Liberale Jüdische Gemeinde feiert ersten Pride Schabbat

Die Feier des Isrealitischen Tempelverbandes Hamburg. (Foto: PR)

Der erste Pride Schabbat in Hamburg wurde zu Beginn der Hamburger PrideWeek am 29. Juli 2022 mit rund 90 Gemeindegliedern und Gästen im Jüdischen Kulturhaus in der Flora-Neumann Straße gefeiert.

Geleitet wurde der Gottesdienst von Daniel Alter, dem Liberalen Landesrabbiner der Stadt Hamburg.
Ein Gemeindegottesdienst, der schon im Eingangsgebet deutlich machte, dass diese Gemeinde alle Gäste willkommen heißt, die sich nach Liebe sehnen und Gemeinschaft suchen. Kleinlichkeit und Stolz, Neid und Feindschaft sollten draußen bleiben. Die Gemeinde steht in der Tradition des Tempels in der Poolstraße: Alle gehen gemeinsam durch ein Eingangstor.

Die Gemeinde wurde 1817 gegründet und führt seit 2004 ihre Arbeit fort. Sie ist die zweite traditionelle jüdische Gemeinde in Hamburg. Gleichzeitig ist sie die Muttergemeinde des weltweiten liberalen Judentums, das durch die Gemeinde in Hamburg begründet worden ist. Die liberalen Jüdischen Gemeinden in den USA haben heute fast 2,2 Mio. Mitglieder und berufen sich auf Hamburg und den Israelitischen Tempelverband. Vor der Shoah hatte die Gemeinde 1934 fast 900 Mitglieder. Beide Synagogen (gen. Tempel) stehen noch – die Teilruine Poolstraße und der neue Tempel in der Oberstraße 120 (heute NDR). Bis heute besitzt die Gemeinde keine eigenen Räume, noch wurde sie restituiert.

Zum Kaddisch-Gebet wurden Namen von in der NS-Zeit mehrfach geächteten bi- und homosexuellen Personen vorgelesen. Darunter waren Sinti, Menschen und Paare mit jüdischen Wurzeln, Menschen, die für jüdisch gehalten wurden. Menschen, die sich zur Religion bekannten. 35 Gäste sind der Einladung der Gemeinde zu der Veranstaltung gefolgt. Darunter Ehrenmitglied Peggy Parnass, die sich gefreut hat, dass homo-, bi- und transsexuelle Menschen in der Gemeinde willkommen geheißen sind und eine Heimat gefunden haben. Zu den besonderen Gästen gehörten auch der Bürgerschaftsvizepräsident Frank Schmitt und Hamburgs Antisemitismusbeauftragter Stefan Hensel. Weitere Gäste kamen von der Aidshilfe, der Regenbogenstiftung, Keshet Deutschland, aus dem Konvent schwuler und lesbischer TheologInnen der Nordkirche.
Eike Steinig, zweiter Vorsitzende der Gemeinde sagt: „Ich bin stolz auf den großen Zusammenhalt, den es in dieser Gemeinde gibt. Menschen aus verschiedenen Ländern, wie der Ukraine und Russland, wirken hier ebenso zusammen, wie unsere homo-, bi- und transsexuellen Mitglieder. Wir sind wie eine große Familie zusammengewachsen. PrideSchabbat wollen wir nun jedes Jahr feiern“.
Fred Link, Gemeindeglied, ergänzt: „Wir werden unseren Weg für ein buntes, jüdisches und auch queeres Hamburg, weitergehen. Es erfüllt mich mit fröhlichem Stolz, dass unser Gemeindeglied Andrea Teil der Imagekampagne des Hamburg Pride geworden ist und ihr Gesicht der ganzen Stadt zeigt“.
Beim Ausklang nach dem Gottesdienst fand ein reger Austausch statt, bis die letzten Gäste nach Mitternacht nach Hause gingen. Der Israelitische Tempelverband umfasst über 330 Gemeindeglieder und fast ebenso großen Freundeskreis. Ein Großteil der Gemeindearbeit, wie die Hilfe für ukrainische Flüchtlinge, findet ehrenamtlich statt. Die Gemeinde feiert Gottesdienste an verschiedenen Orten in der Stadt.

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