebote visuell nicht live erleben können. Zum Beispiel, weil sie blind oder sehbehindert sind. Oder sie sind aufgrund Ihres Alters nicht mobil genug für einen Besuch und digital nicht versiert. Andere können sich einen Besuch nicht leisten. Oder die Interessierten leben in einer anderen Stadt und wollten schon immer mal ein bestimmtes Museum in Hamburg besuchen. Für diese Menschen gibt es nun „Bei Anruf Kultur“. Nach der erfolgreichen Pilotphase möchten die Initiatoren das Konzept jetzt für den Kulturbetrieb etablieren und damit neue Zielgruppen erreichen. Die Behörde für Kultur und Medien unterstützt das Konzept und finanziert die Führungen, so dass das Angebot bis zum Ende des Jahres für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kostenlos ist.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der große Erfolg von ‚Bei Anruf Kultur‘ zeigt, dass die einfachen Ideen meist die besten sind! Das Angebot ist niedrigschwellig und spricht sehr unterschiedliche Zielgruppen für eine gemeinsame, akustische Führung an. Die Ausstellungen werden dabei so präzise beschrieben, dass sie vor dem inneren Auge lebendig werden. Ein tolles Projekt, das Kunst und Kultur mit dem Telefon für jeden und von jedem Ort aus erlebbar macht.“

Am Telefon können Gruppen von 15 Interessierten einer Führung folgen und auch Fragen stellen. „Bei Anruf Kultur funktioniert wie ein Podcast, bei dem zwischendurch Fragen gestellt werden können“, erklärt Mathias Knigge vom Büro grauwert. „Durch den gemeinsamen Austausch sind die Führungen sehr lebendig. Manchmal diskutieren die Teilnehmenden sogar weiter, wenn der Vermittelnde sich verabschiedet.“ „Unser Konzept ist inklusiv und bringt die unterschiedlichsten Menschen telefonisch zusammen. Das macht es so besonders“ ergänzt Melanie Wölwer vom BSVH. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir mit unserer Idee Menschen erreichen, an die bei kulturellen Angeboten bisher wenig gedacht wurde“.

Wie funktioniert Bei Anruf Kultur?

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Festnetznummer und den Zugangscode für die Einwahl. Während der Führung werden sie stumm geschaltet und können so in aller Ruhe zuhören. Zwischendurch werden die Teilnehmenden wieder dazu geschaltet, um Fragen zu stellen. Die Führungen dauern eine Stunde, ein weiterer Austausch im Anschluss ist möglich.

Die Initiatoren

Bei Anruf Kultur ist eine gemeinsame Initiative des Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) und grauwert, dem Büro für Inklusion und demografiefeste Lösungen. Gemeinsam mit verschiedenen Hamburger Museen und Kunstvermittlern schaffen sie mit den Telefonführungen ein Angebot, dass verschiedensten Zielgruppen eine interessante Alternative zu herkömmlichen Kulturvermittlung bietet.

Unterstützer

Unterstützt und finanziert wird das Projekt von der Behörde für Kultur und Medien, Hamburg. Die Pilotphase ermöglichten eine großzügige Förderungen der Stiftung Kulturglück und ein vom Kompetenznetzwerk EDAD (Design für Alle – Deutschland e. V.) initiiertes und von der Aktion Mensch unterstütztes Projekt, mit dem Ausstellungen und Veranstaltungen für blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher zugänglicher werden sollen.

Weitere Informationen und das Programm unter www.beianrufkultur.de

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