Meine Lieben, schnallt euch an! Habt ihr die Sonne heute Morgen gesehen? Sie ist gnadenlos. Nicht nur, weil sie uns die ersten Sommersprossen auf die Nase zaubert, sondern weil sie jedes Staubkorn und jeden achtlos weggeworfenen Kaffeebecher in unseren Parks und Straßen beleuchtet.
Der 21. März ist offiziell Frühlingsanfang, die Luft ist glasklar und frisch, und während wir die dicken Schals langsam lockerer wickeln, wird mir eines klar: Von nichts kommt nichts.
Diese Woche heißt es bei uns nämlich wieder: Hamburg räumt auf. Und während in der City vielleicht nur die Stadtreinigung mit den großen Maschinen durchrollt, zeigen wir hier im Süden, was echte Nachbarschaft bedeutet. Überall im Bezirk sieht man Gruppen von Schüler*innen, Vereinsmitgliedern und engagierten Anwohner*innen, die mit gelben Säcken und Greifzangen bewaffnet dem Winterdreck den Kampf ansagen.
Das ist genau der Punkt, an dem meine Begeisterung für Harburg wieder voll aufflammt. Wir können uns stundenlang darüber streiten, ob ein roter Klinker-Teppich in der Lüneburger Straße die Rettung ist oder nur teure Kosmetik für ein tieferliegendes Problem. Aber wenn Nachbar*innen gemeinsam losziehen, um den Spielplatz am Schwarzenberg oder die Wege am Treffpunkthaus Heimfeld vom Müll zu befreien, dann passiert etwas, das kein Stadtplanungsbüro der Welt am Reißbrett entwerfen kann. Es entsteht echter Stolz auf den eigenen Kiez.
Ich habe mich diese Woche mal bei ein paar dieser Putz-Trupps umgehört. Die Energie ist fantastisch! Da wird nicht gewartet, bis das Bezirksamt das nächste Budget für eine Hochglanz-Sanierung freigibt. Da wird angepackt. Es ist dieser schnelle, energische Stil, den wir hier brauchen. Denn mal ehrlich: Ein sauberer Gehweg ist am Ende viel schöner als ein roter Teppich, auf dem der Unrat von letzter Woche liegt.
Natürlich bleibt die kritische Frage berechtigt: Warum müssen eigentlich die Bürger*innen den Job machen, für den wir Steuern zahlen? Das ist eine Debatte über Kulturpolitik und Sauberkeit, die wir führen müssen. Aber vielleicht ist diese gemeinsame Aktion auch eine Art Liebeserklärung an unseren Stadtteil. Wer einmal selbst den Müll aus dem Gebüsch gefischt hat, der passt in Zukunft vielleicht auch besser auf seine Umgebung auf.
Mein Tipp für dieses sonnige Wochenende: Nutzt die frische Luft für einen Spaziergang. Vielleicht habt ihr ja sogar Lust, euch spontan einer der Gruppen anzuschließen. Es gibt kaum ein besseres Gefühl, als nach getaner Arbeit in der Frühlingssonne zu stehen und zu sehen, dass unser Harburg wieder ein kleines bisschen mehr glänzt – und zwar aus eigener Kraft.
Wir sehen uns draußen – hoffentlich mit sauberen Wegen unter den Füßen!
Eure Clara
