Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Durchblick

Grafik: Tama66 / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Mein Zweifel fragt manchmal vorsichtig an, ob er mir was sagen darf.

Dann befürchte ich kritische Anmerkungen, die ich gar nicht gern höre. Allerdings freute ich mich über die Frage, denn oft genug rückt er auch einfach mit der Sprache heraus, und dann kann es passieren, dass ich einschnappe, weil ich das nun mal nicht hören wollte. Wenn er mir dagegen die Wahl lässt, kann ich mich mental darauf vorbereiten, dass etwas kommen könnte, was mir unangenehm ist. Dann ist meine Entscheidung, wann ich den richtigen Augenblick für gekommen halte, mich seinem Statement zu stellen.

Ich malte mir erst einmal aus, worum es gehen könnte, bis meine Neugierde groß genug ist und ich mich für eine zartbittere Wahrheit gewappnet fühlte. Und dann kam’s: Ich sollte unbedingt mal zum Optiker gehen. Weil ich vieles übersehe. Kleinigkeiten, über die sich streiten ließe.

Ohne Brille bin ich tatsächlich mit Blindheit geschlagen. Ein Umstand, den ich mir vor allem gerne bei der Hausarbeit zunutze mache. Denn vermutlicher Schmutz stört mich weniger als weithin sichtbarer. Mein Zweifel nimmt die Rolle des schlechten Gewissens ein, das mein Selbstbild ins Visier nimmt.

Ich halte mich für sehsüchtig, aber am liebsten sehe ich nur, was ich sehen will, z. B. blühende Landschaften.

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