Einige Worte zur Decke, damit sie nicht auf den Kopf fällt …

BMWs und die Kurzarbeit

Foto: JaStra / Pixabay

John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Gestern hatte ich mit Henning telefoniert. Henning lebt im Süden der Covid19-Republik und hat ein Faible für Sozialgeschichte. „Nach dem Krieg sprach man  von den BMWs“, führte er mir aus. Damit seien jene gemeint gewesen, die als erstes sich Häuschen bauen konnten, weil ihre Geschäfte sofort wieder gut liefen: Bäcker, Metzger und Wirte. „Diesmal sind es dann wohl die KGBs“, juxte er sich einen. „Kioske, Gesundheitswaren und Bäcker!“

„Oder DSDS“, entgegnete ich: „Drogerien, Systemrelevante, Discounter und Spekulanten!“

„Auch nicht schlecht“, merkte Henning an und fragte gleich nach, ob ich jetzt nicht im Hamburger Süden wohne? „Durchaus“, antwortete ich und fragte, warum ihn das interessiere?

„In Harburg wurde erstmals das deutsche Kurzarbeitergeld erfunden. Das ist ja auch wieder schwer im Kommen“, sagte Henning in einem sich wandelnden Tonfall, der einem Professor gleichkam. „Eine der Kautschuk- oder Ölfabriken bei Euch hatte in der Wirtschaftskrise in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erstmals überlegt, ob man nicht die hunderten Arbeiter statt 12 Stunden einfach nur 6 Stunden arbeiten lassen könnte, dafür aber mehr Arbeiter einstellen würde. Und dafür hatten man öffentlich erwogen, ob nicht der Staat dafür auch Geld bereitstellte.“

Ich war hörbar erstaunt.

„Das war damals so ungewöhnlich, dass es unter den Unternehmern einen Aufschrei gab, weil man befürchtete, dass der Staat sich dann ja in die Wirtschaft einmischen könne. Auch unter den Arbeitern gab es Unruhe, weil sie Existenzängste bekamen, dass sie mit weniger Stunden nicht genügend Lohn bekämen.“

„Was Du nicht alles weißt“, sagte ich ehrlich bewundernd ob seiner Kenntnisse. Da wohnt man nichts ahnend im Süden Hamburgs und erfährt, dass der sonst nicht gerade attraktiv anmutende Stadtteil eine regelrechte Brutstätte des Sozialsystems der Republik ist.

„Und wie ging es aus?“, wollte ich nun doch neugierig den Lauf der Geschichte weiter verfolgen. „Die Fabrik machte es auf eigene Kappe und war dennoch guter Dinge. Denn sie merkten, dass die Arbeiter in kürzerer Arbeitszeit mehr Produktivität hatten als bei längerer. Die Stückzahlen je Arbeitsstunde waren besser, weil sie nicht so erschöpft waren.“

Vielleicht sollte ich mich doch mal auf die Spurensuche der Geschichte dieses Stadtteils begeben. Mal was anderes …

Euer John Pütz

 

 

 

 

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