SuedLese-Interview mit Anke Küpper zur Ladies Crime Night 2026

Ab und zu fällt ein Schuss!

Die "Mörderische Schwester" Anke Küpper über Krimis und erste literarische Mörderinnen ... (Foto: Hinrich Franck)

In der Buxtehuder Stadtbibliothek findet am 7. März zum ersten Mal eine Ladies Crime Night statt. Und es ist ein doppeltes Debüt – denn es lesen nur Debütantinnen – des Schreibens – nicht des Mordens.

Wir haben mit der Organisatorin Anke Küpper gesprochen …

Tiefgang (TG): Anke Küpper, die „Ladies Crime Night“ gilt als eines der spannendsten Formate der Krimiszene. Jetzt feiert es Premiere in Buxtehude. Warum ist die dortige Stadtbibliothek genau das richtige „Pflaster“ für diesen kriminellen Abend? 

Anke Küpper: Die Mörderischen Schwestern freuen sich immer sehr, wenn sie an neuen Orten auftreten dürfen. Eine gewisse Größe, technische Ausstattung und am besten auch ein Techniker vor Ort sind wichtig, das alles bietet die Stadtbibliothek Buxtehude uns. Denn die Ladies Crime Night, das spezielle Lesungsformat der Mörderischen Schwestern e. V., ist keine gewöhnliche Lesung. Es treten in der Regel fünf bis sieben Lesende auf, dazwischen gibt es Musik. Und es fällt auch ab und zu ein Schuss.

TG: Das Prinzip ist gnadenlos: Nach exakt zehn Minuten fällt der Schuss und die Lesezeit ist vorbei. Was macht diesen Zeitdruck mit der Atmosphäre im Saal, und wie bereitest Du die fünf Debütantinnen auf diesen literarischen Adrenalinkick vor? 

Anke Küpper: Im Publikum herrscht atemlose Spannung, das Adrenalin pulsiert in den Adern. Die Autorinnen wählen ihre Lesestellen so aus, dass sie mit einem Cliffhanger enden, wenn nach zehn Minuten der Schuss fällt. Direkt vor der Veranstaltung machen wir eine Tonprobe, damit sich jede schon mal auf den Schuss einstellen kann. Wobei nicht jede schussfest wird. Auch nach fast zehn Jahren und unzähligen Ladies Crime Nights erschrecke ich immer noch jedes Mal und zucke bis in die letzte Reihe sichtbar zusammen. Das sorgt dann auch mal für Lacher.

TG: In diesem Jahr liegt der Fokus der SuedLese auf „Debütant*innen“. Warum hast Du dich entschieden, beim Buxtehuder Ableger ausschließlich Stimmen zu präsentieren, die gerade erst ihre ersten Schritte im Genre des Verbrechens wagen?

Anke Küpper: Bei jeder Ladies Crime Night bemühen wir uns, Neulinge unter die etablierten Autorinnen zu mischen, das klappt nicht immer. Es ist einfach toll, dass die SuedLese uns nun die Möglichkeit bietet, einmal nur Debütantinnen auf die Bühne zu holen. Ich freue mich jetzt schon auf diese ganz besondere „Erstes Mal“-Stimmung. Denn für manche ist es nicht nur der erste Krimi, sondern auch die erste Ladies Crime Night. Also gleich ein doppeltes Debüt.

TG: Als Netzwerk der „Mörderischen Schwestern“ unterstützt Ihr Frauen in der Kriminalliteratur. Vor welchen besonderen Herausforderungen stehen Krimi-Autorinnen heute, wenn sie ihr erstes Buch auf den Markt bringen?

Anke Küpper: Bei immer weniger Programmplätzen in den Verlagen haben es Debüts generell immer schwerer. Gerade die großen Verlage setzen zunehmend auf etablierte Autor*innen, die garantiert Geld bringen, und wagen wenig Neues. Viele Autor*innen entscheiden sich auch deshalb von vornherein fürs Selfpublishing. Wir haben am 7. März auch zwei tolle Selfpublisherinnen dabei. Hinzu kommt, dass zwar mehr Frauen als Männer Bücher veröffentlichen, aber die deutsche Studie #frauenzählen von 2018 hat gezeigt: 2/3 der rezensierten Bücher stammen immer noch von Männern. Diesem Ungleichgewicht in der Sichtbarkeit möchten wir entgegenwirken, indem wir Krimischreibenden Frauen zum Beispiel durch die Ladies Crime Nights eine Bühne bieten. Aber auch schon vorher beim Schreibprozess unterstützen die Mörderischen Schwestern durch ein Mentorinnenprogramm, und wir vergeben jedes Jahr ein Arbeitsstipendium.

TG: Bei der Auswahl der fünf Autorinnen – Hedda Anders, Ines Müller-Hansen, Naja A. Serpentes, Anja Sietz und Jana Stieler – deckt Ihr von humorvoll bis psychologisch tiefgründig alles ab. War es Dir wichtig, dem Publikum in Buxtehude die gesamte Bandbreite des weiblichen Mordens zu zeigen?

Anke Küpper: Zum einen ist es uns wichtig, die ganze Bandbreite weiblichen Mordens auf dem Papier zu zeigen. Zum anderen macht die Abwechslung beim Zuhören auch einfach mehr Spaß.

TG: Die SuedLese ist bekannt für ihre „Orte der Worte“. Eine Bibliothek assoziiert man oft mit Stille – bei Euch wird es laut und blutig. Wie viel „Gänsehaut-Faktor“ vertragen die Bücherregale in Buxtehude am 7. März?

Anke Küpper: Wir sind schon in einigen Bibliotheken aufgetreten, da ist alles noch heil! (lacht) Die Mörderischen Schwestern morden nur auf dem Papier und sind ansonsten ganz lieb. Bei den jeweils 10-minütgen Lesungen herrscht natürlich immer noch atemlose Stille. Nur dazwischen gibt es Musik und den ein oder anderen Schuss – vom Band. Wobei ja auch in anderen Zusammenhängen das Konzept der sogenannten Wasserglas-Lesung – Autor*in kommt auf die Bühne, sagt „Guten Abend“ und liest dann 1 Stunde am Stück – längst als überholt gilt. 

TG: Wenn der letzte Schuss gefallen ist und die Autorinnen die Bühne verlassen: Welches Gefühl (und natürlich auch Bücher) sollen die Besucher*innen der SuedLese nach dieser Premiere mit nach Hause nehmen?

Anke Küpper: Da fällt mir sofort „beschwingt“ und „leselustig“ ein. Nach jedem Schuss ist hoffentlich die Lust zum privaten Weiterlesen geweckt. Dafür gibt es immer einen gut gefüllten Büchertisch. Zwischen den einzelnen Lesungen ist jede Ladies Crime Night mit Musik untermalt – Krimi-Musik natürlich! So gruselig und auch mal blutig es zwischendrin sein darf: Die letzte Lesende präsentiert in der Regel einen nicht zu harten, eher humorvollen Text, Cosy Crime zum Beispiel. Viele Wiederholungstäterinnen und -täter im Publikum bestätigen den Erfolg unseres Leseformats.

TG: Besten Dank und volles Haus!

(Das Interview für „Tiefgang“ führte Heiko Langanke)

Termin:

Sa., 07. Mrz., 19 Uhr: Ladies Crime Night – Debüts (mit Hedda Anders, Ines Müller-Hansen, Naja A. Serpentes, Anja Sietz, Jana Stieler); Eintritt 12,- €

Stadtbibliothek Buxtehude, Fischerstraße 2, 21614 Buxtehude, www.buxtehude.de/stadtbibliothek

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